Winnetou in neuer Optik

Als Winnetou-Fan (zumindest als gewesener) wollte ich mir natürlich die Neuverfilmung von RTL nicht entgehen lassen. Nun, ich habe es nicht bereut.

»Winnetou – eine neue Welt« war anders, aber nicht unbedingt schlechter als die Filme aus den Sechzigern. Die Darsteller waren gut ausgewählt und auch die etwas düstere Optik überzeugte. (In dem ganzen Film hat nicht einmal die Sonne geschienen.) Gut fand ich, dass die RTL-Produktion von dem verklärten Charme der alten Filme abrückte und sich dafür mehr an den Originaltext von Karl May gehalten hat.

Man sieht den Filmen die Produktionskosten von 15 Mio. Euro an, denn sie würden durchaus auch als Kinofilme durchgehen. Und sie werden sicher ihr Publikum finden, auch wenn sich viele Fans nicht mit dem neuen Look anfreunden werden. Der wilde Westen war halt nicht so steril, wie es in den alten Filmen gezeigt wurde, dass kann man selbst bei Karl May nachlesen. Und auch die Indianer (vor allem Winnetou) war nicht von Anfang an die edle Rothaut, als die sie immer dargestellt wurde. Der neue Winnetou ist vor allem eines – sehr jung.

Es gab ein paar witzige Szenen und lustige Kommentare, die aber nicht so platziert wirkten wie im Original. Schön fand ich, dass der Film wieder in Kroatien gedreht und damit eine Verbindung zur Vergangenheit geschaffen wurde. Dafür sahen die Schauplätze im neuen Film deutlich schmutziger, dadurch aber auch realer aus.

Fazit: Es ist sicher kein Blockbuster, den man unbedingt gesehen haben muss, aber ich freue mich auf die anderen beiden Teile. Vor allem wenn sie, so wie gestern, wieder ohne Werbeunterbrechung ausgestrahlt werden. Ach ja, die anschließende Dokumentation fand ich auch nicht schlecht.

Intelligentes SF-Kino

Quelle: KINO.de

Seit 1997 hat mich kein SF-Film mehr so beeindruckt wie »Arrival«. Damals war es »Contact« von Carl Sagan, der noch heute zu meinen Lieblingsfilmen zählt. »Arrival« hat es erneut geschafft, mich mitzureißen, mich staunend und tief berührt im Kinosessel zurückzulassen.

Dabei sind die Parallelen zwischen beiden Filmen ziemlich auffällig. In beiden ist eine Wissenschaftlerin die Protagonistin der Handlung und beide Frauen haben eine scheinbar schwere Vergangenheit. Während in »Contact« Jodi Foster die Astrophysikerin Ellie Arroway spielt, haucht in »Arrival« Amy Adams der Linguistik-Professorin Louise Banks Leben ein.

In beiden Filmen geht es um den ersten Kontakt mit Außerirdischen. Doch während in »Contact« die Aliens bis zum Ende diffus und nicht greifbar bleiben, bekommt man bei »Arrival« sie bereits ziemlich früh im Film zu Gesicht. Das ist an dieser Stelle spannend und fast schon gruselig inszeniert. Oktopoden gelten schon lange als mögliche Kandidaten für eine Entwicklung hin zu einer intelligenten Spezies. In »Arrival« sind es Septopoden, was mich schmunzelnd an den Siebenarmigen Tintenfisch aus »Findet Dorie« erinnerte.

Und wie in »Contact« geht es auch in »Arrival« zunächst um Kommunikation zwischen der Menschheit und den Außerirdischen. Während Ellie Arroway eine außerirdische Botschaft entschlüsseln muss, entwickelt Louise Banks eine direkte Kommunikation mit zwei Aliens, die sie Abbott und Costello nennt.

Erst ab dem zweiten Drittel unterscheiden sich die beiden Filme, während es in »Contact« um die Frage nach dem Glauben geht, dreht sich in »Arrival« alles darum, wie sich das Gehirn eines Menschen beim Erlernen einer neuen Sprache umgestaltet. Die Frage, die der Film aufwirft, ist die, ob sich ein kausal denkender Mensch in eine zeitlich nichtlinear denkende Lebensform hinein denken und mit ihr kommunizieren kann.

