Christinas Multiversum

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Archiv der Kategorie ‘Aufreger der Woche’



Risikopiloten im Alter

Wir wohnen an einer Einmündung einer Einbahnstraße. Mindestens einmal im Monat beobachte ich Autofahrer, die entgegengesetzt der Fahrtrichtung unterwegs ist. Die meisten fahren rückwärts, um auf den Stellflächen auf der rechten Straßenseite einzuparken.

Gestern morgen, ich hatte gerade die Straße überquert, fuhr ein Autofahrer direkt geradeaus in die Einbahnstraße. Ich hob den Arm, um ihm per Handzeichen anzuzeigen, dass er hier nicht lang fahren darf. Hinterm Steuer saß ein alter Mann. Ich schätzte ihn auf zirka neunzig Jahre. Ich trat ans Fenster, er beugte sich rüber, doch er war nicht in der Lage die Beifahrerscheibe zu öffnen. Also ging ich ums Auto herum und wurde fast von einem Audi umgefahren, der von oben die Einbahnstraße heruntergerast kam.

Der alte Herr leierte mit zitternden Händen die Scheibe runter. Und ich erklärte ihm, dass dies hier eine Einbahnstraße sei und er hier nicht entlang fahren könne. Er reagierte gar nicht darauf, sondern fragte mich, wie er von hier nach Kirchanschöring käme. Da er aus dieser Richtung gekommen war, sagte ich ihm, dass er umkehren und zurückfahren müsse. »Das wäre nicht wahr«, motze er mich an und fragte gleich darauf, wo er denn wäre, das sei doch Waging. Von der Frage reichlich irritiert, reagierte ich nicht gleich. Da kam noch ein weiterer Passant und fragte den alten Mann, ob er keine Schilder lesen könne, das wäre eine Einbahnstraße. Während ich dem übereifrigen Passenten zu erklären versuchte, dass der alte Mann nicht mal richtig wusste, wo er war. Setzte der schon mit seinem Auto zurück und fuhr davon.

Ich schaute kopfschüttelnd hinterher. Mein einundachtzig Jahre alter Vater, der alles mitbekommen hatte, meinte daraufhin, dass sich ein Autofahrer mit Traunsteiner Kennzeichen doch hier auskennen müsse. Vor allem, dass man als Fahrer doch wissen müsse, wo man sei, sonst gehöre man nicht mehr hinters Steuer.

Ich hatte den ganzen Nachmittag ein ziemlich mulmiges Gefühl. Der Mann hatte hochgradig verwirrt gewirkt. Und ich bin mir sicher, dass er die Einbahnstraße hochgefahren wäre, wenn ich mich ihm nicht in den Weg gestellt hätte. Mein Mann ist der Meinung, das ältere Menschen alle paar Jahre einen Eignungstest ablegen sollten, ob sie noch in der Lage sind ein Fahrzeug zu führen oder nicht. Ich habe letztens eine Statistik gesehen, in der stand, dass die meisten Unfälle von Fahranfängern und älteren Autofahrern verursacht werden. Natürlich stellt ein solcher Test einen Eingriff in die persönliche Freiheit dar, aber Berufskraftfahrer müssen ihn auch ablegen, warum sollte man das nicht auch auf normale Autofahrer ausweiten.

Das Grundproblem ist allerdings ein anderes. In Großstädten und Ballungszentren gibt es die Probleme seltener. Weil dort die Menschen auch ohne Auto mobil sein können. Hier draußen auf dem Land ist das ungleich schwieriger. Da fährt vielleicht noch zwei mal am Tag der Schulbus, in manchen Orten nicht mal der. Vielleicht stellen autonome Autos eine Lösung für unsere zunehmend älter werdende Gesellschaft dar.

Ich hoffe, dass der alte Mann tatsächlich dort angekommen ist, wo er hin wollte, und das er auf seinem Weg dorthin keine anderen Verkehrsteilnehmer in Gefahr gebracht hat.

Getrennt oder zusammen?

Seit erstem August gibt es eine neue Verordnung in Deutschland, die sich dem anfallenden Gewerbemüll widmet. Und weil ich mich für meinen Arbeitgeber kundig machen wollte, habe ich das ganze Dilemma nun an der Backe.

