Gedankenpalast

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN-ARKON Band 4 – »Palast der Gedanken« von Michael Marcus Thurner

Ich habe PERRY RHODAN-ARKON in den letzten Wochen arg vernachlässigt. Das hatte viele Gründe, der Hauptgrund war mein eigener Roman, der mir wenig Zeit gelassen hat. Und so stapelten sich die ARKON Romane auf meinem Schreibtisch, bis ich jetzt endlich dazukomme diesen Stapel abzuarbeiten. Ich hoffe Exposé-Autor Marc A. Herren wird mir verzeihen, dass ich mich seiner Miniserie erst so spät widme.

Band 4 stammt aus der Feder von Michael Marcus Thurner. Zugegeben, ich hatte so meine Bedenken. Ohne Frage, der Österreicher ist ein hervorragender Autor. Nur konnte ich persönlich mit seinen Romanen für die EA bisher wenig anfangen. Mir sind seine oftmals überdrehten Ideen zu abgehoben. Ich bin mir sicher, dass es sehr viele Leser gibt, die genau das lesen wollen. Das ist, wie gesagt, eine persönliche Empfindung und ich versuche mich weitgehend in meinem Urteil davon nicht beeinflussen zu lassen.

Thornton da Ariga ist das Oberhaupt eines unbedeutenden Khasurns im Arkonidischen Imperium. Er fühlt sich zu Höherem berufen und um seinen Titel gebracht, weil man seine Großmutter – Imperatrice des Kristallimperiums – einst tötete und ihm damit die Nachfolge verwehrte. Seit Jahrzehnten plant Thornton seine Rückkehr an die Spitze des Arkonidischen Imperiums. Dazu ist ihm jedes Mittel recht, auch das Züchten von Töchtern, die er als willige Werkzeuge einsetzt. Als die GOS’MIRTAN unter der Führung von Atlan ins Ariga-System eindringt, um Thornton im Namen von Imperator Bostich I. zur Räson zu bringen, sterben viele seiner Untergebenen in einer grausamen Schlacht. Aber selbst die augenscheinliche Überlegenheit Atlans hindert Thornton nicht daran, an seinem Plan zu zweifeln. Erst einer seiner Töchter gelingt es, den verrückten Vater aufzuhalten, bevor das Raumschiff das ganze System vernichtet.
Derweil hat der arkonidische Funker Locust da Adnan (Wie kommt man eigentlich auf solche geniale Namen?) Probleme ganz anderer Art. Er diente einst auf den Schiffen der LFT und kehrte später in die Heimat zurück. Nun tut er Dienst auf der GOS’MIRTAN, die einen neuen Kommandanten – Atlan – erhalten hat. Locust ist der einzige an Bord, der den Arkoniden gut genug kennt, um zu begreifen, dass dieser sich ziemlich seltsam verhält. Ein Wissen, das nicht nur sein Leben bedroht. Denn Atlan ist drauf und dran, das Ariga-System in Schutt und Asche zu legen.
Der größte Teil der Geschichte spielt sich jedoch in Atlans Kopf ab. Der Extrasinn des Unsterblichen hat sich durch den Impuls von ihm gelöst und die Führung übernommen. Atlans Bewusstsein ist auf die Rolle eines Beobachters beschränkt. Er wandelt in seinem Gedächtnis wie in den Mauern eines riesigen Palast. In jedem Raum findet er Dinge, die zu seinen Erinnerungen gehören. Er versucht die Kontrolle über seinen Körper zurückzuerlangen, was ihm auch kurzzeitig gelingt, aber weitreichende Konsequenzen nach sich zieht. Der Extrasinn zerstört den Palast und damit Atlans Erinnerungen, bis er nur noch als verwirrter Geist in einer windschiefen Holzhütte zurückbleibt.

Mit »Palast der Gedanken« hat mich der Autor komplett umgehauen. Das war grandios geschriebene Unterhaltung. Angefangen vom Aufbau über die drei Handlungsebenen bis zu den faszinierenden Details wie der sprechenden »Kaffeekanne« hat mich der Roman rundum überzeugt. Die Figurenentwicklung sowohl von Atlan, als auch von Thornton da Ariga war geschickt inszeniert. Thorntons Verrücktheit entblättert sich erst nach und nach. Seine Selbstüberschätzung ist so perfekt getarnt, dass man auch als Leser erst sehr spät darauf kommt, wie abwegig seine Pläne eigentlich sind. Und Atlans innerer Kampf gegen den Extrasinn in Gestalt einer schönen Frau ist mit viel Fantasie und Liebe zum Detail erzählt. Allein wegen der vielen mühevoll recherchierten Anspielungen auf Geschehnisse aus seinen über 23.000 Lebensjahren muss man dem Autor Tribut zollen. Die Geschichte passt nicht nur stimmig in die Rahmenhandlung der Serie, sondern liefert eine Erklärung für das sonderbare Verhalten der ARK SUMMIA Absolventen.

Fazit: Michael Marcus Thurner liefert mit Band 4, den bisher besten Roman der Miniserie ab. Und zeigt damit nicht nur, was für ein toller Autor er ist, sondern auch, dass das Konzept der Miniserie aufzugehen scheint. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht.

Tiefgründige Einblicke

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 123 – »Blick in den Abgrund« von Rainer Schorm

Ich bin überrascht. Nachdem ich den Prolog gelesen hatte, warf ich sicherheitshalber noch mal einen Blick auf den Titel. Ist der Roman tatsächlich von Rainer Schorm?

