Im Lesefieber

Ich kann heute nicht ausführlich bloggen, weil ich lesen muss. Ja, muss! Der Roman ist erst am Montag veröffentlicht worden, ich habe ihn aber schon am Samstag in der Thalia-Buchhandlung entdeckt. Die Buchhändlerin an der Kasse schaute mich seltsam an, als ich ihr scherzhaft erklärte, dass sie den Roman eigentlich erst am Montag verkaufen dürfte. Mitgenommen habe ich den Roman aber und es bisher nicht bereut.

So, jetzt muss ich aber weiterlesen. Was genau? Darüber werde ich bald berichten.

Strandspaziergang am See

Es ging ein schneidend kalter Wind. Weil die Sonne so schön schien, wollten wir dennoch einen Spaziergang machen. Ich schlug vor, zum See zu gehen.

Im Winter ist der See am Strandbad besonders schön. Blesshühner und Enten tummeln sich im Wasser. Das Schilf am Ufer hat eine goldene Färbung und wenn die Sonne vom blauen Himmel scheint, so leuchtet der See wie ein blauer Spiegel.

Nicht so an diesem Samstagvormittag. Der Wind aus Osten blies so heftig, dass die Oberfläche des See unruhig wie ein Ozean war. Wellen schlugen mit lautem Getöse gegen den Strand. Das Wasser hatte schon einen Teil des Ufers abgegraben. Laub und Holzstücke schwammen in der Brandung. Die Enten saßen am Ufer und betrachten skeptisch das aufgewühlte Wasser. Nur die Blesshühner ließen sich auf den Wellen treiben.

Zudem war es bitter kalt. Wenn es noch ein paar Tage so kalt blieb, würde der See zufrieren. Doch momentan schlugen die Wellen gegen die Treppen und Mauern, Gischt spritzte auf und der Lärm war ohrenbetäubend. Ich kam mir vor wie bei einem Strandspaziergang am Meer. Nur das es viel zu kalt war, um mit den Füßen durchs Wasser zu waten. Ich blieb staunend stehen, machte ein paar Fotos und filmte. So hatte ich den See noch nie gesehen.

Als wir zehn Minuten später zurückgingen, den Wind im Rücken, die Sonne von vorn, hatte ich mir die Haut im Gesicht erfroren. Den restlichen Tag schmierte ich mich mit Creme ein, um das Brennen zu mildern. Drum merke: starker Wind und zweistellige Minusgrade sind nicht gut für die Haut.

Ein »Findet Nemo« Aquarium

Heute war ich auf einer Schulung in der Nähe von Rosenheim. Die Software-Schmiede ist in einem modernen Gebäude untergebracht. Im Foyer gibt es neben einer Kaffeebar noch einen Kicker und ein großes Aquarium.

Letzteres ist ein richtiger Blickfang. Mit einem kleinen Korallenriff und jeder Menge bunter Fische sieht es aus, als käme es direkt aus dem Film »Findet Nemo«. Da waren drei Clownfische, bei einem könnte man denken, es handele sich um Nemo. Aber auch ein Doktorfisch, der aussah wie Dorie, schwamm durch das Becken.  Eine Mitarbeiterin erklärte mir in der Pause, dass irgendwo noch eine Muräne lauern würde.

Ich war jedenfalls begeistert. Obwohl ich daheim lieber kein Aquarium haben möchte. Das muss ständig geputzt und gepflegt werden. Außerdem benötigt ein solches Salzwasseraquarium auch noch Licht, eine Heizung und weitere Geräte, um den Fischen eine intakte Umwelt zu bieten. Den Aufwand möchte ich nicht betreiben. Dann doch lieber eine DVD einschieben, um Fische in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten.

Ein paar Fotos konnte ich mir aber dennoch nicht verkneifen.

Mach’s gut, Inge

Es ist kein schöner Tag heute. Heute morgen erreichte mich die Nachricht, dass meine langjährige Kollegin Inge gestorben ist. Sie ging erst vergangenes Jahr in den Ruhestand. Am Samstag ist sie plötzlich auf einer Geburtstagsfeier zusammengebrochen und gestorben.

Ich bin noch ganz durcheinander. Wir kannten uns, seit ich 2003 zum ersten Mal für die Firma in München gearbeitet habe. Als Kollegin und Betriebsratsmitglied war sie von allen sehr geschätzt. Sie half mir oft, alte Lieferscheine herauszusuchen oder wenn die Bezahlung meiner Rechnung mal wieder etwas länger dauerte. Fast jeden Tag saßen wir zusammen beim Mittagessen in der Küche und plauderten. Sie hatte sich auf ihren Ruhestand gefreut, darauf, dass sie wieder mehr singen und Gitarre spielen kann und mehr Zeit mit den Enkeln verbringen wollte. Dass ihr dass nun nicht mehr vergönnt sein wird, macht mich unheimlich traurig.

