Ein Arkonide auf der Suche

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 243 – »Drei Tropfen Unendlichkeit« von Rainer Schorm

Der Arkonide Sofgart ist auf der Suche. Nach was, weiß er selbst nicht. Er lässt sich von seinem Unterbewusstsein treiben, dass ihn in die Lokale Blase der Milchstraße zieht. Zuerst besucht er die untergegangene Kolonie des chinesischen Blocks im Deneb-System. Dort findet er in einem verschütteten Zeitbrunnen ein tränenförmiges Artefakt, das dem gleicht, was er vor vielen Jahren in einem uralten Archiv auf Arkon bekommen hat. Auf seiner abenteuerlichen Weiterreise strandet er in der Atmosphäre eines Gasriesen im Algol-System. Dort wird er von terranischen Kolonisten gerettet und nach Rumal gebracht.
NATHAN hat seine Interpreterinnen, Sophie und Laura Bull-Legacy geschickt, um Sofgart zu helfen und auch die Rhodansöhne rücken mit Omar Hawk und seinem Okrill an. Auf Rumal finden sie mit dem Arkoniden einen weiteren Zeitbrunnen, in den diesmal Hawk steigen muss, um auf einem weit entfernten Planeten eine weitere Träne zu bergen. Dort begegnet er einem Wesen, das sich Tiamat nennt, und das ihm aufträgt den Flakon für die Tropfen zu finden. Zusammen mit den Artfakten reisen die Menschen und der Arkonide ins Sol-System. In Bolivien stöbern Hawk und Sofgart den irdischen Zeitbrunnen auf. Dieses Mal ist es der Okrill, der hineinspringt und ihnen den Flakon bringt.
Nathan hat sich derweil abgeschottet und alles Personal vom Mond evakuieren lassen. Er befürchtet einen Angriff von Iratio Hondro.

Ich bin zwiegespalten. Einerseits hat mir der Roman gut gefallen. Rainer Schorm lässt seinem Protagonisten einige spannende Situationen erleben und überleben. Andererseits scheint die Geschichte überhaupt nicht mit den Vorgängerromanen zusammenzupassen. Das soll keine Kritik sein, aber für mich fühlte sich der Roman seltsam losgelöst von der Staffelhandlung an. Es erscheint so, als wolle der Autor sich lieber mit etwas anderem beschäftigen, als der Jagd nach Iratio Hondro. Möglicherweise sind die Exposéautoren inzwischen ihres Antagonisten gleichsam überdrüssig wie die meisten Fans.

Dem Charakter Sofgart hat der Autor sehr viel Tiefe verliehen. Ich musste zunächst überlegen, woher ich ihn kenne. Er spielt im ersten NEO-Roman von Ben Calvin Hary eine Rolle. Gleichsam spannend fand ich Sofgarts Vergangenheit, die Erinnerung an den Besuch des arkonidischen Archivs. Man spürt, das hier eine viel größere Geschichte dahintersteckt und möchte natürlich wissen, was es mit den drei Tropfen und dem Wesen Tiamat auf sich hat. Doch das wurde mir verwehrt, da das Ende sehr plötzlich kommt, und ich nicht weiß, wann die Geschichte fortgesetzt werden wird. Ich empfand das etwas unbefriedigend.

Was mir noch auffiel: Einerseits erklärt Rainer Schorm sehr genau physikalische Phänomene wie die Atmosphäre des Eisplaneten oder den Aufbau der Sternensysteme. Auf der anderen Seite jedoch wirkt alles, was mit den seltsamen Tropfen zusammenhängt wie Magie. Das liest sich eher wie ein Fantasy- als ein SF-Roman. Ich habe nichts gegen phantastische Begebenheiten, die Wundern gleichen. Aber für mich passen die präzise geschilderte Physik und die Wunder, bei denen jegliche Erklärung fehlt, irgendwie nicht zusammen. Es gibt nicht einmal den Versuch einer Erklärung.

Sehr gut gefallen mir die Szenen mit Reginald Bull auf dem Mond und seiner Auseinandersetzung mit NATHAN. Da bin ich schon gespannt, wie das fortgesetzt wird.

Warum der Roman allerdings »Drei Tropfen Unendlichkeit« heißt, weiß ich nicht. Es ist nie die Rede davon, dass die Tropfen unendlich sind. Ansonsten ist es ein sehr schöner, spannender NEO, und eine Wohltat für alle, die von der Jagd nach Iratio Hondro gelangweilt sind.

Wen erinnert das Titelbild noch an die Sonde aus Star Trek IV?

Die Avengers jagen Fantomas

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PERRY RHODAN NEO Band 242 – »Sturm über Olymp« von Lucy Guth

Die Familie Rhodan trifft sich auf Olymp. Kaiser Anson Argyris, hinter dem Rhodans Tochter Nathalie steckt, ist besorgt. Irgendetwas geht auf Olymp vor, hinter dem wahrscheinlich Iratio Hondro steckt. Doch die von Rhodan und seinen Söhnen initiierte Suche nach dem allmächtigen Plophoser ist nicht erfolgreich. Als sie ihn endlich entdecken, hat er bereits einen Teil der Stadt in Schutt und Asche gelegt.
Hondro sucht zwingend eine Reisemöglichkeit ins Sol-System, weil er NATHAN übernehmen möchte. Doch die Transmitterstraße und der Flugverkehr werden von der Terranischen Union lückenlos überwacht. Da erfährt er, dass es in Trade City auf Olymp eine geheime Basis der MdI gibt. In Aussicht auf ein Schaltschiff oder ein anderes Transportmittel mit Tarnschirm, engagiert er eine Handvoll Banditen, die mit ihm die Basis überfallen und dem Erdboden gleich machen. Er versucht sogar Faktor II – Proht Meyhet – unter seine Kontrolle zu bringen, doch ein in der Basis stationierter Baphomet macht Hondro einen Strich durch die Rechnung.
Es kommt zum Showdown in den Straßen von Trade City bei dem Rhodan und sein Team aus Mutanten und GHOST-Mitarbeitern den Plophoser zu stellen versuchen und gleichzeitig den Baphometen ausschalten müssen. Doch Iratio Hondro wäre nicht er, wenn er nicht erneut entkommen könnte und ein weiteres Ass aus dem Ärmel schüttelt – Jessica Tekener.

Ich finde das nicht mehr lustig. Schon wieder entkommt Hondro und lässt Rhodan, dessen Söhne, die Mutanten und sogar den Kaiser Anson Argyris wie Deppen zurück. Als Kind mochte ich die »Fantomas«-Filme, weil der Superschurke immer wieder den dummen Polizisten entkam, heute fühle ich mich bei den NEO-Romanen eher negativ daran erinnert. Manchmal möchte man Perry Rhodan und seinen Mannen helfen. Zum Beispiel wenn sie daneben stehen und zusehen, wie Hondro versucht den MdI zu übernehmen, ohne einzugreifen. Dabei würde es reichen, Faktor II zu paralysieren. Andererseits hält man das einzige Wesen, das Hondro Paroli bieten kann, den Baphometen, davon ab, dass es Kleinholz aus dem Plophoser macht. Sehr schlau stellen sich die Terraner auch bei der Fahndung nach Hondro nicht an. Da schüttelt nicht nur Ronald Tekener mit dem Kopf, sondern auch ich als Leser.

