Das Westpaket

Heute möchte ich mal wieder aus meiner Kindheit erzählen. Ich kam darauf, weil ich in den vergangenen Wochen zwei Carepakete erhalten habe. Was und von wem ist an dieser Stelle nicht wichtig, aber es erinnerte mich daran, wie es war, als Kind ein Paket aus dem Westen zu bekommen.

Sie kamen meist nur zwei oder dreimal im Jahr, aber es war immer aufregend. Man fragte sich, was wohl drin sein wird. Meistens waren die Westpakete an meine Oma adressiert. Weil ich nach der Schule immer bei ihr war, bekam ich das natürlich als einzige Enkelin direkt mit und durfte dabei sein, wenn ausgepackt wurde. Allein das Öffnen eines Westpakets glich einer heiligen, fast rituellen Handlung. Meist war der Karton zum Schutz zusätzlich in braunes Papier eingeschlagen und mit einem Hanfstrick verschnürt. Heutzutage ist das gar nicht mehr erlaubt, das mit dem Strick. Man löste zunächst die Knoten, so dass die Schnur nicht beschädigt wurde. Aufschneiden kam überhaupt nicht in Frage, weil man den Strick später noch verwenden konnte. Weil ich kleine Finger hatte, durfte ich das immer machen. Die Knoten waren manchmal ganz schön fest, und es dauerte etwas, sie zu lösen, aber ich bekam das hin. Wenn nicht, half Oma mit einer Häkelnadel nach.

Dann wurden vorsichtig die Klebestreifen des Packpapiers gelöst und der eigentliche Karton mit dem Inhalt entblößt. Das Papier wurde gefaltet und ebenfalls für den späteren Gebrauch aufbewahrt. Was mir mal wieder vor Augen führt, wie verschwenderisch wir derzeit mit den Dingen umgehen. Heute hebt kaum einer mehr Geschenkpapier oder Packpapier auf. Wenn, dann höchstens mal einen Karton oder einen großen Umschlag, in dem man wieder etwas versenden kann. In der Regel landet alles im Altpapier.

Zurück zum Westpaket. Nachdem die schützende Hülle um das Paket gefallen war, entfaltete sich dieser unbeschreibliche Geruch, den ich heute noch in der Nase habe. Es war diese spezielle Mischung aus Seife und Kaffee, die man heute nirgendwo mehr riechen kann. Es roch gleichzeitig fremd aber auch verlockend. Ich stellte mir vor, dass es im Westen überall so riechen musste. Habe aber später festgestellt, das dem nicht so ist. Manchmal erahne ich diesen Geruch, wenn ich in meiner Heimatstadt das große Marktkauf-Einkaufscenter besuche.

Da lag nun der ausgepackte Karton, meist eine Verpackung für Waschmittel oder Lebensmittel. Kartonagen, wie man sie heute noch im Supermarkt hinter der Kasse mitnehmen kann. Oftmals hatte sich die Verwandtschaft oder Bekanntschaft aus dem Westen nochmals die Mühe gemacht und einen Strick um den bloßen Karton gebunden, dann waren wieder meine Künste gefragt. Heute denke ich, dass man das tat, um den Damen im Zollpostamt mehr Arbeit zu bescheren und sie eventuell davon abzuhalten, das Paket überhaupt zu öffnen. Es war nämlich so, dass Pakete, die vom Westen in den Osten gingen, stichprobenartig kontrolliert wurden. Stichprobenartig deshalb, weil man sofort merkte, ob das Paket geöffnet worden war oder nicht. Denn nicht alle Pakete, die uns erreichten, waren tatsächlich auch geöffnet worden. Außer, manch Genossin oder Genosse (den Job durften nur staatstreue Parteimitglieder machen) hatten sich nur geschickter angestellt, wer weiß. Jedenfalls näherte man sich dem Inhalt eines Westpaketes nur Schritt für Schritt, was die Vorfreude vermehrte.

Erst nach dem Öffnen des Kartons wurde klar, ob es sich um ein »Seifenpaket« oder ein »Fresspaket« handelte. Ein Seifenpaket enthielt Seife, Waschmittel, Shampoo (ich mochte das mit Apfelduft), Kosmetikartikel aber auch Secondhand-Kleidung, Spielzeug oder Bücher. Wobei Letzteres eher weniger, weil man immer damit rechnen musste, dass eines der Bücher in der DDR auf dem Index stand und entweder rausgenommen oder das Paket an den Absender zurückgeschickt wurde. Ich kann mich nur an zwei Bücher erinnern, die ich auf diesem Weg bekommen habe: darunter »Heidi« von Johanna Spyri (die Schneiderbuch-Ausgabe) und ein Comic mit der Biene Maja, beides befindet sich immer noch in meinem Besitz. Über den Inhalt von Seifenpaketen freuten sich eher die Erwachsenen. Als Teenager profitierte ich höchstens von den Klamotten. So stammt meine erste Jeans aus einem Westpaket. Sie war mir zwar gute 30 Zentimeter zu lang, dafür aber eine echte Levis. Auch an ein T-Shirt mit Rollschuhen im Glitzerdruck kann ich mich erinnern, vermutlich besitze ich auch das noch irgendwo.

