Das ambivalente Verhalten von Facebook

Manch einer würde sich wünschen, wenn der eine oder andere Facebook-Account verschwände. Nicht wenige scheitern daran, ihren eigenen Account vollständig zu löschen, denn die Datenkrake Facebook gibt normalerweise nicht so schnell ihre User wieder frei. Anders diese Woche. Da hat Facebook den Account von Michi gelöscht.

Michi ist ein elfjähriger Junge aus dem Landkreis Traunstein, der nach einem Unfall vor acht Jahren schwer gelähmt ist. Michi braucht dringend einen neuen Pfleger, der sich mit Intensivmedizin auskennt. Also postet er einen Hilferuf bei Facebook, der in der letzten Woche mehr als 60.000 Mal geteilt wurde und viel Resonanz nach sich zog. So viel Aufmerksamkeit rief die Verantwortlichen bei Facebook auf den Plan und sie nahmen Michis Account unter die Lupe. Dabei stellten sie fest, das der Junge noch keine dreizehn ist und somit kein Anrecht auf einen Facebook-Account hat und löschten ihn.

Während auf der einen Seite Pegida und andere rechte Gruppen, bei Facebook Volksverhetzung betreiben und der Konzern die Hetzparolen nur zögernd und widerwillig löscht, wird der Hilferuf eines Notleidenden Jungen einfach entfernt. Dieses ambivalente und scheinheilige Vorgehen von Facebook schreit zum Himmel. Ein Grund mehr für mich dem Unternehmen weiterhin die kalte Schulter zu zeigen.

Hier ist der Beitrag der Bayernwelle Südost mit dem Originaltext von Michi und den Kontaktdaten.
http://www.bayernwelle.de/buntes/michi-sucht-hilfe

No Long Term Evolution

Na toll! Da wundere ich mich seit Monaten, warum ich trotz Versprechen meines Mobilfunkanbieters keinen Zugang zum LTE-Netz habe.

Vor zwei Wochen wollte ich im Shop meines Anbieters meinen Vertrag umstellen lassen, weil es Online nicht funktionierte. Es ging auch hier nicht. Ich hätte da so einen exotischen »professionell Flex«-Tarif, meinte der junge Mann, den könne er nicht umstellen, dafür müsse ich beim Anbieter anrufen. Seltsam, den Tarif hatte ich vor zwei Jahren in einem Shop abgeschlossen. Wieso konnte ich ihn weder Online, noch in einem Shop umstellen?

Letzten Freitag schnappte ich mir das Telefon und rief an. Nach einer Viertelstunde, in der ich mich durch endlose Menüs quälte und in der Warteschlange hing, hatte ich dann endlich eine Person am Telefon. Die junge Dame war sehr freundlich, sagte aber: Sie müsse sich erst erkundigen, ob sie das machen könne. Fünf Minuten später meinte sie, es sei nun alles erledigt, der Vertrag würde umgestellt und verlängert. Schön! Ich erläuterte noch, dass ich mit meinem iPad kein LTE empfangen kann und sie meinte darauf, dass wäre ungewöhnlich, dass müsse eigentlich gehen. Auf meine Frage hin, ob es vielleicht an der Sim-Karte läge, sagte sie: Das könne schon sein und sie würde mir eine Neue zusenden. Ich bedankte mich und legte auf.

Das ganze Wochenende hörte ich nichts, keine E-Mail zur Vertragsumstellung; nur eine kurze SMS, dass jetzt mein Travelpack gekündigt wäre. Am Sonntag loggte ich mich beim Mobilfunkanbieter ein und kontrollierte meine Vertragsdaten und siehe da … Die waren geändert. Leider nicht so, wie ich das gern gehabt hätte. Ich sollte nämlich fünf Euro mehr zahlen, als gedacht. Also rief ich noch mal an.

