Apokalyptisch gute Kneipentour

The-worlds-end-logoGestern Abend gab’s mal wieder Fernsehen aus der Konserve, was soviel heißt, das wir uns eine Blu-ray aus dem umfangreichen Angebot unseres Wandregals reingezogen haben.
„The World’s End“ stammte aus der letzten „4 für 3 Aktion“ vom Müller Drogeriemarkt. Wir hatten den Film unteranderem deshalb mitgenommen, weil der Hauptdarsteller, Simon Pegg, für seine tollen Komödien bekannt ist, außerdem spielt er ja den Scotty in den beiden neuen Star Trek Filmen. Neben ihm tauchen im Film auch noch so bekannte Namen auf, wie Martin Freeman (Sherlock, Hobbit), Nick Frost (Paul-Ein Alien auf der Flucht) und in einer kleinen Nebenrolle Pierce Brosnan. Ich schicke mal vorweg, das sich die Anschaffung auf jeden Fall gelohnt hat. Übrigens passt der Film herrlich zu Halloween. Nicht, dass ich dem Fest etwas abgewinnen könnte, aber man kommt dem Hype ja nicht aus.

Und wie rezensiert man diesen Film nun ohne zu Spoilern? Keine Ahnung, aber ich versuche es trotzdem.

Es beginnt mit einem Rückblick auf die Sauftour einer Gruppe Teenies. 12 Pubs an einem Abend und in jedem sollte mindestens ein Bier gezischt werden. Natürlich geht das total in die Hose, weil die meisten alsbald versacken. Für den Leader der Truppe Gary King (Simon Pegg) war es dennoch die beste Nacht seines Lebens. Nie erwachsen geworden, will er es nun mit 40 nochmal wissen. Er trommelt die alte Clique zusammen, die alle außer ihm längst im bürgerlichen Leben angekommen sind und sie fahren gemeinsam in die Heimat. Dort begeben sie sich auf die „Goldene Meile“ von Pub zu Pub, doch irgendwann ist bei den Freunden die Luft raus.
Bis dahin dachte ich OK: Saufen, provozieren, Frauen anbaggern und Blödsinn anstellen, das klingt wie „Peter Pank“, riss mich aber nicht wirklich vom Hocker. Und dann passierte etwas völlig Unerwartetes. Ich saß mit offenen Mund da und staunte. Denn das was ich sah, war so abgedreht, das es keine Worte dafür gibt. Der Film entwickelte sich in eine völlig andere Richtung und erinnerte mich stark an eine Mischung aus „From Disk Till Dawn“ und „Matrix“. Jetzt weiter zu erzählen, wäre ungut, weil es potentiellen Zuschauern die Spannung nehmen würde. Ich verrate nur so viel, das der Film in Richtung SF abgleitet und rate jedem, einfach anschauen und wundern. Der britische Humor gemischt mit rasanter Action und intelligentem Witz ist mehr als sehenswert.

Dank für den Punk

DankPunkKlaus N. Frick „Vielen Dank, Peter Pank“

Ehrlich gesagt, hätte ich nie gedacht, dass ich mich mal mit dem Thema Punk auseinander setzen würde. Ganz ehrlich, jeder der mich kennt, wird jetzt mit dem Kopf schütteln: Was denn, du und Punk? Als die stets angepasste, brave Tochter, in der Schule als Streber verschrieen (obwohl ich dort nie einen Finger krumm machen musste), bin ich das genaue Gegenteil eines Punkers. Obgleich in den Achtzigerjahren aufgewachsen, tangierte mich diese Szene kaum. Wahrscheinlich hatte ich keinen Grund zu Protest oder war einfach nur zu feige dafür. So kommt es, das ich mich erst jetzt, 30 Jahre später, dem Phänomen oder besser dieser Weltanschauung widme. Und das kam so…
Immer wieder trifft man im Leben auf interessante Menschen, deren konträres Weltbild, das Eigene auf den Kopf stellt. So ähnlich ging es mir. Dabei wollte ich doch nur den E-Book Auszug eines gewissen Chefredakteurs lesen, einfach so aus Neugier. Völlig fasziniert, habe ich mir dann die beiden Bücher bestellt (allerdings als Printausgaben, ich lese halt gern auf Papier) und was soll ich sagen…

