Der Normalbürger und die Science Fiction

»Was schreiben Sie denn da?«
Ich blicke überrascht von meinem iPad auf. Mein Gegenüber sieht mich auffordernd an. Er ist wie ein Geschäftsmann gekleidet, hat graumelierte Haare und trägt Krawatte und Brille. Ich schätze ihn auf sechzig Jahre. Wir sitzen im ICE und bisher hat er die ganze Zeit über mit seiner Süddeutschen geraschelt. Anscheinend ist ihm nun der Lesestoff ausgegangen, so das er sich jetzt auf mich konzentriert.
»Eine Geschichte«, antworte ich schlicht.
»Aha, und was für eine Geschichte?«
Der will es aber genau wissen, denke ich und mache ein extra dümmliches Gesicht.
»Ich meine, ist es eine Liebesgeschichte oder vielleicht ein Krimi? Wissen Sie, ich liebe Krimis.«
»Nein – Science Fiction!«
Seine Gesichtszüge entgleisen. Er sieht mich an, als hätte ich ihm gerade erklärt, dass ich im Pornogeschäft tätig bin.
»Sie glauben doch nicht etwa an Außerirdische?« Er klingt ehrlich empört.
Ich verkneife mir ein Lächeln. Genau diese Frage hatte ich erwartet. »Was hat das eine mit dem anderen zu tun?«, kontere ich.
»Na, bei dem Zukunftszeugs …« Er spuckt das Wort regelrecht aus. »… geht es doch immer darum.«
Ich protestiere. »Das sind Vorurteile von Menschen, die sich mit dem Genre nie beschäftigt haben.«
Er runzelt die Stirn, bleibt aber stumm.
Ich lasse mich zu einem Lächeln hinreißen. »Science Fiction heißt nicht, dass die Geschichten unbedingt in der Zukunft spielen müssen. Es geht vielmehr darum, wissenschaftlich-technische Erkenntnisse in eine Geschichte zu verpacken, um eine Vision jenseits unserer Realität zu schaffen. Das können gesellschaftliche Themen genauso sein, wie alternative Zeitlinien. Außerirdische sind da nicht zwangsläufig notwendig. Ich könnte zum Beispiel eine Geschichte darüber schreiben, wie die Gesellschaft des Jahres 2017 aussähe, wenn es die beiden Weltkriege in Europa nicht gegeben hätte. Es wäre eine völlig andere Welt und ich bräuchte dazu keine Außerirdischen.«
Sein Stirnrunzeln vertieft sich. »Aber warum zeigt man in den einschlägigen Filmen dann immer Außerirdische?«
»Es ist zwar nur ein kleiner Teil des Genres, der aber bei den Kinozuschauern am besten ankommt. Der Reiz liegt darin das Fremde zu zeigen und es gleichzeitig menschlich zu machen, damit wir es verstehen. Deshalb agieren Außerirdische in den Filmen auch ähnlich wie wir. Sie fallen meistens wie Heuschrecken ein und wollen die Erde für sich kolonisieren. Echte Außerirdische würden völlig anders handeln. Wahrscheinlich würden sie einen großen Bogen um die Erde machen, weil sie mit den aggressiven Bewohnern dieses Planeten nichts zutun haben wollen.«
»Dann glauben Sie wirklich an Außerirdische«, meint er entsetzt.
»Ja! Warum sollten wir in einem unendlich großem Universum die einzig intelligente Lebensform sein? Das wäre eine ziemliche Platzverschwendung, wenn ich den Astronomen Carl Sagan zitieren darf.«
»Aber wenn es sie gäbe, wüssten wir doch davon.«
Ich muss mich zusammenreißen und mir ein süffisantes Lächeln verkneifen. »Warum? Die Entfernungen da draußen sind so groß, dass sie sich unserer Vorstellung entziehen. Lebensformen die diese Entfernungen überwinden können, sind wahrscheinlich so hoch entwickelt, dass wir für sie uninteressant sind. Sie persönlich interessieren sich doch auch nicht für Ameisenhügel im Wald.«
Er räuspert sich und schüttelt dann den Kopf. »Sie scheinen eine intelligente Frau zu sein, warum schreiben sie nicht mal was anderes – einen Krimi zum Beispiel?«
»Ich habe einen Krimi geschrieben«, sage ich spontan.
Die Worte wecken sein Interesse. »Tatsächlich? Wissen sie, ich sehe immer den Tatort, da passieren ja tolle Dinge.«
»Ich finde, dass es in Deutschland zu viele Krimis gibt. Wenn tatsächlich so viele Morde passieren würden, dann hätten wir ein echtes Kriminalitätsproblem.«
Meinen Einwand ignorierend, fragt er stattdessen: »Und ihr Krimi, wovon handelt der?«
»Er spielt im Jahr 5104. Es gibt eine Anschlagsserie, einen Täter, findige Ermittler und die handelnden Personen sind fast alles Menschen.«
Er seufzt und nimmt seine Zeitung wieder hoch. »Na, dann schreiben Sie mal weiter ihr Zukunftszeugs.«
Ich widme mich wieder der Tastatur, in der mein iPad steckt und grinse heimlich in mich hinein.