Dieses Mal war die Warteschlange nicht ganz so lang und ich kam relativ gut durch. Ich erklärte dem jungen Mann mein Problem und er erkannte sofort, was nicht stimmte und versprach es zu ändern. Ich würde auch ganz bestimmt eine E-Mail bekommen, in der alle neuen Vertragsdaten zusammengefasst sind. Nach meiner Frage warum ich kein LTE empfangen kann, stellte er mich sofort zur Technikabteilung durch. Hier erklärte ich – nun zum dritten Mal – mein Problem. Die junge Frau fragte mich sofort nach meiner iPad-Version. Ich gab ihr die Daten durch und sie bedauerte schließlich, mir mitteilen zu müssen, dass mein iPad leider nur mit dem LTE-Netz der Telekom funktioniere. Das wäre so ein Baufehler der ersten iPad mini-Generation. Oha! Das bedeutet für mich auf längeres Sicht kein LTE! Zum Glück gehe ich mit dem iPad nicht so oft über das Mobilfunknetz ins Internet. Wäre aber schön gewesen.

Was mich ja an der ganzen Geschichte etwas besorgt, ist die Tatsache, dass ich einfach anrufen, meine Mobilfunknummer angeben und meinen Vertrag ändern konnte, ohne das irgendjemand nach meiner Legitimation gefragt hat. Zwar gibt es diese vierstellige persönliche Kundenkennziffer, aber die kann doch jeder rausbekommen. Im Shop musste ich wenigstens meinen Ausweis vorlegen und unterschreiben, wenn ich meinen Vertrag geändert habe. Außerdem bekam ich erst Tage später eine Übersicht, über die neuen Vertragsdaten. Das ist mir ehrlich gesagt etwas zu schwammig.

Das nächste Mal gehe ich doch wieder in meinen Lieblingsshop nach München, in dem ich bisher meine Verträge abgeschlossen habe. Den Mitarbeiter dort kenne ich seit Jahren. Er weiß wenigstens, was er tut.

Auf dem Abstellgleis …

… fühle ich mich zur Zeit, wenn es darum geht, zur Arbeit zu kommen.

Als Pendler hat man es nicht leicht und wenn man derzeit auf der Strecke Salzburg-München unterwegs ist, trifft es einen doppelt und dreifach. Ich habe heute sage und schreibe sechs Stunden damit zu gebracht, zur Arbeit und zurück zu kommen. Wahnsinn, und das an einem normalen Wochentag. Urheber ist mal wieder – ja, richtig – die Deutsche Bahn. Die muss ja unbedingt zwischen Traunstein und Prien die Gleise tauschen, jetzt, wo der Verkehr auf der Strecke durch die Grenzkontrollen eh schon belastet ist. Züge der Deutschen Bahn fahren gar nicht mehr, oder nur noch gerüchteweise (im Fahrplan habe ich noch keinen verkehrenden Zug gefunden). Die Züge des Meridian fahren zumindest alle Stunde und seit dieser Woche sogar wieder direkt bis nach Salzburg. Bis letzte Woche war in Freilassing Schluss; Reisende nach Salzburg mussten in Bussen die Grenze überwinden. Irgendein cleverer Kopf kam nach drei Wochen endlich auf die Idee, dass man die Züge ja eigentlich durchfahren lassen könnte, solange wie sie leer, sprich ohne nichtregistrierte Flüchtlinge, wieder zurückfahren. Seit dieser Woche fahren sie auch von Salzburg wieder nach München, aber nur mit Ausweiskontrollen.

Der Zugverkehr ist also nicht nur extrem ausgedünnt, man muss an den Baustellen meist auch ziemlich lange warten, weil die Strecke nur eingleisig befahrbar ist. Dann muss der Nahverkehr auch noch den österreichischen Railjet vorlassen und so kommt schnell eine Viertelstunde Verspätung zusammen. Morgens geht es immer noch, weil ich schon vor 6 Uhr fahre, aber am Nachmittag ist die Hölle los. Die Bahnen sind hoffnungslos überfüllt, weil sowohl die ECs/ICs der Deutschen Bahn ausfallen, als auch die Verstärkerzüge, die sonst nur bis Traunstein fahren und so zumindest im Feierabendverkehr einen halbstündigen Takt gewährleisten. So fährt nur alle Stunde einer, wo sonst mindestens drei fahren. Man kann sich das Passagieraufkommen ungefähr vorstellen. Und wenn man dann noch dicht gedrängt, gefühlte Jahrhunderte vor einer Baustelle auf den Gegenverkehr warten muss, macht das echt keinen Spaß mehr.

