Science Fiction auf den zweiten Blick

Quelle: Amazon

Nachdem mich Spin, der erst Band der Trilogie von Robert Charles Wilson, so richtig in seinen Bann gezogen hat, wollte ich unbedingt wissen, wie die Geschichte um die, in die Zukunft versetzte Erde, weitergeht.

Der Spin, die Zeitmembran um die Erde ist seit Jahrzehnten erloschen. Die Menschen haben sich die Tore, die in eine neue Welt führen, zu Nutze gemacht und besiedeln den Planeten „Äquatoria“. Eine davon ist die junge Lise, die sich auf die Suche nach ihrem Vater begibt, der vor vielen Jahren hier verschwand. Mit Hilfe des Aussteigers Turk folgt sie den Spuren einer mysteriösen Fremden, mit der ihr Vater in Kontakt stand und die vor wenigen Tagen von der Erde gekommen ist. Was Lise nicht ahnt: Es gibt noch weitere Parteien, die sich für die Fremde interessieren und die Lise auf sich aufmerksam gemacht hat. Plötzlich steht sie im Fokus eines gefährlichen Geheimdienstes der sie und Turk zur Flucht in den westlichen Teil des Kontinents „Äquatoria“ zwingt. Doch auch der Planet entpuppt sich unerwartet als weniger friedlich wie gedacht. Es geschehen seltsame Dinge, in dessen Mittelpunkt ein zwölfjähriger Junge zu stehen scheint. Der Showdown am Ende offenbart eine unheimliche Wahrheit, die den Glauben der Menschheit an sich selbst auf eine harte Probe stellt …

Was sich wie ein Thriller anhört, ist zunächst auch weit weg von jedweder Science Fiction. Auch wenn die Geschichte auf einem fremden Planeten spielt, stehen eher die Figuren im Fokus. Wer auf fundamentale phantastische Beschreibungen einer entfernten Zukunft wartet, wird sich lange gedulden müssen. Erst gegen Ende des Romans kommt einwenig SF-Feeling auf. Das mag für manchen Leser, der auf eine spannende Fortsetzung und natürlich die Beantwortung der Fragen zu den Hypothetischen gewartet hat, eine herbe Enttäuschung sein. Als ein wenig nachteilig finde ich auch, dass nur eine der Figuren aus dem ersten Teil in Axis auftaucht.
Nichtsdestotrotz ist der Roman spannend geschrieben, die philosophischen Gedanken über die Hypothetischen in Analogie mit der Existenz Gottes, sind intelligent verfasst und klingen in weiten Teilen durchaus plausibel. Auch die gesellschaftliche Kritik, die bereits im Vorgängerroman angeschnitten wurde, wird in Axis nochmal verschärft. Interessant ist, dass die Menschheit in Wilsons fiktiver Zukunft nichts aus ihrer Vergangenheit gelernt hat. Sie haben die Erde bis an den Rand des Untergang geführt, bekamen eine zweite Chance, machen aber mit dem neuen Planeten weiter wie bisher. Egal ob es die Ölfelder, die sozialen Probleme in den Städten oder die Verfolgung der Vierten durch das MfGS (Ministerium für Genom-Sicherheit) sind. Das alles zeigt wie kritisch sich der Autor mit der vor allem amerikanischen Lebensweise auseinandersetzt. Kein Wunder denn Wilson ist, wenn auch in Kalifornien geboren, in Kanada aufgewachsen, da sind die kleinen Seitenhiebe auf den Nachbarstaat fast schon obligatorisch.

Zusammengefasst kann man sagen, dass Axis zwar eine interessante Fortsetzung zu Spin ist, aber an die Komplexität ihres Vorgängers nicht heranreicht. Ein Buch das man lesen kann, aber nicht unbedingt gelesen haben muss.

Ausdrucksstarke Antikriegsnovelle

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Quelle: Basilisk-Verlag

Es bedarf schon besonderer Umstände, dass ich eine Fantasy-Geschichte zur Hand nehme. Fast immer handelt es sich dann um Arbeiten von Autoren die ich persönlich kenne. Sardev – Der Schatten des Friedens bildet da keine Ausnahme.