Ein Fresspaket war für mich als Kind dagegen eine richtig tolle Sache. Mit klopfendem Herzen packte ich die Schokolade, den Kaffee, die Kekse oder Bonbons aus. Allein die Verpackung der Waren beeindruckte. Alles glänzte, war bunt und fühlte sich glatt an. Vor allem roch es gut. Verpackungen in der DDR bestanden, sofern vorhanden, nur aus braunem oder grauen Recycling-Karton. Mir war klar, dass ich den Inhalt mit meinen Cousinen und Cousins teilen musste. Wobei ich Glück hatte, weil die meisten schon zu alt und einige bei den Staatsorganen der DDR tätig waren und das gar nicht hätten nehmen dürfen. Egal, es gab immer etwas, das für mich abfiel, ob es die Duplos mit den Sammelbildchen waren, die Marshmellows mit Kokos oder die Tafeln Ritter Sport- oder Milka-Schokolade. Die durfte ich natürlich nicht sofort und auf einem Schlag essen. Nein, die wurden über Monate eingeteilt. Ich kann mich erinnern, dass mich meine Mutter einmal sehr geschimpft hat, weil ich eine halbe Tafel Schokolade auf einmal gegessen hatte und das vor dem Essen. Man muss dazu sagen, dass ich als Kind stets ein schlechter Esser war, dürr und mager und es immer Kampf beim Abendrot gab, bis ich wenigstens eine Scheibe Wurst- oder Käsebrot gegessen hatte.

Ganz oft war in den Paketen auch Geld versteckt. Entweder in beigelegten Briefen oder Karten, wobei die auch verschwinden konnten, wenn das Zollpostamt sie entdeckte. Daher wurde das Geld versteckt und man musste die Verpackungen immer ganz genau unter die Lupe nehmen. Einmal fanden wir 50 DM in einer Packung mit Teebeuteln.

Ein Westpaket nur für mich bekam ich ab und zu an meinem Geburtstag von einer entfernten Bekannten meiner Großmutter. Das war meist ein Schuhkarton voll Süßigkeiten, Buntstiften und anderen Waren, die man in der DDR nicht kaufen konnte. Zur Konfirmation bekam ich eines mit Schmuck, einer Handtasche, einem schönen Halstuch und anderen Sachen, die sich ein junges Mädchen wünschte. Irgendwie schaffe ich es ich auch nach dreißig Jahren nicht, mich davon zu trennen, weil diese Geschenke noch heute für mich eine Bedeutung haben. Das mögen nicht einmal diejenigen verstehen, von denen ich die Dinge damals bekommen habe, sofern sie noch leben. Wobei ich im Nachhinein festgestellt habe, dass wir mehr Westpakete von Bekannten erhalten haben, als von der nahen Verwandtschaft.

So war das mit dem Westpaketen. Sie haben den Menschen in der DDR viel Freude gebracht und oft auch aus kleinen Nöten heraus geholfen. So wie der Katalog mit Kaminen, als mein Vater einen bauen wollte und kein Muster hatte. Der Kamin wurde nach einem Bild aus dem Katalog errichtet und brennt heute noch.

Schormscher Smalltalk

Quell: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 179 – »Seuchenschiff der Azaraq« von Rainer Schorm

Rhodan kehrt mit der Flotte der Apasos in das Ovi-System zurück und sieht sich dort mit einer Flotte von Gatasern konfrontiert, sondern auch den drohenden Zusammenbruch der Raumzeit. Zu allem Überfluss holen die Gataser-Blues auch noch ein Seuchenschiff ins System. Als Rhodan erfährt, dass auf dem Schiff der Sohn des gatasischen Flottenchefs an Choroba nemoc erkrankt ist, bricht er mit den Medizinern Tifflor, Sud sowie Gucky und dem Tetra Jeppafrom auf, um den jungen Gataser zu behandeln. Damit kann ein Blutvergießen zwischen den Apasos, den Gatasern und den Menschen verhindert werden.
Tuire Sitareh und Tim Schablonski suchen in den Katakomben von Impos nach der Zentrale der memetischen Maschine, um den drohenden Raumzeit-Zusammenbruch aufzuhalten und das Erwachen der supraheterodynamischen Existenz zu verhindern. Doch dazu benötigen sie den Darojib, den der Aulore an Bord der MAGELLAN zurückgelassen hat.
Derweil versuchen Icho Tolot und Erik Leyden zusammen mit dem Memeter Oxford die memetische Besatzung der AVENDANA-NAU zu wecken. Da taucht erneut der Wächter auf und erklärt ihnen, dass ihnen kaum noch Zeit bleibt, das Schiff zu reaktivieren. Weil die Raumzeitstörungen zu entarten beginnen, fordert er sie auf, den Darojib per memetischen Halbraumtransmitter an Tuire zu schicken.

