Vom Christkindl, Schulaufgaben und Schiffen mit dem Namen Enterprise

Gestern fand unser alljährliches Weihnachtstrekdinner in München statt. Wie immer hatten Sandra und Florian alles perfekt vorbereitet und auch die Preise fürs Star Trek Quiz organisiert. Danke an Euch, ihr macht das wirklich super. Ich muss das an dieser Stelle einfach mal erwähnen.

Wir hatten uns in unsere Galauniformen geschmissen und waren dieses mal auch nicht die Ersten.
Überraschenderweise kamen an diesem Abend aber nur 22 Leute zusammen, normalerweise ist es zu diesem Termin immer proppenvoll. Doch auch das empfand ich als angenehm, so wurde es nicht so laut. Im Gegenteil, während des von mir, als Schulaufgabe inszenierten Quiz‘, war es tatsächlich mucksmäuschenstill. :) (Wie in der Schule.)
Natürlich lief nicht alles so perfekt, wie ich es geplant hatte, denn bei einer der Fragen war mir ein Formulierungsfehler unterlaufen. So war von „Schiffen“ die Rede, obwohl es exakt eigentlich hätte „Raumschiffen“ heißen müssen, was zu einer lautstarken Diskussion führte. Dennoch schien es den meisten gefallen zu haben. Der Beste erreichte sogar 133 von den maximal zu erzielenden 135 Punkten. Alle Achtung!

Sandra hatte wie jedes Jahr einen kleinen Jahresrückblick mit den witzigsten Fotos vorbereitet und eine Trailershow fürs kommende Jahr zusammengestellt. Später hat Florian als Christkind verkleidet noch die Wichtelgeschenke verteilt und ich erhielt einen Leatherman. Passender hätte das Geschenk für mich nicht ausfallen können. :) Es gab einige, die sehr gern mit mir getauscht hätten.

Nach dem Wichteln machten wir uns dann auf den langen Heimweg.

Auch wenn wir in diesem Jahr eine „kleine“ Runde waren, hat es dennoch viel Spaß gemacht. Nur habe ich wieder ein paar mehr Uniformen oder wenigstens Star Trek T-Shirts vermisst.

Fotos gibt es wie immer auf Sandras Blog.

Aktiv im Fandom

Als Mitte der 2000er mein Lieblings-Star Trek-Fanclub – das Star Trek-Forum – seine Pforten schloss, war ich sehr traurig. Denn die Leute dort hatten mir und unzähligen anderen Fans eine Plattform geboten, auf der wir unsere Kreativität und Hingabe für Star Trek ausleben konnten. Sie veröffentlichten unsere Geschichten und Artikel genauso wie unsere Zeichnungen und Comics. Die Clubzeitschrift „Starbase“ und der monatlich erscheinende Newsletter (in Papierform), ließen uns stets teilhaben an der großartigen Sache, die sich Star Trek nannte und machte jeden von uns zu einem Teil davon.
Doch damit war plötzlich Schluss. Ob es nun daran lag, dass keine neue Star Trek Serie mehr gedreht wurde oder am Boom des Internets, wo man die Informationen viel schneller bekommen konnte und fast dauernd „up to date“ war. Mit dem Aus des kleinen Clubs (der es zu seinen besten Zeiten auf fast 1000 Mitglieder geschafft hatte) ging etwas zu Ende, dass viel mehr war, als bloße Informationsverteilung.
Damals beschwor ich im Intro einer der letzten Starbase-Ausgaben den Niedergang von Star Trek, wozu es dann Gott sei Dank nicht gekommen ist.
Was aber folgte, war tatsächlich ein Niedergang der Fanaktivitäten im analogen Sinne. Die Dinge verlagerten sich zusehends ins Internet. Es entstanden Internetclubs, Blogs, Wikipedias und vieles mehr, die schließlich irgendwann von Facebook und Co abgelöst wurden. Die Community wurde digital und wer nicht dabei war, blieb ausgeschlossen. Die Technik nahm den Fans einen Teil der Kreativität, weil sie sie beschäftigt hielt.
Ich bedauere das sehr. Natürlich nutze auch ich das Internet und seine Möglichkeiten, habe mir aber eine gewisse analoge Arbeitsweise erhalten. Das heißt, ich tue Dinge gern noch mit der Hand und benütze dazu meinen Kopf. Ich lasse mich nicht berieseln, sondern versuche selbst etwas auf die Beine zu stellen, entgegen aller Widrigkeiten und ohne den Arbeitsaufwand zu scheuen. Oftmals werde ich dafür belächelt, das tut weh, doch ich weiß, dass diese Herangehensweise für mich persönlich richtig ist. Nur so fühlt es sich wirklich echt an.

