Cocooning 2.0

Zum Begriff: »Cocooning« hat nichts mit dem SF-Film »Cocoon« aus den Achtzigern zu tun, in dem ein paar Rentner durch außerirdische Kokons in einem Swimmingpool verjüngt werden. Der Film zählt immer noch zu meinen Lieblings-SF-Klassikern, weil die Aliens den Menschen freundlich gesinnt sind.

Der Begriff »Cocooning« stammt ebenfalls aus den Achtzigern und beschreibt einen Trend zum Rückzug in die eigenen vier Wände. Das Phänomen trat meist nach großen Krisen auf. Zum Beispiel nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 oder der Wirtschaftskrise 2008. Die Menschen besannen sich auf ihr Zuhause und richteten sich dort gemütlich ein. Sie gaben ihr Geld nicht für Reisen in ferne Länder aus, sondern kauften Möbel, Heimtextilien und Haushaltsgeräte. Das machte sich bei den Herstellern sowie den Möbel- und Küchenhäusern überproportional bemerkbar.

In den nächsten Monaten erwarte ich eine ebensolche Welle. Mehr als bei den vergangen Ereignissen haben sich die Menschen während der Corona-Krise daheim eingeigelt. Es wurde verstärkt selbst gekocht und das Home-Cinema genutzt. Der Home-Office-Boom führte bereits dazu, dass bei den Computerherstellern die Laptops knapp wurden. Der Trend wird sich fortsetzen, zumindest so lange wie die Leute noch Geld haben.

Dass auch mehr selbst gehandwerkelt wird, merkten vor allem die Baumärkte. Zumindest in den Bundesländern, in denen sie im März und April öffnen durften, wie beispielsweise in Baden Württemberg. Der Neffe meines Mannes berichtete, dass der Baumarkt in dem er arbeitet in den paar Wochen mehr Umsatz gemacht hat, als im ganzen Jahr 2019.

Wir haben uns dem Trend angeschlossen und über Ostern unser WC neu gefliest. Eigentlich wollten wir das erst jetzt im Mai machen, aber da mein Mann ohnehin zu Hause bleiben musste, zogen wir es vor. Zum Glück hatten wir Fliesen und Kleber schon im Januar gekauft. Das Fugenweiß kaufte ich dann mit Hilfe meines Chefs beim hiesigen Baumarkt. (Dort durften in den vergangenen Wochen nur Handwerker einkaufen.)

Komplett neu gefliest haben wir nicht. Die Vorbesitzer hatten nur halbhoch fliesen lassen, was uns a nicht gefiel und b Mehrarbeit durch Streichen bedeutete. Außerdem wollte ich schon immer eine Mosaikbordüre haben. Also kauften wir Mosaik und passende Fliesen. Was gar nicht so einfach war, weil es die Größe kaum noch gibt. Wir hatten Glück und ergatterten die letzten fünf Kartons, die bis auf eine Fliese aufgegangen sind.

Nachdem wir schon nach dem Einzug in der Küche drei Fliesen selbst gesetzt hatten, trauten wir es uns zu das selbst zu machen. Mein Vater ist Fliesenleger. Ich war oft genug mit ihm auf der Baustelle und weiß ungefähr auf was es ankommt. Und wir hatten tatkräftige Unterstützung durch meinen Schwager, der eigentlich Heilpraktiker ist, aber viel Erfahrung als Hobbyhandwerker hat.

Es ist echt schön geworden und vor allem das Mosaik aus Mamor mit bunten Glassteinchen macht richtig was her.

Rosenhochzeit

Die Temperaturanzeige im Auto zeigte heute Mittag sieben Grad Celsius an. Damit war es heute genauso kalt wie vor zehn Jahren. Damals hatte wenige Wochen zuvor ein Vulkanausbruch den Flugverkehr in Europa lahmgelegt. Was sich an klarerer Luft und tieferen Nachttemperaturen bemerkbar machte.

Warum ich dass noch so genau weiß. Wir haben heute vor zehn Jahren geheiratet und zwar unter Tage in den Feengrotten. Da war es mit zehn Grad sogar einen Ticken wärmer als draußen. Dafür regnete es wenigstens nicht, so wie heute.

