Das Dirk Bernemann zu einem der meist unterschätzten Autoren in Deutschland zählt, habe ich an dieser Stelle bereits mehrfach erwähnt. Seine Werke zeichnen sich nicht nur durch einen besonderen Stil aus, sondern vor allem durch bedrückende und extreme Bilder. Damit schafft er es das Leben, als das zu entblößen, was es ist – knallhart und kompromisslos. Dieser Tage las ich zwei seiner früheren Werke, die zwar anders sind als gewohnt, aber nicht weniger genial.
Eines davon ist der Comic »Max & Murat«. Comic ist vielleicht zu viel gesagt, es ist eine Bildergeschichte, die sich an die berühmte Geschichte von »Max & Moritz« von Wilhelm Busch anlehnt.
Dirk Bernemann tut etwas, dass Busch seinerzeit unterschlagen hat, er bindet den Hintergrund der Figuren mit ein. Und versucht auf diesem Weg, dem Leser zu vermitteln, was die beiden Kids zu ihren Taten anstachelt, die vom Anbrennen von Luxusautos, bis hin zum Drogenverkauf an Kinder reichen.
Das Heft mit gerade mal 24 Seiten ist in Versform geschrieben. Wobei die Reime nicht ganz so flüssig klingen, wie die von Busch, was aber oft an den modernen Begrifflichkeiten liegt. Die sind für Reime manchmal einfach zu sperrig.
Illustriert wurde das Heft von Phillip S. Neundorf. Die Bilder wirken wie Graffiti und unterstreichen damit, die modernen sieben Streiche von »Max & Murat«.
Das schöne an der Geschichte ist, dass Bernemann im Gegensatz zu Wilhelm Busch nicht den Finger erhebt, sondern die Lebenssituation der beiden für sich erklären lässt.
»Max & Murat« erschien 2013 im Unsichtbar Verlag und ist im Buchhandel oder bei den gängigen Onlinhändlern erhältlich. Es kostet 5 Euro, die gut investiert sind.
Seit ich 2013 angefangen habe, die Silberbände zu lesen, bin ich leider noch nicht so weit gekommen, wie ich gehofft habe. Gut, ich habe auch die Taschenbücher des Plophos-Zyklus gelesen, der bekanntlich nicht in den Silberbänden enthalten ist, aber durch manchen Silberband habe ich mich regelrecht quälen müssen. Ich denke dabei an die Bände über die Hohlwelt Horror oder über die Mobys.
Diese Woche habe ich Band 30 ausgelesen und das war mal wieder ein Silberband, der mich richtig begeistert hat. In »Bezwinger der Zeit« kehren Perry Rhodan und die Crew der Crest III aus der Vergangenheit zurück. Im Anschluss müssen sie einen geheimen Angriff der Meister der Insel auf die Erde abwehren. Das war sehr spannend.
Was mich an dem Roman aber besonders angesprochen hat, war der innenpolitische Konflikt um Perry Rhodan in seiner Rolle als Administrator. Die Heimtücke der MdI zielt darauf ab, das Solare Imperium zu destabilisieren und Rhodan politisch in Bedrängnis zu bringen. Am Ende steht sogar die Vernichtung der Erde als Ziel. Natürlich kommen Rhodan und die Terraner davon. Was sie nicht nur den Mutanten, sondern auch einigen exzentrischen Mitgliedern der Solaren Abwehr zu verdanken haben.
Amüsant fand ich die Handlungsebene um den Matten-Willy, der nichts unversucht lässt, um Perry Rhodan zu helfen. Auch wenn er dabei mehr Glück als Verstand beweist. Das war für einen Roman der EA aus dieser Zeit eine ungewöhnlich Charakterbezogene Geschichte.
Sehr schön! Wenn der nächste Silberband auch so spannend ist, schaffe ich es vielleicht doch noch meinen Mann einzuholen. Der ist nämlich schon bei Band 41.
In den vergangenen Wochen habe ich mir häufig Gedanken über Autoren im Allgemeinen und meine Schreibversuche im Besonderen gemacht. Dabei stellte ich die These auf, dass es drei Kategorien von Autoren gibt. Je nachdem, welcher Kategorie man angehört, hat man mal mehr und mal weniger Erfolg. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Menschen mit einem prominenten Namen lasse ich mal außen vor, weil deren Bücher so oder so verlegt und gekauft werden, egal wie gut oder wie schlecht sie geschrieben sind.
Nein, ich konzentriere mich auf all die namenlosen Autoren da draußen, die jeden Tag mit eigener Kraft versuchen müssen, ihre Geschichten an den Mann oder die Frau zu bringen.
Kategorie 1: Der Phantast
Diese Autor verfügt über eine ungezügelte Phantasie. Er kann sich Welten und Geschichten ausdenken, auf die kein normaler Mensch gekommen wäre. Seine Geschichten sind »bunt« und strotzen vor überraschender Ideen. Doch er scheitert oftmals an den stilistischen Regeln. Denn so blühend seine Phantasie ist, so sehr hat er Probleme sich an die allgemeinen Regel eines Textes zu halten. Seine Manuskripte werden nicht gelesen, weil sie zu viele stilistische Fehler enthalten und daher kaum lesbar sind. Da kann die Geschichte dahinter noch so genial sein, wenn die Form nicht stimmt, liest kein Lektor mehr als die erste Seite. Solch einem Autor helfen meist gute Testleser oder ein guter Freund, der bereit ist, dass Manuskript stilistisch in die richtige Form zu bringen. Dann klappt es vielleicht auch mit einer Veröffentlichung.