Es gibt aber auch ein paar positive Beispiele aus dem Star Trek-Fandom die Hoffnung machen. Eines davon ist „das ultimative Archiv deutscher Star Trek Fanfiction“ – Treknation, in dem sich viele ehemalige Mitglieder des Star Trek-Forums ein Stelldichein geben. Sowas freut mich natürlich, auch wenn ich selbst nicht mit von der Partie bin.

Heute, fast 10 Jahre später, habe ich bei der PRFZ ein neues Zuhause gefunden. Der Club trägt zwar nicht das Label Star Trek, sondern Perry Rhodan, aber die Menschen dort sind Gleichgesinnte, mit denen ich mich identifizieren kann. Und außerdem, wenn ich genau darüber nachdenke, habe ich schon Perry Rhodan gelesen, als ich noch kein Star Trek Fan war. :)
Die Verantwortlichen der PRFZ setzen sogar so viel Vertrauen in mich, dass sie mir die Redaktion des Newsletters überlassen haben. Eine Zuversicht die ich natürlich nicht enttäuschen möchte. Gestern erschien die erste Ausgabe des Newsletters unter meiner Regie. Nachdem ich das Layout vollständig umgebaut habe und dem Ganzen einen etwas professionelleren Look verpasst habe, werden wir sehen, wie die Abonnenten des Newsletters darauf reagieren. Über mangelnden Einsatz meinerseits, können sie sich jedenfalls nicht beschweren.

PRFZNL

„Die Telepathin“ im Netz

Gestern habe ich in einem Beitrag auf st-ebooks.de auf meinen Roman „Die Telepathin“ zur PR-FanEdition hingewiesen. Jeder der mag, kann ab sofort seinen Kommentar zum Buch dort abgeben.

Seit heute morgen gibt es auch auf der offiziellen Verlagsseite einen Eintrag, in dem auf das Erscheinen der FanEdition 15 hingewiesen wird. Ich freu mich wahnsinnig, dass ist so richtig motivierend.

Ups, jetzt ist meine „Telepathin“ auch noch bei Facebook gelandet. Ich bin ja selbst kein großer Facebookfan, aber wie das so ist, klappern gehört eben zum Handwerk und da kommt man heute an Facebook nicht vorbei.

Telepathin auf stebooks Kopie screenFE15

Gedanken zum Kauf

Wie in jedem Jahr bekam ich von meinem Mann einen Weihnachtskalender. (Er natürlich auch von mir.) In diesem Jahr fand ich darin das Tassenutentsilo, was ich mir schon so lange wünsche. Endlich gibt es keine Tropfen mehr auf dem Schreibtisch, wenn ich den Teebeutel aus der Tasse nehme und umständlich entsorgen muss.

