Christinas Multiversum

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Archiv der Kategorie ‘Aufreger der Woche’



Von der Lüge des freien Internets

Das Internet hat unser Leben in vielerlei Hinsicht vereinfacht, zumindest in der Vergangenheit. Doch ich stelle zunehmend fest, dass es mir inzwischen auch einiges massiv erschwert. Und dabei rede ich noch nichtmal von dem Zwang, alle paar Tage ein Update für Dieses oder Jenes zu machen. Nein, es sind ganz einfache Dinge, die früher leichter zu handhaben waren, als das Internet noch nicht diese Bedeutung hatte und wo man nicht ständig online sein konnte.

Das Installieren von gekaufter Software zum Beispiel. Früher ging man in einen Laden und kaufte eine CD mit der Software, installierte sie auf dem heimischen Computer und gab dann die Registriernummer (Product key) ein, die auf die Verpackung gedruckt war. Fertig! Heute kauft man eine Software, bekommt statt einer CD einen Karton mit einer kleinen Karte auf der der Product key aufgedruckt ist. Dann muss man sich im Internet bei dem Software-Anbieter registrieren, dazu jede Menge persönliche Angaben machen, aber mindestens eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer hinterlassen und am Ende noch den Product key eingeben. Und das alles nur, um überhaupt die Software auf den eigenen Rechner herunterladen zu können. Der Download von 7,65 GByte (!) Programmcode, der im Browser nicht Download sondern Installation heißt, kann Stunden dauern kann, wenn man keine VDSL-Verbindung hat. Erst danach darf dann die Software auch tatsächlich auf dem eigenen Computer installiert werden.

Wenn man Pech hat, ist die neue Software-Version so verschlimmbessert worden, dass man sie nicht mehr für die eigenen Zwecke benutzen kann. (In meinem Fall das Office 2016, das gegenüber dem Office 2011 für mich unbrauchbar ist.) Zu guter Letzt stellt man noch mit Entsetzen fest, dass alle Dateien, die man mit dem Programm erstellt, automatisch in der OneDrive-Cloud landen, die man automatisch eingerichtet hat, als man sich zwecks Installation anmelden musste. Ja, geht’s eigentlich noch?

Irgendwann in naher Zukunft, wird man nicht mehr offline an einem Computer arbeiten können, weil alles nur noch funktioniert, wenn man irgendwo eingeloggt ist und überwacht werden kann. Reicht es nicht, uns beim Surfen auszuspionieren und unser Kaufverhalten beim jedem Klick zu analysieren, um uns dazu zu bringen noch mehr zu kaufen? Nein, jetzt wird man auch schon genötigt, sich irgendwo anzumelden, wenn man etwas benutzen will, dass man bereits gekauft hat. Und dann wird einem das auch noch als Fortschritt und supertoll verkauft.

Das was die Firmen mit uns Usern machen, ist schlimmer als jeder Geheimdienst der Welt. Das Internet, das einst für Freiheit und Kreativität stand, verwandelt sich immer mehr in ein gigantisches Netz aus Abhängigkeiten. Frei sind wir hier schon lange nicht mehr, sondern nur noch Mündel der großen und kleinen Online-Konzerne, die uns ihre Version von Freiheit aufdrücken wollen.

Irgendwann kriegen sie jeden, da muss man nicht mal mehr bei Facebook, Google oder Twitter sein. Jetzt reicht es schon eine gekaufte Software zu installieren.

Nein Danke, Microsoft! Da suche ich mir eine bessere Alternative. Eine, bei der ich auch offline arbeiten kann und bei der nicht alles, was ich tue, heimlich in irgendeiner »Wolke« landet. Schade nur um das rausgeschmissene Geld.

Kopflos?

135 Tage sind seit der Bundestagswahl vergangen und wir haben immer noch keine Regierung. Inzwischen hat sich die Welt weitergedreht, das Leben geht unbeeindruckt weiter, die Wirtschaft boomt und die weltweiten Konflikte ebenfalls. Also alles wie immer.