In der Novelle von Perry Rhodan-Chefredakteur Klaus N. Frick geht es um Sardev Örhun – einen kriegsmüden Kämpfer, der mit sich selbst und der Sinnlosigkeit des zu Ende gehenden Krieges hadert. Ziellos streift er durch ein von Krieg gezeichnetes Land und immer wieder muss er seine Waffe gegen plötzlich auftauchende Gegner erheben. Durch die erlebten Grausamkeiten abgestumpft und von Hass zerfressen, ist er kaum mehr in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. So betrinkt er sich hoffnungslos, um sein verzweifeltes Leben und die nächtlichen Alpträume vergessen zu machen. Sein einziges Ziel ist die Rache an seinem Erzfeind Shorrn Mekéis, der für den Tod von Sardevs Frau und Kind verantwortlich zeichnet …

Fantasy-Romane sind nicht nur wegen ihrer meist blutrünstigen Handlung nicht der ideale Lesestoff für mein schwaches Gemüt, sondern ich hadere oftmals mit der verklärten Sicht auf die mittelalterlichen Hintergründe, die von vielen Autoren meist in schillernden Farben skizziert werden. Das ist bei der vorliegenden Novelle definitiv nicht der Fall. Hier wird nichts verklärt, im Gegenteil es fühlt sich alles erschreckend echt an. Bei der detailreichen Beschreibung des vom Krieg verschandelten Landes und seiner Bewohner, bei dem stets präsenten Dreck und dem vielen Blut, glaubt man sich mitten im Geschehen. So schonungslos wie Klaus N. Frick die Realität in seinen Peter Pank Romanen schildert, so intensiv setzt er das auch in Sardev – Der Schatten des Friedens um. Da wird brutal gemordet, es fließen jede Menge Blut und andere Körperflüssigkeiten, aber es wird auch geliebt und das mit der gleichen packenden Intensität. Ich weiß nicht, wie es dem Autor gelingt, mir jedes mal Gänsehaut zu bescheren. So sind es gerade die ersten Seiten des Buches, die mich berühren. Schade, denn die nicht enden wollenden Gewaltexzesse im Laufe der Handlung fordern eine zunehmende Distanz von mir als Leser, um die Lektüre erträglich zu machen. Die verstörenden Bilder ließen mich auch danach nicht so schnell los.

Klaus N. Fricks Geschichten zeichnen sich durch die Ziellosigkeit ihrer Protagonisten aus. Ob bei Peter Pank oder Sardev, oft möchte man der Figur einfach zurufen „Tue das nicht!“. Sardevs innerer Kampf ist ohne Frage fesselnd geschrieben, verursacht aber beim Leser Unzufriedenheit, eben weil die Figur so gegensätzlich handelt. Das macht die Geschichte unbequem. Man windet sich wie Sardev selbst und kommt ihm deshalb so nah, wie selten einer anderen Romanfigur. Das ist zweifellos genial arrangiert.

Am Ende bin ich mir nicht sicher, was mir der Autor mit dem Buch sagen wollte. Ist es ein Plädoyer gegen die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt, oder ist es einfach nur die Verarbeitung übersteigerter Aggressionen? – Ich weiß es nicht. Ich bleibe an dieser Stelle etwas ratlos zurück. Aber vielleicht ist es genau das, was eine gute Geschichte ausmacht, dass man über das Ende hinaus darüber nachdenken muss.

Mein Fazit: Die vorliegende Novelle ist ein durchaus lesenswertes Buch, das Fans von Fantasy-Geschichten ganz sicher anzusprechen weiß. Was mir persönlich aber wieder bestätigt, dass dieses Genre definitiv nicht mein Fall ist. Allein die tiefgründigen Szenen- und Figurenbeschreibungen machen es für mich zu einer sehr wertvollen Lektüre.

