Buch über Führungskräfte

Quelle: Amazon

Ich entdeckte das Buch bei einer Bekannten im Bücherregal. Sie war so nett und schenkte es mir. Danke Esther!

Simon Sinek ist Brite und ein halbes Jahr älter als ich. Er beschäftigt sich mit Unternehmensberatung und hat Jura und Anthropologie studiert. Er schreibt unteranderem für die »New York Times« und für die »Washington Post«. Und er hat einen sehr unterhaltsamen YouTube-Kanal, auf dem er regelmäßig über aktuelle Themen spricht oder Fragen von Zuschauern beantwortet.

Sein Sachbuch »Gute Chefs Essen zuletzt« hat mich echt mitgerissen. Das ist spannend wie ein Roman. Er zeigt darin auf, was seit den Siebzigerjahren in der Gesellschaft und Wirtschaft schiefläuft und seit wann Firmen Menschen nur noch als Humankapital betrachten und wie man das ändern kann. Er spricht über die Schwächen von Menschen genauso wie über ihre Stärken, dabei geht er auf die Anthropologische Entwicklung ein. Er beantwortet Fragen wie: Durch welche Hormone werden wir gesteuert und wie schlägt sich das in unserer Arbeit und unserem Zusammenleben wieder? Was zeichnet einen Führer aus und wie wird man zur Führungskraft? Wie funktionieren Teams am besten? Und was muss man tun, um von seinen Mitarbeitern Loyalität zu bekommen? Ich fand es sehr interessant zu erkennen, dass wir immer noch genauso ticken wie unsere Vorfahren. Dass wir nach den gleichen Mustern handeln wie vor 10.000 Jahren. Das Anreizsystem ist immer noch das gleiche und kann immer noch dazu führen, dass falsches Verhalten belohnt wird.

Das Schöne an den Ausführungen des Autors ist, dass sie nicht trocken sind, sondern er viel anhand von Beispielen erklärt. Wie z. B. von einem Kampfpiloten, der sich instinktiv über die Regeln hinwegsetzt und seine Kameraden rettet oder von einem Firmenchef, der erkannte, dass seine Angestellten effektiver arbeiten, wenn er sie wie Familienmitglieder behandelt. Er zeigt anhand der »Lehman Brothers«, wie eine Bank durch einen einzelnen Menschen heruntergewirtschaftet wurde und letztendlich ihren Kunden schadete. Und er zeigt am Beispiel des Handelsriesen »Costco«, wie langfristige Investitionen in das Wohl der Belegschaft zu langfristigen Gewinnen führen, unabhängig von der Marktlage.

Das Buch erschien bereits 2014. Inzwischen ist es fast noch aktueller, weil ich durch die Erklärungen von Sinek begriffen habe, wie die Spaltung der Gesellschaft durch die Pandemie passieren konnte und warum Regierungen in aller Welt immer autokratischer werden. Vor allem zeigt er, warum gerade in der Generation Y die Wokeness so verbreitet ist. Die »abstrakte und abgelenkte Generation« (wie Simon Sinek sie nennt) versucht die Welt durch Worte zu ändern und nicht durch Taten, weil das einfacher ist und ihnen schneller Befriedigung schenkt.
Zitat: »Die Generation des »Sehen-und-haben-wollen« weiß, wo sie steht und wo sie hin will; was ihre Vertreter nicht verstehen, ist die Reise, die dazu notwendig ist, die zeitaufwändige Reise … Anstatt viel von sich selbst in wenige Aufgaben zu investieren, investieren sie wenig in viele verschiedene Aufgaben … Ohne genügend Zeit oder Energie aufzuwenden, hat eine Generation, die sich mit Abstraktion abgefunden hat, wirkliches Engagement mit symbolischen Gesten verwechselt.«

Ein großartiges Buch nicht nur für Führungskräfte, sondern auch für Menschen, die verstehen wollen, wo und wann wir als moderne Menschheit falsch abgebogen sind. Das Buch erschien im »Redline-Verlag« und ist im Buchhandel erhältlich.

Burg und Wasser

»Du wolltest doch immer mal auf die Burg nach Stein an der Traun«, schlug mein Mann vor.

