Meine erste Buchmesse

Als ich am Freitag dem 13. März gegen 11:30 Uhr auf der Buchmesse in Leipzig eintreffe, ist es schon gut gefüllt. Bereits draußen sieht man viele junge Leute in fantastischen Kostümen herumlaufen. Die junge Frau, die ich auf der Zugfahrt getroffen habe, erklärt mir, welchen Games viele der Gestalten entspringen. Sie scheint sich gut auszukennen. Am Eingang trennen sich unsere Wege, sie wartet auf Freunde, während ich mein Online-Ticket hervorkrame und durch die Sperre am Eintritt trete.
Die große Glashalle ist gewaltig. Sie spannt sich wie ein riesiges 28 Meter hohes Netz über 19000 Quadratmeter. Dazwischen wuseln Menschen auf zwei Etagen. Ich kenne das Gelände von einem Messebesuch von vor ein paar Jahren, doch dieses Mal wirkt alles viel voller und lebendiger. Auffallend ist die große Medienpräsenz, kaum ein öffentlich rechtlicher Sender, der nicht mit einem Stand vertreten wäre. Kamerateams laufen zu Dutzenden herum, und draußen auf der Straße parkt ein Übertragungswagen am anderen. Ich werfe mich ins Getümmel mitten zwischen die exotischen Kostüme, die mich an die FedCon erinnern, nur dass hier der Frauenanteil deutlich höher ist.

Natürlich führt mein erster Weg in Halle 2. Als ich durch die Tür gehe, läuft mir Reiner Schöne über den Weg. Den Schauspieler kenne ich von einem Besuch beim Münchner Trekdinner. Damals stellte er sein erstes Buch mit dem Titel „Let the Sunshine in“ vor. (Hier kann man den Bericht lesen, den ich 2004 darüber geschrieben habe.) Und wieder bin ich beeindruckt von der Größe des Mannes, der mich um mindestens zwei Köpfe überragt. Eilig hastet er an mir vorbei, umringt von einer Gruppe Journalisten.
Ich gehe auf die Suche nach dem Perry Rhodan-Stand, doch als ich ihn zwischen all den Schulbuchverlagen endlich finde, scheint er verlassen. Ich bleibe stehen, sehe mich eine Weile hilflos um und entdeckte schließlich Kathrin Lienhard. Was denn los sei?, frage ich und sie erzählt mir, dass die Herren aus der Redaktion krank sind. Die Nachricht macht mich etwas traurig, denn ich hatte gehofft, Klaus N. Frick würde für mich das Peter Pank Buch signieren, das ich extra mitgebracht hatte. Doch sie macht mir Hoffnung dass zumindest Michelle Stern und Arndt Drechsler am Nachmittag da sein würden, denn auch der Autor Michael Markus Thurner hatte krankheitsbedingt absagen müssen.

Ich verabschiede mich wieder und gehe in Halle 5, um Jan Weiler im Leipziger Autorenforum zu sehen. Als ich dort eintreffe, komme ich nicht mal in die Nähe der Tribüne. Trauben von Menschen stehen davor, ich höre eine Stimme, die mir bekannt vorkommt, die ich aber vorerst nicht zuordnen kann. Die Menschenmenge ist so dicht, dass ich nicht mal sehen kann, wer da spricht. Erst als ich eine Weile zuhöre, dämmert es mir. Das muss Gregor Gysi sein. Pünktlich um 12:00 Uhr verabschiedet sich der Politiker mit einem seiner üblichen Sprüche. Zu Gesicht bekomme ich ihn aber aufgrund der vielen Menschen nicht. In der Hoffnung, dass der Andrang nachlässt und ich einen Sitzplatz ergattern kann, bleibe ich stehen, komme aber nur ein paar Meter vorwärts, bevor die Tribüne wieder geschlossen wird.
Ein Mann begrüßt Jan Weiler und wieder sehe ich nichts. Der Typ, der die Fragen stellt, macht das grauenhaft unprofessionell. Allein sein stark ostdeutsch gefärbter Dialekt und die saloppe Wortwahl sind zum Fremdschämen. Sein Auftreten erinnert mich an einen Kuhbauern. Außerdem merkt man ihm an, dass er unvorbereitet ist: Er verwechselt Namen und Buchtitel. Jan Weiler reagiert routiniert, erzählt aus der Geschichte seines neuen Romans „Kühn hat zu tun“ und beantwortet brav jede Frage. Ich wechsle den Standort und bekomme tatsächlich den Autor kurz zu Gesicht – ganz klein, eingerahmt zwischen hunderten von Köpfen. Nach dem Ende der Veranstaltung schlendere ich durch Halle 5, verorte schon mal die Koordinaten für die spätere Signierstunde von Jan Weiler und wechsle anschließend in Halle 4, um den Bookspot Verlag aufzusuchen.

