Himmelsbeobachtung

Orion_Head_to_Toe OrionDas der Winter vor der Tür steht, wurde mir Dienstagmorgen um Sechs beim Blick in den Sternhimmel schmerzlich bewußt. Auch wenn mir der Föhnwind mit 15 Grad um die Nase blies und mir fast schon einen Schweißausbruch bescherte. Denn da prangte am Südwestlichen Morgenhimmel das markante Sternbild des Orion. Für mich das schönste Sternbild am nördlichen Himmel. Keines ist so komplex und in keinem gibt es so viel zu entdecken.

Da ist zu allererst der rechte Schulterstern Beteigeuze, ein roter Riesenstern vom M Typ mit 7,7 Sonnenmassen und einem Radius von 820 Mio km, was etwa dem 1180-fachen Radius unserer Sonne entspricht. Das heißt, würde Beteigeuze im Zentrum unseres Sonnensystems stehen, würde seine Oberfläche über die Jupiterbahn hinausgehen. Beteigeuze ist ein heißer Kandidat für eine Supernova und zum Glück ca. 642 Lichtjahre von uns entfernt.

Zwischen den drei markanten Gürtelsternen, Alnitak, Alnilam und Mintaka (ja, das System der Mintakaner aus Star Trek und die Heimat der Topsider bei PERRY RHODAN) – auch als »die drei Könige« bezeichnet, liegt der Pferdekopfnebel, eine Dunkelwolke die in den hellen Emissionsnebel IC 434 hereinragt. Leider kann man ihn auf Grund seiner geringen Helligkeit nur mit einem Teleskop beobachten. Unter dem mittleren Gürtelstern erkennt man bei klarem Himmel drei eng in senkrechter Linie stehende Sterne die das Schwert des Orion bilden. Der mittlere davon ist nicht einmal ein richtiger Stern, sondern M42 – der Orionnebel. Er ist eine Geburtsstätte junger Sterne und 1350 Lichtjahre entfernt.

Nicht ganz so weit von uns weg, nämlich nur ca. 800 Lichtjahre, ist der linke Stern am Fuß des Orion. Das ist Rigel, ein Mehrfachsystem. Die Hauptkomponente Rigel A ist ein Stern der Spektralklasse B8 und befindet sich, ähnlich wie Beteigeuze, im Übergang zu einem Roten Überriesen. Die beiden kleineren Komponenten B/C sind bläulich weiße Hauptreihensterne und Komponente D ein schwach leuchtender Stern der Spektralklasse K. Das Rigelsystem taucht sehr oft bei Star Trek und in anderen SF-Serien auf.
Das Sternbild des Orion gehört zu den Wintersternbildern und ist in dieser Jahreszeit besonders gut zu erkennen. Rigel bildet zusammen mit Sirius im Großen Hund, Capella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Prokyon im Kleinen Hund und Pollux in den Zwillingen, das Wintersechseck.

Das erste Bild zeigt das Sternbild des Orion in einer Aufnahme mit langer Belichtungszeit, während das zweite Bild es so zeigt, wie es mit bloßem Auge erkennbar ist.  Quelle der Bilder: Wikipedia

