Und weg ist sie

Heute haben wir unsere Wohnung verkauft. Gerade mal eine Woche stand sie im Internet, heute hat sie dann jemand nach der Besichtigung sofort gekauft.

Es fühlt sich schon ein bisschen komisch an. Ab Oktober sind wir weg und wohnen woanders. Wir ziehen zwar nur ins Nachbarhaus, aber trotzdem. Unsere 53 Quadratmeter sind uns irgendwie ans Herz gewachsen. Meinem Mann noch mehr als mir. Er wohnt ja schon sehr viel länger drin als ich, genaugenommen zehn Jahre länger. So richtig eingezogen bin ich erst 2013, bis dahin hatte ich noch meine Wohnung in München. Und auch damals hat es sich komisch angefühlt, als ich dort ausgezogen bin.

Dabei ziehen wir in eine wunderschöne und vor allem große Wohnung. Bis dahin müssen wir noch vieles erledigen. Zumindest haben wir schon mal mit dem Ausräumen angefangen. Die schiere Masse an Büchern, DVDs und Blu-Rays hat uns schon mal sehr überrascht.

Was mir noch fehlen wird, sind die aufregenden Ereignisse vor unserem Haus. Wir wohnen an einer Kreuzung, wo hin und wieder so einiges passiert. So wie heute Morgen als sich wieder mal ein LKW verfahren hat und nicht um die Kurve kam. Ich hörte erst den Laster und dann das Knirschen, da hatte der Anhänger schon das parkende Auto mitgenommen. Das geschieht mit großer Regelmäßigkeit. In der neuen Wohnung blicken wir dann ins Grüne und aufs Käsewerk.

Abstimmung zur Sommerzeit

Bis zum 16. August kann man auf den Seiten der EU-Kommission an einer Umfrage zur Sommer-/Winterzeit teilnehmen. Notwendig sind dazu Angaben des Namens und der E-Mail-Adresse.

In wenigen kurzen Punkten kann man sich zum Für und Wider der Zeitumstellung äußern, sie befürworten bzw. ablehnen. In Textfeldern kann man ausführlich seine Ablehnung oder Befürwortung begründen. Es wird auch nach Alternativen gefragt, wenn es zu einer Abschaffung der Zeitumstellung kommen sollte.

Das alles finde ich gut. Es macht zumindest den Eindruck, als sei die EU-Kommission an der Meinung der Bevölkerung in Europa interessiert. Schauen wir mal, was am Ende dabei herauskommt.

Wer teilnehmen möchte, kann das noch die nächsten zwei Tage hier tun.

Sommerimpressionen

Ich habe hier ein paar Impressionen aus dem diesjährigen Sommer zusammengestellt. Bei uns hat es zwar auch weniger geregnet als üblich, aber es ist lange nicht so trocken wie im Norden der Republik. Insofern blüht und gedeiht es bei den heißen Temperaturen. So, dass wir in dieser Woche mit der »Weinlese« auf unserer Terrasse begonnen haben.

 

 

Kneippkur im Kurpark

Kneipen im Kurpark Waging

Seit ein paar Wochen habe ich eine neue Leidenschaft entdeckt. Abends wenn es nicht mehr so warm ist, gehen wir spazieren. Mal sind die Spaziergänge kürzer und mal ausgedehnter, je nach Lust, Laune und Wetter. Was aber unbedingt sein muss, ist das tägliche Wassertreten im Kneippbecken im Kurpark. Das ist inzwischen fast schon zum Ritual geworden und ich merke auch, wie es mir gut tut. Zumindest bei der Hitze der vergangen Tage war es eine echte Wohltat.

So leer wie auf dem Foto präsentiert sich das Becken momentan leider nicht. Waren wir vor einem Monat meist die einzigen, muss man dieser Tage fast Schlange stehen. Es ist Ferienzeit und bei der Hitze abends viele Urlauber unterwegs. Die meisten halten es aber nicht mehr als eine Runde aus, womit das Becken nie wirklich voll ist und ich immer Gelegenheit finde meine drei oder vier Runden zu drehen.

Ob ich dadurch jetzt uralt werde oder nicht ist egal, es macht Spaß und erfrischt. Ich kanns nur jedem empfehlen.

