Im Bay(wa)more

Jeder der die Serie „Chuck“ gesehen hat, kennt das „Buymore“. Jenen Elektronikmarkt in dem die Preise hoch und die Arbeitsmoral niedrig ist. Die Angestellten tragen grüne Poloshirts und rotten sich – wenn sie sich nicht gerade vor den Kunden verstecken – meist zu Grüppchen zusammen, um sich mit ihren privaten Spielchen zu vergnügen.

Als wir heute im Baywa-Baumarkt waren, entdeckte ich gleich mehrere Parallelen zum „Buymore“. Die Angestellten trugen grüne Poloshirts und standen ziemlich auffällig in Grüppchen an ihren Infoständen. Dabei wurde gelacht und scheinbar allerlei Privates getratscht, ohne umherirrende Kunden auch nur eines Blickes zu würdigen. Es sah nach einem ziemlich entspannten Job aus.
Interessant wurde es erst, als ich fragte, ob sie die Arbeitshandschuhe, die mir gefielen, denn auch in Größe 7 hätten. Anscheinend hatten die Damen aus der Gartenabteilung nur darauf gewartet in Aktion zu treten. Denn da wurde sofort der Computer befragt. Eine tippte ein, zwei Weitere gaben ihre Kommentare zum Besten. Jeder wusste, oder glaubte zu wissen, wo was im System zu finden ist. Es dauerte ein paar Minuten, bis mir bedauerlicherweise mitgeteilt wurde, dass das von mir gewünschte Handschuhmodell nur ab Größe 8 erhältlich ist. Aber – so wurde mir sehr freundlich vorgeschlagen – man könne ja mal im Katalog nachsehen, ob sich dort ein ähnliches Modell fände, das ich dann bestellen könne. Ich stimmte zu und die drei Damen wälzten vor mir zentimeterdicke Kataloge. Eine schlug vor, das ich es ja mal mit Reithandschuhen versuchen könne, die wären ja schließlich auch aus Leder und die gäbe es auch für kleine Hände. Das wurde von mir strikt abgelehnt, nachdem ich den Preis gelesen hatte.
Irgendwann, mein Mann war längst in den Tiefen des Baumarktes verschollen, fand sich ein passendes Paar Handschuhe, das es auch in Größe 7 gab. Es war ein Modell mit japanisch klingendem Namen. Jetzt musste es nur noch für mich bestellt werden. Wenn ich gewusst hätte, welchen Papierkrieg die Bestellung von einem Paar Arbeitshandschuhen mit dem wohlklingenden Namen „Ogawa“ auslöst, ich glaube, ich hätte kapituliert. Denn es kam erneut der Computer zum Einsatz. Die Kundenkarte meines Mannes wurde ebenso benötigt, wie meine Telefonummer. Fast rechnete ich noch mit einer eidesstattliche Erklärung, dass ich die Handschuhe auch wirklich bestellten wollte. Anschließend wurde das alles in dreifach Kopie ausgedruckt. (Nachdem der Drucker durch mehrfaches Aus- und wieder Einschalten, zum Drucken überredet werden konnte.) Zum Schluss überreichten mir die freundlichen Damen stolz ein A4-Blatt, mit dem ich an der Kasse meine Handschuhe schon mal vorfinanzieren konnte.
Ich war überrascht, denn die drei netten Baywa-Angestellten waren eine gute halbe Stunde nur für mich dagewesen. Wahnsinn, was für ein Service! Ob ich den auch im „Buymore“ bekommen hätte? Ich bezweifle es.

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