Opfer der GDL

Eigentlich hatte ich mich ja auf einen entspannten Abend und einen schönen freien Mittwoch gefreut, nachdem ich heute von halb 6 Uhr morgens bis halb 7 Uhr Abends unterwegs war. Doch dann kam die Ankündigung des Bahnstreiks ab Donnerstag und meine Nerven lagen blank.
Ich wollte mich ja eigentlich nicht zu den Streiks bei der Bahn äußern, weil das ein zweischneidiges Schwert ist. Einerseits kann ich die Lokführer verstehen, die für ihren verantwortungsvollen Job auch entsprechend entlohnt werden wollen, aber andererseits ist es nicht die feine Art, den Arbeitskampf auf dem Rücken derer auszutragen, die nun überhaupt nichts dafür können, nämlich Bahnkunden wie mich.
Da ich am Donnerstag nach der Arbeit mal wieder ins heimatliche Thüringen reisen wollte, muss ich nun zwangsläufig umdisponieren und bereits morgen fahren. Zu meinem Glück bin ich selbständig und kann frei darüber entscheiden, wann ich arbeiten gehe. Die meisten Pendler können das leider nicht. Für die heißt es, entweder mit dem Auto fahren oder Zwangsurlaub nehmen.
4 Tage Streik ist in meinen Augen eine maßlos übertriebene Aktion, die mehr wirtschaftlichen Schaden anrichten wird, als man jetzt schon prognostizieren kann. Etwas, das wir uns eigentlich gar nicht leisten können. Schuld daran sind in meinen Augen, sowohl die Deutschen Bahn als auch die GDL. Beide benehmen sich wie streitende Kinder, die auf ihren Standpunkten beharren. Bspw. die GDL: Wenn sie auch Tarifabschlüsse für das Servicepersonal und die Zugführer durchsetzten will, was eigentlich nicht in ihre Zuständigkeit fällt, warum schließt sie sich dann nicht mit den anderen Gewerkschaften zusammen? Dann könnte sie auch für alle verhandeln. So, wie es jetzt ist, ist das rechtlich nämlich gar nicht möglich. Aber auch die Deutsche Bahn sollte sich mal überlegen, was ihnen wichtiger ist. Bei den dauernden Preiserhöhungen den sie ihren Kunden zumutet, kann es doch nicht sein, dass das Personal, welches die Arbeit liefert, leer ausgeht. Da fallen eben die Boni für die Aktionäre mal kleiner aus, die meisten von denen haben doch eh schon mehr Geld, als sie ausgeben können.
Ich könnte mich noch weiter darüber auslassen, doch ich mag mir nicht den Abend verderben. Ändern kann ich daran ja eh nichts.

Wir Deutsche sind es eben nicht gewohnt, das mit den Streiks. In Italien oder Frankreich ist das anders. Da gibt es tagelange Generalstreiks, an denen gar nichts mehr geht. In Deutschland wäre das undenkbar. 4 Tage Lokführerstreik würden Italiener und Franzosen wahrscheinlich schulterzuckend hinnehmen und sich lieber ein Glas Rotwein gönnen.

Bundesakademie 2015

DSC06298_1024Heute fand ich das neue Programm der „Bundesakademie für Kulturelle Bildung“ im Briefkasten. Toll schaut es aus, sehr hochwertig gemacht und mit hochwertigem Inhalt.
Ich muss ja sagen, das ich, seit dem ich in Wolfenbüttel war, großer Fan der Bundesakademie bin. Da stimmt irgendwie alles – das Kursangebot genauso wie das Umfeld oder die Verpflegung. Wenn man in dem Heft ein bisschen blättert, stellt man sehr schnell fest, das einem da ein umfassendes und abwechslungsreiches Programm geboten wird. Egal ob es sich dabei um bildende Kunst, darstellende Kunst, Literatur, Museum oder Musik handelt, da ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Natürlich gibt es auch wieder zwei Seminare zum Thema phantastische Literatur, für die ich mich bewerben wollte. Dumm ist nur, das gerade das Kurzgeschichten-Seminar zu einem für mich saublöden Termin stattfindet. Nämlich an unserem 5. Hochzeitstag. Das kann und will ich meinem Mann nicht antun. Er hat sich schon in diesem Jahr für mein Hobby geopfert und drei langweilige Tage in Wolfenbüttel verbracht. Also bleibt mir nur noch der Termin im November und ich hoffe sehr, dass es dann auch klappt. Denn das Thema hört sich sehr interessant an: „In der Meisterklasse – Wie man beim Fantasy-, Horror- und Sciencefiction-Roman von Vorbildern lernt“.

