Buch oder Film?

Quelle: Kino.de

Es ist wie mit der Henne und dem Ei: Was war zuerst da? Übertragen auf »Der Marsianer« lautet es: Ist es besser, zuerst das Buch zu lesen und dann den Film anzuschauen oder umgekehrt? In meinem Fall spielte das zwar keine Rolle, denn ich habe das Buch bereits vor einem halben Jahr gelesen und vorgestern dann die Verfilmung gesehen. Doch für andere Zuschauer bzw. Leser steht diese Frage durchaus im Raum.

Sagen wir mal so, der Film hilft dabei, einige Schwächen des Romans auszubügeln, nämlich dann wenn es ums visualisieren geht. Viele der Szenen im Buch leiden unter mangelnder Beschreibung. PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick würde es schlicht als »Weißraum« bezeichnen.
So war mir nicht klar, dass das Wohnmodul ein separater Teil der Kuppel ist. Ich habe mir vorgestellt, das Mark Watney zwischen seinen Kartoffelpflanzen in der Kuppel lebt. Im Film sieht man aber deutlich, wie der Wohntrakt als zylinderförmiger Zusatz an der Wohnkuppel angedockt ist. Auch von der »Hermes« hatte ich eine völlig andere Vorstellung. Und gerade von dem Rover, der eine große Rolle spielt, konnte man sich im Buch nur ein unklares Bild machen.
Auch die Szene, in der die junge Frau die Satellitenbilder sichtet, fand in meinem Kopf in einem winzigen Raum mit vielen Monitoren statt und nicht im riesigen Saal eines Kontrollzentrums. So gesehen werden all die Dinge durch den Film lebendiger und fassbarer.
Einige Kritiker des Romans gaben an, dass die Szenen auf der Erde weniger gut erzählt werden als Mark Watneys Überlebenskampf auf dem Mars. Das habe ich stellenweise auch so empfunden. Im Film sind diese Szenen tatsächlich gelungener. Sie wirken durch einfache Gesten und den Ausdruck in den Gesichtern der Schauspieler viel tiefer.

Auf der visuellen Ebene ist der Film eindeutig besser. Und das, wie gesagt, nicht nur wegen der grandiosen Aussichten auf dem Mars oder im All.

Schwächen hat der Film genau da, wo das Buch seine Stärken hat. Mark Watneys Versuche zu überleben, seine Basteleien, die technischen Probleme mit denen er kämpft, all die Widrigkeiten und vor allem seine Einsamkeit kommen im Film nicht so rüber wie im Buch. Dazu fehlen zu viele der guten und wichtigen Szenen. Klar, für den Film musste die Geschichte radikal gekürzt werden, doch damit gehen essentielle Aussagen verloren. So funktioniert die Wasserherstellung nämlich nicht so optimal, wie im Film gezeigt und Watney bekommt sehr bald ein Problem mit zu viel Wasserstoff. Später killt er aus Versehen die Pathfindersonde, weil er den Elektrobohrer dagegen lehnt und steht anschließend bis zum Erreichen der ARES 4 ohne Kommunikation zur NASA da. (Es gibt einen Kurzschluss, weil er zuvor die Verkleidung des Bohrers abnehmen musste, da dieser zu schnell überhitzte.) Ich fand dies einen wichtigen Aspekt, der im Film einfach wegfällt und somit einen Teil des Konfliktes aus der Handlung nimmt. Aus meiner Sicht wäre es auch notwendig gewesen, zu zeigen, dass die Fahrt über den Mars nicht so ungefährlich und unspektakulär ist, wie sie im Film aussieht. Im Roman kippt Watney mit dem Rover bei der Einfahrt in den Schiaparelli-Krater von einer Rampe, weil zwei Räder des Fahrzeugs im Treibsand versinken. Seine Angst und die Frustration so kurz vor dem Ende zu scheitern, hätte man unbedingt zeigen müssen. Im Film verlief die Reise viel zu glatt, während sie im Roman ein eigenes Abenteuer darstellt. So gehen viele Dinge verloren, die die Geschichte so brillant machen.

Was auch verloren geht, ist die Sprache. Watney nimmt kein Blatt vor den Mund. Das wird im Film zwar angedeutet, steht aber, wahrscheinlich aus Rücksicht vor dem amerikanischen Publikum, in keinem Vergleich zur Direktheit seiner Äußerungen im Roman, die ihn gerade deshalb so authentisch machen.