…da eröffnen sich neue unbekannte Welten, um es mal ganz pathetisch auszudrücken.
Dabei rede ich nicht einmal davon, wie man Zigaretten klaut oder einen explosiven Molotowcocktail bastelt. Wissen, das ich hoffentlich niemals brauchen werde. Vielmehr faszinierte mich die Ziellosigkeit des Protagonisten, die beinahe ansteckend ist. Da sind Gedanken und Handlungen beschrieben, die mir so fremd sind, als würden sie von einem Außerirdischen stammen. Allein die Menge an Alkohol die Peter Pank innerhalb des kurzen Zeitraums konsumiert… ich glaube so viel Hochprozentiges habe ich in meinem ganzen Leben nicht getrunken. Irgendwann beschleicht einen die dumpfe Befürchtung, dass der eigene Alkoholspiegel im Blut allein durchs Lesen ansteigen könnte.
Richtiggehend fertig war ich aber nach der Erzählung über die Pfingstschlacht von Wackersdorf. Ehrlich, ich habe das damals zwar irgendwie mitbekommen, aber erst heute wirklich begriffen, was da passiert ist. Es liest sich so echt, als stünde man direkt vor Ort. Das war schon ein bisschen gruselig.
Gegen Ende des Buchs läßt die Faszination dann ein klein wenig nach. Letztendlich verliert sich die Handlung zwischen ständigem Saufen und den vergeblichen Versuchen Frauen anzubaggern. Lichtblicke sind da nur die eingestreuten Erinnerungen von Peter Pank, die, wie ich finde, meist amüsanter und mitreisender formuliert sind als die Rahmenhandlung. Aber ich glaube, dass das vom Autor so beabsichtigt ist, um die zunehmende Sinnlosigkeit in Peters Leben zu demonstrieren.
Besonders mag ich an dem Roman die freche direkte Sprache, die nichts beschönigt und auch unangenehme Dinge beim Namen nennt, angenehme übrigens auch. (Die Sexszenen fühlen sich durchaus echt an.) Diese Unbekümmertheit passt so hervorragend zum Thema, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie man die Geschichte anders hätte erzählen können. Dabei habe ich mich beim Lesen sehr oft gefragt, wie viel autobiographisches in den Geschichten steckt, aber das wird und sollte wohl besser Geheimnis des Autors bleiben.
Was am Ende zurückbleibt, ist die Erkenntnis, das die Lebenseinstellung Punk zwar mit der Musik verbunden ist, diese alleine aber aus einem Menschen noch keinen Punker macht.

Im Nachhinein bin ich KNF dankbar für seinen kleinen Einblick in die Welt von Peter Pank. Es war eine durchaus aufschlussreiche Erfahrung. Nur an eines werde ich mich ganz sicher nicht gewöhnen – die Krachmusik.

Ich freue mich schon darauf, bald mit Peter Pank nach Avignon zu reisen („Peter Pank: Chaos en France“), doch zuvor muss ich erst noch die „Schrecken der Hohlwelt“ (PR-Silberband 22) über mich ergehen lassen.

