Eine Zukunft durch Olympia

Das Münchner Oberwiesenfeld hat eine lange Geschichte. Vom Artillerieübungsplatz (ab 1784) bis zum Flugplatz (bis 1968) diente es meist militärischen Zwecken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden auf Teilen des Geländes Trümmerberge aus den Ruinen des zerbombten Münchens errichtet. Die bis zu 56 m hohe Deponie wurde nochmals um den Abraum erhöht, der beim Bau der U-Bahnstation »Olympiazentrum« anfiel. Als 1966 die Entscheidung für München als Austragungsort getroffen wurde, bot sich das brachliegende Gelände an. Noch vor der Entscheidung wurde mit den Arbeiten für den Fernsehturm und eine Eissporthalle begonnen. Nach dem Motto »Olympische Spiele im Grünen« baute man das Areal zu einem Park um. Mehrere Landschaftsarchitekten trugen die Verantwortung. Die Natur wurde auch zu einem Stichwortgeber bei der Architektur der Sportstätten.

Heute fast 50 Jahre später hat der Olympiapark in München nichts von seinem Reiz verloren. Zwölf Jahre lang lebte ich keine zehn Minuten Fußweg von dem beliebten Freizeitziel entfernt. Unzählige Male genoss ich die Aussicht vom Olympiaberg über München und über die noch heute futuristisch anmutenden Sportstätten. Das Zeltdach ist dem Netz einer Spinne nachempfunden und wirkt mit den gewaltigen Spannseilen dennoch leicht. Jeder Winkel bietet dem Beobachter einen neuen spannenden Einblick auf die außergewöhnliche Architektur.

In dem vom Nymphenburg-Biedersteiner Kanal gespeisten See tummeln sich stets unterschiedliche Wasservögel und dicke Graskarpfen. Östlich mündet der Kanal in den Schwabinger Bach. Folgt man dem Kanal nach Westen kommt man zum Nymphenburger Schloss. Der Park selbst ist mit allerlei exotischer Bäume bepflanzt. Für jedes an der Olympiade teilnehmende Land wurde eine spezifische Art gepflanzt. Noch immer zeugen kleine Schilder am Boden, aus welchen Land der Baum oder Strauch stammt.

Im Sommer findet südlich des Sees das Münchner »Tollwood« statt. Eine Art alternativ/ökologisches Musikfest mit vielen Verkaufsständen und mehreren Zelten in denen Konzerte und Theater stattfinden. Als ich das Tollwood zum ersten Mal besuchte, war ich überwältigt von der Vielfalt der Angebote. Leider war das Tollwood bei meinem Besuch am vergangenen Samstag noch nicht geöffnet. Dafür genoss ich es wieder mal durch den Park zu streifen, die Architektur zu bewundern, am Olympiasee ein Eis zu essen und die Namen und Handabdrücke der Prominenten zu bewundern, die sich dort verewigt haben.

Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, das die Stadt München die Radsporthalle im vergangen Jahr abreißen ließ. Eigentlich sollte eine neue Basketballhalle für den FC Bayern München gebaut werden, die sich aber nicht von dem neuen Pächter Red Bull abhängig machen wollten und zurücktraten. Jetzt steht an gleicher Stelle eine provisorische Flüchtlingsunterkunft.

Ich bin mir nicht sicher, was aus dem Gelände geworden wäre, wenn es die Olympischen Spiele nicht gegeben hätte. Wahrscheinlich würden Wohnblocks oder Industrieanlagen die Trümmerberge umzingeln. Es gäbe wahrscheinlich auch keine U-Bahn Linie, die inzwischen bis Moosach verlängert wurde. Und der Fernsehturm wäre nicht einer der wenigen Fernsehtürme in Deutschland, die man besichtigen kann. So gesehen, hat das Sportereignis den Münchnern eine Attraktion beschert, die Erholung bietet, aber auch von vielen Touristen besucht wird.

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Schicksalschläge und Komplikationen

Nein, es ist kein guter Tag heute!