Die Geschichte wird realistisch und vor allem sehr menschlich erzählt, allen voran die Reaktionen der Menschen auf die Ankunft der Außerirdischen. Die Lebensgeschichte von Louise und ihrer Tochter ist mit den Geschehnissen um die Aliens verknüpft und bildet schließlich den Schlüssel des Plots. Dabei fand ich besonders die ruhigen Szenen sehr wirkungsvoll. Es gibt heutzutage kaum noch so »langsame« Filme. Heute werden Filme so schnell und hastig geschnitten, dass man als Zuschauer oftmals keine Möglichkeit mehr hat, die Bilder auf sich wirken zu lassen. Außerdem sind die Außerirdischen keine bösen Aliens, die die Erde erobern wollen. Eine Tatsache, dich ich als erfrischend empfinde.

»Arrival« ist großartiges Kino, das man als SF-Fan gesehen haben muss und steht Carl Sagans »Contact« in nichts nach. Denn auch hier diente eine Geschichte als Vorlage. »Story of Your Life« von 1998 stammt von Ted Chiang und steht seit meinem Kinobesuch auf meiner Leseliste, in der Hoffnung, dass sie mich nicht so enttäuschen wird, wie die Lektüre der Originalversion von »Contact«. Da ist nämlich der Film eindeutig besser als das Buch.

Eines muss ich noch loswerden. Um diesen Film im Kino zu sehen, musste ich durch die halbe Republik fahren, da er in den Kinos Südostbayerns nicht gespielt wurde. Und auch so, nur in größeren Städten zu sehen war. Schade eigentlich!

Generation Sputnik

Am vergangenen Freitag lief eine interessante Dokumentation bei ARTE. Im Film »Generation Sputnik« kommen Menschen zu Wort, die in den Sechzigern von der Raumfahrt inspiriert wurden. Neben Andreas Eschbach und Zukunftsforscher Matthias Horx erzählen unter anderem zwei französische Comicautoren sowie Schauspieler Wolfgang Völz wie sie den Beginn des Raumfahrtzeitalters erlebt haben.

Die Macher werfen einen Blick auf eine Zeit in der alles möglich schien und die Zukunft eine helle, moderne und friedliche Welt war. Der Start eines kleinen Satelliten veränderte die Welt und prägte eine ganze Generation. Visionen wurden geboren, neue Geschichten geschrieben, Erfindungen gemacht, die die Welt veränderten.

Viele der Ideen landeten in Geschichten und Romanen; die Trichterbauten eines schweizer Architekten findet man heute bei PERRY RHODAN und mit Weltraumfahrern etablierten sich Science Fiction und Comics auf dem deutschen Markt. Figuren wie »Barbarella« halfen dabei die Emanzipation der Frau im Weltraum zu initiieren und mit »Raumpatrouille ORION« entstand ein unsterbliches Stück Fernsehgesichte.

60 Jahre später ist von den Träumen nur wenig geblieben. Wir haben nicht den Mond oder den Mars besiedelt, wir schaffen es ja gerade so die internationale Raumstation am Laufen zu halten. (Ich glaube, wenn es sie nicht gäbe, würden wir überhaupt nicht mehr ins All fliegen.) Der Mensch steht immer noch da, wo er damals stand und außer den Errungenschaften in der Kommunikationsbranche können wir wenig Neues aufzuweisen. Viele der Visionen haben sich nicht realisieren lassen, entweder weil das Geld fehlte oder die Bereitschaft des Menschen, sich zu verändern.

Die Worte von Zukunftsforscher Matthias Horx machen mich nachdenklich: »Heute leben wir in einer zukunftslosen Zeit.« Das klingt irgendwie traurig und besorgniserregend.

Für alle die sich die Dokumentation ansehen möchten. Sie kann noch eine Weile in der Mediathek von ARTE abgerufen werden.

STAR WARS für Erwachsene

Quelle: Wookieepedia

Es ist mutig eine Vorgeschichte zu einem vierzig Jahre alten Film zu produzieren und funktioniert vermutlich nur bei einem so populären Franchise wie STAR WARS. Da Mut bekanntlich belohnt werden sollte, sahen wir uns gestern »Rogue One a STAR WARS Story« an.