Ich wusste schon, warum ich die letzten drei Wochen Urlaub genommen habe. Jetzt muss ich nur noch bis zum 22.10. durchhalten.

Zumindest habe ich heute einen ganzen PERRY RHODAN-NEO geschafft. Immerhin!

Einfach Hirn abschalten

KopfzerbrechenIch habe ja nichts dagegen, wenn Leute bei Discountern einkaufen gehen. Ich tue das hin und wieder auch. Aber was sich Aldi Süd derzeit für eine Werbekampagne ausgedacht hat, finde ich nicht mehr lustig.

Mit dem Titel »Das Einfach-Prinzip« wird dafür geworben, dass man bei Aldi einkaufen kann, ohne nachdenken zu müssen. Prima, jetzt sollen wir unser Hirn nicht nur beim Fernsehen oder beim Autofahren ausschalten, sondern auch noch beim Einkaufen. Da können wir es ja auch gleich ganz abgeben und wie Zombies durch die Gegend rennen. Manch ein Zeitgenosse sieht so aus, als habe er das bereits getan, dann wenn er beim Überqueren einer Straße lieber auf sein Smartphone glotzt, anstatt auf den Verkehr zu achten.

Doch zurück zum Einkaufen. Gerade hier sollte man sein Gehirn einsetzen. Nicht nur wenn man nicht von den Firmen übers Ohr gehauen werden will, sondern dann, wenn es darum geht, etwas für Umwelt und Menschen zu tun. Gerade wir als Konsumenten entscheiden, wie viel Urwald in Südostasien, Afrika oder im Amazonas gerodet wird. Nämlich dann, wenn es darum geht Produkte mit Palmöl zu kaufen oder Rosen für 1,99 EUR welche in Afrika auf dem Land angebaut werden, welches den dortigen Kleinbauern weggenommen wurde. Wenn die dann nach Europa kommen, weil sie vor Ort keine Zukunft haben, brauchen wir nicht darüber zu schimpfen, denn wir sind selbst daran schuld.

Einkaufen ohne das Hirn einzuschalten und das gerade bei Aldi, die vergangene Woche einen Toilettenstein mit Glitter im Angebot hatten. Wissen die welche Auswirkungen das auf die Wasserlebewesen in unseren Flüssen und Meeren hat und auf unser Essen? Ja, die wissen das, aber wir sollen das nicht wissen. Denn so ein glitzernder Toilettenstein macht doch was her, oder?

Bei dieser Werbung hat man Grund genug, noch öfter den Biomarkt anzusteuern als bisher. Auch wenn es da teuerer ist, dann kauft man halt weniger. Wir kaufen sowieso immer viel zu viel.

So! Und wer sich den hirnlosen Werbespot von Aldi Süd selbst mal anschauen möchte, kann das hier tun.

Wenn wohnen zum Luxus wird

Das wirklich Unangenehme, wenn man in einer Feriengegend wohnt, sind die Immobilienpreise, die Wohnraum fast zum Luxusgut machen. (Von den Immobilienpreisen in München ganz zu schweigen.)

Schon seit Jahren suchen wir nach etwas größerem als unseren fünfzig Quadratmetern; nach einem kleinen Häuschen vielleicht oder einer größeren Eigentumswohnung. Leider ist das Angebot knapp und die Preise entsprechend hoch. Schade, denn der Trend schadet der einheimischen Bevölkerung, die von hier wegziehen muss, weil sich fast nur noch wohlhabende Auswärtige Häuser oder Wohnungen im Ort leisten können und diese dann meist zu Ferienwohnungen ausbauen. So ist zwar im Sommer immer etwas los, während im Winter dann tote Hose herrscht. Viele der kleinen Geschäfte haben in den vergangen Jahren schon schließen müssen, auch weil die Mieten dafür in astronomische Höhen geklettert sind. Nun stehen die Geschäfte leer und es haben weder die Anwohner noch die Ladenbesitzer etwas davon.