Ich will hier noch kurz auf ein paar Auffälligkeiten und technische Ungereimtheiten im Film eingehen. Natürlich ist der Deutsche wieder derjenige, der die Bombe baut. Witzig fand ich, dass er ein bisschen wie Alexander Gerst aussieht, für einen Deutschen aber eindeutig zu viele Kinder hat. :) In einer Szene wird einem Projekt ein Name aus »Herr der Ringe« gegeben, das faszinierende daran ist, dass einer der Schauspieler in der Szene bei »Herr der Ringe« mitgespielt hat. Netter Gag. Apropos Schauspieler: Matt Damon in der Rolle von Mark Watney ist optimal besetzt und zu jederzeit glaubwürdig.
Die Satellitenbilder vom Mars waren dagegen grottenschlecht. Wenn die NASA im Film zwölf Satelliten um den Mars kreisen lässt, dann sollten sie doch bitte eine bessere Auflösung haben. Da liefern ja die Fotos von Google Earth eine bessere Qualität. Außerdem ist die Missionsdauer zu kurz. In der Literatur geht man von drei Jahren aus, weil das Fenster für einen günstigen Rückflug relativ eng ist und man bis zu einem Jahr auf dem Mars bleiben müsste. Auch von den Szenen in der Schwerelosigkeit war ich etwas enttäuscht, die wirkten bei »Gravity« sehr viel natürlicher. Die Bewegungen der Astronauten auf dem Mars sahen dagegen extrem schwerfällig aus, schließlich wiegt man auf dem Mars nur ein Drittel wie auf der Erde, die Bewegungsmuster wären andere. Und davon, dass ein Sandsturm in der dünnen Atmosphäre des Roten Planeten niemals die Wucht entwickeln könnte, um die ARES umzuwerfen, will ich gar nicht reden.

Mein Fazit lautet: Der Film greift die Schwächen von Andy Weirs Roman auf und bügelt sie aus, kann aber die Faszination seiner Literaturvorlage nicht eins zu eins transportieren. Um die Geschichte in ihrer Vollendung zu erleben, sollte man sowohl das Buch gelesen, als auch den Film gesehen haben. Erst beides zusammen ergibt ein homogenes Ganzes. Wobei ich vorschlagen würde, erst den Film anzusehen und dann das Buch zu lesen. Das macht den Kinobesuch noch etwas spannender.

Achterbahn der Gefühle

Puhh! Ich bin fix und fertig, die Tränen sind noch nicht getrocknet, die visuellen Eindrucke noch nicht verdaut. Ich komme gerade aus dem Kino, wo ich mir den Animationsfilm »Alles steht Kopf« angesehen habe.

Die Filme von Pixar waren schon immer etwas besonderes, auch wenn sie seit dem Zusammenschluss mit Disney nicht mehr ganz so emotional und treffend waren, wie zuvor. Doch »Alles steht Kopf« (Wer hat sich eigentlich diesen blöden deutschen Titel ausgedacht? Der ist fast so schlimm wie damals »Das große Krabbeln«) macht alles richtig. Er bietet eine spannende Geschichte, die sowohl Kinder anspricht, in die sich aber auch Erwachsenen einfühlen können. Die Animationen sind wie immer großartig, nicht zu real, um sich noch den Zauber eines Trickfilms zu bewahren, aber detailliert genug, um Staunen hervorzurufen. Am stärksten ist der Film aber dann, wenn es um die Visualisierung der Denkprozesse geht, die im Kopf des kleinen Mädchens vor sich gehen. Ob es nun die Schaltzentrale ist oder die Inseln der Kernerinnerungen, das Langzeitgedächtnis oder das Unterbewusstsein, die eigentlich komplizierten Vorgänge werden auf so zauberhafte Weise erklärt, das man auch als rational denkender Erwachsener an der Darstellung der Zusammenhänge seine wahre Freude hat.

Ohne hier die Geschichte zu erzählen, möchte ich sagen, dass ich von einem Film lange nicht mehr so »emotional kompromittiert« wurde. Ich glaube der letzte Film, der das schaffte, war auch ein Pixar-Film und hieß »Oben«. Ich kann nur jedem, der Freude an Animationsfilmen mit guten Geschichte hat, empfehlen: Seht ihn euch an! Das ist der beste Pixar-Streifen seit Jahren.

Der einzige Wermutstropfen ist der Vorfilm. Die Vorfilme von Pixar zeichneten sich immer durch innovative individuelle Geschichten aus, die einen sympathisch auf den Hauptfilm einstimmten. Der Vorfilm »Lava« trägt eindeutig die Züge von Disney und das so stark, dass es nicht zu übersehen, nein besser, nicht zu überhören war. Zwei von Liebe singende Vulkane? Echt! In so einer Art Musicalnummer. Ich fand es fürchterlich und fragte mich ernsthaft, ob ich im falschen Film bin. Wenn der Mist noch eine Minute länger gedauert hätte, ich schwör’s, ich hätte fluchtartig das Kino verlassen. Das war peinlich hoch drei. Schade um die schön animierten Landschaften. Zum Glück hat es der Hauptfilm wieder rausgerissen.