Der Film ist STAR WARS und auch wieder nicht. Der Look passt; man sieht bekannte Gesichter, vertraute Raumschiffformen und faszinierende Außerirdische, doch die Handlung ist düsterer, alles wirkt etwas schmuddelig. Humor wird, wenn überhaupt, sparsam eingesetzt. Das Hauptcredo des Streifens ist Gewalt, Kampf und Krieg. Dabei wird sehr schnell klar, dass keine der beiden Seiten gut oder schlecht ist. »Rogue One« ist ein Kriegsfilm, der nicht nur mit drastischen Kampf- und Tötungsszenarios aufwartet, sondern die Kritik am Krieg auch in komplexe Dialoge verpackt. Man muss schon genau zuhören, wenn die Allianz das Für und Wider eines Angriffs bespricht, aber auch dann, wenn Kämpfer eingestehen, dass sie für die Rebellion nicht nur ehrenhafte Dinge getan haben. Krieg ist ein schmutziges Geschäft und hinterlässt immer tragische Schicksale.

Handlung und Figuren sind überzeugend. Selbst die am Anfang so kühl agierende Jyn Erso bekommt von Szene zu Szene mehr Farbe und trägt am Ende die Handlung fast allein. All ihre Mitstreiter sind gebrochene Figuren, die sich wohltuend von den heldenhaften Schönlingen sonstiger Hollywoodproduktionen unterscheiden. Und der eingefleischte STAR WARS-Fan fragt sich, wie es sein kann, dass die altbekannten Darsteller aus Episode IV scheinbar keine Minute gealtert sind.

Das die Geschichte kein Happy End haben kann, weiß der STAR WARS Kenner. Unvorbereitete Zuschauer werden vielleicht schockiert sein, dass das einzige, was das Schlachtfeld verlässt, die Informationen über den Todesstern sind. Keiner der Protagonisten überlebt und auch ein Großteil der Antagonisten wird ein Opfer des machtgierigen Imperiums.

Der Film ist vor allem eines – bildgewaltiger als seine Vorgänger. Die verschiedenen Planeten und exotischen Schauplätze sind teils atemberaubend, egal ob am Boden oder aus dem Orbit. Den Showdown in einer Südsee-Idylle kann man fast schon als »Schlacht im Paradies« bezeichnen. Die Kampfhandlungen an Palmen gesäumten Sandstränden wirken so bizarr, dass man sich ungläubig die Augen reibt. Aber auch im All kracht es gewaltig. Der Kampf der Imperialen Flotte gegen die Schiffe der Rebellenallianz ist beeindruckend choreografiert. Die kollidierenden Sternenzerstörer sehen am Ende wie aus, als würden sie in Legosteine zerfallen. Vor allem wegen der allgegenwärtigen Gewalt  ist der Film definitiv nichts für schwache Gemüter und schon gar nichts für Kinder unter 14 Jahren. Die Kampfszenen sind so lang und brutal, dass es manchmal schon fast zu viel des Guten ist, weil man regelrecht abstumpft. Kaum zu glauben, dass der Streifen von Disney produziert wurde.

»Rogue One« ist vor allem Eines: ein Film für die Fans; ein hundertprozentiges Prequel zu Episode IV. Es werden Zusammenhänge erläutert und zum Lauftext aus Episode IV hat man von nun an Bilder vor Augen:

»Es herrscht Bürgerkrieg. Die Rebellen, deren Raumschiffe von einem geheimen Stützpunkt aus angreifen, haben ihren ersten Sieg gegen das böse galaktische Imperium errungen.

Während der Schlacht ist es Spionen der Rebellen gelungen, Geheimpläne über die absolute Waffe des Imperiums in ihren Besitz zu bringen, den TODESSTERN, eine Raumstation, deren Feuerkraft ausreicht, um einen ganzen Planeten zu vernichten …«

Wer »Rogue One« gesehen hat wird Episode IV mit ganz neuen Augen sehen.

