Stressige Woche

Vor dem Urlaub wartet der Stress.

Es gab diese Woche noch so viel zu erledigen, dass ich nicht mal zum Bloggen gekommen bin. Nicht nur auf Arbeit, wo ich den neuen Kollegen angelernt und alle angefangenen Projekte zu Ende geführt habe. (Ich bin mir ganz sicher, dass, wenn ich wiederkomme, mich dennoch die eine oder andere Katastrophe erwartet.) Aber auch nach der Arbeit war nicht Schluss. Bei der Schlussredaktion der SOL 88 ist ein unerwartetes Problem aufgetaucht, dass gelöst werden musste. Seit Montag versuche ich die Texte für den Newsletter zusammenzustellen, was zeitlich irgendwie auch nicht so richtig klappen wollte. Und dann war da noch der Artikel, den ich für ein Magazin geschrieben habe und der noch vor Redaktionsschluss in Form gebracht werden musste. (Dazu später mal mehr.) Heute arbeite ich an einer besonderen Anzeige in der SOL.

Für die eigentlichen Urlaubsvorbereitungen hatte ich bisher so gar keinen Nerv. Morgen bin ich voraussichtlich in Frankfurt und am Sonntag und Montag ist das Layout des Newsletters fällig. Das heißt dann wohl, dass ich meinen Koffer erst am Montagabend packen kann. Es ist ohnehin egal, denn vergessen tue ich sowieso wieder was. Das ist immer so, egal ob ich den Koffer zwei Wochen oder zwei Stunden vor der Abreise packe.

MacGyver aus der Hölle

Weil RTL-Nitro jetzt auch Fußball überträgt, sollte ich den Sender am Fernseher meiner Eltern suchen und einprogrammieren. Gefunden war er schnell, programmiert auch. Dabei lief gerade eine Folge von MacGyver.

Es ging um einen Schatz von Atlantis, den MacGyver zusammen mit einer jungen Frau und einem väterlichen Wissenschaftler heben wollten. Einen Gegenspieler gab es auch, der hielt die drei mit einer Pistole in Schach. Soweit so gut.

Ich habe die MacGyver-Serie in meiner Jugend ganz gern gesehen, aber diese Folge zu sehen war … Ich kann das gar nicht beschreiben. Das war sowas von schlecht, mir stand buchstäblich der Mund offen. Es schüttelte mich angesichts des dummen Plots, der noch dümmeren Dialoge und der haarsträubenden »wissenschaftlichen« Erklärungen. Die haben doch tatsächlich die Konjunktion aller Planeten gezeigt. Also so richtig, man konnte die einzelnen Planeten sogar unterscheiden, hinzu kam ein rubinroter Meteorit der langsam über den Himmel wanderte. Ich dachte: Echt jetzt! Für wie blöd halten die ihre Zuschauer. Eine solche Konjunktion ist nie und nimmer mit bloßem Auge sichtbar, schon gar nicht so wie es dargestellt wurde. Selbst jetzt kann ich immer noch nicht fassen, dass mir sowas mal gefallen hat.

Da wurde mir mal wieder bewusst, dass man einige Dinge aus der Vergangenheit doch lieber ruhen lassen sollte. Manche eine Fernsehserie aus den Achtzigern gehört definitiv dazu.

Gedanken zur Gerechtigkeit

Es war ein Interview, dass ich Anfang der Woche zu lesen bekam, und in dem mich einige Textstellen zunächst irritierten und schließlich ziemlich auf die Palme brachten.

Den Aussagen desjenigen zufolge – ich nenne hier weder Namen noch, um was es genau geht – bekam er Hilfe von einem Profi, was ihm letztendlich einen begehrten »Job« einbrachte, ohne das er eine Ahnung von der Materie hat.

Für diesen »Job« kann sich jeder bewerben, der sich in der Materie auskennt. Es wird natürlich nicht jeder genommen, weil es wie überall bestimmte Qualitätskriterien zu erfüllen gibt. Ich kenne Leute, die sich schon mehrfach dafür bewarben und die hart an sich arbeiten, um irgendwann einmal diesen »Job« zu bekommen. Alles Leute die keine Hilfe von Profis in Anspruch nehmen können oder wollen.

