Beim »Knochenbrecher«

Wegen meinem Knie und auch wegen den Verletzungen durch den Unfall musste ich den vergangenen Wochen häufig einen Physiotherapeuten aufsuchen. Die Hausärztin empfiehl mir dafür einen älteren Herrn aus dem Ort, von dem alle ihre Patienten so schwärmen, weil er angeblich Unmögliches möglich macht.

Nun, die Praxis ist nicht die modernste (Stand der 90er), alle Therapeuten, die ich gesehen habe sind Männer und Diskretion gibt es dort keine, weil die neun Kabinen nur durch Vorhänge getrennt sind. Man bekommt also einiges mit, wenn man da liegt und wartet. Der Ton des Chefs ist bayrisch ruppig und vom Aussehen ähnelt er einem Charakter aus einer meiner Kurzgeschichten. Der leibliche Sohn eines Feldmarschall und Rumpelstilzchen. Außerdem muss man viel Geduld mitbringen. Trotz Termin warte ich immer ewig bis ich dran bin, dann kommt erst ein Therapeut zu einer Lymphdrainage für mein Knie und dann warte ich noch auf den Chef, der sich dann speziell mit meinen Gelenken und dergleichen beschäftigt.

Anfangs war ich ja echt skeptisch, ob das Drücken, Ziehen und Streicheln an Knie und Handgelenk wirklich was bringt. Es hat zwar hin und wieder geknackt, aber viel gemerkt habe ich sonst nicht. Und so ein Vorgehen kenne ich bisher von keinem Physiotherapeuten – und ich war, weiß Gott, schon bei so einigen in Behandlungen. Aber ich muss mich korrigieren. Mein Knie fühlt sich besser an und mein Handgelenk ist auch wieder einigermaßen beweglich. Nur mein Zeh, an den er sich bisher nicht herangewagt hat, ist noch steif.

Heute habe ich von der Hausärztin ein Rezept für weitere sechs Termine bekommen. Ich würde ja wieder zum dem Experten gehen, wenn ich dabei nicht immer so unheimlich viel Zeit verlieren würde. Heute morgen verbrachte ich wieder fast eineinhalb Stunden dort, für 20 Minuten Behandlung. Doch wenn ich meinen steifen Zeh so betrachte … das vordere Glied scheint nach wie vor nicht richtig im Gelenk zu sitzen. Ich glaube kaum, dass sich das mit herkömmlicher Krankengymnastik wieder beweglich machen lässt. Also muss ich wohl doch wieder zum »Knochenbrecher«.

Pflegeinvestment

In der Zeit der niedrigen Zinsen treiben die Formen des Investment recht seltsame Blüten. Eine besonders fragwürdige Variante entdeckte ich vorgestern beim Besuch der hiesigen Sparkasse. Dort wurde für Zimmer in Pflegeheimen geworben, als Investition! Man kauft quasi ein Zimmer in einem Pflegeheim + anteiliger Nutzungsflächen, wie Speiseraum und Foyer. In diesem Fall waren es insgesamt 45 qm für 194.000 Euro. Nach dem Bau des Heimes wird es für zehn Jahre an einen Betreiber verpachtet und dem Käufer werden dabei Renditen von bis zu 7 Prozent versprochen.

Mir stand erstmal der Mund auf vor Erstaunen, und mir schossen augenblicklich zwei Fragen durch den Kopf. Wie kann so etwas erlaubt und möglich sein? Und gibt es tatsächlich Leute, die ihr Geld so anlegen? Wenn ich es nicht Schwarz auf Weiß gelesen hätte, hätte ich es nicht geglaubt. Alten- und Pflegeheime sind soziale Einrichtungen, die von mehr oder weniger sozialen Betreibern getragen werden. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, wem die Immobilien gehören, in denen die Menschen betreut werden. Anscheinend ist das Investment privater Personen und Fonds seit vielen Jahren ein übliches Verfahren beim Bau von Alten- und Pflegeheimen.