Eigentlich wollten wir unseren Ehrentag groß begehen, mit einem Ausflug und lecker Essengehen. Das geht ja aus bekannten Gründen nun leider nicht. Also waren wir nur kurz in Traunstein im Biomarkt. (Ich zum ersten Mal mit Maske. Ich will das hier nicht ausweiden, aber es war eine Erfahrung, auf die ich lieber verzichtet hätte.) Anschließend holten wir bei unserem Lieblings-Griechen das bestellte Essen ab und fuhren wieder nach Hause. Jetzt gibt es Kaffee und Kuchen und heute Abend einen schönen Film.

Von meinem Mann bekam ich einen schönen Blumenstrauß und zwei CDs mit Filmmusik. Ich schenkte ihm ein Raumschiff.

Boomt jetzt die Science Fiction?

Seit Wochen müssen viele Leute mehr Zeit zu Hause verbringen. Eigentlich die Gelegenheit mal wieder zu einem guten Buch zu greifen. Eigentlich!

Wie ich an mir selbst feststelle, ist das nicht so einfach. Irgendwie scheint alles in der Banalität zu versinken. Krimis, Liebesromane oder Gegenwartsliteratur, das alles hat nicht mehr viel mit der Realität um uns herum gemein. Wir leben in einem Science-Fiction-Thriller. Aber genau da könnten die Antworten liegen, auf die Fragen, die wir uns stellen.

Diese Woche erschien in »Die Zeit« ein Artikel über Science Fiction. Der Autor geht zwar hauptsächlich auf Filme ein, SF-Literatur scheint er nicht nicht so richtig viel gelesen zu haben, aber er kommt zu einem interessanten Schluss. Nämlich das die Science Fiction schon immer Wege bzw. Auswege aufgezeigt hat, die uns helfen könnten, die Wirklichkeit zu verändern.

Neben dem Artikel finde ich die Diskussion unter den Lesern spannend. Sogar Hartmut Kasper, einer der Exposé-Autoren der PERRY RHODAN Serie kommentiert mit. Klar, gibt es auch hier wieder die obligatorischen Trolle, aber man sieht doch recht deutlich, dass sich sehr viele Menschen für phantastische Literatur interessieren oder früher gelesen haben.

In der Apokalypse so scheint es, finden die Menschen zu einem Genre zurück, das in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in Deutschland vom Feuilleton nur müde belächelt wurde. Vielleicht ist vielen einfach bewusst geworden, dass manches Zukunftsszenario doch nicht so weit hergeholt erscheint.

Ich würde mir zumindest wünschen, dass der Science Fiction als Literaturgattung auch in Zukunft mehr Aufmerksamkeit und Achtung geschenkt würde. Denn dort wurde bereits vieles vorausgedacht, was in naher Zukunft Wirklichkeit werden könnte.

Zwischen Wahrheit und Verschwörung

Obwohl ich es geahnt hatte, überrascht mich dann doch die Intensität, mit der die Leute gegen die Entscheidungen der Regierung aufbegehren. Anfangs habe ich mich gewundert, dass alle so ruhig blieben, sogar oder vor allem die Fronten des rechten Spektrums.

Nicht, dass ich es gut heiße, wenn sich tausende ohne Schutzmasken oder in zu geringem Abstand zu Demonstrationen versammeln. Das ist idiotisch und brandgefährlich. Aber ich habe damit gerechnet. Die Intensität und der krude Mix aus rechten und linken Gruppierungen, die da mitmischen, irritiert mich dann allerdings doch.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und mich über einige der kursierenden Verschwörungstheorien informiert. Das ist ganz schön krudes Zeug, was da verbreitet wird. Bill Gates, der die Weltherrschaft anstrebt, echt jetzt? Achtung! Es folgt eine nicht ernst gemeinte Bemerkung: Im Grunde hat er die doch durch die Dominanz von Windows schon längst.

