Was heißt hier Gleichstellung?

Das erste Mal das ich mit dem Wort Gleichstellung konfrontiert wurde, war zu Beginn meines Studiums, als die Gleichstellungsbeauftragte der Uni alle neuen Studentinnen zu einem Treffen einlud. (Technische Universität – Wir waren nicht viele Frauen.) Dort fiel auch der Begriff „Gender“, mit dem ich anfangs so gar nichts anfangen konnte. Auch über das, was mir da erzählt wurde, runzelte ich irritiert die Stirn: Dass wir bereit sein müssten, uns durchzusetzen, dass wir aufpassen sollten, um nicht irgendwann an die gläserne Decke zu stoßen und das Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern jeden Tag neu erkämpft werden muss.

Ich fand das alles höchst seltsam, weil ich dachte, dass wir jene Dinge in unserer fortschrittlichen Gesellschaft doch schon längst erreicht hatten.
Ich wuchs in der DDR auf. Dort war Gleichstellung im Beruf und in der Familie keine Frage. Frauen konnten die gleichen Berufe ergreifen wie Männer und umgekehrt. So gab es in vielen Betrieben Kranführerinnen oder im Stahlwerk sogar Metallurginnen. Meine Mutter war Leiterin eines Sportartikel-Geschäftes bevor sie später einen ruhigeren Bürojob annahm. Sie hat sich immer über die westdeutschen Frauen im Fernsehen aufgeregt, wenn diese sagten: Sie wären von Beruf Hausfrau. Hausfrauen waren die meisten ostdeutschen Frauen neben ihrem Beruf und keiner hat sich daran gestört, weder die Männer noch die Frauen selbst. Es war selbstverständlich das eine Frau in der DDR einer Arbeit nachging und genauso dafür bezahlt wurde wie ein Mann. Im Gegenteil, man fiel auf, wenn man es nicht tat und zu Hause blieb.

Genau deshalb hatte ich ein Problem damit, die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft als etwas Besonderes zu sehen. Ich vertraute auf meinen gesunden Menschenverstand und darauf, dass wir alle moderne aufgeklärte Menschen seien. Wie fehlerhaft diese Einschätzung war, wurde mir erst sehr viel später klar. Spätestens als man mich nach dem Studium ins harte Berufsleben entließ. In einer von Männern dominierten Branche, wurde ich plötzlich mit Vorurteilen konfrontiert, die ich kaum fassen konnte: Ich hätte das falsche Geschlecht, wurde mir immer wieder gesagt und das man es sich nicht leisten könne, eine Ingenieurin zu beschäftigen. Irgendwann stand ich vor der Frage arbeitslos oder selbstständig. Ich wählte letztere Option, weil ich etwas arbeiten und nicht vom Almosen anderer leben wollte und bisher läuft das ganz gut.

Nach den vielen Jahren in denen ich im Job mal mit Männern und mal mit Frauen zu tun gehabt habe, stelle ich immer wieder fest, wie sehr sich die Teamarbeit mit Männern von denen mit Frauen unterscheidet. Wenn man lange genug mit Männern zusammenarbeitet wird man irgendwann wie ihresgleichen behandelt. Das finde ich völlig in Ordnung. Zeigt es mir doch, dass ich wirklich gleichgestellt bin. Da mögen normale Frauen vielleicht die Nase rümpfen, wenn die Kollegen mal wieder mit einer blöden Bemerkung daherkommen oder versaute Witze erzählen. Ich mag das, weil es mir das Gefühl gibt, dazuzugehören – eine von ihnen zu sein. Ich will nicht mit Samthandschuhen angefasst werden, nur weil ich eine Frau bin. Dazu gehört halt manchmal auch ein rüder Ton oder das man sich die Dinge offen ins Gesicht sagt.
Aber dies ist genau das, womit viele Frauen ein Problem zu haben scheinen. Da wurde mir unlängst vorgeworfen, das Frauenbild in meinem FanEdition-Roman sei menschenverachtend. Als Beispiel nannte die Kritikerin die Szene als Perry Rhodan Anne Sloane befiehlt, sie solle dich erst einmal duschen, nachdem die mehrere Tage lang ohne hinreichende hygienischen Einrichtungen auskommen musste. Hey, wenn er das zu einem männlichen Offizier gesagt hätte, hätte das niemanden gestört.