Maximum Warp – Unterhaltsam und vielschichtig

MaxWarpSeit dem der CrossCult Verlag die Herausgabe der Star Trek Romane in Deutschland übernommen hat, sind schon wieder einige Jahre ins Land gegangen. Inzwischen sind ca. 70 Romane bei CrossCult erschienen.
Maximum Warp ist jedoch nicht als Nachschlagewerk aller erschienenen Bücher gedacht, da einige zwar erwähnt, aber nicht alle auch ausführlich beschrieben werden. Vielmehr versucht der Herausgeber mit dem Sachbuch einen kurzen Überblick über die Romane in der Zeit nach dem letzten Kinoabenteuer von Picard und Co zu geben und dabei Licht ins Dunkel der Weiterentwicklung von Star Trek in Buchform zu bringen. Ohne dabei zu viel über deren Inhalt zu verraten. Was gar keine so leichte Aufgabe ist, denn wir sprechen immerhin von drei Serien die fortgeführt und drei Neue die gestartet wurden und die alle ein einheitliches Universum abbilden.
Doch das ist bei weitem nicht alles, was dieses Buch dem Leser bietet. Einfühlsam wird versucht Ereignisse und Besonderheiten der Charaktere in einer sozialphilosophischen Sicht zu schildern, die vielleicht nicht jedem liegen wird, mir aber durchaus gefallen hat. Gemischt mit Interviews, Erläuterungen zu einzelnen Aspekten der jeweiligen Serie und ihrer Entstehungsprozesse sowie kurzen Inhaltsangaben entsteht so ein kurzweiliges Mosaik an Informationen.
Auch wenn der eine oder andere Artikel bereits irgendwo erschienen ist, werden sowohl eingefleischte Kenner, als auch unbelesene Neulinge gut unterhalten. Hin und wieder hätte man ein paar Wiederholungen kürzen können, aber das tut dem Lesefluss keinen Abbruch. Dabei gelingt es auch Leser, die die einzelnen Reihen noch nicht kennen, neugierig zu machen, ohne dabei zu viel zu verraten. So kann man sich schon im Voraus entscheiden, was gefällt und was nicht.
Die Timeline am Ende hätte ich mir ausführlicher und für alle angesprochenen Serien gewünscht. Aber das soll kein Grund zur Kritik sein.

Mich persönlich haben die Interviews mit den Star Trek Autoren am meisten angesprochen. Es ist schön zu erfahren, was für ein Mensch dahinter steckt und wie er zum Autor geworden ist.

Fazit: Empfehlenswert sowohl für Neueinsteiger als auch für Altleser. Einzige Einschränkung: Star Trek Fan sollte man schon sein.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass Autor Christian Humberg auf der diesjährigen FedCon „Maximum Warp“ gratis abgegeben hat, sofern man seine Bücher „Geek, Pray, Love“ und „Sorge dich nicht, Beame“ gekauft hat. Ob Herausgeber Julian Wangler das wusste? Nun ich kenne Julian ganz gut, aber ich habe es ihm dennoch nicht verraten. :)

Stories und mehr

Es ist an der Zeit an dieser Stelle etwas Werbung für die Perry-Rhodan-Fan-Zentrale e. V. (kurz PRFZ) zu machen.

Bisher war ich ja eher im Star Trek Universum aktiv, leider entwickelt sich das momentan in eine Richtung, die mir nicht so gefallen will. Und da ich schon als 16-18 jährige gern Perry Rhodan gelesen habe, bin ich jetzt quasi wieder nach Hause zurückgekehrt.
Den diversen Star Trek Fanclubs habe ich in den vergangenen Jahren aus unterschiedlichsten Gründe den Rücken gekehrt. Der OSTFC wurde mir zu kommerziell und das Star-Trek-Forum hat sich leider wie so viele kleine Clubs Ende der Zweitausender aufgelöst.
Seit Mitte des Jahres bin ich nun Mitglied der PRFZ, wo ich sehr freundlich aufgenommen wurde. Weil die PRFZ auch Nachwuchsautoren eine Chance gibt, ihre Werke einem größeren Publikum zu präsentieren, war die PRFZ meine erste Wahl.
Neben der aktuellen Ausgabe der SOL, bekam ich als Begrüßungsgeschenk noch einen Storyband, über den ich mich wirklich gefreut habe. Dort sind neun sehr schöne Geschichten drin, von Autoren, die inzwischen zu den Perry Rhodan Stammautoren gehören. Auch die Illustrationen und das Farbcover gefallen mir sehr gut und erinnern mich etwas wehmütig an die Starbase Ausgaben des Star Trek Forums. Eine Geschichte hat mir besonders gut gefallen und zwar die von Rüdiger Schäfer. Weil es genau die Art von Geschichte ist, die ich wahrscheinlich selbst geschrieben hätte. Außerdem kommt mir sein Erzählstil sehr entgegen. Ich möchte fast sagen, das er, obwohl er erst sehr wenige PR-Romane verfasst hat, inzwischen zu meinen Lieblingsautoren zählt. Aber dazu mehr, wenn ich die Stardust-Reihe rezensiere.