Ich glaube nicht, dass hinter der Pandemie eine wie auch immer geartete Macht steht, die das minutiös durchgeplant hat, um die Welt ins Verderben zu stürzen. Ich glaube eher, dass es eine Mischung aus Ignoranz, Leichtsinn und Schlamperei war, die zur unkontrollierten Ausbreitung des Virus führte. Kein Mensch und auch keine Institution wäre in der Lage ein so hochkomplexes Szenario zu planen und durchzuführen. Vor allem zu welchem Zweck sollte das jemand tun. Um Geld zu verdienen? Da gibt es einfachere Methoden, die vor allem die Sicherheit bieten, nicht selbst Schaden zu nehmen. Die Anzahl der Bevölkerung zu dezimieren? Da gäbe es viel gefährlicher Viren. Nein, es steckt weder eine Person, noch eine K. I. oder irgendeine Institution dahinter.

Es war vorhersehbar, dass die Angst der Menschen von Verschwörungstheoretikern ausgenutzt werden würde. Dass sich diverse politische Fraktionen dranhängen, um ihre widerliche Hetze zu verbreiten und um auf Wählerfang zu gehen, war eigentlich auch zu erwarten. Warum so viele eigentlich vernünftige Leute dort mitmachen, erklärt sich meiner Meinung nach durch die verwirrende Informationspolitik und die mediale Überflutung.

Wenn jede Woche ein neuer Statistikwert ausgelobt wird, wenn sich Aussagen widersprechen, wenn Zahlen präsentiert werden, deren Herkunft nicht glaubhaft begründet werden kann, dann folgt daraus Verunsicherung. Und wenn sich das über Wochen fortsetzt und die Widersprüche täglich mehr werden, kann man sich bisweilen schon veralbert vorkommen.

Die wenigsten von uns haben je eine Vorlesung in Statistik besucht. (Ich hatte leider das zweifelhafte Vergnügen. Zweifelhaft deshalb, weil ich diese Art der Mathematik furchtbar fand, beinahe so schlimm wie Numerische Mathematik.) Die meisten wissen daher nichts über die Tücken, die Statistiken so mit sich bringen und dass an dem Spruch: »Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.« durchaus was dran ist. Statistik ist kompliziert und funktioniert nur bei großen Zahlen hinreichend zuverlässig. Aber das wissen viele nicht und kaum einer erklärt es richtig, vielleicht weil man glaubt, das normale Menschen es nicht verstehen würden.

Und genau da liegt das Problem. Viele Menschen fühlen sich in ihrer Angst und Unsicherheit von den Regierenden nicht ernst genommen. Mehr noch, sie fühlen sich getäuscht. Sie wollen an die Hand genommen und nicht in Zahlen erstickt werden. Sie möchten verstehen, warum und weshalb diese Beschränkung notwendig ist und jene nicht. Warum manches erlaubt wird und anderes nicht. Ich glaube es ist gerade der Wirrwarr über die Lockerungen, der die Leute auf die Palme bringt.

Ganz ehrlich, ich blicke momentan auch nicht mehr durch, was erlaubt und was verboten ist, weshalb ich einfach so weitermache wie in den vergangenen Wochen und auf Abstand bleibe. Andere denken, sie können jetzt wieder so leben wie zuvor und das finde ich gefährlich. Lockerungen sind gut, aber sie sollten sinnvoll und durchdacht sein. Nicht, wie zum Beispiel, dass man wieder zum Einzel-Training beim Personal Trainer gehen kann, sich aber nach dem schweißtreibenden Training dort nicht duschen darf. Obwohl keine weiteren Personen anwesend sind. Oder das Fußball gespielt werden darf, Golf aber nicht.

Wie gesagt, es wundert mich nicht, wenn Angst und Unsicherheit der Leute ausgenutzt werden, um Verschwörungstheorien zu verbreiten. Ich glaube jedoch, dass Schlimmste was man tun kann, ist diejenigen, die daran glauben, als Idioten zu beschimpfen. Denn dann fühlen sie sich bestätigt und werden erst recht daran glauben.