Die 115 Seiten umfassende Novelle ist seit wenigen Wochen als E-Book und Hörbuch beim Verlag in Farbe und Bunt und auf den diversen Online-Plattformen erhältlich. Ich persönlich las die schöne Paperback-Ausgabe von 2009 vom Basilisk-Verlag, die dort noch bestellt werden kann.

Perry und die E-Books

Am Donnerstag war ein schwarzer Tag für alle Perry Rhodan Fans, die ihre Lieblingsserie als E-Book lesen. Die Redaktion kündigte für nächsten Monat eine Preiserhöhung an. Und fast sofort rollte eine Welle an Protesten und Beschimpfungen über sie hinweg.

Dabei war diese Preiserhöhung eigentlich längst überfällig. Bisher kostete ein Heft als E-Book 1,49 EUR. Ab 1. Juli sind es dann 1,99 EUR. Das sind 50 Cent, die auf den ersten Blick auch nach richtig viel aussehen. Doch wenn man mal darüber nachdenkt, welche Beweggründe dahinter stecken, kommt man sehr schnell zu dem Schluss, dass dem Verlag eigentlich keine andere Wahl bleibt.

Zum einen ist da die neue EU-Regelung mit der Mehrwertsteuer; dass nämlich jetzt die Mehrwertsteuer des Landes anfällt, in dem man das E-Book erwirbt. Das finde ich fair, weil es die Internetriesen wie Amazon genauso betrifft wie alle anderen Anbieter. (Der Mehrwertsteuersatz auf E-Books liegt übrigens bei 19% der auf Bücher nur bei 7%)

Das weitaus gewichtigere Problem ist wohl, dass immer weniger Romanhefte in Papierform verkauft werden. Woran das liegt, hat verschiedene Ursachen. Zum einen werden die digitalen Formate immer beliebter und zum anderen schrumpft das Angebot. Perry Rhodan Hefte bekam man noch vor Jahren überall, sogar im Edeka. Heute gibt es sie nur noch in ausgesuchten Zeitschriftenläden oder Bahnhofsbuchhandlungen. Es ist inzwischen schon schwierig, auf dem Münchner HBF ein PR-Heft zu kaufen, da muss man schon genau wissen, wo man suchen soll. In kleineren Städten tut man sich noch schwerer und auf dem Land ist es fast aussichtslos überhaupt an ein Heft zu kommen. Da ist es einfach bequemer sich ein digitales Heft auf den Reader zu laden. Bisher lag das Hauptaugenmerk des Verlags eben auf der Printsparte. Das E-Book wurde mehr oder weniger vom Verkaufserlös der gedruckten Hefte subventioniert. Ich glaube, dass sich das inzwischen gedreht hat und heute mehr mit digitalen Formaten eingenommen wird als mit den „Totholz“-Heften. Und warum sollen nicht auch die Leser der E-Books an allen Produktionskosten beteiligt werden. Denn für so ein E-Book fallen fast die gleichen Herstellungskosten an, wie für ein gedrucktes Heft. Druckprozess und Vertrieb haben bei Weitem nicht so viel Anteil, wie viele Fans glauben. Autoren, Lektorat, Setzer und Layouter – sind alles Menschen, die für ihre Arbeit bezahlt werden wollen. Dazu kommen noch die Kosten fürs Marketing und die Redaktion und nicht zu vergessen die Gebühren, die zum Beispiel Amazon verlangt, wenn ein E-Book über ihre Plattform angeboten wird.

50 Cent! Laut Redaktion hätten es auch 30 Cent getan, dies geht aber aus folgenden Gründen nicht. Die meisten E-Book Plattformen lassen nämlich nur Preiserhöhungen um 50 Cent zu. Das heißt entweder 1,49 EUR oder 1,99 EUR dazwischen gibt es nichts. (Amazon ist da die Ausnahme, dort geht es auch in kleineren Schritten.) Weil man es sich aber nicht leisten kann, nur einen Anbieter zu nutzen und weil laut Buchpreisbindung in Deutschland Bücher (auch im digitalen Format) überall das gleiche kosten müssen, muss der Preis eben auf allen Plattformen gleich sein. Das finde ich zwar auch nicht so toll, aber so ist die Situation nun mal.