Inzwischen habe ich noch weitere Romane aus dem Shop der PRFZ bestellt, einen davon habe ich HIER bereits besprochen. Weitere werden sicher folgen.

Kurzum ich finde es schön, dass es in unserer Konsumgesteuerten Welt noch solche von Fans organisierten Clubs gibt, dass es Menschen gibt, die ihre Freizeit für ihr Hobby und das anderer opfern. Leider werden es immer weniger.

Lieblingsbücher

Im Blog-Profil eines Freundes entdeckte ich letztens, die Auflistung seiner Lieblingsbücher. Nun denke ich seit ein paar Tagen darüber nach, welches eigentlich meine Lieblingsbücher sind. Ich kann mich irgendwie nicht genau festlegen, weil mir jedes Buch, das ich gerade lese, am Herzen liegt. Ich kann nur sagen, welche Autoren mich bis heute begleitet haben.

Angefangen hat alles mit Wilhelm Busch. Ich war und bin noch heute von seinen Zeichnungen fasziniert. Meine Oma hat mir damals immer die Geschichten vorgelesen, so oft, dass ich sie bald auswendig konnte und meine Umgebung mit meinen „Lesekünsten“ verblüffte. :) Da war ich 5.

Später in der Schule mit 9 bis 12 Jahren las ich Karl May. Anfangs war ich irritiert, dass der Inhalt der Romane nichts mit den bekannten Filmen gemein hatte. Dennoch packten die Romane mich so sehr, dass ich alles las, was die Bibliothek über Karl May hergab. Meist musste man mir die Bücher wegnehmen, damit ich mich an den Tisch gesetzt habe, um etwas zu essen. Heute kann ich dem Stil von Karl May nur noch sehr wenig abgewinnen.

Durch den Film „Die Römerin“ mit Gina Lollobrigida kam ich mit 13 schließlich zu Alberto Moravia, von dem ich beinahe alles gelesen habe, was es zu jener Zeit gab. Durch ihn entdeckte ich auch mein Faible für erotische Literatur. Starke Frauenfiguren waren sein Markenzeichen und er verstand es sehr gut sie zu charakterisieren.

Nebenher las ich vor allem Perry Rhodan und Star Trek, bis ich mit Anfang 20 Ken Follett für mich entdeckte. Ich mag seine gut recherchierten Romane, egal ob sie in der Gegenwart oder der Vergangenheit spielen. Einer meiner Lieblingsromane von ihm ist: „Die Kinder von Eden“ über eine Hippie-Kommune in Kalifornien.

Irgendwann schenkte mir eine Freundin zum Geburtstag einen Katzenkrimi von Rita Mae Brown und seitdem habe ich keines ihrer Bücher verpasst. Ich gebe zu, nicht alle ihre Romane sind gut, aber die meisten haben mich hervorragend unterhalten.

Natürlich habe ich dazwischen auch immer wieder Romane anderer Autoren gelesen, meist inspiriert durch die Leseproben in der Bahnmobil. Andreas Eschbach („Solarstation“), Marc Elsberg („Blackout“) und Jan Weiler („Maria ihm schmeckts nicht“, „Antonio im Wunderland“) gehören ebenso dazu, wie die Sachbücher von Bastian Sick („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“), den ich auf Grund seines Fachwissens über die deutsche Sprache sehr verehre.