Gerade hatte ich die Nachricht vom Tod Anton Yelchins verdaut, folgte der nächste Schlag. Ein enger Mitarbeiter wurde gestern von den Kollegen tot in seiner Werkstatt im Keller gefunden. Ich bin noch ganz mitgenommen, weil ich erst vergangene Woche mit ihm über Tod und übers Sterben gesprochen habe. Ich werde seine gestandene Art, sein umfangreiches Wissen und seinen festen Händedruck vermissen.

Außerdem ist der Bahnhof in Traunstein seit halb acht wegen der Entschärfung einer Fliegerbombe gesperrt. Zum Glück bin ich schon um sechs Uhr gefahren. Mal sehen, ob sie bis zum Feierabend fertig sind.

Das sind so Tage, an denen man besser morgens nicht aufgestanden wäre.

Persönlichkeitsbildung mittels »Krieg der Sterne«

Starwarsidenties»Star Wars Identities« heißt die Ausstellung, die noch bis Oktober in der kleinen Olympiahalle in München zu sehen ist.

Mit einer Ausstellung hat das interaktive Multimedia-Abenteuer jedoch wenig gemein. So ist man als erwachsener Besucher zunächst irritiert, wenn man Daten-Armbändchen und Bluetooth-Headset ausgehändigt bekommt. Im filmisch inszenierten Intro werden die beiden Charaktere Anakin and Luke Skywalker vorgestellt und über die Entwicklung ihrer Persönlichkeit gesprochen. Das dies anfangs eher an belehrenden Schulunterricht erinnert als an den Besuch einer Ausstellung, sorgt beim älteren Publikum für Unverständnis …

… als es dann hieß, man sollte die Armbänder in die Felder an den einzelnen Stationen legen, um seine eigene Persönlichkeit zu entdecken, fragte ich mich schon ernsthaft, wo ich da hinein geraten war. Warum ich mich dennoch auf das Spielchen einließ, kann ich nicht genau sagen. Doch je länger ich mich durch den Parcours bewegte, umso faszinierter war ich. Die interaktiven Stationen rund um die, in Glasvitrinen ausgestellten, Originale, waren mit viel Sorgfalt entwickelt. Die im Scherenschnitt animierten und durch Filmausschnitte unterstützten Informationen zur Entwicklung menschlicher Persönlichkeit, sind nicht nur für Kinder wissenswert. Für sich selbst wählte man so eine Art Avatar, den man anschließend von Station zu Station anhand interaktiver Entscheidungen und dem Beantworten von Fragen eine eigene Persönlichkeit verleihen konnte. Das machte tatsächlich Spaß und die Zeit verging, ohne das man es bemerkte. Am Ende war ich um ein paar neue Erkenntnisse zur menschlichen Psychologie reicher und hatte meinem Avatar eine komplexe Persönlichkeit geschenkt, die ich mir per E-Mail zusenden konnte.

Besonders eindrucksvoll waren die Raumschiffmodelle, die in einer riesigen Vitrine ausgestellt waren. Wenn man sich davor stellte, wirkte es beinahe so, als würden die Schiffe mit Überlicht fliegen. Auch die Konzeptzeichnungen gefielen mir, dazu bekam man noch Informationen zum Dreh geliefert.  Im obligatorischen Shop am Ausgang konnte man T-Shirts und anderes Merchandise zu »Star Wars Identities« einkaufen.

Wir haben mit Freunden aus dem Trekdinner München die Ausstellung gemeinsam besucht (mehr dazu in Sandras Blog). Leider verloren wir zwischenzeitlich die Gruppe, weil doch sehr viele Leute gleichzeitig die Ausstellung besichtigten. Wahrscheinlich gingen wir auch zu schnell durch. Durch meine Nachtblindheit bekam ich nämlich zunehmend Probleme. Mir schmerzten die Augen, weil es in der Halle recht dunkel ist. Ach ja, ein paar Sitzgelegenheiten wären auch nicht verkehrt.

Mein Fazit: Für kleine und große Star Wars-Fans ist die Ausstellung durchaus zu empfehlen. Einzig der stolze Eintrittspreis von 20-25 Euro pro Person schlägt vor allem bei Familien mit Kindern auf die Geldbörse. Mehr Infos zur Ausstellung gibt es hier: starwarsidentities.de

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Rumgraben in Rumgraben

imageEine kuriose Ortsangabe fand ich heute im Verbindungsportal der Deutschen Bahn.