Weil ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe, schrillten bei mir alle Alarmglocken. Da hatte sich jemand mittels Vitamin B einen Vorteil verschafft. Ich weiß, dass gab es schon immer und wird es immer geben, aber ich finde es perse ungerecht. Weshalb ich mich zwei Nächte lang darüber aufregte. Denn in dem Fall betraf es mich selbst. Ich zähle mich zu denen, die auf ehrliche Weise erfolgreich sein wollen und nicht, weil sie Unterstützung erhalten. Da müht man sich jahrelang ab, arbeitet wie eine Blöde und dann kommt jemand, wendet sich einfach dreist an die richtigen Personen, wird gefördert und kassiert den Erfolg ein. Nein, das ist in meinen Augen alles andere als fair.

Deshalb habe ich mich beschwert. Wie zu erwarten, wurde eine Bevorzugung abgestritten und auf die besonderen Talente desjenigen verwiesen. Da frage ich mich: Wenn es so war, dass er keine Hilfe hatte, warum erzählt er es dann?

Für mich steht am Ende dieser Woche fest, dass es nirgendwo mehr Gerechtigkeit gibt. Das man nur mit Rücksichtslosigkeit und Beziehungen weiterkommt. Und das man für Ehrlichkeit bestraft wird. Egal in welcher Lebenslage. Das lässt mich noch weniger an eine hoffnungsvolle Zukunft glauben, in der Fleiß und Aufopferung mehr gewürdigt werden als Vitamin B.

Trotzdem werde ich da nicht mitmachen.

Berge, See und grüne Wiesen

In was für einer schönen Landschaft ich wohne, wurde mir erst wieder bewusst auf der Autofahrt nach Wolfenbüttel. Die Gegend um Leipzig und weiter rüber nach Sachsen-Anhalt, empfand ich als ziemlich trostlos – flach, eher trocken und mit Wäldern aus Windkollektoren. Ich bin mir sicher, dass es auch Leute gibt, denen das gefällt, für mich wäre das nichts. Ich stamme aus dem Thüringer Wald und ich brauche Berge und Wald. Das dort, wo ich jetzt wohne, die Berge noch ein bisschen höher sind und es zudem noch reizvolle Seen gibt, ist natürlich nicht zu übertreffen. Kein Wunder, dass im Sommer so viele Touristen kommen, obwohl es jetzt im Herbst eigentlich viel schöner ist.

Auf unserer Radtour am Montag breitete sich diese beeindruckende Kulisse vor uns aus. So, dass ich tatsächlich stehenbleiben musste, um zu staunen. Die weißen Spitzen, leuchteten in der Sonne, im Wasser spiegelte sich das Blau des Himmels und rund um den See hatten die Bäume ihr buntes Herbstkleid angelegt. Und da es bei uns in diesem Sommer wieder viel geregnet hat, sind die Wiesen immer noch grün.

So mag ich den Herbst am liebsten.

Weissagung der taz

Nachdem ich heute fast den ganzen Tag an Artikeln, Kolumnen und Interviews geschrieben habe, wollte ich eigentlich keinen Blogeintrag mehr schreiben, doch dann entdeckte ich in einer Zeitschrift eine Anzeige. Es geht darin nicht um ein greifbares Produkt, das man kaufen soll, sondern um Informationen. Es geht um die Berichterstattung im Internet und um die Gefahr, die kostenlose Informationen bergen. Die taz wirbt darin für Unabhängigkeit und das auch Informationen einen Preis haben müssen.

Über das wie und warum gibt es auf der Seite der taz einen sehr aufschlussreichen Artikel, den ich an dieser Stelle gern teilen möchte. Für ein freies Internet, für unabhängige Berichterstattung und dafür das auch Journalisten angemessen bezahlt werden sollten.

Meine Arbeit als Redakteurin mache ich ehrenamtlich in meiner Freizeit. Das kann ich nur, weil ich noch einen Brotjob habe. Viele Journalisten müssen von ihrer Arbeit leben, wenn aber immer mehr Leute Informationen im Internet gratis beziehen, gibt es vielleicht irgendwann keine unabhängigen Nachrichten mehr.

In dem Sinne:

Quelle: taz.de

Per Auto durch die Republik

Normalerweise fahre ich lieber mit dem Zug. Das ist für mich stressfreier und ich kann dabei schreiben. Gerade auf lange Strecken versuche ich das Auto zu vermeiden, auch der Umwelt wegen.