Überhaupt lese ich sehr viel Fachliteratur vor allem im Bereich Astronomie und Physik. Ich verdanke es meinem naturwissenschaftlichen Studium, das mir die Tür dazu geöffnet hat. Auch hier habe ich einen Lieblingsautor: James B. Kaler, dessen Buch „Sterne und ihre Spektren“ zu meinen absoluten Favoriten zählt.

Durch das Schreibseminar in Wolfenbüttel habe ich nun von George Simenon erfahren, der vor allem durch seine Maigret Romane bekannt wurde. Ich habe ein paar seiner Nicht-Maigrets bestellt, die ich in der nächsten Zeit lesen werde. Ich werde an dieser Stelle darüber berichten, wie sie mir gefallen haben.

Die Welt ohne uns

welt_ohne_uns_bigEs gibt ein paar Bücher die mich nachhaltig beeinflusst haben. Ganz oben auf dieser Liste steht: „Die Welt ohne uns“ von Alan Weisman. Es ist zwar schon ein paar Jahre her, das ich es gelesen habe, aber vieles davon ist tief in mir hängen geblieben.

Alan Weisman ist Wissenschaftsjournalist und beantwortet in diesem Sachbuch Fragen wie: Was würde passieren, wenn die Mensch plötzlich von der Erde verschwinden? Wie schnell erobert die Natur alles zurück und welche Spuren unserer Zivilisation werden bleiben?
Dabei widmet er sich in 19 Kapiteln vielen Themen, die jeden Zweig der Wissenschaft, von Biologie, Chemie, Physik über Geologie bis hin zu Geschichte und Sozialwissenschaften anreißen. Allein die Fülle an interdisziplinären Informationen macht das Buch zu etwas besonderem. Weisman hat sehr gut recherchiert und bringt die fundierten Kenntnisse mit einfachen Worten an den Leser. Er verbindet geschickt Geschichte und Gegenwart, um zu beschreiben, was wäre, wenn es die Menschen plötzlich nicht mehr gäbe. Manchmal holt er sehr weit aus und legt gnadenlos dar, was wir mit unserer Erde bereits angestellt haben und noch anstellen. Ob es unser Umgang mit radioaktivem Abfall ist, unsere Gier nach Öl oder auch nur die Verwendung von Polymeren in Peelings, die das Plankton im Meer bedrohen, umfassender habe ich nie zuvor über den zerstörerischen Einfluss des Menschen gelesen. Dabei bleibt Weisman stets objektiv. Er berichtet nur, er wertet nicht. Das überlässt er allein dem Leser. Am Ende des Buches kommt man beinahe zu dem Schluss, dass die Erde ohne uns Menschen weitaus besser dran wäre.

Ich bin ja der Meinung, das dieses Buch zur Standardliteratur in Schulen gehören sollte. Weil es darüber aufklärt, was wir falsch machen (und falsch gemacht haben) und wie wir Dinge positiv verändern können. So gesehen ist es nicht nur eine Dokumentation darüber, wie die Welt ohne uns aussehen würde, sondern vielmehr ein Leitfaden darüber, was wir dafür tun können, damit auch noch die nächsten Generationen auf unserer Welt leben können.

Herzkino

Unbeugsame
Quelle: ZDF

Ich gebe zu in den letzten Jahren wenig deutsche Fernsehfilme gesehen zu haben. Wenn man weder auf Tatort noch auf Rosamunde Pilcher steht, tut man sich im öffentlich-rechtlichen Fern-sehen schwer. Die wenigen guten Fernseh-produktionen sind meist Biografien bedeutender Persönlichkeiten. Das ich an dieser Stelle einen herausragenden deutschen Film vorstellen kann, der weder eine Biografie ist und auch noch unter dem Label Herzkino im ZDF lief, verdanke ich eigentlich meiner Mutter. Sie war es nämlich, die mir schon Tage vor der Ausstrahlung (am 8.5.2014) von diesem Film vorschwärmte. Und weil an diesem Abend nichts anderes lief, sahen wir ihn uns gemeinsam an. Und was soll ich sagen…ich war sehr positiv überrascht.