Gesagt getan, fuhren wir am Mittwoch in Richtung Altenmarkt. Ich bewundere die Burg jedes Mal, wenn wir daran vorbeifahren. Auf einem Felsen über der Traun gelegen, ist sie weithin sichtbar. Dabei liegt der Großteil der Räume im Berg selbst. Wir beschlossen uns aber nur den oberen Teil anzusehen und auf die Höhlenbesichtigung zu verzichten. Hier verlief über 500 Jahre lang die Landesgrenze zwischen Bayern (Chiemgau) und Salzburg (Rupertiwinkel), bis Napoleon beschloss, das zu ändern.

Ein schmaler fast schon zugewachsener Weg schlängelt sich auf den Berg. Oben kann man rund um die Burg gehen, kommt aber nicht rein, dazu muss man wahrscheinlich die Führung buchen. Ich fand es dennoch schön. Es gibt Bänke und hier und da stehen runde Türme, die der Belüftung der Höhlen dienen. Auf engen Pfaden kann man die teilweise eingestürzten Mauern umrunden, es ist alles sehr zugewachsen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es auf der großen Rasenfläche vor der Burg regelmäßig Veranstaltungen gibt. Laut meinem Mann konnte man früher von oben direkt in der Felswand entlanglaufen. Aber seit vor ein paar Jahren ein Teil des Felsen abbrach und ein Wohnhaus mitsamt seinen Bewohnern unter sich begrub, sind die Wege offenbar gesperrt.

Wir waren an diesem Vormittag die einzigen und hatten bei schönstem Sonnenschein einen super Blick auf die Umgebung. Irgendwann jedoch spuckte eine versteckte Treppe aus dem Untergrund eine Schulklasse mit lärmenden Kindern aus, die an einer der Höhlenführungen teilgenommen hatten. Also gingen wir auf einem vom Regen aufgeweichten Reitweg zurück. Unten am Parkplatz beobachtete ich fasziniert die Fische in einem kleinen Teich.

Hinter Altenmarkt fließen die Traun und die Alz zusammen. Etwa einen Kilometer hinter Stein an der Traun direkt in Altenmarkt befindet sich an der Alz ein Wasserwerk. Wir sind dort schon so oft entlang gefahren, haben es aber nie genau angesehen. Dieses Mal nahmen wir uns die Zeit. Leider kommt man aus Sicherheitsgründen nicht mehr an den Fluss heran, das Gelände ist weiträumig eingezäunt. Die Kaskaden sehen auch nicht ungefährlich aus.

Eigentlich wollten wir danach irgendwo einkehren, leider machen die meisten Restaurants erst am Abend auf. So kauften wir uns auf der Rückfahrt zwei Tiefkühlpizzas und setzen uns auf den Balkon.

Wenn das Schöne liegt so nah

… also warum in die Ferne schweifen.

Da wir diese Woche noch frei haben und wir in einer Urlaubsregion wohnen, haben wir das genutzt, um Orte in der Nähe zu besuchen, an denen wir noch nicht waren.

Am Montag sind wir bei schönstem Wetter nach Laufen gefahren. Das liegt nur 18 Kilometer entfernt an der Salzach. Ich hatte letztens auf der Webseite der Stadt ein Luftbild gesehen und war ganz fasziniert, dass die Stadt direkt an einer Flussschleife liegt.

Wir stellten unser Auto am Rathaus ab und spazierten am Salzachufer entlang, an der Europabrücke vorbei – einem Fußgängersteg nach Österreich –, sammelten Steine am Flussstrand, bewunderten die Kirche hoch über dem Fluss und machten Fotos von der historischen Brücke nach Oberndorf, wo die »Stille Nacht, heilige Nacht« Kapelle steht. Hier wurde das Weihnachtslied zum ersten Mal gesungen.

Inmitten der Salzach verläuft die Grenze nach Österreich. Spaziert man über eine der Brücken ist man in einem anderen Land. Ich finde das immer wieder faszinierend, wenn wir nach Oberndorf zum Einkaufen in den Hofer (dem österreichischen Aldi) fahren. Das haben wir auch dieses Mal gemacht, nachdem wir ein Eis gegessen und durch die Gassen der Innenstadt spaziert sind.

Nach unserem Einkauf (beim Hofer gibt es viel mehr Bioprodukte als beim Aldi) fuhren wir wieder zurück und weil es noch früh am Vormittag war, sind wir in Leobendorf abgebogen zum Abtsdorfer See. Der kleine See liegt sehr idyllisch und man hat hier einen sensationellen Blick auf die Berge. Auf dem Parkplatz und am See war nichts los. Wir waren so gut wie allein. Im Sommer sind die Liegeflächen am See sicher brechend voll.