Thora und Crest beobachten in der Spacejet, wie die Fünfeck-Feuer die Maahk-Walzen vernichten und die Flotte der Maahks aus dem Arkon-System verjagen. Sie landen auf Arkon I, um die Zerstörung ihrer Heimat mit eigenen Augen zu sehen. Nachdem sie wieder starten, empfangen sie einen Notruf.
Anfangs war ich etwas irritiert, als sich Thora und Crest über die Sonnenbälle wundern, die die Maahk-Raumer angreifen, weil ich in Erinnerung hatte, dass Thora in der Zentrale war, als die Plasmakugeln des Fünfeck-Feuers auf die Maahkflotte losging. Ich habe gleich nachgesehen und tatsächlich, die beiden hatten die Zentrale kurz zuvor verlassen und das Spektakel nicht verfolgt.

Eric Leyden und Luan Perparim gelingt es die KI des Liduri-Schiffes DROP dazu zu bewegen, sein Team sowie Roofpitter und Verleuwen durch das Flecktransmitternetz zu schicken, während die K7 durch den Sonnentransmitter zur CREST zurückkehren muss. Doch die DROP bringt die Wissenschaftler nicht ins heimische Sonnensystem, sondern an einen unbekannten Ort, der scheinbar im Leerraum liegt. Auf einem Planeten müssen sie in einer Kaverne ein Pyramidion bergen, um der KI zu beweisen, dass sie für die Nutzung des Transmitternetzwerkes legitimiert sind. Die Frotzeleien zwischen den Mitgliedern des Teams sowie zwischen Leyden und der KI sind amüsant, wenn auch manchmal scharf an der Grenze zur Lächerlichkeit. Die Höhlenexpedition ist spannend geschrieben, zieht sich am Ende zwar etwas lang hin, wirkt aber durch das Figurenzusammenspiel sehr stimmig. Einzig Roofpitter und die IT-Spezialistin Verleuwen bleiben, verglichen mit dem Rest der Protagonisten, ausgesprochen blass. Man hat das Gefühl, dass der Autor nicht recht wusste, wie er die beiden mit Leben erfüllen sollte.

In der Zwischenzeit gehen Tuire Sitareh und Ishy Matsu an Bord der MAYA, um die Pläne der Maahk-Flotte auszuhorchen.
Warum sich Tuire und Ishy unbedingt in den Maahkanzügen auf ein Maahkschiff begeben müssen, um Informationen zu sammeln, ist mir nicht völlig schlüssig. Vor allem, weil ein ähnlicher Einsatz bereits schiefging. Das riecht ein bisschen nach gewaltsamen Vorantreiben der Handlung. Das sie am Ende entdeckt und gefangen werden, ist da schon zu Beginn des Einsatzes vorhersehbar. Und wieder sind es die beiden Charaktere, die diese Plot-Schwäche wettmachen, denn sie harmonieren trotz ihrer Unterschiede sehr gut. Ich hoffe, das sie durch ihr gemeinsames Abenteuer einander näherkommen. Außerdem ist es schön Tuire mal wieder in Aktion zu erleben. Der Aulore hat mir in den letzten Romanen ein wenig gefehlt. Täusche ich mich, oder hatte er seit seinem Zusammenbruch auf Taui keinen Erinnerungsschub mehr?

Perry Rhodan erhält einen abgehackten Notruf von Thora und Crest, der ihn ins Snarf-System bringt. Dort findet er zwar die zerstörte Spacejet, aber weder seine Frau noch deren Ziehvater. An der Absturzstelle misst man nur eine seltsame hyperphysikalische Spur, mit der nicht mal Hyperphysiker Oxley etwas anzufangen weiß.
Ein Notruf lockt Rhodan also ins Snarf-System. Ich bin mir fast sicher, dass da eine höhere Macht am Werk ist, die a den Notruf abgesetzt hat und b Thora und Crest entführte, vielleicht auch rettete. Womöglich hat es wieder etwas mit den Liduuri und mit Zeitreisen zu tun. Das würde mir jedenfalls gefallen. Genaueres werden wir hoffentlich in den kommenden Romanen erfahren. Zumindest bin ich froh, dass die beiden noch am Leben zu sein scheinen. Das klang im letzten Roman weniger positiv und ich hatte mir schon Sorgen gemacht.

»Blick in den Abgrund« ist ein untypischer Roman für Rainer Schorm. Es geht fast nichts kaputt und die Action hält sich in Grenzen, dafür gibt es ein paar höchst unterhaltsame Szenen zwischen Perry Rhodan und Professor Oxley. (Woher bekommt der Wissenschaftler eigentlich die vielen Naschereien? Die müssen doch auf der CREST extra einen Konditor für ihn abgestellt haben.) Man lernt den Autor quasi von einer ganz neuen Seite kennen. Der Besuch von Thora und Crest auf dem zerstörten Arkon I ist tiefgründig und hochemotional und hat mich sofort gefesselt. Auch sonst las sich die Geschichte ruhig und getragen und nicht mit der ihm sonst eigenen getriebenen Hektik. Das der Roman trotzdem spannend ist, dafür sorgt der Autor mit einem kleinen Cliffhanger am Ende jedes Kapitels. Damit schuf Rainer Schorm einen wahren Pageturner. Denn im Gegensatz zu seinem letzten Roman, für den ich mehrere Tage brauchte, las ich diesen in ein paar Stunden. Seinen Hang zum Technobabble lebt er in Form von Professor Oxley in allen Zügen aus. Was Kai Hirdt für Eric Leyden ist, ist Rainer Schorm für Professor Oxley. Man merkt ihm an, wieviel Spaß ihm die Figur beim Schreiben macht.

Mein Fazit: Ein spannender Roman, der die Staffel-Handlung langsam aber stetig weiterentwickelt und mich vom Schreibstil des Autors her, mehr als überraschte. Klasse!