Moorwanderung

Weil momentan so schönes Wetter ist, waren wir gestern ausgiebig spazieren. Im Schönramer Filz, einem renaturierten Hochmoor, ist es zu dieser Jahreszeit besonders schön. Obwohl die Laubfärbung in diesem Jahr etwas zu wünschen übrig läßt. Das mag daran liegen, das der Sommer zu feucht und der Oktobermonat zu warm war. Dennoch es ist immer wieder ein Erlebnis.
Das triste Gewand der Heide, das niedrige Buschwerk und die wenigen Birken, die den schmalen Pfad säumen, sind von schlichter Schönheit. Der Boden fühlt sich weich an, beinahe lebendig, wenn man darüber geht. Jeder Schritt erzeugt ein hohles Geräusch, das einwenig besorgniserregend daherkommt. Die Luft ist feucht und modrig, im angrenzenden Wald riecht es nach Pilzen und dem Harz knorriger Kiefern. Vögel hört man kaum, nur ab und zu drängt der Schrei eines Bussards von den angrenzenden Felder herüber.
Eine Stunde benötigt man für die große Runde. Aufgestellte Schautafeln informieren über das Moor und seine Renaturierung oder die Zwangsarbeiter, die während des 2. Weltkriegs hier als Torfstecher dingen mussten.
Das Schönramer Filz ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Es kostet nichts, man ist an der frischen Luft und wenn man mag, kann man nach Moor schmeckende Blaubeeren sammeln. Ich komme oft und gerne hierher.
 

Blick übers Moor zu den Alpen
Blick übers Moor zu den Alpen
Überflutetes Moor
Überflutetes Moor

Friedhofsrallye

Wie jedes Allerheiligen startet in den, vorwiegend von Katholiken bevölkerten Landstrichen, die so genannte „Friedhofsrallye“. Da strömen die Massen auf die Friedhöfe, wie an keinem anderen Tag im Jahr. Zuvor werden die Gräber auf Hochglanz geputzt und kleine Vermögen für Blumen und Kerzen ausgegeben.
Ich frage mich dabei stets: Für wen machen die Leute das?
Den Toten ist es egal, die haben ganz sicher am wenigsten davon. Mir kommt es derweil so vor, als ginge es hier eigentlich mehr ums Sehen und gesehen werden. Oder einfach nur um zu urteilen, wie sich der Nachbar oder die Bekannten ins Zeug gelegt haben. Für mich fühlt sich das irgendwie scheinheilig an.
Ich brauche keinen besonderen Tag, um mich an Verstorbene zu erinnern, ich bräuchte nicht mal einen besonderen Ort. Ganz so, wie es mein Großvater postuliert hat, in dem er auf einen Grabstein verzichtete. Für ihn ging es keinen was an, wer da liegt. Und die Blumen, die sollte man sich zu Lebzeiten schenken, nicht erst auf dem Friedhof. Getreu dem Spruch meiner Mutter: „Viel mehr Blumen während des Lebens, denn auf dem Friedhof sind sie vergebens.“

Ach übrigens, ich nehme uns Protestanten da nicht aus. Wir machen es nur an einem anderen Tag und nennen es Totensonntag.

Im Bay(wa)more

Jeder der die Serie „Chuck“ gesehen hat, kennt das „Buymore“. Jenen Elektronikmarkt in dem die Preise hoch und die Arbeitsmoral niedrig ist. Die Angestellten tragen grüne Poloshirts und rotten sich – wenn sie sich nicht gerade vor den Kunden verstecken – meist zu Grüppchen zusammen, um sich mit ihren privaten Spielchen zu vergnügen.