Nach dem furiosen NEO von Kai Hirdt hatte ich mich sehr auf den Roman von Rainer Schorm gefreut. Auch weil der Autor mich mit seinen Romanen aus diesem und dem letzten Zyklus begeistern konnte. In »Das Seuchenschiff der Azaraq« fällt er aber leider in alte Gewohnheiten zurück. Mal davon abgesehen, das der Roman zu Beginn einen echten Schnitzer beinhaltet, erschlägt er mich durch viel zu viele metaphysische Ausführungen.

Besonders im Handlungsstrang um Sitareh und Schablonski schöpft er aus dem Vollen. Nur um eines klarzustellen: Ich mag physikalischen Exkursionen und ich habe auch kein Problem damit, wenn es technisch wird, so lange es nachvollziehbar bleibt. Aber was Rainer Schorm in diesem Roman versucht, ist einfach zu viel des Guten. Da werden Begriffe und Sachverhalte miteinander vermengt, die … sagen wir mal, nur bedingt verständlich sind. Das hört sich teilweise wie großer Hokuspokus an, aber nicht wie der ernsthafte Versuch einer Erläuterung. Sorry, aber für mich ist das zu weit weg. Das klingt zu sehr nach PERRY RHODAN-Erstauflage. Wenn ich so etwas lesen wollte, würde ich Erstauflage lesen und nicht NEO. Ich mag NEO gerade wegen seiner Bodenständigkeit und dem Versuch echte physikalische Erkenntnisse in den Geschichten zu verarbeiten. Solange eine gewisse Logik dahinter steckt, bin ich gern bereit, mich über die Schwelle der realen Physik hinaustragen zu lassen. In diesem Roman geht der Autor aber meines Erachtens zu weit, vor allem weil er viele Dinge nur anreißt, ohne sie einer intensiveren Betrachtung zu würdigen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Anschlussfehler aus einem der vorangegangenen Romane. Da tauchen plötzlich wieder Hornschreckwürmer auf, obwohl diese Gefahr in Band 177 gebannt worden war. Dabei haben sie keinerlei relevanten Handlungszweck, außer die Macht der Schiffsintelligenz der AVENDANA-NAU zu demonstrieren und durch den Energieverlust des Schiffs auch die Spannung für den Leser zu erhöhen. Ein vermeidbarer Fehler, weil das einfacher hätte gezeigt werden können, zum Beispiel durch die zusammenbrechende Statik des Schiffes.

Dieses Mal stört mich auch das ständige Geplänkel zwischen den Figuren, besonders zwischen Sitareh und Schablonski, bzw. Tolot und Leyden. Die Wortgefechte tragen oft nur wenig zur Handlung bei. Bei manchem fragte ich mich zudem nach dem Sinn. Weshalb ich der Besprechung auch den Titel »Schormscher Smalltalk« gegeben habe. Das hat er in den vergangenen Romanen deutlich besser im Griff gehabt.

Gelungen ist der Handlungsstrang um Rhodan auf dem Seuchenschiff. Das ist in der Tat emotional bewegend geschrieben und der Autor hat sich in dem Fall mit dem Geplänkel zurückgehalten. Mein Highlight sind die kurzen Logbucheinträge des Arztes auf dem Seuchenschiff. Davon hätte ich gern mehr gelesen.

Im vorletzten Roman der Blues-Staffel werden die Figuren vor dem großen Finale in Stellung gebracht. Das ist durchaus spannend, wenn man von den metaphysischen Erklärungsversuchen absieht, mit dem der Autor die Seiten füllt. Mir war klar, dass es schwierig werden wird, eine glaubhafte Auflösung des Konfliktes und der Rettung der Arche zu finden. Meine Befürchtung, dass an dieser Stelle wieder Deus ex machina-Lösungen herhalten müssen, scheint sich zu bestätigen. So sehe ich dem Finale der Staffel eher mit gemischten Gefühlen entgegen. Zumindest erahne ich, wie Perry Rhodan die elf Milliarden Menschen von Impos wegbringen wird.

»Das Seuchenschiff der Azaraq« ist keineswegs langweilig. Es bringt die Staffelhandlung voran und wirft einen sehr emotionalen Blick auf Krankheit und Leiden. Erkaufen muss sich der Leser die schönen Seiten im zweiten Teil des Buchs mit viel Technobabble und einem ärgerlichen Fehler am Anfang. In diesem Fall leider kein Meisterwerk von Rainer Schorm.

Ein Sternenhimmelbanner

Quelle: Wikipedia

Für meine brasilianischen Gäste erstellte ich vergangene Woche kurzerhand ein kleines Plakat, um sie angemessen in München begrüßen zu können. Dazu benötigte ich die Vorlage der brasilianischen Flagge. Und wo findet man eine solche Datei? Richtig, in der Wikipedia. Dabei stieß ich auf ihre Geschichte und betrachtete sie zum ersten Mal im Detail.

Die grüne Flagge mit der gelben Raute und dem blauen Kreis hat bestimmt jeder schon mal bei einer Fußball-WM gesehen. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die Farben zu zwei Adelsfamilien gehören, nämlich grün für das Haus Braganza und gelb für das der Habsburger. Erstere stellten den ersten Kaiser Brasiliens, der sich mit einer Habsburgerin aus Österreich vermählte.