Dieses ganze Szenario auf Olymp erinnert mich sehr stark an die »Avengers« Filme, die ich über die Feiertage gesehen habe. Da wird zerstört, gekämpft und brutalst getötet. Ist das noch Perry Rhodan oder schon der Abklatsch einer Marvel-Verfilmungen? Allein mit der Figur des Howard Snipes konnte mich die Autorin überzeugen. Doch auch hier ist eigentlich schon im Vorfeld klar, dass er ein typisches »Redshirt« ist, das den Roman nicht überleben wird.

Ebenfalls positiv überrascht mich die Anwesenheit der MdI. Das ist eigentlich nur logisch. Und das Faktor II – Proht Meyhet – nun als Botschafter Andromedas verzweifelt versucht, in Zusammenarbeit mit Abteilung III des TU-Geheimdienstes die Halatiumforschung voranzutreiben, ist irgendwie ebenfalls schlüssig. Warum sollten die MdI nicht gleichsam Probleme mit ihren Zellaktivatoren haben. Dass er dabei den Terranern und dem Kaiser von Olymp die eine oder andere Kleinigkeit verschweigt, macht ihn sogar sympathisch.

Jessica Tekener finde ich in diesem Roman weniger glaubhaft. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber die Figur löst bei mir ambivalente Gefühle auf. Die enge Beziehung zu ihrem Bruder kann man gut verstehen, aber was Thomas Rhodan da Zoltral an ihr findet, kann ich echt nicht nachvollziehen. Apropos Rhodans Sohn. Kann mir irgendeiner erklären, warum man seinen Namen immer ausschreiben muss? Ich meine, man weiß ja wie er vollständig heißt. Es würde meiner Meinung nach völlig reichen, wenn man den Namen einmal vollständig im Roman erwähnt. Ich will ihn aber nicht in gefühlt jedem dritten Satz lesen.

Eines muss ich an dieser Stelle würdigen. Nämlich, dass Lucy Guth mit Band 241 und 242 zwei NEO-Romane hintereinander geschrieben hat. Das hat bisher nur ein einziger Autor bei NEO vollbracht und zwar Überallzugleichschreiber Kai Hirdt. Das ist eine großartige Leistung, zumal die Autorin das qualitativ sehr gut umgesetzt hat. Für den Inhalt der Exposé kann sie ja nichts.

Allgemein möchte ich zu der aktuellen Entwicklung bei NEO sagen, dass die Romane zwar stellenweise spannend geschrieben sind. Dadurch aber, dass alles, was Rhodan versucht, um Hondro aufzuhalten, misslingt, bleibt ein fader Beigeschmack, der bei mir irgendwo zwischen Resignation und Unglauben rangiert. Hatten die frühen Romane der Erstauflage das Problem, dass den Terranern im Grunde alles gelang, dass jeder ihrer Pläne ohne Probleme funktionierte. So passiert bei NEO genau das Gegenteil. Klar, Helden müssen auch mal scheitern, aber wenn sie das zu oft tun, macht es den Lesern irgendwann keinen Spaß mehr. Und wenn dann auch noch so effekthaschend auf Action gesetzt wird, anstatt auf Glaubwürdigkeit, fällt es mir schwer, Gefallen an der Geschichte zu finden. Ich glaube, dass es mir nicht allein so geht. Hoffen wir, dass es nicht die ganze Staffel so weitergeht. Wahrscheinlich wird aber genau das passieren. Denn mit Jessica Tekener hat Hondro nun eine Marionette direkt unter den Terranern.

Wer Action wie in den »Avenger«-Filmen mag und wer kein Problem damit hat, dass Perry Rhodans Gegner nicht nur sadistisch, sondern auch all- und übermächtig ist, der wird an »Sturm über Olymp« Gefallen finden. Wer eher die leisen, intellektuellen Töne bevorzugt, wird sich mit dem Roman schwer tun.

Fleischfressende Pilze und andere Unannehmlichkeiten

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PERRY RHODAN NEO Band 341 – »Sporensturm« von Lucy Guth

Die CREST II erreicht Epsal und wird sofort von Iratio Hondro erpresst. Er hat die Bevölkerung der Kolonie unter seiner Kontrolle und versucht nun auch Besatzungsmitglieder der CREST II zu kontrollieren. Zum Teil gelingt ihm das. Die Betroffenen sabotieren wichtige technische Anlagen, darunter auch die Fusionsreaktoren. In letzter Minute können Gucky und John Marshall eine Katastrophe verhindern.
Getarnt dringen Rhodan, seine Söhne sowie Omar Hawk und Gucky nach Epsal vor. Dort versucht Hondro die Planetenmaschine in Gang zu setzen. Ronald Tekener folgt ihnen heimlich, weil er seine Schwester aus den Fängen des irren Plophoser befreien will. Unterstützung erhält er unteranderem durch die Schiffsintelligenz SENECA.
Jessica Tekener leidet unter Hondros mentaler Kontrolle. Sie kann aber einen epsalischen Jungen aus seinem Griff befreien. Er wird zum Schlüssel, den die Ärzte der CREST II benötigen, um auch die anderen Kolonisten Hondros Zugriff zu entziehen.
Rhodan und sein Team stellen Hondro in der Steuerzentrale der Planetenmaschine, doch der Plophoser ist so übermächtig, dass ihm niemand Paroli bieten kann. Nur Tekener in seiner schieren Wut gelingt es, Hondro zur Aufgabe zu bewegen. Doch Hondro hat ein Ass im Ärmel, er zwingt Jessica auf ihren Bruder zu schießen, kurz bevor er mit ihr vom Planeten fliehen kann.
Zwar sind Epsal und eine Bewohner gerettet, aber Hondro kann weiterhin seine dunklen Pläne verfolgen.

Ein großartiger Roman von Lucy Guth. Da steckt alles drin, was eine gute Geschichte braucht. Gut ausgearbeitete Charaktere, eine atmosphärisch dichte Handlung, eine exotische Welt und einen fiesen Bösewicht. Die Story hat mich mitgerissen.

Die Autorin schafft es sogar, mir Jessica Tekener nahezubringen, obwohl ich die Figur nicht wirklich mag. Aber hier leide ich tatsächlich etwas mit ihr mit. Vor allem als sie am Ende ihrem Bruder und ihrem Geliebten Thomas Rhodan gegenübersteht und Hondro sie zwingt, auf einen von beiden zu schießen. Das ist ein echter Showdown. Ronald Tekener ist auch in diesem Roman eine extrem starker Charakter, der sich von nichts und niemandem etwas sagen lässt, aber mit allem durchkommt, weil er mit seiner unkonventionellen Art Erfolg hat.