Ich bin ja echt fasziniert, wie viele kleine Verlage es gibt und mit was man dort teilweise sein Geld verdienen kann. Es geht von Religion über schräge Esoterik, Tierpsychologie bis hin zu Erotik. Viele Druckkostenzuschussverlage rühren die Werbetrommel und suchen nach Autoren.
Von Halle 4 aus will ich in Halle 1 zum CrossCult Verlag dort liest Andrea Bottlinger aus ihrem neuen Buch. Doch die Security hat den Durchgang zum Foyer gesperrt – dort ist zu viel Andrang. So wechsle ich direkt von Halle 4 in Halle 2 und bleibe am Perry Rhodan-Stand hängen. Es bietet sich ein trauriges Bild: Michelle Stern hält dort allein die Stellung. Ich geselle mich zu ihr und wir reden ein wenig. Hin und wieder kommen Fans, um ein Autogramm zu holen. Ich komme mit ihnen ins Gespräch. Zwischendrin treffe ich auch Olaf Kutzmutz von der Bundesakademie Wolfenbüttel. Ich bin erstaunt, weil er mich auf der Stelle erkennt. Mit gezücktem Smartphone eilt er weiter und am Abend sehe ich auf seinem Twitteraccount das Ergebnis; der Mann ist ein echter Twitterjunkie.
Gegen 14 Uhr gehe ich in Halle 5 zurück, um mir Jan Weilers neues Buch signieren zu lassen. In der Schlange hinter mir erzählt ein älterer Leipziger einem jungen Münchner aus seiner Kindheit; wie er 1945 in Gauting in der Würm das Schwimmen lernte. Ich höre interessiert zu und so vergeht die Zeit bis zur Unterschrift wie im Flug.