Gucky Vol. 2

Wie viele Fans weltweit warte auch ich sehnsüchtig auf die Fortsetzung von »Guardians of the Galaxy«. Ich war schon vom ersten Film restlos begeistert und das nicht nur, weil mich die Figur des Rocket so sehr an Mausbiber Gucky erinnert. Der Film war witzig und beeindruckte mit coolen Effekten. Und wenn ich mir den Trailer der Fortsetzung so ansehe, werde ich auch bei diesem Film ganz sicher viel Spaß haben.

Und ja, ich bleibe dabei, so wie Rocket habe ich mir immer Gucky vorgestellt.

Ein Film mit Bob

Ein Buch, das mich 2014 besonders gerührt hat, war die Geschichte um Bob den Streuner und seinem Herrchen James Bowen. Bob der Kater hat dem jungen Exjunkie James zu einem neuen Leben verholfen und einem Buch, das monatelang die Bestsellerlisten anführte. Da lag es eigentlich nahe, dass sich irgendwann jemand findet, um die Geschichte zu verfilmen. Demnächst kommt der Film ins Kino. James Bowen wird von Luke Treadaway gespielt. Der eigentliche Star, Kater Bob, spielt sich selbstverständlich selbst.

Seit ich meinem Vater von dem Film erzählte, will er wissen, wann der Streifen ins Kino kommt, weil er ihn unbedingt ansehen will. Das soll schon was heißen, denn mein Vater war bestimmt seit zwanzig oder mehr Jahren nicht im Kino. Aber auch ich bin schon gespannt, wie die Geschichte umgesetzt wurde.

Damit die Zeit bis zum Kinostart nicht allzu lang wird, poste ich hier den Trailer.

Mit alternden Punks auf Tour

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Was ist, wenn sich herausstellt das eine Zukunft existiert, das »No Future« nur eine leere Phrase ist und das einem die Wirklichkeit irgendwann einholt und man eine Entscheidung für sein Leben treffen muss? Wie geht jemand damit um, der sein Leben dem Punkrock verschrieben hat? Davon erzählt der Film »Hard Core Logo«. Eine kanadische Punkband trifft sich ein letztes Mal zu einer Benefiztour für ihren angeschossenen Mentor. Begleitet wird die Truppe von einem Kamerateam, das jede ihrer Späße, ihrer Streits und ihrer Intimitäten filmt.

Die Band hat sich vor Jahren getrennt aber Joe Dick, Billy Tallent, John Oxenberger und Pipe Pipefitter beschließen es noch einmal mit einander zu versuchen. Alle haben die Dreißig überschritten und jeder versucht seinem Leben einen Sinn zu geben. John klammert sich an Pillen und sein Schreibheft, Pipe an seine Freundin und den Alkohol. Der ehrgeizige Gitarrist Billy möchte ins professionelle Musikgeschäft einsteigen und hat ein vielversprechendes Angebot. Sein Freund Joe dagegen hat die Vision, dass sie zu viert auch die nächsten Jahre Musik machen werden, unabhängig vom Kommerz der Musikindustrie. Er war es auch, der die Mini-Tournee und die Benefizkonzerte initiiert hat. Offiziell weil er es seinem Mentor schuldig ist. Später stellt sich heraus, dass alles nur ein Schwindel war, um Billy in die Band zurückzuholen. Zwischen den beiden Männern besteht eine besondere Freundschaft, die schon fast als Liebe zu bezeichnen ist. Und an der zumindest einer von beiden am Ende zerbricht.

Das Roadmovie hat lustige, eklige und peinliche aber auch gefühlvolle Momente. Es ist die Suche von erwachsenen Männern nach ihrem Platz im Leben. Männer, die feststellen, dass sie keine 20-jährigen Punk-Kids mehr sind und dass es mit dem »No Future« nicht so funktioniert, wie sie immer gedacht haben. Die Bilder sind auch ohne Worte tiefsinnig und enthüllen die Wahrheiten über das Leben auf harte und direkte Weise bis zum überraschenden Ende.

Ich war anfangs etwas irritiert. Der Film ist wie eine Dokumentation gemacht. Es handelt sich aber um einen Spielfilm, der auf dem gleichnamigen Roman von Michael Turner beruht. Von ihm stammen auch die Texte zu den Songs, die vom Darsteller des Joe, Hugh Dillon, komponiert wurden. Der Soundtrack, besonders der Song »Who the hell do you think you are?« haut rein und zeigt das Punk längst nicht tot ist.