„Julia und der Offizier“, so der Titel, sollte ja ursprünglich „Die Unbeugsame“ heißen, was auch besser gepasst hätte. Es geht um eine junge Frau – Julia Welling – aus Berlin, die in der Mitte der 60er Jahre im tiefsten Bayern ein Kinderheim aufbauen und führen soll. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ein großes Hindernis ist das Misstrauen gegen Julia, weil sie eine Frau ist, die so gar nicht dem Frauenbild der 60er entspricht. Erst bringt sie Pfarrer und Bürgermeister gegen sich auf, die bereits einen Handel über eine Immobilie für das Kinderheim quasi unter der Hand abgeschlossen haben und sich das Gebäude als völlig ungeeignet entpuppt.  Dann verhandelt sie eigenständig mit Major David Carter über den Kauf eines Kasernengebäudes, da der amerikanische Stützpunkt aufgegeben wird. Als sie dann auch noch einen Bauernjungen vor seinem gewalttätigen Vater schützt, eskaliert die Situation. Trotz aller Widerstände boxt sich Julia durch und gewinnt dabei nicht nur die Anerkennung des amerikanischen Majors sondern auch dessen Zuneigung. Doch Julia mag keine Soldaten und verhält sich ihm gegenüber kühl.
Einzig das abrupte Ende des Films lässt einen unbefriedigt zurück. Nämlich dann, wenn Julia David endlich ihre Liebe gesteht und erfährt das er nach Vietnam abkommandiert wurde.

Das der Film nur am Rande eine Liebesgeschichte ist, wird bereits sehr früh deutlich. Hier geht es mehr um Emanzipation, Entnazifizierung, Korruption, bornierte Kirchenvertreter, Selbstbestimmung und die menschenverachtende Praxis gegen Frauen und Kinder in den 50er und 60er Jahren. Allein, das sich der Arzt im Sprechzimmer vor seiner Patientin eine Zigarette anzündet, sagt so einiges darüber aus, dass die Sixtis nicht so schön waren, wie man ihnen immer bescheinigt.

Für das 60er Feeling sorgt vor allem der tolle Soundtrack mit: Four Tops („I Can’t Help Myself“), Supremes („Where Did Our Love Go“), The Searchers („Needles And Pins“), Who („My Generation“), Sarah Vaughan („All or Nothing At All“), Byrds („Mr. Tambourine Man“), Bobby Darin („Dream Lover“) and Simon & Garfunkel („Sound Of Silence“). Auch vom Look her ist der Film Stil- und Genresicher inszeniert. Gedreht wurde übrigens im bayrischen Lenggries.

Die beiden Hauptdarsteller Henriette Richter-Röhl als Julia Welling und David Rott als Major David Carter kann man nur als Traumpaar bezeichnen. Selten habe ich eine ehrlichere Darstellung eines Liebespaares gesehen, das unter dem Druck von Gesellschaft und Geschichte steht. Richter-Röhl mit Minirock und Dutt spielt alle an die Wand und David Rott in der Uniform des Majors und mit gespielten Akzent ist so überzeugend, das man glatt vergisst, das er ein deutscher Schauspieler ist.

Für mich ist es einer der besten Filme, die ich in diesem Jahr im deutschen Fernsehen gesehen habe und gehört ab sofort in die Sammlung meiner Lieblingsfilme.
Außerdem hat David Rott von nun an einen Fan mehr. ;)

Jeder, der interessiert ist, kann sich HIER ein paar wenige Ausschnitte aus dem Film ansehen.