Home Sweet Home

Seit heute ist es amtlich und endlich kann ich auch darüber bloggen. Weil nach dem Desaster vom vergangenen Jahr mit dem missglückten Hauskauf, habe ich mir das ehrlich gesagt nicht getraut. Aber jetzt ist alles gut verlaufen und in sicheren Tüchern.

Wovon ich rede? Wir haben eine neue Wohnung gekauft und ziehen demnächst um. Ergeben hat sich das Ganze vor ein paar Wochen bei einem Schwatz mit unserer Hausmeisterin. Die erzählte mir, dass im Nachbarhaus eine Wohnung zum Verkauf steht. Ich habe sofort meinen Mann angerufen. Er hat das Angebot bei der Sparkasse auch schnell entdeckt und sich vormerken lassen. Zuerst hieß es, die Wohnung wäre schon reserviert, aber dann ist der Interessent doch abgesprungen und wir durften sie besichtigen. Wir haben uns sofort dafür entschieden, weil es mehrere große Vorteile hat. Zum Einen: es ist in etwa unsere Wohnung nur mit einem Zimmer mehr. Zum Zweiten: befindet sie sich im baugleichen Nachbarhaus, was den Umzug erheblich erleichtert. Wir benötigen keinen Möbelwagen und brauchen unsere Sachen einfach nur die 15 Meter rübertragen. Zum Dritten: bei unsere Adresse ändert sich einzig der Zusatz zur Hausnummer. Und Viertens: wir behalten unseren Tiefgaragenstellplatz.

Wir ziehen nur vom Erdgeschoß in den ersten Stock, aber das ist zu verkraften. Statt einer großen Terrasse haben wir jetzt zwei Balkons. Das ist auch nicht schlecht. Vor allem haben wir endlich genügend Platz für unsere Hobbys. Ich meine, 200 Raumschiffe und gefühlt eine Millionen Perlen brauchen eben Raum. Von den Büchern und DVDs bzw. BluRays ganz zu schweigen. Die Räume in der neuen Wohnung (blau) sind sehr viel großzügiger als in unserer alten (gelb, gleicher Schnitt nur mit Terrasse). Sogar die Küche ist vom Raum her identisch, so dass wir unsere Spaceküche einfach nur abbauen und wieder aufbauen brauchen.

Unsere alte Wohnung werden wir verkaufen, um die neue bezahlen zu können. Wie schon erwähnt, sind die Immobilienpreise in Waging sehr hoch. Wir hoffen, dass wir für unsere Wohnung den gewünschten Preis bekommen, so dass wir den Kredit schnell abzahlen können. Aber zumindest ist die Finanzierung überschaubar. Was ich in Zeiten wie diesen besonders wichtig finde.

Jetzt sind wir am Planen und Packen. Außerdem kommen regelmäßig Interessenten, die sich unsere Wohnung anschauen möchten. Und auch das ist ein Grund, warum ich in den vergangenen Wochen hin und wieder mal keine Zeit zum Bloggen hatte. Das kann in der nächsten Zeit noch häufiger passieren, weil ab September starten die Renovierungs- und Umzugsarbeiten.

Das Westpaket

Heute möchte ich mal wieder aus meiner Kindheit erzählen. Ich kam darauf, weil ich in den vergangenen Wochen zwei Carepakete erhalten habe. Was und von wem ist an dieser Stelle nicht wichtig, aber es erinnerte mich daran, wie es war, als Kind ein Paket aus dem Westen zu bekommen.

Sie kamen meist nur zwei oder dreimal im Jahr, aber es war immer aufregend. Man fragte sich, was wohl drin sein wird. Meistens waren die Westpakete an meine Oma adressiert. Weil ich nach der Schule immer bei ihr war, bekam ich das natürlich als einzige Enkelin direkt mit und durfte dabei sein, wenn ausgepackt wurde. Allein das Öffnen eines Westpakets glich einer heiligen, fast rituellen Handlung. Meist war der Karton zum Schutz zusätzlich in braunes Papier eingeschlagen und mit einem Hanfstrick verschnürt. Heutzutage ist das gar nicht mehr erlaubt, das mit dem Strick. Man löste zunächst die Knoten, so dass die Schnur nicht beschädigt wurde. Aufschneiden kam überhaupt nicht in Frage, weil man den Strick später noch verwenden konnte. Weil ich kleine Finger hatte, durfte ich das immer machen. Die Knoten waren manchmal ganz schön fest, und es dauerte etwas, sie zu lösen, aber ich bekam das hin. Wenn nicht, half Oma mit einer Häkelnadel nach.