Zum neugierig machen, gibt es hier noch den aktuellen Trailer:

Zwei mal überraschendes Finale

bellasTod_SonntagVor ein paar Tagen erzählte ich euphorisch von Georges Simenon. Meine Euphorie ist bis heute ungebrochen. Gestern beendete ich eine weitere Geschichte des genialen belgischen Schriftstellers.

Sowohl „Bellas Tod“ als auch „Sonntag“ handeln von Mord. Die eine von einem bereits Geschehenen und die andere von dessen Planung. Beide Geschichten sind in einem Taschenbuch zusammengefasst und alle zwei vereint die geschickte Erzählweise mit der Simenon den Leser ans Finale heranführt. In beiden Erzählungen steht ein Mann im Mittelpunkt der Handlung. In „Bellas Tod“ ist es ein Lehrer, in dessen Haus eine junge Frau ermordet wird und der mangels Alibi alsbald unter Tatverdacht steht. Sogar seine Frau beginnt, ihm zu misstrauen. Das geht soweit, dass er am Ende selbst an sich zweifelt und sein wahres Ich, dass er Jahrzehnte verborgen gehalten hat, plötzlich herausbricht.
„Sonntag“ erzählt dagegen das Leben eines Kochs, der vor ewigen Zeiten in eine Ehe eingewilligt hat, die ihn mehr und mehr zermürbt. Er versucht sich von den Fesseln seines tristen Daseins (in Form seiner Frau) zu befreien.
Während sich eine der Geschichten an der amerikanischen Ostküste abspielt, ist der Schauplatz von „Sonntag“ die Côte d’Azur. Der Autor beschreibt nicht nur die Szenerie so perfekt, dass man sich innerhalb eines Satzes sofort hineinversetzt fühlt. Nein, er weiß auch das Innenleben seiner Figur aufs Intimste zu beschreiben. Dabei wechselt er von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück, ohne das dies verwirrend oder störend wirkt. Besonders bei der Erzählung über den geplanten Mord, hat man von Anfang an Mitleid mit dem armen Mann und fiebert dem Ereignis genauso aufgeregt entgegen, wie der Protagonist selbst.

Was Simenons Geschichten besonders macht, ist ihr überraschende Ende. Er führt den Leser lange auf einer falschen Fährte, um ihm zuletzt vor vollendete Tatsachen zu stellen. So war ich bei beiden Geschichten am Ende völlig verblüfft. Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet.
Der Autor ist ein Könner und ich kann inzwischen erahnen, warum er von vielen Autorenkollegen so geschätzt wird.

Noch ein Hinweis zu meiner Taschenbuchausgabe von 1987, die ist nämlich aus der DDR, vom Aufbau-Verlag. Witzig finde ich ja die Bemerkung: Ausgabe für die sozialistischen Länder mit Genehmigung des Diogenes Verlag AG, Zürich. Spannende Frage: Ob und wie sich wohl diese Ausgabe von der Original-Ausgabe unterscheidet?

Franz-Josef und der Spiegel

David Rott als Conny Ahlers  /Quelle: BR
David Rott als Conny Ahlers /Quelle: BR

Dieser Tage jährte sich der Geburtstag von Franz-Josef Strauß zum hundertsten Mal. Aus diesem Anlass lief im Deutschen Fernsehen der Spielfilm „Die Spiegel-Affäre“ von 2014. Das war auch für mich ein Grund mal wieder nach der DVD im Regal zu greifen.

In dem auf Tatsachen basierenden Film geht um Spiegel-Gründer Rudolf Augstein und den damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß, die sich ab 1957 eine Privatfehde auf dem Rücken von Angestellten und Parteifreunden lieferten. Augstein haderte mit der Einstellung von Strauß, dass die Bundesrepublik unbedingt atomar bewaffnet sein sollte, und er als Verteidigungsminister nicht zögern würde, den „Roten Knopf“ zu drücken. Außerdem waren ihm Strauß‘ intrigante Machenschaften ein Dorn im Auge. Im Film wird deutlich wie sich Augstein nach und nach immer weiter in den Hass gegen Strauß hineinsteigert, mitunter gegen den Willen seiner Verlagsangestellten und Freunde. Als in der Spiegel-Ausgabe vom 10. Oktober 1962 der Artikel „Bedingt abwehrbereit“ von Conrad Ahlers und dem Bonner Spiegelredakteur Hans Schmelz zu den Resultaten des NATO-Manövers „Fallex 62“ erschien, ist dass der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringt. Nach Anzeige wegen Landesverrats veranlasst Strauß die Durchsuchung und Besetzung der Spiegelredaktion, tagelang werden die Räume durchsucht und einige der Mitarbeiter festgenommen. Darunter auch Conrad Ahlers, der mit seiner Frau in Spanien Urlaub macht. Seine Festnahme wäre aus rechtlichen Gründen eigentlich nicht möglich gewesen und ist nur durch Überschreitung von Befugnissen durch Strauß persönlich zustande gekommen. Auch Augstein wurde für 103 Tag in Haft genommen, bevor das Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt wurde.
Die Besetzung der Spiegel-Büros tritt in Deutschland eine Welle an Protesten los. Vor allem junge Menschen, die die Hitler-Diktatur und den Krieg noch miterlebt haben, sehen die Pressefreiheit gefährdet. Auch wenn die Spiegel-Affäre eigentlich eine Farce war, so wurde sie doch zu einer politischen Affäre, die im Nachhinein zur Entlassung zweier Staatssekretäre führte und den Rückzug Franz-Josef Strauß nach Bayern nach sich zog.