Piepsender Franzose

Das erste Auto an dem ich hinterm Steuer saß, war ein Golf. Das war während der Fahrschule. Und weil ich meinte, mit keinem anderen Auto fahren zu können, kaufte ich mir nach bestandener Fahrprüfung einen gebrauchten Golf II, den ich fast zwanzig Jahre lang fuhr. Irgendwie hatte das Auto etwas von einem bequemen eingelatschten Pantoffel. Man setzte sich rein und hatte das Gefühl, dass sich das Fahrzeug dem Fahrer anpasste. Wie ein Konturensessel bei Perry Rhodan. Mein Vater kaufte sich später einen Golf III, mit dem ich auch recht häufig fuhr, der aber nicht so lange hielt wie meiner. Vor ein paar Jahren mussten sich meine Eltern ein neues Auto kaufen, weil der Golf nicht mehr durch den TÜV kam. Preis und Abmessungen von aktuellem Golf und Polo zwangen sie dazu, sich nach einer anderen Marke umzusehen. Am Ende entschieden sie sich für einen Citroën C3.

Ab hier muss ich aufpassen, was ich sage, denn ich werde von meinen Eltern geschimpft, wenn ich schlecht über ihr Auto rede. Daher fange ich mit den Vorzügen an: unglaublich enger Wendekreis, das heißt man kann das Auto fast auf der Stelle drehen. Der Innenraum ist, verglichen mit dem winzigen Äußeren (Wir sind immer das kleinste Auto auf dem Parkplatz.) erstaunlich geräumig. Das Panoramadach ist schick, wenn nicht gerade die Sonne scheint oder es regnet. Und die sich selbst einklappenden Außenspiegel sind auch nicht so verkehrt. Für die Stadt ist das Auto ideal.

Zu den negativen Seiten gehören die kümmerliche Motorisierung. Ich weiß nicht, wohin die 85 PS verschwinden, ganz sicher nicht auf die Straße. Denn schon halb besetzt, sind Überholvorgänge mit diesem Auto kaum möglich und wenn, dann nur im zweiten oder dritten Gang. (Mein Golf hatte nur 55 PS und ging ab wie eine Rakete.) Die Ladekante des Kofferraums ist mehr als einen Meter hoch, was das Beladen zu einem Kraftakt macht. Und die winzigen Scheiberwischerchen verlieren sich auf der Mega-Panoramascheibe und schaffen es nicht mal auf der Beifahrerseite für freie Sicht zu sorgen. Von dem schwarzen Klavierlack im Innenraum und dem integrierten Duftspender will ich gar nicht erst anfangen.

Das Allerschlimmste an dem Auto aber ist die Geräuschkulisse beim Anlassen. Die Kakaphonie von Piepslauten ist nicht nur verwirrend, sondern auf Dauer extrem nervig. Wenn dann noch das Gepiepse der Abstandssensoren hinzukommt, wünschte man sich Oropax. Neuester Clou nachdem das Auto im Frühjahr zur Durchsicht war, fiept es jetzt auch noch wenn man rückwärts fährt, so wie bei einem LKW. Aber nicht draußen, sondern drin. Das ist echt stressig. Ich bin die letzten beiden Tage ein paar mal völlig verwirrt beim Rückwärtsfahren stehengeblieben, weil ich dachte, hinter dem Auto ist ein Hinterniss. Bis ich endlich dahinter gekommen bin, dass ist ein »Feature not a bug«.

Ich hör jetzt lieber auf, sonst darf ich nicht mehr damit fahren. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, wünsche ich mir meinen Golf zurück. Der hatte zwar weder Servolenkung noch Airbag, aber wenigstens hat er nicht gepiepst.

Geboren zu schreiben

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 122 – »Geboren für Arkons Thron« von Kai Hirdt

Ungelogen, ich habe das Buch in knapp drei Stunden durchgelesen, so schnell wie noch nie einen NEO-Roman zuvor.

Nach den beiden fulminanten Romanen der Expokraten, gibt Kai Hirdt den Lesern Zeit die vielen Informationen sacken zu lassen. Es werden quasi alle Handlungsstränge zusammengesucht, aufbereitet und die Weichen für die nächsten Romane gestellt. Was jetzt vielleicht langweilig klingen mag, ist es nicht. Weil Kai Hirdt das Ganze mit viel Gespür für Spannung und Figurencharakterisierung löst. Das mag nicht jedem gefallen, aber er gibt damit nicht nur den Charakteren Zeit, dass erlebte zu verarbeiten, sondern auch dem NEO-Leser. Es werden Details geklärt und die Handlungen einiger Protagonisten näher beleuchtet, stellenweise in fast schon philosophischer Manier.

Perry Rhodan plagt das schlechte Gewissen und er wundert sich über das Verhalten seiner arkonidischen Familienmitglieder, allen voran seiner Frau Thora, die sich zusammen mit Crest heimlich absetzt, um Agaior Thoton zu jagen. Das sie nicht die einzigen sind, die sich an seine Fersen heften, sollte niemanden verwundern. Schließlich hat der Mann ein ganzes Sonnensystem auf dem Gewissen. Wie sehr der Untergang Arkons die Charaktere der Menschen an Bord der CREST und des Arkoniden Atlan veränderte, beschreibt der Autor mit großer Tiefe. Staunend liest man von Atlan, der nicht nur von Rache zerfressen sondern vor allem von Versagen getroffen, Pläne schmiedet, die sich gegen alles richten, wonach sein Freund Rhodan strebt. Das er trotz seines langen Aufenthalts unter den Menschen, daran denkt, sie zu hintergehen, zeugt davon, wie tief ihn der Untergang des Reiches getroffen hat. Man erfährt wie Sue Miraflores von Kummer über den Tod von Sid zerfressen, eine folgenschwere Entscheidung trifft. Man begegnet Ishy Matsu, die nicht weiß, wo sie hingehört und jedem misstraut, der ihr Freundschaft entgegen bringt und die sogar berechtigte Zweifel an der Integrität Perry Rhodans äußert. Selbst vor Wissenschaftlern machen die Auswirkungen nicht Halt. Oxley lässt sich von Atlan manipulieren, die Zeitbombe scharfzumachen. Während Roofpitter in der Gesellschaft von Leyden und seinem Team eigene Charakterstudien betreibt. Man liest aber auch welche Motive Anathema di Cardilah und ihr Sohn Agaior Thoton vorantreiben. Erstere ist tatsächlich die Mirona Thetin von NEO.