Einerseits kann ich verstehen, dass die Betreiber der Heime die immer weiter steigenden Baukosten irgendwie finanzieren müssen, andererseits hat diese ganze Sache für mich einen schlechten Beigeschmack und zwar für beide Seiten. Die hohen Kaufpreise und die versprochenen Renditen fordern eine erhöhte Pacht vom Betreiber, der daraufhin die Kosten auf die Pflegebedürftigen umlegen wird – je mehr Pacht, desto höher die Pflegekosten. Andererseits wer sagt denn, wenn die Pachtverträge nach zehn Jahren verlängert werden, ob die Renditen weiterhin so gut sind. Und was passiert, wenn der Betreiber Insolvenz anmeldet und der neue Betreiber eine Renovierung fordert. Dann guckt man als Eigentümer eines Zimmers ganz schön dumm aus der Wäsche, denn die Renovierungskosten muss die Eigentümergemeinschaft zahlen. Die muss nicht nur gemeinsam die Renovierungen absegnen, sondern auch die Pachtverträge mit den neuen Trägern aushandeln. Im Fall eines mittelgroßen Pflegeheims müssten sich fünfzig bis hundert Besitzer einig werden. Wer schon mal bei einer Eigentümerversammlung war, weiß dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist. Da sind Streitereien vorprogrammiert. Und was den Wiederverkaufswert einer solchen Sonderimmobilie angeht, glaube ich nicht, dass man sie wenige Jahre vor dem Ablauf des Pachtvertrages wieder los wird. Zumindest nicht ohne Wertverlust.

Hin wie Her. Ich finde es für beide Parteien ein schlechtes Geschäft, sowohl als Investition, als auch was die Fragwürdigkeit angeht, den Bau sozialer Einrichtungen auf die Schultern von Privatleuten zu stellen. Da gäbe es doch sicher bessere Alternativen.

Person oder Sache

Quelle: Amazon

Die DVD von »Ted 2« bestellte ich irgendwann mal für kleines Geld bei Jokers. Weil ich mir nicht sicher war, ob der Film so gut sein würde wie sein Vorgänger, stand er jetzt länger unangesehen im Regal. Vorgestern konnte ich mich davon überzeugen, dass er tiefsinniger ist, als gedacht.

Der zum Leben erwachte Teddybär mit dem losen Mundwerk und dem Hang zum Drogenkonsum heiratet und möchte eine Familie gründen. Das erregt aufsehen und ruft irgendwann die Behörden auf den Plan. Sie sehen Ted nicht als Person, sondern als Sache. Ted engagiert zusammen mit seinem besten Kumpel John (Mark Wahlberg) die junge Anwältin Samantha (Amanda Seyfried) und klagt seine Rechte als Individuum ein. Doch sie scheitern, weil ein alter Widersacher von Ted (Donny – teuflisch gespielt von Giovanni Ribisi) einen Spielzeughersteller aufhetzt, den Gegenanwalt zu bezahlen. Ihre letzte Hoffnung ist ein Anwalt für Menschenrechte (Morgan Freeman) in New York, wo die drei mitten in eine ComicCon geraten, auf der Donny dem Teddybären auflauert …

Das eigentlich ernste Thema verpackt Seth MacFarlane (der Macher von Family Guy) in seinen üblichen derben Humor, der den Geschmack des Publikums auf eine harte Probe stellt. Da werden Zoten verteilt, gekifft und geflucht was das Zeug hält und das Publikum mit unappetitlichen Szene konfrontiert. Dennoch bewegt sich der Humor nicht unterhalb der Gürtellinie und der ernste Grundgedanke des Films wird nie aus den Augen verloren. Die vielen Anspielungen auf Musik, TV-Serien und andere Dinge aus den Achtzigern sind es, die den Film für meine Generation so erfreulich werden lässt. Da kommen nicht nur bei den Protagonisten die Erinnerungen hoch, sondern auch bei den Zuschauern, die sich mit ihnen identifizieren können. Andererseits steckt so viel Kritik an der amerikanischen Gesellschaft drin, dass man den Film nicht als sinnlosen Quatsch abtun kann.

