Punkrock-Wundertüte

56!

Genauso viele Kurzgeschichten beinhaltet der Sammelband, der den etwas langweiligen Namen »Punk Stories« trägt. Ich habe in den vergangenen Monaten immer mal wieder darin gelesen. Allen Geschichten ist eines gemeinsam, jeder Autor stellt eine bekannte Punkrockband in den Mittelpunkt. Mal schwelgen die Autoren in Nostalgie, mal erzählen sie dokumentierte Begebenheiten und mal auch erdachte Geschichten, jeder in seinem Stil und jeder anders. Manches gefiel mir gut, mit anderem konnte ich weniger anfangen. Am besten im Gedächtnis blieb mir die Kurzgeschichte, welche »Die Kassierer« in den Mittelpunkt stellte.  Darin ging es um Außerirdische, die im Ruhrgebiet Unterschlupf suchen. Das war so richtig Punk.

Auch wenn ich das Buch mehr aus Recherchegründen las, unterhaltsam war die Lektüre allemal. Vor allem muss man diesen Kurzgeschichtenband nicht am Stück lesen, sondern kann immer wieder darin herumschmöckern. Und nebenbei noch ein Stück Punkrockgeschichte erleben, geschrieben von deutschen Autoren, die irgendwann mal Punks waren oder noch heute sind. Darunter so bekannte Namen wie Anne Hahn, Jan Off und Arne Rautenberg. Nur den Namen Klaus N. Frick habe ich in der illustren Runde vermisst.

»Punk Stories« erschien schon 2011 bei LangenMüller und ist auch als E-Book erhältlich.

Thriller zum Kirchentag

Quelle: Amazon

Das Buch fiel mir buchstäblich in die Hände. Es rutschte vom Stapel mit den Remittenden. Da ich Kathrin Lange von den Schreibseminaren an der Bundesakademie in Wolfenbüttel kenne, freute ich mich und nahm es gleich mit.

Die Autorin ist ein strenge aber sachverständige Dozentin. Vor allem ihre Tipps zum Plotten von Geschichten sind bei den Seminarteilnehmern sehr beliebt. Aber auch sonst kann Kathrin Lange durch hohe fachliche Kompetenz und große Begeisterungsfähigkeit punkten. Kein Wunder das ihr Roman »40 Stunden« das Spannendste war, was ich seit langem gelesen habe.

Wie schon oft gesagt, habe ich mit Krimis nicht viel am Hut. »40 Stunden« trägt zwar die Bezeichnung Thriller, ist aber vor allem ein richtiger Kriminalroman. Und zwar einer mit vielen Bezügen zu Religion und religiösem Fanatismus.

Zum Inhalt: Faris Iskander suspendierter Kriminalbeamter der Sondereinheit SERV (zur Aufklärung religiös motivierter Straftaten) wird von einem Bombenleger kontaktiert und in ein Attentat verwickelt. Der Attentäter gibt Faris und seinen Kollegen 40 Stunden, um einen Mann zu finden, der an ein Kreuz genagelt und an einen Herzmonitor angeschlossen wurde. Wenn der Mann am Kreuz stirbt, geht irgendwo in Berlin eine Bombe hoch. Das fatale, die Stadt ist voller Pilger, die zum Kirchentag und Papstbesuch angereist sind.

Die ersten drei Kapitel haben es in sich. Getreu dem Motto: »Beginne mit dem Weltuntergang und steigere dich allmählich« schreckt die Autorin nicht vor drastischen Bildern zurück. Ich gebe zu, dass ich eine Weile überlegt habe, dass Buch wieder ins Regal zu stellen. Denn für mein schwaches Gemüt war das zu hart. Doch die Geschichte war zu spannend, als dass ich einfach aufhören konnte und so hielt ich bis zum Ende durch.

Vom Spannungsaufbau über die recherchierten Informationen, bis hin zum Stil, in diesem Roman sitzt eigentlich alles. Kathrin Lange ist Profi und das merkt man an jeder Zeile, ja, an jedem Wort. Besonders gut gefiel mir die Charakterisierung von Faris, dem Helden mit Ecken und Kanten, dessen tiefsitzende Verzweiflung mich sehr gerührt hat. Angehende Krimi-Autoren sollten den Roman unbedingt gelesen haben, um zu verstehen, wie man eine spannende Handlung entwickelt, die den Charakteren genug Raum lässt, sich zu entfalten. Wie man gekonnt Gefühle auf den Leser transportiert und recherchierte Fakten glaubhaft in eine Geschichte einbindet.

Das Einzige was mich etwas enttäuschte, ist die Tatsache, dass ich relativ früh ahnte, wer der Attentäter ist. Weil ich Texte meist sehr aufmerksam lese und mir leicht Details einprägen kann, kam mir die Fähigkeit dieses Mal in die Quere. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum ich keine Krimis mag.

Fazit: Wer auf Krimis und Thriller steht, der sollte bei diesem Buch unbedingt zugreifen. Der Roman erschien 2014 bei blanvalet. Inzwischen sind drei weitere Geschichten mit dem charismatischen Faris Iskander erhältlich.

Und wer mehr über die Autorin erfahren will, den empfehle ich Kathrin Langes Homepage. Und wer sie mal als Dozentin erleben möchte, sollte sich für ein Seminar zum phantastischen Roman in Wolfenbüttel anmelden. Ich kann nur sagen, dass mich das als Hobbyautorin ein großes Stück voran gebracht hat.

Freigepaddelt

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 151 – »Werkstatt im Weltraum« von Arno Endler

In seinem zweiten Beitrag zu PERRY RHODAN NEO legt Arno Endler einen solide erzählten Roman vor. Er arbeitet das Exposé stringent ab, aufgelockert durch mal mehr oder weniger witzige Passagen. Seine Charakterisierung der Paddler finde ich durchaus gelungen. Sie erinnern mich (als Star Trek Fan) an eine Mischung aus Denobulanern und Ferengi. Einerseits sexuell sehr offen, andererseits verschlagene Geschäftemacher. Ihre Fähigkeit, mit Händen und Kopf feste Materie zu durchdringen, macht sie nicht nur zu etwas einzigartigem, sondern führt auch zu einigen witzigen Situationen.