Nach Wolfenbüttel war ich dieses Mal mit Sandra unterwegs und die liebt Autofahren. Also nahmen wir das Auto. Ich hatte ja zunächst Bedenken, eine so weite Strecke und dann noch auf der A9. Am Samstag war es dann vormittags bis Nürnberg auch ziemlich voll. Dann ließ der Verkehr langsam nach und wir rollten mit Sandras Hybrid dahin. Ich bin ja nach wie vor begeistert, wie gut sich die Hybrid-Autos auf Autobahnfahrten machen. Man fährt so sparsam, das hätte ich nie erwartet. Überlandfahrten auf denen es bergauf und bergab geht, mag so ein Hybrid im Gegenzug gar nicht, da verbraucht er deutlich mehr.

Fasziniert war ich auch von Sandras Navi, eigentlich nutzt sie nur die Navigation von Google Maps. Einfach iPhone an und los geht’s. Ich bin ja kein Freund von Navigationsgeräten, weil ich immer denke, dass man damit sein Gehirn nicht mehr genügend fordert, aber … wie uns das Navi auf der Rückfahrt um einen Stau herumgeleitet hat, der noch nicht mal im Radio angekündigt war … das hat mir imponiert.

Und dann konnte ich auf der Fahrt noch so ein paar Beobachtungen machen. Je weiter wir gen Norden kamen desto bunter wurden die Wälder. Der Herbst ist im Norden deutlich fortgeschrittener als bei uns im Süden, was vor allem an den häufigen Niederschlägen am Alpenrand liegen mag. Außerdem stellte ich hinter Leipzig fest, das die Frontscheibe voller Insektenleichen war. In dem Ausmaß kenne ich das nur von früher. In den letzten Jahren hatten wir auf unseren Fahrten durch Bayern kaum mal eine Mücke auf der Scheibe. Es scheint als sei der Osten ökologischer, was die Landwirtschaft angeht.

Wir sind jedenfalls gut mit dem Auto nach Wolfenbüttel und zurück gekommen. Mein Dank geht an Sandra für die schöne Fahrt. Und wer wissen will, wie ihr das Wochenende und die Eschbach-Tagung in Wolfenbüttel gefallen haben, dem empfehle ich ihren Blog. Dort gibt es auch jede Menge Fotos.

Ein König für Deutschland …

… Ich weiß nicht, ob die Veranstalter der ersten weltweiten Andreas Eschbach-Tagung dem letzten Vortrag mit Absicht dieses Thema gegeben haben, oder ob es Zufall war. Der Roman »Ein König für Deutschland« handelt von einer Gruppe von Menschen, die durch Manipulation der Bundestagswahl aus Deutschland eine Monarchie machen wollen. Nur um nach der Wahl zu zeigen, dass die Wahl gefälscht war. Ich glaube, es erging mir wie den meisten der Tagungsteilnehmer: ich wünschte mir, das Wahlergebnis des 24.9.2017 sei nur ein Gag, eine Manipulation und gar nicht wahr. Es machte betroffen und holte mich an diesem Montag gnadenlos in die Realität zurück, aus der ich mich seit Samstag ausgeklinkt hatte.

Eine Tagung in der das literarische Werk eines großartigen deutschen Schriftstellers analysiert und gewürdigt wurde und der dazu noch selbst anwesend ist, war ein Novum an der Bundesakademie für kulturelle Bildung. Olaf Kutzmutz der Initiator dieser Veranstaltung erfüllte sich nach eigenen Worten einen Traum. Das er damit nicht allein steht, bewiesen die 55 Teilnehmer, die nach Wolfenbüttel gereist waren, um dem Ereignis beizuwohnen.