Foodblogging

Ich mache heute mal wieder Foodblogging. Wir haben in den vergangenen Wochen viel gekocht und gebacken. Ich war aber zu faul alles zu dokumentieren. Die Ergebnisse waren durchweg positiv, bis auf den »Hackbraten Süßsauer mit Kokos«, den mochte mein Magen nicht sonderlich. Viele der Gerichte machen wir schon seit Jahren. Oft probieren wir aber auch etwas neues aus.

Rhabarber-Sahne-Torte

Etwas, was es bei uns in der Rhabarberzeit immer gibt, ist Rhabarber-Sahne-Torte. Zu empfehlen auch für Leute, die nicht backen möchten. Die nehmen dann einfach einen fertigen Tortenboden.

Fünf klein geschnittene Rhabarberstangen mit Zucker und wenig Wasser kurz aufkochen lassen und abkühlen. Es sollte ungefähr 250 bis 300 ml Flüssigkeit ergeben.

Darunter rührt man eine Tüte Puddingpulver und kocht das Ganze auf. Warm auf den Tortenboden geben und kaltstellen.

Zum Schluss 500 ml Sahne mit zwei Päckchen Sahne-Steif mischen und steifschlagen (süßen nach Geschmack). Auf den abgekühlten Rhabarber geben und mit Schokostreuseln garnieren.

Die Torte schmeckt am zweiten Tag noch besser als am ersten.


Schweizer-Rübli-Kuchen

In den Schweizer-Rübli-Kuchen gehören neben gemahlenen Haselnüssen, Eigelb, Eiweiß, Zucker und ein paar Löffeln Semmelmehl vor allem rohe geriebene Möhren.

Das macht den Teig saftig, schmeckt ein bisschen nach Marzipan und ist nicht so süß. Man kann Schokoladenguss darauf machen oder Zuckerguss, je nach Belieben.

Im Original wird der Kuchen mit kleinen Marzipanmöhren dekoriert. Das habe ich gemacht, ist aber aufwendiger.

Bei uns gibt es den Kuchen immer an Ostern.


Erdbeer-Tiramisu

Sobald es regionale Erdbeeren gibt, mache ich Erdbeeren-Tiramisu aus Mascarpone, Magerquark und Löffelbiskuits und natürlich Erdbeeren.

Den Quark, die Mascarpone und die Erdbeeren mit etwas Zucker pürieren und auf die Löffelbiskuits geben.

Wer Alkohol mag, kann die Löffelbiskuits zuvor mit Kirschwasser beträufeln. Ansonsten geht es auch mit etwas Fruchtsaft. Ich habe dieses Mal Wodka verwendet, der steht schon ewig im Schrank und musste weg.

Die Mitglieder des Münchner Trekdinners waren beim Grillen immer ganz verrückt danach.


Pastei de nata

Das Rezept für Pastei de Nata haben wir aus Portugal mitgebracht. Dort sind die kleinen Kuchen aus Blätterteig mit Puddingfüllung ein Nationalgericht.

Es ist ein wenig aufwendig den Teig auszustechen und in die Muffinsform zu bekommen.

Noch schwieriger ist es, die Füllung richtig hinzubekommen. Mit normalen Pudding schmeckt es nicht wie das Original und den Pudding selbst mit Stärke und Vanilleschote richtig hinzubekommen ist ein Glücksspiel. Inzwischen habe ich ein Fertigpulver entdeckt, dass perfekt ist. Leider gibt es das nicht im normalen Supermarkt zu kaufen. Wir bestellen es im Internet hier.


Toastmuffins

Wer Toast, Speck und Eier mag, kann bei den Toast-Muffins schlemmen.

Toastscheiben in eine Muffinsform pressen. Tipp: vorher ausstechen und in zwei Hälften schneiden, dann geht’s leichter.

Dann ausgelassene Speckscheiben dazu und ein Ei in darüber und anschließend für 20 Minuten in den Ofen.

Schmeckt so lecker wie es aussieht.

Eigentlich ist es ein Gericht, das man zum Frühstück essen sollte. Wir haben es zum Mittag gegessen mit gebratenem Spargel und Salat.