Stolz liest sich auch die Liste der Gastdarsteller. Aus dem ersten Film spielt wieder Sam J. Jones (Flash Gordon) als er selbst mit. Weitere Gastdarsteller sind Schauspieler Liam Neeson, Moderator Jay Leno, Footballspieler Tom Brady und jede Menge Schauspieler aus Star Trek. So spielt neben Sir Patrick Stewart (als Erzähler) und Nana Visitor (Kira) auch Michael Dorn (Worf) mit, der am Ende des Films noch einen Auftritt in einem Klingonenkostüm absolviert. Genial! In einer kurzen Filmszene ist übrigens auch noch Levar Burton (Geordie LaForge)  zu sehen. Bei der Anwaltskanzlei in Boston hatte ich fast mit Crane, Pool & Schmidt und einem Auftritt von William Shatner als Danny Crane gerechnet, da wurde ich leider enttäuscht.

Fazit: Ein überraschend tiefsinniger Film, der vor frechen Dialogen, irrwitzigen Gags und cooler Musik strotzt. Ich finde ihn noch besser als den ersten Teil.

Amazon und die Zukunft

Screenshot vom Juli 2017

Aktionäre des Onlinehändlers können sich zurücklehnen, angesichts des Optimismus, den Amazon bei den Erscheinungsdaten seiner Produkte an den Tag legt.

Das Datum – heute entdeckt in der Rubrik DVD & Blu-Ray – passt irgendwie zum Produkt. Schließlich spielt die neue Star Trek-Serie in der Zukunft. Allerdings nicht im Jahr 2035 sondern zehn Jahre vor Kirk im Jahr 2253.

Star Trek-Discovery läuft in Deutschland nur auf Netflix. Ob und wann es die Serie auf DVD oder Blu-Ray geben wird, weiß noch keiner. Aber man darf davon ausgehen, dass es noch vor 2035 sein wird. Das wollen wir zumindest hoffen.

Interessant wird sein, ob es im Jahr 2035 Amazon immer noch geben wird, ob es noch so heißt, und wie und auf welchem Weg wir dann bestellen und beliefert werden. Bestellen wir noch selbst oder übernehmen das unsere Hausgeräte und kommt die Lieferung mit Drohne oder ohne? Vielleicht wird 2035 aber auch alles ganz anders sein. Die von Amazon sind zuversichtlich, dass sie dann noch existieren. Das muss für die Aktionäre doch durchaus beruhigend sein.

Zwei Bilder, zwei Zeiten, ein Ort

So sah es gestern in Wolfenbüttel aus. Die Stadt schrammte wohl haarscharf an einer Katastrophe vorbei. Durch den Dauerregen führt die Oker Hochwasser. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie die Wassermassen gerauscht haben, neben der Schünemannschen Mühle, dem Gästehaus der Bundesakademie für Kulturelle Bildung.

Normalerweise ist es dort recht idyllisch. Der Fluss staut sich an einem Wehr zu einem kleinen Teich, bevor er direkt unter einem Teil des Hauses abfließt. Von einem metallenen Steg aus lässt sich das gut beobachten, sofern man keine Höhenangst hat. Am Ende fließt die Oker unter der Straße entlang und schlängelt sich durch die Häuser hindurch (siehe Bild).

Der Anblick ist schon bei normalen Wasserstand beeindruckend. Wie das wohl in den letzten Tagen bei Hochwasser ausgesehen haben muss … vielleicht ein bisschen bedrohlich für die Anwohner.

Da finde ich das Bild, das ich 2014 dort gemacht habe doch viel entspannter.

September 2014
Juli 2017 Quelle: regionalwolfenbuettel.de

Der Hummer mit den zwei Schwänzen

Das nachfolgende Erlebnis fällt in die Rubrik: Die Abenteuer einer Hobbyredakteurin.