Ich fand den Film auch beim zweiten Mal unheimlich spannend und das nicht nur, weil David Rott mitspielt. Mir gefällt wie lebendig hier Geschichte aufgearbeitet wird. Für jemanden der mehr als zehn Jahre nach Handlungszeit des Films geboren wurde, ist der Eindruck, verglichen mit heute, ein wenig befremdlich, aber ungeheuer interessant. Auch wenn vielleicht nicht alles genau so wiedergegeben wurde, wie es seinerzeit war, so bekommt man als Zuschauer doch einen recht guten Eindruck. Vor allem, wenn man sieht, wie abfällig die Frauen in jener Zeit behandelt wurden. Da gab es schon mal vom Chef einen Klaps auf den Hintern und den Spruch „… dass weibliche Ressortleiter nicht infrage kämen …“. Davon, das überall gequalmt wurde, ganz zu schweigen. Beides ist heute ein Ding der Unmöglichkeit. So ändern sich die Zeiten.

Die Darsteller sind allesamt hervorragend ausgewählt. Besonders hervor sticht Francis-Fulton Smith als Franz-Josef Strauß, der für diese Rolle mindestens zwanzig Kilogramm zugenommen haben muss. Aber auch Sebastian Rudolph als Rudolf Augstein, Gerald Alexander Held als Siegfried Buback, Otto Mellies als Konrad Adenauer und „der letzte Bulle“-Henning Baum als Oberst Alfred Martin glänzen in ihren Rollen. Man spürt förmlich die Spielfreude aber auch die Ernsthaftigkeit, mit der die Mimen bei der Sache waren. David Rott als Conrad Ahlers (auch als der „schöne Conny“ bezeichnet) spielt den aalglatten Journalisten mit diesem überlegenen Gebaren, das er so brillant beherrscht. Und natürlich darf er auch in diesem Film wieder uneingeschränkt rauchen und sich mit hübschen Frauen umgeben.

Fazit: Nicht nur für David Rott-Fans sondern für alle Geschichtsinteressierten ist dieser deutsche Politikthriller ein unbedingtes Muss. Selten habe ich Politik und Geschichte so unterhaltsam aufgearbeitet gesehen. Mein Tipp: Unbedingt anschauen!

In einem interessanten Artikel in der Süddeutschen Zeitung kommentiert Franziska Augstein den Film und zeigt seine dramaturgischen „Verdrehungen“ auf.

Die Spiegel-Redaktion: Leo Brawand (Max Hopp), Conny Ahlers (David Rott), Rudolf Augstein (Sebastian Rudolph), Hans Detlev Becker (Johann von Bülow), Claus Jacobi (Franz Dinda) und Josef Augstein (André M. Hennicke). Quelle: BR
Die Spiegel-Redaktion: Leo Brawand (Max Hopp), Conny Ahlers (David Rott), Rudolf Augstein (Sebastian Rudolph), Hans Detlev Becker (Johann von Bülow), Claus Jacobi (Franz Dinda) und Josef Augstein (André M. Hennicke). Quelle: BR
Francis-Fulton Smith als Franz-Joseph Strauß /Quelle: BR
Francis-Fulton Smith als Franz-Josef Strauß /Quelle: BR

Heisskalt & Wechselwarm

Quelle: Amazon

Man lernt echt nie aus. Mir war nicht bewusst, dass es so viele gute deutsche Bands gibt.