Ich glaube ja, dass die Frauen, die am lautesten nach Gleichstellung schreien, diejenigen sind, die sich am meisten darüber aufregen, wenn ihnen kein Mann hilft, dass Gepäck aus dem Zug zu heben oder die Tür aufhält.

Arkonidischer Trichterbau

Am Wochenende habe ich mir wieder einen Papierbastelbogen der PRFZ vorgenommen und im Gegensatz zum Letzten (Zellaktivator) hatte ich dieses Mal richtig Spaß.

Das Basteln ging zügig voran, auch wenn ich die Arbeit wieder auf zwei Tage verteilt habe. (Ich lasse die geklebten Teile lieber etwas länger antrocknen.)
Die vielen großen Bauteile ließen sich sehr gut ausschneiden und waren wider Erwarten einfacher zu handhaben als gedacht. Die bebilderte Anleitung ist leicht verständlich, auch wenn ich mich nicht immer an die vorgegebene Reihenfolge gehalten habe. Das hat zum einen damit zu tun, dass ich einige der Teile zunächst verklebt und anschließend vierundzwanzig Stunden gepresst habe, zum anderen klebt man die Details auf den Innenteil am Besten bevor man ihn zusammenrollt.

Was ich am Model des Kristallpalastes besonders toll finde, ist die mit Effektlack bedruckte Außenfläche. Sie lässt sich zwar etwas schwieriger schneiden, aber der Glitzereffekt ist ein echter Hingucker. Von solchen Modelle möchte ich glatt mehr bauen. Na mal sehen!

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Oben links ist das Glitzern zu erkennen
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Bauplan und fertiges Modell
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Viele Details im Inneren

„Lila, Lila“ oder die Frage: Wer von wem klaut?

Quelle: Lila, Lila der Film

Zwei Jahre dämmerte die Liebeskomödie „Lila, Lila“ mit Daniel Brühl auf unserem Festplatten Receiver, bevor wir ihn gestern Abend endlich angesehen haben. Die Verfilmung des Bestsellers von Martin Suter war jede Filmminute wert.

Kellner David lernt auf einem Trödelmarkt Maria kennen, doch die interessiert sich nur für Autoren und Bücher anstatt für ihn. In einem gekauften Nachtschrank entdeckt David das Manuskript eines unbekannten Schriftstellers und sieht seine Chance so an Maria heranzukommen. Er versieht den Text mit seinem Namen und gibt ihn der jungen Literaturstudentin zu lesen. Die ist davon so begeistert, dass sie das Manuskript ohne ihn zu fragen bei einem Verlag einreicht. Der Roman wird ein Bestseller und David von heute auf morgen zu einem berühmten Autor. Als dann aber ein mysteriöser alter Mann auftaucht und ihm erklärt das Manuskript sei von ihm, gerät Davids Leben vollends aus den Fugen …

Herrlich! Der Film beleuchtet die Niederungen des Literaturgeschäftes in allen Fassetten. Angefangen von schnöseligen Literaturwissenschaftlern über eiskalte Literaturagenten und knausrige Verlagsbosse bis hin zu fanatischen Fans lässt die Geschichte kein Klischee aus und macht ziemlich deutlich, dass Literatur auch ein „Big Business“ ist. Der Autor ist nur eine Marionette, die von Termin zu Termin gehetzt wird und keinen Einfluss mehr auf sein Werk hat, sobald es in den Fängen eines Verlages ist.
Daniel Brühl in der Rolle des David bringt den unschuldigen und nicht perfekten Charakter sehr gut rüber. Die großartige Geschichte um einen jungen Mann der sich immer weiter in seiner Lüge verstrickt, mehr und mehr verzweifelt und am Ende daran zu zerbrechen droht, ist ein gelungener Beitrag des deutschen Films. Da wurde sehr gut beobachtet und alles passend in Szene gesetzt.

Fazit: Wer schon immer mal wissen wollte, wie es im Literaturgeschäft läuft, sollte sich den Film ansehen. Da können nicht nur angehende Autoren etwas lernen.

Trailer und Infos rund um „Lila, Lila“ findet man auf der Filmeigenen Internetseite http://www.lilalila-derfilm.de.