Noch spannender finde ich jedoch den Inhalt des blauen Kreises. Wenn man sich den nämlich genauer betrachtet, entdeckt man unterschiedlich große Sterne. Ihre Anordnung ist dabei keineswegs zufällig, sondern stellt den Himmel über Rio de Janeiro zum Zeitpunkt der Proklamation der Brasilianischen Republik dar. Das war am 15. November 1889. Gut zu erkennen ist dabei das Kreuz des Südens und das Sternbild Skorpion ganz rechts. Aber auch der große Hund und das südliche Dreieck sind darauf zu sehen. Die Besonderheit der 27 abgebildeten Sterne ist, dass jeder von ihnen einen der 27 brasilianischen Bundesstaaten repräsentiert.

Der Spruch »ordem e progresso« (Ordnung und Fortschritt) war das portugiesische Motto und wurde zum ersten Mal von einem französischen Positivisten deklamiert.

Ich finde das alles unheimlich spannend. Da kommt einem die deutsche Flagge mit nur drei Farben fast langweilig vor.

Wie groß Brasilien wirklich ist, wurde mir erst im Gespräch mit César Maciel so richtig klar. Er stammt aus Belo Horizonte im Osten des Landes und sagte: »Wenn ich 2000 Kilometer nach Norden fahre oder 3000 Kilometer nach Westen oder 2000 Kilometer nach Süden, bin ich immer noch in Brasilien.« Das hat mich schwer beeindruckt.

Quelle: Wikipedia

Chimaira 1887

Quelle: Splitter Verlag

In den vergangenen Wochen habe ich Comics für mich entdeckt. Ich gebe zu, dass ich in der Vergangenheit das eine oder andere Vorurteil mit mir herumgeschleppt habe. Für mich waren Comics immer etwas für Kinder, oder für große Jungs, die Superhelden sein möchten oder für Mädchen die gern Manga-Prinzessinnen wären. Doch weit gefehlt, Comics sind tatsächlich mehr. Es gibt eine Vielzahl großartiger Geschichten mit noch bildgewaltigeren Zeichnungen. Ein paar habe ich im vergangenen Monat kennenlernen dürfen. Dabei hat sich mein Horizont in Richtung Comic oder Graphic Novel erweitert.

Eine Reihe hat mich am Wochenende besonders gefesselt. »Chimaira 1887« ist die Geschichte eines Mädchens, das im Neunzehnten Jahrhundert zur Prostitution gezwungen wird. Doch statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, dreht sie den Spieß herum und wird selbst zur Puffmutter. Die Geschichte wird in starken Bildern erzählt. Das ist manchmal nicht schön anzusehen, wirkt aber deshalb sehr authentisch.

Frauen waren im Neunzehnten Jahrhundert in Europa nicht mehr als Sklavinnen, den Männern schutzlos ausgeliefert, ob auf der Straße oder in der Ehe. Die 6-Bändige Reihe bringt das dem Leser sehr klar rüber. Gewalt, Sex, Tod – Die Schonungslosigkeit, mit der die Autoren und Zeichner die Geschichte erzählen, ist definitiv nichts für Kinder oder Jugendliche. Die Comics richten sich an ein erwachsenes Publikum und bestechen durch einen ausgeklügelten Plot.

Denn nichts ist so, wie es anfangs scheint. So tauschen Protagonistin und Antagonistin mitten in der Handlung die Plätze. Man lernt die Gesellschaft des Paris von 1887 kennen, sieht den Eifelturm wachsen und erfährt ganz nebenbei von den Schwierigkeiten beim Bau des Panamakanals und vom Panamaskandal. Dies ist der Kernpunkt, um den die Geschichte gestrickt ist. Aber all das war den Autoren nicht genug, sie haben sich einen spannenden Hintergrund zu dem Mädchen Chimaira ausgedacht und diesen über Erinnerungen gekonnt in die Handlung eingewoben. »Chimaira 1887« ist somit auch die Liebesgeschichte zwischen einer französischen Tänzerin und eines berühmten holländischen Malers.

Band 6 der Comic-Reihe erscheint im Januar 2019 bei Splitter, bis dahin muss ich auf die Auflösung der spannenden Geschichte warten. Alle anderen Bände sind beim Splitter Verlag oder im gut sortierten Comic-Buchhandel erhältlich.

Von kleinen und großen Chilipflanzen

Die Babychilis sind gewachsen.

Im April berichtete ich hier von meinem Versuch Sämlinge einer Chilipflanze zu vermehren. Es hat geklappt. Auch wenn nur drei Pflanzen durchgekommen sind.

Ich muss gestehen, dass ich nicht erwartete hatte, dass es so lange dauert. Aber die kleinen Pflänzchen haben einige Zeit gebraucht, um sich zu entwickeln. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde gar keine durchkommen. Doch dann pflanzte mein Mann sie kurzerhand in einen großen Topf um und siehe da, es regte sich was. Inzwischen zeigen sich die ersten Blüten, womit ich eigentlich in diesem Jahr nicht mehr gerechnet habe. Aber das liegt vielleicht daran, das sich mein Mann um die Pflanzen kümmert. Er hat einfach mehr Geschick darin. Deshalb sieht unsere Terrasse zur Zeit aus wie eine grüne Hölle, mit all den Kartoffeln, Tomaten, Kräutern und dem Weinstock, der sogar schon Trauben trägt.

