Zwei mal überraschendes Finale

bellasTod_SonntagVor ein paar Tagen erzählte ich euphorisch von Georges Simenon. Meine Euphorie ist bis heute ungebrochen. Gestern beendete ich eine weitere Geschichte des genialen belgischen Schriftstellers.

Sowohl „Bellas Tod“ als auch „Sonntag“ handeln von Mord. Die eine von einem bereits Geschehenen und die andere von dessen Planung. Beide Geschichten sind in einem Taschenbuch zusammengefasst und alle zwei vereint die geschickte Erzählweise mit der Simenon den Leser ans Finale heranführt. In beiden Erzählungen steht ein Mann im Mittelpunkt der Handlung. In „Bellas Tod“ ist es ein Lehrer, in dessen Haus eine junge Frau ermordet wird und der mangels Alibi alsbald unter Tatverdacht steht. Sogar seine Frau beginnt, ihm zu misstrauen. Das geht soweit, dass er am Ende selbst an sich zweifelt und sein wahres Ich, dass er Jahrzehnte verborgen gehalten hat, plötzlich herausbricht.
„Sonntag“ erzählt dagegen das Leben eines Kochs, der vor ewigen Zeiten in eine Ehe eingewilligt hat, die ihn mehr und mehr zermürbt. Er versucht sich von den Fesseln seines tristen Daseins (in Form seiner Frau) zu befreien.
Während sich eine der Geschichten an der amerikanischen Ostküste abspielt, ist der Schauplatz von „Sonntag“ die Côte d’Azur. Der Autor beschreibt nicht nur die Szenerie so perfekt, dass man sich innerhalb eines Satzes sofort hineinversetzt fühlt. Nein, er weiß auch das Innenleben seiner Figur aufs Intimste zu beschreiben. Dabei wechselt er von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück, ohne das dies verwirrend oder störend wirkt. Besonders bei der Erzählung über den geplanten Mord, hat man von Anfang an Mitleid mit dem armen Mann und fiebert dem Ereignis genauso aufgeregt entgegen, wie der Protagonist selbst.

Was Simenons Geschichten besonders macht, ist ihr überraschende Ende. Er führt den Leser lange auf einer falschen Fährte, um ihm zuletzt vor vollendete Tatsachen zu stellen. So war ich bei beiden Geschichten am Ende völlig verblüfft. Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet.
Der Autor ist ein Könner und ich kann inzwischen erahnen, warum er von vielen Autorenkollegen so geschätzt wird.

Noch ein Hinweis zu meiner Taschenbuchausgabe von 1987, die ist nämlich aus der DDR, vom Aufbau-Verlag. Witzig finde ich ja die Bemerkung: Ausgabe für die sozialistischen Länder mit Genehmigung des Diogenes Verlag AG, Zürich. Spannende Frage: Ob und wie sich wohl diese Ausgabe von der Original-Ausgabe unterscheidet?

Franz-Josef und der Spiegel

David Rott als Conny Ahlers  /Quelle: BR
David Rott als Conny Ahlers /Quelle: BR

Dieser Tage jährte sich der Geburtstag von Franz-Josef Strauß zum hundertsten Mal. Aus diesem Anlass lief im Deutschen Fernsehen der Spielfilm „Die Spiegel-Affäre“ von 2014. Das war auch für mich ein Grund mal wieder nach der DVD im Regal zu greifen.