Ende März fragte ich bei Rüdiger Schäfer, dem Atlan-Experten und PERRY RHODAN NEO Exposéautor, nach, ob er nicht eine Story für die Atlan-Ausgabe der SOL schreiben wolle. Er sagte spontan zu, weil er noch um ein paar unfertige Kurzgeschichten auf seiner Festplatte wusste.

Im Juni erhielt ich von ihm eine Datei mit der Geschichte: »Die Farbe des Hummers«. Rüdiger versicherte mir, dass er die Geschichte gerade vollendet hatte und sie noch nirgendwo veröffentlicht worden war. Somit freute ich mich sehr über diesen exklusiven Text eines PR-Autors. Die Leser der SOL würden eine Atlan-Geschichte von einem Profiautor bekommen und das auch noch exklusiv.

Anschließend ging die Geschichte erst durchs Lektorat bei Norbert Fiks und anschließend zu Günter Puschmann ins Layout. Ich schrieb mein Editorial, wobei ich die Geschichte ausdrücklich als exklusives Geschenk von Rüdiger an die Leser der SOL abfeierte. Danach kam sie in Form des fertigen Layouts zu mir zurück zur Schlussredaktion und wurde nochmals von Alexandra Trinley gegengelesen, die die vielen falsch gesetzten Trennstriche anmerkte. Günter führte die Korrekturen aus und ich war guter Dinge.

Zwei Tage vor Drucklegung, machte mich Günter dann in einer kurzen E-Mail darauf aufmerksam, dass die »Die Farbe des Hummers« bereits in der SOL 61 erschienen war. Uff!

Eine Schrecksekunde später, schrieb ich ihm zurück, dass, wenn es so wäre, ich den Text des Editorials ändern müsste. Und ich setzte Rüdiger in Kopie. Der war an diesem Tag gerade von der Exposéautoren-Konferenz aus Rastatt zurückgekehrt und konnte sich das überhaupt nicht erklären. Er versicherte mir, dass er die Datei halbfertig auf seinem Computer gefunden hatte und das Ende erst dieser Tage fertig geschrieben hatte. An die bereits veröffentlichte Version hatte er keinerlei Erinnerung. Deshalb bat er Günter, ihm die Datei zu schicken, was dieser auch umgehend erledigte, inklusive dem fertigen Layout der SOL 61.

Tatsächlich war es dieselbe Geschichte nur länger und mit einem anderen Ende. Rüdiger war einigermaßen baff und haderte mit seinem Gedächtnis, denn nach und nach kamen die Erinnerungen zurück. Er versprach mir hoch und heilig demnächst eine wirklich exklusive Story für die SOL zu schreiben.

Für die SOL 87 aber war es zu spät. Die Datei musste in die Druckerei. Wir konnten die Geschichte nicht mehr austauschen. Ich schickte Günter noch den geänderten Text für das Editorial, den er einarbeitete und dann ging das PDF auch schon auf reisen.

Wenn die SOL 87 also in den nächsten Tagen bei den Lesern eintrifft, dann enthält sie zumindest ein Kuriosum. Eine Kurzgeschichte, die mit einem anderen Ende bereits 2011 in der Ausgabe 61 erschienen ist. Eben ein Hummer mit zwei Schwänzen. Und weil beim Hummer bekanntlich der Schwanz das Beste ist, müssen zwei, doppelt so gut sein. Für Text-Analytiker bietet sich hier die einmalige Chance, zwei ähnliche Geschichten eines PR-Autors miteinander zu vergleichen.

Das unsichtbare Leiden

Ich möchte heute über etwas persönliches sprechen. Nicht nur, weil ich ein wenig über eine unterschätzte Krankheit aufklären möchte, sondern vor allem weil ich Betroffenen Mut machen will, dass es Hoffnung auf Heilung gibt.