Arno Endler beleuchtet in seiner Geschichte mehr die Beziehungen zwischen den Figuren der Serie. So greift er die Beziehung zwischen Tani Hanafe und Tim Schablonski aus der Posbi-Staffel wieder auf. Ebenfalls erfährt man, wie es Christopher Lente und seinem Partner ergangen ist. Charaktere, die der Autor in seinem vorhergehenden NEO Band 137 – »Schlacht um die Sonne« vorstellte. Das alles ist nett geschrieben, ich fürchte jedoch, dass einige NEO-Leser damit nichts anfangen können, weil sie eher an spannender SF interessiert sind. Interessant fand ich, dass der Autor Rhodans schlechtes Gewissen anspricht. Der Protektor macht sich Gedanken, dass er die Menschheit verloren hat. Aus meiner Sicht hat er sie nicht nur verloren, er hat er sie im Stich gelassen, als er nach Andromeda aufgebrochen ist.

Ein paar Ungereimtheiten fielen mir vor allem im zweiten Teil des Romans auf. Als Rhodan, Sitareh, Rainbow und Chefingenieur Schablonski sowie Kalak und einer Paddlerin mit einem Paddler-Schiff in ein nahegelegenes System aufbrechen, um Ersatzteile und Material zu besorgen. Ich glaube nicht, dass Perry Rhodan so unvorsichtig ist, dass er auf einem fremden Planeten eine unbekannte Frucht isst, ohne sich vorher zu versichern, ob sie überhaupt für seinen Metabolismus verträglich ist. Er vergiftet sich trotz Zellaktivator! Es grenzt schon an fahrlässige Dummheit, so etwas zu tun. Das hätte mit jeder anderen Figur funktioniert, aber nicht mit Perry Rhodan. Ohnehin werden die Menschen als ein bisschen zu vertrauenswürdig gegenüber den Paddlern dargestellt. Sie spüren, dass die Paddler ihnen etwas verschweigen und tun dennoch nichts dagegen. Zumindest hätte man Luan Perparim nicht nur auf die Schriftsprache der Paddler, sondern vor allem auf ihre Zeichensprache ansetzen müssen. Das die Paddler ohne zu Zögern Sascha Fuszienowicz erschießen, passt wiederum nicht zu ihrem Wesen. Sie sind verschlagen, aber sie sind keine Killer. Das sagt die Sippenmutter am Ende ja selbst. Außerdem hätte ein Betäubungsschuss sicher auch genügt.

Arno Endler gibt sich große Mühe eine ansprechende Geschichte zu erzählen – der rote Faden ist erkennbar – aber einiges passt dann doch nicht zusammen. Weshalb ist die MAGELLAN sowohl den Schiffen der Aachaonen, als auch der Thetiser waffentechnisch so überlegen? Das ging viel zu leicht, vor allem weil das Schiff noch ein Prototyp ist und die Mannschaft gerade erst beginnt sich einzuspielen. Warum greift Gucky nicht schneller ein, als Tani Hanafe auf der KA-Preiswert in Gefahr gerät? So sieht es aus, als bräuchte er dazu Rhodans Erlaubnis, was den Mausbiber bisher noch nie gestört hat. An der Stelle hätte es einer zusätzliche Erklärung bedurft.

Stilistisch ist »Werkstatt im Weltraum« der deutlich bessere Roman der beiden NEOs von Arno Endler. Aber auch hier störten mich die vielen kurzen Kapitel und die dadurch etwas zerpflückte Handlung. Dabei hätte er einige der Kapitel gut zusammenfassen können. Der Autor versucht dadurch mehr Spannung in den Roman zu bringen, erreicht dies meiner Meinung nach aber nicht, weil die Spannungsbögen zu kurz sind, um zu fesseln. Im Gegenteil, die kurzen Abschnitte laden regelrecht dazu ein, das Buch aus der Hand zu legen. Anfangs stolperte ich zudem über seltsame Wortschöpfungen wie Kubikmeterwürfel und Arbeitsdrillich, dass ließ dann im Laufe des Romans jedoch nach.

An dieser Stelle noch ein großes Lob an Dirk Schulz für das starke Cover. Es reiht sich in die Liste meiner Lieblingscover ganz vorn ein.

Mein Fazit: »Werkstatt im Weltraum« ist ein solide geschriebener Roman ohne herausragende Besonderheiten, der vor allem von der Charakterisierung der Paddler und den Beziehungsproblemen der Nebendarsteller lebt. Der Autor will dem Leser das Abenteuer aus der Sicht der unteren Ränge zeigen und das ist keine so schlechte Herangehensweise. Durchaus lesenswert.

Über das Universum hinaus

Quelle: Amazon
Quelle: Amazon

Da ich ja, was das Schreiben angeht, momentan etwas eingeschränkt bin – tippen mit der linken Hand ist echt mühsam – komme ich endlich dazu, meinen Lesestapel abzuarbeiten.

So habe ich in den vergangenen vier Tagen zwei Bücher gelesen. Zwei völlig unterschiedliche Geschichten, die doch eine gemeinsame Ebene haben. In Neil Gaimans »Der Ozean am Ende der Straße« wie auch in Andreas Eschbachs »Teufelsgold« geht es um ein übergeordnetes Universum, quasi einen Raum, der unser Universum enthält.
Während Gaiman aus der Sicht eines Kindes erzählt und dabei eine Welt voller fantastischer Elemente beschreibt, erzählt Andreas Eschbach eher aus der Realität eines Normalbürgers, der sich in der Welt der Finanzen bewegt und mit alchimistischen Lehren konfrontiert wird.

»Der Ozean am Ende der Straße« überrascht vor allem dadurch, dass er zwar von einem Kind erzählt wird, aber nicht für Kinder geschrieben ist. Die Beschreibung des Jungen lassen sich nur mit den Erfahrungen eines Erwachsenen richtig deuten. Besonders gut vermag der Autor dabei eine phantastische Welt voller Hexen und Ungeheuer darzustellen, aber sie nicht als solche zu benennen. Das Besondere an den Figuren liegt darin begründet, dass sie weder gut noch böse sind. Selbst das Böse, so wird dem Leser bewusst, tut nur, was in seiner Natur liegt. Und so erfährt der Junge auf mitunter erschreckende Weise, dass es eine Realität hinter unserer Realität gibt, einen Ozean der unterhalb unseres Universums liegt. Wenn man in ihn eintaucht, man alles Wissen der Welt erlangen kann. Gaimans Theorie über ein Universum außerhalb unseres Universums, das alle anderen Universen miteinander verbindet, ist auch die Gemeinsamkeit zur Geschichte von Andreas Eschbach.