Okay, ich bin jetzt nicht wirklich bewandert, wenn es um Musik geht. Formulieren wir es lieber so: Nämlich das ich sowas von keine Ahnung habe … Ich kann nur sagen: Was mir gefällt, höre ich, ohne mich dabei nach Trends zu richten oder an ein Genre zu halten. Ab und zu folge ich auch mal der einen oder anderen Radiosendung und da bekam ich kürzlich „Heisskalt“ zu hören. Die Band kommt aus dem Stuttgarter Raum und macht tolle Musik. Egal ob für sie das Label Punk nun zutrifft oder nicht. Ich find die Songs von den Jungs so klasse, dass ich mir bei iTunes gleich mal ihre letzte Platte gekauft habe. Die heißt vom „Vom Stehen und Fallen“ und bietet kritische Texte mit eingängigen Melodien. Alles sehr abwechslungsreich und ohne das mir ein Song auf dem Album nicht gefallen hätte. Ich denke mal, dass werde ich in nächster Zeit rauf und runter spielen.

Cool!

Auf der Internetseite der Band kann man sich einige der Songs anhören und natürlich ist „Heisskalt“ auch bei Spotify vertreten.

Kritisches zur SOL 79

Vor zwei Wochen flatterte die neue SOL (das Mitgliedermagazin der PRFZ) ins Haus und ich schaffte es dieses Mal sogar sie zeitnah zu lesen und nicht nur durchzublättern. Das lag vor allem an den tollen Kurzgeschichten und Romanauszügen, die einen Großteil dieser Ausgabe ausmachten. Tolle lesenswerte Geschichten unteranderem von Ben Calvin Hary, dem Autoren der genialen PR-FanEdition, über die ich ja bereits im vergangenen Jahr berichtet habe. Aber auch die Stellaris-Geschichte „Verweht“ von Dieter Bohn und die Kurzgeschichte „Die Überlebenden“ von Götz Roderer haben mich sehr berührt. Ich bin wie immer über die hohe Qualität der Geschichten erstaunt, die viele PR-Fans verfassen. Das gab/gibt es zwar auch im deutschen Star Trek-Fandom, aber nicht mit diesem Anspruch.

Das Schwerpunktthema DORGON wurde gut und informativ umgesetzt. In diesem Artikel habe ich endlich einen Überblick über das wie, was und wann im DORGON-Universum (von Nils Hirseland) bekommen. Ein Wissen, das mir in nächster Zeit helfen wird, wenn ich das Layout der DORGON-Geschichten und ihre Umwandlung in die digitalen Formate übernehme.
Roman Schleifers Beitrag zur Geschichte des Austria Con und des Wiener PR-Stammtisches war informativ und amüsant – so viel zum Thema „…nie wieder Con“.
Den Artikel zu Marianne Sydow werde ich lesen, sobald ich den Vorgänger-Artikel aus dem letzten Heft gelesen habe.
Auch die „Gedanken zur PRFZ“ von André Boyens und Herbert Keßel inklusive des Protokolls der Mitgliederversammlung fand ich hochinteressant. Es freut mich zu lesen, dass über eine Briefwahl zum Vorstand nachgedacht wird. Das ist in den Vereinen, in denen ich aktiv bin, inzwischen gängige Praxis. Schließlich kann nicht jeder zur Mitgliederversammlung erscheinen, wenn es sich um einen deutschlandweit agierenden Verein handelt, und einen Vertreter zu schicken, wird auch nicht jedem Mitglied möglich sein. Gut, dass zumindest jetzt über diese Idee nachgedacht und diskutiert wird.

Bis dahin fand ich die SOL 79 ziemlich gelungen. Doch als ich zu guter Letzt noch den Beitrag von Rainer Stache – dem galaktischen Beobachter – las, blieb mir fast mein Frühstück im Hals stecken. Ich weiß, dass „der galaktische Beobachter“ sehr kritisch bei der Bewertung der aktuellen Heftromane zugange ist, aber das hier „schlägt dem Fass den Boden aus“, wenn ich das mal so formulieren darf. Nichts gegen kritische Äußerungen, auch ich finde nicht alles gut, was in den Romanen geschrieben wird. Aber man sollte dabei doch auf dem Teppich bleiben und auch mal die eigenen Aussagen einer kritischen Prüfung unterziehen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich Stache auf das Expokraten-Team Vandemaan/Montillion negativ eingeschossen hat. Anders kann man seine Äußerungen nicht deuten. Allein ihnen wegen eines Satzes in einem Interview, Arroganz zu unterstellen, halte ich für etwas gewagt und werte es sogar als böswillige Verleumdung. Ein bisschen Respekt vor der Arbeit von Exposé-Autoren, Autoren und Redaktion stände Herrn Stache gut zu Gesicht. Vielleicht sollte er auch mal einen Blick über den Tellerrand wagen und damit meine ich nicht unbedingt das PR-Forum (das auch nur aus einer kleinen Schar eingefleischter Hardcore-Fans besteht und sicher nicht das Gros der PR-Fans darstellt), sondern sich auch mal mit dem Gedanken beschäftigen, dass es genügend Leser zu geben scheint, denen die Geschichten gefallen – mich eingeschlossen. Von zufriedenen Lesern wird man immer weniger hören, als von unzufriedenen. Richtig ist doch, dass wir inzwischen in einer anderen Zeit leben, die andere Vorstellungen und Wünsche projiziert. Und dass viele von den „Altlesern“ vielleicht einen verklärten Blick auf die Romane der Vergangenheit haben.