„Herzliches“ Willkommen

Seit ein paar Wochen bietet sich mir jeden Morgen, wenn mein Zug am Rosenheimer Bahnhof vorbeifährt, das gleiche verstörende Bild: Ein mit Absperrband abgetrennter Bahnsteig, Polizisten in schwarzen Schutzwesten, blaue Einsatzwagen und dazwischen wie Vieh zusammengepfercht, dünne ausgemergelte Gestalten. Meist Männer mit schwarzer Haut, manchmal junge kopftuchtragende Frauen mit kleinen Kindern oder arabisch aussehende junge Männer frierend in weiße Plastikdecken gehüllt – Flüchtlinge.

In Rosenheim halten die Nachtzüge aus Italien und dem Balkan das erste Mal auf deutschem Boden. Hier ist für die meisten Flüchtlinge Endstation. Sie werden generalstabsmäßig aus den Zügen geholt und müssen sich auf dem Treppenaufgang zum Bahnsteig sammeln.

Ich blicke aus dem Zugfenster und es ist als liefe dort ein schlechter Film, verstörend und surreal. Mit zunehmender Fassungslosigkeit beobachte ich, wie jeder einzeln aufgerufen wird und seinen Rucksack oder seine Tasche abgeben muss. Anschließend hat er die Taschen seiner Kleidung zu leeren. Die wenigen Habseligkeiten landen in einer transparenten Plastiktüte. Diejenigen die einen Gürtel tragen, werden aufgefordert ihn abzunehmen; auch er verschwindet in der Plastikhülle. Dann tritt er vor einen Tisch an dem zwei Beamte sitzen und auf dem sich Formulare stapeln. Eine junge Beamtin redet auf den Flüchtling ein. Es werden wenige hastige Worte gewechselt, ein anderer Beamter schreibt alles auf. Danach bekommt der Mann ein blaues Plastikarmband verpasst. Solche, die man von großen Veranstaltungen oder aus dem All-Inclusive Urlaub kennt. Dann wird er von ein oder zwei Polizeibeamten, die blauen Handschuhe tragen, abgeführt und hinter einem Polizeiwagen (manchmal auch schon an Ort und Stelle) abgetastet und systematisch durchsucht, bevor er zu der bereits abgefertigten Gruppe entlassen wird, die innerhalb eines abgesperrten Bereichs wartet. Die gesammelten Beutel mit den persönlichen Sachen landen in einer Plastikbox und werden von einem Polizeibeamten in eines der Einsatzfahrzeuge geladen.

Die morgendlichen Pendler stehen am Bahnsteig direkt daneben und steigen in den Zug ohne das Geschehen eines Blickes zu würdigen. Ich muss schlucken, habe plötzlich einen dicken Kloß im Hals und stelle mir vor, ich wäre einer der Flüchtlinge; heilfroh der Gewalt und der Verfolgung in meinem Heimatland entkommen zu sein, nur um dann so empfangen zu werden: Behandelt wie ein Krimineller.

Ich wende mich beschämt ab und kann es irgendwie nicht fassen. Sind wir wirklich so misstrauisch und so voreingenommen, dass wir Fremde, die bei uns Schutz suchen, so kaltherzig behandeln? Ich verstehe es nicht, fühle mich hilflos. Spätestens als ich das Gespräch zweier älterer Herren neben mir mitbekomme, die sich darüber auslassen, wie viele Krankheiten die Ausländer ins Land schleppen und dass wir bald lauter schwarze Mischlingsbabys haben werden, weil die „Schwarzen“ die deutschen Frauen anmachen, wird mir kotzübel.

Ich habe meine Generation bisher für aufgeklärt und hilfsbereit gehalten, aber davon scheinen wir Lichtjahre entfernt.

Wenn wohnen zum Luxus wird

Das wirklich Unangenehme, wenn man in einer Feriengegend wohnt, sind die Immobilienpreise, die Wohnraum fast zum Luxusgut machen. (Von den Immobilienpreisen in München ganz zu schweigen.)