Die historisch niedrigen Zinsen haben das Problem verschärft. So investieren vermögende Personen ihr Geld lieber in Immobilien als in Aktien oder Festgelder. Zwar tun sich normale Leute leichter, Kredite mit hohen Summen aufzunehmen, um die horrenden Preise zu bezahlen, doch was passiert, wenn die Zinsen in ein paar Jahren wieder steigen?
Ein Beispiel: Eine kleine Doppelhaushälfte (Neubau) mit 130 qm Wohnfläche und 330 qm Grundstück wird zur Zeit für 465.000 Euro angeboten und das in einer Lage, die man nicht als ideal bezeichnen kann (direkt an einer Hauptverkehrsstrasse.) Wenn man für eine normale DHH auf dem Land schon fast eine halbe Million Euro hinblättern muss; wie soll sich das eine junge Familie leisten können und wie lange werden sie den Kredit abzahlen? Eigentumswohnungen wie die unsrige werden inzwischen schon mit 190.000 Euro gehandelt.

Wenn das so weitergeht, werden wir uns wahrscheinlich nie eine größere Immobilie leisten können. Ich sehe schon kommen, dass wenn die Zinsen wieder steigen, viele Häuser zwangsversteigert werden müssen. Traurige Zukunftsaussichten, wie ich finde.

Cookie-Philosophie

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Seltsam, seltsam! Seit gestern poppt ständig diese Meldung auf, wenn ich einen Blog oder eine andere Google gestützte Seite besuche. Ist ja nett, dass man mich darüber informiert, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden, damit ich beim nächsten Internetbesuch jede Menge lästiger personalisierter Werbung im Browser zu sehen bekomme. Aber was ist, wenn ich damit nicht einverstanden bin? Darf ich die Seite dann nicht besuchen, oder was? Das ist ja so, als würde mir jemand die Pistole auf die Brust setzen und sagen: Friss oder Stirb! Was ist das denn für eine Philosophie? Ich denke da gerade an die Nutzer, die ihre Blogs über Google-blogspot betreiben. Wissen die, das Google ihre Leser dazu auffordert, den Blog zu verlassen, wenn sie nicht ausspioniert werden wollen?

Man kennt ja die Machenschaften der „Datenkrake“ Google inzwischen und ohne Google wäre das Internet wahrscheinlich nicht das, was es jetzt ist, das ist mir klar und ich schätze Google als Suchmaschine. Aber mir als Nutzer keine Wahl zu lassen, mich für oder gegen Cookies zu entscheiden, dass finde ich schon ziemlich dreist. Zum Glück haben die meisten Browser die Funktion, Cookies nach Schließen des Programms zu löschen.

Was bin ich froh darüber, dass es WordPress gibt. Damit habe ich zumindest „gefühlt“ ein gutes Gewissen meinen Lesern gegenüber.

Moderne Arbeitszeiten

Soso! Die Arbeitgeber fordern von der Politik die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages.

„Um mehr Spielräume zu schaffen und betriebliche Notwendigkeiten abzubilden, sollte das Arbeitszeitgesetz von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umgestellt werden“

Aha! Wenn ich sehe, wieviel Zeit meine Freunde und Kollegen täglich im Büro verbringen … oder die Angestellten im Handel sowie die Ärzte in Krankenhäusern, habe ich irgendwie das Gefühl, dass wir schon längst keinen Acht-Stunden-Tag mehr haben.

Für die sogenannten „Spielräume“ gibt es etwas, das sich Gleitzeit nennt oder Schichtbetrieb. Das ist doch völlig ausreichend. Warum legen die Arbeitgeber nicht die Karten auf den Tisch und sagen, dass sie am liebsten hätten, wenn ihre Arbeitnehmer rund um die Uhr verfügbar wären. Viele arbeiten doch bereits weiter auch nachdem sie das Büro verlassen haben, und sei es auch nur, dass sie Telefongespräche führen oder E-Mails beantworten. Am schlimmsten finde ich ja, dass viele ihre Überstunden nicht bezahlt bekommen oder nicht die Möglichkeiten erhalten, sie abzufeiern.

Im Endeffekt ist es doch nur ein billiger Trick um Arbeitsplätze abzubauen. Ein paar Wenige sollen möglichst doppelt soviel arbeiten, während andere arbeitslos daheim rumsitzen. Es gibt so viel Arbeit in Deutschland, wenn man die gerechter verteilen würde, müsste keiner von Arbeitslosengeld oder Hartz IV leben. Aber das hieße ja, mehr Personal einzustellen, und das wiederum könnte ja den Gewinn schmählern, was am Ende die Aktionäre nicht befriedigt.