Grießklößchensuppe

Zu meinen Leibspeisen gehört Grießklößchensuppe.

Ich koche dazu entweder eine Suppe aus fertiger Gemüsebrühe oder so wie am Wochenende aus den Resten eines Suppenhuhns. Wir kaufen immer ein ganzes Bio-Huhn, dass ich dann zerlege und Portionsweise einfriere. Das finde ich irgendwie ökologischer, als nur die reinen Brüste oder Schenkel zu kaufen.

Jedenfalls sind Grießklößchen wirklich einfach zuzubereiten. Etwas Milch und Margarine in einem Topf zum Kochen bringen. Ein paar Esslöffel Grieß einrühren bis sich ein Teigklumpen bildet, der sich vom Topfrand löst.

Dann runter vom Herd und ein Eigelb einrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und etwas abkühlen lassen. In der Zwischenzeit das Eiweiß schlagen, manuell oder mit dem Rührgerät, je nach Laune. Ich benutze den Ballonschneebesen, den ich damals aus New York mitgebracht habe.

Das Eiweiß unter den abgekühlten Grießbrei heben und mit dem Löffel kleine oder große (je nach Löffel) Nocken ausstechen und in die heiße Brühe geben.

Kann man als Vorsuppe oder Hauptmahlzeit essen. Durch den Grieß macht es auf jeden Fall schnell satt.

Einzelschicksale im Fokus

Es heißt immer wieder, dass man Covid 19 nicht mit der Grippe vergleichen soll. Interessanterweise ist es gerade »Obervirologe« Drosten, der Vergleiche zur Spanischen Grippe zieht und vor einer zweiten Welle warnt. Wobei auch hier meiner Meinung nach Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die Spanische Grippe wütete vor 100 Jahren. Sie traf auf eine Gesellschaft, die gerade einen Krieg hinter sich hatte. Die Hygienestandards waren nicht annähernd mit denen von heute vergleichbar und auch die medizinische Versorgung hinkte Meilenweit hinter der heutigen her. Die Mechanismen der beiden Pandemie mögen ähnlich sein, aber ihre Auswirkungen sollten deutlich unterschiedlicher ausfallen. Und zwar genau wegen des medizinisch-technischen Fortschritts. Die Leute also verrückt zu machen, in dem man ihnen erzählt, es würde so schlimm werden wie 1918, wenn sie sich nicht an die Regeln halten, finde ich unfassbar.

In der vergangenen Woche las ich Berichte von Betroffenen, die von ihrer Erkrankung berichteten. Einige empfanden die Symptome besonders schlimm und meinten, sie hätten sich noch nie so krank gefühlt. Hier möchte ich mal einen Vergleich zu Grippe ziehen.

Um den Jahreswechsel 2013/2014 erwischte mich zum ersten Mal im Leben eine richtige Grippe. Ich litt unter Schüttelfrost, Gliederschmerzen und hohem Fieber, wo ich normalerweise nie Fieber bekomme. Mir ging es so schlecht, dass ich glaubte, jeden Moment das Zeitliche segnen zu müssen. Mein Kreislauf lief völlig aus dem Ruder. Am Morgen des 1. Januar riefen wir den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die Ärztin diagnostizierte Grippe und meinte, ich solle im Bett bleiben, viel trinken und Paracetamol gegen das Fieber nehmen. Sie erklärte mir außerdem, dass ich mich so schlecht fühlen würde, läge daran, dass mein Körper Fieber nicht gewohnt sei und der Kreislauf entsprechend darauf reagieren würde. Ich müsse geduldig sein, dass würde schon wieder.

Noch am selben Tag entwickelte ich ein weiteres Symptom: eine Entzündung der Mundschleimhaut. Überall am Zahnfleisch bildeten sich kleine schmerzende Bläschen. Ich konnte nichts mehr essen, und trinken ging nur mit einem Strohhalm. Auf das Paracetamol reagierte ich allergisch, wie auf fast alle Schmerzmittel. In diesem Fall waren es Atemnot, beschleunigter Puls und Angstzustände. Nach zwei Tabletten setzte ich das Medikament ab.