Schön ist, dass die Autorin Figuren aus ihren früheren Romanen wieder aufnimmt und weiterentwickelt. Mir gefiel die Autistin Donna Stetson schon bei ihrem ersten Auftritt in Band 236. In dieser Geschichte erhält sie weiteres Entwicklungspotenzial und einen guten Freund. Sie ist es auch, mit der SENECA direkt kommuniziert. Die Dialoge zwischen den beiden sind echte Highlights.

Erstaunlich finde ich nach wie vor, wie eigenmächtig die Schiffsintelligenz agieren darf. Dass Thora sich das gefallen lässt …? Da bin ich auf die weitere Entwicklung gespannt. Ebenfalls gespannt bin ich auf Iratio Hondro und was die Exposéautoren mit ihm geplant haben. Ich bin nach wie vor skeptisch, weil der Charakter einfach viel zu übermächtig ist.

»Sporensturm« ist ein spannender Roman, den man gelesen haben muss. Dass die Autorin gleich noch den Anschlussband verfasst hat, freut mich daher umso mehr.

Aufstand auf Plophos

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 240 – »Das neue Plophos« von Oliver Plaschka

Merkwürdige Dinge geschehen in der Kolonie im Capella-System. Iratio Hondro scheint von Plophos verschwunden, doch die Bewohner werden nach wie vor psychisch beeinflusst. Auf allgemeine Apathie, die das Leben beinahe zum Stillstand bringt, folgen Wut und Aggression. Bei Aufständen geraten verschiedene Widerstands-Gruppen und die verbliebenen Reste der Polizei aufeinander. Jeder zankt sich mit jedem und die Lage droht in einem Bürgerkrieg zu eskalieren.
Da taucht Perry Rhodan mit seinen Söhnen auf. Sie wurden vom Geheimdienst der Terranischen Union ausgesandt, um die Lage zu sondieren. Schnell stellt sich heraus, dass die Planetenmaschine im Inneren von Plophos für das Chaos unter der Bevölkerung verantwortlich ist. Zusammen mit Ronald Tekener, einem MINSTREL und seinem Interpreter dringt Rhodan in die Tiefe von Plophos vor.
Es gelingt ihnen, die Maschine zu stoppen, die wahrscheinlich durch Perrys Aktion im Gadenhimmel ausgelöst wurde. Doch da taucht plötzlich die Terranische Flotte im Orbit von Plophos auf. Die Kolonisten sind darüber alles andere als begeistert, wollen sie doch nicht weiter von der Erde abhängig sein. Rhodan kann eine Eskalation verhindern und Protektor Reginald Bull überzeugen, wieder abzuziehen. Kurze Zeit später erklärt Plophos seine Unabhängigkeit.

Mit viel Geschick verknüpft Oliver Plaschka die Handlung dieses Romans mit Inhalten aus dem ebenfalls von ihm verfassten Band 203. Es lohnt sich vor der Lektüre von »Das neue Plophos« nochmal in »Tekener« hineinzulesen. Dort erwähnte Figuren tauchen wieder auf und werden vertieft. Die Untergangsstimmung wird greifbarer und auch Tekeners Gedanken sind verständlicher, wenn man weiß, was ihm damals widerfahren ist.

Das ist es, was eine gute Serie ausmacht. Wenn Handlungsfäden wieder aufgegriffen werden, obwohl sie schon länger zurückliegen. In dem Fall beinahe schon zu lange, denn ich musste einige Passagen aus Band 203 nachlesen, um die Geschichte richtig genießen zu können.

Sehr gut fand ich, dass der Großteil des Romans auf Plophos spielt. Anfangs hatte ich befürchtet, dass sich die Handlung zu lange mit Rhodan auf der Erde beschäftigen würde. Es kam zum Glück nicht so. Stattdessen zeigt uns der Autor das Quinto-Center sowie die Familie Rhodan aus den Augen von Tekener.

Oliver Plaschka hat ein Gespür für den Spieler, das hat er bereits eindrucksvoll gezeigt. In diesem Roman setzt er nahtlos daran an. Tekeners Zerrissenheit, seine schlimmen Erinnerungen, das permanente Minderwertigkeitsgefühl, das er mit Coolness zu überspielen versucht. All dies zeugt von einer intensiven Beschäftigung mit dem Charakter.

Aber auch die Widerstands-Gruppe auf Plophos, um die Spionin Mory Kosic und den Strigoiden Sam Abro ist glaubhaft geschildert. (Erkennt jemand die Hinweise auf die Erstauflage?) Rebellion ist oft eine schmutzige Angelegenheit und selten heroisch. Auch auf Plophos sterben Menschen, wird zerstört und geplündert für eine hehre Sache. Dass man als Leser die Charaktere dennoch als positiv empfindet, ist dem Können des Autors geschuldet, der mit viel Empathie das Bewusstsein für den Augenblick und die Nöte seiner Figuren erzeugt.

Die Planetenmaschine wurde entweder durch Hondro oder durch Rhodans Handlungen im Gadenhimmel in Gang gesetzt, was Perrys Schuldgefühl noch vergrößert. Im nächsten Band geht es nach Epsal, da sich auch dort die Lage zuzuspitzen scheint. Ich bin gespannt, ob die Staffel wieder zu einer Art Kolonienhopping verkommt. Nach dem furiosen Start wäre das echt schade.

»Das neue Plophos« ist spannende und bodenständige Unterhaltung, eine angenehme Abwechslung zu den doch recht komplizierten kosmischen Romanen aus der vergangenen Staffel.

Lebensgeschichte eines Gläsernen

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PERRY RHODAN NEO Band 239 – »Merkosh« von Rüdiger Schäfer

Merkosh, der mit Nathalie zu Perry Rhodan in die Neunturmanlage gekommen ist, erzählt Rhodan seine Lebensgeschichte. Wie er als Weisenjunge von einer Gruppe Halbwüchsiger drangsaliert wird, weil er intelligenter ist als andere Oproner. Und wie er schließlich eine Ausbildung zum Mediker macht.
Nachdem er seine Frau/Freundin und sein ungeborenes Kind an das Dunkelleben verliert, widmet er sich Jahrzehntelang dem Kampf gegen das Dunkelleben. Bis er zu Versuchen an gesunden Opronern gezwungen werden soll. Es sind ausgerechnet diejenigen, die ihn als Kind gequält und seinen besten Freund erschlagen haben. Merkosh widersetzt sich dem Befehl und kehrt lieber der Forschungseinrichtung den Rücken, als seinen Eid zu verraten.
Doch außerhalb tut er sich schwer, seine Studien erfolgreich fortzusetzen. Bis ihn eines Tages Bingdu besucht und mit in den Gadenhimmel nimmt. Dort erfährt Merkosh, dass er Bingdus Sohn und der einer Opronerin ist. Um im Gadenhimmel bleiben zu dürfen und weiter am Dunkelleben zu forschen, wird er zum Omniten transformiert.
Jahrzehnte später bricht er auf, um die Menschen zu besuchen, deren Gene eine Besonderheit aufweisen, die dem Dunkelleben die Stirn bieten könnte. Doch bei seiner Reise verliert er das Gedächtnis und seine Transformation kehrt sich um.