Seit meinem zwanzigsten Lebensjahr leide ich an Endometriose. Endometriose ist ein bisschen wie ein gutartiger Krebs. In ihrer schlimmen Form aber greift sie gesunde Organe an. Wahrscheinlich litt ich schon weit früher daran, aber es wurde erst bei einer Bauchspieglung diagnostiziert. Die Eierstock-OP war die erste in einer ganzen Reihe Folgeoperationen. Von da ab vergingen viele Jahre in denen ich mehr oder weniger stark zu leiden hatte. Ich musste zwölf Jahre lang Hormone nehmen, die die Krankheit unterdrückten, mir aber eine jede Menge Nebenwirkungen bescherten. Unteranderem eine Gewichtszunahme von fünfundzwanzig Kilogramm. So richtig schlimm wurde es aber erst, als ich meinen Mann kennenlernte und die Hormonpille absetzte. Bis dahin war es erträglich, aber ab da folgte der Horror. Oftmals war ich nur eine Woche im Monat schmerzfrei. Ohne Schmerzmittel konnte ich während meiner Periode nicht aus dem Haus. Durch den großen Blutverlust war ich manchmal nicht arbeitsfähig. Ich lag einfach nur, wo ich lag. Außerdem musste ich fast jährlich zu einer Bauchspiegelung, um mir Zysten entfernen zu lassen und hatte dadurch viele Verwachsungen.

In meiner Not suchte ich Hilfe bei einem Spezialisten. Zum Glück wusste ich, was ich hatte. Bei vielen Frauen dauert es ewig, bis sie die richtige Diagnose bekommen, weil sich viele Frauenärzte mit Endometriose nicht richtig auskennen. Ich wendete mich also ans Endometriosezentrum in München-Pasing und wurde Patientin von Dr. Theiss. In einer OP 2010 entdeckte er bei mir einen Endometrioseherd am Darm, damals konnte er das aber noch nicht operieren. Ich bekam wieder Hormone, doch die Schmerzen während meine Periode blieben und auch die Darmbeschwerden nahmen zu. Ich ging regelmäßig zur Kontrolle, doch am Ende wuchs der Endometrioseherd im Darm innerhalb von sechs Monaten um fünf Zentimeter. Ich stand kurz vor einem Darmverschluss und musste mich einer erneuten Operation unterziehen.

Dieses mal sollte nicht nur Dr. Theiss dabei sein, sondern auch ein Vizeralchirurg. Dr. Kramer ist unglaublich nett und mein Held, und das nicht nur, weil er aussieht wie John Billingsley, der Schauspieler von Dr. Phlox aus Star Trek Enterprise. Zuvor wurde eine Darmspiegelung gemacht, die sich bei mir allerdings als sinnlos herausstellte, weil der Endometrioseherd meinen Darm so verklebt hatte und man nach zwanzig Zentimetern nicht weiterkam. Zudem legte mir Dr. Theiss nahe, ich solle mir die Gebärmutter entfernen lassen, wegen meiner hochgradigen Endometriose. Es war der einzige Weg, die Krankheit noch in den Griff zu bekommen und weiteren Schaden von meinen inneren Organen abzuwenden. Als kinderlose Frau mit 38 Jahren trifft man diese Entscheidung nicht ganz so leichtfertig.