Das Fieber ging in der ersten Woche runter, die Schleimhautentzündung klang erst nach drei Wochen ab. Nach zwei Wochen, die ich zumeist im Bett verbrachte, bekam ich schlimmen Husten, unter dem ich noch Monatelang zu leiden hatte. Insgesamt war ich vier Wochen krankgeschrieben. Es dauerte Monate, bis ich wieder hergestellt war. Den trockenen Husten habe ich trotz Ärztemarathon nie wieder richtig weg bekommen. Nur um klarzustellen, ich hatte zu keiner Zeit Schnupfen oder eine laufende Nase.

Jeden, der mir erzählt, das Covid 19 schlimmer sei als eine Grippe, weise ich daraufhin, dass es bei jeder Infektionskrankheit zu schweren Verläufen kommen kann. Es gab Menschen, die sind nach einer überstandenen Grippe an einem geschwächten Herzmuskel gestorben, oder haben sonstige bleibende Schäden davongetragen. Die schweren Fälle, die wir bei Covid 19 sehen, sind nicht ungewöhnlich, die gibt es auch bei jeder Grippe. Das, was das aktuelle Virus so gefährlich macht, ist, dass es viel ansteckender ist, als ein normales Influenzavirus und dass sich deshalb in kurzer Zeit so viele Leute anstecken. Was zu einer Häufung der Fälle führt.

Momentan scheint es uns, als sei Covid 19 ein Killer. Dem ist aber nicht so, weil 46 Prozent der Infizierten überhaupt keine und 40 Prozent nur schwache bis mittlere Symptome verspüren. Nur 14 Prozent der Infizierten zeigen einen schweren Verlauf. Das ist weniger als bei vielen anderen Viruserkrankungen.

Weil sich die Medien aber nun auf das Virus fokussieren, lesen wir ganz viele schlimme Dinge, werden mit vielen Einzelschicksalen konfrontiert. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass es diese Einzelschicksale bei jeder Infektionskrankheit gibt. Es wird immer Leute geben, die schwerer erkranken als andere und es wird immer Menschen geben, die daran sterben. Dem ist leider so, das ist nichts ungewöhnliches. Nur wird bei der jährlichen Grippewelle nicht darüber berichtet. Da werden keine Einzelschicksale gezeigt. Was dazu führt, dass die mediale Berichterstattung meiner Meinung nach, derzeit ein völlig verzerrtes Bild zeigt.

Jeder der einmal eine richtig schwere Influenza hatte, weiß wovon ich rede. Das ist keine simple Erkältung, das hat mit Schnupfen und Husten nichts zu tun. Seitdem lasse ich mich jedes Jahr gegen Grippe impfen. Ich denke daher schon, dass man rein symptomatisch eine schwere Grippeerkrankung mit einer Covid 19-Erkrankung vergleichen kann. An beiden kann man schwer erkranken und sterben.

Ich finde es nicht richtig, wenn so getan wird, als seien Influenzaviren harmloser als Covid 19, dem ist nicht so. Der einzige Unterschied besteht darin, das man sich gegen das eine impfen lassen kann und gegen das andere nicht. Und hier liegt die Krux. Gäbe es eine Impfung gegen Covid 19, wäre gar nichts passiert. Keine Kontaktbeschränkungen, keine Shutdowns und keine Absagen von Großveranstaltungen. Denn dann könnten die Politiker sagen, »ihr hättet euch ja impfen lassen können«, wenn jemand Vorwürfe gegen sie erhebt. So reagieren sie überzogen vorsichtig, damit ihnen später keiner die Schuld geben kann. Ob das alles so richtig war, wird sich zeigen.

Das Ende der Bussi-Bussi-Gesellschaft

Mit Begrüßungen ist das so eine Sache. Das handhabt jeder so wie er es mag, bzw. wie er erzogen wurde.