In Eschbachs Werk kommt das Phantastische erst sehr spät zum Tragen. Und auch hier ist es ein übergeordnetes Universum, in das die Protagonisten mittels des Steins der Weisen übersetzen wollen, um Vollkommenheit zu erlangen. Davor steht aber ein langer Weg, auf dem ich viel über Alchimismus, die nuklearphysikalische Herstellung von Gold, Investmentstrategien und die Denkweise moderner Alchimisten erfahren habe. Das alles durch die Augen eines einzelnen Protagonisten gesehen, der sich durch seine Arbeit als Finanzberater und durch die Beschäftigung mit dem Alchimismus immer tiefer in ein Gespinst aus Täuschungen und Lügen verstrickt, das seinen Charakter zum Negativen verändert. Eschbach garniert die, in der Gegenwart spielende Geschichte, durch Auszüge aus fiktiven mittelalterlichen Schriften, die der Protagonist liest. Diese »Aufzeichnungen« aus dem Mittelalter, in der Erzählweise von Märchen und Sagen verfasst, lockern den Roman auf und machen aus ihm nicht nur Gegenwartsliteratur, sondern auch einen historischen Roman. Als Thriller, wie auf dem Cover angegeben, würde ich die Geschichte aber nicht bezeichnen.

Stilistisch haben mich beide Romane überzeugt, jeder auf seine Weise. Neil Gaimans Geschichte zeichnet sich durch eine sehr simple und gerade deshalb auch poetische Sprache aus. Während es bei Andreas Eschbach vor allem die Passagen aus dem Mittelalter sind, die ich originell fand, weil sie im Stile der jeweiligen Epoche verfasst wurden. Weil ich inzwischen jedes Buch, dass ich lese, mit meinen Erkenntnissen aus diversen Schreibseminaren und -ratgebern vergleiche, fiel mir folgendes besonders auf: während Gaiman mit Adjektiven geradezu verschwenderisch um sich wirft, verwendet Eschbach sie mit mehr Bedacht. Beides hat seinen Reiz und ich verstehe immer noch nicht ganz, warum man Adjektive so verteufelt.

Mein Fazit: Ich kann beide Bücher nur weiterempfehlen, obwohl ich sie nicht der Science Fiction zuordnen würde. Das eine ist mehr Fantasy, das andere eher Belletristik. Sie sind spannend geschrieben und lassen den Leser in faszinierende Welten eintauchen, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Andreas Eschbachs »Teufelsgold« vermittelt zudem sehr gut recherchiertes Wissen.

(Dieser Blogeintrag entstand unter zu Hilfenahme der App »Dragon Dictation«.)

Sprung ins Ungewisse

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 150 – »Sprung nach Andromeda« von Rüdiger Schäfer

Es bereitet mir Schwierigkeiten den Roman richtig einzuordnen. Eigentlich sollte es der Abschluss der METEORA-Staffel sein, doch dazu vermisse ich auf dem Cover den Hinweis zur laufenden Staffel. Zu einem richtigen Einstiegsband gehört eben ein Staffelanfang und eine runde Zahl auf dem Umschlag. Daher ist der Roman wohl irgendetwas dazwischen und so liest er sich meiner Meinung nach auch. Er ist »weder Fisch noch Fleisch«, wie man so schön sagt. Und das meine ich, obwohl ich Rüdiger Schäfers Romane bisher immer zu schätzen wusste. Nicht das der Roman schlecht geschrieben wäre, nein, im Gegenteil. Doch dieses Mal vermag der Autor trotz seines angenehmen Schreibstils bei mir keine Begeisterung auslösen, dafür gefällt mir die Richtung nicht, in die sich die Serie entwickelt.

Zirka drei Jahre nach der Evakuierung der Erde arbeiten die verbliebenen 60 Millionen Menschen im Sonnensystem – die jetzt auf dem Mars leben, weil die Erde unbewohnbar ist – am Bau eines Explorerschiffes. Ohne Frage, es ist ein großartiges Schiff und in die Beschreibungen sind sehr viele gute Ideen geflossen. Die MAGELLAN soll dazu dienen, um zur Nachbargalaxie Andromeda aufzubrechen. An Bord 8000 ausgesuchte Wissenschaftler, Techniker und Mutanten um in Andromeda … Ja, was eigentlich? Wozu bricht dieses Schiff auf? Nur weil der Protektor Perry Rhodan von dunklen Ahnungen heimgesucht wird, davon dass sich in Andromeda Unheil zusammenbraut, welches die Milchstrasse heimsuchen könnte? Ach, tatsächlich! Das wäre in etwa so, wie wenn Angela Merkel die Mobilmachung gegen die USA ausruft, weil sie schlecht geträumt hat (vielleicht sogar von Donald Trump). Auf der anderen Seite ist das Memeterschiff plus drei Begleitkorvetten mit 11 Milliarden Menschen in den Tiefen des Raums verschwunden, ohne das einer der Verbliebenen weiß wohin. Wäre es da nicht meine allererste Aufgabe als Protektor der Menschheit aufzubrechen und sie zu suchen? Perry Rhodan betont immer wieder seine moralische Integrität. Aber das Leben von 11 Milliarden Menschen scheint ihm weniger wichtig, als die angebliche Bedrohung aus Andromeda. Da hätte ich mir vom Autor etwas handfesteres gewünscht als nur Ahnungen. Vielleicht eine Botschaft von ES oder ein aufgefangener Hyperkomspruch, irgendetwas, das physikalisch beweist, dass da tatsächlich etwas dran ist.