Gregory Benford – Cosm

CosmExperimentalphysikerin Prof. Alicia Butterworth erschafft bei einem Experiment in einem Teilchenbeschleuniger ein rätselhaftes Objekt. Aus Neugier und Angst, das man es ihr wegnehmen könnte, nimmt sie es heimlich an sich, um es zu untersuchen.
Erst ein Professor für Theoretische Physik, den sie hinzuzieht, als sie nicht mehr weiter weiß, kommt hinter die Natur des Bowlingkugel großen Objektes. Es ist ein neu geschaffenes Universum – ein Cosm – in dem die Zeit viel schneller vergeht als in unserem.
Lange kann Alicia die Existenz des Objektes nicht geheimhalten. Und so findet sie sich bald im Kreuzfeuer von Kollegen, Behörden, Presse, Regierung und religiösen Gruppen, die alle unterschiedliche Ziele verfolgen. Dabei will sie doch nur eines, den neuen Kosmos in Ruhe erforschen.

Das Buch beweist das man keine Raumschiffe oder Aliens benötigt, um einen guten SF-Roman zu schreiben. „Cosm“ ist, ähnlich wie „Contact“ von Carl Sagan, in die Rubrik Wissenschafts-SF einzuordnen und steht Sagans Roman in nichts nach. Nur ein Insider vermag das Umfeld der Wissenschaft und die physikalischen Hintergründe so detailliert zu beschreiben wie Benford, der selbst Astrophysiker ist.

Dabei geht es in diesem Roman nicht um den Cosm selbst, der ist nur Mittel zum Zweck, um vom Leben der Wissenschaftler außerhalb und innerhalb des Campus zu erzählen – all die kleinen Gemeinheiten, die Eifersüchteleien sowie die Grabenkämpfe um Anerkennung und finanzielle Mittel. Oder auch, wie sich das Leben von Wissenschaftlern zu dem normaler Menschen unterscheidet. Stellenweise erinnert die Geschichte mehr an eine soziologische Studie, als an einen SF-Roman. Aber gerade das fand ich besonders vergnüglich.

Ich glaube Benfort geht es in „Cosm“ viel mehr um die moralischen Fragen, die die Erschaffung eines neuen Universums unweigerlich aufwirft und denen sich seine farbige Heldin Alicia in all ihren Facetten stellen muss. Gerade sie, die sozial gescheiterte wird zur Göttin eines Kosmos, den sie nicht kontrollieren und dessen Ende sie nicht verhindern kann.

Benfords Figuren wirken authentisch, wenn auch nicht sehr tiefgründig. So konnte ich mich doch mit der Heldin identifizieren. Auch seine „blumige“ Erzählweise und die hervorragend formulierten Beschreibungen, die ihm eine gute Beobachtungsgabe bescheinigen, machen die Geschichte zu einer der Besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Ich sage es offen, ich habe einen Faible für Astronomie und Kosmologie und viele der im Buch zitierten Theorien waren mir bekannt, dennoch fand ich Benfords Idee erfrischend und nachvollziehbar erklärt. Man muss sich aber als Leser darauf einstellen. Ich glaube nicht, das jemand, der sich nicht mit dem theoretischen „Krimskrams“ beschäftigen mag, genauso viel Spaß an dem Buch hätte.

Dem Brandner sein Tod

Seit sehr langer Zeit war ich gestern Abend mal wieder im Theater. Im Volkstheater München gab’s den Brandner Kasper zu sehen.

Nun ist die Geschichte vom gewitzten Jagdhelfer der den Boanlkramer (Tod) überlistet schon ein „Oider Huad“ wie der Bayer sagt. Mir ging es bei meinem Besuch aber in erster Linie darum, Maximilian Brückner (siehe Feel-Good-Movie) live auf der Bühne zu erleben.
Und es hat sich gelohnt. Brückner als Tod ist tatsächlich eine Schau. Zerlumpt, Barfüßig und mit der Leichtigkeit einer Feder agiert er mit viel Witz und Theatralik. Überraschende Stimmungswechsel in überzogener Manier machen sein Spiel zu einem amüsanten Erlebnis, dass das Publikum mit viel Applaus belohnte. Aber auch die anderen Darsteller, es waren immerhin 21, leisteten großartige Arbeit. Es war eine Freude mit welcher Lust und Hingabe sie auch nach über 250 Aufführungen nicht müde wurden, das Publikum zu verzaubern.