Schon seit Jahren suchen wir nach etwas größerem als unseren fünfzig Quadratmetern; nach einem kleinen Häuschen vielleicht oder einer größeren Eigentumswohnung. Leider ist das Angebot knapp und die Preise entsprechend hoch. Schade, denn der Trend schadet der einheimischen Bevölkerung, die von hier wegziehen muss, weil sich fast nur noch wohlhabende Auswärtige Häuser oder Wohnungen im Ort leisten können und diese dann meist zu Ferienwohnungen ausbauen. So ist zwar im Sommer immer etwas los, während im Winter dann tote Hose herrscht. Viele der kleinen Geschäfte haben in den vergangen Jahren schon schließen müssen, auch weil die Mieten dafür in astronomische Höhen geklettert sind. Nun stehen die Geschäfte leer und es haben weder die Anwohner noch die Ladenbesitzer etwas davon.

Die historisch niedrigen Zinsen haben das Problem verschärft. So investieren vermögende Personen ihr Geld lieber in Immobilien als in Aktien oder Festgelder. Zwar tun sich normale Leute leichter, Kredite mit hohen Summen aufzunehmen, um die horrenden Preise zu bezahlen, doch was passiert, wenn die Zinsen in ein paar Jahren wieder steigen?
Ein Beispiel: Eine kleine Doppelhaushälfte (Neubau) mit 130 qm Wohnfläche und 330 qm Grundstück wird zur Zeit für 465.000 Euro angeboten und das in einer Lage, die man nicht als ideal bezeichnen kann (direkt an einer Hauptverkehrsstrasse.) Wenn man für eine normale DHH auf dem Land schon fast eine halbe Million Euro hinblättern muss; wie soll sich das eine junge Familie leisten können und wie lange werden sie den Kredit abzahlen? Eigentumswohnungen wie die unsrige werden inzwischen schon mit 190.000 Euro gehandelt.

Wenn das so weitergeht, werden wir uns wahrscheinlich nie eine größere Immobilie leisten können. Ich sehe schon kommen, dass wenn die Zinsen wieder steigen, viele Häuser zwangsversteigert werden müssen. Traurige Zukunftsaussichten, wie ich finde.

Wohnen wo andere Urlaub machen …

… wer will das nicht. Schöne Landschaften, geschichtsträchtige Orte oder viel Natur – Ferienregionen haben viel zu bieten. Manch einer der hier Urlaub macht, träumt wahrscheinlich davon, dauerhaft hier zu wohnen, doch wie alles im Leben hat auch das seine Schattenseiten.

Wir wohnen in einem Luftkurort innerhalb einer Touristengegend. Der nahe See zieht im Sommer tausende Feriengäste auf die fünf Campingplätze und in die kleine Orte der Umgebung. Gerade in so heißen Sommern wie in diesem Jahr ist der „Wärmste See Oberbayerns“ mit 30,5 °C Wassertemperatur (11.8.2015) ein echter Besuchermagnet. Im Winter übernachten im Ort die Skitouristen, weil die alpinen Skigebiete nur fünfundzwanzig Kilometer entfernt sind.
Normalerweise bekommen wir von dem touristischen Trubel nur wenig mit, weil wir uns im Sommer von den einschlägigen Plätzen fernhalten. Nur hin und wieder holt uns die Wirklichkeit ein: Im Wirtshaus nebenan findet fast jeden Abend ein Heimatabend statt, was nichts anderes bedeutet, als das wir auf unserer Terrasse mit lauter Blasmusik beschallt werden. Am Nachmittag sind es meist Heerscharen von Urlaubern die vorbeischlendern und nach dem Weg zum See fragen oder lange Schlangen vor der Eisdiele bilden, das ist nicht weiter tragisch, denn daran gewöhnt man sich im Laufe der Zeit. Genauso wie an die Touristenbusse, die regelmäßig bei uns ums Eck zirkeln und hin und wieder das Verkehrsschild rammen (so lange es nicht die Hauswand ist). Auch die lärmenden Massen, die bei schönem Wetter den Minigolfplatz im Kurpark bevölkern, machen uns wenig aus. Ärgerlicher ist es, wenn man am Sonntagmorgen bereits um acht Uhr morgens keine Vollkornsemmeln mehr beim Bäcker bekommt oder dafür ewig anstehen muss. Auch in Ruhe mit dem Fahrrad um den See fahren, kann man dann nur ganz früh morgens, denn ab zehn sind die Radwege übervölkert.
Apropos See: Im Frühjahr, Herbst und Winter einer unserer Lieblingsorte mutiert das Strandbad im Sommer zu einem von Menschen überquellenden Ort, für den man Eintritt bezahlen muss, auch wenn man dort nicht baden, sondern nur spazierengehen möchte.