Ich kann die Aufregung der meisten Fans nicht so recht nachvollziehen. Es geht im Grunde genommen um zwei Euro im Monat, die sie ab jetzt für ihr Hobby mehr ausgeben müssen. Wenn sie im Café um die Ecke für 3,20 Euro einen Cappuccino oder ein Bier trinken, jammern die meisten ja auch nicht. Und wenn man sich dann noch vor Augen führt: Wie schnell ist ein Bier getrunken und wie lange liest man an einem PR-Heft? …

Eben!

Hochintelligente SF-Saga

Quelle: Amazon

In Vorbereitung auf das diesjährige Schreibseminar (Auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich daran teilnehmen darf.) lese ich mich gerade quer durch die Bestseller der SF-Literatur. Dabei stieß ich auf „Spin“ von Robert Charles Wilson. Mich hat die spannende Lektüre sofort in ihren Bann gezogen, weil es genau die Art von intelligenter SF ist, die ich gern lese, Wissenschaftlich und mit Fokus auf die Charaktere.

Die Geschichte beginnt damit, dass die Erde in eine unbekannte Membran gehüllt wird, die sie vom Rest des Universums trennt. Niemand weiß warum es passiert ist, doch man erkennt sehr bald, dass außerhalb die Zeit sehr viel schneller verläuft als auf der Erde selbst. Und weil auch die Sonne und das Sonnensystem eine begrenzte Lebensdauer besitzen, sagen die Wissenschaftler den Untergang der Erde in fünfzig Jahren voraus. So lebt die Menschheit fortan im Schatten der bevorstehenden Apokalypse. Wie sie sich dort entwickelt, welche Probleme auftreten und was Menschen antreibt, wenn sie wissen, dass sie nur noch eine begrenzte Zeit zu leben haben, davon handelt der Roman. Es werden existenzielle Fragen nach dem Wer und Warum gestellt und sich an der Interpretation des Göttlichen versucht. Wie entsteht Religion und woran klammern sich Menschen im Angesicht des Todes?

Was der Autor an Ideen in den Roman eingebracht hat, hätte bei anderen Autoren für fünf Romane gereicht. Ihm gelingt es, diese Ideen zu einem dichten Netz zu verweben, ohne sich zu verzetteln. In zwei Handlungsebenen führt Robert Charles Wilson den Leser durch die Geschichte und wirft ihm Kapitel für Kapitel immer wieder ein kleines Informationshäppchen zu, ohne zu viel zu verraten. So gesehen ist „Spin“ – so wird die Membran um die Erde bezeichnet – wie ein Puzzle. Teil für Teil fügt sich nach und nach das Bild dessen was mit der Erde passiert zusammen. Im Vordergrund jedoch stehen die Figuren, wie der Protagonist Tyler Dupree und seine Freunde – die Zwillinge Diane und Jason – um die sich eine emotional zurückhaltend erzählte Dreiecksgeschichte entfacht. Von der Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter reflektiert Tyler in Rückblenden sein Leben mit dem Spin. Seine Freundschaft zu Jason, dem Wissenschaftler, der den Spin erforschen will und seine unausgesprochene Liebe zu Diane, die sich dem Glauben widmet, beide Ebenen beleuchten die unterschiedlichen Herangehensweisen einer Generation, die sich mehr als alle anderen vor ihr ihrer Endlichkeit bewusst ist.

„Spin“ spielt in der Gegenwart und ist wie viele SF-Romane zuvor ein Spiegel seiner Zeit. Der Autor nimmt sich nicht zurück Gesellschaftssysteme und Regierungen zu kritisieren oder Glaubensansätze zu hinterfragen. Dabei bleibt er aber stets objektiv, indem er nur zeigt was passiert, ohne darüber zu urteilen. Die wissenschaftlichen Theorien, die im Buch angesprochen werden, zeugen von ausgezeichneter Recherchearbeit und fühlen sich zu jeder Zeit stimmig an. Was mich wundert ist die Tatsache, dass der Roman noch nicht verfilmt wurde. Vielleicht weil er wenig Action bietet und man dafür seinen Kopf anstrengen muss.