Die neue Gewerbeabfallverordnung soll dazu dienen, dass Müll, der in Betrieben anfällt, noch besser recycelt wird. Eigentlich eine gute Idee sollte man meinen. Der Teufel liegt mal wieder im Detail.

Es reicht nicht mehr, die Abfalltrennung dem beauftragten Containerdienst zu überlassen – wahrscheinlich traut da keiner keinem – sondern man muss den Müll selbst trennen, wo er entsteht. Das heißt auf dem Firmengelände oder der Baustelle, auf der man gerade arbeitet. Die Sortierung muss nicht nur in Papier, Glas, Kunststoffe, Metalle, Bio- und Restmüll erfolgen, sondern bei Baubetrieben auch in Holz, Dämmmaterial, Bitumengemische, Baustoffe auf Gipsbasis, Beton, Ziegel sowie Fliesen und Keramik. Das sind 13 verschiedene Arten von Müll, die in 13 verschiedenen Behältern eingelagert und getrennt abgeholt werden müssen. Die meisten Handwerksbetriebe haben mehr als eine Baustelle, da ist es fast unmöglich auf jeder mehrere Tonnen aufzustellen. Außerdem arbeiteten ja mehrere Gewerke, bzw. mehrere Firmen an einem Bau. So viel Platz kann es gar nicht geben, damit jeder Betrieb seine 13 Tonnen aufstellen kann.

Ich vergaß zu erwähnen, dass das Abfallaufkommen natürlich gewogen, protokolliert und abgelegt werden muss, damit es bei Kontrollen vorgezeigt werden kann. Es gibt auch Ausnahmen, wenn wenig Platz da ist (Aber wer bestimmt das, und wieviel ist zu wenig?) Auch darf man unter 10 Kubikmeter den anfallenden Müll weiterhin ohne Trennung entsorgen. Auch hier eine Frage, auf die ich noch keine Antwort bekommen habe. Auf was beziehen sich die 10 Kubikmeter: pro Woche, pro Monat oder pro Baustelle?

Bei Nichteinhaltung werden bis zu 100.000 Euro fällig. Wie wollen die Behörden das kontrollieren? Viele Entsorgungsunternehmen bieten den Betrieben bei dem Problem Unterstützung an, indem sie den Papierkram übernehmen, lassen sich das aber auch gut bezahlen. Ein Großbetrieb zahlt das aus der Portokasse, so einem Handwerksbetrieb tut das schon weh.

Man sieht, so eine Verordnung zur Erhöhung der Recyclingquote klingt auf den ersten Blick gar nicht schlecht, nur die Umsetzung in der Praxis steht halt auf einem anderen Blatt. Manchmal habe ich den leisen Verdacht, dass viele Verordnungen nur geschaffen werden, um Geld zu kassieren, eben weil sie schwer oder gar nicht einzuhalten sind.

Nächste Woche versuche ich nochmal bei der Innung ein paar Antworten zu bekommen und beim Containerdienst ein paar Bestätigungen einzuholen. Ich wüsste sonst nicht, wo wir die vielen Tonnen auf dem Firmengelände aufstellen sollten.

Verkehrsinfarkt

Seit Freitagabend frage ich mich, ob es eigentlich noch sinnvoll ist, längere Strecken mit dem Auto zu fahren und wie lange es noch dauert  bis auf unseren Straßen nichts mehr voran geht.

Normalerweise nehmen wir immer den Zug, wenn wir meine Eltern in Thüringen besuchen. Am Freitag fuhren wir mit dem Auto, weil mein Mann sich mit dem neuen Wagen vertraut machen und eine längere Strecke fahren wollte.