Gerne hätte ich hier ein Foto gepostet, habe aber leider keines gefunden auf dem wir beide gemeinsam drauf sind. Das macht mich umso trauriger.

Mach’s gut, Inge!

Von Harka zu Tokei-ihto

Cover des Verlagsprogramm

Etwas mehr als dreißig Jahre ist es jetzt her, seit ich den Sechsteiler Die Söhne der großen Bärin von Liselotte Welskopf-Henrich gelesen habe. Im zarten Alter zwischen sieben und zwölf gehörten Indianergeschichten zum häufigsten, was ich an Literatur in meiner Freizeit konsumierte. Ich las fast alles, was mir dazu unter die Finger kam, beziehungsweise, was ich in der Bibliothek finden konnte. Sogar vor Sachbüchern schreckte ich nicht zurück. Selbstverständlich gehörte auch Karl May dazu, der just in den Achtzigern in der ehemaligen DDR eine Rehabilitation erfuhr. Viele Romane habe ich sogar mehrmals gelesen.

Die Bücher um Die Söhne der großen Bärin unterscheiden sich von den Wild-West-Abenteuern von Karl May, weil sie sich mehr auf die Kultur der Indianer konzentrieren. Das Schicksal der Nordamerikanischen Ureinwohner lässt sich an der Geschichte um den jungen Häuptlingssohn Harka, der zum Häuptling Tokei-ihto heranwächst, sehr gut ablesen. Neben dem Kampf gegen die weißen Siedler stehen vor allem Rivalitäten zwischen den verschiedenen Stämmen im Vordergrund. Ich weiß noch, wie ich das damals hochinteressant fand. Ich begriff schnell, dass mir die Romane von Welskopf-Henrich echtes Wissen vermittelten, während die Karl-May-Bücher eher fiktive Abenteuer in den Mittelpunkt stellten. Kein Wunder, die Autorin arbeitete in der DDR als Historikerin und beschäftigte sich neben den Nordamerikanischen Indianern vor allem mit dem antiken Griechenland.

Jetzt wurden Die Söhne der großen Bärin im Palisander-Verlag neu aufgelegt. Die sechs Hardcover bekamen einen neuen Umschlag und enthalten nun auch das Nachwort der Autorin, welches in der Erstveröffentlichung von 1951 abgedruckt worden war. Ebenfalls erhältlich ist das Hauptwerk der Autorin eine Pentalogie zum Leben der Indianer in den Reservaten in den 1960 und 70er Jahren, die ich damals ebenfalls mit großem Interesse gelesen habe. Meine Ausgaben, die ich noch im Bücherregal stehen habe, sind Paperbacks aus dem Altberliner-Verlag von 1983.

Auch wenn Indianergeschichten heutzutage nicht mehr das ganz große Interesse der Jugend wecken, bin ich mir sicher, dass die Romane von Welskopf-Henrich auch heute noch junge Menschen begeistern könnten, sofern man ihnen den Zugang dazu ebnet. Ich habe es jedenfalls nie bereut.

Übrigens, den gleichnamigen Film fanden meine Freundinnen und ich damals nicht so toll. Das lag aber wohl eher an Gojko Mitic (von uns auch verächtlich »Mittenklitsch« genannt), der unter uns Mädchen niemals den Stellenwert eines Pierre Brice erreichte. Da hatten die Karl-May-Filme eindeutig die Nase vorn.

Vogelfrei

Ich kenne es nicht anders. Seit ich zurückdenke, haben wir daheim im Winter immer mehrere Vogelhäuschen im Garten stehen. Besonders am Wochenendhaus, das auf einem Berg und am Waldrand steht, herrscht immer großer Andrang. Fünf Meisenarten, Kleiber und andere seltene Singvögel kann man dort beobachten.

In dem bayrischen Dorf, in dem ich seit ein paar Jahren wohne, gibt es nur jede Menge Spatzen. Meist hocken sie in großer Zahl in der Hecke vom Nachbarn und machen einen Lärm, als wollen sie ihre Erlebnisse mit der ganzen Gegend teilen. Wenn aber jemand vorbei geht, oder wenn man in die Hände klatscht, sind sie plötzlich mucksmäuschenstill. Im Sommer sitzen sie meist auf den Dachrinnen der Häuser und liefern sich einen Wettbewerb, wer am lautesten zwitschern kann. Spätestens dann muss man beim telefonieren das Fenster zu machen, sonst versteht man sein eigenes Wort nicht mehr. Weil wir nah am Bach wohnen, kann man immer Sommer auch schon mal einen Eisvogel oder Wasseramseln beobachten. Nicht zu vergessen, der Kuckuck, der jedes Frühjahr die Gegend unsicher macht. Eigentlich ein gutes Zeichen, möchte man meinen. Weil ich neugierig war, welche Vögel sich hier im Winter herumtreiben, hängte ich in diesem Jahr zum ersten Mal einen Meisenknödel auf …