Reden wir jetzt nicht davon, wie es den wenigen Menschen im Sonnensystem gelingen konnte, innerhalb von drei Jahren einen 2.400 Meter durchessenden Kugelraumer zu bauen und außerdem noch einen neuartigen Antrieb zu entwickeln. Da in der Vergangenheit bei NEO solche Entwicklungen immer sehr schnell vorangetrieben wurden, kann ich diese Tatsache inzwischen verschmerzen. Aber den Abflug des Schiffes so zu forcieren, dass man im Grunde mit einem nur unzureichend getesteten Prototypen aufbricht … Nein, dazu hätte es deutlich mehr an Argumentation gebraucht.

Nach den Start nutzt die MAGELLAN zu den herkömmliche Transitionen zunächst die Sonnentransmitter, deren Koordinaten und Zugangsrechte man einst von den Posbis bekommen hatte. Erst tief im Leerraum kann der neue LTG-Antrieb (Langstrecken-Transientengleiter) aktiviert werden, mit dem man Sprünge von bis zu 1600 Lichtjahren zurücklegen kann. Dazu muss man das Schiff auf 95 Prozent Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, was etwa eine halbe Stunde dauert und mit dem neuen Feldantrieb sehr energiesparend vonstatten gehen soll. Nach dem Sprung kann sofort wieder beschleunigt werden, was zu einem Aktionsradius von 76.800 Lichtjahren pro Tag führt. Hoffentlich hat der Feldantrieb auch einen Kompensator für relativistische Effekte, denn ohne wird Perry Rhodan sein blaues Wunder erleben, sollte er irgendwann mal wieder zur Erde zurückkommen. Der Fehler der mich schon in der damaligen EA geärgert hat – fliegen mit fast Lichtgeschwindigkeit – wird nun in NEO munter fortgeführt, ohne das es hinreichend erklärt, oder irgendwie angesprochen wurde. Das sollte einem so erfahrenen Autor wie Rüdiger Schäfer nicht passieren.

In den Wochen nach dem ersten Einsatz kommt es zu vereinzelten Sichtungen von Spinnen auf dem Raumschiff. Diese vermehren sich rasant und wachsen innerhalb von Tagen zu richtigen Monstern heran. Die Kapitel sind spannend und gruselig, unteranderem weil sie aus der Sicht eines einfachen Technikers geschrieben sind. Ich empfehle sie nicht als Lektüre vor dem Einschlafen, da ich selbst mitten in der Nacht aufwachte und erschrocken um mich schlug, weil ich etwas im Gesicht gespürt habe. Wahrscheinlich war es nur ein verirrtes Haar. Das Szenario an Bord der MAGELLAN erinnert fast zu sehr an einschlägige Gruselfilme und die Hinweise, die der Autor auslegt, lassen sehr früh den wahren Grunde der Spinneninvasion erahnen. Die letztendliche Erklärung wäre ein Knüller, hätte man sie nicht in der Handlungen der vergangenen beiden Staffeln überstrapaziert. Eine durch Strahlung verursachte Manipulation des menschlichen Gehirns ist beim dritten Mal einfach nicht mehr originell, egal wie glaubhaft es erklärt wird.

Am Ende schafft es die MAGELLAN, wenn auch beschädigt, den Abgrund zwischen den Galaxien zu überwinden. Gerade als sich alle fragen, wie sie die Schäden am Schiff reparieren können, welche die Mannschaft auf der Jagd nach den Spinnen selbst verursacht hat, ereilt ein Hilferuf die MAGELLAN. Es ist kein Geringerer als der Paddler Kalak von der KA-preiswert. Ich hatte gehofft, dass mir dieses peinliche Kapitel aus dem MdI-Zyklus erspart bleibt, leider ist dem wohl nicht so.

Ich bin unsicher, was ich von diesem Jubiläumsband halten soll. Einerseits ist er sehr schön geschrieben, hält große persönlichen Momente für Perry Rhodan & Co bereit und vermittelt eine Aufbruchstimmung, die man in den vergangenen Romanen vermisst hat. Andererseits fehlt mir ein wenig der Hintergrund zum »Warum« und den allgemeinen Umständen nach der Evakuierung. So habe ich trotz der Aufbruchstimmung eher das Gefühl, etwas Unerledigtes zurückzulassen. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass eine der nächsten Staffeln den Titel »Suche nach der Menschheit« tragen wird.

Selbstverständlich möchte man mit Band 150 neue Leser anlocken. Aber muss man dafür wirklich die Stammleser vor den Kopf schlagen? Ich bin der Meinung, dass NEO seit Band 149 nicht mehr die Serie ist, die sie war. Und ich kann nachvollziehen, wenn es Leser gibt, die ihr den Rücken kehren. Das hätte ich als normaler Leser vielleicht auch getan, als Rezensent bleibt mir jedoch nur, dass Geschehene zu akzeptieren und mich dem Ungewissen bei PERRY RHODAN NEO zu stellen.

Geduldsprobe beim Bücherkauf

Alle schimpfen über Amazon. Aber für jemanden wie mich, der auf dem Land wohnt (heute mehr, als noch vor ein paar Monaten), dem bleibt im Grunde nicht viel übrig als online einzukaufen. Ganz einfach, weil es keinen richtigen Buchladen im Ort gibt. Es existiert nur so eine Art »Gemischtwarenladen« mit Spielzeug, Schreibwaren und ein paar Bestsellern und Kinderbüchern. Weil ich nicht nur dem Branchenriesen mein Geld in den Rachen werfen will, bestelle ich halt öfter auch mal bei anderen Online-Händlern oder gleich auf der Antiquariatplattform Booklooker. Ein Händler, bei dem ich schon sehr lange Kunde bin, ist Jokers – das ist ein Ableger von Weltbild. Bei denen habe ich schon Bücher gekauft, als Amazon auf dem deutschen Markt noch nicht so präsent war.

Bei Jokers war Bücher kaufen einfach. Man bekam einen schicken Katalog, bestellte telefonisch oder mit Postkarte und bekam eine Woche später seine bestellten Bücher. In den vergangenen Jahren hatte Weltbild immer mal wieder mit Insolvenzen zu kämpfen, aber Jokers blieb all die Zeit über bestehen. Noch heute bekomme ich regelmäßig einen Katalog, und weil sich inzwischen der Verkauf auch ins Internet verlagert hat, auch jeden Tag einen Newsletter mit Buchangeboten.