Wir haben die Entscheidung bitter bereut. Es war die schlimmste Autofahrt seit Jahren, weil wir kaum vorankamen. Das erste Mal standen wir bereits zwanzig Minuten nach dem wir losgefahren sind, auf der Bundesstraße innerhalb einer Ortschaft. 50 Kilometer weiter in Ebersberg das gleiche Spiel. Stau und Schrittgeschwindigkeit durch den Ort wegen einer Baustelle auf der B304. Weil auf der A99 mehrere Kilometer Stau durchgesagt wurden, gondelten wir zwischen Markt Schwaben bis Garching durch die Pampa und brauchten von zuhause bis zur A9 hinter München volle drei Stunden, statt eineinhalb. Auf der Autobahn ging es dann einigermaßen vorwärts, obwohl es proppenvoll war. Ständig gab es Geschwindigkeitsbeschränkungen wegen Staugefahr. Ab Greding standen wir dann zuerst in einem selbstproduzierten Stau, durch diejenigen, die wegen der Stauwarnung abfahren wollten und dann in der Ausfahrt standen. Später dann der Stau wegen einer Baustelle, bei der nicht ein einziges Baufahrzeug zu sehen war. Hier verloren wir mehr als eine Stunde. In Feucht hielten wir kurz an einer völlig überfüllten Raststätte um zur Toilette zu gehen, dann ging es weiter zum nächsten Stau an der Überleitung von der A3 zur A9. Und wieder eine Viertelstunde weg. Der Verkehr nahm kein Ende, obwohl es immer später wurde. In Plech machten wir eine kurze Rast und glaubten das Schlimmste überstanden zu haben. Denkste, denn vor Bayreuth wartete die nächste Baustelle und der nächste Stau. Dazwischen immer wieder dichter Regen, null Sicht und weitere Baustellen.

Als wir dann eineinhalb Kilometer vor der Ausfahrt in Lobenstein in einen Stau gerieten, in dem sich dann kaum noch etwas bewegte, verlor ich kurzzeitig die Nerven. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich am liebsten ausgestiegen und auf dem Standstreifen bis zur Ausfahrt gelaufen. Noch lieber aber hätte ich jene Autofahrer aus dem Auto gezerrt und verprügelt, die über die Raststätte abkürzten und dadurch die rechte Spur fast zum Erliegen brachten, weil sie sich vorn wieder rein drängelten. Mein Mann musste beruhigend auf mich einwirken, obwohl er es war, der seit acht Stunden am Steuer saß.

Zumindest die letzten 50 Kilometer Landstraße verliefen ohne größere Vorkommnisse, von den Rasern mal abgesehen, die uns im Dunkeln an den unmöglichsten Stellen überholten.

Nach elf Uhr abends kamen wir nach neun Stunden Fahrt endlich an. Normalerweise brauchen wir fünf maximal sechs Stunden für die 450 Kilometer. Zum Glück waren wir mit einem Hybrid unterwegs, der seine Vorteile im Stau voll ausspielen konnte. So kamen wir nur auf einen Durchschnittsverbrauch von 4,7 Litern. Mit unserem Corsa hätten wir sicher mehr verbraucht.

Aber mal ehrlich, so macht Autofahren keinen Spaß mehr. Die Straßen waren selbst spät in der Nacht noch brechend voll, die LKWs in den Raststätten standen so dicht, dass man mit dem Auto kaum durch kam und parkten mitunter auf dem Beschleunigungsstreifen. Nervig waren vor allem die vielen Endlosbaustellen, an denen man nicht auf ein einziges Baufahrzeug traf. Muss man während der Ferienzeit, wo ohnehin schon viel Verkehr ist, auch noch eine Baustelle nach der anderen eröffnen? Gibt es da nicht andere Zeiten, an denen weniger los ist? Noch nerviger aber waren jene Autofahrer, die rücksichtslos abkürzten sich reindrängelten, mehrfach die Spur wechselten, in der Hoffnug schneller voranzukommen und damit den Stau eigentlich nur schlimmer machten bzw. an manchen Stellen sogar weitere Staus verursachten.

Uns droht in den nächsten Jahren der Kollaps, wenn das so weitergeht. Unsere Straßen können so viele Autos einfach nicht mehr verkraften. Unsere rollenden Lager in Form von LKWs haben inzwischen eine Dimension angenommen, die untragbar geworden ist. Irgendwann kommt der Punkt, an dem alles steht und keiner mehr vorankommt. Ich glaube, sehr weit sind wir nicht mehr davon entfernt.

Ein Angebot von einem Hacker an einen Hacker

Jeder, der einen eigenen Blog betreibt, wird sie kennen, die Spam-Kommentare, die täglich hereinkommen und den Kommentarbereich vermüllen. Da hilft eigentlich nur ein gutes Plug-In, das die Spam-Flut gleich in den Spam-Ordner leitet. Manchmal aber mischen sich dennoch seltsame Anschreiben unter die Kommentare. Meist sind das irgendwelche Links, die zu fragwürdigen Webseiten führen, von denen ich gar nicht wissen will, was sie beinhalten.