Fazit: Für mich gehört „Spin“ zu einem der herausragendsten SF-Romane, die ich bisher gelesen habe. Das Beste daran: Es ist nur der erste Teil einer Trilogie ist. Für die Fortsetzung „Axis“ stehe ich schon in den Startlöchern.

Nettes Fundstück

Da ja unser achtjähriges Jubiläum anstand, habe ich meinem Mann wieder ein Geschenk gemacht – ein Handbuch des skurrilen Wissens mit dem Titel „Welche Farbe haben schottische Schafe?“ von Hugo Kastner (erschienen 2009 bei Humboldt). Wir haben schon eine ganze Sammlung solcher Bücher mit „unützem“ Wissen und ich bin stets fasziniert, über was man sich alles Gedanken machen kann.

Das Beste aber war, als mein Mann das Buch aufschlug, fand er eine Seite zu Perry Rhodan. Eingebettet zwischen einer Auflistung weltberühmter Musiker und den Werken von Shakespeare, widmet sich ein ganzes Kapitel der „Größten Science-Fiction Serie der Welt“.

Na, wenn da mal der Autor keine Perry-Fan ist …

Mich hat’s gefreut, die PR-Redaktion hoffentlich auch.

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Die Para-Sprinter

… Diesen Titel trägt der PR- Silberband den ich neulich gelesen habe. Nachdem er jetzt einige Monate auf meinem Nachtschrank angelesen dahindämmerte, konnte ich mich aufraffen und ihn endlich mal fertig lesen.

Ich bin immer wieder überrascht, welche phantastischen Einfälle die Autoren jener Zeit hatten. Auch wenn es meinem wissenschaftlich geschulten Verstand manchmal etwas zu weit hergeholt erscheint, schaffen es die Geschichten dennoch, mich zu fesseln. Die Idee der Zwillingsmutanten, die Hyperfunk- oder elektromagnetische Signale benutzen, um von hier nach dort zu reisen, ist an sich schon sehr außergewöhnlich. Damit stehen sie den Mutanten aus X-Men oder den Avengers in nichts nach. Wenn man mal den wissenschaftlichen Kontext außer acht lässt, dann macht die Geschichte ausgesprochen viel Spaß und das, obwohl sie fast ausschließlich in der Autorenperspektive (!) geschrieben ist und dem Leser gern auch mal durch Vorhersagen die Spannung nimmt. Jetzt weiß ich, warum ich das bei meiner „Telepathin“ genauso gemacht habe. Scheinbar geht es auch ohne Figurenperspektive. Zumindest hat das in den sechziger Jahren bei Perry Rhodan niemanden gestört. So wie es aussieht, unterliegt sogar das Schreiben gewissen Modeerscheinungen.

Jetzt bin ich gespannt, wie die Geschichte in der Andromeda vorgelagerten Zwerggalaxie „Andro-Beta“ weitergeht. Dort wurden Perry Rhodan und Co nämlich von einer Cosmozoe verschlungen und konnten sich nur mit brachialer Gewalt wieder befreien.

Ich denke, so langsam kommt der „Meister der Insel“-Zyklus in Fahrt.

Aufbruch und Niedergang – zwischen Punkrock, Antifa und Naziterror

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„89/90“ von Peter Richter, erschienen im Luchterhand-Literaturverlag.

Noch nie habe ich mich einer Zielgruppe so zugehörig gefühlt, wie beim Lesen dieses Romans. Der Autor und ich hätten in eine Klasse gehen können. Vieles, was er beschreibt, habe ich wie so viele meines Jahrgangs eins zu eins so erlebt.  Es ist genau das Buch, was ich immer schreiben wollte.