Die erlebte Situation ist so beispielhaft, dass ich inzwischen die Reaktionen meiner Gesprächspartner schon im voraus erahnen kann. Ich kann nicht sagen, wie oft ich schon ähnliche Diskussionen geführt habe. »Das sind doch alles Spinner!«, bekommt man oft zu hören, wenn man sagt, dass man sich mit Science Fiction beschäftigt. Aber warum hat die SF eigentlich einen so schlechten Ruf? Liegt es an den Klischees, die in den Kinofilmen breitgetreten werden, oder woran? Das SF vom Feuilleton nicht ernst genommen wird, daran hat man sich als Leser und Autor gewöhnt. Aber es mag ein Grund dafür sein, dass es auch in der Bevölkerung wenig anerkannt ist. Dabei hat Science Fiction viel mehr zu bieten als außerirdische Invasionen und durchgedrehte Roboter. Es gibt so viele gute Geschichten, die, würden sie unter einem anderen Label verkauft, viel mehr Menschen begeistern könnten. Wie überall zählt auch hier nur, was draufsteht und nicht das, was drin steckt. Das finde ich mehr als schade.

Dabei macht es keinen Unterschied, dass ich, als mich der Mann im ICE fragte, was ich denn schriebe, gerade nicht an einer SF-Geschichte arbeitete, sondern an meinem Punkroman. Doch ich denke, dafür hätte er noch viel weniger Verständnis aufgebracht.

Verspätungsstatistik für März

Das hätte ich ja beinahe vergessen. Ich war zwar nicht so oft mit der Bahn unterwegs, wie bisher, aber selbst da klappte nicht alles …

2.3. Karlsruhe-Traunstein
24.3. Traunstein-Saalfeld
25.3. Saalfeld-Leipzig, 10 Minuten, keine Gründe genannt
25.3. Leipzig-Saalfeld
27.3. Saalfeld-Traunstein, 15 Minuten, wegen Bauarbeiten und vorausfahrendem Regionalzug, Anschlusszug in Nürnberg verpasst, in Augsburg umgestiegen, weil der Zug nicht mehr weiterfuhr.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der »Spaßvogel« von Zugbegleiter auf der Strecke zwischen Nürnberg und Augsburg. Er kam durch, und fragte wer zugestiegen sei. Im Normalfall reagiert keiner der Fahrgäste darauf, außer er ist gerade eingestiegen. Weil der Zug Verspätung hatte, fragte ich ihn, ob ich meinen Anschlusszug in München noch erwischen würde.