Dieser Tage erreichte mich aber ein Kommentar, der scheinbar oder anscheinend (da bin ich mir nicht so sicher) tatsächlich direkt an mich geschrieben wurde. Darin preist jemand einen befreundeten Hacker und dessen Dienste an. Das Repertoire des Computerspezialisten umfasst das Hacken von E-Mail-Konten und Social-Media-Accounts, das Manipulieren von Schul- bzw. Notendatenbanken (als ob das was bringen würde), Zugriffe auf Unternehmenssysteme, Bankkonten, Kreditdaten und fremde Kreditkarten sowie die Überwachung von Telefon- und E-Mail-Konten.

Nicht, dass ich das in irgendeiner Form gebrauchen könnte. Ich fand es vor allem deshalb spannend, weil sich der Betreffende einen Beitrag in meinem Blog ausgesucht hat, der inhaltlich zu diesem Angebot zu passen scheint. Selbst die E-Mail-Adresse, die man im Fall der Fälle kontaktieren soll, besteht nicht aus irgendwelchem Kauderwelsch, sondern macht richtig was her. Und auch, dass das Spam-Plug-In den Beitrag nicht als Spam markiert hat, deutet darauf hin, dass sich hier jemand richtig Mühe gemacht hat. Na ja, bis auf die deutsche Rechtschreibung – das und der kriminelle Inhalt überführt wiederum den Autor des Kommentars als fadenscheinig.

Witzig fand ich, dass hier einem Hacker (mir) die Dienste eines Hackers unterbreitet wurden – ein sehr schönes Wortspiel. Dennoch, solche fragwürdigen Kommentare landen letztendlich dann doch im Spam-Ordner und die E-Mail-Adresse wird für alle Zeiten gesperrt.

Was ich mich bei alldem ja immer wieder frage: gibt es tatsächlich Leute, die auf solche Angebote eingehen und tatsächlich E-Mails an diese Adressen schicken? Und was passiert dann? Meldet sich jemand oder wird am Ende nur die E-Mail-Adresse gekapert, verkauft und keine drei Tage später hat man den Spam auch noch im E-Mail-Postfach?

Pflegeinvestment

In der Zeit der niedrigen Zinsen treiben die Formen des Investment recht seltsame Blüten. Eine besonders fragwürdige Variante entdeckte ich vorgestern beim Besuch der hiesigen Sparkasse. Dort wurde für Zimmer in Pflegeheimen geworben, als Investition! Man kauft quasi ein Zimmer in einem Pflegeheim + anteiliger Nutzungsflächen, wie Speiseraum und Foyer. In diesem Fall waren es insgesamt 45 qm für 194.000 Euro. Nach dem Bau des Heimes wird es für zehn Jahre an einen Betreiber verpachtet und dem Käufer werden dabei Renditen von bis zu 7 Prozent versprochen.

Mir stand erstmal der Mund auf vor Erstaunen, und mir schossen augenblicklich zwei Fragen durch den Kopf. Wie kann so etwas erlaubt und möglich sein? Und gibt es tatsächlich Leute, die ihr Geld so anlegen? Wenn ich es nicht Schwarz auf Weiß gelesen hätte, hätte ich es nicht geglaubt. Alten- und Pflegeheime sind soziale Einrichtungen, die von mehr oder weniger sozialen Betreibern getragen werden. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, wem die Immobilien gehören, in denen die Menschen betreut werden. Anscheinend ist das Investment privater Personen und Fonds seit vielen Jahren ein übliches Verfahren beim Bau von Alten- und Pflegeheimen.