In dem auf Tatsachen basierenden Film geht um Spiegel-Gründer Rudolf Augstein und den damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß, die sich ab 1957 eine Privatfehde auf dem Rücken von Angestellten und Parteifreunden lieferten. Augstein haderte mit der Einstellung von Strauß, dass die Bundesrepublik unbedingt atomar bewaffnet sein sollte, und er als Verteidigungsminister nicht zögern würde, den „Roten Knopf“ zu drücken. Außerdem waren ihm Strauß‘ intrigante Machenschaften ein Dorn im Auge. Im Film wird deutlich wie sich Augstein nach und nach immer weiter in den Hass gegen Strauß hineinsteigert, mitunter gegen den Willen seiner Verlagsangestellten und Freunde. Als in der Spiegel-Ausgabe vom 10. Oktober 1962 der Artikel „Bedingt abwehrbereit“ von Conrad Ahlers und dem Bonner Spiegelredakteur Hans Schmelz zu den Resultaten des NATO-Manövers „Fallex 62“ erschien, ist dass der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt. Nach Anzeige wegen Landesverrats veranlasst Strauß die Durchsuchung und Besetzung der Spiegelredaktion, tagelang werden die Räume durchsucht und einige der Mitarbeiter festgenommen. Darunter auch Conrad Ahlers, der mit seiner Frau in Spanien Urlaub macht. Seine Festnahme wäre aus rechtlichen Gründen eigentlich nicht möglich gewesen und ist nur durch Überschreitung von Befugnissen durch Strauß persönlich zustande gekommen. Auch Augstein wurde für 103 Tag in Haft genommen, bevor das Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt wurde.
Die Besetzung der Spiegel-Büros tritt in Deutschland eine Welle an Protesten los. Vor allem junge Menschen, die die Hitler-Diktatur und den Krieg noch miterlebt haben, sehen die Pressefreiheit gefährdet. Auch wenn die Spiegel-Affäre eigentlich eine Farce war, so wurde sie doch zu einer politischen Affäre, die im Nachhinein zur Entlassung zweier Staatssekretäre führte und den Rückzug Franz-Josef Strauß nach Bayern nach sich zog.

Ich fand den Film auch beim zweiten Mal unheimlich spannend und das nicht nur, weil David Rott mitspielt. Mir gefällt wie lebendig hier Geschichte aufgearbeitet wird. Für jemanden der mehr als zehn Jahre nach Handlungszeit des Films geboren wurde, ist der Eindruck, verglichen mit heute, ein wenig befremdlich, aber ungeheuer interessant. Auch wenn vielleicht nicht alles genau so wiedergegeben wurde, wie es seinerzeit war, so bekommt man als Zuschauer doch einen recht guten Eindruck. Vor allem, wenn man sieht, wie abfällig die Frauen in jener Zeit behandelt wurden. Da gab es schon mal vom Chef einen Klaps auf den Hintern und den Spruch „… dass weibliche Ressortleiter nicht infrage kämen …“. Davon, das überall gequalmt wurde, ganz zu schweigen. Beides ist heute ein Ding der Unmöglichkeit. So ändern sich die Zeiten.

Die Darsteller sind allesamt hervorragend ausgewählt. Besonders hervor sticht Francis-Fulton Smith als Franz-Josef Strauß, der für diese Rolle mindestens zwanzig Kilogramm zugenommen haben muss. Aber auch Sebastian Rudolph als Rudolf Augstein, Gerald Alexander Held als Siegfried Buback, Otto Mellies als Konrad Adenauer und „der letzte Bulle“-Henning Baum als Oberst Alfred Martin glänzen in ihren Rollen. Man spürt förmlich die Spielfreude aber auch die Ernsthaftigkeit, mit der die Mimen bei der Sache waren. David Rott als Conrad Ahlers (auch als der „schöne Conny“ bezeichnet) spielt den aalglatten Journalisten mit diesem überlegenen Gebaren, das er so brillant beherrscht. Und natürlich darf er auch in diesem Film wieder uneingeschränkt rauchen und sich mit hübschen Frauen umgeben.

Fazit: Nicht nur für David Rott-Fans sondern für alle Geschichtsinteressierten ist dieser deutsche Politikthriller ein unbedingtes Muss. Selten habe ich Politik und Geschichte so unterhaltsam aufgearbeitet gesehen. Mein Tipp: Unbedingt anschauen!

In einem interessanten Artikel in der Süddeutschen Zeitung kommentiert Franziska Augstein den Film und zeigt seine dramaturgischen „Verdrehungen“ auf.

Die Spiegel-Redaktion: Leo Brawand (Max Hopp), Conny Ahlers (David Rott), Rudolf Augstein (Sebastian Rudolph), Hans Detlev Becker (Johann von Bülow), Claus Jacobi (Franz Dinda) und Josef Augstein (André M. Hennicke). Quelle: BR
Die Spiegel-Redaktion: Leo Brawand (Max Hopp), Conny Ahlers (David Rott), Rudolf Augstein (Sebastian Rudolph), Hans Detlev Becker (Johann von Bülow), Claus Jacobi (Franz Dinda) und Josef Augstein (André M. Hennicke). Quelle: BR
Francis-Fulton Smith als Franz-Joseph Strauß /Quelle: BR
Francis-Fulton Smith als Franz-Josef Strauß /Quelle: BR

Heisskalt & Wechselwarm

Quelle: Amazon

Man lernt echt nie aus. Mir war nicht bewusst, dass es so viele gute deutsche Bands gibt.