Einige Konsumfeinde werde jetzt sagen, ob man das unbedingt braucht. Das sei dahingestellt, denn natürlich könnte man auch einen Löffel benutzen. Ich weiß das und ich weiß auch, dass unser übersteigertes Konsumverhalten zur Vernichtung von Ressourcen und Umwelt beiträgt.
Im Allgemeinen achte ich auch darauf, dass ich keine unnötigen Dinge kaufe: Zum Beispiel keine neuen Schuhe, sofern es die Alten noch tun. Mein Handy ist fast acht Jahre alt und mein ipod wird sechs und beide tun noch immer ihren Dienst und deshalb werde ich sie nicht wegwerfen, nur weil sie nicht mehr „up to date“ sind, wie man so schön auf Neudeutsch sagt. Bei Computer und Haushaltsgeräten ist es ähnlich.
Bücher und DVD’s kaufe ich, sofern ich sie bekomme, meist gebraucht, was auch eine Art von Ressourcenschonung ist, aber den jeweiligen Buchautor wiederum schadet. Und deshalb ist es halt manchmal doch nötig, Dinge zu kaufen, eben weil andere davon abhängig sind, dass wir Geld ausgeben.
Weil wir nunmal in einer kapitalistisch geprägten Gesellschaft leben, die vom Konsum abhängig ist, werden wir uns an die Gegebenheiten halten müssen, um einfach nur unseren eigenen Job zu sichern. Ein totaler Verzicht auf Konsum wäre das Ende unserer Gesellschaft, wie wir sie kennen. Doch wir wissen nicht, ob das, was danach folgt, besser oder schlechter sein wird.
Dennoch sollten wir mit offenen Augen durch die Welt gehen, ganz besonders jetzt vor Weihnachten, und uns beim Einkaufen hin und wieder fragen, ob wir all die Dinge wirklich unbedingt brauchen.
Ich versuche es jedenfalls, auch wenn es mir nicht immer gelingen mag.

Ach ja, hier ein Foto für die, die wissen wollen, was ein Tassenutensilo ist.

Tassenutensilo

Fannisch verrückt

Normale Leute hängen momentan die Weihnachtsdekoration auf. Wir dagegen haben gestern endlich einen Platz für unsere aufblasbare Enterprise gefunden. Die konnte ich im August auf der Ersatz-Trekgate in Düsseldorf ersteigern. Das gute Stück ist ca. einen Meter lang und es geht eine Menge Luft rein. :) Nun hat sie einen festen Platz im Dock und wird auch noch entsprechend illuminiert.

Jetzt sieht unser Wohnzimmer mit all den Büchern, DVD-Boxen, Modellen und Star Trek bzw. Star Wars Memorabilien endgültig aus wie das Jugendzimmer eines Teenagers. Aber egal, wir wissen, dass wir in dieser Hinsicht ein wenig anormal sind und können sehr gut damit leben. Jetzt passt es wenigstens zur Küche, die auch nicht ganz so aussieht, wie man sich eine Küche normalerweise so vorstellt. Deren Anblick aber bei unseren Besuchern immer ein Staunen hinterlässt. Worauf wir ein bisschen stolz sind.

Luft-Enterprise

SEX, Drogen und Alkohol …

chaos-en-franceKlaus N. Frick „Chaos en France. Peter Pank in Avignon“

SEX, Drogen und Alkohol … so oder so ähnlich lässt sich der Inhalt von Peter Panks Abenteuern in Avignon zusammenfassen. Aber das würde dem Werk nicht gerecht werden, denn der Roman ist so viel mehr …

Peter ist dem kalten Deutschland entflohen, hat sich in Avignon bei einem Freund einquartiert und sich in die hübsche Manu verliebt. Das Leben könnte so schön sein, wenn nicht plötzlich alles aus dem Ruder laufen würde. Zuviel Alkohol, zu viele Drogen, ein geklautes Auto und ein Unfall, setzen der romantischen Stimmung ein Ende. Fortan wird Peter von der Polizei gesucht, von seinen Freunden rumgeschubst und schließlich zum Drogendealer gemacht. Er, der sich eigentlich von niemanden etwas sagen lassen wollte, macht nun nur noch das, was andere von ihm verlangen. So kann das unmöglich weitergehen. Doch wie soll er da nur wieder rauskommen: Gestrandet, ohne Geld und ohne Manu, die sich als Mogelpackung entpuppte? Am Ende ist Peter um viele schöne und schlechte Erfahrungen reicher, doch seine Ziellosigkeit ist immer noch präsent.
Die Fortsetzungsgeschichte um Peter Pank ist gespickt mit großen Emotionen, allerlei tiefgründiger Gedanken und Botschaften die nachdenklich stimmen.