Eigentlich wollten wir um den See herumfahren, aber die Straßen endeten im Nirvana, also sind wir durch viele kleine Bauernhöfe gefahren, um zurück zur Hauptstraße zu kommen. Mit dem Fahrrad kann man da gut spazieren fahren.

Hier noch ein paar Eindrücke:

 

 

Laden oder nicht laden …

Unser erster längerer Urlaub mit dem E-Auto – ein Erfahrungsbericht.

»Da kann man ja nicht so weit fahren … da muss man ja dauernd stehen bleiben … und was wenn es keine Ladesäule gibt … das kostet doch viel mehr, weil man viel öfter laden muss als tanken«

Das sind die gängigen Argumente, mit denen man als Besitzer eines E-Autos konfrontiert wird. Ich trete mal den Gegenbeweis an. Wir sind in acht Tagen etwa 1400 Kilometer gefahren, haben unterwegs fünfmal geladen, dreimal davon kostenlos. Sprich, wir haben ungefähr 30 Euro für die 1400 Kilometer bezahlt. Und nein, wir haben nirgendwo außerplanmäßig stehenbleiben müssen, weil unser Auto leer war und wir haben auch immer eine funktionierende Ladestation gefunden, wenn wir eine gebraucht haben. Außerdem verbrauchen E-Autos deutlich weniger … vorausgesetzt, man fährt vernünftig und rast nicht.

In der Pfalz und in Baden-Württemberg, zumindest in den Gegenden, in denen wir waren, gibt es nämlich in jedem kleinen Dorf mindestens eine öffentliche  22 kw Ladestation. Die Wanderparkplätze im Pfälzer Wald sind meist mit Ladesäulen ausgestattet. Wenn man will, kann man dort sein Auto laden, so lange man Wandern geht oder irgendwelche Burgen besichtigt. Da haben wir in Bayern noch deutlichen Nachholbedarf. Wenn es in der größten Stadt im Landkreis Traunstein nur eine mickrige öffentliche Ladesäule gibt und auf den umliegenden Dörfern gar keine, kann das nichts werden mit der E-Mobilität. Zumindest einige Hotels haben das Potenzial inzwischen erkannt und bieten ihren Gästen eine Lademöglichkeit (meist gesponsert von Tesla).

Die Ladestationen in den Gemeinden in der Pfalz sind übrigens fast alle von Bund und Ländern gefördert worden. Dass es zu teuer wäre, ist also keine Ausrede. Und inzwischen sind auch die Energieversorger soweit, dass sie die Infrastruktur nach und nach danach ausrichten.

Hier zwei Bilder, die die Unterschiede deutlich zeigen, vielleicht fällt jemandem was auf:

Parkplatz für E-Autos am Bahnhof in Bad Reichenhall (18.530 Einwohner)
Ladestation an einem Wanderparkplatz in Wachenheim (4585 Einwohner)

Wer es nicht gleich sieht. In Bad Reichenhall gibt es zwar einen Parkplatz für E-Autos, aber keine Ladestation.

Hochzeit und so

Wenn man älter wird, ist man zunehmend näher am Wasser gebaut. Zumindest kann ich das für mich sagen. Früher wäre es mir nicht in den Sinn gekommen, bei einer Hochzeit heulen zu müssen. Heute … nun ja … sieht das anders aus. Zum Glück hatten die Brautleute mit Taschentüchern vorgesorgt, wie wir das zu unserer Hochzeit auch schon gemacht haben.

Ansonsten war die Hochzeit und die Feier sehr schön. Es war ein überschaubarer Kreis an Gästen. Es gab nach der Kirche einen Stehempfang. Meine Schwägerin hatte fleißig gebacken und Häppchen gemacht. Das Wetter hätte etwas wärmer sein können. Ich war froh, dass ich eine Jacke dabei hatte. Am Himmel über der Kirche zeigte sich dann auch ein Halo. Hoffentlich ein gutes Zeichen für das Brautpaar.