Kurz vor Feierabend wollte ich nachsehen, ob mein Zug pünktlich ist oder wieder Verspätung hat. Natürlich war er wieder verspätet, aber die rote Meldung daneben amüsierte mich so sehr, dass ich gar nicht ärgerlich sein konnte. Dort stand etwas von einer Baustelle zwischen Traunstein und Rumgraben und die »graben« dort tatsächlich »rum«. Das ist witzig, auch wenn die dauernden Baustellen seit Februar echt nerven. Wenn eine beendet ist, fangen sie eine neue an. Ich habe heute einen Plan entdeckt, auf dem alle Baustellen bis September eingezeichnet sind. Wohlgemerkt nur die Baustellen auf der Strecke zwischen Salzburg und München. Da braucht man als Pendler einen langen Atem und viel Galgenhumor. Vielleicht war das ja der Zweck der Meldung. Bei mir hat es jedenfalls geklappt.

Übrigens, ich habe dann doch den früher fahrenden Meridian genommen, der keine Verspätung hatte und tatsächlich pünktlich am Zielort ankam. Tja, der wird ja auch nicht von der Deutschen Bahn betrieben.

Fotoerinnerungen

Aus Gründen, die ich nicht näher kommentieren will, beschäftige ich mich zur Zeit mit alten Fotos.

Dabei fand ich unteranderem das Beweisfoto für meinen »übermäßigen« Bierkonsum als Kind. In roten Gummistiefeln, Kittelschürze und Sonnenhut spazierte ich damals auf unserem Wochenendgrundstück herum, plantschte mit Vorliebe in unserem Pool und leerte unbeaufsichtigte Bierflaschen. Das gemauerte Bassin in dem ich damals baden ging, gibt es noch, wurde in den vergangenen Jahrzehnten aber nicht mehr genutzt. Und das Grundstück ist in den vierzig Jahren auch ziemlich zugewachsen.

Das Mädchen mit den Zöpfen ist meine Cousine, die trank damals lieber Limo.

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Con-Einbruch

Wenn ich mir die Statistik auf meinem Blog so ansehe, finde ich es immer wieder faszinierend, wie sichtbar sich darin Ereignisse abzeichnen.

Zu solchen Begebenheiten zählt unter anderem die Ausstrahlung eines David Rott Films. Aber auch Tage, an denen besonders schönes oder besonders schlechtes Wetter herrscht, schlagen sich in den Besucherzahlen nieder. Freitage und Samstage sind eher schwache Tage, außer ich habe mal wieder eine Rezension auf dem PR-Forum verlinkt.

Das viele meiner »Follower« Perryfans sind, wurde am vorletzten Wochenende so richtig deutlich. Da war schönes Wetter und in Köln fand die ColoniaCon statt. Das führte dazu, dass ich an den beiden Tagen einen Negativrekord bei den Besucherzahlen zu verzeichnen hatte.

Inzwischen bekomme ich auch Besuche von anderen Blogs, mit denen ich verlinkt bin. Das finde ich schön. Ganz nette Zeilen schrieb zuletzt »Des Schamanen Wahnsinn«. Sowas freut mich immer. Ein bisschen Networking bringt für alle Beteiligten etwas und in Zeiten wie diesen muss man zusammenhalten.

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Zuggebunden

Es gibt Tage, da frage ich mich ehrlich, warum ich mir das eigentlich antue. Ich verbrachte heute wieder länger in irgendwelchen Verkehrsmitteln, als hinter meinem Schreibtisch.

Das ging heute morgen mit einem belegten Gleis am Bahnhof los. Dort, wo eigentlich der EC abfahren sollte, stand ein Güterzug. Die Bahnmitarbeiterin, die für die Durchsagen am Bahnsteig sorgt, war genauso uninformiert wie die Fahrgäste. Sie setzte mindestens vier mal an, um den Gleiswechsel anzukündigen, wo der EC abfahren sollte, entschuldigte sich dann aber und schwieg. Irgendwann fünf Minuten später fuhr der Zug auf Gleis 5 ein. Und es dauerte nochmal 10 Minuten bis er wegen der Baustelle weiterfahren konnte. Jetzt passte er natürlich nicht mehr in den »Betriebsablauf« und so verzögerte sich die Fahrt auf der Strecke nochmal um zehn Minuten.

