Das Heiratsverhalten der Akademiker

Heute stieß ich bei SPIEGEL ONLINE auf einen sehr interessanten Artikel. Darin geht es um einen der Gründe, warum in unserer Gesellschaft Arm und Reich immer weiter auseinander driften – nämlich dem veränderten Heiratsverhalten.

Auf den ersten Blick hätte ich das nie als eine der Ursachen festgemacht, aber bei Nahem betrachtet, klingt es durchaus logisch …

Früher, als es noch keine Emanzipation gab, als Frauen nicht studierten, sondern hauptsächlich in sozialen oder kaufmännischen Berufen tätig waren, blieb Männern mit akademischer Bildung gar nichts anderes übrig, als unter ihrem Stand zu heiraten. Einer „ärmeren“ Frau dagegen bot sich mit so einer Heirat eine Aufstiegschance. So wurde das Geld quasi verteilt.
Heute heiratet ein Arzt eine Ärztin und nicht mehr die Krankenschwester. Paare lernen sich schon im Studium kennen und man bleibt mehr oder weniger in der gleichen „Schicht“. Und weil dann alle beide gut verdienen, fällt das Vermögen am Ende doppelt so groß aus.

Interessante Tatsache, die aber keineswegs darüber hinwegtäuschen sollte, dass gewichtigere Gründe vorliegen, warum es immer mehr Arme und immer weniger Menschen mit mittlerem Einkommen gibt. Das geht bei Mindestlöhnen los und endet bei überzogenen Managergehältern. Dagegen ist das Heiratsverhalten von Akademikern nur eine Randerscheinung.

Die Büchersucher

Da wir nur begrenzten Platz in unserer kleinen Wohnung haben und deshalb nicht jedes Buch und jede DVD behalten können, nutze ich seit einem Jahr Booklooker.de. Das ist ein Internetportal für antiquarische Literatur, in dem es inzwischen aber auch Hörbücher, DVDs, und CDs gibt.
Nach Anmeldung kann man dort nach Belieben kaufen und verkaufen. Privatleute, kleine Antiquariate und auch große Händler wie Bücher.de bieten dort alles an, was der Medienmarkt hergibt. Sowohl gebraucht als auch neu. Manchmal kann man da echte Schätze entdecken.
Zuerst habe ich nur hin und wieder bei Booklooker.de gekauft, und das eigentlich nur, um dem Onlineriesen mit der Kriegerin nicht noch mehr Gewinn zu verschaffen. Inzwischen kaufe ich dort nicht nur, sondern verkaufe auch. Im letzten Monat lief das Geschäft mit unseren gebrauchten DVDs und Büchern so gut, dass ich erstmals mehr verkauft als gekauft habe. Wobei DVDs deutlich besser gehen als Bücher.
Natürlich dreht es sich hier nur um kleine Summen, meist zwischen einem und zwanzig Euro, also nichts womit man reich werden könnte. Die einzigen, die wirklich was verdienen sind die Deutsche Post und Booklooker.de. Letztere, weil man eine geringe Verkaufs-Provision zahlen muss (6,9% zzgl. MwSt). Was ich aber okay finde, schließlich stellen sie das Portal zur Verfügung.
Ich finde die Idee dahinter gut, gerade was CDs oder DVDs betrifft. Manchmal kauft man einen Film, der einem dann nicht gefällt und der dann Jahre im Regal vor sich hin gammelt, bis man ihn schließlich wegwirft. So wird er wenigstens genutzt. Das ist schon aus rein ökologischer Sicht sinnvoll. Andererseits ist Booklooker auch eine Fundgrube nicht mehr lieferbarer Titel. Hier bekommt man auch Bücher, die schon längst vom Markt verschwunden sind, und das zu Preisen, die sich nicht in astronomischen Höhen bewegen.

Traummann

Habe ich schon mal erwähnt, das ich mit dem besten Mann des bekannten Universums verheiratet bin?

Nein, das ist nicht übertrieben, es stimmt und wird mir immer klarer, je länger wir zusammen sind. Das werden in diesem Jahr immerhin acht Jahre, von denen wir fünf verheiratet sind.
Dabei sind es stets die Kleinigkeiten, an denen sich das messen lässt. Zum Beispiel, als er vor zwei Tagen „Eisblümchen“ zu mir sagte, als ich mal wieder meine kalten Füße unter seine Bettdecke geschoben habe. :) Oder gestern, als er mich mit einem personalisierten Glas Nutella überrascht hat. (Dabei hatte ich mir ja geschworen meine Finger von dem Zeug zu lassen, weil es definitiv nicht figurfördernd ist. Aber zum Glück ist es nur ein kleines Glas.) Dabei ist er stets zur Stelle, wenn ich ihn brauche, putzt, bäckt, kocht und hält mir den Rücken frei, wenn ich mal wieder nicht von der Tastatur wegkomme. Er erträgt stillschweigend meine Launen, wenn ich überarbeitet und hungrig bin. Dann versucht er mich auf seine liebenswert Art aufzuheitern.
Natürlich läuft auch bei uns nicht immer alles glatt, meistens dann wenn sein Ordnungssinn mit meinem systematischen Chaos kollidiert. Dennoch bewundere ich meinen Mann für seine Disziplin in all den Dingen, die er tut.