Dann wurden vorsichtig die Klebestreifen des Packpapiers gelöst und der eigentliche Karton mit dem Inhalt entblößt. Das Papier wurde gefaltet und ebenfalls für den späteren Gebrauch aufbewahrt. Was mir mal wieder vor Augen führt, wie verschwenderisch wir derzeit mit den Dingen umgehen. Heute hebt kaum einer mehr Geschenkpapier oder Packpapier auf. Wenn, dann höchstens mal einen Karton oder einen großen Umschlag, in dem man wieder etwas versenden kann. In der Regel landet alles im Altpapier.

Zurück zum Westpaket. Nachdem die schützende Hülle um das Paket gefallen war, entfaltete sich dieser unbeschreibliche Geruch, den ich heute noch in der Nase habe. Es war diese spezielle Mischung aus Seife und Kaffee, die man heute nirgendwo mehr riechen kann. Es roch gleichzeitig fremd aber auch verlockend. Ich stellte mir vor, dass es im Westen überall so riechen musste. Habe aber später festgestellt, das dem nicht so ist. Manchmal erahne ich diesen Geruch, wenn ich in meiner Heimatstadt das große Marktkauf-Einkaufscenter besuche.

Da lag nun der ausgepackte Karton, meist eine Verpackung für Waschmittel oder Lebensmittel. Kartonagen, wie man sie heute noch im Supermarkt hinter der Kasse mitnehmen kann. Oftmals hatte sich die Verwandtschaft oder Bekanntschaft aus dem Westen nochmals die Mühe gemacht und einen Strick um den bloßen Karton gebunden, dann waren wieder meine Künste gefragt. Heute denke ich, dass man das tat, um den Damen im Zollpostamt mehr Arbeit zu bescheren und sie eventuell davon abzuhalten, das Paket überhaupt zu öffnen. Es war nämlich so, dass Pakete, die vom Westen in den Osten gingen, stichprobenartig kontrolliert wurden. Stichprobenartig deshalb, weil man sofort merkte, ob das Paket geöffnet worden war oder nicht. Denn nicht alle Pakete, die uns erreichten, waren tatsächlich auch geöffnet worden. Außer, manch Genossin oder Genosse (den Job durften nur staatstreue Parteimitglieder machen) hatten sich nur geschickter angestellt, wer weiß. Jedenfalls näherte man sich dem Inhalt eines Westpaketes nur Schritt für Schritt, was die Vorfreude vermehrte.

Erst nach dem Öffnen des Kartons wurde klar, ob es sich um ein »Seifenpaket« oder ein »Fresspaket« handelte. Ein Seifenpaket enthielt Seife, Waschmittel, Shampoo (ich mochte das mit Apfelduft), Kosmetikartikel aber auch Secondhand-Kleidung, Spielzeug oder Bücher. Wobei Letzteres eher weniger, weil man immer damit rechnen musste, dass eines der Bücher in der DDR auf dem Index stand und entweder rausgenommen oder das Paket an den Absender zurückgeschickt wurde. Ich kann mich nur an zwei Bücher erinnern, die ich auf diesem Weg bekommen habe: darunter »Heidi« von Johanna Spyri (die Schneiderbuch-Ausgabe) und ein Comic mit der Biene Maja, beides befindet sich immer noch in meinem Besitz. Über den Inhalt von Seifenpaketen freuten sich eher die Erwachsenen. Als Teenager profitierte ich höchstens von den Klamotten. So stammt meine erste Jeans aus einem Westpaket. Sie war mir zwar gute 30 Zentimeter zu lang, dafür aber eine echte Levis. Auch an ein T-Shirt mit Rollschuhen im Glitzerdruck kann ich mich erinnern, vermutlich besitze ich auch das noch irgendwo.