Die OP war dann für mich eigentlich nur Routine, trotz der Darmbeteiligung. Auch ohne PDA hatte ich überraschend wenig Schmerzen. Die beiden Ärzte haben fast vier Stunden an mir herum geschnippelt und fünfzig Zentimeter Darm entfernt. Außerdem waren meine Harnleiter verwachsen und der Darm hatte sich um die Gebärmutter gewickelt und war angeklebt, den mussten sie erstmal wieder los machen. Nach einer Nacht auf der Intensivstation wurde ich in die Station verlegt und bekam jede Menge Schmerzmittel verabreicht. Ich habe ziemlich dünne Venen und bei mir einen Zugang zu legen und Blut zu nehmen, ist ein echte Herausforderung. Daher hat mir der Zugang mehr Schmerzen bereitet, als mein Bauch. Ich bekam auch recht schnell wieder etwas zu Essen. Die OP war am Mittwoch und am Samstag konnte ich dann schon das volle Essensprogramm bekommen. Weil ich keine Schmerzen hatte, wurde mir auf Wunsch auch der quälende Zugang entfernt und ich bekam nur noch Abends eine Novalgin. Das ist aber nicht die Regel! Sowohl Dr. Kramer als auch Dr. Theiss betätigten mir, dass die meisten Frauen deutlich mehr Schmerzen haben. Warum ich da die Ausnahme darstellte, konnte mir keiner von beiden sagen. Wahrscheinlich war ich nach zwanzig Jahren Endometrioseschmerz einfach nur abgehärtet. Nach sieben Tagen durfte ich wieder nach Hause. Toll an der Klinik in Bogenhausen war, das die schon richtige Hightec-Medizin betreiben. Das heißt, die Schnitte wurden nicht mehr genäht, sondern nur noch verklebt, (da bleiben so gut wie keine Narben) und man brauchte die blöden Thrombosestrümpfe nicht tragen.

Das passierte alles 2012 und ich muss sagen, dass ich den Schritt bis heute nicht bereut habe. Ich habe ein neues Leben geschenkt bekommen, ohne Schmerzen und irgendwelchen Einschränkungen. Zwei Mal im Jahr gehe ich nach München-Pasing ins Endometriosezentrum. Über die Praxis gibt es jetzt auch einen kleinen Film vom Bayrischen Rundfunk, in denen sowohl Dr. Theiss als auch Dr. Kramer zu sehen sind.

Ohne Herz und Moral

Die Verrohung der Gesellschaft schreitet voran. USA: filmend amüsieren sich Teenager über einen Ertrinkenden anstatt ihm zu helfen. Deutschland: auf der A3 pöbeln Gaffer Polizisten an, die sich zur Unfallstelle durchschlagen müssen, weil mal wieder keine Rettungsgasse gebildet wurde. Bayern: da sehen Menschen zu, wie eine junge Syrerin in einen Weiher stürzt und zu ertrinken droht, erst ein kleiner Junge holt Hilfe. Die Frau kann gerade noch gerettet werden und auch da stehen Schaulustige den Rettungskräften im Weg.

Warum tun Menschen sowas? Vor allem sind wir als Gesellschaft schon so verroht, dass wir das einfach akzeptieren? Das wir mitmachen, in dem wir wegsehen? Vielen sind die Klicks bei YouTube inzwischen wichtiger, als das Leben eines Menschen.

Jeder ist sich selbst der Nächste. Es zählt nur noch das eigene Wohl, in einer Umwelt die zunehmend außer Kontrolle gerät. Was wundern wir uns noch, wenn Flüchtlinge attackiert, wenn Alte, Kranke und Schwache vereinsamen. Das Leben der meisten findet doch schon seit langem nur noch im Internet statt. Die Grenzen zwischen Realität und virtueller Welt verschwimmen, Hemmungen fallen wie Barrieren. Werte wie moralisches Denken, gehen im Erfolgsdruck unter. Schulen sind schon lange kein Garant mehr für humanistische Erziehung. Humanisten wie Heinrich Böll würde im Grabe rotieren.

Das einzige was wir dagegensetzen können, ist das Fähnchen der Menschlichkeit hochzuhalten: kleine Gesten, wie ein Bitte oder Danke oder einen freundlichen Gruß einfordern, auch wenn es einem dumm vorkommt. Denn all die herzlosen Idioten müssen begreifen, dass auch sie irgendwann die Hilfe eines anderen brauchen werden.

Visuelle Biografie einer Popikone

For the Love of Spock, die filmische Biografie über Leonard Nimoy von seinem Sohn Adam, erschien vergangenen Herbst in den USA. Jetzt endlich kam die deutsche Fassung auf DVD und Blu-Ray heraus und es war mir eine Pflicht und ein Vergnügen, sie mir anzusehen.