Der Typ hielt sich für unglaublich witzig, als er mich zunächst einmal anschnauzte, wieso ich seine Frage mit einer Gegenfrage beantworte. Dann holte er sein Pad hervor und meinte: »Wir haben vier Minuten, der andere Zug hat acht, das geht sich schon aus.«

Ich fragte, ob er mir noch sagen könnte, von welchem Bahnsteig der Zug abfahren würde.

Da warf er mir entgegen, wie ich mir erlauben kann, gleich zwei Fragen hintereinander zu stellen. Er meinte das witzig, brachte es aber mit dem Ernst eines Oberlehrers und dem Befehlston eines Armeegenerals hervor, so dass ich tief in meinem Sitz versank.

Ich bekam meine Antwort, obwohl ich darauf keinen Wert mehr legte. Als er weiterging und zwei Reihen vor mir eine Frau zusammenstauchte, die ihre BahnCard nicht unterschrieben hatte, entkam mir ein geflüstertes »Idiot!« und das aus tiefstem Herzen.

Frühstück mit Panda

Schon wieder Hotel. Dieses Mal andere Stadt und viel besser. Ruhig, sowohl nah am Bahnhof als auch am Seminarort und mit einem sensationellen Frühstücksbüffet.

Beim Frühstück schaute ich aus dem Fenster und beobachtete wie rote Pandabären in den Bäumen auf der gegenüberliegenden Straßenseite herumkletterten. Wo gibt’s das schon? Das muss ich mir heute Nachmittag mal näher ansehen.

Die Anreise war gestern wieder typisch Deutsche Bahn. Kurz vor der Ankunft ging die Lok kaputt. Wir standen erstmal bis der Lokführer die Lok repariert hatte. Dann ging es weiter bis die Lok erneut ausfiel und wir gebeten wurden auszusteigen. Auf dem Nachbargleis kam zum Glück gleich ein weiterer IC, der mich schließlich ans Ziel brachte, mit immerhin nur einer halben Stunde Verspätung.

Am Bahnhof gab es auch gleich eine nette Begrüßung. Als ich aus dem Gebäude kam, empfingen mich Blitz, Donner und ein Regenguss, der mich innerhalb von wenigen Minuten pitschnass werden ließ. Ich nahm es mit Gelassenheit. Sonst hätte ich hier ja nichts zu erzählen.

Mal sehen wie das Seminar heute ist. Ich bin wahrscheinlich wieder die einzige Frau unter 20 Männern, aber das bin ich ja gewohnt. In der Branche zähle ich eben zu den Exotinnen. Welche Frau beschäftigt sich schon freiwillig mit elektrischen Schaltschränken.

Informationsverarbeitung bei der Bahn

Diese Woche bin ich drei Mal mit dem Zug unterwegs gewesen und drei Mal hat nichts geklappt. Ich hatte Verspätung oder habe meinen Anschlusszug verpasst. Nächste Woche fahre ich wieder drei Mal. Mal sehen, was dann wieder nicht klappt.

Besonders witzig finde ich es ja, wenn die Fahrgäste den verblüfften Bahnangestellten am Servicepoint erklären müssen, warum der Zug, der gerade in den Bahnhof eingefahren ist, nicht weiterfährt. Wie am Dienstag, als mein Zug von Salzburg nur bis München fuhr und wegen eines Defektes nicht nach Frankfuhrt weiterfahren konnte. Das Bahnpersonal vom Servicepoint und auf dem Bahnsteig, davon aber nichts wusste und keine Informationen geben konnten, wie es weiter geht. Da waren die Fahrgäste aus dem Zug schlauer. Uns wurde nämlich noch während der Fahrt (ca. eine Stunde zuvor) versprochen, dass auf dem Gleis gegenüber ein Ersatzzug fährt. Doch da stand zunächst keiner. Der kam erst zehn Minuten später aus Nürnberg und sollte eigentlich nach Nürnberg zurückfahren, wurde aber nach Frankfurt umgeleitet. Diese Information sickerte aber erst so nach und nach bei den Bahnangestellten in München durch.