Ein Fresspaket war für mich als Kind dagegen eine richtig tolle Sache. Mit klopfendem Herzen packte ich die Schokolade, den Kaffee, die Kekse oder Bonbons aus. Allein die Verpackung der Waren beeindruckte. Alles glänzte, war bunt und fühlte sich glatt an. Vor allem roch es gut. Verpackungen in der DDR bestanden, sofern vorhanden, nur aus braunem oder grauen Recycling-Karton. Mir war klar, dass ich den Inhalt mit meinen Cousinen und Cousins teilen musste. Wobei ich Glück hatte, weil die meisten schon zu alt und einige bei den Staatsorganen der DDR tätig waren und das gar nicht hätten nehmen dürfen. Egal, es gab immer etwas, das für mich abfiel, ob es die Duplos mit den Sammelbildchen waren, die Marshmellows mit Kokos oder die Tafeln Ritter Sport- oder Milka-Schokolade. Die durfte ich natürlich nicht sofort und auf einem Schlag essen. Nein, die wurden über Monate eingeteilt. Ich kann mich erinnern, dass mich meine Mutter einmal sehr geschimpft hat, weil ich eine halbe Tafel Schokolade auf einmal gegessen hatte und das vor dem Essen. Man muss dazu sagen, dass ich als Kind stets ein schlechter Esser war, dürr und mager und es immer Kampf beim Abendrot gab, bis ich wenigstens eine Scheibe Wurst- oder Käsebrot gegessen hatte.

Ganz oft war in den Paketen auch Geld versteckt. Entweder in beigelegten Briefen oder Karten, wobei die auch verschwinden konnten, wenn das Zollpostamt sie entdeckte. Daher wurde das Geld versteckt und man musste die Verpackungen immer ganz genau unter die Lupe nehmen. Einmal fanden wir 50 DM in einer Packung mit Teebeuteln.

Ein Westpaket nur für mich bekam ich ab und zu an meinem Geburtstag von einer entfernten Bekannten meiner Großmutter. Das war meist ein Schuhkarton voll Süßigkeiten, Buntstiften und anderen Waren, die man in der DDR nicht kaufen konnte. Zur Konfirmation bekam ich eines mit Schmuck, einer Handtasche, einem schönen Halstuch und anderen Sachen, die sich ein junges Mädchen wünschte. Irgendwie schaffe ich es ich auch nach dreißig Jahren nicht, mich davon zu trennen, weil diese Geschenke noch heute für mich eine Bedeutung haben. Das mögen nicht einmal diejenigen verstehen, von denen ich die Dinge damals bekommen habe, sofern sie noch leben. Wobei ich im Nachhinein festgestellt habe, dass wir mehr Westpakete von Bekannten erhalten haben, als von der nahen Verwandtschaft.

So war das mit dem Westpaketen. Sie haben den Menschen in der DDR viel Freude gebracht und oft auch aus kleinen Nöten heraus geholfen. So wie der Katalog mit Kaminen, als mein Vater einen bauen wollte und kein Muster hatte. Der Kamin wurde nach einem Bild aus dem Katalog errichtet und brennt heute noch.

Von kleinen und großen Chilipflanzen

Die Babychilis sind gewachsen.

Im April berichtete ich hier von meinem Versuch Sämlinge einer Chilipflanze zu vermehren. Es hat geklappt. Auch wenn nur drei Pflanzen durchgekommen sind.

Ich muss gestehen, dass ich nicht erwartete hatte, dass es so lange dauert. Aber die kleinen Pflänzchen haben einige Zeit gebraucht, um sich zu entwickeln. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde gar keine durchkommen. Doch dann pflanzte mein Mann sie kurzerhand in einen großen Topf um und siehe da, es regte sich was. Inzwischen zeigen sich die ersten Blüten, womit ich eigentlich in diesem Jahr nicht mehr gerechnet habe. Aber das liegt vielleicht daran, das sich mein Mann um die Pflanzen kümmert. Er hat einfach mehr Geschick darin. Deshalb sieht unsere Terrasse zur Zeit aus wie eine grüne Hölle, mit all den Kartoffeln, Tomaten, Kräutern und dem Weinstock, der sogar schon Trauben trägt.

Heute Morgen beim Frühstück entpuppten sich dann, die Früchte einer von meinem Mann als Gemüsepaprika gekauften Pflanze, als ziemlich scharf, um nicht zu sagen höllisch scharf. Wobei wir also jetzt nicht nur kleine Chilischoten ernten können, sondern auch große. Da können wir im Winter jede Menge Chili con Carne kochen.