Unsere Beziehung funktioniert auf vielfältige Weise. Da sind zu allererst Vertrauen und Kommunikation, ohne die geht gar nichts. Wichtig ist auch, sich gegenseitig genug Freiraum zu lassen. Das wir viele gemeinsame Interessen haben, ist vorteilhaft. Aber mir ist genauso wichtig unsere Unterschiede zu tolerieren und zu pflegen. Kompromisse sind notwendig, dürfen aber nicht die Regel darstellen. Auch treffen wir unsere Entscheidungen immer gemeinsam, sei es wenn es um eine neue Anschaffung geht, bei den Urlaubsplänen oder auch nur um das abendlichen Fernsehprogramm festzulegen, denn Entscheidungen müssen von beiden Partnern getragen werden, sonst fühlt sich einer zurückgestellt.

Ab und zu grenzt unsere Beziehung fast schon ans Telepathische. Dann, wenn wir wiedermal das Gleiche denken (und aussprechen) oder nach demselben Film im DVD-Regal greifen. Das ist dann fast schon ein wenig unheimlich.

nutella

Falsche Welt

Da predigt der Papst von Verhütung, da protestieren meist Konfessionslose für das christliche Abendland, da gehen orthodoxe Juden in Israel nicht arbeiten, weil der Staat sie unterstützt, da werden im bayrischen Rundfunk von einem katholischen Pfarrer Witze über Jesus erzählt, während in Paris wegen Mohammed Karikaturen zwölf Menschen ermordet werden – was kommt als nächstes? Jehovas Zeugen die Weihnachten feiern? …

Was ist das nur für ein verrückter Planet auf dem wir leben?

Da fragt man sich doch, ob unsere Welt ohne Religionen eine Bessere wäre? Atheismusforscher behaupten: Nein! Doch ist dem wirklich so?
Ich habe keine Antwort darauf.
Ich weiß nur eines, nämlich das ich mir kaum noch getraue, aktuelle Nachrichten zu lesen oder anzuschauen, denn so schlimm hatte ich mir die Zukunft im Jahr 2015, nicht vorgestellt.

Amerikanische Heuschrecken

Sie fallen unerwartet zu Tausenden ein, fressen alles kahl, und wenn sie weiterziehen, hinterlassen nur blanke Erde…

Heute hielt ich eine Software-Schulung ab. Nun, ich habe das schon öfter gemacht, es ist also nichts Neues für mich. Eigentlich sollte mich das ja stolz machen, das jemand von meinen Erfahrungen profitieren möchte, die ich immer gern und bereitwillig teile. Doch in diesem Fall plagt mich echt das schlechte Gewissen, denn ich werde Wissen weitergeben, das in der Endkonsequenz meine Kollegen arbeitslos machen wird, mich vielleicht auch. Ein bisschen fühlt es sich so an, als würde man an dem Ast sägen, auf dem man sitzt. Entsprechend motiviert fühle ich mich gerade.
Da denken sich ein paar „schlaue“ Manager etwas aus, um Bilanzen zu bereinigen, ohne auch nur einen Blick auf die Menschen hinter den Zahlen zu werfen. Da werden Pläne geschmiedet, ohne die Beteiligten nach ihrer Meinung zu fragen, und die, die am Ende dieser Kette sitzen, wie der kleine Angestellte, der jahrzehntelang brav seinen Job für die Firma getan hat, wird vor vollendete Tatsachen gestellt und darf schließlich die Suppe auslöffeln. Ich finde das nicht nur unfair, sondern auch abscheulich.
Aber weder ich noch die Kollegen werden daran etwas ändern können. Was bleibt ihnen anderes als die Verbreitung von Zweckoptimismus. Ich dagegen sehe die Lage düsterer. Es erinnert mich doch zu sehr an das, was sich nach der Wende in vielen ostdeutschen Betrieben abgespielt hat. Jetzt trifft es eben die Firmen in den alten Bundesländern, nur sitzen die Urheber dieses Mal im fernen Amerika.

…Mal sehen was übrig bleibt, wenn der Heuschreckenschwarm vorübergezogen ist.