Trotz der vielen Information gelingt es dem Autor sie in aller Ruhe zu vermitteln, eingepackt in viel Emotionen und kritische Auseinandersetzungen über Moral. Das hat mir außerordentlich gut gefallen. Die Idee jedem Protagonisten ein eigenes Kapitel zu gönnen, ist an sich großartig. Scheiterte aber an zwei oder drei Stellen daran, dass man dieselbe Szene zwei mal lesen muss. Das hätte nicht unbedingt sein müssen, denn sowohl bei Ishy als auch bei Roofpitter bestand kein Zwang dazu. Dafür hätte man ihre nachfolgenden Handlungen ausbauen können. Das ist aber das einzige, dass ich kritisieren möchte …

… oder vielleicht doch noch eines: 150G zerstören ein Maakhschiff? Echt jetzt! Liebe Expokraten! Bitte macht euch nochmal Gedanken über die Funktionsweise der Transformkanone. Vielleicht wäre eine Mikrosingularität die bessere Lösung des Problems.

Fazit: Es ist das erste Mal, das so düstere Gedanken in einem NEO-Roman anklingen. Er bietet eine moralische Auseinandersetzung über Gut und Böse und zeichnet die Menschen so wie sie sind in allen Graunuancen mit all ihren Fehlern. Keiner ist wirklich gut und keiner wirklich böse. Das wirkte sehr realistisch. »Geboren für Arkons Thron« ist ein besonderer Roman von einem besonderen Autor, der wahrlich geboren wurde, um zu Schreiben. Dankeschön!

Choreografie eines Untergangs

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 121 – »Schlacht um Arkon« von Michael H. Buchholz

Die Maahks zerstören das Arkonsystem. Aus der Sicht der Exposéautoren kann man dieses radikale Vorgehen nachvollziehen. Es ist für die fortlaufende Handlung nicht nur logisch, sondern auch notwendig. Das heißt aber nicht, dass es mir gefallen muss. Auch so mancher Fan wird seine Probleme damit haben. In der EA war es die Zerstörung des Robotregenten, die den Terranern den Aufstieg zur galaktischen Macht erlaubte. Bei NEO ist es gleichsam schwieriger, weil a die Menschheit noch nicht entwickelt genug ist und b das Arkonidische Imperium die Galaxis dominiert. Bei weiterem Erstarken der Terraner hätte dies früher oder später zu einer Konfrontation der beiden Mächte geführt und ganz ehrlich, dass möchte man als Fan noch weniger lesen.

Michael H. Buchholz zelebriert den Untergang eines Imperiums mit überraschender Zurückhaltung. So wird die Arkonidische Flotte nicht aufgerieben, sondern durch einen replizierenden Computervirus festgesetzt, weiterhin ist von einer Evakuierung der Planeten ARKON I-III die Rede und auch der Einsatz von Atlas Robotflotte deutet an, dass man sich nicht zu sehr die Finger blutig machen wollte. Am Ende überleben 80% der Bevölkerung. Allein diese Tatsache fällt mir schwer einzuordnen. Zum einen möchten die Expokraten den Untergang eines Imperiums doch andererseits scheuen sie die dazu notwendigen Konsequenzen. Bedeutende Verluste erleiden in diesem Kampf nur die Naats, die so gut wie ausgerottet werden und die Wasserstoffatmenden Maahks, welche eigentlich nur Marionetten von Agaior Thoton sind. Der ist es, der im Auftrag seiner Mutter alles angezettelt hat. Diese Information kam für mich nicht überraschend. Ahnte ich doch schon bei »Exodus der Liduuri« das Anathema di Cardelah die Mutter von Agaior Thoton ist. Das er sich am Ende als Held hinstellt und die Arkoniden zum Kampf aufruft, könnte auch für die Terraner zu einem Problem werden. Somit bleibt die Handlung auf alle Fälle spannend.

Ungewöhnlich, aber interessant waren die Kapitel zu Ishy Matsu. Die im Präsens geschriebene Geschichte ihrer Erweckung und ihrer Quasi-Rettung des Arkonsystems durch das Auslösen der Sonnenschleudern hinterließ viele Fragen, die hoffentlich im Laufe der Staffel aufgeklärt werden. Dass sie ihren Notruf in Morsezeichen absetzt, fand ich dann doch etwas archaisch. Kennt im Jahr 2049 noch jemand den Morsecode, wenn ihn im Jahr 2016 höchstens ehemalige Militärs oder ein paar Amateurfunker beherrschen? Schließlich wird er kaum noch verwendet. Egal. Auch dieser Handlungsstrang wird uns Leser sicher in den nächsten Romanen weiter beschäftigen.

Kater Hermes und sein Team werden auf eine neue Mission geschickt und mit dem Bordpolizisten Pete Roofpitter wird eine neue Figur eingeführt. Der Anfang des Romans liest sich wie eine Kriminalgeschichte, die leider viel zu schnell aufgeklärt wird. Davon hätte ich gern mehr gelesen, obwohl ich kein Krimifan bin.

Das der Autor ein Fan von multiplen Handlungssträngen ist, merkt man sehr deutlich. Durch diese vielen Einschübe wirkt der Roman vor allem zu Beginn ein wenig zerrissen. Es dauert, bis er seinen Rhythmus gefunden hat. Es gab noch weitere Einzelheiten, die mir negativ auffielen. Wie die Imperatice ihren geliebten Atlan abservierte, gefiel mir genauso wenig, wie die mühelose Zerstörung der Elysischen Welt. Bei diesen Ereignissen hatte ich das Gefühl, dass beides irgendwie entsorgt werden musste. Ach und wie leicht die Mehandor-Chefin Empona an die Pläne der Transformkanone gelangen konnte, darüber möchte ich gar nicht erst nachdenken. Das wirkte … nun ja … einwenig unglaubwürdig.