Es wird noch lange dauern, bis ich die vielen Eindrücke und Informationen verarbeitet habe, aber ich kann schon jetzt sagen, dass sich jede Minute gelohnt hat. In sechs sehr unterschiedlichen Vorträgen nahmen sechs ebenso unterschiedliche Dozenten das Lebenswerk Andreas Eschbachs unter die Lupe. Von Zeitreisen, über Hörspiele und Ölkrise bis hin zu PERRY RHODAN gab es viel zu erfahren. Höhepunkt war jedoch eine Lesung des Autors selbst und das anschließende Gespräch zwischen Andreas Eschbach und dem Programmleiter Literatur der BA Olaf Kutzmutz. In seiner unnachahmlich ruhigen Art und der ihm eigenen Zurückhaltung plauderte der Autor über seine Jugend, seinem Weg zum professionellen Schriftsteller und über die Art, wie er schreibt. Das Eschbach nicht nur als Autor unberechenbar ist, sondern auch bei seinen Antworten, machte das Gespräch umso faszinierender. Ich hätte noch Stunden zuhören können.

Noch völlig entrückt prasselten wenig später die ersten Hochrechnungsdaten der Bundestagswahl auf mich ein. Die Teilnehmer, die sich bei Bier und Wein versammelt hatten und den Tag eigentlich in Harmonie ausklingen lassen wollten, reagierten mit Bestürzung und Fassungslosigkeit. Die Zahlen waren so erschreckend, so unwirtlich, dass die Hochstimmung, die den Nachmittag geprägt hatte, plötzlich dahin war. Ich versuchte es so gut wie möglich zu verdrängen, denn ich wollte mir nicht den Abend verderben lassen. Und ich glaube, dass ich nicht die einzige war, der es so erging. Wir redeten über privates und weniger privates, über Literatur und Genre, über Männer die Frauenromane schreiben und Frauen die Science Fiction schreiben. Eigentlich war es ein Abend wie immer im Mühlenfoyer und doch war es dieses Mal anders. Düsterer und irgendwie hoffnungsloser.

Der Montag begann mit zwei unterhaltsamen und informativen Vorträgen. Man vergaß fast das Unheil vom Sonntag. Doch der Vortrag von Regula Venske vom PEN-Verband über »Ein König von Deutschland« entriss die Teilnehmer der heilen Welt der Literatur, die an diesem Wochenende eigentlich im Vordergrund stehen sollte.

Wir schieden letztendlich nach dem Mittagessen mit einem Knoten im Bauch. Zusätzlich zum üblichen »Seminarblues« nach einer sehr gelungenen Veranstaltung schwang noch etwas anderes mit. Etwas, das diese Tage in Wolfenbüttel noch denkwürdiger erscheinen lässt. Es war eine großartige Tagung mit einzigartigen Menschen, für den wahrscheinlich genialsten Autor der deutschen Gegenwartsliteratur. Ich sage das, auch wenn Andreas Eschbach selbst diese »Heiligsprechung« lieber von sich weisen würde.

Trotz der beklagenswerten Hintergründe gehört das Wochenende zu denjenigen, die ich wohl nie vergessen werde. Danke an die Bundesakademie und Danke an Olaf Kutzmutz für die Idee und ihre perfekte Umsetzung.

Literatur in multiplen Sinneseindrücken

Zunächst nur eine kurze Notiz. Es waren zu viele Eindrücke, die gestern auf mich einstürmten.

Nach einem ausgedehnten Frühstück machten wir einen Spaziergang durch das verregnete Wolfenbüttel und besuchten jenen Ort, den ich hier schon so oft besuchen wollte: die Bibliothek. Ich gestehe, dass ich so etwas auch noch nicht gesehen habe. Meterhohe Räume voller Regale mit historischen Büchern. Gebunden in Leder oder Pergament waren die meisten so alt wie der Buchdruck selbst und manche sogar noch älter. Auch die riesigen Globen und die ausgestellten Illustrationen und Radierungen beeindruckten. Wer nach Wolfenbüttel kommt, sollte der Bibliothek unbedingt einen Besuch abstatten.

Nach dem Mittag setzten wir uns ins Mühlenfoyer und beobachteten die ankommenden Tagungsteilnehmer. Auf der Liste der 57 Besucher las ich mindestens zwölf bekannte Namen und da mein Namensgedächtnis so schlecht ist, entdeckte ich dann noch mindestens fünf Leute mehr, die ich kannte.

Über den Ablauf der Tagung blogge ich separat. Nur soviel, es wurde wie immer sehr spät oder früh, wie immer man es nennen möchte. Jedenfalls war ich diejenige, die gegen halb zwei das Licht löschte.

