Außergewöhnliches Gepäck

Wenn die Züge so voll sind, wie kurz vor Weihnachten, finde ich die Unmengen an Gepäck immer besonders faszinierend. Es ist schier unglaublich, was die Leute mit sich rumschleppen. Vor allem ältere Damen haben Koffer dabei, an denen sich manch junger zuvorkommender Herr fast einen Bruch hebt, wenn er das Gepäckstück auf die Ablage hievt. Auch heute gab es mehr Koffer und Taschen im Großraumabteil des ICEs als Reisende.

Irgendwann vor Nürnberg bemerkte ich ihn, den seltsamen Geruch, den ich nicht mit einem Zug assoziierte, sondern eher mit einem Hasenstall oder einer Feldscheune. Mein »empfindliches Näschen«  – wie mein Mann immer sagt – hatte den Geruch von Heu gewittert. Heu in einem ICE? Das konnte nicht sein. Und tatsächlich war er wenige Sekunden später wieder weg.

Nach einer Viertelstunde roch ich es erneut. »Das riecht nach Heu«, sagte ich zu meinem Mann.
Der schnüffelte und meinte: »Was dein Näschen schon wieder riecht.«

Ich glaubte nicht, dass ich mir das einbildete, aber ich beschloss, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Eine halbe Stunde später hatte ich wieder den Geruch von Heu in der Nase, kein frisch geerntetes, sondern eher das, was man zum Einstreuen in Hasenställe verwendet. (Wir hatten eine Hasenzucht zu Hause, als ich Kind war, daher kenn ich den Geruch gut.)

Suchend blickte ich mich um. Hatte da irgendeiner sein Zwergkaninchen dabei? Erst als ich hoch in die Gepäckablage blickte, sah ich es. Dort lag ein fünfzig mal fünfzig großer in transparentes Plastik verpackter Heuballen. Unglaublich!

Ich schubste meinen Mann an und deutete nach oben. »Auf das Näschen deiner Frau ist Verlass«, sagte ich kichernd.
Er schüttelte ungläubig den Kopf. »Was die Leute alles so auf Reisen mitnehmen.«

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