Ich zum Beispiel bin größtenteils unter Erwachsen aufgewachsen. Ich lernte, dass man Verwandten höflich die Hand gab. Oder es in einer großen Runde ausreichte, nur auf den Tisch zu klopfen. Enge Begrüßungs- und Verabschiedungsriten gab es nicht. Vielleicht hat man die Oma mal gedrückt, wenn man etwas geschenkt bekam, und weil es sein musste. Manch eine »Tante« drückte einem auch mal einen feuchten Schmatzer auf, wenn man sich nicht schnell genug entziehen konnte. Aber das man sich umarmt und drückt, kenne ich aus unserer Familie nicht. Selbst meine Eltern begrüße ich heute selten auf diese enge Art und Weise. Freunde, Kommilitonen und Arbeitskollegen grüßte ich später verbal oder mit einem Winken, vielleicht mit einem Handschlag aber nie enger.

Umso irritierter war ich, als ich zum ersten Mal in München von einer Kollegin zu einen Mädls-Stammtisch mitgenommen wurde. Ich wurde umarmt und rechts und links mit Küsschen begrüßt, dabei kannte ich die Leute nicht mal. Doch das schien unter den »Freundinnen« Gang und Gebe zu sein. Vielleicht lag es genau daran, dass ich zu den wenigen Malen, bei denen ich dabei war, mich dort nie wohl gefühlt habe. Vielleicht waren es auch die Gesprächsthemen oder das Getratsche über diejenigen, die gerade nicht da waren, die mich gestört haben.

In Erinnerung geblieben ist, dass ich dieses Bussi-Bussi-Getue nicht mag. Am liebsten vermeide ich es, andere Menschen anzufassen oder zu umarmen. Hand geben ist okay, das verbuche ich unter Höflichkeit. Ansonsten mag ich diese mir aufgezwungene Nähe überhaupt nicht. Da bin wohl so ein bisschen autistisch veranlagt. Wenn ich jemanden von mir heraus umarme, dann nur wenn ich diesen Menschen aus tiefsten Herzen mag, weil mir wirklich etwas an der Person liegt, und nicht weil es Trend ist.

In der derzeitigen Situation wo Abstandhalten angesagt ist, ist diese Einstellung vorteilhaft. Es macht mir nichts aus, Abstand zu wahren und Leute zu nur verbal zu begrüßen oder zu verabschieden. Aber denjenigen, die bisher die Bussi-Bussi-Kultur gelebt haben, wird es sicher schwerfallen darauf zu verzichten.

Luxus im Frühjahr 2020

Wie privilegiert wir leben, wurde mir am Sonntagvormittag mal wieder so richtig bewusst. Die Sonne schien, über Nacht hatte es geregnet und die Luft roch frisch und klar. Mein Mann und ich beschlossen einen langen Spaziergang zu machen, anstatt mit dem Rad durch die Gegend zu fahren. Hier auf dem Land ist das immerhin noch erlaubt.

Wir begegneten so gut wie keinem Menschen. Auf dem Rückweg fuhr ein Auto an uns vorbei, aber auch nur, weil wir auf der Zufahrtsstrasse zur Gemeinde unterwegs waren und nicht auf den vielen kleinen Sträßchen, die die einzelnen Höfe in der Gegend miteinander verbinden. Stattdessen zwitscherten die Vögel. Hin und wieder muhte eine Kuh. Der Himmel zeigte sich in den bayrischen Nationalfarben, weiß-blau, und der See glitzerte silbrig zwischen frischem Grün.

Unser Spaziergang unterschied sich nicht von den Spaziergängen in den vergangenen Jahren. Wir hatten die Kamera dabei und machten Fotos. Von dem Virus, dass derzeit die Welt in Atem hält, war weit und breit nichts zu spüren. Keine Menschen mit Masken und keine Polizei, die Spaziergänger kontrolliert. Es war ein ganz normaler Sonntagvormittag.

Es ist schon erstaunlich wie sich die Prioritäten verschieben. Dass man sich schon freut, unbehelligt durch die Gegend spazieren zu dürfen. In einer Großstadt wie München wäre das sicher nicht so ohne weiteres möglich. Deshalb bin ich heilfroh, nicht mehr in München zu wohnen. Ich glaube, dass es für die Leute dort alles noch viel schlimmer ist. Wenn ich an mein Apartment in München zurückdenke: 30 qm mit einem einzigen Fenster, das auf eine vierspurige Straße zeigte … Einen Monat dort eingesperrt zu sein, ist schon hart.