Nachdem Mekosh die Erzählung beendet hat, verhilft Nathalie ihrem Vater dazu, die Neunturmanlage in einer anderen Chronophase so zu manipulieren, dass sie alles Dunkelleben in den Schlund von Sagittarius A* schleust. Die dunkle Entität Tihit wird damit übersättigt und schläft wieder ein. Die Gefahr durch das Dunkelleben im Zentrum der Milchstraße ist vorerst gebannt.

Nie hatten es Science-Fiction-Autoren so einfach wie heute. Vor allem wenn sie über die Bedrohung durch eine Seuche schreiben. Nun muss man sagen, dass Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm die Idee vom Dunkelleben schon vor über einem Jahr hatten. Doch die Corona-Pandemie verleiht den Gedanken und Handlungen von Perry Rhodan, seinen Begleitern und den Omniten sehr viel mehr Glaubwürdigkeit. Es sind Fragen, die wir uns alle in unserer Realität stellen und stellen müssen. So sind die Diskussionen darüber, wie viele geopfert werden sollen, um die Mehrheit zu retten, viel überzeugender. Rüdiger Schäfer hat seinem Merkosh kluge Gedanken in den Kopf gelegt. Aber auch die Argumente von ES und Ernst Ellert, mit denen sich Rhodan auseinandersetzen muss, sollten beachtet werden. Denn es ist nach wie vor nicht klar, ob Nathalies Idee das Problem längerfristig lösen kann. Doch dazu werden wir sicher in der nächsten Staffel noch genug erfahren.

Die Lösung ist übrigens überaus knifflig und hat Rüdiger Schäfer sicher mehr als eine Nacht wachgehalten. Denn letztendlich gelingt es Rhodan über die Manipulation einer Chronophase, durch Quantenverschränkung seine bereits vollendete Tat zu negieren und eine neue Zukunft zu generieren. Da muss ich dem Autor Respekt zollen, das war sicher nicht einfach.

Andererseits stört mich bei dem Roman etwas, was mir bereits am Anfang der Staffel aufgefallen ist. Die Strukturen in der Handlung sind zu vorhersehbar geworden. Jeweils die ersten Bände der letzten Staffeln fallen durch eine große Ähnlichkeit auf und auch die Abschlussbände gleichen sich. Bei »Merkosh« ist es besonders die Ähnlichkeit zu Band 219 »Callibsos Weg«, die ins Auge sticht. Ich wünsche mir da in Zukunft etwas mehr Überraschung. Schließlich esse ich auch nicht jede Woche das gleiche. So ist die Handlung der Staffeln doch ziemlich vorhersehbar geworden.

Die Geschichten der Charaktere Merkosh und Callibso ähneln sich sehr stark. Beide werden als Kinder von größeren Jugendlichen gehänselt und verprügelt. Ich weiß nicht, ob der Autor damit Erinnerungen aus seiner eigenen Kindheit verarbeitet, aber ich finde das schon bemerkenswert. Mich stört an diesen Geschichten leider, das hier zu viele menschliche Verhaltensweisen und Denkmuster einfließen. Sowohl Callibsos Volk als auch die Oproner sind völlig fremde Lebensformen. Warum sollten sie ein so niederes Verhalten an den Tag legen, wie die Menschen? Sicher bekommen sie damit einen menschlichen Zug, aber muss das wirklich immer sein. So fällt mir im Laufe von Band 239 noch ein paar weitere Male auf, dass Merkosh zu »menschlich« denkt, zum Beispiel wenn er Entfernungen in Stunden oder Temperaturen in Grad Celsius angibt. Das verstehen zwar die Leser, aber bei den Arkoniden verwendete der Autor bisher auch spezielle Begriffe für Zeit oder für Entfernungen, warum nicht auch bei den Opronern.

»Merkosh« ist ein guter Abschlussroman, der die Figur des Gläsernen schön charakterisiert. Auch der Twist, wie Rhodan letztendlich das Ruder noch herumreißen kann, findet meine Zustimmung. Dadurch aber, dass Rüdiger Schäfer bereits ähnliche Abschlussbände geliefert hat, ist die Geschichte zu vorhersehbar. Da wünsche ich mir für die nächste Staffel ein wenig mehr Abwechslung. Vielleicht überraschen uns die Exposéautoren auch mal wieder mit einen fiesen Cliffhanger. Der hätte bei diesem Band übrigens viel besser gepasst, als das scheinbare Happy End. Denn wenn man die Leseprobe von Band 240 liest, ist das Dunkelleben noch lange nicht besiegt.

Chronophasisches Quantenabenteuer

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PERRY RHODAN NEO Band 238 – »Die neun Türme« von Rainer Schorm

Im Gadenhimmel – acht Sonnen, die ein schwarzes Loch umkreisen – angekommen, werden Perry Rhodan und Ronald Tekener von den Omiten auf die Lichtwelt Drem-Doreus eingeladen. Auf ihr leben die Angehörigen von acht omnitischen Familien, die die Gaden bilden. Eine Vereinigung, die sich schon vor Jahrtausenden dem Kampf gegen das Dunkelleben verschrieben haben. Dieser spezielle Ort ist ihre Schaltzentrale, allein es fehlt ihnen der Schlüssel.
Zur Sicherheit nimmt Rhodan Omar Hawk, den Okrill Watson und die Ärztin Sud mit. Dass dies eine gute Idee ist, stellt sich heraus, als es während eines Konklave zu einem Zwischenfall kommt. Das von den Gaden gefangengehaltene Oberhaupt der Shafakk kann sich befreien und greift die Omniten an. Die Menschen und der Okrill können den aggressiven Shafakk-Aahn stoppen, bevor er die versammelten Anwesenden töten kann. 
Das Oberhaupt der Omniten, Mem Kauperon, sieht in Rhodan den Schlüssel um den Langzeitplan der Gaden zu vollenden und das Dunkelleben endgültig zu besiegen. Als Zeitträger und Unsterblicher weist Rhodan nämlich noch eine Besonderheit auf. Bei dem Biss des Loower Kindes (Band 236) wurden Informationen in seinen Körper übertragen, die zur Bedienung der Anlage der Loower notwendig sind.
Er wird zur Neunturmanlage geschickt. Dieses von den Loowern gebaute Konstrukt soll der Entität Tihit die Nahrung entziehen und sie so am Erwachen hindern. Doch Rhodan wird getäuscht. Ernst Ellert und seinen Verbündeten gelingt es, die Informationen in Rhodan so zu manipulieren, dass der von ihm ausgelöste Impuls einen kollabierenden Hyperstrudel erzeugt, der Sagitarius A* treffen wird. Die Auswirkungen werden einen Großteil der Milchstraße verwüsten und ihn damit zum Massenmörder machen.
Rhodan stellt Ellert zur Rede. Dieser gibt vor, dass es die einzige Möglichkeit wäre, um Tihit zu zerstören und das man dafür Opfer bringen müsse. Viele Billiarden Lebewesen im Universum würden dadurch gerettet. Da taucht Rhodans Tochter Nathalie mit Merkosh auf. Der Omnit behauptet, das Ellert noch nicht alles erzählt hat.