Hin und wieder finde ich dort ein interessantes Buch oder auch mehrere und bestelle sie dann online. Anfangs hat das auch alles gut geklappt, doch in den vergangenen Jahren ließ die Zuverlässigkeit zu wünschen übrig. Besonders ärgerte es mich, wenn ich meine drei bestellten Bücher in drei separaten Lieferungen bekommen habe. Einmal bekam ich eine Lieferung, die ich gar nicht bestellt hatte. Da klebte der Zettel mit meiner Adresse auf dem Paket, aber der Inhalt und die beilegende Rechnung war für jemand anderen. Und ich hatte auch stets das Gefühl, dass es immer länger dauerte, bis mich meine bestellten Bücher erreichten.

Bei meinen aktuellen Bestellungen frage ich mich allerdings, was da los ist:

Am 28.4. bestellte ich drei Bücher. Zwei davon bekam ich in der ersten Maiwoche auch geliefert. Im Paket befand sich nur der Lieferschein über die zwei Bücher, aber keine Rechnung, die sollte ich später online bekommen. Ich wartete. Am 8.5. bekam ich eine E-Mail, in der ich um Geduld gebeten wurde, weil sich die Lieferung noch verzögert. Am 17.5. kam die Rechnung über die drei Bücher. Weil ich das eine davon immer noch nicht bekommen hatte, bezahlte ich erst einmal nicht. Am 31.5. kam dann die Lieferankündigung mit DHL-Link über die drei Bücher, die ich bestellt hatte. Da fragte ich mich, ob die nochmal alle drei Bücher verschicken würden. Nun waren wir zu dem Zeitpunkt im Urlaub und weil ich schon mal schlechte Erfahrungen gemacht habe, lasse mir die Lieferung von Jokers immer zu meinen Eltern nach Thüringen schicken. Ich klickte auch nicht auf den Link in der E-Mail. Weil ich das grundsätzlich nicht mache und weil ich annahm, dass das alles seine Richtigkeit haben wird. Aus dem Urlaub zurück, beschlich mich das schlechte Gewissen und ich bezahlte endlich die Rechnung. Und bestellte auch gleich drei neue Bücher. Als ich dann zu meinen Eltern fuhr: Ernüchterung! Das fehlende Buch war nicht gekommen. Ich gab die Sendungsnummer bei DHL ein – Unbekannt. Das hieß, die von Jokers hatten die Lieferung niemals abgeschickt. Also versuchte ich den Kundenservice anzurufen: drei Mal vergebliches Warten in der Warteschleife (nach 15 Minuten war meine Geduld am Ende).

Am 8.6. irgendwann kurz vor 22 Uhr hatte ich dann jemanden am Telefon. Die Mitarbeiterin war selbst etwas verwirrt über das Chaos in meinen Bestelldaten und meinte, dass die Lieferung des fehlenden Buches wohl erst am 7.6. rausgegangen wäre. Sicher war sie sich aber nicht, und ich sollte doch in einer Woche nochmal anrufen, wenn bis dann nichts gekommen ist. Ich fragte, was mit meiner zweiten Bestellung wäre, die ich am 2.6. aufgegeben hatte. Sie meinte, dass sich die Lieferung noch um zwei Wochen verzögern könnte, weil das Lager umzieht. Oha, drei Wochen Lieferzeit für drei Bücher? Interessant! Zum Glück, hatte ich keine Geburtstagsgeschenke bestellt. Am 12.6. bekam ich wieder die obligatorische Entschuldigungs-Mail, dass sich die Lieferung verzögert. Ich sollte doch Geduld haben. Am 17.6. bekam ich die Versandankündigung für die zweite Bestellung. Wenige Minuten zuvor hatten mich aber bereits meine Eltern darüber informiert, dass ein Paket gekommen ist. Ich bat sie, es auszupacken. Es war die zweite Bestellung, aber nicht das fehlende Buch. Besonders spannend fand ich aber die Rechnung, die dem Paket beilag und auf der stand, dass diese Rechnung bis zum 16.6. bezahlt werden müsste. Das war aber gar nicht möglich, weil das Paket erst am 17.6. eingetroffen war. Am Samstag rief ich dann zum zweiten Mal den Kundenservice an (kostet übrigens jedesmal 20 Cent aus dem Festnetz und 60 Cent aus dem Mobilfunknetz). Irritierenderweise hatte ich sofort jemanden am Apparat. Es stellte sich heraus, dass das Computersystem ausgefallen ist und sie derzeit keine Vorgänge bearbeiten können. Ich sollte es nochmal in zwei Stunden versuchen. Zwei Stunden später … Richtig, da kam ich wieder nicht durch.

Heute morgen zwei Minuten nach Sieben Uhr der nächste Versuch. Ich kam tatsächlich durch. Nur wollte die Bearbeiterin alles mögliche von mir wissen, bevor sie überhaupt auf mein Anliegen einging. Sie fragte mich, ob ich einen Hund hätte und ob sie mir ein Miniabo für den STERN schenken können und wie es bei mir mit einer Zahnzusatzversicherung aussieht.

HALLO! Ich wollte doch nur wissen, wo das Buch bleibt, dass ich vor fast acht Wochen bestellt und auch schon bezahlt habe.

Das Buch wäre noch lieferbar, sie könne es ja nochmal für mich bestellen, wenn ich wollte.

JA, verdammt nochmal, ICH WILL!

Es könne aber etwas dauern, weil es ja wegen dem Umzug derzeit zu Verzögerungen kommt …

Grrr! Ganz ehrlich, wenn ich wieder ein Buch brauche, dann bestelle ich das demnächst bei Amazon. Dann ist es meist in zwei oder drei Tagen da und ich bezahle nicht mal Versandkosten. (Bei Jokers sind Bestellungen erst ab 20 EUR versandkostenfrei.) Außerdem bleibt mir das ganze HickHack mit dem Kundenservice erspart.

Wenn ich bedenke, dass ich jetzt mehr als acht, vielleicht neun Wochen auf ein Buch warten musste … in der Zwischenzeit hätte ich es längst gelesen oder vielleicht sogar geschrieben.

Nachtrag: Gerade eben kam eine E-Mail, dass das bestellte Buch restlos ausverkauft ist und nicht nachgeliefert werden kann. Sehr schön!