Anschließend bummle ich durch Halle 3 und stattete auch noch Halle 1 einen Besuch ab, in der die Manga und Comic Con stattfindet. Ein bisschen hat das was von FedCon, es sieht aus wie ein überdimensionaler Händlerraum. Hier gibt es nicht nur Comics, Mangas, Kostüme und allerlei Cosplay Zubehör, sondern sogar japanische Süßigkeiten. Unter anderem auch Mochi; das sind sehr süße weiche Teilchen, von denen ich gar nicht so genau wissen will, aus was sie bestehen. Ich hoffte ja bei CrossCult oder Panini ein Geburtstagsgeschenk für meinen Mann zu finden, habe aber kein Glück.
Als ich gegen Drei wieder am Perry Rhodan-Stand vorbeischaue ist Arndt Drechsler noch nicht aufgetaucht. Kathrin Lienhard wirkt nervös, weil er sich nicht gemeldet hat. Angeblich ist auch er krank, wollte aber dennoch kommen.
Ich hole mir derweil einen Kaffee, mache noch einen Rundgang und lausche einer Kinderbuchautorin, die von einem Waschbären erzählt. Ich bewundere ja Leute, die Kinderbücher schreiben können. Ich glaube nicht, dass ich dazu fähig wäre.
Kurz vor 16:00 Uhr kehre ich an den Perry Rhodan-Stand zurück und da steht ein Berg von einem Mann – Arndt Drechsler. Er erinnert mich ein bisschen an Yul Brunner in „Der König von Siam“. Aber auch er macht keinen gesunden Eindruck, dennoch signiert er brav mein mitgebrachtes Perry Rhodan-Heft mit Atlan auf dem Cover. Außerdem darf ich zusehen, wie er für einen anderen Fan Icho Tolot zeichnet. Als er in die Runde fragt, ob ein Haluter Nasenlöcher hat, sehen wir uns fragend an; keiner weiß es und schließlich zeichnet er doch welche ein.
Dann ist es auch schon Zeit für mich zu gehen und ich verabschiede mich.
Unten im Foyer kaufe ich noch einen widerlich schmeckenden Hotdog, der ein Vermögen kostet, bevor ich die Messe verlasse und zum Messe-Bahnhof eile. Es ist kalt auf dem Vorplatz und ich bewundere die jungen Mädchen in ihren sehr freizügigen Kostümen.
Erst als ich am zugigen Bahnsteig auf einer Sitzbank Platz nehme, stelle ich fest, dass ich die ganze Zeit über gelaufen und gestanden bin. Für jemanden der den ganzen Tag sitzt, ist das normalerweise ziemlich anstrengend. Doch wahrscheinlich bin ich so voller Endorphine, dass mir die Anstrengung nichts ausgemacht hat. Nur mein Kopf fühlt sich, wegen meiner Migräne etwas matschig an.
Das war meine erste Buchmesse und ich weiß schon jetzt, dass ich mir den Termin in Leipzig fürs nächste Jahr im Kalender anstreichen werde.

Ich will wiederkommen – Nein – ich muss wiederkommen.

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Mein Leben in Utopia

Das ich älter werde, merke ich vor allem daran, dass ich mich in letzter Zeit häufiger mit meiner Vergangenheit auseinandersetze. Dabei rede ich von den ersten 15 Jahren meines Lebens, in denen ich in der DDR aufwuchs.
Mit 30 wollte ich mal ein Buch schreiben mit dem schlauen Titel: „Mein Leben in Utopia – der Sozialismus aus der Sicht seiner letzten Generation“. Aber je älter ich werde, desto klarer wird mir, dass mir das gar nicht zusteht, weil ich eigentlich nur die „Sonnenseite“ der DDR erlebt habe, sofern man das so ausdrücken kann. Ich hatte eine glückliche Kindheit ohne Entbehrungen und das Glück nie mit den exekutiven Organen des Arbeiter- und Bauernstaates in Berührung zu kommen. Vielleicht lag das an meiner Angepasstheit oder war einfach nur meiner Jugend geschuldet. Ich habe die DDR nie als Erwachsener erlebt, bekam keine Repressalien zu spüren oder wurde an etwas gehindert. Da verschiebt sich schon mal die Perspektive.
Es gibt Leute die es aufregt, wenn man sagt: „… das in der DDR doch nicht alles schlecht war.“ Ich für meinen Teil kann Letzteres nur bestätigen, eben weil ich es nicht besser weiß. Aus meiner eigenen subjektiven Sicht führte ich ein normales Leben ohne Höhen oder Tiefen. Sicher hatte auch ich Wünsche und Träume; so wollte immer mal nach Paris reisen. Und was soll ich sagen, ich habe es in den 25 Jahren seit dem Mauerfall bisher nie geschafft, der französischen Hauptstadt einen Besuch abzustatten. Inzwischen reizt es mich nicht mehr, wenn ich an die vielen Touristen denke, um die ich schon in München einen großen Bogen mache. Das eigene Weltbild verändert sich eben.
Was ich sagen will ist, dass ich mich angesichts meiner Vergangenheit etwas hilflos fühle. Gerade wenn ich mir solche Filme wie „Bornholmer Strasse“ ansehe oder Berichte von Menschen lese, in denen es um Unterdrückung und Verfolgung durch die Staatssicherheit der DDR geht.