Wiedergebrachte Erinnerungen

Als ich über die Feiertage meinen Schreibschrank aufräumte, fiel mir ein gelber Post-it in die Hände. Darauf ein paar mit Bleistift gekritzelte Textzeilen. Es war meine Schrift, aber ich erinnerte mich nicht mehr daran, es geschrieben zu haben. Dennoch wusste ich sofort, was ich gefühlt habe, als ich die Worte niederschrieb:

Groß, herausragend, hektisch und laut
wie ein Wald aus Stein gebaut
Einer Landschaft gleich mit tiefen Schluchten
umrahmt vom Wasser der Ozeanbuchten
Milbengleich das Getümmel der Menschlein
fließt durch Straßen das gelbe Blut
in dem Biotop aus Blech und Stein

Und da sah ich mich plötzlich wieder vor 16 Jahren …
… draußen auf der Aussichtsplattform, den scharfen Wind im Gesicht und unter mir die Stadt, die niemals schläft. Nur Häuser und Meer so weit mein Blick reichte, eingerahmt in eine Kulisse unterschiedlichster Geräusche, die von weit entfernt zu mir aufstiegen. Darüber ein Himmel, der sich mit der einsetzenden Dämmerung von einem gelben Orange in ein violettes Blau verfärbte. Nach und nach gingen die Lichter an, und die Betonwüste, die zuvor noch starr und tot wirkte, schien plötzlich lebendig zu werden. Die Scheinwerfer der Autos verwandelten die Straßen in Arterien, in denen das Leben pulsierte. Leuchtreklamen flackerten verheißungsvoll wie ferne Sterne in der kalten trockenen Nachtluft.

Ich glaube, mehr muss ich dazu nicht sagen, um zu verdeutlichen, wovon ich in dem Gedicht schrieb.
Ein wenig sehne ich mich heute an diesen Ort zurück. Es war eine tolle Zeit.

Vergessener Schatz

Anlässlich des Weihnachtsbaumrückbaus am heutigen Vormittag, nutzte ich bei meinen Eltern gleich mal die Gelegenheit, aufzuräumen und richtig sauberzumachen. Ich räumte Schallplatten ins Regal und entsorgte alte Zeitschriften. Dabei fiel mir ein Bündel Trauerkarten in die Hände, welche wir nach dem Tod meiner Großmutter 1986 erhalten hatten. Ich reichte sie gleich mal an meinen Vater weiter, der sie in der nächsten Viertelstunde mit großem Interesse durchsah. Auf einmal stand er mit einem lauten „Das gibt’s nicht!“ in der Tür. Er las mir eine der Trauerkarten vor und ich verstand zunächst nicht, was er meinte, denn der Text hörte sich völlig üblich an. Doch als er mir dann die Karte in die Hand drückte und ich sie aufschlug, entkam mir ebenfalls ein: „Das kann nicht wahr sein, oder?“

In der Karte lag fein säuberlich noch ein Zwanzig Mark Schein. Und nein, es waren keine DM: Es waren zwanzig Mark der DDR …

Unfassbar! Seit fast dreißig Jahren dämmerte das Geld jetzt in dem Kartenstapel. Dabei waren zwanzig Mark in der DDR viel Geld, mit dem man allerlei nützliche Dinge hätte kaufen können. Zum Beispiel hätte man dafür zweihundert Semmeln oder zwölf Brote bekommen oder zwei Büchsen Ananas. Es wäre unter Umständen auch eine Nylonstrumpfhose drin gewesen oder nicht ganz vier Tafeln gute Schokolade. Gut, für eine Flasche Goldkrone (Weinbrand) hätte man nochmal neun Mark drauflegen müssen, aber da hätte man das Geld besser in einer Kneipe auf den Kopf hauen können.
Jetzt ist es für all das zu spät, weil es nur noch Erinnerungswert hat. Aber es war eine vergnügliche Erinnerung, trotz des damals traurigen Anlasses.

Lehrreicher Zahnarztbesuch …

… oder wie man sich als Anschauungsobjekt fühlt.

Gestern war ich beim Zahnarzt. Okay, der eine oder andere mag jetzt denken, das ist aber jetzt nicht so spannend. Ich würde auch nicht davon erzählen, wenn der Besuch nicht ein kleinwenig ungewöhnlich gewesen wäre.

Eigentlich war ich ja nur zur „professionellen Zahnreinigung“ da und plauderte zunächst ich ein wenig mit der ZFA (Zahnmedizinische Fachangestellte), bis sie loslegte. Und ich mich sofort fragte: Haben die ein neues Gerät für die Zahnsteinentfernung angeschafft? Denn das fühlt sich heute aber angenehm an. Nach ein paar Minuten stellte sich raus, das besagtes Handwerkszeug zwar neu war, aber nicht funktionierte. Nach ein paar vergeblichen Versuchen, das Gerät wieder in Gang zu bringen, wurde schließlich auf die althergebrachte Technik zurückgegriffen. Und ja, das Gefühl kannte ich dann wieder. Zwischenzeitlich streikte auch noch die Stuhlmechanik, aber ich bin ja bei sowas hart im Nehmen.