Angesichts dieser Situation könnte man auf den Gedanken kommen, dass wir eigentlich keine Regierung bräuchten. Im Gegenteil, so lange sich die da »oben« nicht geeinigt haben, bleibt das Volk vor unsinnigen Gesetzen und Restriktionen verschont. Ein Zustand an den man sich gewöhnen könnte. Ich weiß, selbstverständlich regiert die bisherige Regierung kommissarisch weiter, aber dennoch beginne ich mich zu fragen:

Wieviel Regierung brauchen wir eigentlich? Würden nicht ein paar Minister inklusive Staatssekretäre reichen, die Deutschland in der Welt vertreten und die inneren Angelegenheiten koordinieren?

Da sich der Bundestag in den letzten Jahrzehnten oft genug wie ein Kindergarten gebärdet hat, sollte man ihn durch eine andere Form von Parlament ersetzen. In der sitzen dann richtige Volksvertreter, die nicht von Beruf Politiker sind, sondern Menschen mit einem normalen Job und gewählt von den Menschen aus ihrer Region. Viermal im Jahr kämen diese Leute zusammen, um Gesetze zu verabschieden und Gesetzesvorschläge zu diskutieren, ehrenamtlich (mit Spesenvergütung versteht sich). Damit keiner Geld einsackt und sich dann auf seiner Position ausruhen kann. Und nur wer sich in der Legislaturperiode einbringt, darf wiedergewählt werden. Was könnte Deutschland für Geld sparen, wenn man die Regierung verschlanken würde … weniger Abgeordnete, weniger Sekretäre, weniger Dienstwägen, weniger Glaspaläste. Wenn man sich mal klar macht, welcher Rattenschwanz an jedem einzelnen Abgeordneten hängt … weniger wäre hier eindeutig mehr. Natürlich bedeutet das auch weniger Jobs, aber bei den Beschäftigten der großen Unternehmen sorgt sich auch keiner drum, wenn die mal schnell ein paar tausend Leute auf die Straße setzen.

Seit 135 Tagen sind wir nun »Kopflos«. Das fühlt sich für mich nicht unbedingt beunruhigend an. Wahrscheinlich dauert es noch bis Ostern, bis die Bundesrepublik Deutschland eine neue Regierung vorzeigen kann. Der einzige beklagenswerte Punkt daran ist, wie sehr wir »perfekten« Deutschen uns damit vor der Welt blamieren.

Die Braunsche Scherung

Es ist wie mit den Tintenstrahldruckern, der Drucker kostet ein paar Euro in der Anschaffung, die Tinte zum Drucken ein kleines Vermögen.

Ich mag keine Bärte … schon gar nicht bei meinem Mann. Der konnte sich in den letzten Tagen nicht rasieren, weil der Scherkopf seines Braun-Rasierer am Wochenende kaputt gegangen ist. Im Sieb klafften nach der Rasur kleine Löcher. Damit hat der Scherkopf nicht mal ein Jahr gehalten, dafür aber 32 Euro gekostet. Der vorherige Scherkopf hielt immerhin ein komplettes Jahr und kostete nur 29 Euro. Als mein Mann nun einen neuen kaufen wollte, traf ihn fast der Schlag. Inzwischen kostet das Ding stolze 50 Euro, im Mediamarkt als Sonderangebot immerhin nur 43 Euro. Dabei wird auch noch ein Unterschied gemacht, ob man das Teil in silber oder schwarz bestellt. In schwarz ist es etwas billiger.

Ich finde es ist Verschwendung, den ganzen Scherkopf zu tauschen, nur weil das Sieb kaputt ist. Früher waren das zwei verschieden Teile, und die waren nicht annähernd so teuer. Es scheint, als würde das Zubehör immer teurer, je älter das Gerät wird. Wahrscheinlich will man damit bewirken, das Mann sich einen neuen Rasierer kauft. Aber die Scherköpfe der neuen Rasierer sind noch teuerer, womit sichergestellt ist, das Braun auch weiterhin am Kunden verdient. Verstehen würde ich es, wenn die Rasierer selbst nicht so exorbitant viel kosten würden.

Interessant ist, das die Teile auch nicht überall vorrätig sind. Auch beim Mediamarkt konnte man es nur bestellen und sie konnten nicht mal genau sagen, wann es kommt. Weswegen mein Mann nun doch noch einen bei Amazon bestellt hat. Er will ja nicht, dass ich unter seinem Bartwuchs leide.