Am Ostbahnhof gewann ich zwar im S-Bahn-Lotto, hatte aber nichts davon, weil die U-Bahn am Marienplatz wegen einer Stellwerksstörung im zehn statt im drei Minutentakt fuhr. Die Züge waren entsprechend gefüllt. Weshalb es immer wieder zu Verzögerungen beim Ein- und Aussteigen kam. Und natürlich war am Ende auch der so Bus brechend voll, dass sich die Türen nicht schlossen, weil so ein paar Idioten quatschend in der Lichtschranke standen und nicht mitbekamen, dass der Bus an fast jeder Haltestelle wegen ihnen nicht weiter fahren konnte. So dauerte mein Weg zur Arbeit alles in allem mal wieder drei Stunden.

Meine Hoffnung, dass es am Nachmittag problemloser ginge, zerschlug sich schon an der Bushaltestelle. Der Bus hatte mal wieder fünf Minuten Verspätung. Mit einer Sprinteinlage erreichte ich noch die U-Bahn, die wegen einer Fahrzeugstörung alsbald im Tunnel stecken blieb. Mit Hängen und Würgen erreichte ich am Hauptbahnhof noch meinen Zug, der dann kurz vorm Ostbahnhof wegen einer Signalstörung stehen blieb. Die war zwar nur von kurzer Dauer, aber fünf Minuten kamen dennoch zusammen. Und zu guter Letzt musste der Zug kurz vor Traunstein zehn Minuten an der Baustelle warten.

Eigentlich sollte ich der Deutschen Bahn, die Fehlzeiten, die ich im Jahr über durch Verspätungen ansammle, in Rechnung stellen.

Falsche Farben vertont

Ich höre gerade »Enpunkt Radio« im Querfunk – dem freien Radio Karlsruhe. Klaus N. Frick präsentiert dort einmal im Monat Punkrock und alles was man dazu zählen kann.

Heute spielte er unteranderem »Illegale Farben«. Die Band aus Köln habe ich schon vor Monaten für mich entdeckt. Seit März läuft das Album ziemlich oft, während ich vorm Computer sitze und schreibe. Die Texte sind allesamt vielschichtig, genauso wie die Musik.

Ehrlich, ich kenn mich mit Musik ja grundsätzlich nicht aus. Deshalb äußere ich auch nicht groß dazu. Ich kann nur sagen, mir gefällt‘s, ganz besonders der Titel »Neonblau«. Bei dem singe ich auch schon mal mit.

Ach was, schaut euch einfach die Videos an! Und keine Angst, Punkrock ist gar nicht so schlimm.
Kaufen kann man die LP/CD hier.

 

Piepsender Franzose

Das erste Auto an dem ich hinterm Steuer saß, war ein Golf. Das war während der Fahrschule. Und weil ich meinte, mit keinem anderen Auto fahren zu können, kaufte ich mir nach bestandener Fahrprüfung einen gebrauchten Golf II, den ich fast zwanzig Jahre lang fuhr. Irgendwie hatte das Auto etwas von einem bequemen eingelatschten Pantoffel. Man setzte sich rein und hatte das Gefühl, dass sich das Fahrzeug dem Fahrer anpasste. Wie ein Konturensessel bei Perry Rhodan. Mein Vater kaufte sich später einen Golf III, mit dem ich auch recht häufig fuhr, der aber nicht so lange hielt wie meiner. Vor ein paar Jahren mussten sich meine Eltern ein neues Auto kaufen, weil der Golf nicht mehr durch den TÜV kam. Preis und Abmessungen von aktuellem Golf und Polo zwangen sie dazu, sich nach einer anderen Marke umzusehen. Am Ende entschieden sie sich für einen Citroën C3.

Ab hier muss ich aufpassen, was ich sage, denn ich werde von meinen Eltern geschimpft, wenn ich schlecht über ihr Auto rede. Daher fange ich mit den Vorzügen an: unglaublich enger Wendekreis, das heißt man kann das Auto fast auf der Stelle drehen. Der Innenraum ist, verglichen mit dem winzigen Äußeren (Wir sind immer das kleinste Auto auf dem Parkplatz.) erstaunlich geräumig. Das Panoramadach ist schick, wenn nicht gerade die Sonne scheint oder es regnet. Und die sich selbst einklappenden Außenspiegel sind auch nicht so verkehrt. Für die Stadt ist das Auto ideal.