Hauptärgernis sind jedoch die hohen Immobilienpreise. Doch das ist wieder anderes Thema …

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Strandpromenade im Frühsommer
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Blick über den See auf die nahen Alpengipfel

Vorfreude auf den Garching-Con

Es ist ein bisschen wie vor dem Besuch meiner ersten STAR TREK-Convention. Das war 1994 die FEDCON II in München. Inzwischen bin ich ja in Sachen FEDCON ein alter Hase, da überrascht mich kaum noch etwas, aber auch die Vorfreude ist nicht mehr so groß wie früher.

Für Anfang September habe ich mich für den GarchingCon 10 angemeldet. Das ist mein erster PERRY RHODAN-CON und ich bin schon ziemlich aufgeregt, weil ich nicht weiß, was mich erwartet. Wird man sich mit den geladenen Autoren unterhalten können? Auf welche Art von Fans werde ich treffen und wie werden sie sich von den STAR TREK-Fans unterscheiden? Das sind alles Fragen, die mich gerade beschäftigen. Vor allem aber freue ich mich darauf, endlich all die Leute persönlich zu sehen, die ich nur aus E-Mails und dem PR-Forum kenne. Ich hoffe nur, dass ich nicht enttäuscht werde, denn man kann bei der Beurteilung von Leuten, die man nur aus dem Internet kennt, manchmal ziemlich daneben liegen.

Der CON findet vom 4.-6.9. im Bürgerhaus in Garching bei München statt. Am Sonntag gibt es vergünstigte Tageskarten für diejenigen, die gern mal CON-Atmosphäre schnuppern möchten. Mich wird man die meiste Zeit über am Stand der PRFZ im Foyer des Bürgerhauses finden. Der Zugang zum Foyer und den Händlerräumen ist frei.

Wer sich für die Veranstaltung interessiert, findet auf www.garching-con.net alle Informationen.

Qualvolle Heimarbeit

Seit dem Aufstehen ist es in der Wohnung schwülwarm und es scheint von Stunde zu Stunde heißer zu werden. Auf der Terrasse sind es 34 Grad im Schatten. Die Bohnen haben wegen der intensiven Sonnenstrahlung bereits das zeitliche gesegnet und wir mussten sie gestern Abend gewissermaßen „Noternten“. Ich sitze vorm Computer und bearbeite ein Manuskript, aus den Lautsprechern dringt, passend zum Text, der Soundtrack zu Star Trek von Michael Giacchino, begleitet vom Jaulen der Flex, mit der der Nachbar an seinem Auto herumschleift.

Der Schweiß rinnt mir den Rücken hinunter auch ohne das ich mich bewege. Ich vermisse mein kühles Arbeitszimmer im Haus meiner Eltern, doch dort haben heute morgen die Handwerker den Fußboden herausgerissen – Wasserschaden. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich mich wieder dorthin zurückziehen kann.

Zu allem Überfluss will mir heute irgendwie nichts gelingen, weder Erzählperspektivisch noch das Beschreiben von Szenen. Zumindest die Kommafehler springen mir ins Auge, auch wenn ich wahrscheinlich immer noch zwanzig Prozent davon übersehe. Ich brauche definitiv mal wieder Abstand zu dem Text, sonst wird das nie was und bei dieser Hitze schon gar nicht.

Auf dem Schreibtisch warten die Notizen zu Story-Ideen und der Entwurf eines Exposés (den ich letzte Woche im Zug handschriftlich ausformuliert habe) darauf, eingetippt zu werden. Mir scheint, als arte meine Schreiberei gerade in Stress aus. So habe ich mir das nicht vorgestellt …

Schritt in die Mobilität

Nachdem wir heute den ganzen Tag auf der Autobahn unterwegs waren, fiel mir ein, dass ich noch gar nichts über mein erstes (und einziges) Auto gebloggt habe.