Zwölf Euro für zwei Minuten

Die Ticketpreise der Deutschen Bahn wurden in den vergangenen Jahren immer undurchschaubarer. Die Buchung eines Tickets am Automaten oder im Internet setzt inzwischen einiges an Wissen über die Örtlichkeiten an den Bahnhöfen voraus. Am besten man hat auch die Fahrpläne aller Unterwegsbahnhöfe im Kopf, damit man sich die gewünschte Verbindung zusammenbasteln kann.

Aktuell durften wir das auf der Fahrt nach Thüringen erleben. Die Umsteigezeit in München war mehr als knapp bemessen. Mit uns stieg ein älteres Ehepaar um, deren Kinder die Fahrkarte gekauft hatten. Ohne zu wissen, dass in München der Weg von Gleis 7 auf Gleis 18 mehr als ein Kilometer betragen kann. Je nachdem in welchem Wagon man sich befindet und wo man hin muss. Selbst wir schafften die Strecke in 8 Minuten nur im Dauerlauf. Ich war danach erstmal fix und fertig. Mir ist unverständlich, wie das Ticket-System so eine Verbindung überhaupt anzeigen kann. Denke aber, es liegt daran, dass seit gut einem Jahr in München keine Gleisangaben mehr auf den Tickets angezeigt werden und das System davon ausgeht, beide Züge kommen in der Halle an. Das ist aber in manchen Fällen nicht so.

Was mich aber noch mehr auf die Palme bringt: es ist unheimlich schwierig geworden, eine Fahrkarte von und nach Saalfeld zu buchen und zwar eine, die nicht über Erfurt führt. Die Anbindung von Saalfeld an die neue ICE-Trasse ist ziemlich bescheiden gemacht. Wenn man das Häkchen bei »Schnelle Verbindungen bevorzugen« setzt, bekommt man fast nur Verbindungen über Erfurt angezeigt. Man soll also erst 50 Kilometer in Richtung Norden mit einer privaten Regionalbahn nach Erfurt fahren, um dann mit der neuen »Vogelfluglinie« nach Nürnberg zu kommen. Obwohl man sich einfach in den Regionalexpress setzen könnte, um nach Bamberg zu fahren und dort einzusteigen. Leider sind RE und ICE nicht aufeinander abgestimmt, so dass man in Bamberg lange warten muss, bis ein ICE kommt.

Der Umweg über Erfurt wäre zu verschmerzen, wenn die Fahrkarte nicht so viel mehr kosten würde. Im unten stehenden Beispiel sind es ganze 12 Euro. Man beachte die Fahrzeit von zwei Minuten Unterschied. Die zwei Minuten, die man über Erfurt schneller ist, kosten stolze 12 Euro (mit BahnCard 50 wohlgemerkt). Wow!

Na ja, irgendwie muss die DB die 11 Milliarden Euro, die das Projekt gekostet hat, schließlich wieder reinbekommen.

Der letzte Zug

Der Zug ist abgefahren … im wahrsten Sinn des Wortes. Für die Region Ostthüringen wird es ab morgen düster aussehen, denn sie wurde vom Fernbahnnetz der Deutschen Bahn abgekoppelt – zugunsten der Landeshauptstadt Erfurt und dem Ego einiger Politiker. Sie sonnen sich nun im Glanz eines Milliardenprojekts, bei dem die Umwelt und viele Menschen in Thüringen zu den Verlieren gehören.

In einer schönen Chronik hat Werner Drescher die Geschichte der Saalebahn zwischen Jena und Saalfeld aufgezeichnet (die OTZ berichtet). Diese Chronik reicht 117 Jahre in die Vergangenheit. So lange fahren nämlich schon Züge von Berlin nach München durch das Saaletal. In den dreißiger Jahren sogar mit einer rekordverdächtigen Durchschnittsgeschwindigkeit von 95 km/h. Ab 1941 sogar zweigleisig und elektrifiziert. Bis die Sowjetunion nach dem zweiten Weltkrieg das zweite Gleis und die Elektrifizierung als Reparationsleistungen wieder abbauen ließ. Die DDR hatte in 40 Jahren nicht die Möglichkeiten die Lücke zwischen Camburg und Probstzella wieder zu schließen und so rollten sowohl die Interzonenzüge mit westdeutschen Reisenden, als auch die Regionalzüge der Deutschen Reichsbahn mittels Dieselloks durch die Gegend. Bis nach der Wende die Strecke bis 1995 ausgebaut und elektrifiziert wurde und die ersten Inter-Regios zwischen Leipzig und München hier entlangfuhren.

Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Hochgeschwindigkeitsstrecke durch den Thüringer Wald und nach Erfurt beschlossene Sache und die Bahn versprach den Städten entlang der Saalebahn, dass sie eine Verbindung ans Fernstreckenetz behalten würden. Im Jahr 2000 fuhren dann die ersten Intercitys auf der Strecke zwischen Jena und Saalfeld nach München. Die Bahnhöfe wurden extra mit viel Geld dazu ausgebaut. Die Haltestelle Jena-Paradies bekam nach jahrelangem Provisorium endlich einen echten Bahnsteig und keinen Bretterbehelf mehr. Ab 2006 fuhren sogar ICEs mit Neigetechnik. Die Fahrzeit verkürzte sich auf zwei Stunden und fünfzig Minuten von Saalfeld nach München. Doch schon da wurden Stimmen laut, dass ab 2018 keine Fernzüge mehr auf dieser Strecken fahren, sondern diese über Erfurt und die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke geleitet würden. Die Politiker in den Städten und Landkreisen interessierte das nicht, weil bis dahin ihre Legislaturperioden längst vorbei wäre. Sie schoben den Schwarzen Peter ihren Nachfolgern zu.

Ab 2011 wurde die Verbindung zwischen München und Saalfeld wieder schlechter. Die ICEs, die in Saalfeld hielten und die sonst über die Schnellstrecke Ingolstadt fuhren, fahren nun über Augsburg. Das bedeutete für mich entweder in Nürnberg umsteigen oder eine fünfzig Minuten längere Fahrzeit in Kauf zu nehmen. Noch schlimmer war es 2016 als die Strecke für ganze neun Monate voll gesperrt wurde und man nur mittels Schienenersatzverkehr in Bussen vorankam. Es schien als wollte die Deutsche Bahn das sich die Anwohner und Fahrgäste schon mal an die Zuglose Zeit gewöhnen sollen.

Nicht nur die Städte in Thüringen leiden, auch Lichtenfels in Bayern ist vom Ausschluss betroffen. Hier treffen sich Strecken aus ganz Oberfranken. Leidtragende sind auch die Menschen in beiden Ländern, die direkt an der neuen Strecke wohnen, welche den Thüringer Wald wie ein Messer durchschneidet. Auch sie haben den versprochenen Bahnhof bei Ilmenau nicht bekommen. Sondern müssen jahrelangen Baulärm und nun das Rauschen der ICEs ertragen, die durch das 11 Milliarden teuere Tunnel- und Brückensystem rollen. Nur 20 Prozent der Summe hätte der Ausbau der Saalebahn gekostet und es wären mehr Menschen bei weniger Umweltzerstörung angeschlossen worden. Es ist kaum vorstellbar, wie man ein solches Projekt durchsetzen konnte, das nur Wenigen nutzt, dafür aber Vielen schadet. Da war der Politik das Wohl Weniger wieder mal wichtiger als das Wohl Vieler.

Heute Abend nun fährt der letzte Zug. Die Stadt Saalfeld und ihre Einwohner haben sich dazu entschlossen mit einer Veranstaltung am Bahnhof gegen die Entscheidung der Deutschen Bahn zu protestieren. Es ist ein spätes Aufbäumen einer Region, die schon viel früher etwas hätte unternehmen müssen.

»Me too« und die Folgen

Ansich ist die aktuelle Debatte über sexuelle Belästigung gut gemeint. Viele Frauen trauen sich endlich offen darüber zu reden, dass sie von ihren Arbeitgebern oder anderen Männern belästigt wurden. Aber … Wie immer ufert die Geschichte aus. Jetzt hat sich doch in Großbritannien eine Mutter dafür ausgesprochen, das Märchen von Dornröschen vom Lehrplan der Grundschule ihres Sohnes zu verbannen. Weil Dornröschen vom Prinzen ja nicht gefragt wurde, ob er sie wachküssen darf …! Als ich das hörte, hielt ich das zunächst für einen Witz. Aber nein, die Realität  ist verrückter, als sich ein Autor je auszumalen vermag.