»Schlacht um Arkon« ist ein durchschnittlicher Roman, der mir eher durch die ungewöhnliche Erzählform der Ishy Matsu-Kapitel und die Charakterisierung von Pete Roofpitter im Gedächtnis bleiben wird, weniger durch das Gemetzel von Arkon.

Werbung für den Newsletter der PRFZ

Ohne angeben zu wollen, bin ich stolz auf den Newsletter mit der Nummer 13. Nicht nur weil ich erstmalig acht Seiten füllen musste, sondern weil ich das Interview mit dem Layouter der »SOL« – Günter Puschmann – genial fand. Es sieht so aus als hätte das Frage-Antwort-Spiel nicht nur mir viel Freude bereitet.

Die PRFZ-Obersten haben mir das Okay gegeben, dass ich mich ab jetzt auf noch mehr Seiten »austoben« darf. Darüber freue mich, obwohl es mehr Arbeit bedeutet. Mir macht es tatsächlich Spaß, vor allem wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und ihre Beiträge pünktlich abliefern.

Das den Newsletter auch die PERRY RHODAN-Redaktion würdigt, erfüllt mich natürlich mit noch mehr Stolz. Gestern erschien zum Newsletter ein Artikel auf der PERRY RHODAN-Homepage, der auch gleich ein paar zusätzliche Anmeldungen einbrachte.

Für die PRFZ tätig zu sein, finde ich sehr erfüllend. Viel mehr als bei manchem, was ich für meine Arbeitgeber tue. Als Nächstes steht die NEO-Kolumne für die »SOL« an, das wird ein weiterer großer Schritt für mich sein.

NL-Werbung
Quelle: www.perry-rhodan.net

Auf Raumpatrouille in Bonn

Nachdem der vorangegangene Tag auf der Fedcon so enttäuschend verlaufenen war, konnte es eigentlich nur besser werden und das wurde es auch.

Den Anfang machte am Sonntag der grandiose Vortrag von Hubert Zitt zu Raumpatrouille ORION. Ich hatte lange nicht so viel Spaß und hoffe, dass Hubert bald mal wieder das Münchner Trekdinner besucht. Weiter ging es mit einer Bilderschau zu 25 Jahren Fedcon, moderiert von Mr. Fedcon (Dirk Bartholomä) persönlich. Es war schön in Erinnerungen zu schwelgen, wobei der Vortrag stellenweise etwas lieblos daherkam. Im Anschluss lauschten wir dem Darsteller des Malcolm Reed aus ST-ENTERPRISE, Dominic Keating, der wie immer unterhaltsame Geschichten zu erzählen wusste. Ich mag seinen englischen Akzent und die Geschichte, wie er beim Vorsprechen auf John Billingsley traf, gefiel mir besonders gut, weil er John ziemlich gut imitierte.

Sehenswert waren die vielen Modelle und Zeichnungen der Fans, die im Obergeschoss ausgestellt waren. Darunter auch Teile des TNG-Maschinenraums inklusive Jeffries-Röhre, die man betreten und in denen man Fotos schießen konnte. Zu Raumpatrouille ORION gab es ebenfalls eindrucksvolle Exponate zu bestaunen.

Nach dem Kaffee hörten wir uns einen Vortrag zum Weltraumaufzug an. Wobei ich mal wieder erstaunt war, dass es in Deutschland altgediente SF-Fans gibt, die nie PERRY RHODAN gelesen haben.

Da dieser 15. Mai für meinen Mann und mich ein besonderer Tag war (sechs Jahre zuvor haben wir geheiratet), gingen wir am frühen Abend in ein nahegelegenes Restaurant essen. Der Asiate überraschte mit frischem und schmackhaftem Menüs, sodass wir nach 18 Uhr zufrieden ins Conhotel zurückkehrten.

Dort hatte man mal wieder kurzfristig den Plan umgestellt und so bekamen wir von Karl Urban (Dr. McCoy im Adams-Universum) nur noch das Ende mit. Das ist einer meiner stärksten Kritikpunkte. Nirgendwo gab es einen Bildschirm, auf dem man sich über das aktuelle Programm informieren konnte. Ich vermisste die zur Fedcon im Düsseldorfer Maritim überall hängenden Touchscreen-Monitore, auf denen man jederzeit abrufen konnte, welches Panel wo stattfand. Inzwischen gibt es zwar eine App, die über aktuelle Programmänderungen informiert. Dumm nur, wer wie ich kein Smartphone hat und auf das aus dem Internet ausgedruckte Programm angewiesen war. Im Conheft gab es ebenfalls ein Programm, was jedoch hoffnungslos veraltet war. Warum sich die Veranstalter überhaupt die Mühe gemacht haben, es dort abzudrucken, ist mir schleierhaft.

Nun anscheinend haben wir bei Karl Urban nicht viel verpasst, denn der Schauspieler wirkte unmotiviert und kam am Ende trotz anhaltenden Applaus‘ nicht noch einmal auf die Bühne. Das wir zu spät waren, hatte aber auch eine gute Seite. So wurden wir nämlich trotz Tageskarten in den Saal gelassen und blieben dort bis zum Ende sitzen. Nach der sympathischen Terry Farrell, trat William Shatner auf. Der Mann ist für seine 85 Jahre erstaunlich agil und schlagfertig. Viele der Geschichten kannte ich bereits, aber Captain Kirk leibhaftig zu sehen, ist dann doch immer wieder etwas besonderes.

Besonders war auch der anschließende Kostümwettbewerb, bei dem ein Pärchen in Transformer-Kostümen eindeutig den Vogel abschoss. Aber auch die anderen Kostüme konnten sich sehen lassen. Überhaupt gab es wieder viele Fans in professionell gestalteten Outfits.