Peter Richters autobiographischer Roman dokumentiert die letzten Monate der DDR aus der Sicht eines Jugendlichen und das wie ich finde sehr authentisch. Denn, was ist das Leben schon außer Alltag: Da fällt die Mauer und am nächsten Tag erwartet einen in der Schule eine Leistungskontrolle in Mathe. Genauso war es. Da brechen beim Lesen die vielen großen und kleinen Erinnerungen auf, an eine Zeit die unglaubliche 25 Jahre zurückliegt. Und es fühlt sich wieder an, als wäre es gestern gewesen. So als wäre ich noch die Fünfzehnjährige in pinkfarbenen Karottenhosen mit blonden Dauergewellten Haaren, die Freitag abends mit dem Kassettenrekorder die Songs aus der Hitparade auf Bayern 3 aufnimmt; die zu „Dirty Dancing“ ins Kino rennt und durch einen glücklichen Umstand (Bänderzerrung am Sprunggelenk) um den Zivilverteidigungskurs an der Schule herumkommt. So bescherte mir „89/90“ ein ganz besonderes Kopfkino.

Doch das Buch ist weit mehr. Peter Richter vermittelt Geschichte aus einer individuellen aber treffenden Sicht und liefert klar und überzeugend Hinweise auf die Entstehung des Neofaschismus im Osten. Man versteht plötzlich warum es so kam und kommen musste. Er beschreibt die Anarchie, die nach dem 9. November 1989 in fast allen Bereichen der Gesellschaft herrschte. Die Machtlosigkeit mit der Behörden und Institutionen agierten, hilflos zusahen wie Menschenrechte untergraben wurden. Wie Geschäftemacher ihre Chancen ergriffen, wie warnende Stimmen überhört und eine ganze Gesellschaftsordnung von heute auf morgen einfach ersatzlos außer Kraft gesetzt wurde.

Die Darstellung des Autors, wie sich ein Land und seine Menschen innerhalb von Monaten völlig veränderten, ist so glaubwürdig geschrieben, dass einem heute davor schaudert. Dabei bedient er sich der Sprache der Jugend, schlicht und unmissverständlich – mit dem leicht arroganten Beiklang eines jungen Menschen, der glaubt, dass die Welt auf ihn gewartet hat. Aber genau das macht den Reiz der Geschichte aus. Auch wenn am Beginn des Buches steht, dass die handelnden Figuren reine Fiktion sind, so weiß man doch aus eigener Erfahrung, dass es den S. oder die L. so oder ähnlich gegeben hat. Und hier kommen wir zu dem einzigen Punkt, den ich kritisieren muss. Das Stilmittel des Autors, anstatt der Namen nur die Abkürzung derer zu verwenden, finde ich ein wenig störend. Da kommt man bei der Länge des Romans mit immerhin 412 Seiten oftmals ins Schleudern, wenn man sich fragen muss: Wer war nochmal der K.?

Ja, wir waren der letzte Jahrgang, der noch alles mitmachen durfte – damals in der DDR. Aber wir waren auch der erste Jahrgang, dem nach der Wende die Welt offen stand – wenn man es zu nutzen wusste.

Fazit: Ein lesenswertes Buch nicht nur für „Betroffene“ wie mich, sondern auch für die, die wissen wollen, wie es wirklich war als Jugendlicher in der dahinscheidenden DDR. Allein mit den vielen Fußnoten in Peter Richters Roman könnte man ein ganzes Geschichtsbuch füllen, dass alles andere als langweilig wäre. Ach ja, nebenher erfährt man auch einiges über Punkrock im Osten.

Zum Scheitern schön

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„Und wir scheitern immer schöner“ von Dirk Bernemann

Gerade wenn man denkt, es kann eigentlich nicht besser werden oder schlimmer kommen, dann trifft einen der zweite Teil der „Ich habe die Unschuld kotzen sehen“-Trilogie genau dahin, wo es weh tut.