Ich war und bin kein leidenschaftlicher Autofahrer. Ich fahre nur, wenn ich muss und es nicht anders geht. Auch meinen Führerschein machte ich nicht freiwillig. Eigentlich wollte ich nie fahren lernen, wurde aber während meiner Ausbildung dazu gezwungen. Damals wohnte ich allein in einem winzigen Dorf in Franken und musste jeden Tag mehrere Kilometer zur Arbeit fahren. Was im Winter oder bei Regen mit dem Fahrrad nicht immer ideal war. Meist fand sich dann ein netter Arbeitskollege, der mit mitnahm, aber irgendwann wurde denen das auch zu viel. Alle vierzehn Tage kamen meine Eltern am Freitag die einhundert Kilometer aus Thüringen, um mich nach Hause zu holen und mich am Sonntag wieder hinzubringen. Auch das war auf Dauer keine ideale Lösung. So machte ich dann irgendwann mit zwanzig den Führerschein (im ersten Anlauf) und ging anschließend auf die Suche nach einem Auto. Weil ich in der Fahrschule einen Golf gefahren hatte, wollte ich unbedingt einen VW.

Es war im Herbst 1994, als wir auf dem Weg nach Thüringen bei einem Kronacher VW-Händler hielten. Der Verkäufer war sehr freundlich und meinte, dass er genau den richtigen Gebrauchtwagen für mich hat. Das Auto hatte einem betagten Rentner gehört, der es nach einem kleinen Auffahrunfall aus Altersgründen abgegeben hatte. Der rote Golf II war drei Jahre alt und hatte gerademal 20.000 Kilometer auf dem Tacho, war also fast neu. Ich verliebte mich sofort in den Wagen, kratzte meine ganzen Ersparnisse zusammen und kaufte mit einem kleinen Zuschuss von meinen Eltern das Auto.

Anfänglich hatte ich zwar ein wenig Schwierigkeiten, weil es ein Benziner war und ich das Fahren mit einem Diesel gelernt hatte, aber das gab sich schnell. Bald schon fuhr ich Freitagnachmittags die einhundert Kilometer allein nach Hause.

Auch später während des Studiums leistete mir das Auto gute Dienste. Ich war mobil, auch wenn die Parkplatzsuche auf dem Campus stets eine nervenzermürbende Angelegenheit war und ich das eine oder andere Knöllchen fürs Falschparken kassierte.

Das Auto begleitete mich bis 2012. Wobei ich in den letzten Jahren, in denen ich in München wohnte, nicht mehr sehr oft damit gefahren bin, weil ein Auto in der Großstadt eher lästig ist. Als meine Eltern es für ein neues Auto in Zahlung gaben, hatte es nicht einen Rostfleck und einen Kilometerstand von knapp 80.000.

Momentan fahren wir einen Corsa, wobei meist mein Mann hinterm Steuer sitzt. Auf dem Land ist ein Fahrzeug unumgänglich und vielleicht muss ich mir ja irgendwann wieder eines zulegen.

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Abenteuer auf Tramp

Quelle: Perrypedia

Ich habe mal wieder einen PR-NEO von Rüdiger Schäfer gelesen. Dieser trug den Titel „Schergen der Allianz“ – PERRY RHODAN NEO 94.

Es zeichnet die NEO-Serie aus, dass man der Zyklushandlung folgen kann, auch wenn man nicht alle Romane liest. Ein Nachteil davon ist, dass in den Romanen zu viel Exposition betrieben wird, um die bisherige Handlung zusammenzufassen. So besteht der erste Teil von „Schergen der Allianz“ aus langwierigen, aber nicht uninteressanten Erklärungen. Es ist Rüdiger Schäfers Erzählstil zu verdanken, dass die Fakten in unterhaltsamer Form präsentiert werden. Der Informationsgehalt ist groß und man gewinnt den Eindruck, dass Exposéautor Frank Borsch versucht, all die losen Fäden noch innerhalb der nächsten Hefte bis zum Ende des Zyklus sinnvoll zusammenzuführen. Dass es neben der Handlung um Perry Rhodan, noch zwei weitere Handlungsebenen mit Fürsorger Satrak und dem Arkoniden Jemmico auf der Erde gibt, macht die Sache nicht leichter.