Gegen 22 Uhr verließen wir das Maritim nach einem schönen Conventiontag, der uns wieder versöhnte. Ob wir aber wiederkommen werden, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Mein Fazit: Die Räumlichkeiten waren definitiv zu klein. Einige Besucher verließen wegen Sauerstoffmangel und Hitze fluchtartig die Räume, besonders schlimm war es im Raum Hayden, in dem die Rahmenvorträge (u.a. PERRY RHODAN) gehalten wurden. Über die Qualität des angebotenen Essen lässt sich streiten, wenigstens der Kaffee schmeckte. Organisatorisch habe ich schon bessere Fedcons erlebt. Zumindest eine Anzeige des Programms ist zwingend notwendig, wenn man schon dauernd den Ablauf ändert. Mir fehlte auch ein bisschen der Kontakt zu den Stars. Die ließen sich in Düsseldorf öfters in der Lobby blicken, was aber auch an den Schauspielern selbst liegen mochte. Eben weil in Bonn alles so eng ist, ist unwahrscheinlich, dass sie sich einer solchen Menge an Fans aussetzen wollen. Dafür gab es viel junges Publikum und viele Kinder zu sehen, so dass ich mir über den STAR TREK-Fan-Nachwuchs keine Sorgen machen muss. Positiv bleibt mir das Hotelpersonal in Erinnerung. Besonders die Hausdamen, die die Toiletten rund um die Uhr in perfektem hygienischen Zustand hielten. Da herrschten in Düsseldorf ganz andere Zustände.

Generationenwechsel

Ich wusste schon, warum sich bei mir dieses Mal keine rechte Vorfreude auf die Fedcon einstellen wollte. Denn es war anzunehmen, dass es voll, eng und stickig werden würde. Aber dass es außerdem so langweilig ist, dass ich die Leseprobe eines PERRY RHODAN-Heftromanes lesen würde, während die STAR TREK-Stars drinnen auf der Bühne stehen, damit hatte ich nicht gerechnet.

Das hatte zum einen damit zu tun, dass wir Inhaber eines Tagestickets waren und damit nur in den Hauptsaal kamen, wenn alle Wochenendticketbesitzer einen Platz hatten. Da anscheinend mehr verkauft wurden, als es Plätze im Saal gab, zogen so einige Tagesgäste den Kürzeren. Das hat mich sehr gestört, fand ich es doch etwas unfähr. Zumal wir für zwei Tage fast genauso viel bezahlten wie fürs Wochenendticket. Den Auftritt von William Shatner hat Tele 5 live bei Facebook gestreamt, so dass einige draußen in der Lobby saßen und auf ihr Smartphone starrten.

Durch die Autogrammsession war der Saal den halben Tag belegt und die Nebenräume entsprechend voll. Meiner Meinung nach kann man einen so beliebten Star wie Connor Trinner nicht im kleinen Saal auftreten lassen. Das muss zwangsläufig voll werden. Zur gleichen Zeit fand auch der Weltrekordversuch statt – die meisten Fans in STAR TREK-Kostümen an einem Platz zu vereinen. Da einige hundert fehlten, weil sie a es nicht wussten (keine Durchsagen, nur ein Hinweis im Programmheft) und b sie im Panel des ENTERPRISE-Schauspielers saßen, kamen nur 700 statt der gewünschten 1400 zusammen.

Aus Liebe zu meinem Mann verbrachte ich danach fast eine Stunde in der Warteschlange zur Fotosession mit Terry Farrell, bis ich nicht mehr stehen konnte. Wenigstens war er selig, als er mir nach zwei Stunden stolz sein Foto präsentierte.

Es gab auch ein paar Lichtblicke. Unterhaltsam war wie immer das Panel von Dr. Hubert Zitt, der darüber sprach, wie »50 Jahre Star Trek« die Welt veränderten. Spannend fand ich auch die Lesung von Christian Humberg und Bernd Perplies aus der von iHenn geschriebenen STAR TREK-Romantrilogie »Prometheus«, die ab Juli erscheint. Die erste von deutschen Autoren geschriebene STAR TREK-Geschichte stieß auf so viel Interesse, dass auch hier der Raum aus allen Nähten platzte. Die Fans saßen sogar auf dem Boden. Den versöhnlichen Abschluss eines anstrengenden Conventiontages bildete das Panel von Terry Farrell, in das wir gnädigerweise eingelassen wurden.

Trotz der vertrauten Umgebung (ich bin viele Male zuvor auf der Fedcon in Bonn gewesen) mochte sich bei mir kein Con-Feeling einstellen. Woran das genau lag, vermag ich nicht zu definieren. Vielleicht auch daran, dass sehr viel jüngeres Publikum da war und man nur wenige Freunde aus alten Zeiten traf. Es hat ein Generationswechsel bei den STAR TREK-Fans auf der Fedcon stattgefunden und vielleicht ist das auch gut so. Denn so eine Massenveranstaltung bei der man stundenlang in schlecht belüfteten Räumen auf engstem Raum stehend oder auf dem Boden sitzend verbringt, ist mit zwanzig noch lustig, mit dreißig nervt es, aber mit zweiundvierzig ist man dafür definitiv zu alt.