Nun müssen wir die Pflanzen nur noch über den Winter bekommen. Das wird die nächste Herausforderung.

Das Verzascatal II

Sonogno 2013

Ganz am Ende des Verzascatals liegt das Dorf Sonogno.

Bei meinem ersten Besuch im Oktober 2006 war es ein verschlafenes Örtchen. Die Sommer-Touristen waren abgereist und die Bewohner bereiteten sich auf den Winter vor. Die engen mit Natursteinen gepflasterten Straßen waren verwaist. Nur die Ziegen tummelten sich noch auf den umliegenden Wiesen.

2013 besuchte ich mit meinem Mann erneut das Dorf. Die Ziegen gab es immer noch, aber inzwischen war alles auf den Tourismus ausgerichtet. Das Natursteinpflaster hatte man gegen schnödes Betonpflaster ausgetauscht und so dem Ort viel von seiner Ursprünglichkeit geraubt. Ich war ein wenig enttäuscht, dass sich die Dorfbewohner der Diktatur des Tourismus gebeugt hatten. Wo das Verzascatal doch zu den geschützten Regionen der Schweiz zählt.

Besonders schön sind aber nach wie vor die vielen Wasserfälle, die hinter der Ortschaft von den Felsen stürzen. Ab hier kann man den Rest des Tals zu Fuß erkunden. Das habe ich mir jedenfalls für einen den nächsten Urlaube vorgenommen.

Ebenfalls toll ist das Nachbartal des Verzascatals. Das Maggiatal ist größer, weiter und länger, das Flüsschen Maggia nicht weniger imposant. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

Hier noch ein paar Fotos, die den Wandel in Sonogno dokumentieren.

Sonogno 2006
Sonogno 2006
Sonogno 2006
Sonogno 2013
Sonogno 2013

Der perfekte Sonntag

Sonnenschein und zwanzig Grad bereits am Morgen. Ausschlafen bis halb acht. Ein leckeres Frühstück mit gekochtem Ei und frischen Semmeln. Dann die Sachen gepackt und ab ins Freibad nach Bergen.

Über dem Hochfelln türmen sich weiße Wolken, ansonsten ist der Himmel blau und klar. Auf den grünen Wiesen flimmert die Hitze, die Dorfstraßen sind wie leergefegt. Wie immer ist im Bad wenig los. Im Schwimmerbecken tummeln sich nur ein paar Rentner. Im Naturbecken pumpt der Bademeister gerade Luft in die aufblasbare Wasserrutsche. Die Dusche ist eiskalt, das Wasser im 25-Meter-Becken aber mit 26 Grad perfekt.

Ich ziehe meine Bahnen und meinen Mann wegen seines hilflos aussehenden Schwimmstils auf. Er ist nach drei Runden völlig kaputt, da bin ich noch nicht mal eingeschwommen. Dann raus und sich an der Sonne trocknen und die Leute beobachten, die ins Freibad strömen. Als es zu warm wird, zurück ins Wasser und noch ein paar Runden schwimmen, bis mich der Hunger plagt. Wir duschen, ziehen uns an und fahren nach Traunstein zum Inder.

Wir nehmen an einen Tisch vor dem Restaurant platz. Es ist wenig los und keine Bedienung zu sehen. Ich gehe rein und suche nach dem Kellner. Ein Mann mit Turban kommt aus der Küche und ich sage: »Grüß Gott!« Später denke ich ernsthaft darüber nach, was ich geantwortet hätte, hätte er gefragt: »Welchen?«. Das Essen ist göttlich. Das Maharaja hat wahrscheinlich die größte Auswahl an vegetarischen Gerichten der gesamten Umgebung. Das nächste Mal probiere ich aber etwas mit Hühnchen oder Lamm. Anschließend zu Hause noch ein Eis.

Nach dem Mittagsschläfchen trinken wir auf der Terrasse Kaffee und beobachten die Bienen im Lavendel. Ich schreibe an meinem Blog. Mein Mann liegt auf der Terrasse und liest. Das Abendessen müssen wir nach drinnen verlegen, weil es donnert. Leider muss wegen des Gewitters unser täglicher Abendspaziergang ausfallen, dafür schauen wir uns einen schönen Film auf DVD an.