Die Bierdeckel-Affäre um das Traunsteiner Hofbräuhaus ist ähnlich gelagert. Seit sechzehn Jahren gibt es vom Hofbräuhaus Bierdeckel mit einem Foto auf dem zwei Maßkrüge vor einem Dirndel-Dekolleté zu sehen sind. Darüber steht der Spruch: »Was darf’s sein«. Fast ein Jahrzehnt lang hat das niemanden gestört. Bis Oberfeministin Alice Schwarzer darauf aufmerksam wurde. Seitdem ist das Bierdeckelmotiv schwer umstritten.

Mal ehrlich. Ich bin eine Frau und ich habe viele Jahre ausschließlich mit Männern zusammengearbeitet. Das man da den einen oder anderen blöden Spruch oder anzüglichen Witz über sich ergehen lassen muss, ist nichts Ungewöhnliches. Mich hat das nie gestört, weil ich gelernt habe, entsprechend zu kontern. Auch bei Grabschern sollte Frau gleich in die Offensive gehen. Bei mir haben sich diejenigen, das kein zweites Mal erlaubt. Das ist für mich Emanzipation: schlage solche Männer mit ihren eigenen Waffen. Mir ist schon klar, dass sich dies vielleicht nicht jede Frau traut. Deshalb ist es, finde ich, so wichtig, dass man jungen Mädchen Gleichberechtigung vorlebt. Das man nicht versucht, sie einzugrenzen und in eine Richtung zu schubsen, sondern sie ermuntert sich außerhalb des Rollenklischees zu bewegen. Dann haben nämlich solche Idioten erst gar keine Chance, die meinen, Frauen seien nur hübsches Beiwerk, mit dem sich beliebig umspringen lässt.

Die letzte Bahn

Wenn ich dieser Tage mit dem Zug nach Thüringen fahre, dann mit viel Wehmut im Bauch. Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich noch mit dem ICE von München bis Saalfeld reisen kann. Ab dem 10. Dezember ist Schluss, dann bleiben mir und den anderen Pendlern aus Saalfeld, Jena und Gera nur noch die Regionalbahnen. Es ist eine Tragödie, da wird die Lebensader einer ganzen Region abgeschnitten zugunsten einer einzigen Stadt in Thüringen nämlich der Landeshauptstadt Erfurt.

Die teure neue Strecke von Berlin nach München verspricht Fahrtzeiten von 4 Stunden, sofern man den Sprinter benutzt, der unterwegs nur in Halle, Erfurt und Nürnberg hält. Doch wie viele Menschen werden das Angebot für 150 Euro wirklich nutzen? Werden die Geschäftsleute nicht doch lieber weiterhin den Flieger nehmen und die Studenten den Flixbus für 29 Euro? Man weiß es nicht. Die Auslastung der Thüringer-Wald-Autobahn, die im gleichen Zuge gebaut wurde, hat bisher auch nicht das Ziel erreicht, was sich die Planer einst erhofften. Es wird wohl noch sehr sehr lange dauern, bis sie das Geld eingespielt hat, was sie gekostet hat. Damit das auf der Bahnstrecke nicht auch passiert, hat man das Verkehrsangebot auf der Saalebahn stark ausgedünnt. Nur ein einziger IC am Tag soll von Jena nach München fahren. Ein IC, der nur dann in der Fahrplansuche auftaucht, wenn man die Häkchen bei »schnelle Verbindung bevorzugen« sowie bei »Regionalbahn« und »ICE« ausschaltet. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Die Jenaer und Saalfelder sollen eben erst nach Erfurt fahren, um dann mit dem ICE nach München zu kommen. Dass das natürlich mehr kostet, ist klar, schließlich muss man als Saalfelder erst fünfzig Kilometer Richtung Norden fahren. Dabei geht es der Bahn doch nur darum, dass die Strecke die ausgegebenen Euros wieder einspielt.