Würdiger Abschluss mit Schönheitsfehlern

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO 120 – »Wir sind wahres Leben« von Rüdiger Schäfer

Auf der Heimatwelt des Plasmas kommt es zum Showdown zwischen dem bösen Posbi Aashra und den Menschen auf der CREST. Durch mehrere Ablenkungsmanöver gelingt es, einen Teil der Posbiflotte wegzulocken. Während Perry Rhodan, Tuire Sitareh, John Marshall, Tim Schablonkski und Cel Rainbow mit einer Spacejet ins Herz der Plasmawelt vordringen, bringt die CREST die Plasmaentität Anich ins Kian zurück. Rhodan hofft, mit Hilfe der Iilahatan die von Aashra manipulierten Posbis durch einen Neustart rebooten zu können. Das erweist sich als schwierig und gelingt nur durch das Opfer eines Mumarrad.
Am Ende ist Aashra besiegt, die Posbi stehen wieder unter der Herrschaft Anichs, die aus lauter Dankbarkeit den Menschen die Konstruktionspläne der Transformkanone sowie die Zugangsdaten zum Netz der Sonnentransmitter überlässt.

Alles in allem bildet der Roman einen versöhnlichen Abschluss der Posbi-Staffel. Es wird noch einmal richtig spannend. Wichtige Fragen werden beantwortet, Neue aufgeworfen und auch die Gefühlsebene kommt nicht zu kurz. Als Thoras Schwangerschaft erwähnt wird, klappte mir kurzzeitig die Kinnlade herunter. Werden wir einen Michael sehen oder eine Suzan oder vielleicht sogar beide oder jemand völlig anderen? Ich bin gespannt, was sich die Expokraten dazu ausdenken.

Leider ist es keine Punktlandung geworden, denn am Ende schreitet die Handlung so hastig voran, dass ich mich stellenweise fragte: was, wie und warum passierte? Zum Beispiel hätte das Manöver mit den Bestienschiffen ausführlicher beschrieben werden müssen. Außerdem war ich verwirrt, als bei Thoras Angriff plötzlich Posbischiffe mitmischten. Ein paar Erklärungen im Vorfeld, wie das Bündnis zustande kam, wären hilfreich gewesen. Da es ja im letzten Roman noch hieß, dass alle Posbis den Menschen feindlich gegenüberstehen. Vielleicht hätte man die Handlung auf zwei Romane verteilen müssen, um alles ausführlicher zu schildern.
Auch zwei essentielle Dinge aus den letzten Romanen wurden nicht aufgegriffen. Zum einen: Wo ist die Bujun! Befindet sie sich noch an Bord der CREST? Was ist mit ihr passiert? Wurde sie endgültig deaktiviert? Und zum zweiten: Was ist eigentlich aus der Zeitbombe geworden, die die LI-KONNOSLON an Bord hatte und für die Atlan die Verantwortung übernehmen sollte? Diese beiden Dinge hätten auf jeden Fall angesprochen werden müssen.
Ich will keine Plotholes auflisten, aber es gab Dinge, die mich gestört haben. Wenn der Impuls von Anich die Posbi quasi rebootet – im Roman klang der Vergleich zu einer formatierten Festplatte an – hätte er damit nicht auch die Erinnerungen aller Posbi und damit auch die von Kaveri und Atju löschen müssen? Ich meine, wenn ich meine Festplatte wegen eines Virus formatieren muss und kein Datenbackup habe, sondern nur die CD mit dem Betriebssystem, habe ich am Ende nur das bloße Betriebssystem auf meinem Computer aber keine Daten mehr. Möglicherweise funktioniert das bei Posbis anders und sie können ihre Erinnerung irgendwo virenfrei abspeichern, aber wenn nicht, wieso erinnern sich Kaveri und Atju an die Besatzung der CREST und helfen ihnen bei der Kommunikation mit Anich?
Und noch etwas ist mir aufgefallen. In der Szene, in der Eric Leyden mit Professor Oxley zusammentrifft, ist die Rede von dem Hibernal-Ejektor, den Oxley’s Team entwickelt hat. Die Wunderwaffe gegen die Posbi wird großartig erklärt und ich freute mich schon, sie im Einsatz zu erleben. Aber leider wurde sie nur in einem Nebensatz erwähnt. Wenn ich mir als Autor die Mühe mache und ein ganzes Kapitel (dass mir im Übrigen gut gefallen hat) in die Vorstellung einer Waffe stecke, dann muss ich sie dem Leser anschließend auch präsentieren. Dagegen wird irgendwann am Rande erwähnt, dass sich die Posbis darauf eingestellt hätten. Wobei ich an dieser Stelle nicht fragen werde, wie sie das bewerkstelligten. Vielleicht ist diese Szene auch einfach der Schere zum Opfer gefallen, wie Drehbuchautoren sagen würden.

Nachdem ich jetzt genug gemeckert habe, möchte ich auch noch etwas Positives loswerden, nämlich ein paar persönliche Anmerkungen zum Schreibstil des Autors. Wenn ich einen Text, wie den von Rüdiger Schäfer, an meinen Schreibcoach geschickt hätte, bin ich mir sicher, dass ich ihn mit vielen rot markierten Stellen zurückbekommen hätte, über denen »Geschwafel« gestanden hätte. Wahrscheinlich sehen auch einige Fans das so. Da sieht man mal, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind, denn genau diese Stellen mag ich. Die Innansichten, die der Autor in seinen Romanen liefert, möchte ich genau so lesen. Für mich ist das kein Geschwafel, sondern ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Ebenso wie die kleinen persönlichen Szenen aus Perry Rhodans Privatleben. So etwas gefällt mir – darum sind die Romane von Rüdiger Schäfer für mich immer etwas Besonderes – im Gegensatz zu den hochtechnisierten Beschreibungen aus dem letzten Roman von Rainer Schorm. Mir ist als Leserin wichtig, dass ich mich mit den Figuren identifizieren kann, mich vielleicht in der einen oder anderen wieder entdecke und das beherrscht der Autor perfekt.

Mein Fazit: »Wir sind wahres Leben« bietet mir perfektes Leseerlebnis, neben einer durchdachten Handlung, die zwar nicht alle Fragen beantwortet, dennoch einige wichtige Aussagen bereithält.