Okay, ich bin jetzt nicht wirklich bewandert, wenn es um Musik geht. Formulieren wir es lieber so: Nämlich das ich sowas von keine Ahnung habe … Ich kann nur sagen: Was mir gefällt, höre ich, ohne mich dabei nach Trends zu richten oder an ein Genre zu halten. Ab und zu folge ich auch mal der einen oder anderen Radiosendung und da bekam ich kürzlich „Heisskalt“ zu hören. Die Band kommt aus dem Stuttgarter Raum und macht tolle Musik. Egal ob für sie das Label Punk nun zutrifft oder nicht. Ich find die Songs von den Jungs so klasse, dass ich mir bei iTunes gleich mal ihre letzte Platte gekauft habe. Die heißt vom „Vom Stehen und Fallen“ und bietet kritische Texte mit eingängigen Melodien. Alles sehr abwechslungsreich und ohne das mir ein Song auf dem Album nicht gefallen hätte. Ich denke mal, dass werde ich in nächster Zeit rauf und runter spielen.

Cool!

Auf der Internetseite der Band kann man sich einige der Songs anhören und natürlich ist „Heisskalt“ auch bei Spotify vertreten.

Kritisches zur SOL 79

Vor zwei Wochen flatterte die neue SOL (das Mitgliedermagazin der PRFZ) ins Haus und ich schaffte es dieses Mal sogar sie zeitnah zu lesen und nicht nur durchzublättern. Das lag vor allem an den tollen Kurzgeschichten und Romanauszügen, die einen Großteil dieser Ausgabe ausmachten. Tolle lesenswerte Geschichten unteranderem von Ben Calvin Hary, dem Autoren der genialen PR-FanEdition, über die ich ja bereits im vergangenen Jahr berichtet habe. Aber auch die Stellaris-Geschichte „Verweht“ von Dieter Bohn und die Kurzgeschichte „Die Überlebenden“ von Götz Roderer haben mich sehr berührt. Ich bin wie immer über die hohe Qualität der Geschichten erstaunt, die viele PR-Fans verfassen. Das gab/gibt es zwar auch im deutschen Star Trek-Fandom, aber nicht mit diesem Anspruch.

Das Schwerpunktthema DORGON wurde gut und informativ umgesetzt. In diesem Artikel habe ich endlich einen Überblick über das wie, was und wann im DORGON-Universum (von Nils Hirseland) bekommen. Ein Wissen, das mir in nächster Zeit helfen wird, wenn ich das Layout der DORGON-Geschichten und ihre Umwandlung in die digitalen Formate übernehme.
Roman Schleifers Beitrag zur Geschichte des Austria Con und des Wiener PR-Stammtisches war informativ und amüsant – so viel zum Thema „…nie wieder Con“.
Den Artikel zu Marianne Sydow werde ich lesen, sobald ich den Vorgänger-Artikel aus dem letzten Heft gelesen habe.
Auch die „Gedanken zur PRFZ“ von André Boyens und Herbert Keßel inklusive des Protokolls der Mitgliederversammlung fand ich hochinteressant. Es freut mich zu lesen, dass über eine Briefwahl zum Vorstand nachgedacht wird. Das ist in den Vereinen, in denen ich aktiv bin, inzwischen gängige Praxis. Schließlich kann nicht jeder zur Mitgliederversammlung erscheinen, wenn es sich um einen deutschlandweit agierenden Verein handelt, und einen Vertreter zu schicken, wird auch nicht jedem Mitglied möglich sein. Gut, dass zumindest jetzt über diese Idee nachgedacht und diskutiert wird.