Traurig! Heute zählt nur noch das schnöde Geld, damit wird unsere Gesellschaft immer mehr entmenschlicht.

Übrigens, als Selbständige habe ich schon oft genug mehr als acht Stunden gearbeitet. Aber wenn ich das tue, dann weiß ich wenigstens, dass ich es für mich tue.

Passive und aktive Fans

An dieser Stelle hatte ich mich unlängst über das Verhalten einiger Foristen im Perry Rhodan-Forum ausgelassen. Heute bin ich deswegen erneut an die Decke gegangen. Das hat mit Diskussion nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit Neid und Böswilligkeit. In dieser Hinsicht sind einige Fans besonders aktiv. Eine Aktivität, die sie lieber an anderer Stelle in etwas Nützliches stecken sollten. So sucht die PRFZ für den Garching Con im Herbst noch Helfer für ihren Stand. Ich hatte mich schon frühzeitig gemeldet, scheine aber mit die Einzige zu sein. Weil man das allein aber nicht stemmen kann, habe ich deshalb im Forum mal angefragt, ob sich noch jemand findet, der uns hilft. Nur leider scheint das niemanden wirklich zu interessieren.

Viele Fans (und ich beziehe das jetzt nicht nur auf Perry Rhodan) sind nur noch passive Nutzer. Sie lassen sich von dem berieseln, wofür einige wenige ihre Freizeit opfern. Ich bin Fan und das Wort stammt bekanntlich von Fanatismus, d. h. etwas mit Leidenschaft für eine Sache zu tun. Nur leider scheinen die heutigen Fans nur noch zu konsumieren, anstatt aktiv mitzugestalten.

Dafür können sie aber eines um so besser – nämlich meckern, wenn es ihnen dann nicht gefällt.

Der Apfel und die Fotos

Ich bin echt genervt und auch ein wenig enttäuscht von der neuen Fotos-App, die Apple seinen Nutzern zumutet. Und Zumutung ist noch schmeichelhaft formuliert.

Seit ein paar Wochen haben wir nach dem Update aufs neue Betriebsystem (Yosemite) auch die neue Fotos-Software von Apple auf dem Rechner. Sie soll das bisherige iPhoto ablösen. Bisher war Fotos die App im iOS-System und lief seit einiger Zeit bereits auf iPhone und iPad. Jetzt hat sie auch den Desktop erreicht und gebärdet sich hier wie ein zickiger Teenager. Allein die Konvertierung der iPhoto-Bibliothek dauert je nach Größe einige Stunden.

Letzteres wäre ja noch zu vertreten, wenn die App wenigstens Vorteile bei der Bedienung bringen würde. OK, sie ist schneller als iPhoto, aber auch deutlich umständlicher zu bedienen. Das gewohnte Speichern der Fotos in Ereignissen und deren chronologische Aneinanderreihung entfällt bei Fotos völlig. Die Bilder werden grundsätzlich nach Aufnahmedatum sortiert. Übrigens die Ereignisse aus dem iPhoto wurden zusammen in ein Album verpackt, womit die gewohnte Übersicht flöten geht. Man kann zwar Alben neu erstellen, aber das ist derartig kompliziert, dass ich letzte Woche irgendwann schimpfend aufgab. Und dabei wollte ich eigentlich nur Fotos von zwei Kameras in ein Album packen. Liebe Softwareentwickler bei Apple! Bedienerfreundlichkeit sieht anders aus. Steve Jobs würde sich wahrscheinlich im Grab umdrehen, wenn er das sehen würde.