Verheddert im Technogewirr

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 119 – »Die Wut der Roboter« von Rainer Schorm

Wie jetzt? Gucky war die ganze Zeit an Bord der CREST und Rhodan nimmt stattdessen psychisch labile oder anderweitig eingeschränkte Mutanten auf gefährliche Missionen mit? Das glaub ich jetzt nicht! Den ganzen Roman über hoffte ich, eine sinnvolle Antwort darauf zu bekommen, leider vergebens. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Expokraten den Mausbiber nach dem Tod von Fancan Teik einfach nur vergaßen. Ich weiß, Gucky stellt Autoren vor große Herausforderungen, weil er sowas wie der »Überallzugleichproblemlöser« ist. Mit einer Figur, welche die Protagonisten aus allen Lebenslagen retten kann, einen spannenden Plot zu entwickeln, ist schwierig. Deshalb wäre es mir lieber gewesen, die Exposéautoren hätten den Mausbiber daheim gelassen. Vielleicht mit der Erklärung, dass ihn der Tod des Haluters überforderte; er seine Mausbiberfreunde besuchen muss oder im Koma liegt, weil er versuchte durch einen Repulsorwall zu teleportieren … Halt, falsche Serie. Egal! Nur ein Satz der Guckys plötzliches Auftauchen erklärt hätte und ich wäre zufrieden gewesen. Aber so, kam ich mir verschaukelt vor.

Der Rest der Geschichte ist … Nun ja, schwer zu beschreiben. Sie liest sich wie ein rasanter Actionfilm. Es passiert viel, womöglich zu viel. Über die Anzahl der Handlungsstränge habe ich irgendwann den Überblick verloren. Was mich aber nur bedingt störte. Womit ich richtig zu kämpfen hatte, waren die Szenenbeschreibungen. Die waren oftmals zu kompliziert. Bei dem Versuch mir vorzustellen, wie es auf Uwawah aussieht, scheiterte ich kläglich. Und auch die Handlung verlief oft zu hastig. Ich fand keinen Leserhythmus und somit auch keinen Zugang zur Geschichte. Bei so viel Technobabble waren höchstens drei oder vier Kapitel drin, dann legte ich den Roman zu Seite. Kein NEO-Roman aus der Posbi-Staffel hat sich so anstrengend lesen lassen wie »Die Wut der Roboter«. Die andauernde Zerstörung und die Flucht der Protagonisten wiederholten sich irgendwann.

Vor allem der Versuch in die Bujun einzudringen und sie zu manipulieren, hat sich mir in seiner Umsetzung nicht erschlossen. Ich fand das nicht nur ziemlich weit hergeholt, sondern fragte mich die ganze Zeit über: Das Ding steht in einem Hangar, warum sprengen die nicht die Hangartore? Die explosive Dekompression hätte die Bombe ins All geblasen und damit runter vom Schiff. Überhaupt, warum an etwas manipulieren, was a extrem gefährlich ist und man b nicht mal annähernd versteht? Mutantenfähigkeiten hin oder her. Die Technologie der Bujun beruht auf einer völlig fremdartigen Konstruktion und folgt keinen den Menschen bekannten Mustern. Woher weiß Josue Moncadas was er tun muss? Wenn es einer der beiden Posbi versucht hätte, wäre es glaubwürdig gewesen. Und überhaupt: Trigital? – Nein! Das war mir zu abwegig.

Figurenzeichnung. Zwischenzeitlich hatte ich echt Mitleid mit Kai Hirdt. Da baut er mit viel Mühe eine glaubhafte Beziehung zwischen Tim Schablonski und Tani Hanafe auf, die vom Folgeautor in eine Farce verwandelt wird. Auch wenn Tani ärgerlich auf Tim ist, weil er sie in den Rücken geschossen hat, so passen ihre zickigen Reaktionen so gar nicht zu der Figur, die ich im vorherigen Roman kennengelernt habe. Überhaupt wirkten die albernen Streitereien aufgesetzt und nicht nur die zwischen den beiden. Ich finde dem Autor fehlt ein bisschen das Gespür dafür, Emotionen über die Figuren auf den Leser zu übertragen. Das Rainer Schorm Gefühle zur Nebensache deklariert, um dafür mehr Technik und Action in die Handlung zu bringen, mag nicht jedem gefallen. Hauptsache es knallt schön und es geht etwas zu Bruch. Nein, sowas mag ich nicht lesen, schon gar nicht in dieser Fülle.

Die Idee, die Gedankengänge der Posbi als Pseudoquellcode zu schreiben, war gut gemeint. Letztendlich ist sie aber nur ein Trick, die Handlungsflut zu bändigen, ohne auktorial zu werden. Ich fand dieses Stilmittel etwas unglücklich, weil es zwei völlig verschiedene Dinge miteinander zu vereinbaren versucht. Zum einen der in »Englisch« verfasste Code und andererseits die Erläuterungen der Posbi, die mehr an den Logbucheintrag einer Person erinnern. Für mich passte das nicht zusammen. Schon klar, dass das Plasma organische Züge trägt und vielleicht auch organisch denkt, dann hätte man aber die Computerbegriffe weglassen sollen. Oder man hätte alles in Quellcode schreiben müssen, wovon dann aber der Leser nichts verstanden hätte.

Zuletzt dann doch etwas Positives. Es gab einen Lichtblick in diesem Roman und das war die Szene, in der sich Eric Leyden Vorwürfe macht, den Posbi Char erschossen zu haben. Das war glaubhaft und gefiel mir außerordentlich gut. Von solchen Szenen hätte ich gern mehr im Roman gehabt.

Fazit: »Die Wut der Roboter« ist ein Beispiel dafür, dass zu viel Handlung einem Roman schaden kann. Mehr ruhige Phasen und ein bisschen mehr Realitätsnähe, was den Umgang der Menschen mit der Technologie der Liduuri betrifft und es wäre ein perfekter Roman geworden. Na ja fast. Die Sache mit Gucky nehme ich Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz immer noch übel.