Einerseits kann ich verstehen, dass die Betreiber der Heime die immer weiter steigenden Baukosten irgendwie finanzieren müssen, andererseits hat diese ganze Sache für mich einen schlechten Beigeschmack und zwar für beide Seiten. Die hohen Kaufpreise und die versprochenen Renditen fordern eine erhöhte Pacht vom Betreiber, der daraufhin die Kosten auf die Pflegebedürftigen umlegen wird – je mehr Pacht, desto höher die Pflegekosten. Andererseits wer sagt denn, wenn die Pachtverträge nach zehn Jahren verlängert werden, ob die Renditen weiterhin so gut sind. Und was passiert, wenn der Betreiber Insolvenz anmeldet und der neue Betreiber eine Renovierung fordert. Dann guckt man als Eigentümer eines Zimmers ganz schön dumm aus der Wäsche, denn die Renovierungskosten muss die Eigentümergemeinschaft zahlen. Die muss nicht nur gemeinsam die Renovierungen absegnen, sondern auch die Pachtverträge mit den neuen Trägern aushandeln. Im Fall eines mittelgroßen Pflegeheims müssten sich fünfzig bis hundert Besitzer einig werden. Wer schon mal bei einer Eigentümerversammlung war, weiß dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist. Da sind Streitereien vorprogrammiert. Und was den Wiederverkaufswert einer solchen Sonderimmobilie angeht, glaube ich nicht, dass man sie wenige Jahre vor dem Ablauf des Pachtvertrages wieder los wird. Zumindest nicht ohne Wertverlust.

Hin wie Her. Ich finde es für beide Parteien ein schlechtes Geschäft, sowohl als Investition, als auch was die Fragwürdigkeit angeht, den Bau sozialer Einrichtungen auf die Schultern von Privatleuten zu stellen. Da gäbe es doch sicher bessere Alternativen.

Ohne Herz und Moral

Die Verrohung der Gesellschaft schreitet voran. USA: filmend amüsieren sich Teenager über einen Ertrinkenden anstatt ihm zu helfen. Deutschland: auf der A3 pöbeln Gaffer Polizisten an, die sich zur Unfallstelle durchschlagen müssen, weil mal wieder keine Rettungsgasse gebildet wurde. Bayern: da sehen Menschen zu, wie eine junge Syrerin in einen Weiher stürzt und zu ertrinken droht, erst ein kleiner Junge holt Hilfe. Die Frau kann gerade noch gerettet werden und auch da stehen Schaulustige den Rettungskräften im Weg.

Warum tun Menschen sowas? Vor allem sind wir als Gesellschaft schon so verroht, dass wir das einfach akzeptieren? Das wir mitmachen, in dem wir wegsehen? Vielen sind die Klicks bei YouTube inzwischen wichtiger, als das Leben eines Menschen.

Jeder ist sich selbst der Nächste. Es zählt nur noch das eigene Wohl, in einer Umwelt die zunehmend außer Kontrolle gerät. Was wundern wir uns noch, wenn Flüchtlinge attackiert, wenn Alte, Kranke und Schwache vereinsamen. Das Leben der meisten findet doch schon seit langem nur noch im Internet statt. Die Grenzen zwischen Realität und virtueller Welt verschwimmen, Hemmungen fallen wie Barrieren. Werte wie moralisches Denken, gehen im Erfolgsdruck unter. Schulen sind schon lange kein Garant mehr für humanistische Erziehung. Humanisten wie Heinrich Böll würde im Grabe rotieren.

Das einzige was wir dagegensetzen können, ist das Fähnchen der Menschlichkeit hochzuhalten: kleine Gesten, wie ein Bitte oder Danke oder einen freundlichen Gruß einfordern, auch wenn es einem dumm vorkommt. Denn all die herzlosen Idioten müssen begreifen, dass auch sie irgendwann die Hilfe eines anderen brauchen werden.

Vom Sinn eines Gipfel

Hat eigentlich schon mal jemand eine Kosten-Nutzen-Rechnung nach einem Gipfeltreffen gemacht. Ich frage mich: Egal ob G20 oder G7 – bringt uns das soviel, wie es uns kostet? Oder sind die Beschlüsse nicht vielmehr nur heiße Luft? Da wird doch nur über den heißen Brei geredet, ohne ihn zu essen. Wenn man bedenkt, wieviel Aufwand man für einen G20-Gipfel betreibt. Flughäfen und ganze Stadtteile sperrt, tausende Polizisten mobilisiert, um eine Handvoll Leute zu schützen. 33 Millionen wurden schon im Voraus in Hamburg ausgegeben. Die Schäden durch die gewaltbereiten Idioten nicht mit eingerechnet.