Gleich geht’s weiter mit Literatur im allgemeinen und den Romanen von Andreas Eschbach im besonderen und ich bin sehr gespannt. Ich hoffe nur, dass wir auf der Rückfahrt heute Nachmittag keinen Stau haben werden. Spät wird es dennoch werden.

In hoffnungsvoller Erwartung

Zum vierten Mal bin ich heute am frühen Abend in die Schünemansche Mühle in Wolfenbüttel eingezogen und je öfter ich hierherkomme, desto größer ist das Gefühl nach Hause zu kommen. Alles ist vertraut, vom Rauschen der Oker vor dem Haus, bis zum Geruch der dicken Holzbalken an der Zimmerdecke. Man kennt sich aus, weiß wo man hin muss und wie alles funktioniert.

Warum ich siebeneinhalb Stunden Autofahrt auf mich genommen habe, um hierherzukommen, verrate ich heute noch nicht. Nur so viel, dass ich dieses Mal nicht allein angereist bin.

Selbst das Abendessen nahm ich mit meiner Begleitung an vertrautem Ort ein. Der Thailänder in der Fußgängerzone ist einfach zu gut, um ihn auszulassen. Beim nächtlichen Spaziergang durch die Innenstadt wirkten die Fachwerkhäuser im Glanz der Straßenlaternen wie aus dem Bilderbuch. Auch die Fußgängerzone – vor einem Jahr noch eine Baustelle – erstrahlt inzwischen in neuem Glanz, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt nämlich jetzt mit LEDs beleuchtete Springbrunnen zwischen dem Plaster. Sieht sehr nett aus, wie ich finde. Das Café für das Frühstück wurde auch schon ausgemacht, damit der Sonntagmorgen auch angemessen beginnen kann.

Nun warte ich ungeduldig auf den morgigen Tag und die besondere Veranstaltung an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel. Vor allem aber auf die vielen alten und neuen Gesichter.

Die Partei und der Pogo

Weil derzeit noch der Wahlkampf tobt und weil die meisten meiner Lesern nichts mit Punk am Hut haben, möchte ich heute eine Partei vorstellen, die vor allem in den Neunzigern und Zweitausendern auf der politischen Bühne in Deutschland mitgemischt hat.

Zugegeben, die »Anarchistische Pogo Partei Deutschlands« – kurz APPD – war nicht wirklich erfolgreich. Sie war vor allem eine Spaßpartei, deren Argumentation zur Arbeit erst auf den zweiten Blick einen tieferen Sinn ergab. Für die meisten Menschen sind die Slogans »Arbeit ist Scheiße« und »Saufen, Saufen, nochmal Saufen« bis heute Sinn befreit. Aber die Partei bot damals Menschen eine Stimme, die bewusst am Rand der Gesellschaft lebten und provozieren wollten. Gegen das System und gegen die Verlogenheit der Politik.

Anlässlich der kommenden Bundestagswahl hat der Spiegel ein Interview mit Karl Nagel geführt, dem ehemaligen Parteivorsitzenden der APPD. 1998 ließ sich der Hamburger sogar als Kanzlerkandidat für die APPD aufstellen. Im Gespräch mit dem Spiegel wird klar, dass es zwar den Punks damals in erster Linie um den Spaß ging, es aber auch einen ernsten politischen Hintergrund gab. Wenn die großen Parteien ihre Wähler an der Nase herumführen können und Dinge versprechen, die sie dann nicht halten, so sollten auch andere das Recht haben, mit Schwachsinn zu werben. Quasi als Protest und Provokation gegenüber den bürgerlichen Parteien.

Ich finde das Interview wirft einen ernsthaften Blick in die Vergangenheit der deutschen Punk-Szene und regt zum Nachdenken an, über Politik, Gesellschaft und wofür Punk wirklich steht.

Ich bin ja erstaunt, dass ausgerechnet der Spiegel dieses Interview abgedruckt hat. Es gibt auf der Seite auch eine Fotostrecke zum Thema APPD und einen Wahlwerbespot, der damals tatsächlich so im Fernsehen gelaufen ist.

Hier der Direktlink auf die Seite vom Spiegel-Interview es lohnt sich.

http://www.spiegel.de/einestages/punk-partei-appd-als-karl-nagel-pogo-kanzler-werden-wollte-a-1168637.html