Zu den negativen Seiten gehören die kümmerliche Motorisierung. Ich weiß nicht, wohin die 85 PS verschwinden, ganz sicher nicht auf die Straße. Denn schon halb besetzt, sind Überholvorgänge mit diesem Auto kaum möglich und wenn, dann nur im zweiten oder dritten Gang. (Mein Golf hatte nur 55 PS und ging ab wie eine Rakete.) Die Ladekante des Kofferraums ist mehr als einen Meter hoch, was das Beladen zu einem Kraftakt macht. Und die winzigen Scheiberwischerchen verlieren sich auf der Mega-Panoramascheibe und schaffen es nicht mal auf der Beifahrerseite für freie Sicht zu sorgen. Von dem schwarzen Klavierlack im Innenraum und dem integrierten Duftspender will ich gar nicht erst anfangen.

Das Allerschlimmste an dem Auto aber ist die Geräuschkulisse beim Anlassen. Die Kakaphonie von Piepslauten ist nicht nur verwirrend, sondern auf Dauer extrem nervig. Wenn dann noch das Gepiepse der Abstandssensoren hinzukommt, wünschte man sich Oropax. Neuester Clou nachdem das Auto im Frühjahr zur Durchsicht war, fiept es jetzt auch noch wenn man rückwärts fährt, so wie bei einem LKW. Aber nicht draußen, sondern drin. Das ist echt stressig. Ich bin die letzten beiden Tage ein paar mal völlig verwirrt beim Rückwärtsfahren stehengeblieben, weil ich dachte, hinter dem Auto ist ein Hinterniss. Bis ich endlich dahinter gekommen bin, dass ist ein »Feature not a bug«.

Ich hör jetzt lieber auf, sonst darf ich nicht mehr damit fahren. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, wünsche ich mir meinen Golf zurück. Der hatte zwar weder Servolenkung noch Airbag, aber wenigstens hat er nicht gepiepst.

Raps, Mais und grünes Gras

Wenn man dieser Tage durch Bayern fährt, egal, ob nun mit dem Auto oder der Bahn, springt einem eines ins Auge: Die Landschaft scheint, von den Ortschaften mal abgesehen, nur aus einer Melange aus Grüntönen zu bestehen. Da reihen sich Felder verblühten Raps an Wiesen aus blanken Grün oder an, wie mit dem Lineal gezogene Linien aus Maispflanzen. Dazwischen hin und wieder ein Kornfeld. Aber nirgendwo findet man bunten Farbkleckse – keinen roten Mohn, keine weißen Margriten, keine blauen Kornblumen. Selbst die Feldraine sind in tristes Grün gekleidet.

Früher war das anders. Als Kind bastelte ich aus den Knospen der Mohnblumen kleine Püppchen, pflückte Margriten und Kornblumen zu einem dicken Strauß. Heute muss man schon genau hinsehen, wenn man eine Blume in dem vorherrschenden Grün erkennen will.

Gründe für den Mangel an Blumen gibt es viele. Sie heißen Bti, Glyphosat und Neonicotinoide oder schlicht und einfach Gülle, die in zu großen Mengen von den Viehbauern auf die Wiesen ausgebracht wird. War es in den Achtzigern noch die Industrie, die der Natur zusetzte, so ist es inzwischen die Landwirtschaft.

So verringern sich Jahr für Jahr die Wildpflanzen. In der Folge gibt es weniger Insekten und die Vögel finden keine Nahrung mehr. Wenn man früher mit dem Auto über Land oder auf der Autobahn längere Zeit unterwegs war, musste man hinterher den Kühlergrill schrubben, weil so viele Insekten daran klebten. Heute kennt man das Problem kaum noch.

Das fehlende Bunt ist also nicht nur für das Auge ein Verlust, sondern auch für Tier und Mensch. Geopfert einer industriellen Landwirtschaft, deren Produkte nicht mal auf dem Teller, sondern in Biogas-Anlagen und Bioethanol-Fabriken landen.