Witzig fand ich die Idee mit dem Brautstrauß. Da wurden keine Blumen geworfen, sondern ein richtiger Brautstrauß eben. Die Torte wurde für meinen Geschmack etwas spät aufgetragen, nämlich erst gegen 20:30 Uhr. Den Kuchen hätte ich lieber am Nachmittag zum Kaffee gehabt. Aber das warme Abendessen vom Hotel war sehr gut und auch sonst hat alles gepasst.

Mal sehen, wann und wer als nächstes von den vielen Nichten und Neffen meines Mannes heiratet.

Zwischenstopp Neu-Ulm

Am Freitag den 27.5. hieß es Abschiednehmen von Deidesheim. Doch bevor wir abreisten, deckten wir uns beim hiesigen Winzerverein noch mit Wein ein. Nicht, dass wir große Weintrinker wären, aber man braucht ja das eine oder andere Mitbringsel.

Vom Hotel Ketschauer Hof waren wir begeistert. Das hatte alles Stil. Das Personal war unaufdringlich aber stets freundlich und zuvorkommend. Wir konnten kostenlos unser Auto laden und an der Qualität der Speisen und Getränke kann man bei einem Restaurant mit Michelin-Stern ohnehin nicht meckern. Abends gab es immer ein süßherbes Betthupferl, sprich eine handgemachte Praline, die kalt serviert wurde. Man merkte dem Aufenthalt die höhere Preisklasse des Hotels an.

Wir wohnten übrigens im Nebenhaus direkt über der Showküche. Dort fanden und finden Kochseminare statt. Die Ausstattung der Zimmer ist modern, abgesehen von der Beleuchtung. Hier müsste mal auf LED umgestellt werden. Ob man die KNX-Schalter unbedingt braucht und ob es sinnvoll ist, mehrere Funktionen auf einem Schalter unterzubringen und den dann so klein zu beschriften, dass man eine Brille braucht, um zu erkennen, wo man nun das Licht ein oder ausschalten kann, sein dahingestellt. Auch dass im Bad ständig die Fußbodenheizung an war, sollte man im Zuge der Energieeffizienz mal überdenken. Aber im Großen und Ganzen hat alles gepasst.

Gegen 11 Uhr reisten wir ab und wollten im Besucherzentrum bei Mercedes in Wörth Mittagessen. Leider hatte das Restaurant wegen des Brückentags geschlossen. Aber wir haben uns kurz das Besucherzentrum angesehen und die Trucks bewundert, die kurz vor der Auslieferung an ihre Fahrer standen. 500 Zugmaschinen werden jeden Tag im größten LKW-Werk der Welt produziert.

Wir fuhren weiter Richtung Ulm und nutzten den Stau bei Pforzheim, um von der Autobahn abzufahren und kurz was zu essen. Anschließend lotste uns das Navi durch die Innenstadt von Pforzheim. Formulieren wir es mal so: es gibt schönere Städte.

Nach einem kurzen Stopp in Ulm-Lehr, wo wir unsere Klamotten für die Hochzeitsfeier abholten, fuhren wir nach Finningen ins Hotel Hirsch. Hier findet am Samstag die Hochzeitsfeier von Wilfrieds Nichte statt. Eigentlich wollten wir im Hotel zum Kaffee ein Stück Kuchen essen, aber das gab es leider nicht. Das ist uns schon während der letzten Tage aufgefallen. So ein richtiges Café, in dem es auch Kuchen gibt, scheint aus der Mode gekommen zu sein. Überall wo wir waren, gab’s höchstens Apfelstrudel mit Eis. Kaffee und Kuchen scheinen out zu sein. Jedenfalls war ich durch die Autofahrt so müde, dass ich erstmal eine Stunde geschlafen und den restlichen Abend im Hotelzimmer vergammelt habe.

Ich merke an dieser Stelle an, dass in einem 4-Sterne-Hotel in Bayern kein MDR im Fernseher einprogrammiert ist. Gut, den NDR gab’s auch nicht. Aber ich finde das in Zeiten wie diesen schon ein bisschen fragwürdig, wenn man das iPad braucht, um seine Lieblingssendung (ETC) am Freitagabend zu sehen. Gleichfalls merke ich an, dass die Innenarchitekten, die das Hotel eingerichtet haben, den Leitspruch »form follows function« nicht verinnerlicht haben. Flokati-Teppiche an den Wänden sehen vielleicht cool aus, sind aber ein Staubfänger sondergleichen. Und Pendelleuchten neben dem Bett sind nicht wirklich zum Lesen geeignet, auch wenn sie überdimensioniert sind. Ich frage mich ja ernsthaft, ob es tatsächlich jemanden gibt, der einen leuchtenden Hirsch über dem Bett schön findet. Ach so, es hilft der beste Verdunklungsvorhang nicht, wenn die Tür zum Bad aus Glas besteht und es dort ein Fenster ohne Jalousie gibt.