Heute traue mich nicht mehr über meine Vergangenheit zu urteilen, weil sie nicht die Vergangenheit von anderen widerspiegelt. Was aus mir geworden wäre, wenn es die Wiedervereinigung nicht gegeben hätte, daran mag ich gar nicht denken. Die Antwort darauf, ob ich der gleiche Mensch wäre, der ich heute bin, wäre zu schmerzhaft und mehr als beängstigend.

100.000 leere Stühle

Seit zwei Wochen höre ich ein Lied rauf und runter. Es heisst „100.000 Stühle leer“ und ist von LOVE A, einer Punkband aus Trier.
So richtig nach Punk hört sich der Song eigentlich nicht an, nur anhand der Texte könnte man ihn dort festmachen. Aber gerade die haben es in sich:

“. . . man muss nicht alles mögen, man muss nicht alles ändern wollen . . .”

„Wenn man sie kennt, darf man getrost die Regeln brechen. Weil die meisten doof sind fällt es uns gar nicht schwer. Nur wer mal aufgestanden ist, der darf sich setzen. Und darum bleiben hier so viele Stühle leer.“

Wenn ich das höre, kriege ich Gänsehaut, da steckt so verdammt viel Wahrheit drin. Und wenn auf dem neuen Album „Jagd und Hund“ alle Lieder von dieser Qualität sind, freue ich mich schon auf den 27.3.2015 an dem es erscheint. Das wäre dann mein erstes Album einer Punkband. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht? Ich bestimmt nicht.

Übrigens zum Lied gibt es ein tolles Video von Love A, das eigentlich alles sagt:

Biberschaden

„Umgestürzter Baum im Gleis!“ Diese Meldung auf der Statusseite der DB ließ mich zusammenzucken.

Super! Das hörte sich wieder ganz nach Katastrophe an und nach mindestens 30 Minuten Verspätung. Als ich dann am Bahnhof stand, zeigte die Anzeige einen ICE an, der eigentlich nicht hält und der schon vor einer Stunde hätte fahren müssen.
Einigermaßen verwirrt, fragte ich den Bahnhofsschaffner, was denn los sei?
Tja, meinte er, das wäre wegen der Tierchen, die sich seit einiger Zeit wieder an der Saale angesiedelt hätten. Einer davon hatte sich wohl zum Frühstück einen Baum gefällt, der dummerweise im Gleisbett der ICE-Trasse gelandet war. Dadurch hätten nun alle Züge erhebliche Verspätungen.
Na prima, dachte ich und sah schon, wie sich mein enggesteckter Reiseplan in Luft auflöste. Verspätungen sind bei dreimaligem Umsteigen eher hinderlich.
Aber dann sagte der Mann, ich könne doch den Ersatzzug nehmen. Denn den ließ er wegen zweier andere Fahrgäste extra anhalten, weil die beiden schon seit mehreren Stunden am Bahnhof warteten. Mit diesem Zug bräuchte ich in Nürnberg nicht einmal umsteigen.
Da fuhr besagter Ersatzzug auch schon in den Bahnhof ein und ich ergriff meine Chance. Es wurde eine sehr angenehme Fahrt in dem ehemaligen Erste-Klasse-Abteil, ruhig und entspannt, ideal zum arbeiten. Außerdem hielt der Zug bis München nur einmal in Nürnberg. Am Münchner Hbf bekam ich sogar noch den Meridian Richtung Salzburg und war eine Viertelstunde eher da, als es mein Fahrschein prophezeite.
Ich wünschte, das würde immer so gut klappen. Aber wäre das nicht ein klein wenig unverfroren?

Auf alle Fälle bedanke ich mich bei dem freundlichen Schaffner. Und natürlich danke ich auch den Naturschützern und dem Biberbeauftragten, welche die Biber an der Saale mit allen Mittel schützen und nicht zuletzt dem Biber für das zielgerichtete Baumfällen.

Das sieht man’s mal wieder: Ein Biberschaden ist eben kein Marderschaden!