Bis dahin fand ich die SOL 79 ziemlich gelungen. Doch als ich zu guter Letzt noch den Beitrag von Rainer Stache – dem galaktischen Beobachter – las, blieb mir fast mein Frühstück im Hals stecken. Ich weiß, dass „der galaktische Beobachter“ sehr kritisch bei der Bewertung der aktuellen Heftromane zugange ist, aber das hier „schlägt dem Fass den Boden aus“, wenn ich das mal so formulieren darf. Nichts gegen kritische Äußerungen, auch ich finde nicht alles gut, was in den Romanen geschrieben wird. Aber man sollte dabei doch auf dem Teppich bleiben und auch mal die eigenen Aussagen einer kritischen Prüfung unterziehen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich Stache auf das Expokraten-Team Vandemaan/Montillion negativ eingeschossen hat. Anders kann man seine Äußerungen nicht deuten. Allein ihnen wegen eines Satzes in einem Interview, Arroganz zu unterstellen, halte ich für etwas gewagt und werte es sogar als böswillige Verleumdung. Ein bisschen Respekt vor der Arbeit von Exposé-Autoren, Autoren und Redaktion stände Herrn Stache gut zu Gesicht. Vielleicht sollte er auch mal einen Blick über den Tellerrand wagen und damit meine ich nicht unbedingt das PR-Forum (das auch nur aus einer kleinen Schar eingefleischter Hardcore-Fans besteht und sicher nicht das Gros der PR-Fans darstellt), sondern sich auch mal mit dem Gedanken beschäftigen, dass es genügend Leser zu geben scheint, denen die Geschichten gefallen – mich eingeschlossen. Von zufriedenen Lesern wird man immer weniger hören, als von unzufriedenen. Richtig ist doch, dass wir inzwischen in einer anderen Zeit leben, die andere Vorstellungen und Wünsche projiziert. Und dass viele von den „Altlesern“ vielleicht einen verklärten Blick auf die Romane der Vergangenheit haben.

Ich persönlich „quäle“ mich gerade durch die Silberbände des MdI-Zyklus und kann mir momentan beim besten Willen nicht vorstellen, wieso der Zyklus bei vielen Fans so beliebt ist. Momentan hadere ich mit dem Reportagenhaften Schreibstil (meist in auktorialer Erzählperspektive), den teilweise an den Haaren herbeigezogenen, jeglicher Logik entbehrenden Plots und der draufgängerischen und unüberlegten Art und Weise, wie Perry Rhodan und seine Mannen immer wieder agieren. Aber vielleicht ereilt mich in den nächsten Romanen die Faszination ja noch.

Was ich damit sagen will ist, dass sich die Geschmäcker der Leser im Laufe der Zeit verändert haben und das man als Profitorientierter Verlag darauf eingehen muss, um neue Leserschaften anzulocken, wenn man nicht irgendwann völlig ohne Leser dastehen will (nämlich dann, wenn der Letzte gestorben ist). Veränderung ist der Lauf der Zeit. Auch wenn manch einem die Veränderungen persönlich nicht gefallen mögen, so finde ich es absolut respektlos, Leser, die anderer Meinung sind, als ein „Publikum von Dumpfbacken“ zu bezeichnen. Hier würde ich mir mehr Toleranz und Zurückhaltung vom „galaktischen Beobachter“ wünschen. Schließlich geht es bei Perry Rhodan um Toleranz im Umgang miteinander, doch davon spüre ich in seinen Ausführungen wenig.

Noch ein Einwand meinerseits. Gegenwartsthemen nicht in die Serie einzubeziehen widerspricht dem eigentlichen Zweck von Science Fiction. Es gibt viele Beispiele in der Geschichte der letzten 100 Jahre, dass gerade Science Fiction dazu genutzt wurde, um versteckt Gesellschaftskritik zu positionieren. Star Trek – benutzte dieses Element sehr oft und sehr erfolgreich. Es einer Serie wie Perry Rhodan abzusprechen, finde ich nicht nur realitätsfern, sondern auch schädigend. Gerade in der heutigen Zeit, die eine eindeutige Positionierung von uns allen fordert, finde ich es unabdingbar. Leo Lukas hat das in augenzwinkernder Form sehr schön realisiert. Leser von PR-Heftromanen waren und sind, meiner Meinung nach, nicht mit Lesern diverser anderer Heftromanserien zu vergleichen. Bei den meisten von uns steht nicht die Flucht aus dem Alltag im Vordergrund, sondern Unterhaltung auf einem intellektuellen Niveau, das politisches Zeitgeschehen nicht unberücksichtigt lassen darf.