Sehnsucht und Begierde im Weltraum

Quelle: Amazon

Warum ich als heterosexuelle Frau die Schwulen-Comics von Ralf König so toll finde, kann ich mir eigentlich nicht erklären. Es ist aber so. Die etwas schnoddrigen Zeichnungen und die anzüglichen Texte sind genau das Richtige für mein versautes Gemüt. Wobei ich glaube, dass sich die Probleme von Schwulen sich nicht so sehr von den Problemen heterosexueller Menschen unterscheiden. Da steht Konrad zum Beispiel in der Schlange an der Kinokasse und fragt sich, wann die Leute vor ihm endlich mit ihren Nachos versorgt sind und warum sie sich eigentlich nicht gleich eine volle Mahlzeit mit ins Kino nehmen. Ich frage mich auch immer, warum man im Kino unbedingt etwas zu Essen braucht. In meiner Kindheit war das Essen und Trinken in Kinosälen nämlich strengstens untersagt.

Protagonist von Raumstation Sehnsucht ist Paul, der einen Roman über den schwulen Weltraumhelden Barry Hoden schreibt. In der Geschichte geht es eigentlich nur um Sexfantasien mit behaarten Kerlen und einen geilen weiblichen Androiden. Während die Szenen auf dem Raumschiff meist als Text geschrieben sind, spielt sich drumrum das Leben von Paul als Comic gezeichnet ab. Der soll nämlich im Auftrag seiner Mutter seine hochschwangere Schwester besuchen, die mit einem Polen verheiratet ist. Dumm nur, dass der genau ins Beuteschema von Paul passt. Andererseits erliegt Pauls Lebenspartner Konrad daheimgeblieben dem Charme seines rumänischen Klavierschülers Anton und dessen Sammlung antiker Likörgläser.

Das klingt jetzt alles ziemlich verwirrend, ist es aber nicht. Es fügt sich alles wie selbstverständlich zusammen und wird in Pauls Erzählung gespiegelt. Da tauchen die Menschen aus seinem Leben als Figuren in seinem Roman wieder auf. Das alles wird mit anzüglichen, teils derben Sprüchen kommentiert. Die Dialoge und Zeichnungen sind nur bedingt jugendfrei. Wem sowas gefällt, dem wird die Lektüre des Buches so richtig viel Spaß machen. Wer eher Probleme mit so viel Freizügigkeit hat, dem sei es nicht empfohlen. Es gibt übrigens eine Fortsetzung, die ich bereits hier besprochen habe.

Das einzige was ich monieren kann, ist, das man den mit Hand geschriebenen Text in den Comics manchmal schwer entziffern kann.

Verschollen auf Lemuria

Quelle: Perrypedia

Es hat nicht ganz so lange gedauert, wie beim Silberband zuvor, bis ich den Roman mit der Nummer 28 durch hatte. Das lag vor allem daran, dass die Geschichte durchaus interessante Wendungen hatte. Hier fügen sich erstmals im MdI-Zyklus die Puzzelsteine zu einem erkennbaren Bild zusammen. Die Andeutungen werden klar und die Meister der Insel bekommen endlich ein Gesicht.

Rhodan strandet mit der CREST III 52.000 Jahre in der Vergangenheit der Milchstraße. Schon allein das mag zu Zeiten, als die Heftromane erschienen, eine Sensation gewesen sein. Die Fans erleben die Erde zur Zeit der Lemurer und es stellt sich heraus, dass sowohl die Tefroder, als auch die Menschen echte Nachkommen der Lemurer sind. Mit einem Unterschied, die Tefroder können sich daran erinnern, die Menschen haben dieses Wissen verloren. Ich gebe zu, dass diese Idee noch heute – 50 Jahre später – genauso genial ist, wie damals. Und ich glaube, dass die Faszination, die der MdI-Zyklus bei den meisten Fans auslöst, genau in dieser Idee begründet liegt. Es müssen genau diese Romane um die Handlung von Lemuria sein, die die Fans noch heute im Kopf haben.

»Lemuria« ist bisher der beste aller Silberbände aus dem MdI-Zyklus, weil er nicht nur diese faszinierende Idee enthält, sondern auch weil er sehr kurzweilig geschrieben ist.

Um jeden Preis

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 149 – »Preis der Freiheit« von Madeleine Puljic

Eine harte Aufgabe stellte man der jungen Autorin für ihren ersten eigenständigen NEO-Roman. Eine Aufgabe, die sie mit Bravour gelöst hat. Das Zusammenfügen der diversen Handlungsstränge gelingt ihr nicht nur mühelos, sondern auch mit Spannung und großer Tiefe.

Perry Rhodan trifft just an jenem Tag im Sonnensystem ein, an dem die Evakuierung der Menschheit durch die Memeter ansteht. Thora und Reginald Bull, sowie die terranische Regierungsspitze haben sich auf die LESLIE POUNDER zurückgezogen und hoffen, das Unfassbare noch abwenden zu können. Als METEORA im System auftaucht und sich um die Sonne legt, um den Spalt im Inneren des Sterns zu schließen, wissen die Menschen zunächst nicht, was passiert. Während Rhodan mit den Memetern verhandelt, um die Evakuierung der Erde zu verhindern, kehrt auch Atlan ins Sonnensystem zurück und attackiert die Halatiumintelligenz. Mit weitreichenden Folgen, METEORA stirbt, die Sonne zerbricht und macht das Weiterleben der Menschheit auf der Erde unmöglich. Rhodan bleibt eine letzte Option, auf das Evakuierungsangebot der Memeter einzugehen. Doch will die Menschheit überhaupt ins Paradies übersiedeln?