Als wir heute im Baywa-Baumarkt waren, entdeckte ich gleich mehrere Parallelen zum „Buymore“. Die Angestellten trugen grüne Poloshirts und standen ziemlich auffällig in Grüppchen an ihren Infoständen. Dabei wurde gelacht und scheinbar allerlei Privates getratscht, ohne umherirrende Kunden auch nur eines Blickes zu würdigen. Es sah nach einem ziemlich entspannten Job aus.
Interessant wurde es erst, als ich fragte, ob sie die Arbeitshandschuhe, die mir gefielen, denn auch in Größe 7 hätten. Anscheinend hatten die Damen aus der Gartenabteilung nur darauf gewartet in Aktion zu treten. Denn da wurde sofort der Computer befragt. Eine tippte ein, zwei Weitere gaben ihre Kommentare zum Besten. Jeder wusste, oder glaubte zu wissen, wo was im System zu finden ist. Es dauerte ein paar Minuten, bis mir bedauerlicherweise mitgeteilt wurde, dass das von mir gewünschte Handschuhmodell nur ab Größe 8 erhältlich ist. Aber – so wurde mir sehr freundlich vorgeschlagen – man könne ja mal im Katalog nachsehen, ob sich dort ein ähnliches Modell fände, das ich dann bestellen könne. Ich stimmte zu und die drei Damen wälzten vor mir zentimeterdicke Kataloge. Eine schlug vor, das ich es ja mal mit Reithandschuhen versuchen könne, die wären ja schließlich auch aus Leder und die gäbe es auch für kleine Hände. Das wurde von mir strikt abgelehnt, nachdem ich den Preis gelesen hatte.
Irgendwann, mein Mann war längst in den Tiefen des Baumarktes verschollen, fand sich ein passendes Paar Handschuhe, das es auch in Größe 7 gab. Es war ein Modell mit japanisch klingendem Namen. Jetzt musste es nur noch für mich bestellt werden. Wenn ich gewusst hätte, welchen Papierkrieg die Bestellung von einem Paar Arbeitshandschuhen mit dem wohlklingenden Namen „Ogawa“ auslöst, ich glaube, ich hätte kapituliert. Denn es kam erneut der Computer zum Einsatz. Die Kundenkarte meines Mannes wurde ebenso benötigt, wie meine Telefonummer. Fast rechnete ich noch mit einer eidesstattliche Erklärung, dass ich die Handschuhe auch wirklich bestellten wollte. Anschließend wurde das alles in dreifach Kopie ausgedruckt. (Nachdem der Drucker durch mehrfaches Aus- und wieder Einschalten, zum Drucken überredet werden konnte.) Zum Schluss überreichten mir die freundlichen Damen stolz ein A4-Blatt, mit dem ich an der Kasse meine Handschuhe schon mal vorfinanzieren konnte.
Ich war überrascht, denn die drei netten Baywa-Angestellten waren eine gute halbe Stunde nur für mich dagewesen. Wahnsinn, was für ein Service! Ob ich den auch im „Buymore“ bekommen hätte? Ich bezweifle es.

Neues aus dem Perlenlabor

Es ist eigentlich kaum zu glauben, das ich in den Wochen, in dem ich an diesem Blog schreibe, noch nichts über eines meiner liebsten Hobbys gepostet habe.
Da wird’s aber jetzt wirklich Zeit.

Ich habe nämlich mal wieder ein paar Armbänder gemacht. Nichts großartiges, ich wollte nur das Muster mal ausprobieren.
Momentan gibt es ja überall diese komischen Armbändern aus Gummiringen. Erstmal sind sie verhältnismäßig teuer und andererseits will ich gar nicht wissen, wie viele Schadstoffe die Gummiteile enthalten. Gefallen tun mir die Armbänder, die sich daraus fertigen lassen, ja schon, aber ich würde mir nie so ein Ding ums Handgelenk wickeln.
Jetzt stieß ich auf ein Muster, mit dem man aus Glasperlen ein ähnliches Armband fädeln kann …

… und hier ist das Ergebnis:

(Es ist anfangs aufwendiger als es aussieht, macht aber Spaß wenn man den Trick erstmal raus hat.)

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Wer sich für das Muster interessiert, kann es HIER finden.

 

Apokalyptisch gute Kneipentour

The-worlds-end-logoGestern Abend gab’s mal wieder Fernsehen aus der Konserve, was soviel heißt, das wir uns eine Blu-ray aus dem umfangreichen Angebot unseres Wandregals reingezogen haben.
„The World’s End“ stammte aus der letzten „4 für 3 Aktion“ vom Müller Drogeriemarkt. Wir hatten den Film unteranderem deshalb mitgenommen, weil der Hauptdarsteller, Simon Pegg, für seine tollen Komödien bekannt ist, außerdem spielt er ja den Scotty in den beiden neuen Star Trek Filmen. Neben ihm tauchen im Film auch noch so bekannte Namen auf, wie Martin Freeman (Sherlock, Hobbit), Nick Frost (Paul-Ein Alien auf der Flucht) und in einer kleinen Nebenrolle Pierce Brosnan. Ich schicke mal vorweg, das sich die Anschaffung auf jeden Fall gelohnt hat. Übrigens passt der Film herrlich zu Halloween. Nicht, dass ich dem Fest etwas abgewinnen könnte, aber man kommt dem Hype ja nicht aus.