Nachdem ich den ersten Band über Peter Pank gelesen hatte, war ich wirklich neugierig darauf, wie es weiter geht, und das obwohl ich weder mit der Musik, noch mit der „No Future“-Einstellung der Punkszene, etwas anfangen konnte. Doch das Universum, in das mich der Autor lockte, entpuppte sich als aufregend und faszinierend zugleich.

„Chaos en France“ ist eine grandiose Fortsetzung des ersten Bandes. Was beim ersten Roman noch wie eine Zusammenstellung einzelner Geschichten wirkt, ist hier zu einer kompakten, dicht geschriebenen und wirklich spannenden Erzählung verschmolzen. So das man das Buch am liebsten nicht wieder aus der Hand legen möchte.
Es ist der schonungslos ehrliche Stil, der einen packt und direkt in die Figur zieht. So erlebt man Peters Abenteuer mit den Freunden in Avignon am eigenen Leib. Man leidet mit und durch ihn. Dabei ist dem Autor nichts zu peinlich, um es in seiner bildhaften und schnörkellosen Sprache zu schildern. Das alles liest sich so federleicht, dass man am Ende traurig ist, dass es schon vorbei ist.
Auch dieses Mal habe ich wieder eine ganze Menge über Punk gelernt, nicht nur über die Musik, sondern auch viel über den Lebensstil und die Gedankenwelt. Ich habe eine gänzlich neue Perspektive erhalten und glaube fast, wenn mich heute ein Punk auf offener Straße anschnorren würde, könnte ich ihn wahrscheinlich nicht so leicht abwimmeln. Dem Autor gelingt damit das Unmögliche: Die Lebensanschauung einer ganzen Generation auf den Normalbürger zu transportieren und Verständnis für eine Kultur zu wecken, die weit abseits aller bürgerlicher Normen steht.
Manche Stellen im Buch sind sehr tiefgründig, andere wiederum sprühen vor Witz. Sätze wie „Ein Rest von Hirn schaltete sich ein“ zeugen fast schon von dichterischer Genialität.
Auch die Liebesszenen scheinen so natürlich und lebensnah, das einem beim Lesen Gänsehaut überfällt.
Ich gebe zu, manchmal ist die Ekelschwelle sehr niedrig. Das mag nicht jedermanns Sache sein, aber nur so wirkt die Geschichte auch wirklich authentisch. Wobei ich mir immer noch die Frage stelle: Bei wie vielen der Geschichten, der Autor auf eigene Erfahrungen zurückgreift?

Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der sich einmal mit Punk auseinandersetzen möchte. Wer sich darauf einlässt, bekommt spannende Unterhaltung „per excellence“ geboten.
Am Ende des Buches gibt es sogar Vorschläge für den passenden Soundtrack. Das nenne ich perfektes Lesevergnügen und wünschte mir mehr davon.

Die Söhne Norwegens

Zwischen all dem Schrott der tagtäglich im Fernsehen läuft und der dort auch brav recycelt wird, findet sich doch hin und wieder eine Perle. So lief am Freitag auf EinsFestival der Norwegische Film: Sons of Norway.
Ich hatte den Film bereits auf DVD gesehen und er hat mir sehr gut gefallen, obwohl es um ein Thema geht, dass mich noch vor einem halben Jahr kaum interessiert hätte – nämlich um Punk. Jaja, so verschieben sich die Perspektiven, aber das ist auch gut so.

Die Geschichte handelt von dem 14-jährigen Nicklas, der Ende der 70er den Punkrock für sich entdeckt. Nach dem Tod der Mutter muss er mit dem depressiven Vater allein klarkommen. Doch seine Rebellion gegen alles und jeden läuft ins Leere, da sein Hippievater noch schräger drauf ist, als er selbst. So wird seine Suche nach dem Sinn des Lebens zur Irrfahrt die schließlich im Krankenhaus endet.