Der Film kam 1996 raus. Leider ist die DVD von 2005 nur noch gebraucht und zu unverschämten Preisen zu haben.

Das Geldmonster

Quelle: Amazon

»Die Börse ist wie ein Casino, in dem mit unserem Geld gespielt wird.«

So, oder so ähnlich, drückt sich der Antagonist des Films aus, den wir gestern Abend gesehen haben. »Money Monster« scheint irgendwie an mir vorbei gegangen zu sein, als er im Mai in den Kinos lief. Und das, wo ich eigentlich sonst keinen Film mit George Clooney verpasse.

Der Streifen handelt von einer Fernsehshow á la TV-Total, in der vom Moderator Lee Gates (George Clooney) Börsentipps gegeben werden. Eine Woche zuvor hatte der in die Jahre gekommene Gates, Aktien der Firma IBIS als sichere Anlage empfohlen. Wenige Tage darauf, brach der Kurs der Aktie durch einen angeblichen Computerfehler schlagartig ein und das Unternehmen verlor 800.000.000 Dollar an Wert. Ein verzweifelter Kleinanleger nimmt daraufhin Lee Gates und seine Crew während der Live-Sendung als Geißel und fordert eine Erklärung, wie es dazu kommen konnte. Doch der Chef von IBIS scheint wie vom Erdboden verschluckt und auch seine Angestellten tappen im Dunkeln. Eine Tatsache, die Gates Produzentin Patty Fenn (Julia Roberts) misstrauisch macht. Während ein Sonderkommando der Polizei im Studio in Stellung geht, versucht sie die Sendung am Laufen zu halten und gleichzeitig herauszufinden, was genau bei IBIS passiert ist.

Der Thriller ist von der ersten Minute an spannend. Ich saß tatsächlich beinahe nägelkauend auf dem Sofa und verfolgte die Handlung mit klopfenden Herzen. Das was Regisseurin Jodie Foster da liefert, ist nicht nur perfekter Spannungsaufbau sondern auch intelligentes Kino. Dem Zuschauer wird erst nach und nach offenbart, welche Dimensionen und Auswirkungen der Vorfall hat. Interessant sind dabei die kleinen Einblendungen, wie die Welt auf die Geiselnahme in der Show reagiert. Menschen die sich überall vor Fernsehern versammeln und gebannt zusehen, was im Studio passiert. Aus dem Geiselnehmer (Jack O’Connell) schält sich nach und nach eine tragische Figur heraus und aus dem anfangs unsympathischen Lee Gates, wird ein Kämpfer für das Gute. Und selbst der Chef von IBIS (Dominic West) hat am Ende treffende Argumente für sein Handeln.

Wie das Ganze ausgeht, will ich an dieser Stelle nicht verraten. Das sollte sich jeder selbst ansehen, denn diesen Thriller muss man gesehen haben. Schön ist, dass trotz des ernsten Themas immer mal wieder komische Situationen passieren, die die atemlose Spannung durchbrechen. Sonst würde man sicher nicht bis zum Ende durchhalten. Genialer Film, mit herausragenden Darstellern über ein ernstes Thema aus der Welt der Finanzen, über die wir Normalsterblichen viel zu wenig wissen. Unbedingt anschauen!

Warten auf den König

Quelle: x-filme.de

Am Wochenende sahen wir uns »Ein Hologramm für den König« an. In dem Film setzt Tom Tykwer seine Zusammenarbeit mit Tom Hanks fort, die bei »Cloud Atlas« begonnen hatte.

Die Geschichte erzählt vom geschiedenen Manager, Alan Clay, der durch die Bankenkrise Geld und Job verlor und nun amerikanische Hochtechnologie an den saudischen König verkaufen muss. Doch so leicht wie er und seine Vorgesetzten sich das vorgestellt haben, ist es nicht. In Saudi Arabien wird Clay mit einer völlig widersprüchlichen Kultur konfrontiert, deren Unterschiede zwischen dekadentem Reichtum und bitterer Armut nicht größer sein können. Er und die Angestellten anderer Firmen aus Europa und den USA leiden nicht nur unter dem Klima und dem Alkoholmangel, sondern vor allem an den unmöglichen Zuständen und der Unnahbarkeit der Angestellten des Königs. Alan der seinen Biss verloren glaubte, findet ihn mitten in der Wüste wieder. Und nicht nur das, in den Begegnungen mit seinem Fahrer Yousef und der Ärztin Zahra offenbart sich ihm ein sehr persönlicher Eindruck von den Bewohnern des Wüstenstaates.