Ich persönlich „quäle“ mich gerade durch die Silberbände des MdI-Zyklus und kann mir momentan beim besten Willen nicht vorstellen, wieso der Zyklus bei vielen Fans so beliebt ist. Momentan hadere ich mit dem Reportagenhaften Schreibstil (meist in auktorialer Erzählperspektive), den teilweise an den Haaren herbeigezogenen, jeglicher Logik entbehrenden Plots und der draufgängerischen und unüberlegten Art und Weise, wie Perry Rhodan und seine Mannen immer wieder agieren. Aber vielleicht ereilt mich in den nächsten Romanen die Faszination ja noch.

Was ich damit sagen will ist, dass sich die Geschmäcker der Leser im Laufe der Zeit verändert haben und das man als Profitorientierter Verlag darauf eingehen muss, um neue Leserschaften anzulocken, wenn man nicht irgendwann völlig ohne Leser dastehen will (nämlich dann, wenn der Letzte gestorben ist). Veränderung ist der Lauf der Zeit. Auch wenn manch einem die Veränderungen persönlich nicht gefallen mögen, so finde ich es absolut respektlos, Leser, die anderer Meinung sind, als ein „Publikum von Dumpfbacken“ zu bezeichnen. Hier würde ich mir mehr Toleranz und Zurückhaltung vom „galaktischen Beobachter“ wünschen. Schließlich geht es bei Perry Rhodan um Toleranz im Umgang miteinander, doch davon spüre ich in seinen Ausführungen wenig.

Noch ein Einwand meinerseits. Gegenwartsthemen nicht in die Serie einzubeziehen widerspricht dem eigentlichen Zweck von Science Fiction. Es gibt viele Beispiele in der Geschichte der letzten 100 Jahre, dass gerade Science Fiction dazu genutzt wurde, um versteckt Gesellschaftskritik zu positionieren. Star Trek – benutzte dieses Element sehr oft und sehr erfolgreich. Es einer Serie wie Perry Rhodan abzusprechen, finde ich nicht nur realitätsfern, sondern auch schädigend. Gerade in der heutigen Zeit, die eine eindeutige Positionierung von uns allen fordert, finde ich es unabdingbar. Leo Lukas hat das in augenzwinkernder Form sehr schön realisiert. Leser von PR-Heftromanen waren und sind, meiner Meinung nach, nicht mit Lesern diverser anderer Heftromanserien zu vergleichen. Bei den meisten von uns steht nicht die Flucht aus dem Alltag im Vordergrund, sondern Unterhaltung auf einem intellektuellen Niveau, das politisches Zeitgeschehen nicht unberücksichtigt lassen darf.

Ich gebe hier meinen Unmut über die Ansichten des „galaktischen Beobachters“ kund, weil ich eben nicht seit Jahrzehnten tief im PR-Fandom verwurzelt bin, weil ich eben kein Altleser bin und weil ich, aus einer anderen Ecke des Mulitversums kommend, vielleicht eine andere Sicht auf die Dinge habe. So sehe ich die kritischen Äußerungen von Rainer Stache, an den Autoren, auch als einen persönlichen Affront an mich als zufriedene Leserin.

Ich weiß aus eigener Erfahrung: Autor wie Exposéautor leben von Kritik, aber konstruktive Kritik sieht für mich anders aus, Herr Stache.

Der Khitomer-Konflikt

Quelle: Cross Cult

In den vergangenen Jahren habe ich sehr wenig Star Trek Geschichten gelesen; das gebe ich unumstritten zu. Dabei gibt es eine Menge neuer Romane aus dem CrossCult-Verlag, die ziemlich gut sind. Doch seit ich mich mit dem unsterblichen Perry beschäftige (in dessen Universum ich noch Jahrzehnte aufholen muss), bleibt einfach nicht mehr genügend Zeit.

Das ich hin und wieder doch mal zu einer Star Trek-Lektüre greife, liegt an den tollen Comics, die alle naselang herauskommen. Einer, den ich vor Kurzem gelesen habe, ist „Der Khitomer-Konflikt“. Die Handlung spielt im Abrams-Universum nach den Ereignissen von „Into Darkness“. Es geht darum, wie Sektion 31 (eine Art Geheimdienst der Sternenflotte) die Klingonen und die Romulanen gegeneinander ausspielt, damit sie sich gegenseitig vernichten und somit keine Bedrohung mehr für die Föderation und die Menschheit darstellen. Zwischen den Fronten steht die Enterprise mit Captain Kirk, der die moralischen Grundsätze der Föderation zu wahren und den Konflikt zu verhindern sucht.