Sehr feinfühlig wird hier der Weg eines Jungen zum Erwachsensein erzählt. Die Figur des Vaters mit all seinen verrückten Ideen, zum Beispiel der Urlaub in einem schwedischen Nudistencamp, ist bezeichnend für die Hippiebewegung der 70er, während der Sohn die aufkommende Punkgeneration verkörpert. Alles in allem ein wunderschöner Film übers Erwachsenwerden. Und das nicht nur wegen der Szenen im Nudistencamp. Ehrlich, ich habe in einem Spielfilm noch nie so viele nackte Menschen auf einem Haufen gesehen, das ist einfach klasse inszeniert.
Übrigens ist in einer Gastrolle Johnny Rotten der Leadsänger der „Sex Pistols“ zu sehen.
Das war endlich mal wieder sehenswerte Unterhaltung im Fernsehen. Davon hätte ich gern mehr.

Für alle die es interessiert, hier ist der Trailer:

Teilzeitvegetarier

Inzwischen gibt es ja eine große Anzahl an Ernährungsarten. Da sind zum einen die auf Fleisch verzichtenden klassischen Vegetarier oder die Veganer, die alle tierischen Produkte meiden so auch Milch, Eier oder Honig. Dann gibt es noch die Frutarier, die sich ausschließlich von Obst ernähren und letztens hörte ich zum ersten Mal etwas von Pescariern: Das sind Vegetarier die auch Fisch essen. Nun erschien in der „PM“ ein Artikel über Flexitarier und in der „Bioboom“ wurde sogar ein Kochbuch dazu angepriesen. Das finde ich gut.
Denn durch die Lebensmittelskandale der letzten Jahre sind mein Mann und ich zu eben solchen Flexitariern geworden.  – Ich bezeichne uns gern scherzhaft als Teilzeitvegetarier oder halbe Vegetarier weil wir eben nur halbe Schnitzel essen. – Was in der Regel nichts anderes bedeutet, als dass es bei uns nur hin und wieder mal Fleisch gibt und wenn, dann ausschließlich in Bio-Qualität. Dabei ist uns das nicht mal schwer gefallen. Wir kaufen nun vorwiegend im Biomarkt ein, lassen unser Obst & Gemüse jede Woche mit der Chiemgaukiste frisch ins Haus liefern und kaufen nur einmal in der Woche ein kleines Stückchen Fleisch beim Metzger. Das kostet vielleicht etwas mehr, aber es schmeckt und man hat kein schlechtes Gewissen. Außer vielleicht wenn man an der Schlachterei vorbeiläuft, bei der gerade mal wieder eine Kuh ausgeladen wird und man dem armen Vieh in die Augen sehen muss.
Für das teure Biofleisch geben wir zwar viel mehr aus, als vorher, essen aber auch weniger davon. Dabei haben wir festgestellt, das es rein finanziell gesehen, für uns nicht teurer geworden ist. Obst und Gemüse in einer anständigen Bio-Qualität das aus der Region stammt, kostet kaum mehr, als solches von zweifelhafter Herkunft aus dem Supermarkt, das entweder nach nichts schmeckt oder eben nach Chemie. Denn bei all den Ernährungsphilosophien entscheidet doch am Ende nur der Bauch.
Einzig ich als echte Thüringerin, muss mir hin und wieder an der Fleischtheke etwas Wurst gönnen, ohne die geht’s einfach nicht. :)

Sushi in Suhl

81zmoEI22rL._SL1420_Anfang der Siebziger Jahre eröffnet der visionäre Koch Rolf Anschütz ein japanisches Restaurant in Suhl. In tiefster DDR-Provinz eine Herausforderung und wahre Mamutaufgabe, nicht nur bei der Beschaffung von Lebensmitteln und Japandeko, sondern auch bei den Auseinandersetzungen mit den Parteibonzen der HO (Handelsorganisation der DDR). Schließlich ist Japan nicht gerade ein sozialistischer Bruderstaat und die exotische Küche könnte ja Begehrlichkeiten in den Bürgern wecken, die vom Handel nicht gestillt werden können. Doch Anschütz beißt sich durch, setzt alles aufs Spiel und gewinnt: Zunächst nur die Anerkennung eines richtigen Japaners, später auch die der Parteifreunde.
Mit dem ausgeprägten Improvisationstalent eines Ostdeutschen schafft er das Unmögliche: Bis zur Wende bewirtet er fast zwei Millionen Gäste in seinem Restaurant, darunter viele Prominente.
Auf der Strecke aber bleibt die Familie: Frau, Sohn und Vater. Es ist ein hoher Preis den Anschütz für den Erfolg zahlen muss.