Uff! Das ist harter Stoff, um es vorsichtig zu formulieren. Was sich die Exposéautoren da zusammengereimt haben, ist komplex. In meinen Augen schon zu komplex. Eine Nummer kleiner hätte auch gereicht. Hier wird ganz viel miteinander verwurstelt und am Ende bin ich selbst nicht mehr mitgekommen. Ich wusste nicht mehr, was passiert. Dabei bin ich ein Fan komplexer Zusammenhänge, von Kosmologie und wilden Quantentheorien, aber das war selbst für mich eine Spur »to much«. Da ist eine große Portion Fantasy dabei, verknüpft mit kosmologischen Theorien und schrägen Science-Fiction-Ideen. Hut ab, vor denen, die sich sowas ausdenken können. Dennoch befürchte ich, dass einige Leser davon schier überfordert sein könnten. Die Neuleser, die man vielleicht mit Band 234 zum Einstieg überreden konnte, werden spätestens mit diesem Roman wieder die Segel streichen.

Die Geschichte selbst ist spannend. Figuren wie der Omnitische Sicherheitschef, Kavvam jad Chi, sind gut ausgearbeitet. Wobei ich seine Gedankengänge manchmal als zu menschlich empfand. So sieht er Rhodans Blut, ohne das er sich etwas dabei denkt. Omniten sind unsichtbar, sie bluten wahrscheinlich ganz anders. Allein Farbe des Blutes müsste auf den Omniten befremdlich wirken. Wahrscheinlich ist seine Wahrnehmung auch eine völlig andere. Es kommt mir so vor, als wüsste Kavvam alles über die Menschen, denn er beurteilt sie nach menschlichen Maßstäben. So wundert er sich, das Hawk so widerstandsfähig ist und dem Shafakk ernste Verletzungen zufügen kann. Es ist schon erstaunlich, wie die ach so intelligenten Gadenmitglieder, die Shafakk entwickeln konnten, ohne ihnen eine Sicherung einzubauen, die sie vor deren Aggressionen schützt. Da gehört schon sehr viel Überheblichkeit dazu. Andererseits gibt es toll umgesetzte Ideen, wie die Paternale Koggs.

Rein stilistisch ist es ein ungewöhnlicher Roman des Autors. Rainer Schorm ist für seinen augenzwinkernden Humor bekannt, den er seinen Charakteren in den Mund legt, oder sie in witzige Dialoge verwickelt. Das alles gibt es in dem Roman kaum. Zu sehr wird er von kosmologischen Erläuterungen, von den dunklen Erinnerungen Ronald Tekeners, von den Ausführungen der Omniten oder der Aktion um den Shafakk-Aahn beherrscht. Da bleibt kaum Platz für Humor und er würde auch nicht richtig dazu passen.

Sud kommt ebenfalls nicht ohne einen Eingriff davon. Bei einem Scan der Omniten, verschmelzen die Reste von Quiniu Soptors Stab mit Suds Intarsium. Sie wird kurzzeitig in die Chronophasendimension versetzt und sieht dort Jessica Tekener in einer der Chronophasenspären. Es sieht ganz danach aus, als wäre Tekeners Schwester nicht tot. Dies ist wohl der Hinweis darauf, dass man sie irgendwie in die Handlung zurückbringen will. Ganz ehrlich … meinetwegen könnte sie fortbleiben. Ich konnte mit der Figur nie etwas anfangen. Ich fand sie stets nervig und die Liaison zwischen ihr und Rhodans Sohn Thomas überflüssig. Da kam keine Romantik rüber, zu keiner Zeit, im Gegensatz zu der zarten Bande zwischen Thomas Rhodan und Hannah Stein in Band 234.

»Die neun Türme« ist ein anspruchsvoller Roman, der den Autor mal von einer anderen Seite des Schreibens zeigt. Mit vielen Fakten, Querverweisen und einer aktiongeladenen Handlung, die am Ende allerdings nur noch von den ganz Konzentrierten zu durchschauen ist. Mir schwant Übles, wenn ich an den nächsten, den finalen Roman der Staffel von Rüdiger Schäfer denke.

Zurück im Herzen

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PERRY RHODAN NEO Band 237 – »Das Omnitische Herz« von Kai Hirdt

Die CREST II erreicht Almonidra, das Zentrum des Compariats. Mittels eines wagemutigen Manövers gelangt Perry Rhodan mit einer kleine Gruppe, darunter Gucky und Omar Hawk auf Jad-Kantraja, die Raumstation der Omniten. Diese wird seit Monaten von aufständigen Shafakk belagert, die sich zu den neuen Herrschern im Compariat aufschwingen wollen. Die Lage auf der Station ist entsprechend desolat, vor allem weil sich die Omniten heimlich zurückgezogen und die Situation ihren überforderten Untertanen überlassen haben.
Merkosh braucht aber die Unterstützung der Omniten, um geheilt zu werden. Er muss den Zugang zum Gadenhimmel finden, der sich auf Jad-Kentraja befinden soll. Bingdu und Rhodan setzen alles daran, jemanden von der Stationsführung zu kontaktieren. Doch das erweist sich als schwierig, denn auf der Station ist längst jeder sich selbst der nächste. Sie können weder den Sicherheitskräften, noch den Pilgern, noch den Casino-Betreibern vertrauen. Außerdem plant eine Gruppe hoffnungsloser Pilger den Untergang der Station und platziert Bomben an strategisch wichtigen Orten, die von Rhodan und seinen Begleitern entschärft werden können.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich ein Shafakk auf der Station herumtreibt, um das Herz eines Omniten zu erobern. Bei einem Angriff von ihm wird Bingdu schwerverletzt. Dumm nur, das auch die Stationsärzte Geld für eine Behandlung wollen. So bleibt den Terranern nur die Möglichkeit Geld in den Casinos zu erspielen. Zum Glück haben sie mit Ronald Tekener den gewieftesten Spieler der Solaren Union dabei.
Schließlich schaffen sie es, bis zu den geheimen Räumen der Herrscher vorzudringen, doch die Omniten sind verschwunden und der Zugang zum Gadenhimmel deaktiviert. Nur eine Medokapsel ist übrig geblieben, in die man Merkosh legen kann, um ihn zu stabilisieren. 
Als es den Pilgern gelingt, die Energiequelle der Station abzuschalten, bricht der Schutzschirm zusammen und die Shafakk entern die Station. Die schwarzen Mausbiber hinterlassen ein Blutbad unter Bewohnern und Pilgern.
Rhodan gelingt in letzter Minute die Flucht auf die CREST II. Doch auch das Schiff der Terraner wird von den Shafakk gnadenlos gejagt. Um den Verfolgern zu entkommen, gibt es nur einen Ausweg: sie müssen in eines der Schwarzen Löcher fliegen, die Almonidra umkreisen. Sie sind Transportwege zum Gadenhimmel und die Medokapsel mit Merkosh ist der Schlüssel dazu.