Perry Rhodan und seine Begleiter der Mutant Ras Tschubai, die Puppe Sannasuh alias Jenny Whiteman und eine Ara-Medikerin wollen mit einem Transmitter nach Derogwanien, um von Calibso mehr über das Ringen zu erfahren. Doch etwas geht schief und sie stranden auf Tramp. Mittels seines Enterons kann Perry Rhodan Informationen einholen und auch den von der Allianz gefangenen Arkoniden Charron da Gonozal befreien. Nach einer wilden Jagd, vielen Kampfhandlungen und noch größeren Zerstörungen, drohen auf Tramp Perry Rhodan und sein Team in die Hände der Allianztruppen zu fallen. Plötzlich taucht aus dem Nichts der Zeit-Mutant „Ernst Ellert“ auf und führt die Gruppe zu einem Zeitbrunnen. Es ist der einzige Weg, den Verfolgern zu entkommen. Auf der Flucht muss Rhodan jedoch die Ara und sein Enteron zurücklassen. Während die Handlung auf Tramp voranschreitet, verwandelt sich die ruhige Erzählstruktur vom Beginn in rasante Action. Selbst diesen Bruch meistert der Autor souverän und vermag mit seiner bodenständigen Erzählweise zu begeistern. Faszinierend dargestellt ist der Kommandant des Allianzschiffes, der mit einem Plasmawesen quasi „Gassi“ geht. Das ungewöhnliche Wesen sucht seinen Herren, den gestürzten Regenten von Arkon oder dessen Überreste. Letzteren finden Rhodan und seine Begleiter tot vor seinem selbstgebauten Thron, dessen Form eine Hommage an die Serie „Games of Thrones“ zu sein scheint. Ein nettes Detail, das aber nur die Leser erreichen wird, die die Fantasy-TV-Serie kennen.

Die Handlungsebene auf der Erde hat auch mit einer TV-Serie gemein, erinnert sie doch ein wenig an eine Folge aus einer amerikanischen Anwalts- bzw. Gerichtsserie. Fürsorger Satrak verfolgt den Prozess um einen jungen Arkoniden, der eine menschliche Frau getötet hat. Der Leser erfährt durch die Gedanken des Fürsorgers, dass das Ganze ein reiner Schauprozess ist, der die Menschen besänftigen soll, die nach wie vor gegen die Annektierung der Erde durch die Arkoniden rebellieren. Aber außer, dass hier wieder die Rivalität zwischen Satrak und Chetzkel dem Kommandanten der Flotte gezeigt wird, scheint die Handlung nicht weiter relevant zu sein. Interessanter ist dagegen die um Jemmico dem arkonidischen Verbindungsoffizier zur Imperatrice, der in seiner Wohnung einen bewusstlosen Haluter aufwecken will. Als seinem Arzt das gelingt, muss er feststellen, dass er die Gefährlichkeit des fremden Wesens unterschätzt hat. Mir persönlich ist ja ein wenig schleierhaft, wie es dem Arkoniden gelungen ist, seinen Fund vor den Truppen Chetzkels und vor Satrak geheimzuhalten. Am Ende entkommt der Haluter und der Handlungsstrang bleibt offen.

Der Hinweis aufs nächste Heft deutet einen erneuten Schauplatzwechsel an. Ich finde, dass hier der Schwachpunkt der NEO-Serie liegt. Es gibt zu viele Handlungsebenen und zu viele verschiedenen Schauplätze, sodass man als Leser am Ende eines Romans oft unbefriedigt zurückbleibt, weil man eigentlich wissen möchte, wie es weitergeht, im folgenden Heft aber wieder vor einen neuen Schauplatz mit neuen Figuren gestellt wird. Der muss wiederum mit viel Exposition eingeleitet werden. Für meinen Geschmack gibt es bei NEO zu viele lose Enden zu viele parallele Handlungsfäden, dass ich befürchte, dass Frank Borsch diese bis zum Zyklusfinale nicht alle verknüpfen kann.

Rüdiger Schäfer liefert mit diesem Roman eine solide Arbeit ab. Es ist zwar nicht sein bester Roman, aber er macht das Beste aus dem verworrenen Exposé. Schön finde ich, dass Perry Rhodan jetzt wieder selbstbewusster auftritt und auch unbequeme Entscheidungen trifft.