Ich kann nachvollziehen, wenn Menschen dagegen protestieren. Und das Randalierer solche Veranstaltungen ausnutzen, ist inzwischen auch nichts neues. Ich habe mir gleich gedacht: ob es eine so gute Idee war, den G20-Gipfel ausgerechnet in Hamburg stattfinden zu lassen? Vielleicht wäre es in München nicht so ausgeartet … nun man weiß es nicht.

Mich ärgert vielmehr, dass solche Gipfeltreffen so extreme Kosten verursachen. Man könnte mit dem vielen Geld, das in eine solche Veranstaltung gesteckt wird, sinnvolleres bewirken. Wäre es nicht besser für die Welt, wenn Gipfeltreffen in Zukunft per Videokonferenz stattfinden? Da spart man nicht nur beim Sicherheitsbudget, sondern auch am CO2-Ausstoß, denn die Staatsgäste wurden allesamt eingeflogen.

Ich bin mir sicher, dass die Welt nach dem G20-Gipfel in Hamburg nicht besser geworden ist, nur weil sich ein paar Staatsoberhäupter getroffen haben, um sich unter anderem Beethoven anzuhören. Der Verdacht liegt nahe, dass man den Gipfel nur in Hamburg stattfinden ließ, um mit der Elbphilharmonie zu prahlen.

Ich wette, das die großartige Abschlusserklärung, die verabschiedet wurde, in einem halben Jahr nicht mehr das Papier wert ist, auf dem sie gedruckt wurde. Während die Schäden an Mensch, Material und Image noch sehr lange nachwirken. Ohne den G20 hätte es für die Hamburger, die Polizisten und auch die Demonstranten ein schönes Sommerwochenende werden können.

Der Betrug am Gast

Wie viele andere Menschen gehen auch mein Mann und ich gern Essen. Nicht zu oft, aber doch mindestens einmal im Monat. Hin und wieder habe ich hinterher mit meiner Verdauung zu kämpfen. Das habe ich meistens, wenn Hefeextrakt im Essen war. Das ist eine Zutat, die eigentlich nicht in frisch zubereitetes Essen gehört und daher kamen mir nach dem Besuch der einen oder anderen Gaststätte Zweifel, ob dort alles tatsächlich frisch gekocht wird.

Das Geheimnis vieler Gaststätten heißt nämlich Convenience Food. Industriell vorgefertigte Zutaten oder sogar fertiges Essen, das nur noch aufgewärmt werden muss. Wie schlimm die Situation in Deutschland in Sachen Convenience Food in der Gastronomie tatsächlich ist, darüber klärte mich dieser Tage eine Dokumentation vom NDR auf. Achtzig Prozent der Restaurants verwenden Fertigprodukte, vorwiegend Saucen, Brühe oder Kartoffelprodukte. Und dabei ist es egal, ob man in ein einfaches Bistro oder ein Sternelokal geht.

Zwischenzeitlich standen mir bei dem Beitrag echt die Haare zu Berge. Oh Mann! Da zahlt man mitunter irrsinnige Summen für ein Schnitzel und dann stammt es aus einer Fabrik in Rumänien. Und woher die Eierscheiben in den Sandwichs diverser Imbiss-Ketten an den Bahnhöfen kommen, weiß ich jetzt auch.

Am Besten sollte sich jeder, der gern Essen geht, den Film selbst anschauen.

Geduldsprobe beim Bücherkauf

Alle schimpfen über Amazon. Aber für jemanden wie mich, der auf dem Land wohnt (heute mehr, als noch vor ein paar Monaten), dem bleibt im Grunde nicht viel übrig als online einzukaufen. Ganz einfach, weil es keinen richtigen Buchladen im Ort gibt. Es existiert nur so eine Art »Gemischtwarenladen« mit Spielzeug, Schreibwaren und ein paar Bestsellern und Kinderbüchern. Weil ich nicht nur dem Branchenriesen mein Geld in den Rachen werfen will, bestelle ich halt öfter auch mal bei anderen Online-Händlern oder gleich auf der Antiquariatplattform Booklooker. Ein Händler, bei dem ich schon sehr lange Kunde bin, ist Jokers – das ist ein Ableger von Weltbild. Bei denen habe ich schon Bücher gekauft, als Amazon auf dem deutschen Markt noch nicht so präsent war.