Er ist zurück. Ich hatte kaum noch daran geglaubt, dass der »Überallzugleichschreiber«, Kai Hirdt, noch einmal in der NEO-Serie zum Einsatz kommt. Und ich gebe zu, ich habe das Kopfkino, dass seine Romane immer bei mir auslösen, tatsächlich vermisst. Die Geschichte, die der Autor erzählt, ist nicht nur ungemein komplex – wie man an der Handlungszusammenfassung sehen kann – sie ist auch unheimlich packend. Ich hatte den Roman in wenigen Stunden durch.

Er schafft es seine Charakter auf eine spielerische Weise agieren zu lassen, die völlig natürlich wirkt. So stellt er den getäuschten Stationskommandeur Troduun genauso glaubhaft dar wie den Shafakk Worrik Rhenn, der die Station infiltriert, um Ehre zu gewinnen. Sie wechseln mehrfach die Seiten und kämpfen an verschiedenen Fronten, um am Ende für das Gute zu sterben. Bei beiden Figuren konnte ich als Leser genauso mitfühlen, wie mit Perry Rhodan, Ronald Tekener oder Omar Hawk.

Kai Hirdt vermag inzwischen unheimlich komplexe Plots zu schaffen, bei denen man durch viele Wendungen überrascht wird. Das macht seine Geschichten spannend. Da sieht man über die eine oder andere kleine Unebenheit gern hinweg, weil das große Ganze überzeugt.

Wie schon im vorangegangenen Roman ist auch dieses Mal Gucky wieder im Übermaß im Einsatz. Eigentlich agiert der Kleine mehr als Taxiservice, als dass er seine Fähigkeiten Handlungsbestimmend einsetzen darf. (Er beschwert sich im Roman sogar selbst darüber.) Das hätte man schöner lösen können. Denn es steht eigentlich im Widerspruch zu der Figur, wie sie in NEO aufgebaut worden ist, nämlich das seine Parakräfte eher eingeschränkt verfügbar sind. Ich hätte mir stattdessen gewünscht, den Okrill Watson mehr in Aktion zu sehen.

Worüber ich die Stirn gerunzelt habe, war der Couhl. Da haben Perry Rhodan und die Besatzung der CREST II der Bevölkerung eines ganzen Planeten das stabilisierende Element weggenommen, um die Blockade durch die Shafakk zu durchbrechen, weil es angeblich die einzigste Option war. Und als es dann soweit ist, funktioniert die Mumie nicht mehr, weil man sie dummerweise einer zerstörerischen Hyperstrahlung ausgesetzt hat. Wie jetzt? Sind die Wissenschaftler an Bord der CREST II wirklich so blöd? Und warum ist Rhodan nicht schon zwei Romane zuvor auf die Idee gekommen, den Durchbruch zu Jad-Kentraja mittels eines Kleinstraumschiffes zu wagen?

Mit »Das Omnitische Herz« hat sich Kai Hirdt als NEO-Autor zurück in mein Herz geschrieben. Er erzählt eine lebendige Geschichte mit vielen geschickten Wendungen nicht nur im Plot, sondern auch bei den Charakteren. Sehr schön!

Eine KI und ihr Ei

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PERRY RHODAN NEO Band 236 – »Das Ei der Loower« von Lucy Guth

Den Shafakk gerade rechtzeitig entkommen, gehen die Menschen auf der CREST II einem Notruf nach. Sie befreien ein fremdes Raumschiff, dass im Sog eines schwarzen Lochs gefangen ist.
Eine Expedition ins Innere der DONDERVAND entdeckt, dass nur noch die KI des Schiffes »am Leben« ist. Die Besatzung der Loower ist schon seit 100.000 Jahren tot. Obwohl die KI die Menschen für Eindringlinge hält, lässt sie sich von ihnen helfen. Auch dann noch, als sie die eigentliche Mission des Schiffes entdecken. Sie braucht ihre Hilfe, um die wertvolle Fracht, ein frisch geschlüpfter Loower, zu »erziehen«.
Gucky scheint dazu der perfekte Lehrer zu sein, auch wenn er nach wie vor unter den Auswirkungen der Psychostrahlung leidet, die man gegen die Shafakk eingesetzt hat. Letztere stöbern die CREST II wieder auf und greifen an. Die CREST II versucht zusammen mit der DONDERVAND den Raumschiffen der Shafakk zu entkommen, während Gucky den kleinen Loower zur Vernunft bringt.
Und dann ist da noch die fremde Lebensform, die bei der Rettung der DONDERVAND aus dem Ereignishorizont des schwarzen Lochs herausgerissen wurde. Das Wesen muss zurückgeschickt werden, bevor es implodiert und beide Schiffe ins Verderben reißt.

Es ist eine spannende Geschichte die Lucy Guth hier erzählt. Viele Dinge passieren gleichzeitig und man bekommt die Ereignisse aus der Perspektive von vier Personen erzählt. Das liest sich schnell und flüssig. Bemerkenswert sind die Diskussionen zwischen SENECA, der Schiffsintelligenz der CREST II, und der KI des Loowerschiffs.

Sehr schön fand ich, dass sich die Autorin viel Zeit genommen hat, um die Untersuchung des unbekannten Schiffes zu beschreiben. Ohnehin wird in diesem Roman wenig gekämpft und stattdessen viel entdeckt, sowohl in der Realität, als auch im Psychischen. Die Raumschlacht mit den Shafakk hätte am Ende nicht sein müssen, dass war definitiv zu viel des Guten. Denn die Skrupellosigkeit, mit der die Menschen unter dem Kommando von Thora gegen die Gegner vorgeht, war für einen NEO-Roman überraschend untypisch. Ich denke, da wird sich Thora von ihrem Mann eine ziemlich Standpauke anhören müssen.