Noch besser war es aber heute, als ich dem Azubi am Servicepoint in München bat, er solle die Zugbindung für mein Ticket aufheben und mir sagen, von welchem Bahnsteig, der nächste ICE nach Nürnberg fährt. Da wollte der mich doch tatsächlich mit einem Zug dreißig Minuten später losschicken. Obwohl man mir im verspäteten IC schon gesagt hatte, dass ich mit dem nächsten ICE 7:55 Uhr nach Nürnberg fahren soll, um meinen verpassten IC dort zu erreichen, leider ohne zu erwähnen von welchem Bahnsteig der ICE fährt.
Sein Kommentar: »Da müssen Sie aber so lange am Nürnberger HBF warten.«
Meine Antwort: »Ach! Und am Münchner HBF muss ich jetzt nicht warten oder was?«
Was lernen wir daraus? Nur nicht am Servicepoint eine Information erfragen, ohne sie an anderer Stelle gegen zu checken.

Dafür entdeckte ich heute in besagtem ICE neben der Tür eine Vorrichtung mit vier als Smileys gestaltenden Buttons. Darunter hing das Schild: »Wie waren Sie heute mit uns zufrieden?« Ich bin ja beinahe der Versuchung erlegen, auf den roten bösen Smiley zu drücken, aber ich habe es dann doch vorgezogen, diese Bewertungsding zu ignorieren.

Provinzieller Aktionismus

Die Bewohner des Örtchens in dem wir wohnen, sind schon etwas eigen. Das behaupten sogar die Leute aus den Nachbardörfern. Auch ich habe das schon selbst zu spüren bekommen und momentan geht es wieder heiß her.

Zur Zeit gibt es zwei große Themen, die den Ort bewegen bzw. die Bevölkerung. Da ist zum einen der Bürgerentscheid, den ein paar Aktivisten anstreben, in dem es um die Ansiedlung eines REWE- und eines Rossmann-Marktes geht. Einige glauben, dass deswegen die »Innenstadt« ausbluten wird. (Das ist sie schon längst.) Was viele aber meiner Meinung nach vergessen ist, dass 2012 mit der Schleckerpleite die beiden Drogeriemärkte starben und im vorletzten Jahr auch noch der Penny zu gemacht hat. Geblieben sind ein Lidl und drei Edeka-Märkte, wovon einer (in der Ortsmitte) 2018 schließen wird. Ansonsten ist außer einem NKD und ein paar Klamottenläden nicht mehr viel los. Wir persönlich frequentieren häufig den Bioladen, aber auch da gibt es nicht alles. Die Betreiberinnen des Bücher- und Spielzeugladens sind über siebzig, des Weiteren gibt es noch zwei Bäcker und zwei Metzger, ein Haushaltswarengeschäft und einen kleinen Baumarkt auf der grünen Wiese. Keine optimalen Einkaufsmöglichkeiten also. Wenn ich meinen Perry kaufen will oder mal eine DVD oder Drogeriewaren, muss ich in die Kreisstadt fahren. Das sind immerhin 12 km und die Parkmöglichkeiten dort sind eher schlecht als recht. Für eine Touristengemeinde mit sechstausend Einwohnern (im Winter) und zehn- bis zwölftausend (im Sommer) ist das Angebot ungenügend. Machen wir uns nichts vor, die Ansiedlung eines weiteren Lebensmittel- und eines Drogerie-Marktes ist also zwingend. Das Argument, das damit der Ort ausstirbt ist schlicht falsch. Denn in den vergangenen Jahren wurden sukzessive Geschäfte geschlossen, obwohl sich kein großer Markt angesiedelt hat, sondern im Gegenteil sich die Einkaufsmöglichkeiten reduziert haben. Was das Sterben der Geschäfte vorantreibt, sind vor allem die abartig hohen Mieten, die hier verlangt werden. So machen die meisten kleinen Läden nach ein zwei Jahren wieder zu. Wer seinen Laden nicht im eignen Haus hat, hat schlechte Karten. Das ist zumindest meine Beobachtung. Deshalb werden wir uns auch nicht auf den ausliegenden Unterschriftenlisten eintragen.