Die meisten Menschen in Thüringen werden nicht von der Schnellstrecke profitieren. Im Gegenteil, sie werden sich Alternativen suchen oder gleich mit dem Auto fahren. Die Firmen am Universitätsstandort Jena werden über kurz oder lang ihren Sitz nach Erfurt verlegen, »weil man ja nicht mehr so einfach hinkommt«. Die Städte an der Saale, die in den Jahrzehnten nach der Wende mühsam ihre Infrastruktur aufgebaut haben, gehören zu den Verlieren des riesigen Komplotts, das schon Anfang der Neunziger geschmiedet wurde. Initiator Bernhard Vogel, Thüringens erster Ministerpräsident, wollte sich mit Hilfe seines Freundes Helmut Kohl ein Denkmal setzen. Er stellte die Weichen für dieses Milliardenschwere Prestigeprojekt, größer, schwieriger und teurer als alles was es zuvor gegeben hat. 10 Milliarden Euro hat das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 8 verschlungen und da sind die Umbauten der Bahnhöfe Halle und Erfurt nicht mit eingerechnet. Mit dem Geld hätte man die Saalebahn wahrscheinlich mehrfach ausbauen können. Vielleicht hätte man sogar die Weichen an der Strecke vergolden können.

Nach 26 Jahren ist sie nun fertig und es rollen bereits die ersten Züge. Auf der Strecke geblieben sind das dichtbesiedelte Ostthüringen und die Natur im Thüringer Wald. Selbst eine riesige Tropfsteinhöhle wurde dem Bau geopfert, für eine Fahrtzeitverkürzung von maximal zwei Stunden.

Die einzig wirklichen Gewinner sind die Baufirmen, die dieses gigantische Mahnmal, das boshaft auch »die längste U-Bahn Deutschlands« (wegen der 22 Tunnel) genannt wird, aus dem Boden gestampft haben. Der Steuerzahler muss blechen, für ein Projekt das keiner logischen und ökologischen Prüfung standhält. Das aber dennoch verwirklicht wurde, über die Bedürfnisse der Vielen hinweg.

Wer mehr zu dem Irrsinn lesen möchte, dem empfehle ich den Artikel in der Welt.

Rund ums Fliegen

Fliegen ist an sich etwas Schönes. Ich gebe zu, ich fliege ganz gern. Auch wenn ich wegen der schlechten Umweltbilanz immer ein schlechtes Gewissen habe. Aber ich finde, es ist eine angenehme Möglichkeit lange Strecken zu überwinden.

Auf unserem Flug in den Urlaub und auch wieder zurück hat nicht alles so geklappt, wie man sich das wünscht. Beim Abflug in München standen wir erstmal am falschen Check-In-Schalter. Merke: nicht überall wo TUI draufsteht, ist auch TUI drin. Beim Hinflug flogen wir mit SunExpress, einer deutsch-türkischen Fluggesellschaft. Ich wäre ja lieber mit Condor geflogen, aber die Maschine (Abflug eine Stunde früher) war leider schon voll. Sowohl am Check-In als auch vor der Sicherheitskontrolle standen Massen von Urlaubern und das an einem Dienstag. Die Schlange war voll mit quengelnden Kindern und alten Leuten mit Krücken und Rollstühlen. Zwischendrin und später auch im Flugzeug entdeckte ich auch eine Hochschwangere. (Ganz ehrlich, in dem Zustand hätte ich mich nicht mehr in ein Flugzeug gequetscht und wäre irgendwo hingeflogen. Aber das muss jeder selbst wissen.) Warum die Fluggesellschaften keinen Extraschalter für Eltern mit Kindern und für Gehbehinderte anbieten, ist mir schleierhaft. Bei der Sicherheitskontrolle gibt es die ja auch.

Weil wir uns über die Fluggesellschaft informiert hatten, haben wir noch vor der Sicherheitskontrolle gegessen und viel Wasser getrunken. Man darf ja nichts mit reinnehmen. Drinnen gab es zumindest Wasser für einen Euro. Das braucht man auch, weil es an Bord von SunExpress nämlich keine Verpflegung gibt. Außer man bezahlt dafür. Zumindest war der Kapitän gut drauf, spielte den Reiseführer und erklärte, was man gerade sehen konnte, wenn man aus dem Fenster blickte. (Bildschirme gab es keine, dafür war die Boeing zu alt.)