Heute Morgen beim Frühstück entpuppten sich dann, die Früchte einer von meinem Mann als Gemüsepaprika gekauften Pflanze, als ziemlich scharf, um nicht zu sagen höllisch scharf. Wobei wir also jetzt nicht nur kleine Chilischoten ernten können, sondern auch große. Da können wir im Winter jede Menge Chili con Carne kochen.

Nun müssen wir die Pflanzen nur noch über den Winter bekommen. Das wird die nächste Herausforderung.

Brasilianische Hitze

Auf dem Marienplatz

Die Sonne knallte auf das Dach der Bahnhofshalle, heizte die Luft zu tropischen Temperaturen auf. Nicht nur mir lief der Schweiß in Strömen, auch meine Begleiter litten unter der Hitze. Wir warteten seit über zwei Stunden auf unseren Besuch, da sich die Deutsche Bahn mal wieder nicht an ihren Fahrplan halten konnte. Doch dann entdeckte ich unsere Gäste und hielt das Plakat hoch, was ich extra für das Treffen angefertigt hatte.

Die Mitglieder der brasilianischen PERRY RHODAN-Redaktion César Maciel, Rodrigo de Lélis und sein Sohn Gabriel waren zu einem Besuch nach München gekommen. Wir hatten schon vor Wochen diesen Termin geplant, aber keiner hatte ahnen können, dass es fast so heiß wie in Brasilien sein würde. Am überraschtesten waren die Brasilianer selbst. César verriet mir, dass sein diesjähriger Besuch sein Bild über Deutschland verändern würde. Zum einen wegen des tropischen Wetters und zum anderen wegen der Unpünktlichkeit der deutschen Züge. Ja, wir Deutschen können auch unorganisiert sein.

Beim Spaziergang durch das heiße München zeigte ich den Drei die eine oder andere Sehenswürdigkeit und erzählte, was ich an Wissenswerten innerhalb der zwölf Jahre aufgeschnappt hatte, die ich in München gewohnt hatte. Mit von der Partie waren mein Mann und Ekkehardt Brux vom Münchner PERRY RHODAN-Stammtisch, der extra von Landshut hergefahren war. Leider hat es keiner der anderen Stammtischmitglieder geschafft, an dem Treffen teilzunehmen. Einer war kurzfristig erkrankt, die anderen im Urlaub.

Unsere Gespräche drehten sich über die PERRY RHODAN-Serie, aber auch über Geschichte und die Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland. Dabei blieben wir immer wieder stehen und Rodrigo fotografierte alles, was ihn interessierte. Ich stellte fest, dass mein Englisch ein wenig holperte, weil ich in den vergangenen Jahren aus der Übung gekommen war. Umso erstaunter war ich, als César mitten in der Fußgängerzone mit mir mehrere akzentfreie Sätze in Deutsch wechselte. Da schämte ich mich ein wenig, dass sich mein Portugiesisch nur auf wenige Worte beschränkt. Später erzählte er mir, dass er die Heftromane des aktuellen Zyklus (nicht alle) auf deutsch liest und am Ende jedes Zyklus‘ eine Zusammenfassung für die brasilianischen Fans verfasst.

Im Englischen Garten angekommen, besuchten wir zunächst die Surfer am Eisbach. Da es so heiß war, herrschte an der stehenden Welle ein unglaubliches Gedränge. Aber auch der Rest des Englischen Gartens wurde von Menschen belagert. Das Grün des Rasens war zwischen den vielen Leibern kaum zu erkennen. Dazu rannten viele Teenager in Badehose und Bikini den Weg neben dem Eisbach entlang und stürzten sich von den Brücken aus in die Tiefe, wo sie sich vom reißenden Wasser davon treiben ließen. Wir rasteten an einer schattigen Stelle. Ich kühlte meine heißgelaufenen Füße in einem der Seitenkanäle, während ich mich bei César über Veröffentlichung der PERRY RHODAN-Serie in Brasilien informierte.

Selbst die Brasilianer wären gern noch länger geblieben, weil es im Park etwas kühler war, als in der Stadt. Aber wir waren alle durstig und machten uns auf die Suche nach einem Biergarten. Vor dem Hofbräuhaus tummelten sich Massen an Touristen. Und als wir in einer Seitenstraße endlich ein Restaurant mit freien Tischen im Schatten entdeckten, wussten wir spätestens nach einem Blick auf die Preise in der Speisekarte, warum so wenig Leute hier saßen. Zudem ging unablässig ein grüner Niederschlag auf uns nieder, der aus der von Wein bewachsenen Fassade regnete. Wir tranken etwas und tauschten Geschenke aus.