Aber ich sprach ja von zwei Aufregern. Der zweite ist so gut, den will ich niemandem vorenthalten. Da las ich doch letztens, dass man den örtlichen Bahnhof für 500.000 Euro behindertengerecht ausbauen will. Wow, dachte ich mir, das ist in etwa so unsinnig wie Schnee im Sommer. Erst von wenigen Jahren wurde das Bahnhofsgebäude an einen Privatinvestor verkauft, was dazu führte, dass es jetzt keine Wartehalle mehr gibt, sondern nur noch eine Überdachung wie an einer Bushaltestelle. Dann ist die Zufahrt von den Autos und Anhängern des neuen Grundstückbesitzers so zugeparkt, dass man kaum noch zum Bahnhof hin kommt. Es gibt weder einen befestigten Fußweg, noch ausreichend Park- und Wendemöglichkeiten. Busse kommen überhaupt nicht mehr durch. Aber es soll unheimlich viel Geld in den Ausbau des Bahnsteigs gesteckt werden, weil es gerade Fördermittel gibt. Der größte Witz an der Geschichte kommt aber noch. Die »Bimmelbahn«, die von hier in nur eine Richtung fährt, ist mindestens 30 Jahre alt, wenn nicht noch älter. Vergangenes Jahr hat man die Sitze neu bezogen, LCD-Displays angebracht und alles ein wenig aufgehübscht. Aber der Zutritt zu den Wagons führt nur über eine steile mehrstufige Treppe. Die Fahrzeuge sind gar nicht für Rollstuhlfahrer oder sonstig Gehbehinderte geeignet. Und wer weiß, wie lange die Deutsche Bahn, bei den geringen Fahrgastzahlen eigentlich noch die Strecke betreiben wird. Weil mit Auto oder Bus (sofern einer fährt) ist man deutlich schneller.

Verspätungsstatistik vom Januar

Ich hatte mir ja vorgenommen eine Verspätungsstatistik zu führen. Das habe ich auch gemacht und möchte nun das Ergebnis von Januar präsentieren. Wenn nichts dahinter steht, war der Zug pünktlich.

Datum, Strecke, Verspätung, Gründe und Bemerkungen

2.1. Paris-Traunstein, 60 Minuten, eingeschlagene Zugscheiben durch Eis auf der Oberleitung

6.1. Traunstein-München
6.1. München-Traunstein

10.1. Traunstein-München, 15 min, Streckenstörung
10.1. München-Traunstein, 25 Min, Zug ausgefallen, alternative Verbindung genutzt

12.1. Traunstein-München, 5 Minuten
12.1. München-Saalfeld, -10 Minuten, das soll’s auch geben

16.1. Saalfeld-Traunstein

17.1. Traunstein- München, 5 Minuten, Zug bestand nur aus drei Wagen, anstatt sechs
17.1. München-Traunstein, 60 Minuten, Zug ausgefallen, alternative Verbindung genutzt, früher losgefahren und dann wegen Weichenstörung und Zugüberholungen gestanden

19.1. Traunstein-München, 10 Minuten
19.1. München-Traunstein

21.1. Traunstein-München
21.1. München-Traunstein

24.1. Traunstein-München, 20 Minuten, Bereitstellung nicht geklappt, vom EC überholt worden, der zehn Minuten später in Traunstein losfährt
24.1. München-Traunstein

26.1. Traunstein-München, 5 Minuten
26.1. München-Traunstein

31.1. Traunstein-München, 25 Minuten, Zug ausgefallen, EC hatte Verspätung, Wagenreihung falsch, ein Wagen defekt, anschließend wegen Gleisbruch auf der Strecke gestanden
31.1. München-Traunstein

Preisschwankungen bei der Bahn

Mann, Mann, Mann, wenn die Deutsche Bahn nur sonst so flexibel wäre, wie bei ihren Preisen.