Und wie rezensiert man diesen Film nun ohne zu Spoilern? Keine Ahnung, aber ich versuche es trotzdem.

Es beginnt mit einem Rückblick auf die Sauftour einer Gruppe Teenies. 12 Pubs an einem Abend und in jedem sollte mindestens ein Bier gezischt werden. Natürlich geht das total in die Hose, weil die meisten alsbald versacken. Für den Leader der Truppe Gary King (Simon Pegg) war es dennoch die beste Nacht seines Lebens. Nie erwachsen geworden, will er es nun mit 40 nochmal wissen. Er trommelt die alte Clique zusammen, die alle außer ihm längst im bürgerlichen Leben angekommen sind und sie fahren gemeinsam in die Heimat. Dort begeben sie sich auf die „Goldene Meile“ von Pub zu Pub, doch irgendwann ist bei den Freunden die Luft raus.
Bis dahin dachte ich OK: Saufen, provozieren, Frauen anbaggern und Blödsinn anstellen, das klingt wie „Peter Pank“, riss mich aber nicht wirklich vom Hocker. Und dann passierte etwas völlig Unerwartetes. Ich saß mit offenen Mund da und staunte. Denn das was ich sah, war so abgedreht, das es keine Worte dafür gibt. Der Film entwickelte sich in eine völlig andere Richtung und erinnerte mich stark an eine Mischung aus „From Disk Till Dawn“ und „Matrix“. Jetzt weiter zu erzählen, wäre ungut, weil es potentiellen Zuschauern die Spannung nehmen würde. Ich verrate nur so viel, das der Film in Richtung SF abgleitet und rate jedem, einfach anschauen und wundern. Der britische Humor gemischt mit rasanter Action und intelligentem Witz ist mehr als sehenswert.

Frei(e)fahrt mit der DB

Als ich gestern den DB-Newsletter las, in dem mir eine Freifahrt nach Paris in Aussicht gestellt wurde, wenn ich meine BahnCard in eine Kreditkarte umwandele, entkam mir ein nur mühsam unterdrückter Fluch. Ich hatte nämlich eine halbe Stunde vorher am Fahrkartenautomaten festgestellt, dass ich am nächsten morgen nicht würde zur Arbeit fahren können. Streckensperrung wegen Bauarbeiten und das noch bis einschließlich Mittwoch!
Das hieß dann entweder Schienenersatzverkehr oder ein Tag Zwangsurlaub, an dem ich als Selbstständige natürlich kein Geld verdiene. Nun sind dreieinhalb Stunden Fahrt hin und dreieinhalb Stunden zurück kein Pappenstiel. Das wären sieben Stunden Fahrt für sieben Stunden Arbeit und das wollte ich mir dann doch nicht antun. So habe ich heute unfreiwillig einen Tag frei, die Firma motzt, ich verdiene kein Geld und das nur weil die Deutsche Bahn in den vergangenen Jahren gespart hat, wo sie nur konnte. Prima!
Es ist mir unverständlich wie man eine derart stark befahrenen Bahnstrecke, wie die zwischen Salzburg und München, einfach mal für eine ganze Woche sperren kann. Da fahren jeden morgen hunderte von Pendlern zur Arbeit und gerade in den Ferien sind viele Touristen in der Gegend unterwegs. Ich verstehe es einfach nicht, da hätte es doch sicher eine andere Lösung gegeben.

So nutze ich nun den freien Tag dazu, um an meinem Roman zu arbeiten. Richtig darüber freuen, kann ich mich aber nicht. Denn ich will keine Freifahrt nach Paris sondern nur freie Fahrt bis München.