Speyer und Filmmuseum

Es war ein trüber Morgen und vergleichsweise kühl. Wir hatten uns vorgenommen nach Speyer zu fahren. Weil wir bisher nur im Technikmuseum gewesen waren, wollten wir uns endlich mal die Innenstadt und vor allem den Dom anschauen. Auf dem Parkplatz am Dom musste ich dann nicht nur eine, sondern zwei Jacken anziehen, so kalt blies der Wind. Auf dem Parkplatz standen 16 Mannschaftswagen der Polizei und die Beamten machten Pause.

Wir waren kaum ausgestiegen, kam ein Polizist zielstrebig auf uns zu. Weil noch andere Autos rechts und links von uns parkten, nahm ich an, dass er etwas über unser E-Auto wissen wollte … und richtig. Er fragte, ob wir ihm ein paar Fragen beantworten möchten, weil er sich auch eins kaufen will. Mein Mann, der schon gedacht hatte, dass wir irgendwas falsch gemacht hatten, entspannte sich sichtlich und gab Auskunft. Ich finde das interessant, seit wir das E-Auto haben, kommen wir immer wieder mit anderen Autofahrern ins Gespräch, sei es an der Ladesäule oder auf Parkplätzen. Übrigens, die Hundertschaft der Polizei war wegen eines Drittligaspiels angereist. Der junge Mann opferte also seinen Feiertag, weil sich ein paar Fußballfans nicht normal benehmen können. Wir leben schon in einer traurigen Welt.

Bei kräftigem Wind folgten wir den Touristenströmen in Richtung Dom. Der Dom von Speyer ist ein imposantes Bauwerk, auch wenn wir ihn nicht von innen gesehen haben (es war Himmelfahrts-Gottesdienst). Und es ist nicht die einzige Kirche in Speyer. Bei durchwachsenem Wetter spazierten wir durch die Stadt und machten sozusagen »Kirchen-Hopping«. Ich bin ein Fan von gotischen Kirchenhäusern, daher gefiel mir die Gedächtniskirche am besten. Zwischendrin legte sich der Wind und es wurde etwas wärmer. Ich konnte zumindest eine der Jacken ausziehen. Doch im Vergleich zum Vortag ließ uns das schöne Wetter im Stich. Viele Himmelfahrtsausflügler schien das nicht zu stören, die Stadt war voll mit Leuten. Wir machten dann noch einen Abstecher in die Altstadt bevor wir wieder zurück nach Deidesheim fuhren und dort leckeren Flammkuchen verspeisten.

Danach stand ein geplanter Museumsbesuch an. Das Deutsche Museum für Foto-, Film- und Fernsehtechnik hatten wir am Montag in Deidesheim entdeckt. Es liegt etwas versteckt in einer Seitengasse und sieht absolut nicht so groß aus, wie es von innen ist. Als jemand, der sich seit seiner Lehre und später im Studium mit Medientechnik befasst hat, für denjenigen ist das Museum ein absolutes Muss. Ich glaube, es gibt keine Kamera, keinen Projektor und kein Tonbandgerät, was hier nicht ausgestellt ist. Beeindruckend ist vor allem die Fotoabteilung bestehend aus jeder Menge Vitrinen mit unzähligen Kameras, von den ersten Plattenkameras bis zur Highend-Digitalkamera.

In dem alten Gewölbe versteckt sich aber noch mehr. Die Abteilung im Erdgeschoss zieht sich durch mehrere Räume und beherbergt die Film- und Fernsehabteilung. Unteranderem gibt es eine ganze Vitrine mit Kameras meines ehemaligen Arbeitgebers ARRI. Ich war jedenfalls hin und weg von den unfassbaren Werten, die dort ausgestellt sind. Leider ist das Museum so gut wie unbekannt, das hat auch der ältere Herr an der Kasse bedauert. Also wer sich für Film- und Fototechnik interessiert, besonders für den Amateurbereich, der sollte nach Deidesheim fahren und sich die Ausstellung unbedingt ansehen.