Am Flughafen in Lanzarote funktionierte die Gangway nicht, so dass wir erstmal nicht aussteigen konnten und dann warteten wir nochmal eine halbe Stunde bis endlich das Gepäckband anlief. Wir brauchten eine Stunde nach der Landung, bis wir draußen waren.

Auf der Rückreise ärgerte ich mich mal wieder massiv über die übertriebenen Sicherheitskontrollen. Vor allem die Sache mit den Flüssigkeiten. Wir hatten nämlich vom Hotel ein Picknickkörbchen mit zwei Wasserflaschen bekommen. Weil wir aber auch noch unsere eigenen Flaschen dabei hatten, mussten wir erstmal die austrinken, bevor wir durch die Kontrollen gingen. Die beiden Flaschen aus dem Hotel vermachten wir zwei Deutschen, die in der Halle in einem Café saßen und jemanden verabschiedeten. Mir hätte es in der Seele leid getan, die vollen Flaschen in einen der großen Container zu werfen, die vor dem Sicherheitsbereich aufgestellt waren. Drinnen im Wartebereich mussten wir natürlich wieder teuer Wasser kaufen, um auf dem vierstündigen Flug nicht zu verdursten. Krank! Echt, da fehlt mir irgendwie das Verständnis dafür. Ich glaube, dass macht man nur, damit die Läden im Abflugbereich genügend Umsatz machen. Es ist reine Geschäftemacherei und hat absolut nichts mit Sicherheit zu tun. Als ob schon mal ein Terrorist sowas versucht hätte. (Wer so etwas vorhat, dem bieten sich hundert bessere Möglichkeiten.) Dann sollen sie die Wasserflaschen eben prüfen, da gibt es sicher Teststreifen oder ähnliches, oder jeder trinkt im Beisein der Security einen Schluck.

Beim Rückflug hatten wir die Condor-Maschine gebucht. Aber auch hier gilt inzwischen: im Flugzeug gibt es Essen und Trinken nur gegen Bezahlung. Ich kann mich an Flüge mit Condor erinnern, auf denen noch kostenlos Wein und Bier ausgeschenkt wurde, und man nach dem Flug noch eine Tasche geschenkt bekam. Aber wegen der Konkurrenz durch die Billigflieger müssen die Airlines an allen Ecken und Kanten sparen. Wohin das führt, sieht man bei AirBerlin. Ich fand es von der Kabinencrew sehr nett, dass sie eine Durchsage machten, um ihren Kollegen von AirBerlin alles Gute zu wünschen. Der Chefsteward erinnerte alle Fluggäste nochmal daran, welche Gefahr von der Billigkonkurrenz für die Fluggesellschaften ausgeht, und sie das doch bitte bei ihrer nächsten Buchung berücksichtigen sollten. Das fand ich gut. Denn letztendlich ist es wie überall in Deutschland. Die Geiz ist Geil-Mentalität macht viele Arbeitsplätze kaputt. Ich verstehe nicht, wieso die Menschen nicht begreifen, dass Dinge einen bestimmten Wert haben und das andere genauso für ihre Arbeit entlohnt werden wollen, wie man selbst. Das bei 29 Euro für einen Flug von München nach Berlin kann es nicht mit rechten Dingen zugehen. Irgendwer muss dafür bezahlen, am Ende zahlen meist die Angestellten der Airline mit ihren Arbeitsplätzen dafür.

Ohne Update keine Zukunft

Es nervt inzwischen. Für mein iPad Mini, dass ich noch gar nicht so lange besitze, gibt es seit einiger Zeit keine Updates mehr. Nicht mal mehr Sicherheitsupdates. Inzwischen spüre ich das auch bei der Performance. Webseiten laden langsam oder nur fehlerhaft. Einige Apps brauchen ewig zum Starten oder hängen sich einfach auf. Für manche App, die ich gern laden möchte, bekomme ich angezeigt, dass sie unter meiner Firmwareversion nicht funktioniert. Es ist ärgerlich. Da möchte man ein funktionierendes Gerät so lange wie möglich nutzen, scheitert aber an der fehlenden Aktualisierung durch den Hersteller.