Auch wenn die Ansätze der Geschichte, Gene Roddenberrys Vorstellung von der Zukunft torpedieren, so blitzt zumindest ein Funke der ursprünglichen Moral von Star Trek auf. Über den Sinn und Unsinn des Unterfangens, zwischen zwei Imperien einen Krieg anzuzetteln, um selbst verschont zu werden, mag ich an dieser Stelle nicht diskutieren. Auch nicht, wie ein Geheimdienst eine Flotte von Schiffen bauen kann, ohne dass dies jemandem auffällt. Über solche Logik lässt sich bekanntlich streiten, auch darüber, wie es sich in die Geschichte des bisherigen Star Trek Universums einfügt. Es findet ja schließlich alles in einem parallelen Universum statt, dessen Vorgaben völlig anders sind. Um die Geschichte zu genießen, sollte man sich von alten Denkweisen trennen und keine Vergleiche ziehen. Dann wird man auch Gefallen an diesem Comic finden. Denn es werden viele Elemente aus beiden Abrams-Filmen und bereits erschienen Comics verknüpft und weitergeführt. Die Zeichnungen sind sehr schön und geben der Handlung einen netten Rahmen. Alleine dafür lohnt sich die Anschaffung.

Den Comic gibt es in jedem gut sortierten Buch- und Comicfachhandel.

Ein Ja! zum Multiversum

Quelle: Amazon

Angesichts des Namens, den mein Blog trägt und der eigentlich auf einer Idee meines Mannes beruht (das muss ich hier wirklich mal anbringen), interessiere ich mich natürlich für die Hintergründe der Multiversentheorie. Dazu fiel mir vergangene Woche ein Buch in die Hand, das ich unbedingt lesen musste.

In „Die verrückte Welt der Paralleluniversen“ geht es um die Entwicklung der Kosmologie der letzten Jahrzehnte. Die Autoren, beides Wissenschaftsjournalisten, erzählen davon, wie die Idee eines Multiversums aufkam und wie sie sich in die Geschichte der Physik einordnen lässt. Dazu lassen sie viele Physiker und Philosophen zu Wort kommen und erklären anhand der einen oder anderen vergnüglichen Anekdote, dass es auch in der Physik nur um Macht und Anerkennung geht. Streitereien darum, wessen Idee nun die Richtige ist, sind auch hier an der Tagesordnung und es dauert lange bis sich eine physikalische Theorie endlich durchsetzt.

Die Lockerheit mit der in diesem Buch eigentlich komplizierte Vorgänge dargestellt werden, ist verblüffend. Obwohl mir viele Theorien bereits bekannt waren, erfuhr ich einiges Neues. Die meisten der Theorien sind zu komplex, als das sie ein einfacher Verstand in seiner Vollständigkeit tatsächlich erfassen könnte, deshalb reduzieren sich die Autoren darauf, wie und warum die Theorien entstanden und welche Wechselwirkungen sie mit beststehenden Systemen haben. Das Ganze ist unterhaltsam verpackt und liest sich so leicht wie ein spannender Roman. Ich habe nur ein paar Stunden benötigt, um die 250 Seiten zu bewältigen und keine Minute davon bereut.

Mein Fazit: Wer sich ein wenig mit der Geschichte der Kosmologie und speziell mit der Theorie von Multiversen beschäftigen möchte, für den ist dieses Buch der ideale Lesestoff. Ein wissenschaftlich gebildeter Leser wird sich genauso wenig langweilen wie einer, der sich mit der Materie noch nie befasst hat. Und wenn darin auch noch Perry Rhodan erwähnt wird, gehört es für einen Fan geradezu zur Pflichtlektüre.

„Die verrückte Welt der Paralleluniversen“ von Tobias Hürter und Max Rauner, erschien bereits 2009 im Piper-Verlag. Ich las die Taschenbuchausgabe von 2012, die zur Zeit sehr preiswert bei Jokers angeboten wird.

Der DUDEN rät …

… zur korrekten Zeichensetzung.

Aufmerksamen Lesern dieses Blogs wird es vielleicht schon aufgefallen sein. Ich habe ein kleines Rechtschreibproblem, vor allem was die Zeichensetzung angeht. So lange ich zurückdenke, hadere ich mit den Kommas. Egal was ich versuche, irgendwie schaffe ich es nicht, sie richtig zu setzen. Besonders schlimm ist es im Fall von das und dass. Die Rechtschreibreform hat meine Probleme eher verschlimmert, als verbessert, weil ich nun verunsichert bin, was denn noch gilt und was nicht mehr.