Bei Jokers war Bücher kaufen einfach. Man bekam einen schicken Katalog, bestellte telefonisch oder mit Postkarte und bekam eine Woche später seine bestellten Bücher. In den vergangenen Jahren hatte Weltbild immer mal wieder mit Insolvenzen zu kämpfen, aber Jokers blieb all die Zeit über bestehen. Noch heute bekomme ich regelmäßig einen Katalog, und weil sich inzwischen der Verkauf auch ins Internet verlagert hat, auch jeden Tag einen Newsletter mit Buchangeboten.

Hin und wieder finde ich dort ein interessantes Buch oder auch mehrere und bestelle sie dann online. Anfangs hat das auch alles gut geklappt, doch in den vergangenen Jahren ließ die Zuverlässigkeit zu wünschen übrig. Besonders ärgerte es mich, wenn ich meine drei bestellten Bücher in drei separaten Lieferungen bekommen habe. Einmal bekam ich eine Lieferung, die ich gar nicht bestellt hatte. Da klebte der Zettel mit meiner Adresse auf dem Paket, aber der Inhalt und die beilegende Rechnung war für jemand anderen. Und ich hatte auch stets das Gefühl, dass es immer länger dauerte, bis mich meine bestellten Bücher erreichten.

Bei meinen aktuellen Bestellungen frage ich mich allerdings, was da los ist:

Am 28.4. bestellte ich drei Bücher. Zwei davon bekam ich in der ersten Maiwoche auch geliefert. Im Paket befand sich nur der Lieferschein über die zwei Bücher, aber keine Rechnung, die sollte ich später online bekommen. Ich wartete. Am 8.5. bekam ich eine E-Mail, in der ich um Geduld gebeten wurde, weil sich die Lieferung noch verzögert. Am 17.5. kam die Rechnung über die drei Bücher. Weil ich das eine davon immer noch nicht bekommen hatte, bezahlte ich erst einmal nicht. Am 31.5. kam dann die Lieferankündigung mit DHL-Link über die drei Bücher, die ich bestellt hatte. Da fragte ich mich, ob die nochmal alle drei Bücher verschicken würden. Nun waren wir zu dem Zeitpunkt im Urlaub und weil ich schon mal schlechte Erfahrungen gemacht habe, lasse mir die Lieferung von Jokers immer zu meinen Eltern nach Thüringen schicken. Ich klickte auch nicht auf den Link in der E-Mail. Weil ich das grundsätzlich nicht mache und weil ich annahm, dass das alles seine Richtigkeit haben wird. Aus dem Urlaub zurück, beschlich mich das schlechte Gewissen und ich bezahlte endlich die Rechnung. Und bestellte auch gleich drei neue Bücher. Als ich dann zu meinen Eltern fuhr: Ernüchterung! Das fehlende Buch war nicht gekommen. Ich gab die Sendungsnummer bei DHL ein – Unbekannt. Das hieß, die von Jokers hatten die Lieferung niemals abgeschickt. Also versuchte ich den Kundenservice anzurufen: drei Mal vergebliches Warten in der Warteschleife (nach 15 Minuten war meine Geduld am Ende).

Am 8.6. irgendwann kurz vor 22 Uhr hatte ich dann jemanden am Telefon. Die Mitarbeiterin war selbst etwas verwirrt über das Chaos in meinen Bestelldaten und meinte, dass die Lieferung des fehlenden Buches wohl erst am 7.6. rausgegangen wäre. Sicher war sie sich aber nicht, und ich sollte doch in einer Woche nochmal anrufen, wenn bis dann nichts gekommen ist. Ich fragte, was mit meiner zweiten Bestellung wäre, die ich am 2.6. aufgegeben hatte. Sie meinte, dass sich die Lieferung noch um zwei Wochen verzögern könnte, weil das Lager umzieht. Oha, drei Wochen Lieferzeit für drei Bücher? Interessant! Zum Glück, hatte ich keine Geburtstagsgeschenke bestellt. Am 12.6. bekam ich wieder die obligatorische Entschuldigungs-Mail, dass sich die Lieferung verzögert. Ich sollte doch Geduld haben. Am 17.6. bekam ich die Versandankündigung für die zweite Bestellung. Wenige Minuten zuvor hatten mich aber bereits meine Eltern darüber informiert, dass ein Paket gekommen ist. Ich bat sie, es auszupacken. Es war die zweite Bestellung, aber nicht das fehlende Buch. Besonders spannend fand ich aber die Rechnung, die dem Paket beilag und auf der stand, dass diese Rechnung bis zum 16.6. bezahlt werden müsste. Das war aber gar nicht möglich, weil das Paket erst am 17.6. eingetroffen war. Am Samstag rief ich dann zum zweiten Mal den Kundenservice an (kostet übrigens jedesmal 20 Cent aus dem Festnetz und 60 Cent aus dem Mobilfunknetz). Irritierenderweise hatte ich sofort jemanden am Apparat. Es stellte sich heraus, dass das Computersystem ausgefallen ist und sie derzeit keine Vorgänge bearbeiten können. Ich sollte es nochmal in zwei Stunden versuchen. Zwei Stunden später … Richtig, da kam ich wieder nicht durch.