Ich erzählte ja bereits im Dezember, dass nach dem Fahrplanwechsel mein Zugticket nach München um einen Euro teurer geworden war. Ich zahlte also seit Dezember 27 Euro mit BahnCard. Gestern stehe ich am Automaten und kaufe mir mein Ticket, als ich plötzlich was von 28 Euro lese. Moment, dachte ich, am Dienstag kostete das Ticket doch noch 27 Euro, warum diese Erhöhung. Normalerweise gibt es Preisanpassungen nur zum Fahrplanwechsel. Also fragte ich heute Nachmittag den Zugbegleiter im EC. Der erklärte mir das läge an dem neuen Flexpreis und der würde sich an der Auslastung der Züge orientieren und die könne schwanken, so wie der Preis.

Ich sah ihn einigermaßen verdutzt an. »Soll das heißen, ich bezahle heute 28 Euro und morgen 27 Euro und am Sonntag vielleicht sogar 29 Euro weil der Zug dann voll ist.«
Er zuckte mit den Schultern und meinte: »So ähnlich. Wir verstehen es selbst nicht so genau.«
»Aha, na dann ist ja gut. Wenn Sie es schon nicht verstehen, muss ich mir keine Gedanken machen, ich wäre zu dumm dafür«, murmelte ich kopfschüttelnd.

Wenn ich das richtig interpretiere, kaufe ich also am Automaten ein Flex-Ticket, mit dem ich im Grunde zu jedem Zeitpunkt und mit jedem Zug fahren kann, muss aber einen erhöhten Preis zahlen, wenn ich bei der zwangsläufig notwendigen Angabe der Verbindung, zufälligerweise eine erwische, die stark ausgelastet ist.

Übrigens, ich habe gerade nachgesehen, morgen kostet die Fahrt noch 28 Euro, am nächsten Dienstag bezahle ich wieder nur 27 Euro.

Das ist doch irrsinnig, wer denkt sich denn so was aus?

NEO im nervigen Alltag

Das hatte ich mir anders vorgestellt. Nachdem ich mich auf Arbeit um gefühlt tausend Sachen gekümmert habe, warf ich kurz nach drei einen Blick auf den Bahnstatus im Internet und siehe da, mein EC fiel schon wieder aus. Das hieß zehn Minuten früher (15:10 Uhr) losgehen, wenn ich nicht erst um Sechs zu Hause sein wollte.

Ich nahm also den Meridian und kam bis hinter Trudering. Dann blieb der Zug wegen einer Weichenstörung mit Stromausfall liegen, nach einer halben Stunde setzte der Zug dann zurück und wechselte in Trudering auf das S-Bahn Gleis. Da stand ich noch mal zehn Minuten, bis der Zugführer durch die zwei Zugteile durchgelaufen war und es wieder weitergehen konnte. Das hieß vierzig Minuten später in Rosenheim. Die fadenscheinige Druchsage, dass man doch in den EC umsteigen könne, ignorierten die meisten, da keiner wusste, wann der fuhr und ob er den Meridian überholen würde. Keiner wartet bei dieser Kälte freiwillig längere Zeit auf dem Bahnsteig. Ich blieb also sitzen. Großer Fehler, denn der Meridian fuhr bis zur nächsten Station und blieb dann stehen. In den zwanzig Minuten, die der Zug dort wartete, huschte erst der EC und dann noch der Railjet vorbei.

Witzig fand ich hingegen das Zugpersonal, das sich allenthalben entschuldigte. Sie könnten ja nichts dazu, weil für die Strecke die Deutsche Bahn zuständig ist.