Noch bildhafter und noch stimmiger erzählt Dirk Bernemann vom Scheitern der Menschlichkeit. Dabei entfesselt er Wortschöpfungen die treffender nicht sein können: kaputtgeKRIEGt und leer gemengt; Konzentrationsamok auf Metastasenstraßen. Lyrisch geht der Mensch zu Grunde: Schön, schön wahr, mitfühlend und mitreisend. Auf gerade einmal einhundertfünfzehn Seiten lässt der Autor teilhaben, am kranken Seelenleben seiner Protagonisten. Nachvollziehbar in direkten Worten, die ohne Zaudern zu starken Bildern werden. Bilder, die sich nur schwer abschütteln lassen.

Verstohlen die Tränen aus den Augen wischend und doch weiter das Buch krampfhaft in der Hand haltend, so ertappte ich mich dieser Tage im Zug. Ich legte es erst beiseite, als das letzte Wort gelesen war.  Keine einfache Lektüre – Mitnichten. Manchmal habe ich schwer geschluckt und auch ein wenig besorgt daran gedacht, wie eine Seele von innen aussehen muss, damit sie sich so etwas ausdenken kann. Das Schlimme jedoch ist, genau das was Dirk Bernemann in seinen Geschichten schildert, passiert … heute, morgen und jeden Tag aufs Neue. Es nennt sich Das Leben.

Das Leben ist Krieg! Das Leben ist Tod! Das Leben ist Sex! Das Leben ist Punk! …

… und Dirk Bernemann wagt es, darüber zu schreiben.

Erhältlich ist das Buch im Shop des Ubooks-Verlags sowie auf allen Online-Plattformen und im Buchhandel.

Schonungslose Literatur

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„Ich hab die Unschuld kotzen sehen“ von Dirk Bernemann

Ich habe mich verliebt … Nein, nicht in eine Person sondern in Literatur. In eine Art von Literatur, die mich genau dort triff, wo Literatur treffen soll.

Hart, schaurig und schonungslos. Anders kann man den Roman von Dirk Bernemann nicht beschreiben. Kleine kurze Geschichten, die nur beiläufig miteinander in Beziehung stehen, bilden die Grundlage einer Erzählung übers Scheitern. Was zumeist harmlos beginnt, endet immer tragisch, tödlich, traurig. So verheißungsvoll und voller Ekel hinterlässt es Spuren, verändert den Leser. Selbst wenn man das Buch angewidert ablegen möchte, man kann es nicht und wenn, dann nicht für lang. Es lockt und sieht dabei so unschuldig aus, wie es daliegt mit seiner schwarzer Schrift auf weißem Papier.

Dirk Bernemanns Sprache ist wie ein Skalpell. Er durchschneidet die multimediale Verlogenheit unserer Gesellschaft, entzaubert die fadenscheinige Wirklichkeit. Entblößt das Leben als das, was es ist – ein immerwährender Krieg.

Was soll ich zu diesem Buch noch sagen? Es ist Punk! Ich finde kein anderes Wort, um es angemessen zu beschreiben. Man muss dieses perfekte Spiel mit Sprache schon selbst erleben. Also einfach lesen!

Erhältlich ist das Buch im Shop des Ubooks-Verlags sowie auf allen Online-Plattformen und im Buchhandel.

Literatur neu erlebt

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Literatur ist subjektiv und wenn es um Hochliteratur geht, erst recht. Der eine braucht einen möglichst komplexen Plot in anspruchsvoller Sprache, während es dem anderen nicht simpel genug sein kann, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Daran gibt es auch nichts auszusetzen, jeder muss die Literatur finden, die ihn anspricht … Sich angesprochen fühlen, genau darum geht’s doch bei einem guten Buch. Doch die passende Lektüre zu finden, ist auf einem Literaturmarkt, der angefüllt ist mit zweit- und drittklassischen Veröffentlichungen und der jeden Tag wächst und wächst wie ungezähmte sich ausbreitende Natur mehr Glücksfall denn planbar.

Einer dieser Glücksfälle ereilte mich am Wochenende. Bei der Recherche zu meinem neuen Roman stieß ich zufälligerweise auf ein Buch, dessen Grundidee mich ein wenig an mein geplantes Projekt erinnerte, in Inhalt und Machart aber völlig verschieden ist.