Nachtrag vom 25.2.2015: Wie sich heute herausstellte, war es doch kein Biber, sondern nur ein paar übereifrige Landschaftsgärtner mit einer misslungenen Baumfällung.

Outfit der Achtziger

Beim Stöbern in alten Fotoalben stieß ich unlängst auf Aufnahmen von mir, aus den Achtzigern. Es ist schon erstaunlich, was man damals so alles getragen hat.

Zu jener Zeit besaß ich eine einzige Jeans, die mir mal Bekannte aus dem Westen geschickt hatten. Es war eine echte „Levis“. Sie war schon ziemlich ausgeblichen und die Beine viel zu lang, für mich aber war sie das Größte. Meist trug ich sie in Kombination mit den alten Fleischerhemden meines Großvaters (Stehkragen war zu dieser Zeit absolut IN.) und einem breiten selbstgemachten Nietengürtel, der inzwischen vielleicht noch um einen meiner Oberschenkel passt. (Ich war ein ziemlich dürrer Teenager.)
Ich kann mich auch an eine Jacke erinnert, die ich aus braunem Velours und hellblauem Baumwollstoff selbstgenäht habe. Leider konnte man sie nicht waschen und so landete sie irgendwann im Altkleidercontainer.

1988 zu meiner Konfirmation schickte meine Tante aus dem Westen Kleiderstoff. Meine Mutter ging dann mit mir zu einer Schneiderin, die einen Hosenanzug und einen Rock für mich nähte. In grellem Pink mit löchrigen Ärmeln und dem kurzen Rock sehe ich auf dem Konfirmandenfoto aus wie ein bunter Hund. Doch wenn man nicht gerade ein Grufti war, trug man das damals so. Später hatte ich auch noch eine Dauerwelle, um das Achtziger Outfit zu komplettieren.

Heute ist das für mich unvorstellbar lange her, aber natürlich habe ich die passenden Beweisfotos zur Hand.

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In der Update-Hölle

Es ist jedes Mal dasselbe. Kaum war ich mal zwei Wochen lang nicht an meinem PC, schon bin ich einen halben Tag lang damit beschäftigt, das Betriebssystem und die Programme auf den aktuellsten Stand zu bringen.

An diesem Wochenende war es besonders schlimm. Ich hatte den Computer drei Mal eingeschaltet, vor jedem Ausschalten forderte mich das Betriebssystem auf, Updates zu installieren. Ich habe mal mitgezählt und bin auf 25 Windows-Updates gekommen. Doch dabei blieb es nicht. Zunächst hat meine Virensoftware geschrien, dann der Browser, der Flashplayer, Java und zu guter Letzt auch noch das iTunes.
Von der wenigen Zeit am PC, die mir an den Wochenenden im Haus meiner Eltern bleibt, verschwende ich einen Großteil mit Systemaktualisierung. Inzwischen neige ich dazu, den PC gar nicht mehr einzuschalten. Sondern nur noch mit meinem iPad zu arbeiten.

Aus diesem Grund haben mein Mann und ich uns einen iMac angeschafft. Den schalte ich ein und kann sofort mit dem loslegen was ich tun möchte, ohne mich um Betriebssystem und Co kümmern zu müssen. Das einzige, was ich dort regelmäßig updaten muss, ist das „Office“ von Microsoft.

Ich frage mich ja ernsthaft, warum schafft es Apple ein Betriebssystem zu programmieren, dass man nicht wöchentlich aktualisieren muss und Microsoft nicht? Und warum finden sich auch nach Jahren in einem Windows-Betriebssystem noch Schwachstellen und Sicherheitslücken? Wenn ich es recht bedenke, muss ich davon ausgehen, dass da schludrig gearbeitet wird.

Ach, für die unausgegorene Windows-Software muss ich auch noch eine Menge Geld zahlen, während Apple sein Betriebssystem kostenlos anbietet. Das ist mehr als interessant.