Als wir im Bett liegen, sagt mein Mann: »Das war ein schöner Tag.« Dem kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Nur Fotos haben wir mal wieder keine gemacht.

Das Verzascatal I

Blick von der Ponte Verzasca 2005

Ich dachte mir, ich stelle hier mal Orte vor, an die ich einzigartige Erinnerungen habe. Den Anfang macht das Verzascatal, und zwar weil ich in dieser Woche eine Dokumentation dazu gesehen habe.

Das Verzascatal liegt im südlichen Teil der Schweiz und zwar im Tessin. Das zirka 35 km lange Alpental ist eng und die steilen Hänge mit dichten Wäldern bewachsen. Das Flüsschen Verzasca mündet bei Locarno in einem Delta in den Lago Maggiore. Gleich am Anfang des Tals begrenzt eine Talsperre, die den Fluss auf 6 Kilometern anstaut. Die über zweihundert Meter hohe Mauer ist vor allem deshalb bekannt, weil sie die Kulisse zu einem Bond-Film stellte. Im Film Goldeneye springt James Bond (gespielt von Pierce Brosnan) an einem Seil von der Staumauer. Besonders Mutige können das nachmachen und an dieser Stelle einen Bungeesprung buchen.

Ich weiß nicht mehr genau, wie oft ich schon in dem Tal war, aber so vier bis fünf Mal werden es gewesen sein. Das bemerkenswerte ist tatsächlich das Flussbett mit dem klaren grün schimmernden Wasser und den riesigen glattpolierten Felsen. Die Dörfer am oder besser über dem Fluß sind aus grauen Felssteinen gebaut, sogar die Dächer bestehen aus dem Material. Das verleiht ihnen etwas urwüchsiges. Die Straßen sind meist eng und steil. Von den wenigen Brücken über den Fluss hat man eine tolle Aussicht auf die vom Wasser geschliffenen Felsen. Bei Lavertezzo gibt es eine schmale gemauerte Brücke, die zwar Römerbrücke heißt, aber erst im 18. Jahrhundert gebaut wurde. Hier ist immer was los, weil der Ort viele Touristen anlockt. Weiter oben im Tal gibt es eine große Brücke, von der man die riesigen Felsblöcke im Flussbett bewundern kann.

Überall an der Verzasca gibt es schöne Badestellen. Das Wasser bildet immer wieder kleine Pools in denen es sich gut schwimmen lässt. Sogar tauchen kann man hier, weil manche Stellen bis zu zehn Meter tief sind. Doch Vorsicht, das Wasser ist eiskalt. Im Höchstfall erwärmt es sich auf 18 Grad, meist ist es aber kälter.

Im Juni 2005 war ich hier baden. Es herrschten Temperaturen von über 30 Grad im Schatten, die Sonne brannte. Wir parkten das Auto auf einer Wiese neben der Straße. Das grüne Wasser funkelte verlockend zwischen den Granitfelsen. Ich traute mich zunächst nur mit den Füßen ins kalte Nass. Später lag ich auf einem flachen Felsen und hörte dem Gurgeln des Wassers und den Vögeln in den Wäldern auf der anderen Flussseite zu. Später ließ ich mich dann doch noch von meinem Begleiter ins drei bis vier Meter tiefe Wasser locken. Es war eine echte Erfrischung, auch wenn ich es in der Kälte nicht lange aushielt. Dieser Nachmittag am Fluss gehört zu den Erinnerungen, die ich nicht vergessen werde. Sommerhitze, in grüner Alpenlandschaft und ein Fluss wie aus einer anderen Welt, das vergisst man nicht so schnell.

Das Verzascatal ist jetzt bei GoogleMaps auch in der Streetview verfügbar. Wer Lust hat kann dort eine virtuelle Tour durchs Tal machen. Und wer sich die schöne Dokumentation über das Verzascatal ansehen möchte, findet sie noch in der 3sat-Mediathek.

Von mir gibt es hier noch ein paar Bilder.

Ponte dei Salti 2006
Unterhalb von Lavertezzo 2013
Baden in der Verzasca 2005
Verzasca 2005