Sehr persönlich und sehr offen berichtet Adam Nimoy über seinen Vater und dessen Lebensweg. Es kommen viele Weggenossen des Spockdarstellers zu Wort. Angefangen von seiner Familie, seinen Schauspielkollegen, Regisseuren und anderen wichtigen Persönlichkeiten, die ihn auf Teilen seines Weges begleitet haben. Man erfährt Näheres über das Familienleben der Nimoys, über die Alkoholsucht des Vaters und die Drogenprobleme des Sohnes, über den Streit mit Paramount, der beinahe dazu führte, das Leonard Nimoy nicht im ersten Star Trek Film mitgespielt hätte. Aber auch über seine Liebe zu den Fans, die er stets ernstgenommen und die er oftmals mehr inspiriert hat, als er sich das vorstellen konnte.

Ich empfinde den Film als eine schöne Hommage an eine eindrucksvolle Persönlichkeit, die das Leben vieler Menschen auf der Welt nachhaltig beeinflusst hat. Mich eingeschlossen.

Für Star Trek-Fans ein absolutes Muss.

Orgie in pastell-bunt

www.imdb.com

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein Blockbuster, dem man die europäischen Wurzeln ansieht.

Die beiden blutjungen Agenten Valerian und Laureline werden während der Erfüllung ihres Auftrages in Ungereimtheiten verwickelt. Daraufhin beginnen sie mit der Suche nach der Wahrheit, an deren Ende die Rettung einer Spezies und die Bestrafung des Bösen steht.

Dazwischen bekommt man als Kinogänger futuristische Orte, bunte Alienmasken und noch buntere Kostüme präsentiert. Technische Gimmicks wirken vertraut und doch irgendwie neu, auch Gesellschaftskritisches schwingt zwischen den Zeilen. Das schöne am Film, es ist mal keine Dystopie die Regisseur Luc Besson inszeniert. Alpha, die Stadt in der tausende Lebensformen friedlich zusammenleben ist trotz Chaos ein funktionierender Organismus, in dem jeder seinen Platz findet.

Ich kenne die Comic-Vorlage nicht, weiß also nicht inwieweit sie angepasst oder verändert wurde. Die Serie läuft ja auch schon seit Ende der Sechziger. Die Geschichte im Film ist reich an Wendungen, wenn auch nicht super originell, aber das war die Handlung von Das fünfte Element seinerzeit auch nicht. Es ist die Detailverliebtheit, die den Film besonders macht. Die androgynen Aliens und besonders ihr Planet Mül haben es mir angetan und ich hätte mir am Ende ein anderes Ende für sie gewünscht. Ein Ende an dem der Planet noch existiert hätte, weil er von den Menschen nur zum Abbau der Energiekugeln missbraucht wurde, und diesen ihn dem gestrandetem Volk zurückgegeben hätten. Das Motiv des Bösewichts für die (eigentlich) sinnlose Zerstörung empfand ich dann doch etwas zu dünn.

Die beiden Hauptdarsteller spielten mit viel Witz und Engagement, waren mir persönlich aber eine Spur zu jung für ihren Posten. Aber vielleicht altern die Menschen in 723 Jahren langsamer und die beiden waren schon viel älter, als sie ausgesehen haben. Man weiß es nicht.

Der Film wird mir dennoch in Erinnerung bleiben und zwar wegen des großen Ganzen. Wegen der Idee einer großen Raumstation, in der vielen Völker des Universums mehr oder weniger friedlich zusammenleben und in dem die Menschen jedem Fremden die Hand reichen. Solche utopischen Botschaften brauchen wir heutzutage mehr denn je.

Der Film ist bunt und pastellig und weniger realistisch animiert, als wir das von amerikanischen Blockbustern kennen. Und endlich wieder ein Streifen bei dem das 3D-Format gerechtfertigt ist.