Rodrigo de Lélis, der Chefredakteur, überreichte mir sechs PERRY RHODAN-Bände der brasilianischen Ausgabe. Es waren vor allem Jubiläumsbände, die zusätzlichen zu den zwei Romanen, Interviews und Artikel zur Serie enthielt. Besonders angetan, war ich von den Illustrationen der brasilianischen Fans. Unter den Gaben war sogar der letzte Band, der als gedruckte Ausgabe erschien. Inzwischen werden die Romane in Brasilien nur noch als E-Books veröffentlicht und zwar parallel aus den Zyklen: »Die Altmutanten«, »Bardioc« und »Die Kosmischen Burgen«. Demnächst soll aber mit Ausgaben aus den Zweitausender Bänden gestartet werden.

Anschließend gingen wir langsam zum Bahnhof zurück, natürlich nicht ohne einen Abstecher über den Viktualienmarkt. Die Straßen schienen noch bevölkerter als am Nachmittag. Menschen aller Nationen tummelten sich in Cafés und Geschäften. Unsere brasilianischen Gäste zeigten sich beeindruckt wie kosmopolitisch sich die bayerische Landeshauptstadt präsentierte. Kaum eine Weltsprache, die wir an diesem Tag nicht gehört hatten.

Die Sonne hing schon tief, als wir uns am Hauptbahnhof verabschiedeten und zu einem letzten Foto aufstellten. César, Rodrigo und sein Sohn reisten zurück nach Rastatt. Während Ekkehardt sich auf den Heimweg nach Landshut machte und wir zum Ostbahnhof fuhren, wo wir den Abend im Bar-Restaurante-Portugal mit den STAR TREK-Fans vom Münchner Trekdinner ausklingen ließen.

Auf der Heimfahrt hing der verfinsterte Mond die ganze Zeit rostrot über den Alpengipfeln und der auch Mars hielt sein Versprechen und prangte hell am Himmel. Ich war von dem langen Spaziergang und der Hitze völlig erschöpft, aber glücklich. Denn der Tag in München hat mir erneut bewiesen, dass gemeinsame Interessen Menschen über Kontinente hinweg verbinden können.

Vielen Dank an César, Rodrigo und Gabriel dafür, dass sie den weiten Weg nach München auf sich genommen haben.

Surfen in der City
Badevergnügen am Eisbach
Willkommen und Abschied am Hauptbahnhof
brasilianische Ausgaben von PERRY RHODAN

Die SOL 91 im Anflug

Cover SOL 91 von Dimitri Rastorgoueff

Gestern bekam ich von unserem Layouter Günter Puschmann das PDF mit der neuen SOL zum finalen Check.

Gut sieht sie aus, die SOL 91. Der Schwerpunkt des Magazins der PRFZ liegt auf dem GarchingCon 11 und was läge näher, als ein Bild von Ernst Ellert auf dem Titelbild. Denn der GarchingCon wird seit Jahr und Tag vom PERRY RHODAN-Stammtisch »Ernst Ellert« aus München organisiert.

Neben dem Con-Schwerpunkt mit vielen Fotos gibt es ein umfangreiches Interview mit PERRY RHODAN-Autor Michael Marcus Thurner und die Besprechungen zur PR-Erstauflage und zu PR-NEO. Die Fanszene kommt in Form von Plüschgucky-Vater Gerhard Huber, Perrypedia-Admin Johannes Kreis und Autorin Angelika Rützel vom TCE zu Wort. Hintergründe zur PERRY RHODAN-Serie liefern Rainer Nagel und Dr. Robert Hector.

Mit Heft 91 startet erstmals eine längere Fortsetzungsgeschichte in der SOL. Jörg Isenberg entführt die Leser in ein Steampunk-Perryversum. Die Grafiken im Heft liefern Robert Straumann und Reinhard Habeck.

An dieser Stelle herzlichen Dank an alle am Heft Beteiligten. Ohne euch gäbe es keine SOL.

Die Schlussredaktion der SOL in den vergangenen Tagen ist unteranderem Schuld daran, dass ich zwei Tage nicht gebloggt habe. Für morgen sieht es auch nicht besser aus, da bin ich den ganzen Tag in München unterwegs, unteranderem auch in Sachen Perry.

Tja, im Moment ist einfach zu viel los, als dass ich meine Abende im Internet verbringen möchte. Dafür habe ich dann wieder einiges zu erzählen.

Die Bahn und ihre Sommerbaustellen

Da hatte ich die richtige Reiselektüre eingepackt, einen 850 Seiten Roman über die Reisen von Marco Polo.

Am Freitag und heute konnte ich auf meiner Bahnfahrt nicht nur den Roman zur Hälfte durchlesen, sondern mich regelrecht in den jungen Marco Polo auf seiner Reise nach Xanadu hineinversetzen. Wie die Hindernisse, die sich Marco Polo in den Weg stellten, so waren auch meine Fahrten gespickt mit jeder Menge Umstiegen, Baustellen und langsam fahrenden Zügen. Auf der Rückreise wäre ich noch fast in Prien gestrandet, weil das Bremssystem des MERIDIAN nicht richtig funktionierte und der Zugführer den Zug neu »booten« musste, bevor wir weiterfahren konnten. Zuvor bin ich noch durch den Münchner Hauptbahnhof gejoggt, damit ich den Zug überhaupt bekommen habe. Die Umsteigezeit lag bei 5 Minuten, weil der ICE wegen einer Baustelle bei Ingolstadt über Augsburg umgeleitet worden war und der MERIDIAN wegen der Baustelle zwischen Rosenheim und Grafing früher abfuhr als sonst. Normalerweise hätte ich ein Stunde später mit dem Railjet nach Rosenheim fahren sollen und danach mit dem MERIDIAN weiter nach Traunstein. Doch unverhofft kommt oft. Als ich in München einfuhr und aus dem Fenster blickte, fuhr parallel mit erheblicher Verspätung der MERIDAN ein. Das er am Ende dann eine halbe Stunde Verspätung hatte, konnte ich gerade noch verschmerzen. Schließlich war ich ja immerhin eine Viertelstunde früher da als geplant. Wobei … Bei regulärem Streckbetrieb hätte ich 15:31 Uhr ankommen müssen und nicht erst 16:44 Uhr.