Irgendwann mittendrin tauchte dann an meiner Linken ein junges Mädchen auf. Aus der Begrüßung hörte ich heraus, dass es der Azubi war. Sofort wurde ich meines Amtes als “ Einwegsauger-Halterin“ enthoben. Und damit das „Kind“ auch was lernt, durfte sie auch noch mit ihrem eigenen Spiegel in meinen Mund herumwerkeln. So hatte ich nicht nur den Sauger, das Reinigungsgerät und den Spiegel der ZFA, sondern auch noch den Spiegel des Azubis im Mund. Und das, wo ich eh schon Probleme habe, den Kiefer weit genug aufzusperren. Aber okay, was macht man nicht alles für die Bildung der Jugend.

Denn ab jetzt wurde es erst richtig interessant. Die ZFA stellt dem Azubi nämlich Fragen zum Ablauf einer professionellen Zahnreinigung. Die Antworten kamen nur zögerlich und waren meist falsch. Wahrscheinlich war die Gute selbst noch nie bei einer Zahnreinigung gewesen. Denn selbst ich, die keine Ahnung von zahnmedizinischen Praktiken hat, hätte die Fragen locker aus reiner Erfahrung beantworten können. Noch interessanter wurde es, als es um die Details der Abrechnungspraktiken ging. Da wird zwischen einwurzligen und mehrwurzligen Zähnen unterschieden, verschiedene Faktoren eingesetzt, um an mehr Geld zu kommen. Und das diese je nach Freundschaftsgrad auf- oder abgerundet werden können. Auf meine Frage hin, ob ich noch etwas Wasser zum Spülen bekommen könnte, bekam ich die ironische Bemerkung, dass das dann aber auf meiner Rechnung extra abgerechnet würde. So ein bisschen Spaß zur Aufmunterung tut echt gut. Inzwischen fühlte sich mein Zahnfleisch nämlich an wie rohes Fleisch.

Nach einer knappen Dreiviertelstunde hatte ich dann alles hinter mir. Inklusive der Fluorlackierung meiner Zähne, die bei mir jedes Mal ein Würgen provoziert. Ich freue mich jedenfalls schon auf die versprochene Rechnung.

Dennoch verließ ich mit einem positiven Gefühl die Praxis. Warum? Der Zahnarzt, dem ich beim letzten Besuch von meinem Roman erzählt habe, hat sich doch tatsächlich ein Exemplar bestellt.

Da war ich baff.

Kumpeltyp

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich lieber mit Männern zusammenarbeite als mit Frauen? Womöglich habe ich deshalb einen technischen Beruf ergriffen? Nein – aber es stimmt. Ich komme einfach mit männlichen Kollegen besser klar, als mit den weiblichen (nicht das es davon viele gäbe). Aber woran das liegt, ist mir erst sehr spät aufgefallen:
Ich bin ein Kumpeltyp, das heisst, dass ich auch über schmutzige Witze lachen kann, mit anzüglichen Bemerkungen souverän umzugehen weiß und gelegentlich selbst gern welche austeile. Dabei habe ich stets ein offenes Ohr oder ein freundliches Wort für die Kollegen übrig, vom Verteilen von Süßigkeiten ganz zu schweigen. :) Kurzum ich bin eben zu jeder „Schandtat“ bereit und das eigentlich schon seit ich denken kann.
Das strahlt natürlich irgendwann auch ins Privatleben aus und am Ende wird man schließlich nicht mehr als Frau wahrgenommen und bleibt beziehungstechnisch außen vor. Man ist nie mehr als ein guter Kumpel, eine Schulter zum Ausweinen oder ein Ort zum Ablegen von Problemen. Das hat mich lange Zeit echt gequält. Eigentlich so lange bis ich meinen Mann kennenlernte. Aber das ist eine andere Geschichte…
Dennoch finde ich es gut, wie ein Gleichgesinnter akzeptiert zu werden, das ist, finde ich, die reinste Form der Gleichberechtigung. Denn nichts hasse ich als Frau mehr, als in die Kategorie blondes Dummchen abgeschoben und auch so behandelt zu werden und das kommt gerade in meinem Beruf häufiger vor, als man denkt. Dabei hasse ich es ja die Feministinnenkeule auszupacken, aber bei manchen Individuen der Gattung Mann kommt man echt nicht daran vorbei.