Ich gebe hier meinen Unmut über die Ansichten des „galaktischen Beobachters“ kund, weil ich eben nicht seit Jahrzehnten tief im PR-Fandom verwurzelt bin, weil ich eben kein Altleser bin und weil ich, aus einer anderen Ecke des Mulitversums kommend, vielleicht eine andere Sicht auf die Dinge habe. So sehe ich die kritischen Äußerungen von Rainer Stache, an den Autoren, auch als einen persönlichen Affront an mich als zufriedene Leserin.

Ich weiß aus eigener Erfahrung: Autor wie Exposéautor leben von Kritik, aber konstruktive Kritik sieht für mich anders aus, Herr Stache.

Der Khitomer-Konflikt

Quelle: Cross Cult

In den vergangenen Jahren habe ich sehr wenig Star Trek Geschichten gelesen; das gebe ich unumstritten zu. Dabei gibt es eine Menge neuer Romane aus dem CrossCult-Verlag, die ziemlich gut sind. Doch seit ich mich mit dem unsterblichen Perry beschäftige (in dessen Universum ich noch Jahrzehnte aufholen muss), bleibt einfach nicht mehr genügend Zeit.

Das ich hin und wieder doch mal zu einer Star Trek-Lektüre greife, liegt an den tollen Comics, die alle naselang herauskommen. Einer, den ich vor Kurzem gelesen habe, ist „Der Khitomer-Konflikt“. Die Handlung spielt im Abrams-Universum nach den Ereignissen von „Into Darkness“. Es geht darum, wie Sektion 31 (eine Art Geheimdienst der Sternenflotte) die Klingonen und die Romulanen gegeneinander ausspielt, damit sie sich gegenseitig vernichten und somit keine Bedrohung mehr für die Föderation und die Menschheit darstellen. Zwischen den Fronten steht die Enterprise mit Captain Kirk, der die moralischen Grundsätze der Föderation zu wahren und den Konflikt zu verhindern sucht.

Auch wenn die Ansätze der Geschichte, Gene Roddenberrys Vorstellung von der Zukunft torpedieren, so blitzt zumindest ein Funke der ursprünglichen Moral von Star Trek auf. Über den Sinn und Unsinn des Unterfangens, zwischen zwei Imperien einen Krieg anzuzetteln, um selbst verschont zu werden, mag ich an dieser Stelle nicht diskutieren. Auch nicht, wie ein Geheimdienst eine Flotte von Schiffen bauen kann, ohne dass dies jemandem auffällt. Über solche Logik lässt sich bekanntlich streiten, auch darüber, wie es sich in die Geschichte des bisherigen Star Trek Universums einfügt. Es findet ja schließlich alles in einem parallelen Universum statt, dessen Vorgaben völlig anders sind. Um die Geschichte zu genießen, sollte man sich von alten Denkweisen trennen und keine Vergleiche ziehen. Dann wird man auch Gefallen an diesem Comic finden. Denn es werden viele Elemente aus beiden Abrams-Filmen und bereits erschienen Comics verknüpft und weitergeführt. Die Zeichnungen sind sehr schön und geben der Handlung einen netten Rahmen. Alleine dafür lohnt sich die Anschaffung.

Den Comic gibt es in jedem gut sortierten Buch- und Comicfachhandel.

Ein Ja! zum Multiversum

Quelle: Amazon

Angesichts des Namens, den mein Blog trägt und der eigentlich auf einer Idee meines Mannes beruht (das muss ich hier wirklich mal anbringen), interessiere ich mich natürlich für die Hintergründe der Multiversentheorie. Dazu fiel mir vergangene Woche ein Buch in die Hand, das ich unbedingt lesen musste.

In „Die verrückte Welt der Paralleluniversen“ geht es um die Entwicklung der Kosmologie der letzten Jahrzehnte. Die Autoren, beides Wissenschaftsjournalisten, erzählen davon, wie die Idee eines Multiversums aufkam und wie sie sich in die Geschichte der Physik einordnen lässt. Dazu lassen sie viele Physiker und Philosophen zu Wort kommen und erklären anhand der einen oder anderen vergnüglichen Anekdote, dass es auch in der Physik nur um Macht und Anerkennung geht. Streitereien darum, wessen Idee nun die Richtige ist, sind auch hier an der Tagesordnung und es dauert lange bis sich eine physikalische Theorie endlich durchsetzt.

