Die Mathematik der Deutschen Bahn

Von 1,3 % war die Rede, die die Fahrkarten ab 11.12. teurer werden sollten, durchschnittlich wohlgemerkt. Die Wirklichkeit für viele Pendler sieht anders aus. Es sind nämlich gerade die Strecken teurer geworden, die häufig frequentiert werden und zwar bis zu 5%.

München – Salzburg ist so eine Strecke auf der unter der Woche viele Pendler darunter reichlich Schüler und Studenten unterwegs sind; am Wochenende sind es dann die Ausflügler und Touristen, die zwischen der österreichischen und der bayrischen Landeshauptstadt unterwegs sind. Und weil die Nachfrage nun den Preis bestimmt, ist mein Ticket um 3,8 % teurer geworden. Ich zahle mit BahnCard 50 seit Sonntag 27 Euro statt 26, also einen Euro mehr am Tag. Das hört sich nicht nach viel an, aber für Pendler, die diese Strecke mehrmals in der Woche fahren, summiert sich das schnell zu einem ansehnlichen Sümmchen.

Auf der anderen Seite kündigt die DB im nächsten Jahr Einsparungen bei der Wartung der Züge an. Das dies nur der Gewinnmaximierung dient, liegt auf der Hand. Anders ergibt diese Preispolitik wenig Sinn. Denn die Leute werden nicht verstärkt auf weniger frequentierten Strecken fahren, nur weil diese jetzt günstiger sind. Sie fahren weiterhin dort, wo sie fahren müssen.

Und wohin Einsparungen bei der Wartung führen, haben Bahnreisende in den vergangenen Jahren am eigenen Leib oft genug erfahren müssen: Ausfall der Neigetechnik sowie deren spätere Abschaffung, defekte Türen, Mikrorisse in Achsen und Radreifen oder durch Züge beschädigte Oberleitungen. Von ausgefallenen Klimaanlagen oder Heizungen will ich gar nicht erst anfangen.

Ändern können wir an dieser Tatsache nichts. Zugreisende wie ich werden wie in den Jahren zuvor in den sauren Apfel beißen müssen und ein System finanzieren, bei dem der Service darin besteht, dass man fürs gleiche Geld oft länger als gewollt in den Zügen verbringt. Nicht für umsonst heißt der Slogan der Deutschen Bahn: »Die Zeit gehört dir.«

5 thoughts on “Die Mathematik der Deutschen Bahn

  1. Ich denke schon, dass man da etwas ändern kann. Sicher nicht kurzfristig und schnell, aber langfristig, indem man sich dafür einsetzt, dass Infrastruktur nicht privatisiert wird. Das gilt für die Bahn genauso wie für das Straßennetz, Wasser, Strom, Internet etc. PPP haben noch nie Gutes für die Bevölkerung gebracht, nur Nachteile, während die „Investoren“ auf Kosten der Steuerzahler Geld scheffeln konnten. Eigentlich hätte es niemals soweit kommen dürfen.

  2. Es wird Dich sicher wenig trösten wenn ich Dir sage, dass es in anderen Ländern noch schlimmer ist. Wer morgens und abends nach London rein oder raus fährt, zahlt zu den sog. „peak times“ locker den doppelten Fahrpreis. Vordergründig dient dies dazu, das Pendleraufkommen zu entzerren, nach dem Motto „mit Gleitzeit kannst Du ja auch später fahren“. Aber mal ehrlich, welcher Arbeitnehmer kann es sich leisten um 11 Uhr mit der Arbeit anzufangen? (Mal ganz abgesehen davon, dass man dann entsprechend später aufhören müsste und irgendwann mitten in der Nacht nach Hause käme.)
    Ich gebe dabei auch meiner Vorrednerin recht. Das britische Bahnnetz ist schon lange privatisiert und mMn ein Vorzeigebeispiel für die Scheiße (excuse my French), die dabei herauskommt. Mies gewartet (wenn im Herbst Blätter auf den Gleisen liegen, fahren die Züge nicht. Kein Witz!), unzuverlässig und dabei abartig teuer.
    Wer das eine Weile mitgemacht hat, findet die Deutsche Bahn tatsächlich wieder ganz gut. Was aber keine Ausrede sein sollte, diesen Standard kontinuierlich weiter zu senken.

    1. Wir sollten uns nicht immer mit den Schlechten vergleichen, sondern mit den Guten. Ein Blick nach Japan zeigt, dass es auch anders geht.
      Wobei ich euch beiden mit der Privatisierung recht gebe. Obwohl Transdev (MERIDIAN) nicht so schlimm ist, wie ich anfangs befürchtet habe. Da habe ich mit der DB damals auf der Strecke Schlimmers erlebt.

  3. Infrastruktur in staatliche Hand. Sag ich schon seit Jahren. Privatisierung bringt gar nichts. Dazu zähle ich Gas/Wasser/Strom/Internet/ÖPNV/Post. Denn hier kann so oder so keine echte Wirtschaft entstehen, da die Menschen darauf angewiesen sind, sie haben also gar nicht die Wahl sondern müssen letztlich in irgendeinen „teueren“ Apfel beißen.

  4. Bei mir sind’s tatsächlich „nur“ 1,3 Prozent. Gegen Einsparungen habe ich gar nichts, wenn sie an den richtigen Stellen vorgenommen werden. Zum Beispiel bei Werbeagenturen, die sich zynische Slogans wie „Diese Zeit gehört dir“ ausdenken…
    Ich wäre gern bereit, sogar noch mehr für die Fahrkarte auszugeben, wenn ich wüsste, dass die Bahn das Geld klug investieren wird, nämlich in mehr Wartung. Dann gäbe es vielleicht nicht mehr so viele Verspätungen wegen Signal- und Weichenstörungen, Stellwerksausfällen, nicht funktionierenden Waggontüren und dergleichen.

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