Hermann Oberth – das unbeachtete Genie

Ich habe einen Traum! – Das Drehbuch zu einem biografischen Spielfilm über Hermann Oberth zu schreiben. (Falls jemand vom ZDF oder von Arte das hier lesen sollte … meine E-Mail Adresse steht im Impressum.) :)

Aber Scherz beiseite. Seit ich eine Biografie über den Wissenschaftler gelesen habe, bin ich völlig fasziniert. Der Mann war ein Genie. Ich wage es sogar, ihn mit Albert Einstein auf eine Stufe zu stellen. Leider bekamen er und sein Werk in Deutschland nie die Beachtung, die sie verdient hätten.

Hermann Oberth war Deutscher aus Siebenbürgen. Er wurde 1894 geboren und machte schon als Kind und Jugendlicher durch seine mathematischen Fähigkeiten auf sich aufmerksam. Mit großem Vergnügen las er die Geschichten von Jules Verne. Als er dessen „Die Reise zum Mond“ gelesen hatte, machte er sich ernsthaft Gedanken darüber, ob es wirklich möglich ist, jemanden zum Mond zu schießen. Sein Interesse war geweckt. Er machte Berechnungen und stellte fest, das die Andruckkräfte die Passagiere in Jules Vernes Roman glatt zerquetscht würden. Da war er 13 Jahre alt und der Gedanke sollte ihn zeitlebens nicht mehr los lassen. Mit 14 entdeckt er die Rakete (ebenfalls aus einer Geschichte von Jules Verne) als des Rätsels Lösung und entwirft mit 15 eine Andruck-Zentrifuge (wie sie noch heute in der Raumfahrt zum Einsatz kommt) um herauszufinden, wie viel Andruck ein Mensch aushält. Mit 17 folgt die erste Flüssigkeitsrakete. Nach dem Abitur beginnt er auf Wunsch des Vaters mit einem Medizinstudium in München, besucht jedoch lieber Vorlesungen in Physik und Aerodynamik an der TH. Er stellt weitere Formeln für seine Raketentheorie auf. Der erste Weltkrieg unterbricht das Studium. Er wird verwundet und kommt im Lazarett zum Schluss, dass ein Mensch Schwerelosigkeit ertragen kann. Er stellt Selbstversuche an und wird damit zum Begründer der Weltraummedizin. Weiterhin arbeitet er an seiner Raketentheorie. Nach dem Krieg beginnt er ein Physikstudium und reicht 1922 seine Arbeit „Die Rakete zu den Planetenräumen“ als Dissertation ein. Sie erscheint ein Jahr später als Buch im Münchner Oldenbourg Verlag und ist die weltweit erste wissenschaftliche Arbeit zum Weltraumflug. Nach den Formeln aus diesem Buch werden heute noch die Flugbahnen aller Raketen berechnet. (Ich bin selbst im Besitz einer Ausgabe des Buches (sogar mit Widmung) und kann nur sagen, das da sehr sehr viele Formeln drin stehen, die auch mein Ingenieurgehirn nicht alle durchschaut.)

Ausgerechnet dem Kino verdankt es Oberth, das er als Raketenforscher arbeiten darf. Für den Ufa-Film „Die Frau im Mond“ wird er als wissenschaftlicher Berater verpflichtet.
Oberth lernt den russischer Raketenforscher K. E. Ziolkowski kennen, beide verbindet über viele Jahre eine intensive Brieffreundschaft. Doch in Deutschland will niemand Geld für Raketenforschung ausgeben. So kehrt er 1925 nach Siebenbürgen zurück und wird Lehrer am Gymnasium in Mediasch (das ist übrigens der Geburtsort meines Mannes). Doch Oberth gibt nicht auf, mit eigenem Geld und mit Hilfe der Ufa entwickelt er eine richtige Rakete und macht mehrere wichtige Entdeckungen während der Brennversuche. 1930 ist bei seiner Präsentation der Kegeldüse auch ein junger Student anwesend, sein Name: Wernher von Braun. Ausgerechnet er wird es sein, der der Raketenforschung in Deutschland ein Gesicht verleiht. Die Nationalsozialisten erkennen das Potential der Rakete und holen Oberth nach Deutschland. Mit schlimmen Folgen: Er ist zwar nur als Berater tätig und hat keinen Einfluss auf die Entwicklungen in Peenemünde, dennoch wird ihm nach Kriegsende die Rückkehr in die rumänische Heimat verweigert.

