Christinas Multiversum

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Der Hummer mit den zwei Schwänzen

Das nachfolgende Erlebnis fällt in die Rubrik: Die Abenteuer einer Hobbyredakteurin.

Ende März fragte ich bei Rüdiger Schäfer, dem Atlan-Experten und PERRY RHODAN NEO Exposéautor, nach, ob er nicht eine Story für die Atlan-Ausgabe der SOL schreiben wolle. Er sagte spontan zu, weil er noch um ein paar unfertige Kurzgeschichten auf seiner Festplatte wusste.

Im Juni erhielt ich von ihm eine Datei mit der Geschichte: »Die Farbe des Hummers«. Rüdiger versicherte mir, dass er die Geschichte gerade vollendet hatte und sie noch nirgendwo veröffentlicht worden war. Somit freute ich mich sehr über diesen exklusiven Text eines PR-Autors. Die Leser der SOL würden eine Atlan-Geschichte von einem Profiautor bekommen und das auch noch exklusiv.

Anschließend ging die Geschichte erst durchs Lektorat bei Norbert Fiks und anschließend zu Günter Puschmann ins Layout. Ich schrieb mein Editorial, wobei ich die Geschichte ausdrücklich als exklusives Geschenk von Rüdiger an die Leser der SOL abfeierte. Danach kam sie in Form des fertigen Layouts zu mir zurück zur Schlussredaktion und wurde nochmals von Alexandra Trinley gegengelesen, die die vielen falsch gesetzten Trennstriche anmerkte. Günter führte die Korrekturen aus und ich war guter Dinge.

Zwei Tage vor Drucklegung, machte mich Günter dann in einer kurzen E-Mail darauf aufmerksam, dass die »Die Farbe des Hummers« bereits in der SOL 61 erschienen war. Uff!

Eine Schrecksekunde später, schrieb ich ihm zurück, dass, wenn es so wäre, ich den Text des Editorials ändern müsste. Und ich setzte Rüdiger in Kopie. Der war an diesem Tag gerade von der Exposéautoren-Konferenz aus Rastatt zurückgekehrt und konnte sich das überhaupt nicht erklären. Er versicherte mir, dass er die Datei halbfertig auf seinem Computer gefunden hatte und das Ende erst dieser Tage fertig geschrieben hatte. An die bereits veröffentlichte Version hatte er keinerlei Erinnerung. Deshalb bat er Günter, ihm die Datei zu schicken, was dieser auch umgehend erledigte, inklusive dem fertigen Layout der SOL 61.

Tatsächlich war es dieselbe Geschichte nur länger und mit einem anderen Ende. Rüdiger war einigermaßen baff und haderte mit seinem Gedächtnis, denn nach und nach kamen die Erinnerungen zurück. Er versprach mir hoch und heilig demnächst eine wirklich exklusive Story für die SOL zu schreiben.

Für die SOL 87 aber war es zu spät. Die Datei musste in die Druckerei. Wir konnten die Geschichte nicht mehr austauschen. Ich schickte Günter noch den geänderten Text für das Editorial, den er einarbeitete und dann ging das PDF auch schon auf reisen.

Wenn die SOL 87 also in den nächsten Tagen bei den Lesern eintrifft, dann enthält sie zumindest ein Kuriosum. Eine Kurzgeschichte, die mit einem anderen Ende bereits 2011 in der Ausgabe 61 erschienen ist. Eben ein Hummer mit zwei Schwänzen. Und weil beim Hummer bekanntlich der Schwanz das Beste ist, müssen zwei, doppelt so gut sein. Für Text-Analytiker bietet sich hier die einmalige Chance, zwei ähnliche Geschichten eines PR-Autors miteinander zu vergleichen.

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4 Responses to “Der Hummer mit den zwei Schwänzen”

  1. Juli 27th, 2017 at 14:08

    Norbert Fiks says:

    Kann passieren. Ist aber nicht schlimm. Im Fernsehen wird auch immer alles wiederholt. Freuen wir uns auf Version 3 in der SOL 113.

  2. Juli 27th, 2017 at 14:38

    Rüdiger Schäfer says:

    Soll ich es auf das Alter schieben?
    Oder auf die Meister der Insel?
    Oder habe ich inzwischen so viel geschrieben, dass ich anfange, einiges schon wieder zu vergessen?
    Wenigstens sind die letzten Seiten der Geschichte frisch – und bei Filmen sind „alternate endings“ ja total in.
    Ich werd’s wiedergutmachen …

  3. Juli 27th, 2017 at 15:26

    Oliver Müller says:

    Und im Fernsehen wird nicht mal das Ende geändert. ;-)

  4. Juli 28th, 2017 at 8:25

    Alexandra says:

    Bei den Trennstrichen möchte ich anmerken, dass keiner „was falsch gemacht hat“ oder so. Sondern dass aus unerfindlichen Gründen die Geschichten – und wirklich nur die – auf den PDFs eine ganz eigentümliche Silbentrennung bekommen. Mit den Sachtexten kommt das Programm zurecht.

    Bei der Geschichte möchte ich dann doch was sagen, was ich mir verkniffen hatte, ich sah‘ die ja auch erst im Korrektorat und hatte die Datei vorher nicht gelesen … ich fand die zweite Hälfte sehr anders und wesentlich besser als die erste und fand es ein wenig schade, dass er diese lange erste Hälfte nicht massiv eingekürzt hat oder wenigstens in der Motivik angepasst. Das war so ein Ding aus der Vergangenheit, das dranklebte.

    Wobei ich mir mit der SOL-Vergangenheit wenig denke, weil die 61 ja echt ewig her ist.

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