Inzwischen war das Wetter wieder wunderbar klar und warm, deshalb ließen wir bei einem Spaziergang den Tag ausklingen. Im Anschluss noch ein paar Eindrücke.

Von der Burgruine zu PERRY RHODAN

Der Turm der Ruine Wachtenburg

Am Mittwochvormittag haben wir unseren Besuch der Burgruine in Wachenheim nachgeholt. Bei schönstem Sonnenschein und blauem Himmel. Der Aufstieg war recht anstrengend aber kurz. Auf den Turm bin ich aber nicht geklettert, das überlasse ich meinem Mann. Früher hat mir sowas nichts ausgemacht, aber je älter ich werde, desto schlimmer wird meine Höhenangst. Der Ausblick war aber auch von unten sehr schön. Man konnte bei klarem Himmel bis nach Speyer blicken. Zwischen den Steinen der alten Mauern jagten sich die Eidechsen. Die Sonne schien in den Wald. Es war richtig romantisch als wir zum Auto zurückwanderten.

Klaus N. Frick und ich im Marketingbüro

Wenn ich schon mal in der Nähe bin, sollte ich auch mal im Verlag vorbeischauen, dachte ich mir. Die PERRY RHODAN-Redaktion in Rastatt darf auch wieder Besuch empfangen. Also machte ich einen Termin für Mittwoch den 25.5. aus. Unterwegs hielten wir noch in einer Konditorei in Neustadt an der Weinstraße, um Kuchen zu kaufen. Schließlich wollte ich nicht mit leeren Händen kommen. Es sind etwa 80 Kilometer von Deidesheim bis Rastatt und der Verkehr, besonders rund um Karlsruhe, war recht dicht. Trotzdem waren wir eine Viertelstunde früher da als verabredet und warfen damit die Pläne von Chefredakteur Klaus N. Frick über den Haufen, der noch schnell eine E-Mail schreiben wollte.

Klaus N. Frick, Madlen Bihr und Katrin Weil

Wir bekamen die große Tour durch die neuen Redaktionsräume, die übrigens sehr ansprechend sind und die, wenn irgendwann alle Umzugkartons verstaut sind, auch repräsentativ sein werden. Katrin Weil und Madlen Bihr kamen gerade vom Mittagessen zurück und wir setzten uns alle auf die große aber etwas kahle Außenterrasse. Bei Kaffee und Kuchen besprachen wir Details zu vergangenen und zukünftigen Projekten der PERRY RHODAN-FanZentrale, über Cons im Allgemeinen und die bevorstehenden PERRY RHODAN-Tage Braunschweig im Besonderen. Die Zeit verging, und nach zwei Stunden gingen die Mitarbeiter der Redaktion wieder an die Arbeit und wir machten uns auf den Heimweg.

Blick auf Deidesheim und Umgebung

Da ich außer dem Kuchen den ganzen Tag über nichts gegessen hatte, war ich entsprechend hungrig als wir wieder im Hotel waren. Ich studierte online die Speisekarten der Restaurants in Deidesheim, die übrigens ziemlich zahlreich sind. Wir entschieden uns für ein Lokal mit pfälzischer Küche und wurden nicht enttäuscht. Gutes Essen zu fairen Preisen mit schneller und freundlicher Bedienung, was will man mehr.

Beim anschließenden Abendspaziergang entdeckten wir noch zwei Mammutbäume, die in einem Park in Deidesheim wachsen und von denen der größere bereits 1880 gepflanzt worden war. Der Baum ist inzwischen 30 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 1,80 Meter. Fotos liefere ich nach.

Anschließend noch ein paar Impressionen von der Ruine Wachtenburg.

Gendern ist diskriminierend und sexistisch

Danke, Danke, Danke an Nele Pollatscheck, die übrigens ein richtiger Trekkie ist, für ihren Artikel über das Gendern im Tagesspiegel.

Ich rege mich deswegen so über das Thema auf, weil die Deutsche Bahn gestern wieder den Vogel abgeschossen hat. Da tauchte in einem Tweet tatsächlich das Wort »Reisendenlenker:innen« auf. Liebe Deutsche Bahn, seid ihr jetzt komplett gaga? In der Vergangenheit musste ich denglische Wörter wie »Infopoint« und »Servicepoint« ertragen. Nun sind es Begriffe, die schon ein deutscher Muttersprachler nur schwer erfassen und verstehen kann, wie muss es da jemandem gehen, der Deutsch nur als Fremdsprache erlernt hat? Ja, das ist auch eine Form der Diskriminierung.