Während von Braun in Amerika zu Ruhm und Ehre kommt, kämpft Oberth in Europa um Einkommen und Anerkennung, das er nur zögernd bekommt. Er veröffentlicht Bücher über Menschen im Weltraum, Why the race to the Moon? und Das Mondauto. Als er 1962 in den Ruhestand geht, planen die Amerikaner den Mond zu erreichen. Oberth schreibt ein Buch über die Zukunftsaufgaben der Raumfahrt, darin enthalten sind Entwürfe zu Raumstationen und zum elektrischen Raumschiff. 1969 steht er auf der Ehrentribüne um dem Start von Apollo 11 beizuwohnen. Erst 1972 darf er nach 34jähriger Abwesenheit seine alte Heimat Siebenbürgen besuchen. In den Jahren bis zu seinem Tod widmet er sich philosophischen Fragen und alternativen Technologien (Das Drachenkraftwerk) zu Atomkraftwerken. Im Dezember 1989 stirbt Hermann Oberth in seiner Wahlheimat Feucht bei Nürnberg. Wo ihm heute ein kleines Museum gewidmet ist.

Ich finde das alles ziemlich spannend und kann nur schwer verstehen, warum er in Deutschland ein Unbekannter geblieben ist. Ohne seine Berechnungen oder seine Selbstversuche hätte die Menschheit innerhalb so kurzer Zeit nicht ins All fliegen können. Das sollte uns doch ein wenig mehr Anerkennung wert sein.

Übrigens die umfangreiche Biografie: Hermann Oberth. Begründer der Weltraumfahrt Gebundene Ausgabe – 1991 von Hans Barth, gibt es leider nur noch im Antiquariat.

Wintersonne

Nachdem bei uns schon seit Wochen vormittags meist nur zäher Nebel herrscht, flüchteten wir am Montag kurzerhand in die Sonne. Nach nur 20 Minuten im Auto erwartete uns himmlischer Sonnenschein und klares Bergwetter. Der Weg entpuppte sich als begehbar und in der Sonne brauchten wir nicht mal eine Mütze. Der Ausblick vom Berg zeigte das Nebelelend in seiner ganzen Härte. Eine dicke Wolkenschicht schirmte das gesamte Voralpenland vom blauen Himmel ab. Kein Wunder, dass es meist bis zum Nachmittag dauerte, bis sich der Nebel auflöste.

Mehr als eine Stunde spazierten wir durch die verschneite Landschaft, erfreuten uns an bizarren Eisskulpturen und Schnee in mehr als nur „50 shades of grey“.
Nach so viel Sonne war meine depressive Stimmung vom morgen verflogen. Und dann machte mein Mann noch ein so dynamisches Foto von mir (mit meinem uralten Nokia-Handy), das ich das unbedingt hier posten muss.

Das war ein wirklich gelungener Ausflug. Heute ist es wieder grau in grau.

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Besser spät als nie

„Ach, vielen Dank für die Post!“, sagte mein Vater gestern am Telefon.
Ich fragte Stirnrunzelnd zurück: „Welche Post?“
„Na die Karte?“
Häh? Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich meinen Eltern eine Karte geschickt haben könnte. Weihnachten waren wir vor Ort und Ostern ist erst in ein paar Wochen. „Welche Karte, bitte?“
Da hörte ich meine Mutter im Hintergrund schon lachen. „Wir haben heute eure Urlaubskarte aus Südtirol bekommen.“
„Nee, nicht wirklich!“ …

Besagte Urlaubskarte gehörte zu einem Stapel Karten die ich während unseres Italienaufenthalts im letzten August aufgab. Alle kamen an, außer die an meine Eltern. Ein bisschen ärgerte ich mich darüber, weil ich eine besonders schöne Karte ausgesucht hatte, die ich ins Fotoalbum kleben wollte. Gestern nun kam sie nach sechs Monaten an. Wo sie in all der Zeit gesteckt und welch verschlungenen Pfade sie zurückgelegt hat, werde ich leider niemals erfahren.