So gesehen ist es toll, dort zu leben, wo andere Leute Urlaub machen. Auch wenn das im Sommer mitunter nervig sein kann, wenn die Geschäfte überlaufen und die Straßen voll sind. In diesem Sommer wird es sicher anders sein. Da wird der Ort froh sein über jeden Touristen, der anreisen darf. Schauen wir mal.

Hier noch ein paar Impressionen vom Sonntag:


Umzug voraus

Demnächst steht der Umzug auf einen neuen Server an. Wann, weiß ich noch nicht genau. Ich informiere aber heute schon mal, dass mein Blog für ein bis zwei Tage nicht erreichbar sein wird.

Der Verfassungsschutz hat mich also nicht abgeschaltet, weil ich Corona-feindliche Ansichten poste, noch nicht jedenfalls. Es ist nur der Umzug auf einen Server.

Für alle die auf meine NEO-Rezensionen warten. Ich habe Band 223 und 224 noch nicht gelesen, weil ich vor Ostern den Eschbach-Wälzer »Perry Rhodan – Das größte Abenteuer« angefangen habe. Den möchte ich erst zu Ende lesen, bevor ich mich wieder ins NEOversum stürze. 900 Seiten lesen sich halt nicht so schnell.

Also keine Sorge, NEO kommt noch und natürlich auch eine ausführliche Besprechung zum Eschbach-Wälzer.

Streifenloser Himmel

Ein Bild aus vergangenen Tagen. Der gestreifter Himmel über uns ist seit Jahrzehnten ein stetiger Begleiter. Mehrmals am Tag, besonders am Wochenende, heulten über den Dächern des Ortes die Triebwerksturbinen. Nämlich dann,  wenn die Flugzeuge Geschwindigkeit rausnahmen, um am wenige Kilometer entfernten Salzburger Flughafen zu landen.

Momentan ist der Himmel blau, ohne weiße Streifen und falls mal in großer Höhe ein Flugzeug hinwegfliegt, schaue ich gleich beim Flight Radar nach, woher die Maschine kommt und wohin sie fliegt. Es sind im Übrigen fast nur noch Frachtflugzeuge unterwegs.

Eine ähnliche Situation gab es schon mal vor ein paar Jahren, nachdem auf Island der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen ausgebrochen war. Damals war es eine Naturgewalt, die die Flugzeuge am Boden hielt und die dauerte auch nicht so lange. Heute sind es Reisebeschränkungen und Wirtschaftlichkeit.

Es ist schon erstaunlich, was plötzlich möglich ist. Hat man den Klimaschützern noch vor Monaten gesagt, dass Einschränkungen im Verkehr und in der Luftfahrt kaum umzusetzen sind, geht es plötzlich doch. Flugzeuge bleiben am Boden, die meisten werden gewartet, andere regelrecht eingemottet. Flughäfen sind geschlossen oder nur mit einer Notmannschaft besetzt. Auf einmal geht‘s. Kein Jetten um die Welt wegen irgendwelcher Meetings, kein 3-Tage-Urlaub auf Mallorca, keine Weltreise um armen Kinder in Fernost am Strand ein paar Souvenirs abzukaufen. Stattdessen gehört der Himmel zum größten Teil wieder den Vögeln.

Da sag noch einer, das Virus hätte nur negative Auswirkungen. Unsere Umwelt freut sich bestimmt über die Verschnaufpause. Wobei, wenn diese Krise noch ein paar Monate dauert, dann können wir uns sowieso nicht mehr leisten irgendwohin in den Urlaub zu fliegen. Dann ist höchstens noch eine Tankfüllung drin oder ein billiges Bahnticket. Dann könnte der streifenfreie Himmel zum Dauerzustand werden. Umwelttechnisch vielleicht nicht die schlechteste Alternative.