Die Lockerheit mit der in diesem Buch eigentlich komplizierte Vorgänge dargestellt werden, ist verblüffend. Obwohl mir viele Theorien bereits bekannt waren, erfuhr ich einiges Neues. Die meisten der Theorien sind zu komplex, als das sie ein einfacher Verstand in seiner Vollständigkeit tatsächlich erfassen könnte, deshalb reduzieren sich die Autoren darauf, wie und warum die Theorien entstanden und welche Wechselwirkungen sie mit beststehenden Systemen haben. Das Ganze ist unterhaltsam verpackt und liest sich so leicht wie ein spannender Roman. Ich habe nur ein paar Stunden benötigt, um die 250 Seiten zu bewältigen und keine Minute davon bereut.

Mein Fazit: Wer sich ein wenig mit der Geschichte der Kosmologie und speziell mit der Theorie von Multiversen beschäftigen möchte, für den ist dieses Buch der ideale Lesestoff. Ein wissenschaftlich gebildeter Leser wird sich genauso wenig langweilen wie einer, der sich mit der Materie noch nie befasst hat. Und wenn darin auch noch Perry Rhodan erwähnt wird, gehört es für einen Fan geradezu zur Pflichtlektüre.

„Die verrückte Welt der Paralleluniversen“ von Tobias Hürter und Max Rauner, erschien bereits 2009 im Piper-Verlag. Ich las die Taschenbuchausgabe von 2012, die zur Zeit sehr preiswert bei Jokers angeboten wird.

Der DUDEN rät …

… zur korrekten Zeichensetzung.

Aufmerksamen Lesern dieses Blogs wird es vielleicht schon aufgefallen sein. Ich habe ein kleines Rechtschreibproblem, vor allem was die Zeichensetzung angeht. So lange ich zurückdenke, hadere ich mit den Kommas. Egal was ich versuche, irgendwie schaffe ich es nicht, sie richtig zu setzen. Besonders schlimm ist es im Fall von das und dass. Die Rechtschreibreform hat meine Probleme eher verschlimmert, als verbessert, weil ich nun verunsichert bin, was denn noch gilt und was nicht mehr.

Jetzt habe ich endlich etwas dagegen getan und einen Ratgeber zur Zeichensetzung gekauft. Am 21. August erschien der DUDEN Ratgeber „Zeichensetzung kompakt“. Auf übersichtlichen 50 Seiten werden die gängigsten Regeln aller Satzzeichen an Beispielen erläutert. Vom Komma übers Apostroph bis hin zu Ausrufezeichen und Gedankenstrich erfährt man alles, was man wissen muss. So weiß ich endlich, wann und wie man ein Apostroph korrekt einsetzt und was man setzen muss, um eine unbewiesene Aussage zu betonen (das macht man mit einem, in Klammern eingeschlossenen, Fragezeichen).

Und – Ha! Ich hab’s ja gewusst – die für mich wichtigste Erkenntnis: Entgegen anderslautender Informationen darf man ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen gemeinsam nutzen, wenn es sich um einen ausgerufenen Fragesatz handelt. Warum denn auch nicht?!

Das klingt alles sehr einleuchtend und hört sich auch gar nicht schwer an. Eigentlich muss man sich nur die Fälle merken, in denen kein Komma gesetzt werden darf. Nun hoffe ich, dass ich es mit Hilfe des Buches in Zukunft besser hinbekomme.

Eines hätte ich mir allerdings von dem Ratgeber noch gewünscht: Ein handlicheres Format als die DIN A5 Heftgröße; vielleicht als kleines DIN A6 Büchlein.

Den DUDEN Ratgeber gibts für 6,99 EUR überall im Buchhandel.

Verlorenen in Japan

lost-in-translationVergangenen Donnerstag sahen wir Lost in Translation auf ARTE.