Jetzt habe ich endlich etwas dagegen getan und einen Ratgeber zur Zeichensetzung gekauft. Am 21. August erschien der DUDEN Ratgeber „Zeichensetzung kompakt“. Auf übersichtlichen 50 Seiten werden die gängigsten Regeln aller Satzzeichen an Beispielen erläutert. Vom Komma übers Apostroph bis hin zu Ausrufezeichen und Gedankenstrich erfährt man alles, was man wissen muss. So weiß ich endlich, wann und wie man ein Apostroph korrekt einsetzt und was man setzen muss, um eine unbewiesene Aussage zu betonen (das macht man mit einem, in Klammern eingeschlossenen, Fragezeichen).

Und – Ha! Ich hab’s ja gewusst – die für mich wichtigste Erkenntnis: Entgegen anderslautender Informationen darf man ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen gemeinsam nutzen, wenn es sich um einen ausgerufenen Fragesatz handelt. Warum denn auch nicht?!

Das klingt alles sehr einleuchtend und hört sich auch gar nicht schwer an. Eigentlich muss man sich nur die Fälle merken, in denen kein Komma gesetzt werden darf. Nun hoffe ich, dass ich es mit Hilfe des Buches in Zukunft besser hinbekomme.

Eines hätte ich mir allerdings von dem Ratgeber noch gewünscht: Ein handlicheres Format als die DIN A5 Heftgröße; vielleicht als kleines DIN A6 Büchlein.

Den DUDEN Ratgeber gibts für 6,99 EUR überall im Buchhandel.

Verlorenen in Japan

lost-in-translationVergangenen Donnerstag sahen wir Lost in Translation auf ARTE.

Wenn mich ein Film, den ich vor einer Woche gesehen habe, heute immer noch beschäftigt, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, wie tief mich der Streifen berührt hat. Dabei ist die Handlung des Film recht unspektakulär: Der alternder amerikanischer Schauspieler Bob muss zwecks Werbeaufnahmen eine Woche in einem Hotel in Tokio verbringen, wo auch eine junge Amerikanerin Charlotte mit ihrem vielbeschäftigten Ehemann eingescheckt hat. Sowohl der Schauspieler als auch die junge Frau leiden unter dem Jetlag und langweilen sich in der ihnen fremden Welt. Irgendwann treffen sich beide an der Bar und beschließen die schlaflosen Nächte zu nutzen, um sich die fremde Umwelt gemeinsam zu erschließen. Dabei erleben sie allerlei Merkwürdigkeiten der japanischen Kultur, aber ohne dieser einen Schritt näher zu kommen. Die reine Zweckbindung zwischen beiden verwandelt sich zunehmend in etwas Größeres, schwer fassbares, dass sowohl Liebe als auch Freundschaft sein könnte …

Alt trifft jung und jeder lernt aus den Ansichten des Anderen – das ist kein neuer, aber ein immer wieder faszinierender Handlungsansatz. Regisseurin Sofia Coppola (Tochter des berühmten Francis Ford Coppola) setzt das Thema sensibel und gleichzeitig bildgewaltig um. Man spürt, wie sich die zarten Bande zwischen Bob und Charlotte entwickeln, wie beide an sich reifen. Der Film lässt den Zuschauer am Gefühlsleben der Protagonisten teilhaben, an den Gesprächen mit ihren jeweiligen Partnern, am drohenden Ende ihrer Ehen. Man glaubt zu wissen, wohin die Freundschaft zwischen Bob und der jungen Frau führen wird und ist am Ende überrascht, dass es nicht soweit kommt, sondern ihre Beziehung rein platonisch bleibt. Das macht die Geschichte zu etwas Besonderem, wertet sie auf in dem allgegenwärtigen Film-Allerlei Hollywoods.

Man merkt dem Film an, dass manche Szenen spontan entstanden sind. Das verleiht ihm Frische und Unbeschwertheit, die sich auf die Darsteller überträgt. Bill Murray als Bob Harris und die damals 17-jährige Scarlett Johansson spielen das ungleiche Paar mit großer Überzeugung. Giovanni Ribisi als Charlottes Ehemann stellt den oberflächlichen Egoisten mit einer Intensität zur Schau, dass man als Zuschauer nur Abscheu empfinden kann. Brillant gespielt ist auch der japanische Regisseur des Werbespots, für den Bob nach Tokio gekommen ist. Seine Theatralik und die ellenlangen Anweisungen in japanisch, die durch die Dolmetscherin größtenteils verloren gehen (Lost in Translation) bieten jede Menge vergnügliche Momente.

Fazit: Ein Film voller Melancholie und tiefen Gefühlen, dessen Bilder lange im Gedächtnis bleiben. Einer meiner Favoriten.