Wenn ich als Frau einen gegenderten Text lese, geht mir jedes Mal der Hut hoch. Abgesehen von der sprachlichen Ästhetik fühle ich mich auf mein Geschlecht reduziert. Dabei sollte es um Gleichberechtigung gehen. Jeder soll gleich behandelt werden. Wenn ich aber jedes Mal das Geschlecht eines Menschen hervorhebe, dann bedeutet das eine Sonderbehandlung. Dann erhöhe ich den einen auf Kosten des anderen. Dann bedeutet das, dass der Mensch nur nach seinem Geschlecht beurteilt wird und nicht nachdem, was er ist oder kann. Es spaltet die Gesellschaft, denn jedem der da nicht mitmacht, wird die Moral aberkannt.

Es ist tödlich für eine starke Gemeinschaft, die unter politischem und neoliberalem Druck steht, wenn jeder nur für sich selbst und seinesgleichen kämpft. Ohne einen geschlossenen Widerstand kann sich der Turbokapitalismus immer schneller und weiter ausbreiten, die Ungerechtigkeit weiter fortsetzen und immer mehr Menschen in Armut treiben. Das Einzige was sich dem entgegensetzen kann, ist eine starke Gemeinschaft in der jeder zugunsten der Gemeinschaft seine persönlichen Belange zurückstellt und für die gemeinsame Sache kämpft. Nur so funktioniert Gleichheit. Und nicht in dem man Frauen oder Transsexuelle Personen in Texten sichtbar macht, in dem man sie auf ihr Geschlecht reduziert. Das hat noch keiner Frau geholfen, gleiches Geld für gleiche Arbeit zu bekommen, oder einen Posten im Aufsichtsrat.

Darüber zu reden ist leicht, etwas aktiv dagegen zu tun, ungleich schwieriger. Es kostet Mühe und Zeit, die viele, der sich moralisch überlegen fühlenden, Genderbefürworter nicht aufwenden wollen.

Worms

Gestern Vormittag sind wir nach Bad Dürkheim gefahren, das ist nur ein paar Kilometer entfernt. Wir haben auch schnell einen Parkplatz am Bahnhof gefunden und sind dann in Richtung Stadtkern gelaufen. Wir haben den Toskana-Garten angeschaut und einen Blick in den Kurpark geworfen. Mehr war nicht möglich, weil dort gerade Abwasserrohre verlegt werden.

Dann wollten wir gemütlich durch die Innenstadt bummeln, aber da wurde gerade für ein Weinfest aufgebaut. Überall standen Buden oder Zelte herum, Lieferwagen verstopften die wenigen freien Straßen. Ständig musste man aufpassen, dass man niemandem im Weg war. Kurzum, es war kein Genuss, man hat auch nicht wirklich viel gesehen vom Ort. Dann kam Wind auf und die Sonne ging weg. Wir sind wieder zum Auto und wollten vom Parkplatz fahren, haben aber den Automaten nicht gefunden. Der war in einem der vielen Parkhäuser versteckt, die drumherum standen. Das findet echt nicht jeder. Kaum waren im Auto, fing es an zu regnen. Die Besichtigung einer Burgruine musste buchstäblich ins Wasser fallen. Dafür haben wir uns im REWE mit belegten Semmeln und Wasser eingedeckt.

Nach dem Mittag sind wir dann nach Worms aufgebrochen. Wir hatten uns mit einem PERRY RHODAN-Fan verabredet, der in Worms lebt. Er führte uns durch die Nibelungenstadt in der es reichlich Kirchen und einen Dom gibt. Sowohl den Dom haben wir besichtigt als auch den jüdischen Friedhof, auf dem es Gräber gibt, die fast 1000 Jahre alt sind. Ein älterer Herr hat uns und einem Ehepaar ganz spontan einiges über den Friedhof erzählt, unteranderem vom aronitischen Segen. Davon hat Leonard Nimoy sich den vulkanischen Gruß abgeschaut.

Anschließend waren wir noch einen Kaffee trinken und haben ein bisschen geschwatzt. Bevor wir gegen 17 Uhr wieder zurückgefahren sind.