Wenn mich ein Film, den ich vor einer Woche gesehen habe, heute immer noch beschäftigt, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, wie tief mich der Streifen berührt hat. Dabei ist die Handlung des Film recht unspektakulär: Der alternder amerikanischer Schauspieler Bob muss zwecks Werbeaufnahmen eine Woche in einem Hotel in Tokio verbringen, wo auch eine junge Amerikanerin Charlotte mit ihrem vielbeschäftigten Ehemann eingescheckt hat. Sowohl der Schauspieler als auch die junge Frau leiden unter dem Jetlag und langweilen sich in der ihnen fremden Welt. Irgendwann treffen sich beide an der Bar und beschließen die schlaflosen Nächte zu nutzen, um sich die fremde Umwelt gemeinsam zu erschließen. Dabei erleben sie allerlei Merkwürdigkeiten der japanischen Kultur, aber ohne dieser einen Schritt näher zu kommen. Die reine Zweckbindung zwischen beiden verwandelt sich zunehmend in etwas Größeres, schwer fassbares, dass sowohl Liebe als auch Freundschaft sein könnte …

Alt trifft jung und jeder lernt aus den Ansichten des Anderen – das ist kein neuer, aber ein immer wieder faszinierender Handlungsansatz. Regisseurin Sofia Coppola (Tochter des berühmten Francis Ford Coppola) setzt das Thema sensibel und gleichzeitig bildgewaltig um. Man spürt, wie sich die zarten Bande zwischen Bob und Charlotte entwickeln, wie beide an sich reifen. Der Film lässt den Zuschauer am Gefühlsleben der Protagonisten teilhaben, an den Gesprächen mit ihren jeweiligen Partnern, am drohenden Ende ihrer Ehen. Man glaubt zu wissen, wohin die Freundschaft zwischen Bob und der jungen Frau führen wird und ist am Ende überrascht, dass es nicht soweit kommt, sondern ihre Beziehung rein platonisch bleibt. Das macht die Geschichte zu etwas Besonderem, wertet sie auf in dem allgegenwärtigen Film-Allerlei Hollywoods.

Man merkt dem Film an, dass manche Szenen spontan entstanden sind. Das verleiht ihm Frische und Unbeschwertheit, die sich auf die Darsteller überträgt. Bill Murray als Bob Harris und die damals 17-jährige Scarlett Johansson spielen das ungleiche Paar mit großer Überzeugung. Giovanni Ribisi als Charlottes Ehemann stellt den oberflächlichen Egoisten mit einer Intensität zur Schau, dass man als Zuschauer nur Abscheu empfinden kann. Brillant gespielt ist auch der japanische Regisseur des Werbespots, für den Bob nach Tokio gekommen ist. Seine Theatralik und die ellenlangen Anweisungen in japanisch, die durch die Dolmetscherin größtenteils verloren gehen (Lost in Translation) bieten jede Menge vergnügliche Momente.

Fazit: Ein Film voller Melancholie und tiefen Gefühlen, dessen Bilder lange im Gedächtnis bleiben. Einer meiner Favoriten.

Enttäuschendes Finale

Mit Band 100 geht bei PERRY RHODAN NEO eine Ära zu Ende. Frank Borsch Exposé-Autor macht Schluss und übergibt den Staffelstab an eine neue Riege von Exposé-Autoren. Doch den letzten Band hat er für sich aufbehalten, um der Staffel einen würdigen Abschluss zu geben.

Den sollte ich wirklich lesen, dachte ich mir, nachdem ich ja eigentlich nur die NEO-Romane von Rüdiger Schäfer lese und dessen Band 98 „Crests Opfergang“ mich wieder sehr gut unterhalten hat. Der Autor schafft es einfach seine Figuren so glaubhaft agieren zu lassen, sodass auch die eine oder andere Schwäche im Plot zu verschmerzen ist.

Frohen Mutes, dass ich jetzt endlich die große Auflösung bekomme, stürzte ich mich auf „Der andere Rhodan“ von Frank Borsch. Doch schon beim Lesen wurde mir bewusst, dass das zwei paar Schuhe sind. Borsch schreibt ohne Zweifel technisch perfekt und mit viel Fantasie, aber der Funken wollte einfach nicht auf mich überspringen. Vielleicht lag es auch an der Geschichte, in der es um das Schicksal von Perry Rhodans Dublikat „Rhodanos“ geht. Vielleicht hatte ich mir auch von dem großen Finale einfach zu viel versprochen. Ich weiß es nicht.