Ich war sehr gespannt auf den Film, schließlich hatte es im Vorfeld alle möglichen Kritiken dazu gegeben, positive wie auch negative. Als er am Mittwoch über den Bildschirm flimmerte, erwies er sich als Topunterhaltung.
Die hervorragende Komik mit politischen Unterton, stets ein wenig überzogen, hatte auch seine nachdenklichen Momente. Die Charaktere waren gut besetzt und Uwe Steimle in der Hauptrolle überzeugte, wenn auch sein sächsischer Dialekt nicht in die Region Suhl passte (Die reden da nämlich schon fränkisch.). So ist es dennoch die gelungene Verfilmung einer wahren Begebenheit und zeigt das Leben in der DDR, wie es war. Aus nichts etwas machen, konnten und können wir Ostdeutschen heute immer noch, zumindest die vor 1980 geborenen.
Jetzt weiß ich auch, wie wir Mitte der 80er bei einem Besuch in Suhl an Krabbenchips gekommen sind. Die gab es nämlich nur dort im ansässigen Fischladen.
Auch der Umgang mit den „Parteifreunden“ fand ich gelungen. Christian Tramitz in der Rolle des Ernst Kaltenhauser passte wie die Faust aufs Auge. Nur das er wahrscheinlich eher mit einem BMW als einem Mercedes in die DDR gereist ist. :)
Einzig die Ortsbilder und Außenaufnahmen sehen so gar nicht nach Suhl aus, das in den 80er Jahren eigentlich eine moderne Stadt mit 56 000 Einwohnern war.

Fazit: Der Film zeigt das Leben in der DDR gänzlich ohne den politischen Zeigefinger zu erheben. So wie „Go Trabi Go“ von 1991 will er einfach nur unterhalten und dies gelingt ihm auf fulminante Weise.

Tough oder blöd?

Eigentlich gibt es diese Woche einen noch größeren Aufreger, aber über den darf ich aus beruflichen Gründen nicht berichten. Dafür rege ich mich nun über etwas anderes auf.

Da hat mir doch am Montag eine Verwandte von einem Event berichtet, der am Wochenende in der Nähe meines Heimatortes stattfinden wird. Das ganze nennt sich „Getting Tough!“ und ist so eine Art Crosslauf der besonderen Art.
Da werden sich 2000 Irre bei eisigen Temperaturen (Immerhin liegt in Thüringen seit zwei Tagen Schnee) am Start zunächst von der Feuerwehr nassspritzen lassen, bevor sie einen 25 Kilometerlangen Parcours bezwingen. Die Hinternisse bestehen aus meterhohen Gerüsten, Schlammsuhlen, engen Röhren mit gerade mal 40 Zentimetern Durchmesser und vielem mehr.
Früher hat man mal gesagt: „Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis.“ Angesichts der Bilder glaube ich fast, dass es einigen in diesem Land viel zu gut geht. Denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum Menschen sich das freiwillig antun. Das hat nichts mehr mit gesundem Menschenverstand zu tun, sondern nur noch mit Eigennutz und der eigenen Selbstbestätigung (oder eher Selbstbefriedigung). Wenn, dann sollen sie sich doch bitte bei der Bundeswehr melden, da bekämen sie sogar noch Geld dafür und würden noch einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Aber so wie ich das einschätze, waren die meisten der Teilnehmer wahrscheinlich eher Zivis.
Ich finde es nur sehr traurig, dass man den Hilfskräften (THW, Feuerwehr und Rotes Kreuz), die das alles sowieso nur ehrenamtlich machen, wegen eines solchen Unsinn das Adventswochenende verdirbt, welches sie sicher viel lieber bei ihren Familien verbringen würden.

Das Spektakel fand auch im letzten Jahr statt. Wer sich ein Bild davon machen möchte, kann das in diesem Video tun. Ich greife mich nur verwundert und staunend an den Kopf.