„Wie schön alles begann und wie traurig alles endet“ von Dirk Bernemann zog mir buchstäblich den Boden unter den Füßen weg.
Man kennt das ja; im Zeitalter der E-Books ist es leicht, sich schnell mal einen Auszug eines Buches aufs iPad zu ziehen. Man liest es an, beurteilt es und löscht es gegebenenfalls wieder. Ich gebe offen zu, ich bin ein Freund klassischer „Totholzbücher“ – also richtigen Büchern aus Papier. Lesen mit dem iPad ist nicht mein Ding, weil mir meist nach zehn Minuten der Arm einschläft. (Bei Büchern passiert mir das nie. Schon komisch!) Also kaufe ich mir meist die Bücher im Buchhandel oder bestelle sie bei booklooker.
Dieses Mal war das anders. Der Auszug aus Dirk Bernemanns Roman saugte mich regelrecht ein. Wie von einer Bestie am Schopf gepackt und in die Tiefen eines Meeres hingerissen. Ich konnte nicht warten … ich wollte nicht warten … um alles in der Welt wollte ich diesen Roman lesen und zwar jetzt auf der Stelle – Verrückt!

Dabei entspricht die Geschichte so gar nicht dem, was ich sonst konsumiere. Auf den 192 Seiten gibt es kaum Dialoge, es fehlt der klassische Aufbau und die Figur ist niemand, mit dem ich mich auf Anhieb identifizieren würde und dennoch … raubte mir der Text buchstäblich den Atem.

Der innere Dialog eines alternden Punks mal im Ich-Präsens mal im Ich-Präteritum ist gespickt mit klugen und vor allem wahren Aussagen, dazwischen Rückblicke, lose Erinnerungen, Dialogfrei aber nie langatmig und vor allem nicht langweilig. Es geht um Krieg und um Liebe. Beides liegt ja bekanntlich nah beieinander. Die Beobachtungen die Dirk Bernemann zu Papier bringt, kann man nicht treffender formulieren. Es ist, als entblättere er die Wahrheiten des Lebens bis auf seine nackte Existenz, mit einer Wortwahl von ungewöhnlicher Eleganz. Seine Metaphern scheinen unmöglich und doch treffen sie einen tief. Man giert nach jedem Wort, lechzt nach jedem Satz, liest und liest und wird immer tiefer hineingezogen in die kaputte Welt des Protagonisten, die der eigenen doch so ähnlich ist. Irgendwann findet man sich zwischen all den Textzeilen wieder, als kleines unbedeutendes Nichts. Spätestens dann glaubt man an den Krieg den der namenlose Protagonist prophezeit und man fühlt sich hilflos gegenüber seiner eigenen Inkompetenz.
Der Autor durchbricht das häufige und stete Bla Bla Bla der Gegenwartsliteratur mit Texten, die so scharf formuliert sind, dass sie aufschlitzen und das Innerste herausquellen lassen. Nicht von leichtem Inhalt, aber federleicht zu lesen. Es ist fast so als kriechen die Worte und Sätze von selbst in einen hinein und setzen sich wie ein Virus fest, um noch Tage später ihre Bilder im Gehirn zu verteilen.

Mein Fazit: „Wie schön alles begann und wie traurig alles endet“ gehört für mich zum wertvollsten, das ich in letzter Zeit, wenn nicht gar überhaupt, gelesen habe. Danke!

Ganz ehrlich: Ich bin ein wenig neidisch auf Dirk Bernemann. Der Mann ist ein Jahr jünger als ich und schreibt auf einem Niveau, dass ich niemals erreichen werde, selbst wenn ich die nächsten fünfzig Jahre jeden Tag wie eine Besessene an mir arbeiten würde. Wenn ich könnte, würde ich ihn für den Literaturnobelpreis nominieren, aber ich glaube, das wäre dem genialen Autor nicht Punk genug. Dafür verlinke ich hier seinen Blog.

„Wie schön alles begann und wie traurig alles endet“ erschien im Feburar 2015 im Unsichtbar Verlag und ist auf allen E-Book Plattformen und im Buchhandel erhältlich.