Sommerzeit ist Baustellenzeit bei der Deutschen Bahn. So richtig verstehe ich das nicht, weil gerade in der Ferienzeit viele Leute in Zügen unterwegs sind. Heute war sowohl im ICE als auch im MERIDIAN jeder Platz besetzt. Von den Massen an Gepäck, die die Leute mitschleppten, ganz zu schweigen. Zwischen schreienden Kleinkindern, telefonierenden Managern und aufgeregt plaudernden Chinesen, dazu einem Hund von der Größe eines Kalbs und jeder Menge genervter Eltern wird Bahnfahren zur Tortur. Und wenn es dann noch Stunden länger dauert, weil überall gebaut wird, ist das wahrlich kein Vergnügen.

Gerade auf der Strecke zwischen München und Salzburg wird jedes Jahr, ich betone jedes Jahr, von April bis Oktober gebaut. Entweder das Zugaufkommen ist dort so groß, dass die Strecke jährlich instand gesetzt werden muss, oder … ich weiß es nicht. Es ist zumindest ziemlich nervig, das dort im Sommer zur Ferienzeit immer nur die Hälfte aller Züge fahren. In diesen Wochen ist auch noch die Hochgeschwindigkeitsstrecke über Ingolstadt wegen Bauarbeiten gesperrt, was massive Auswirkungen auf den Fahrbetrieb hat.

Ich frage mich, ob das nur in Deutschland so ein großen Problem ist, oder ob in anderen Ländern auch ständig irgendwelche Bauarbeiten ganze Regionen stilllegen. Meine Vermutung ist, dass die jahrzehntelangen Sparmaßnahmen bei der Bahn einen massiven Reparaturstau verursacht haben. Und das nicht nur an den Strecken, sondern auch an die Zügen selber. Da gingen heute wieder die Türen nicht und die meisten Toiletten waren gesperrt. Die Platzreservierungen funktionieren auch nur sporadisch.

Wenn ich in die Zukunft blicke, wird mir Angst und Bange. Denn ich glaube nicht, dass sich die Situation verbessern wird. Meinem Gefühl nach, hat sie sich in den vergangenen Jahren immer nur verschlechtert. Vielleicht läuft es darauf hinaus, dass wir irgendwann, wie Marco Polo wieder Tage brauchen werden, um von Süddeutschland nach Norddeutschland zu kommen. Zum Wohle von uns allen hoffe ich das nicht, aber meine zunehmend länger werdenden Reisezeiten, deuten genau auf das hin.

Alles eine Frage der Aussprache

Ben Calvin Hary hat ein neues YouTube-Video für die PERRY RHODAN-Redaktion gedreht. Darin geht es darum, wie man die Namen in der Serie ausspricht. Ich gebe zu, dass ich mir gestern das Video zwei Mal angesehen habe, weil ich es so lustig fand. Drei Nicht-Perryfans versuchen sich an der Aussprache von Namen, die in der Serie hin und wieder ziemlich kompliziert sein können.

Besonders freue ich mich, dass Ben meinen Namensvorschlag mit ins Video aufgenommen hat. Oxxforraylarij heißt der Memeter, der aktuell bei PERRY RHODAN NEO als Nebencharakter auftritt. Der Name passte ziemlich gut zu Bens Vorhaben und hat die drei Testpersonen auch ganz schön beschäftigt. Wobei es in der Serie sicher noch viel kompliziertere Namen gibt. Die armen Hörbuchsprecher haben anschließend sicher einen Knoten in der Zunge.

Aber jetzt will ich niemanden länger auf die Folter spannen. Schaut euch das Video an. Es wird euch viel Spaß bereiten.