Es ist harter Tobak, den uns die Exprokraten in »Preis der Freiheit« präsentieren. Nicht weniger als das Ende der Menschheit droht, zumindest aber die Zerstörung der Sonne und damit auch die Lebensgrundlage jeden Lebens im Sonnensystem. Die Autorin versucht diese Konsequenzen möglichst vielschichtig auszuleuchten, doch es bleibt ihr anhand der Dichte der Handlung kaum Zeit. Es passiert alles Schlag auf Schlag, ob es Atlans Angriff gegen METEORA ist, oder Tuire Sitarehs Versuch den Arkoniden mit dem Zünden der Bujun von seinen Taten abzuhalten. Der Gedanke, Atlan als Gegenspieler auftreten zu lassen, ist überraschend, vor allem weil man kaum etwas über seine Absichten erfährt. Die Glaubwürdigkeit ist an dieser Stelle hauchdünn, da hätte man im Vorfeld mehr investieren müssen. Und sind wir ehrlich, eigentlich ist es doch Tuire der bei NEO die Position einnimmt, die Atlan in der Erstauflage inne hat.
Spannend und mit vielen originellen Details inszeniert die Autorin auch den verzweifelten Kampf von Jason Whistler zunächst gegen das Bakennetzwerk der Memeter und am Ende gegen seinen eigenen Computervirus, der dazu führt, dass einige Menschen sich gegen die notwendige Evakuierung sträuben. Die Autorin beschreibt sehr gut beide Seiten, jene, die dafür und jene die dagegen sind. Wie sie im Kampf gegen das Unvermeidliche dann doch zusammenstehen, um allen Terranern das Überleben zu ermöglichen. In diesem Prozess lösen sich die kleinkarierten Denkweisen von Nationen und Glaubensrichtungen auf und die Beteiligten handeln als gemeinsame Spezies.
Dies wurde von den Exposéautoren bewusst so ausgetüftelt, um eine spontane Einigung zu erzwingen. Ich denke, dass das tatsächlich funktionieren könnte. Dramaturgisch halte ich es jedoch für einen Fehler, weil man den Lesern nämlich genau das nimmt, was sie sich von der Serie erhoffen. Viele von uns waren gespannt, wie der Weg in eine positiven Zukunft aussehen könnte, wollten begierig die Schritte und Rückschritte der Menschen im Einigungsprozess verfolgen. Und jetzt wurde uns der Spaß einfach so genommen.
Man kann es den Expokraten nicht verdenken, dass sie den kurzen Weg gehen, den leichteren. Vielleicht auch, weil man einen solchen Prozess nicht einfach in zehn Bänden beschreiben kann. Überhaupt leidet diese Staffel auch daran, dass zwar viel erzählt, aber wenig gesagt wurde. Es fehlten definitiv weitere Romane, die sich mit den Vorkommnissen auf der Erde beschäftigen, dafür bekamen wir in aller Ausführlichkeit die Gesellschaft der Gurrads präsentiert. Ein Manko, das ich schon beim letzten Roman angeprangert hatte. Es fehlte auch mindestens ein Roman, der Atlans Verhalten erklärt und wie er zu der seltsamen Sphäre gekommen ist, die sich außerhalb der Zeit bewegt und damit nicht einmal von den Memetern angegriffen werden kann. In diesem Zusammenhang fiel auch wieder der Name Mirona Thetin. Ebenfalls ein Punkt, auf den leider nicht weiter eingegangen wird. Ich warte übrigens immer noch auf eine Erklärung aus der letzten Staffel, was aus den Daten wurde, die man aus dem Speicherkristall des Asteroiden geborgen hatte und die Mirona dort deponiert hatte. War da nicht die Rede davon, sie jemandem … zu übergeben?

Madeleine Puljic versucht all das aufzufangen und emotional zu begleiten. Ihre Charakterisierung der Figuren ist nachvollziehbar und glaubwürdig. Thoras Schuldgefühle, weil sie ihre Kinder in Sicherheit weiß, während das Schicksal Millionen anderer in Ungewissheit versinkt, oder Reginald Bull, der unter den Nachwirkungen seines Herzanfalls leidet. Beides ist mit viel Feingefühl und Herzblut geschrieben. Dafür das sie gleichermaßen die Spannung und das Tempo der Geschichte hochhalten kann, und ihr keiner der vielen Fäden aus der Hand gleitet, verdient sie meinen vollen Respekt und machte mir das Lesen dieses NEO-Romans zu einem Vergnügen. Es ist unter anderem ihr Verdienst, dass auf der letzten Seite bei mir ein paar Tränen kullerten, anstatt mich über das Ende zu ärgern.

Denn ich finde, dass sich Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm zu einfach aus der Affäre gezogen haben. Es ist immer leichter, die Entwicklung eines fremden Volkes zu beschreiben, als die des Eigenen. Wenn man nicht nur Extrapolieren will, braucht es große Visionen und geduldige Leser, die sich auch langfristig darauf einlassen wollen. Denn die Geschichte einer globalen Vereinigung erzählt sich nicht von heute auf morgen. Für mich geht mit dem Ende der Menschheit auf der Erde der Reiz verloren, der mich schon in den ersten NEO-Bänden gefesselt hatte, die Nähe zur Gegenwart. Es ist einer der Punkte, weswegen mir NEO stets wichtiger und vor allem näher war, als die EA. Jetzt bricht man zwar nach Andromeda auf, aber das interessiert mich persönlich weniger, weil ich den MdI-Zyklus der Erstauflage für völlig überschätzt halte. Viele Fans haben verklärte Erinnerungen daran. Würde sie die Romane heute lesen, ginge viel von der damaligen Faszination verloren.
Mir ist Andromeda nicht so wichtig. Ich hätte lieber mehr darüber gelesen, wie aus der Erde ein geeintes Terra entsteht und aus den Menschen Terraner werden. Die von den Exposéautoren erdachte, brachiale Methode tut mir nicht nur weh, sondern macht mich auch traurig. Denn es ist nur ein weiteres Beispiel dafür, dass wir zu großen Visionen für die Zukunft nicht mehr fähig zu sein scheinen.

Fazit: Ein fulminanter Roman von Madeleine Puljic, die gekonnt Spannung und Emotionen zu einer atemberaubenden Geschichte verwebt. »Preis der Freiheit« ist aber auch ein vorzeitiges Staffelfinale, das der Serie sehr viele ihrer Möglichkeiten nimmt. Schade eigentlich!

Im Drogenland

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 147 – »Das verfluchte Land« von Kai Hirdt

Es hat etwas gedauert, bis ich endlich den NEO von Kai Hirdt lesen konnte. Angesichts eines so spannenden Romans bereue ich es, so lange gewartet zu haben.