Verglichen mit „Crests Opfergang“ wirkt Borschs Roman langatmig und distanziert. Während ich Ersteren in kürzester Zeit verschlungen habe, quälte ich mich bei Band 100 von Kapitel zu Kapitel. Die, in der Handlung erklärten Zusammenhänge, wirkten auf mich manchmal arg konstruiert. Es fühlte sich so an, als versuchte der Autor mit aller Macht die Fäden miteinander verknüpfen. Was ihm aber nur bedingt gelingt. Da sind zum einen die Allianz und ihr Projekt Peaqash bei dem ich mich dauernd nach dem Sinn fragte. Wenn die Allianz den Humanoiden so überlegen ist, warum dieses Projekt, warum metzeln sie die humanoiden Völker nicht einfach nieder? Was wollen sie eigentlich damit bezwecken, wenn sie die Duplikate brechen und in Androiden verwandeln? Das hat sich mir während der ganzen Geschichte nicht völlig erschlossen. Dann ist da die Festung der Ersten, die sich schon seit Ewigkeiten gegen die Besatzer aus der Allianz wehrt und darauf hofft, dass ihre Erbauer zurückkehren. Das Konzept einer lebenden Festung mag interessant sein, aber warum hilft sie zwar dem Duplikat eines Menschen (Rhodanos) aber nicht den Duplikaten der Arkoniden, die ja auch humanoid sind. Für mich bleiben bei der Geschichte zu viele Fragen offen.

Schön fand ich dagegen die kurzen am Ende der Kapitel eingefügten und im Präsens geschrieben Geschichten einiger wichtiger Nebencharaktere. Davon hätte ich mir mehr gewünscht, ausführlicher und vielleicht einen ganzen Roman angefüllt mit solchen Szenen. Das wäre in meinen Augen ein versöhnlicherer Abschluss der Ära Borsch gewesen.

Das Bemerkenswerteste, was ich jedoch aus dem NEO Jubiläumsband mitnehme, ist folgender Ausspruch: „Der Mensch an sich besitzt Vernunft … aber in der Menge geht sie verloren …“ Besser kann man es nicht formulieren.

Quelle: Perrypedia
Quelle: Perrypedia

„Lila, Lila“ oder die Frage: Wer von wem klaut?

Quelle: Lila, Lila der Film

Zwei Jahre dämmerte die Liebeskomödie „Lila, Lila“ mit Daniel Brühl auf unserem Festplatten Receiver, bevor wir ihn gestern Abend endlich angesehen haben. Die Verfilmung des Bestsellers von Martin Suter war jede Filmminute wert.

Kellner David lernt auf einem Trödelmarkt Maria kennen, doch die interessiert sich nur für Autoren und Bücher anstatt für ihn. In einem gekauften Nachtschrank entdeckt David das Manuskript eines unbekannten Schriftstellers und sieht seine Chance so an Maria heranzukommen. Er versieht den Text mit seinem Namen und gibt ihn der jungen Literaturstudentin zu lesen. Die ist davon so begeistert, dass sie das Manuskript ohne ihn zu fragen bei einem Verlag einreicht. Der Roman wird ein Bestseller und David von heute auf morgen zu einem berühmten Autor. Als dann aber ein mysteriöser alter Mann auftaucht und ihm erklärt das Manuskript sei von ihm, gerät Davids Leben vollends aus den Fugen …

Herrlich! Der Film beleuchtet die Niederungen des Literaturgeschäftes in allen Fassetten. Angefangen von schnöseligen Literaturwissenschaftlern über eiskalte Literaturagenten und knausrige Verlagsbosse bis hin zu fanatischen Fans lässt die Geschichte kein Klischee aus und macht ziemlich deutlich, dass Literatur auch ein „Big Business“ ist. Der Autor ist nur eine Marionette, die von Termin zu Termin gehetzt wird und keinen Einfluss mehr auf sein Werk hat, sobald es in den Fängen eines Verlages ist.
Daniel Brühl in der Rolle des David bringt den unschuldigen und nicht perfekten Charakter sehr gut rüber. Die großartige Geschichte um einen jungen Mann der sich immer weiter in seiner Lüge verstrickt, mehr und mehr verzweifelt und am Ende daran zu zerbrechen droht, ist ein gelungener Beitrag des deutschen Films. Da wurde sehr gut beobachtet und alles passend in Szene gesetzt.

Fazit: Wer schon immer mal wissen wollte, wie es im Literaturgeschäft läuft, sollte sich den Film ansehen. Da können nicht nur angehende Autoren etwas lernen.

Trailer und Infos rund um „Lila, Lila“ findet man auf der Filmeigenen Internetseite http://www.lilalila-derfilm.de.