Bluespolitik

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 178 – »Krisenzone Apas« von Kai Hirdt

Lukosta Atisi Kommandantin der Wissenschaftsflotte und Tochter von Regierungschefin Waikara Atisi will eigentlich nur den Nachweis erbringen, das sich im Pahlsystem eine weitere Raumanomalie etabliert, die das System unbewohnbar machen würde. Doch der Tod ihres Bruders, einem hohen Regierungsmitglied, und das Auftauchen eines fremden Schiffs (die FERNAO mit Perry Rhodan) verändert alles. Lukosta sieht sich plötzlich in die Rolle einer Politikerin gedrängt, die nicht nur gegen ihren politischen Gegner Aan Hadralok antreten muss, sondern auch in die Intrigen ihrer Mutter verwickelt wird. Die wiederum steht vor der Entscheidung mit Hilfe der Fremden ihre langfristigen Expansionspläne für Apas zu verwirklichen oder ihr Gesicht zu wahren. Dabei bieten die Fremden ein Mittel gegen die unheilbare Seuche, den Gelben Tod, fordern dafür aber eine große Menge Katlyk. Es entbrennt eine Raumschlacht um das Katlyk, in der nicht nur die Wissenschaftsflotte von Lukosta Atisi unterzugehen droht, sondern auch Perry Rhodan selbst. Er konnte die Kommandantin überzeugen, ihm zu helfen, die Ruptur bei Droo Karuuhm zu schließen, um damit ihr eigenes Volk zu retten.
Und dann ist da noch der Rückkehrer Ussein Parkh, einer der aus den Kältekammern auf Impos gerettet Blues. Seine Heimkehr nach 718 Apasjahren hält einige Überraschungen bereit. Am Ende ist er gefordert zu zeigen, wem seine Loyalität gilt Perry Rhodan oder seinem Volk.

Stark, so lässt sich der Roman in einem Wort zusammenfassen. Der Autor liefert eine Politposse und das im positiven Sinne. Wendungsreich, durchdacht und mit vielen pointierten Spitzen auf unsere Gegenwart lässt uns Kai Hirdt teilhaben am Leben der Blues. Beeindruckend sind die Details mit denen das Blues-Volk präsentiert wird. Da wird nicht nur die Verwicklungen innerhalb der Regierung gezeigt, sondern auch die Struktur der Gesellschaft im Kleinen, mit all ihren Absonderlichkeiten. Da steckt sehr viel Detailarbeit drinnen, die sicher auch zum Teil von den Exposé-Autoren geleistet wurde. So ein komplexer Weltenbau erfordert gewaltige Anstrengungen, damit er stimmig wirkt. Und das ist in diesem Fall allen Beteiligten gelungen.

Der Roman wird ausschließlich aus der Sicht der Außerirdischen erzählt. Perry Rhodan, Tifflor und Sud sind nur Nebencharaktere. Aber das macht nichts, weil die Protagonisten, die der Autor beschreibt, so lebensnah erscheinen. Kai Hirdt ist der Spagat gelungen, einer fremden Spezies soviel Menschlichkeit zu verleihen, dass der Leser sie wie selbstverständlich akzeptiert, ja sogar mit ihnen mitfiebert.
Das Besondere an dem Roman ist, dass man nicht mal viel darüber wissen muss, was zuvor passiert ist. Man könnte die Geschichte verstehen, ohne die Staffelhandlung – ich wage sogar zu sagen – die Serienhandlung zu kennen. So gesehen ist »Krisenzone Apas« der perfekte Einsteigerroman.

Auch wenn die Geschichte nahezu perfekt erzählt wurde, stellen sich mir einige Fragen. Bei der Lebensspanne eines Blues, sind 718 Apasjahre (4000 Erdjahre) eine sehr lange Zeit. Dennoch scheint die Spezies sich nicht großartig weiterentwickelt zu haben. Ich würde erheblich größere Probleme erwarten. Man stelle sich vor, ein Mensch kommt nach 4000 Jahren zurück zur Erde. Das fängt bei der Sprache an und endet bei der fortgeschrittenen Technik. Ussein Parkh kehrt nach 718 Jahren in seine Heimat zurück. Es mag sich die Architektur der Stadt geändert haben, die Bewohner anscheinend nicht. Da hätte ich mir auf seinem Weg zurück ins Leben noch ein paar mehr Hindernisse und Missverständnisse gewünscht, vor allem solche, an die man nicht sofort denkt.

Das Hauptproblem ist jedoch die Sache mit der Seuche. Ich möchte an dieser Stelle meinem Bloggerkollegen Sven Fesser recht geben, der sich unlängst darüber gewundert hat. Warum die Blues nicht schon längst selbst ein Heilmittel für die Krankheit entwickelt bzw. die Hintergründe der Erkrankung herausgefunden haben? Nach so langer Zeit in der die Blues das Molkex schon verarbeiten und dafür das Enzym ihren Kindern entziehen, sollte irgendwann einmal jemand auf die Verbindung zwischen beiden Ereignissen gekommen sein. Außer – das wäre für mich die einzige Erklärung – das diejenigen, die auf des Rätsels Lösung stoßen, sofort von der Neunzehnten Vorsicht (dem Geheimdienst) aus dem Verkehr gezogen und alle Informationen darüber vernichtet werden.

Nichtsdestotrotz ist »Krisenzone Apas« ein exzellenter Roman von Kai Hirdt, der damit wieder einmal beweist, wie viel Kreativität in ihm steckt. Dass er das auch eins zu eins umzusetzen vermag, nötigt mir großen Respekt ab. Umso mehr freue ich mich darauf seinen nächsten Beitrag zu PERRY RHODAN NEO zu lesen, ein Doppelroman der die Staffel »Die Allianz« einleiten wird.
Großartig!