Gegen halb sieben kam ich endlich zu Hause an, hungrig und total genervt. Wird Zeit, dass ich diesen Unsinn endlich beende. Den Stress hält kein Mensch auf Dauer aus.

Zumindest konnte ich die Zeit im Zug sinnvoll nutzen und habe den NEO von Kai Hirdt zu Ende gelesen und auch noch rezensiert. Für solche Fälle habe ich immer mein Notizbuch dabei. Hoffentlich kann ich meine krakelige Schrift morgen auch noch entziffern.

Abenteuer Deutsche Bahn

Unseren Kurztrip nach Paris hatten wir über Ameropa gebucht, was auch die Anreise mit der Deutschen Bahn beinhaltete. Und wie sollte es anders sein, klappte weder die Verbindung auf der Hin- noch auf der Rückreise.

Hinwärts kamen wir planmäßig bis Stuttgart, weil wir fast eine Stunde Aufenthalt hatten, gingen wir einen Kaffee trinken. Die Meldung, dass der ICE aus Paris mit einer halbe Stunde Verspätung angezeigt wurde, registrierte ich zwar, schuf gedanklich aber keine Verbindung zu unserer Abfahrt. Das hätte ich mal lieber tun sollen, denn als wir wieder in Richtung Gleis wollten, stand auf der großen Anzeigetafel, dass der Zug nach Paris wegen Vandalismus heute leider ausfällt. Uff! Jetzt war ich mir sicher, dass es eine übernatürliche Macht gab, die mich nicht nach Paris lassen wollte. Zumal ein erster Versuch bereits vor mehr als fünfundzwanzig Jahren gescheitert war. Sollte es auch diesmal wieder so sein? Ich steuerte den Servicepoint an und bekam von der netten Mitarbeiterin eine Verbindung nach Karlsruhe in die Hand gedrückt. Wir sollten den nächsten ICE nehmen und man würde in Karlsruhe einen Ersatzzug organisieren. Okay, so kamen wir erstmal weiter und sollten wir tatsächlich in Karlsruhe stranden, war mir das auch recht.

Während der Fahrt von Stuttgart nach Karlsruhe zückte ich erstmal mein iPad und informierte mich, was denn eigentlich los war. Die Information »wegen Vandalismus« war ja doch ziemlich ungewöhnlich. Wie ich schnell herausfand, hatte es in Bruchsal einen Brandanschlag auf eine Bahnanlage gegeben, die zu einer Stellwerkstörung geführt hatte. Dadurch musste auch der IC mit dem wir nach Karlsruhe fuhren, umgeleitet werden. Wir kamen daher gut zwanzig Minuten später in Karlsruhe an, als im Fahrplan vorgesehen. Über das Onlineportal der Bahn hatte ich auch in Erfahrung gebracht, dass unser Zug, mit dem wir eigentlich von Stuttgart nach Paris fahren wollten nur bis Karlsruhe gefahren war und nun dort auf uns wartete. Diese Information hätte man uns ja auch durchaus schon in Stuttgart, zumindest aber in dem IC geben können, mit dem wir unterwegs waren, schließlich waren wir nicht die einzigen Fahrgäste nach Paris.
Letztendlich stiegen wir in Karlsruhe in den wartenden Schnellzug nach Paris und fuhren mit fast fünfunddreissig Minuten Verspätung los. Vor Straßburg, dann ein unerwarteter Halt. Zumindest der Zugführer nahm es mit Humor und teilte den Fahrgästen mit: »Es sind Ferien, weshalb sich spielende Kinder im Gleis aufhalten und sich die Weiterfahrt verzögert.« Dennoch kamen wir trotz aller Schwierigkeiten heil in Paris an, wenn auch mit 58 Minuten Verspätung. Dafür bekam jeder Reisende auf dem Bahnsteig von den französischen Bahnangestellten eine Flasche Wasser in die Hand gedrückt.