Ich fragte mich nur die ganze Zeit, warum man die CRISTOBAL nicht ausschleust, die Shafakk-Schiffe damit von der CREST II (und damit auch von Gucky) weglockt, um dann die Psychowaffe gegen die Shafakk einzusetzen, so lange wie die Rettungsmission auf der DONDERVAND dauert. So weit kann der Einfluss der Strahlung auf Gucky nicht reichen.

Überhaupt. Guckys Fähigkeiten wurden dieses Mal eindeutig überstrapaziert. Lag der Ilt zu Beginn des Geschehens noch im Sterben, erholt er sich unglaublich schnell und teleportiert später gefühlt hundert Mal die Crew der CREST II zwischen den beiden Schiffen hin und her. Dass er mit seinen telepathischen Fähigkeiten dem Loower-Kind am besten helfen kann, habe ich geschluckt. Es wäre dennoch glaubwürdiger gewesen, wenn er zumindest das eine verletzte Besatzungsmitglied nicht per Teleportation hätte retten können.

Die Nebenhandlung um die Entität aus dem schwarzen Loch hat mir fast besser gefallen, als die um den kleinen Loower. Mit Donna Stetson schaffte die Autorin eine besondere Figur, die es so noch nicht in der Serie gab. Stetson ist als Autistin angelegt und ich finde, das Lucy Guth sie ziemlich glaubhaft agieren lässt. Was Donnas Chef und ihren Kollegen angeht: schön zu lesen, dass es auch im Jahr 2090 noch Arschlöcher gibt. Die einzigen Kritikpunkte, die ich anmerken kann, dass die Nebenhandlung etwas aufgesetzt wirkte. So richtig verzahnt schien sie mit dem Rest der Handlung nicht zu sein. Außerdem haben sich hier einige Anschlussfehler eingeschlichen. Stetson und ihre beiden Kollegen sind im hydropanischen Garten der DONDERVAND eingesperrt. Am Ende des 23. Kapitel bestätigt Stetsons Chef, dass die Quarantäne von der KI aufgehoben wurde und die DONDERVAND in die CREST II eingeschleust wird. In Kapitel 28 weiß er plötzlich nichts mehr davon. Außerdem kommt lange Zeit keiner der Außenstehenden auf die Idee, die drei Vermissten zu suchen. Es stellt sich auch die Frage, warum die KI der DONDERVAND das Wesen nicht selbst aufgehalten hat?

Bemerkenswert an der Handlung des Romans ist, wie hier Details aus der ganz frühen Seriengeschichte verknüpft werden. Ernst Ellert und die STERNENWIND, ebenfalls ein Schiff der Loower, werden erwähnt. Omar Hawk stellt fest, dass er bei seiner Odyssee durch die Zeitbrunnen ebenfalls auf einem solchen Schiff gewesen sein muss. Ich bin mir sicher, dass wir nicht zum letzten Mal von den Loowern gehört haben.

»Das Ei der Loower« bietet eine fesselnde Geschichte, in der fast zu viel passiert. Über viele Ereignisse wird schnell hinweggegangen, obwohl sie einer näheren Betrachtung würdig gewesen wären. Die Schlacht der Shafakk wird mit fragwürdigen Mitteln gewonnen, die die moralische Integrität der Menschen durchaus in Fragen stellen könnte. Gucky agiert zu übermächtig und einige Anschlussfehler trüben den Lesespaß. Ansonsten war das ein solider Roman der Autorin, deren Einzelbeiträge mir inzwischen fast besser gefallen, als ihre Romane in Zusammenarbeit mit Michelle Stern.

Genial finde ich übrigens das Cover von Dirk Schulz. Da hat er sich mal wieder selbst übertroffen.

Von Sleekern und Mausbibern

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 235 – »Das Mausbibergrab« von Ben Calvin Hary

Um an den kriegerischen Shafakk vorbeizukommen, fliegt die CREST II das Heimatsystem der schwarzen Mausbiber an. Auf dem Heimatplaneten sorgt eine psionische Strahlung dafür, dass die Shafakk lethargisch und »zahm« agieren. Der Omnit Bingdu verspricht Perry Rhodan, dass er die Psi-Quelle duplizieren kann, damit die CREST II endlich ins Omnitische Herz vorstoßen kann.
Nach der Landung der des Raumschiffes auf dem Heimatplaneten der Mausbiber, bricht Perry Rhodan mit Omar Hawk, Gucky und Cameron Canary auf, die geheimnisvolle Psi-Quelle zu finden. Unterwegs treffen sie einen jungen Ilt und seine Mutter, die auf der Suche nach dem Ursprung ihres Volkes sind. Es soll sich im geheimnisvollen Tross befinden, einem Turm, der auch das Ziel von Rhodan ist. Doch das Bauwerk wird nicht nur von trägen Shafakk belagert, sondern auch von bewaffneten Drohnen beschützt. Die Mutter des jungen Ilt stirbt bei einem Angriff und wird von Gucky und den Terranern begraben.
Im Tross treffen Rhodan und seine Begleiter einen alten Freund wieder. Woggrill der Sleeker, sorgt im Auftrag des obersten Shafakk dafür, dass die schwarzen Mausbiber die Geschichte ihres Volkes erfahren. Woggrill hilft den Terranern, die Psi-Quelle zu finden und zu stehlen. Da Bingdu die Strahlung nicht kopieren kann, müssen sie den Couhl, eine 300.000 Jahre alte Mausbibermumie mit sich nehmen. Nur mit ihrer Hilfe kann die CREST II der Raumschiffflotte der erwachenden Shafakk entkommen.
In einer Nebengeschichte versucht die terranische Biologin, Danielle Pyme, hinter das Geheimnis des Okrill Watson zu kommen und erlebt dabei mehr als eine Niederlage.

Als ich das Manuskript zu diesem Roman Testgelesen habe, hatte die Sagittarius-Staffel noch nicht einmal begonnen. Ich hatte also einen ziemlichen Wissensvorsprung. Doch im Gegensatz zum letzten Mal, verspürte ich keinerlei Anschlussprobleme. Ich habe lange überlegt, ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für die Staffelhandlung ist. Schlecht in dem Sinne, dass der Handlungsfortschritt zu gering ist, gut deshalb, weil die Handlung besser verzahnt ist. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beiden. Fest steht, dass mich der Roman weit mehr überzeugen konnte, als die ersten Bände der Staffel. Band 234 mal ausgenommen, aber der trägt nicht zur Staffelhandlung bei.