Schon klar, man soll sich halt alle paar Jahre etwas neues kaufen, aber mal ehrlich … Wer kann sich das a leisten? Und b wo bleibt da das Umweltbewusstsein? Von Ressourcen schonen spüre ich da nichts. Und da spreche ich jetzt nicht nur über Apple, sondern nehme auch die anderen Hersteller ins Boot, denn bei denen ist es fast noch schlimmer.

Nun hat es auch unseren iMac getroffen. Jahrelang haben wir jedes Update, jede Aktualisierung mitgemacht und waren meist zufrieden damit. Die aktuelle Softwareversion werden wir nun nicht mehr laden. Nicht, dass es nicht ginge, aber dann würde unser Office nicht mehr laufen und die Time Machine auch nicht. Zum Glück schaut mein Mann jeden Tag bei Heise.de rein, sonst hätten wir das nicht mal gewusst. Und ich hätte plötzlich nicht mehr mit WORD und Excel arbeiten können. Schon ein starkes Stück. Da muss man also zum neuen Betriebssystem gleich mal die Programme neu kaufen. Microsoft hat in dem Zuge auch angekündigt, dass sie jetzt den Support für Office 2011 einstellen. Also keine Sicherheitsupdates und Aktualisierungen mehr. So wird man indirekt gezwungen, sich nicht nur neue Hardware, sondern auch neue Software zu kaufen.

Was bleibt, sind wenige Alternativen. Im Grunde heißt das jetzt sparen für einen neuen Computer, neue Software und ein neues iPad, sonst eilt mir die Zukunft womöglich davon.

Verkehrsordungswidrigkeitenverfahren eingestellt

Ja, das Wort gibt es tatsächlich. Es steht in einem Brief, den ich heute von der Polizeiinspektion Laufen bekommen habe. Demnach hat man die Ermittlungen gegen mich in wiederum diesem Verkehrsordnungswidrigkeitenverfahren eingestellt.

Es wurde also gegen mich wegen des Unfalls ermittelt, bei dem mich im Juni ein Mofafahrer vom Fahrrad geholt hat. Schön, das ich das jetzt auch schon erfahre. Es ist schon kurios, da wird man als Radfahrer auf einem Radweg von einem Mofa umgefahren und dann ist man auch noch schuld. Ich bin ja der Meinung das Mofas auf Radwegen grundsätzlich nichts zu suchen haben, vor allem nicht auf kombinierten Fuß- und Radwegen, egal ob innerhalb oder außerhalb von Ortschaften. Nun ja, man hat nun offensichtlich erkannt, dass ich doch nicht schuld an dem Unfall bin. Gut so.

Dann könnte nun auch die Versicherung endlich mal für den Schaden an meinem Fahrrad aufkommen, das seit drei Monaten im Keller steht, und das ich bisher nicht reparieren lassen durfte. (Es könnte ja noch ein Gutachter kommen, wegen vielleicht 200 Euro, die die Reparatur letztendlich kosten wird.) Man muss das nicht verstehen. Ich habe es schon längst aufgegeben, darüber nachzudenken und bin die ganze Zeit über mit meinem alten Rad aus München zur Arbeit gefahren. Das hatte ich zum Glück noch nicht entsorgt, aber es wies einige Standschäden auf. Nicht immer bin ich damit da angekommen, wo ich hin wollte.

Ohnehin, hat dieser dumme Unfall meinen Sommer versaut. Keine Radtouren, kein Schwimmbad und kein Bergwandern, dafür Physiotherapie und Ärztemarathon. Die große Zehe am linken Fuß wird für immer einen Schaden davon tragen und die blauen Flecken am Bein sind auch nach drei Monaten als dunkle Stellen zu erkennen. Mal sehen, ob die irgendwann mal wieder weggehen.

Zumindest beruhigt es mich zu wissen, jetzt nicht mehr von der Polizei verfolgt zu werden. Auch wenn ich mir nie einer Schuld bewusst war.

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