Die Rückfahrt war ebenso unterhaltsam wie nervig. Durch den Nebel und die Kälte hatte sich an den Oberleitungen der Hochgeschwindigkeitsstrecke Eis gebildet. Das schien den Zugführer aber nicht zu stören und so jagten wir mit ca. 320 km/h durch die französische Provinz. Dauernd schepperte und rumpelte es oberhalb und unterhalb des Waggons. Mitunter dröhnten die Schläge ziemlich besorgniserregend. Das Eis wurde vom Stromabnehmer von den Leitungen gerissen und flog mit lautem Getöse aufs Dach und gegen die Seiten des Zugs. Ich fragte mich nicht nur einmal, warum der Zug denn nicht langsamer fuhr, denn das hörte sich gar nicht gut an.
In Straßburg standen wir dann zwanzig Minuten am Bahnsteig, bis endlich jemand eine Durchsage machte. Die Eisklumpen hatten wohl mehrere Scheiben im hinteren Waggon zu Bruch gehen lassen. (Da musste man kein Prophet sein, um das vorherzusagen.) Es war unklar, ob wir unsere Fahrt überhaupt würden fortsetzen können. Das machte unseren eng gesteckten Zugfahrplan zunichte. Denn wir hätten in Stuttgart nur 13 Minuten Zeit zum Umsteigen gehabt. Nach sag und schreibe 50 Minuten kam endlich die erlösende Durchsage, dass es tatsächlich weiterging. Es waren übrigens die einzigen zwei Durchsagen in der ganzen Zeit. (Typisch Informationspolitik der Deutschen Bahn.) Weil wir im vorletzten Wagen saßen und ich neugierig bin, war ich kurz ausgestiegen und hatte mir das Dilemma mal angesehen. Man hatte Folie von außen auf die gebrochenen Scheiben geklebt und von innen die Rollos heruntergezogen.
Unseren Anschluss würden wir nicht schaffen, aber zumindest fuhren wir wieder. Der Umstieg in Stuttgart in einen ICE klappte dann problemlos und auch auf der Fahrt mit dem MERIDIAN ereigneten sich keine weiteren Vorfälle, obgleich es schneite. Allerdings waren wir wieder eine Stunde später daheim als geplant.

Das war meine erste Bahnfahrt in diesem Jahr und sie endete mit einer Stunde Verspätung. Ich werde dem Beispiel eines befreundeten Bloggers folgen und in diesem Jahr eine Liste über alle meine Zugfahrten mit allen Verspätungen führen. Bin schon sehr gespannt, was dabei herauskommt.

Das Sitzplatzdebakel

Zugfahren vor und nach den Feiertagen ist immer wieder spannend. Da erlebt man die tollsten Dinge: zum Beispiel sich um Sitzplätze streitende Fahrgäste. Wenn ich sie schon zielstrebig auf mich zukommen sehe und sie, noch bevor sie »Guten Tag« oder sonst einen Gruß von sich gegeben haben, sofort den Platz einfordern, auf dem man sitzt. Es ist fast so, als hätten sie regelrecht darauf gewartet, jemandem von seinem Sitzplatz zu vertreiben. Wenn man sie dann höflich darauf aufmerksam macht, dass man selbst Platzkarten hat und es unmöglich sein könne, dass sie denselben Sitzplatz reserviert haben, kann man das Funkeln in ihren Augen sehen. Dann wird erst einmal lautstark auf sein Recht gepocht, die Platzkarten herausgekramt und einem vor die Nase gehalten. Nach kurzer Diskussion stellt sich schnell heraus, dass die Sitzplatzbeansprucher entweder im falschen Waggon sind oder sich die falsche Platznummer gemerkt haben. Manche entschuldigen sich, andere ziehen eilig weiter, um sich auf das arme Opfer zu stürzen, dass wirklich auf ihrem reservierten Platz sitzt.
Aber wehe, die Deutsche Bahn hat die Plätze wirklich einmal doppelt verkauft …