Ich gebe zu, das Stück hat zwar seine Längen und die immer wieder eingestreute Blasmusik, ist nicht jedermanns Sache, dennoch war es auch für mich als Nicht-Bayer sehenswert. Allerdings wird jemand der des Bairischen nicht mächtig ist, seine Schwierigkeiten haben, alles zu verstehen. Der Dialekt ist stellenweise so stark, das selbst ich als langjährige „Zugereiste“ an meine Grenzen geraten bin und dadurch die eine oder andere Pointe verpasst habe. Dabei schimmert in den Dialogen sehr oft Kritik an Kirche und Staat hindurch und ist stellenweise überraschend tiefgründig.

Erstaunt war ich von der Größe, des mit 600 Plätzen ausverkauften, Volkstheaters. Einige Besucher erschienen sogar in bayrischer Tracht ganz Oktoberfest-like eben. Auch von den Eintrittspreisen war ich positiv angetan. Verglichen mit einem Kinobesuch, der inzwischen nicht viel weniger kostet, bekommt man hier ein Live-Event das wirklich in 3D ist.

Mein Fazit: Es war ein langer aber kurzweiliger Abend und für mich etwas ganz besonderes einen Menschen, den man nur aus dem Fernsehen kennt, einmal als Schauspieler auf einer Bühne zu erleben.

Brandner_Kaspar_00

Feel-Good-Movie

Männer wie wirEs gibt Filme, die holen einem aus jedem Tief heraus. „Männer wie wir“ ist so ein Film. Immer wenn ich ihn sehe, fühle ich mich hinterher viel besser und das liegt nicht nur an der witzig-romantischen Geschichte, sondern vor allem an den Darstellern.

Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Torwart Ecki verpatzt seiner Mannschaft den Aufstieg und fliegt nach seinem ungewollten Coming-Out aus dem Team. Um mit den Vorurteilen seiner Freunde „Schwule können nicht Fußball spielen“ aufzuräumen, verspricht er ihnen eine Revanche mit einer schwulen Fußballmannschaft, die er aber erst noch finden muss. Also macht sich Ecki in Dortmund auf die Suche nach Mitspielern und verliebt sich dabei in Zivi Sven.

Witzig und mit vielen Klischees versteht es Regisseurin Sherry Hormann das Thema „Schwule Fußballer“ glaubhaft umzusetzen. Die brillante Besetzung mit namhaften Nebendarstellern wie: Christian Berkel, Dietmar Bär, Rolf Zacher, Saskia Vester und Mariele Millowitsch nimmt jedes noch so ausgetretene Klischee beider Seiten auf die Schippe und beleuchtet das Innenleben der Betroffenen aus vielen Perspektiven.

Es sind jedoch die beiden Hauptdarsteller, die den Film erst zu etwas Besonderem machen. Maximilian Brückner offenbart in der Rolle des Ecki eine Unschuld, die so anrührend ist, dass er die Zuschauer schon in den ersten Filmminuten in seinen Bann zieht. Dabei ist es kaum zu glauben, das Brückner ein gestandner Bayer ist.
David Rott als Zivi Sven sorgt mit Charme und Aussehen dafür, dass ihm nicht nur die Herzen der weiblichen Zuschauer zufliegen. Seine Darstellung des Sven als gefestigter Charakter, der weiß wo er steht, bildet einen schönen Kontrast zu Brückners unstetem Ecki, der sich erst noch finden muss.
Die Liebesszene im Aufzug, die für die beiden damals noch jungen Darsteller eine große Herausforderung gewesen sein muss, ist für mich die beste schwule Liebesszene, die ich kenne. Sie ist so authentisch und ehrlich, das sich zu keiner Zeit ein befremdliches Gefühl beim Zusehen einstellt. Für mich ein „must-see“ der Filmgeschichte. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann dies HIER tun.