Die Bearbeitung von Bildern war in iPhoto recht einfach aber immerhin brauchbar. Bei Fotos ist die Korrekturfunktion eigentlich nur noch ein Witz. Das mag für Leute genügen, die keine Ahnung von Bildbearbeitung haben, ist aber für einen (Halb)Profi völlig unzureichend. Na gut, dachte ich, da nutze ich eben Photoshop Elements zur Bearbeitung. Doch hier stieß ich auf ein eklatantes Problem. Wo zur Hölle speichert die App meine Fotos? Die tauchen nämlich in keinem Ordner auf der Festplatte auf. Beim Bestellen von Bildern mit der Software einer Drogeriemarktkette, dann das gleiche Problem. Die Software verbindet sich prima mit der iPhoto-Bibliothek, aber nicht mit der von Fotos und damit kommen ich auch nicht an meine Bilder, um sie zu bestellen. Meine Internet-Recherche und die Hilfe-Funktion der App liefern nur die Erkenntnis, dass man mit Fotos die Bilder in der iCloud speichern kann, um auf dem Computer Platz zu sparen und seine Fotos auf all seinen mobilen Endgeräten ständig zu Verfügung zu haben. Was? Gehts noch! Ich stelle doch nicht all meine Fotos ins Netz. (Ab einem gewissen Speicherplatzvolumen kostet das ganze auch noch richtig Geld.)

Da wir iCloud auf unserem Rechner grundsätzlich nicht aktiviert haben, werden zum Glück auch unsere Bilder nicht dort gespeichert, sondern müssen sich irgendwo auf unseren Computer befinden. Die Frage ist nach wie vor – Wo? Also habe ich unsere 1000 Urlaubsfotos erst einmal aus der Fotos-Bibliothek exportiert und auf einer externen Festplatte gespeichert. Denn der Speicherplatz unseres Mac ist nach der Installation der Fotos-App bedenklich geschrumpft.

Aus all diesen Gründen habe ich beschlossen, lieber wieder zu dem zwar etwas antiquiert aussehende iPhoto zurückzukehren, als mich noch eine Minute länger mit Fotos auseinanderzusetzen. Ich muss dazu zwar die Fotobibliotheken wieder umwandeln, aber das ist mir der Aufwand wert.

Eigentlich ist das alles nicht im Sinne von Apple’s bisheriger Firmenpolitik. Denn im Grunde sollte die Software eines viel leistungsfähigeren Desktop-Computers bedienerfreundlicher und anspruchsvoller sein, als eine Software, die nur für mobile Endgeräte gedacht ist. Mit Fotos ist Apple eindeutig den falschen Weg gegangen.

Unangenehmer Sitznachbar in der Bahn

Gestern war wieder so ein Tag, an dem ich am liebsten aus dem Zug gesprungen wäre. Unterwegs ärgerte ich mich, dass ich nicht mein Erste-Klasse-Upgrade eingelöst habe.

Eigentlich begann alles ziemlich entspannt. Ich war mal nicht auf dem letzten Drücker am Hauptbahnhof und hatte sogar noch Zeit den neuen Perry Rhodan NEO von Rüdiger Schäfer zu kaufen und mich mit genügend Proviant einzudecken …

Am Bahnsteig bewege ich mich schon mal ganz nach vorn, weil laut Plan (und Erfahrung) der vordere Zugteil des ICE nach Berlin geht. Ich bin schon fast da, als der Zug gerade einfährt. Doch als ich einen Blick auf die Anzeige am ICE werfe, steht da Dortmund. Mit einem Seufzen drehe ich um und laufe den sehr langen Bahnsteig wieder zurück. Auf den Plätzen für die BahnComfort-Kunden herrscht schon Gedrängel. Glücklicherweise finde ich aber noch eine freie Sitzreihe und begehe sogleich den nächsten Fehler, indem ich mich ans Fenster setze.

Kurze Zeit später taucht ein Mann auf. Typ Businessmensch: jung, dynamisch, teurer Anzug, die Krawatte bereits abgenommen. Er trägt ein Namensschild an einem Lanyard um den Hals und mindestens eine halbe Flasche Rasierwasser, hat aber einen Mundgeruch, den man durch seinen Kaffeeatem hindurch riecht. Der Typ setzt sich ausgerechnet neben mich, packt sein halbes Büro aus, verkabelt sein riesiges MacBook und zückt sein Smartphone.