Es sind vor allem die Bilder, die es mir angetan haben. Der Film gewährt einen Einblick in die Welt des Reichtums und der Armut eines aufstrebenden Landes zwischen Tradition und Moderne. Er wirft kritische Fragen auf und beleuchtet die Zustände in einem Land, das die meisten von uns nur als Touristen kennen. Er hinterfragt aber genauso die Interessen des Westens. In Rückblenden auf Alan Clays Vergangenheit werden die Fehler des Kapitalismus genauso offenbart und hinterfragt, wie die ach so moralische Vollkommenheit der westlichen Welt, die an sich nicht existiert. Anhand des Themas mag man kaum glauben, dass die Geschichte voller Humor steckt und mit viel Freude von den Schauspielern Tom Hanks (Alan Clay), Alexander Black (Yousef) oder Sarita Choudhury (Zahra) dargeboten wird.

Wer mehr von der arabischen Kultur erfahren möchte und sich nicht vor einem kritischen Blick auf unsere westliche Welt scheut, dem sei der Film wärmstens empfohlen. Die tollen Aufnahmen von endloser Wüste und futuristischen Städten bekommt man gratis dazu geliefert.

Bildgewaltiger Doktor

Quelle: Kino.de

Ich bin nicht Comicaffin und habe auch mit den Marvel- und DC-Superhelden nicht so viel am Hut. Ehrlichgesagt habe ich kaum einen der Filme gesehen, die in den letzten Jahren im Kino liefen. An »Doctor Strange« reizte mich nicht nur die überwältigende Optik des Trailers, sondern vor allem der Hauptdarsteller. Benedict Cumberbatch ist eine Klasse für sich und genau aus diesem Grund macht er auch den Film zu etwas besonderem. Aber auch Tilda Swinton verleiht der Geschichte mit ihrem unnahbaren Charme Tiefe.

Die erste Viertelstunde brilliert Cumberbatch als gebrochener Egomane. Hier hat man als Zuschauer mehr das Gefühl einem Drama zu folgen als einer Comicverfilmung. Das wandelt sich, als er das Kloster in Nepal betritt. Ab hier verändert sich der Film hin zum Phantastischen.

Trotz der vielen Actionszenen verkommt der Streifen nicht zu einem der üblichen Hau-Drauf-Filme, sondern vermittelt mitunter tiefsinnige Botschaften. Wenn man die Logik außenvor lässt, ist die Geschichte um das Multiversum mit unendlich vielen Parallelwelten, durchaus interessant. Wobei mich das mit der dunklen Seite ziemlich sehr an Star Wars erinnerte. Gut finde ich die dezent eingestreuten witzigen Szenen, die die Handlung auflockern, damit sie nicht allzu erdrückend daherkommt.

Am beeindruckendsten sind jedoch die Effekte, die an eine gelungene Mischung aus »Matrix« und »Inception« erinnern. Vielleicht sollte man deshalb den Film auf der Kinoleinwand und in 3D sehen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Bilder auch am heimischen TV noch so bombastisch aussehen.

Eine Szene nach dem Abspann verrät, dass wir »Doctor Strange« nicht zu letzten Mal gesehen haben.

Eine Anmerkung muss ich noch loswerden. Die betrifft weniger den Film, als eher die Rolle von Benedict Cumberbatch. Leider wird er nach dem Erfolg von Sherlock auch in »Doctor Strange« in das gleiche stereotype Muster gepresst. Er scheint prädestiniert für die Rolle als egoistisches Arschloch, ob in »The Imitation Game« oder als Khan bei »Star Trek-Into Darkness«. Das finde ich ein bisschen Schade, denn der Schauspieler kann einiges mehr (siehe »Hawking« von 2004).