Dank für den Punk

DankPunkKlaus N. Frick „Vielen Dank, Peter Pank“

Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass ich mich mal mit dem Thema Punk auseinander setzen würde. Ganz ehrlich, jeder der mich kennt, wird jetzt mit dem Kopf schütteln: Was denn, du und Punk? Als die stets angepasste, brave Tochter, in der Schule als Streber verschrieen (obwohl ich dort nie einen Finger krumm machen musste), bin ich das genaue Gegenteil eines Punkers. Obgleich in den Achtzigerjahren aufgewachsen, tangierte mich diese Szene kaum. Wahrscheinlich hatte ich keinen Grund zu Protest oder war einfach nur zu feige dafür. So kommt es, das ich mich erst jetzt, 30 Jahre später, dem Phänomen oder besser dieser Weltanschauung widme. Und das kam so…
Immer wieder trifft man im Leben auf interessante Menschen, deren konträres Weltbild, das Eigene auf den Kopf stellt. So ähnlich ging es mir. Dabei wollte ich doch nur den E-Book Auszug eines gewissen Chefredakteurs lesen, einfach so aus Neugier. Völlig fasziniert, habe ich mir dann die beiden Bücher bestellt (allerdings als Printausgaben, ich lese halt gern auf Papier) und was soll ich sagen…

…da eröffnen sich neue unbekannte Welten, um es mal ganz pathetisch auszudrücken.
Dabei rede ich nicht einmal davon, wie man Zigaretten klaut oder einen explosiven Molotowcocktail bastelt. Wissen, das ich hoffentlich niemals brauchen werde. Vielmehr faszinierte mich die Ziellosigkeit des Protagonisten, die beinahe ansteckend ist. Da sind Gedanken und Handlungen beschrieben, die mir so fremd sind, als würden sie von einem Außerirdischen stammen. Allein die Menge an Alkohol die Peter Pank innerhalb des kurzen Zeitraums konsumiert… ich glaube so viel Hochprozentiges habe ich in meinem ganzen Leben nicht getrunken. Irgendwann beschleicht einen die dumpfe Befürchtung, dass der eigene Alkoholspiegel im Blut allein durchs Lesen ansteigen könnte.
Richtiggehend fertig war ich aber nach der Erzählung über die Pfingstschlacht von Wackersdorf. Ehrlich, ich habe das damals zwar irgendwie mitbekommen, aber erst heute wirklich begriffen, was da passiert ist. Es liest sich so echt, als stünde man direkt vor Ort. Das war schon ein bisschen gruselig.
Gegen Ende des Buchs läßt die Faszination dann ein klein wenig nach. Letztendlich verliert sich die Handlung zwischen ständigem Saufen und den vergeblichen Versuchen Frauen anzubaggern. Lichtblicke sind da nur die eingestreuten Erinnerungen von Peter Pank, die, wie ich finde, meist amüsanter und mitreisender formuliert sind als die Rahmenhandlung. Aber ich glaube, dass das vom Autor so beabsichtigt ist, um die zunehmende Sinnlosigkeit in Peters Leben zu demonstrieren.
Besonders mag ich an dem Roman die freche direkte Sprache, die nichts beschönigt und auch unangenehme Dinge beim Namen nennt, angenehme übrigens auch. (Die Sexszenen fühlen sich durchaus echt an.) Diese Unbekümmertheit passt so hervorragend zum Thema, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie man die Geschichte anders hätte erzählen können. Dabei habe ich mich beim Lesen sehr oft gefragt, wie viel autobiographisches in den Geschichten steckt, aber das wird und sollte wohl besser Geheimnis des Autors bleiben.
Was am Ende zurückbleibt, ist die Erkenntnis, das die Lebenseinstellung Punk zwar mit der Musik verbunden ist, diese alleine aber aus einem Menschen noch keinen Punker macht.

Im Nachhinein bin ich KNF dankbar für seinen kleinen Einblick in die Welt von Peter Pank. Es war eine durchaus aufschlussreiche Erfahrung. Nur an eines werde ich mich ganz sicher nicht gewöhnen – die Krachmusik.

Ich freue mich schon darauf, bald mit Peter Pank nach Avignon zu reisen („Peter Pank: Chaos en France“), doch zuvor muss ich erst noch die „Schrecken der Hohlwelt“ (PR-Silberband 22) über mich ergehen lassen.