Der Autor hat mich gut unterhalten, sowohl mit der Geschichte um die Mausbiber, als auch über die Biologin und ihre Probleme mit dem Okrill. Er hat die Figuren gut getroffen, selbst der so schwierig zu schreibende Sleeker Woggrill konnte mich überzeugen. Das einzige, was ich nicht gut fand (das hatte ich bereits beim Testlesen im Manuskript angemerkt), ist die Tatsache, dass Perry Rhodan den Couhl einfach mitnimmt, ohne groß über die Konsequenzen nachzudenken. Bei »Star Trek« würde man das als schweren Verstoß gegen die Oberste Direktive ahnden. Denn der Eingriff in die Bevölkerungsentwicklung des Planeten ist schwerwiegend. Die Shafakk, die durch die Psi-Strahlung, bisher besänftigt waren, werden den Ilts, die dort leben, wahrscheinlich den Gar ausmachen. Das ist eigentlich unverantwortlich und kann nicht im Sinne eines moralisch handelnden Perry Rhodan sein.

Zwar steht dem die Bedrohung durch das Dunkelleben gegenüber, einer Gefahr, die nicht nur die Völker der Milchstraße auslöschen könnte, sondern das ganze Universum in Gefahr bringt. Aber er denkt noch nicht einmal darüber nach, er hadert nichtmal mit dem Gedanken, dass er damit einen Teil der Planetenzivilisation zum Tode verurteilt. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Widerstand gewünscht, auch von Seiten Guckys. Der hat durch den Besuch auf dem Planeten erfahren, dass seine Parafähigkeiten offensichtlich angeboren sind. Außerdem liegt ihm der junge Ilt am Herzen. Der heißt übrigens Tscham-Pi, wird von Gucky aber »Jumpy« genannt. Leser der Erstauflage wissen, dass Guckys Sohn Jumpy hieß.

Das Abenteuer um »Das Mausbibergrab« ist unterhaltend geschrieben, mit vielen Wendungen, auch der Einsatz des Okrill kommt erfrischend rüber. Nur Perry Rhodans Entscheidung, einem Volk ein lebenswichtiges Artefakt zu stehlen, um die eigenen Interessen durchzusetzen, finde ich moralisch höchst fragwürdig. Denn es kann dazu führen, dass aus dem Planeten bald ein einziges großes Mausbibergrab wird. Wie das grandiose Cover von Dirk Schulz bereits andeutet.

Ein NEO außer der Reihe

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 234 – »Die Himalaya-Bombe« von Rüdiger Schäfer

Liduuri-Expertin Hannah Stein wird von ihrer ehemaligen Studienbekanntschaft Thomas Rhodan-da Zoltral aus ihrem beschaulichen Leben gerissen. Die Otto-Normalbürgerin aus Köln soll in geheimer Mission versuchen, eine Bombe der Liduuri zu entschärfen, welche die Chinesen im Himalaya entdeckt und versehentlich aktiviert haben.
Was folgt, ist eine abenteuerliche Expedition in eine Liduuri-Station, die Hannah in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen bringt. Rhodans Söhne, Reginald Bulls Töchter und eine Angehörige des Chinesischen Geheimdienstes versuchen Hannah vor allen Gefahren zu schützen, was ihnen aber nur bedingt gelingt. Denn die Stationspositronik findet Gefallen am Intellekt der Wissenschaftlerin. Die ist jedoch von der Situation völlig überfordert.
Wird es Hannah gelingen, die Positronik zu überreden, die Bombe zu entschärfen und den Tod von 15 Milliarden ahnungslosen Menschen zu verhindern?  Hannahs heimliche Zuneigung zu Thomas Rhodan macht die Sache nicht unbedingt einfacher. 

Einen Roman zu schreiben, den auch jemand lesen kann, der PERRY RHODAN NEO nicht kennt – nichts weniger als das wünschte sich die Redaktion vom Exposéautor. Das dem Autor dies gelungen ist, steht außer Frage. Rüdiger Schäfer kann aus dem Vollen schöpfen und seine Stärken ausspielen. Die liegen in der Charakterisierung und dem Zusammenspiel der Figuren. Kein anderer NEO-Autor – außer vielleicht Oliver Plaschka – bekommt das so gut hin wie Rüdiger Schäfer.

Seine Hannah Stein ist lebensnah beschrieben, voller Schwächen und so wunderbar normal, dass ich mich gut in sie hineinversetzen kann. So manche Szene aus Hannahs Leben hat man selbst schon Mal erlebt, hat die gleichen Gedanken gehegt und ähnlich Empfindungen gefühlt. Die zarte Bindung zwischen ihr und Thomas Rhodan fühlt sich gut und echt an. Manch hartgesottenem Perryfan werden das vielleicht zu viele Emotionen sein. Ich dagegen schwelgte und verheulte eine ganze Packung Taschentücher.

Quelle: Perrypedia

Darüberhinaus ist die Geschichte spannend geschildert und wartet mit einer überraschenden Lösung auf. Eine Positronik mit Bewusstseinsspaltung – auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Das ist zudem sehr logisch und nachvollziehbar erklärt. Fakten aus den vorangegangenen Staffeln werden an dieser Stelle schön zusammengeführt. Dem Gelegenheitsleser wird das nicht auffallen. Den NEO-Fan freut es, mit welchem Engagement der Autor versucht, die Fäden aus mehr als zweihundert Bänden zu verknüpfen.

Es ist genau die Art von Romanen, die ich bei NEO gern lese und für die ich die Serie so schätze. Da werden keine Raumschlachten geführt, keine kosmischen Verwicklungen beschrieben, sondern bodenständig vom Leben auf der Erde einer nahen Zukunft erzählt. Wenn auch das Leben dort nicht so perfekt klingt, wie man das von positiven Utopien, wie zum Beispiel von Star Trek, gewöhnt ist, erscheint es mir realistisch, wie sich der Autor die Zukunft vorgestellt hat. Wobei ich schwer hoffe, dass die männliche Dominanz in Gremien und Unis bis dahin verschwunden sein wird und Gesundheitssysteme nicht mehr nach dem Einkommen von Patienten unterscheiden.

Allerdings hat mich ein Gedanke beim Lesen des Romans nicht losgelassen, nämlich die Frage: Warum kontaktiert Reginald Bull oder die Administratorin nicht Atlan bzw. Mirona Thetin? Gibt es keinen Botschafter mehr in Andromeda? Sind die beiden nicht ohnehin noch in der Milchstrasse unterwegs? Mal davon abgesehen, dass sie für das Problem wahrscheinlich keine Lösung parat gehabt hätten, wäre eine kurze Andeutung, ob oder warum das nicht in Erwägung gezogen wurde, ganz schön gewesen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

»Die Himalaya-Bombe« ist ein lesenswerter Roman und zwar nicht nur für NEO-Leser, sondern auch für jene, die sich nicht mit PERRY RHODAN NEO auskennen. Mir hat er so gut gefallen, dass ich ihn sicher, noch ein zweites Mal lesen werde. Mein Dank richtete sich an den PERRY RHODAN-Redakteur für die Idee und an den Autor für die perfekte Umsetzung.

Der Roman erschien mit zwei unterschiedlichen Covern. Wobei das von Köln nur in einer begrenzten Auflage und zu einem höheren Preis im Online-Shop von PERRY RHODAN zur Verfügung steht.