Der hängt nun schon seit zwei Monaten, ohne beachtet zu werden. Das gibt mir zu Denken. Es kann zwei Gründe haben. Entweder die Vögel in der Umgebung finden genügend Futter, so dass sie nicht auf das »Menschenfutter« angewiesen sind. Oder aber es gibt keine andere Vögel als Spatzen, und letztere sind nicht sonderlich scharf auf Meisenknödel. In der Tat habe ich hier noch so gut wie keine Kohlmeise gesehen, geschweige denn eine der anderen vier Meisenarten, die ich kenne. Das mag daran liegen, dass es hier weniger Wald gibt als in Thüringen, aber auch daran, dass Wiesen und Felder in der Gegend rigoros überdüngt und gespritzt werden. Keine Blumen = keine Insekten. Es verirrt sich ja kaum noch eine Fliege oder eine Mücke in die Wohnung. Von was sollen die Vögel denn leben und mit was sollen sie ihre Jungen aufziehen, wenn es keine Insekten mehr gibt.

Die verbliebenen Meisenknödel habe ich mit nach Saalfeld genommen und dort in den Kirschbaum gehängt. Keine fünf Minuten später machten sich die Meisen darüber her. Also kann es nicht an der Qualität des Futters gelegen haben. Der Meisenknödel auf der Terrasse bleibt jetzt erstmal hängen. Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, dass sich vielleicht doch noch jemand findet, der daran herumpickt.

Altwerden will gelernt sein

Das ich keine zwanzig mehr bin, hab ich am Wochenende schmerzlich feststellen müssen.

Ich war bei meinen Eltern, die in der vergangenen Woche aus der Reha entlassen wurden. Dementsprechend gab es einiges im Haus zu tun. Sechs Maschinen Wäsche auf- und wieder abhängen, einkaufen, putzen, kochen (heute morgen dann noch Schnee schippen), dazu gefühlte hundert Mal die Treppen hoch und wieder runter meist mit schweren Lasten – das war ein bisschen zu viel. Gestern Abend war ich so platt, dass mir jeder Muskel im Leib schmerzte. Da hat auch ein heißes Band wenig Linderung gebracht. Ich lag im Bett und fühlte mich wie nach einer Himalaya-Überquerung. Heute dann wieder »Spaß mit der Deutschen Bahn«, was zusätzliche Rennerei zur Folge hatte.

Da freue ich mich doch tatsächlich morgen auf Arbeit gehen zu dürfen. Da muss ich nur meinen Kopf anstrengen und darf dabei auf meinem neuen Bürostuhl sitzen.

Da es bei uns so schön geschneit hat, will ich am Wochenende meine neuen Ski-Schuhe ausprobieren. Das verleiht mir dann hoffentlich ein wenig Fitness, damit ich mich nicht mehr ganz so alt fühle.

In vollen Zügen unterwegs

An einem Donnerstagabend vor einer Ferienwoche mit der Deutschen Bahn unterwegs zu sein, ist keine gute Idee. Zum üblichen Feierabendverkehr kommen die Wochenendpendler und dazu noch diejenigen, die sich eine verlängerte Ferienwoche gönnen.

Jeder der Züge war vollgestopft mit Menschen. Besonders schlimm war es in den Nahverkehrszügen, aber auch im ICE saßen und standen die Leute schon in den Gängen. So kam die Zugbegleiterin zur Fahrkartenkontrolle erst bei mir an, als ich schon wieder austeigen wollte.

Auffällig ist das unterschiedliche Publikum in den verschiedenen Zugtypen: im ICE die Geschäftsleute und Studenten mit Laptops, in der Regionalbahn viel ältere Menschen, Familien oder Migranten. Das ist mir so deutlich noch nie aufgefallen.

Wobei ich den Komfort vom ICE auf der Strecke von Nürnberg bis Saalfeld schon schmerzlich vermisse. Zweieinhalb Stunden in einer Regionalbahn zu sitzen, sind deutlich unbequemer als in einem ICE. Das fängt schon damit an, dass es keinen Platz fürs Gepäck gibt und auch die Sitze sind härter. Das es dauernd zieht und die Toiletten kaum zu benutzen sind, kommt noch dazu. Eine Regionalbahn ist eben kein Fernzug und nicht dafür gemacht, das man länger als eine Stunde darin verbringt. Bis Jena dauert die Fahrt von Nürnberg aus über drei Stunden. Das ist eine echte Zumutung, auch ohne das die Züge überfüllt sind.