Ich komme mir in meiner Ecke ein wenig eingeengt vor, weil ich auf dem Klapptisch vor mir eine Flasche Wasser und mein Manuskript ausgelegt habe. Nun gut, zum Platzwechsel ist es zu spät, mittlerweile ist der Zug nämlich richtig voll. Draußen vorm Fenster eilen die Leute vorbei, die in den Zugteil nach Dortmund einsteigen wollten, ein paar Fahrgäste irren noch unsicher umher, wo sie denn nun einsteigen sollen, weil der Zug verkehrtherum steht. Im Minutentakt kommt die Ansage der Zugbegleiterin, dass wir uns in dem Zugteil nach Berlin befinden und wer nach Dortmund möchte, möge doch bitte in den vorderen Zugteil umsteigen. Nach dem zehnten Mal nervt es nur noch.

Der Typ neben mir checkt gerade seine E-Mails. Ich habe den totalen Einblick, bei der Größe des Displays kann man eigentlich nicht vorbeischauen. Ich versuche wegzusehen, aber ein paar Infos bekomme ich dennoch mit. Er arbeitet für ein Hamburger Coaching Unternehmen zum Thema Personalsuche und CareerManagement und kommt gerade von einer Tagung, auf der er einen Vortrag gehalten hat. Oha, denke ich, auch so ein Neugescheiter der mit Redenhalten Geld verdient.

Der Zug ist inzwischen tatsächlich losgefahren. Nach einer halben Stunde kommt die Durchsage der Zugbegleiterin, dass wir wegen einer Baustelle zehn Minuten Verspätung haben und den nächsten Bahnhof erst kurz nach fünf Uhr erreichen. Ich blicke zur Uhr und wundere mich. Den vorbeihuschenden Bahnhöfen zufolge sind wir genau im Plan, außerdem hatte ich nicht bemerkt, dass wir wegen einer Baustelle langsamer gefahren wären. Ich habe den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, als der Zug langsamer wird und schließlich anhält. Anscheinend besteht die Innovation bei der Deutschen Bahn jetzt darin, dass man schon im Voraus erfährt, dass der Zug Verspätung haben wird. Das ist doch schon mal was.

Mein Sitznachbar telefoniert inzwischen lautstark mit einem Kunden. Es werden Firmeninternas und Angebote besprochen. Das alles geschieht im typisch besserwisserischen Unterton eines Verkäufers. Ich versuche mich auf mein Manuskript zu konzentrieren, komme aber dauernd raus und lege es schließlich frustriert zur Seite. Bei dem Gequatsche kann ich nicht arbeiten. Als ich höre, dass der Typ bis Berlin fährt, wird meine Laune noch schlechter. Aus lauter Verzweiflung blättere ich in der BahnMobil und lese das Interview über Jan Böhmermann, aber ich bin zu abgelenkt und es bleibt nur wenig davon hängen. In der Sitzreihe hinter mir entbrennt plötzlich ein Streit zwischen der Zugbegleiterin und einem Fahrgast. Sie schreit ihn an, er habe sich nicht in ihre Arbeit einzumischen, sie mische sich ja schließlich auch nicht in seine. Anscheinend arbeitet er auch bei der Bahn. Ich bin ein wenig verwirrt, höre aber interessiert zu. Der Mann soll seinen Namen und seine Dienstelle nennen, sonst würde sie die Polizei verständigen, droht die sehr resolut auftretende Zugchefin. Der Mann antwortet etwas, dass ich nicht verstehe und steht auf. Gemeinsam verlassen sie den Wagon. Sehr merkwürdige Situation.

In Nürnberg beendet der Typ neben mir endlich sein Telefonat und stopft sich seine Ohrstöpsel ins Ohr. Auf seinem Bildschirm sehe ich, wie er in der Spotify Bibliothek Gustav Mahler hört und dann wieder Metallica. Seltsamer Musikgeschmack. Immer mal wieder weht mir sein schlechter Atem in die Nase und ich drehe mich angewidert zur Seite.

Die Fahrt zieht sich endlos dahin. Ich komme mir vor wie am Rande einer Singularität, wo sich die Zeit immer mehr zu dehnen scheint. Dehnen würde ich dagegen gern mal meine Arme und Beine, doch dafür ist kein Platz. Als ich nach mehr als drei Stunden endlich aus dem Zug steigen darf, fühlt sich das wie eine Erlösung an.

Ich fahre gern und oft mit der Bahn, aber an Tagen wie gestern wünschte ich mir ein besseres Transportmittel, vier Stunden mit dem Auto auf der A9 stellt jedoch keine Alternative dar.