Pendelverkehr

Heute motze ich ausnahmsweise mal nicht über die Deutsche Bahn, sondern über die Bayrische Oberlandbahn (BOB) und die Münchner Verkehrs Betriebe (MVV). Beide sind daran schuld, dass ich seit Mitte Dezember nicht mehr pünktlich zur Arbeit komme. Die einen schaffen es nicht, zwei Zugteile in angemessener Zeit aneinander zu kuppeln, die anderen haben eine ohnehin schon unzumutbare Busverbindung noch unzumutbarer gemacht.

Doch eines nach dem anderen: Vor etwa einem Jahr hat die BOB die Bahnstrecke zwischen München und Salzburg von der Deutschen Bahn übernommen. Die neuen Züge bekamen den wohlklingenden Namen MERIDIAN. Anfangs lief der Betrieb mehr schlecht als recht, weil nicht genügend Züge vorhanden waren. Nach dem Fahrplanwechsel im Sommer besserte sich die Situation und die Regionalzüge waren eine echte Alternative zu den maroden IC’s der Deutschen Bahn. Sie waren genauso schnell, obwohl sie unterwegs öfters hielten. Ich entschloss mich also morgens mit dem MERIDIAN zu fahren, statt mit dem 10 Minuten später fahrenden IC. Und tatsächlich der MERIDIAN war nicht nur früher in München, sondern auch deutlich pünktlicher. Außerdem war er nicht so überfüllt, weil zwei Zugteile eingesetzt wurden. Seit Dezember ist alles anders. Es werden auch jetzt zwei Zugteile eingesetzt, aber erst ab Rosenheim. Was nichts anderes heißt, als das beide Zugteile in einem zeitraubenden Prozess erst aneinander gekuppelt werden müssen. Seitdem benötige ich 5 bis 10 Minuten länger. Und werde, wenn’s dumm kommt, auch noch vom IC überholt. Das nenne ich „Fortschritt“.

Aber das ist nur ein Teil meines Problems. Das Schlimmste, die Busfahrt am Ende meiner frühmorgendlichen Reise, kommt erst noch. Bis Dezember brauchte der Bus von der vorletzten U-Bahn Haltestelle bis zur Haltestelle, an der meine Arbeit liegt, 10-12 Minuten. Weil er aber ständig Verspätung hatte, wurde von den MVV-Planern einfach der Fahrtweg verlegt. Ich muss jetzt bis zum Endbahnhof der U-Bahn fahren und kann erst dort in den Bus einsteigen. Dann quält sich der Bus quer durchs Gelände eines großen Klinikums, was ich am frühen Morgen, wenn man in die hellerleuchteten Fenster sehen kann, besonders „motivierend“ finde. Da kommt man zunächst nur an Labors vorbei, dann am riesigen Gebäude der Notaufnahme, wo man die Ärzte dabei beobachten kann, wie sie Verletzte versorgen. Anschließend geht es weiter: links – an der Stiftung für Organspende vorbei, rechts – am Pathologischen Institut und schließlich an Hangar und Landeplatz des Rettungshubschraubers. Wenn man endlich durch ist, fühlt man sich irgendwie selber krank. Kurzum ich brauche jetzt nochmal 10 Minuten länger, im ganzen also 20 Minuten für eine Strecke, die ich auch zu Fuß in 20 Minuten bewältigen und dabei auch noch was für meine Gesundheit tun kann. Außerdem muss ich dazu nicht durchs Klinikgelände.

Insgesamt lege ich am morgen 120 Kilometer zurück und bin von Haustür zu Haustür mehr als zweieinhalb Stunden unterwegs.
Ach ja, Abends muss ich die gleiche Strecke zurückfahren.