Heute morgen zwei Minuten nach Sieben Uhr der nächste Versuch. Ich kam tatsächlich durch. Nur wollte die Bearbeiterin alles mögliche von mir wissen, bevor sie überhaupt auf mein Anliegen einging. Sie fragte mich, ob ich einen Hund hätte und ob sie mir ein Miniabo für den STERN schenken können und wie es bei mir mit einer Zahnzusatzversicherung aussieht.

HALLO! Ich wollte doch nur wissen, wo das Buch bleibt, dass ich vor fast acht Wochen bestellt und auch schon bezahlt habe.

Das Buch wäre noch lieferbar, sie könne es ja nochmal für mich bestellen, wenn ich wollte.

JA, verdammt nochmal, ICH WILL!

Es könne aber etwas dauern, weil es ja wegen dem Umzug derzeit zu Verzögerungen kommt …

Grrr! Ganz ehrlich, wenn ich wieder ein Buch brauche, dann bestelle ich das demnächst bei Amazon. Dann ist es meist in zwei oder drei Tagen da und ich bezahle nicht mal Versandkosten. (Bei Jokers sind Bestellungen erst ab 20 EUR versandkostenfrei.) Außerdem bleibt mir das ganze HickHack mit dem Kundenservice erspart.

Wenn ich bedenke, dass ich jetzt mehr als acht, vielleicht neun Wochen auf ein Buch warten musste … in der Zwischenzeit hätte ich es längst gelesen oder vielleicht sogar geschrieben.

Nachtrag: Gerade eben kam eine E-Mail, dass das bestellte Buch restlos ausverkauft ist und nicht nachgeliefert werden kann. Sehr schön!

(K)ein IKEA-Kaffee …

Da fahren wir alle fünf Jahre einmal zu IKEA (weil mein Mann das Möbelhaus meidet wie die Pest), kaufen drei Bretter für mein IVAR-Regal und wollen anschließend nur einen Kaffee trinken und einen Muffin essen, weil wir noch ein wenig Zeit haben und dann …

»Ich glaub, die Maschine ist in Reinigung«, teilt mir die Dame an der Theke hinter der Kasse mit.

Ich sehe sie fragend an. »In Reinigung?«

Sie rennt weg, kommt nach einer Minute zurück und nickt dann bestätigend: »Ja, die Kaffeemaschine ist noch in Reinigung.«

»Und wie lange dauert das?«

»20 Minuten. Wollen Sie dann trotzdem den Muffin kaufen.«

»Ähm!« Ich bin so perplex, dass ich erstmal nicht reagiere. Es ist Samstagmittag 13 Uhr, der Laden ist voll; draußen auf dem Parkplatz, stehen die Autos dicht an dicht; hinter mir Leute mit Einkaufswägen, die hungrig darauf warten, bedient zu werden und es gibt in diesem riesigen Laden scheinbar nur eine Kaffeemaschine, die gerade jetzt gereinigt werden muss und dann auch noch 20 Minuten lang …

»Was ist jetzt, wollen Sie den Muffin oder nicht.«

»Nein Danke, ohne Kaffee möchte ich nichts«, antworte ich und gehe.

Auf dem Parkplatz verhöhnt mich eine große Werbetafel auf der für BIO-Kaffee im IKEA-Restaurant geworben wird. Nun ja, nur dann, wenn nicht gerade die Maschine gereinigt werden muss.

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