Der Autor beschreibt wie immer lebhaft Perry Rhodans und Tuire Sitarehs Odyssee durch Suurt. Kaum sind sie der Gravitation des braunen Zwerges entkommen, droht neues Unheil in Form eines defekten Schiffes und dessen tödlicher Drogenfracht. Drogen sind es auch, die das Grundthema der Geschichte bilden. Denn auch auf Doka, wo die Helden mit dem schrottreifen Pilgerschiff abstürzen, sind Drogenanbau und Handel an der Tagesordnung. Kai Hirdt skizziert die gesellschaftlichen Probleme, die durch die Diktatur der Autarkie auf der Bevölkerung lasten, mit viel Realitätsnähe und Einfühlungsvermögen. Man leidet als Leser mit, wenn der Gurrad Gurrenham entgegen dem Willen seiner Tochter auf der Farm 147 zum Anbau von Helmentas-Kraut und der Herstellung von Helmenkit verpflichtet wird, um seiner Familie das Überleben und der kranken Ehefrau die notwendigen Medikamente zu sichern. Da spricht auch viel Gegenwartskritik aus den Sätzen. Aber auch Rhodans und Sitarehs Flucht aus dem havarierten Pilgerschiff, ihr Versuch die Pilger vor dem Tod durch das austretende Pankit zu retten, ist so spannend geschrieben, dass man fast schon nägelkauend mitfiebert.

Erschütternd ist, dass von der Besatzung nur Vanjak und der nervige Phaliter Ostrott die Explosion der TOMOKOL AMBA überleben. Und dass nur, weil der Standortkombattant und Diebesbanden das legendäre Schiff erkannt haben und auf den Schatz spekulieren. Es stellt sich jedoch die Frage, was an dem Pankit so wertvoll ist, wenn schon eine geringe Dosis ausreicht, um das Nervensystem eines Gurrads zu schädigen und er an einer höheren Dosis innerhalb weniger Stunden stirbt. Das kann man eigentlich nicht mehr als Droge bezeichnen, dass ist vielmehr ein chemischer Kampfstoff, der der Autarkie noch größere Macht verleihen würde. Auch Rhodan ist vor dem Kontrollverlusst durch das Gift nicht gefeit. Zumindest so lange er seinen Zellaktivator nicht trägt. Zum Glück gelingt es Tuire, das Schiff zur Explosion zu bringen und damit das Pankit zu vernichten.

Was Kai Hirdt von seinen Autorenkollegen unterscheidet, ist die Lockerheit mit der er erzählt und die lebhafte Figurenzeichnung. Das fühlt sich alles verdammt echt an. Ich finde auch gut, dass er Rhodan nicht so zögerlich beschreibt. Denn in diesem Roman übertritt der Unsterbliche so einige Grenzen, vor denen andere Autoren vielleicht halt gemacht hätten. Man kann fast schon sagen, dass die beiden Protagonisten eine gewisse Skrupellosigkeit an den Tag legen, die aber aus der Situation heraus geboren und notwendig ist. Man merkt das Bemühen der Exposéautoren, Rhodan eine Entwicklung durchleben zu lassen, bei der er lernt, unbequeme Entscheidungen zu treffen. Damit tat sich der NEO-Rhodan bisher schwerer als der Rhodan der EA. Das ist ein Aspekt der mich positiv stimmt.

Es gab ohnehin nur wenige Dinge, die mir nicht gefallen haben. Zum einen war das diese ständige Zellaktivatortauscherei. Dauernd haben Tuire und dann auch Perry, Personen mit dem Zellaktivator retten müssen. So etwas hat es damals in der EA nicht gegeben, weil dort Rhodans Zellaktivator auf ihn persönlich geprägt war. Vermutlich griffen die damaligen Autoren genau deshalb zu diesem Kniff, um solche Tauscherei- und Diebstahlsgeschichten zu unterbinden. Denn dieses Hin und Her ist bei NEO in seiner Häufigkeit nervig. Genauso wie Rhodans Zaudern, den Zellaktivator endlich als einen Teil von sich zu akzeptieren. Dies ist zwar anfangs verständlich, nutzt sich aber im Laufe der Geschichte ab. So dass man dem Terraner zurufen möchte: »Nun lass das Ding doch endlich dran!«

Unbefriedigend war auch die Idee, dass sich die nervenschädigende Wirkung des Pankit durch den Einfluss von Helmenkit aufhebt. Eine Droge, die die Wirkung einer anderen Droge aufhebt, fand ich zu einfach. Da hätte ich mir dramaturgisch eine raffiniertere Lösung gewünscht, die mehr auf den Charakter bezogen wäre. So hätte Ostrott, nach dem Abklingen der Pankitvergiftung, dessen weitere Wirkung einfach vortäuschen können, um Rhodan und Sitareh in Sicherheit zu wiegen, bis er eine Chance zur Flucht erhielt. Das hätte ich dem durchtriebenen Phaliten zugetraut und man hätte sich die fadenscheinige Wunderheilung gespart.

Am Ende können Perry Rhodan, Tuire Sitareh und Vanjak, Doka in einem gekaperten Raumschiff verlassen. Bis dahin erleben sie einiges und erfahren eine Menge über die Kultur der Gurrads. An diesem Punkt bin ich etwas traurig, denn ich habe als Leser in den vergangenen Bänden so viel über die Gurrads erfahren. Den Autoren und Expokraten ist es gelungen eine faszinierende und komplexe Spezies zu präsentieren, deren gesellschaftliche Strukturen und Bräuche lebendig und überzeugend geschildert werden. Warum schafft man das nicht mit den Terranern? Ich glaube inzwischen mehr über die Gurrads zu wissen, als über die Terranische Union. Es wird Zeit, dass man auch an dieser Front wieder aktiv wird. Ich würde gern wissen, wie es auf der Erde weitergeht. Sonst könnte man als Leser glatt vergessen, wozu Rhodan eigentlich unterwegs ist. Aber dafür werde ich wohl bis Band 149 oder 150 warten müssen.

»Das verfluchte Land« gehört zu den spannendsten NEO-Romanen, die ich in den vergangenen Jahren gelesen habe. Kai Hirdt zeigt auch hier wieder sein Talent, Figuren lebensnah miteinander agieren zu lassen. Gut gemacht!