Ein bisschen Krieg

So manchem Brauch in Bayern kann ich irgendwie nichts abgewinnen.

Am Samstagmorgen zum Beispiel wurden wir in aller Frühe durch dumpfe Kanonenschläge geweckt. Wir spekulierten im Bett, was denn da so krachte. Es klang fast wie Geschützfeuer, großkalibriges wohlgemerkt. Als würde sich irgendwer mit Panzern ein Gefecht liefern. Allerdings war der Abstand der Schläge zu regelmäßig. Die ansässigen Böllerschützen schlossen wir aus, die klingen anders.

Heute erfuhr ich des Rätsels Lösung. Es waren mit Gas gefüllte Luftballons, die angezündet worden. Das Ganze galt einem Brautpaar, dass Mittags in der Gemeinde heiratete. Es wurde sogar als Faschingshochzeit gefeiert, inklusive eines Pferdefuhrwerkes mit Anhänger, auf dem sich ein Schlafzimmer mit Schrank und Bett befand. Diese Miniexplosionen sollten das Brautpaar am Tag der Hochzeit aufwecken. Das ist so eine Tradition in der Gegend. Ich habe mir sagen lassen, das dabei sehr viel Alkohol fließt und die Verursacher in den seltensten Fällen nüchtern sind. Kein Wunder, ein normal denkender Mensch käme nie auf die Idee Gas in Ballons zu füllen und anzuzünden. Man wundert sich, das da nicht mehr Unfälle passieren.

Auf unserem Spaziergang am Nachmittag hörten wir dann ein Geräusch, das wie eine Salve aus einem Maschinengewehr klang. Während ich noch irritiert durch die Gegend guckte, wusste mein Mann sofort, dass es sich um sogenannte Goißlschnalzer handelte. Also um Männer die mit langen Peitschen knallen. In Formation klingt das ähnlich wie eine Gewehrsalve.

Ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher Tourist angesichts solcher seltsamen und bedrohlichen Geräusche sicher verstört ist. Angesichts der ganzen Knallerei kommt man sich ein bisschen wie im Krieg vor. Kein sehr angenehmer Gedanke, wie ich finde. Ich mag schon die Silvesterknallerei nicht.

Im Zeichen des Pubertiers

Quelle: Amazon

Nachdem wir zuletzt den Kinofilm gesehen haben, habe ich nun auch das neue Pubertier-Buch – »Und ewig schläft das Pubertier« – gelesen.

Der Film ist ähnlich gut gemacht wie die Serie, wobei mir Jan Joseph Liefers als Pubertiervater besser gefallen hat, als Pasquale Aleardi. Er schien nicht ganz so verplant. Dafür gefiel mir die Darstellerin der Carla in der Serie besser. Witzig war der Gastauftritt von Jan Weiler am Ende des Films, als Buchhändler.

Doch zurück zum Buch. Inzwischen ist es nicht nur ein Pubertier, das dem gestressten Vater auf der Nase herumtanzt. Auch der Sohn verwandelt sich in ein träges und schwer zu verstehendes Monster. Wobei Tochter Carla mit 18 so langsam aus der Pubertät herausgewachsen sein sollte. Gewohnt pointiert beschreibt Jan Weiler den täglichen Kampf mit den hauseigenen »Bestien«, berichtet über schräge Handlungen und sonderbare Eigenheiten seiner beiden Schützlinge im Pubertierlabor. Das ist auch interessant für nicht Pubertierbesitzer. Aber auch die Außenwelt in Form seines Schwagers und des Lehrkörpers wird einbezogen. Das bringt Abwechslung und verschaffte mir den einen oder anderen Lacher. Ich wünschte, der Autor hätte noch mehr solcher kleiner Begebenheiten angeführt. Wobei man als Leser nie weiß, ob ihm das, was er schreibt, wirklich so widerfahren ist.

Somit ist auch der dritte Teil der Pubertierbücher sehr unterhaltsam und zu keiner Zeit langweilig. Das einzige Manko ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. 14 Euro für ein kleinformatiges Hardcover mit 171 Seiten (9,99 Euro kostet das E-Book und 11,49 Euro die Audio CD). Dafür bekomme ich auch ein 500-seitiges Taschenbuch. Das Buch wird bei Amazon als Geschenkbuch geführt, aber für ein Geschenkbuch finde ich es eindeutig zu teuer. Ich persönlich brauche kein Hardcover, mir würde auch ein Taschenheft reichen und vielen anderen Lesern sicher auch. Das war unteranderem der Grund, mir das Buch gebraucht im Antiquariat zu kaufen.