Honigfrauen

Quelle: Amazon

Eine richtig toller Film lief gestern im Abendprogramm des ZDF. Die Geschichte um zwei Schwestern aus Erfurt, die 1986 Urlaub am Balaton machen, weckte meine Aufmerksamkeit durch seine guten Kritiken im Netz. Und tatsächlich, ich wurde nicht enttäuscht.

Normalerweise bin ich kritisch, wenn ich Filme sehe, die über das Leben in der ehemaligen DDR handeln. Viele sind zu Klischee beladen und bilden nicht das Leben ab, wie ich es kennengelernt habe. Daher gehe ich meist mit einer gewissen Skepsis an solche Produktionen heran. Doch das, was das Produktionsteam von Seven Dogs unter der Regie von Ben Verbong da inszeniert hat, kann sich sehen lassen. Da vereint sich Spannung, Psychologie und Authensität zu einem vielschichtigen Plot der niemals unglaubwürdig wird.

Zunächst war ich besorgt, wie viele Handlungsfäden die Macher denn noch in die neunzig Minuten packen wollten. Erst als ich am Ende mitbekam, dass es der erste Teil einer Trilogie ist, war ich beruhigt. Denn so viele Fässer, wie in der ersten Stunde aufgemacht wurden, kann man in neunzig Minuten nicht schließen.

Da sind zum einen die beiden jungen Frauen, die zum ersten Mal aus der DDR ins Ausland reisen – im Gepäck ihre Vorurteile gegen Westdeutsche und die Warnungen der Eltern vor der omnipräsenten Stasi. Unten angekommen werden sie direkt mit den Verlockungen des Westens konfrontiert und werfen die Vorsicht schnell über Bord.

Auf dem Campingplatz auf dem die beiden zelten, wartet der westdeutsche Freund ihrer Mutter (gut gespielt von Anja Kling). Die Ältere der Schwestern ist seine Tochter, die er in 25 Jahren noch nie gesehen hat. Das brisante, weder Tochter noch der aktuelle Ehemann der Mutter, und Vater der anderen Schwester, wissen von dem Geheimnis.

Zu den jungen Leuten, die sich auf dem Campingplatz tummeln und zu denen die Schwestern schnell Kontakt finden, zählen auch Rudi, ein ruhiger und anständiger junger Mann, sowie ein verliebtes Pärchen. Alle drei haben ebenfalls etwas zu verbergen, was den Schwestern gefährlich werden könnte.

Und dann ist da noch der Chef eines 5 Sterne-Hotels, in den sich beide Schwestern verlieben und der die jungen Frauen aus dem Osten mit westlichem Lebensstil ködert. Außerdem ist er der Kopf einer Schleuserbande und steht unter Beobachtung durch die Stasi und der ungarischen Behörden.

Das alles spitzt sich schön langsam zu, und die Zuschauer wissen oftmals mehr, als die beiden Protagonistinnen. Dass macht die Geschichte unheimlich spannend. Dazu spielen die Darsteller sehr natürlich und unverbraucht, vor allem die beiden Schwestern (gespielt von Cornelia Gröschel und Sonja Gerhardt). Das macht Lust auf mehr …

Sicher werde ich auch am nächsten Sonntag wieder einschalten, wenn der zweite Teil läuft. Hoffentlich ist der genauso gut wie Teil eins.

Die dreiteilige Produktion erscheint am 5. Mai auch auf einer Doppel DVD. Bis dahin kann man sie auch in der Mediathek des ZDF ansehen.

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