Kategorie 2: Der Stilist
Der Stilist ist ein Meister der Regeln. Er kennt sie alle und er weiß sie anzuwenden. Das Manuskript wird hunderte Male durchsiebt, bis jeder Makel im Text ausgebügelt worden ist. Was ihm aber fehlt, sind die brillanten Ideen. Seine Plots sind eher langweilig, zu strukturiert und wenig wendungsreich. Es fehlt ihm an der nötigen Phantasie. Er beschränkt sich zu sehr auf das »Wie schreibe ich« und weniger auf das »Was schreibe ich«. Der Stilist hat trotz perfektem Manuskriptes kaum Chancen das Wohlwollen eines Lektors oder seiner Leser zu gewinnen, noch weniger als der Phantast. Ihm bleibt die Hoffnung, die Geschichten anderer verbessern zu können.
Kategorie 3: Der Allrounder
Er vereint beide Fähigkeiten in sich und vermag sowohl stilistisch perfekt als auch mit viel Phantasie zu schreiben. Ein solcher Autor hat sich meist eine der Fähigkeiten über Jahre hinweg angeeignet, oder ist ein Naturtalent. Seine Manuskripte haben fast immer eine Chance auf Veröffentlichung, auch wenn er vielleicht ein bisschen suchen muss.
So viel zu meiner Theorie. Vielleicht ist das alles auch ganz anders.
Wer jetzt wissen möchte, zu welcher Kategorie ich mich zähle, darf drei Mal raten.
PERRY RHODAN NEO Band 191 – »Pilgerzug der Posbis« von Oliver Plaschka
Reginald Bull geht dem Notruf eines Händlerschiffes nach und entdeckt im Kuipergürtel eine erneute Manifestation von ANDROS. Einundzwanzig Posbi-Schiffe materialisieren in der Plutobahn und bitten um Einlass ins Sonnensystem. Bei den Verhandlungen mit den Positronisch-biologischen Robotern erfährt Perry Rhodan nicht nur, dass die Posbis im Leerraum durch eine Seuche dezimiert wurden. Sie sind auch auf der Suche nach der Einen, dem ersten Prototyp mit stabilisiertem Kern, von NATHAN ins Solsystem gelockt worden. Das Mondgehirn bittet Rhodan die Posbis gewähren zu lassen, die sich daraufhin bei Sedna, der Sonne und dem Mond sammeln und eine Waffe bauen, mit der ANDROS endgültig vernichtet werden soll. Tifflor und Sud gelingt es derweil John Marshall aus dem Block zu befreien, in dem er aus dem Creaversum zurückgekehrt ist.
Einen Roman von Oliver Plaschka zu lesen, ist immer wieder ein besonderes Vergnügen. Hier stimmen nicht nur die Charakterisierung der Figuren, sondern auch der gesamte Plot. Seine Texte werden aufgelockert durch witzige und gleichzeitig intelligente Bemerkungen und Dialoge, die mir regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Außerdem gibt er sich sehr viel Mühe, die astronomischen und physikalischen Gegebenheiten im Roman möglichst akkurat zu beschreiben. Das ist es, was ich unter professionellem Erzählen verstehe.
Der Roman erschien wenige Tage nach dem 6. Januar. Ich wurde irgendwie den Gedanken nicht los, dass die pilgernden Posbis eine Anspielung auf die heiligen drei Könige (die eigentlich keine Könige waren, sondern weise Männer) sein sollten. Im Roman heißen sie Hek, Mo und Cal. Konsequenterweise hätte ich sie Cas, Mel und Bal genannt. Aber das wäre wahrscheinlich zu viel des Guten gewesen.
Das Besondere an diesem Roman sind die Briefe, die Rhodans Tochter Nathalie ihrer imaginären Freundin Ansa schreibt. Der Leser erhält einen Blick in die Psyche eine Kindes, dass anders ist als seine Spielkameraden. Außerdem beschert uns der Autor das erste Kochrezept innerhalb eines NEO-Romans. Ich hätte es allerdings besser gefunden, wenn sich diese Briefe bis zum Ende des Romans durchgezogen hätten, und Nathalie in die Kommunikation mit den Posbis eingespannt worden wäre.
Sehr gut schildert der Autor die Verunsicherung der Menschen mit dem Auftauchen der Posbis, denen die Menschen an Feuerkraft nichts entgegenzusetzen haben. Man spürt wie misstrauisch Perry Rhodan und die Administration geworden sind, angesichts der wiederholten Eroberungen der Erde durch Außerirdische. Wobei nicht ganz richtig ist, wenn es heißt, dass der Absturz des Posbi-Schiffs auf dem Mond ungeklärt ist. Soweit ich mich erinnere, wurde das Schiff damals (in der MEISTER DER SONNE-Staffel) von den Menschen abgeschossen, weil sie einen Angriff vermuteten.
Ein Wermutstropfen ist die angebliche Romanze zwischen Belle McGraw und John Marshall. Die kam quasi aus dem Nichts. In den vergangenen Staffeln wurde nicht mal ansatzweise angedeutet, dass zwischen den beiden etwas läuft oder gelaufen ist. Belles Motivation hätte der Autor näher erklären müssen. Darauf komme ich aber unten nochmal zurück.
Großartig waren wie immer die Szenen zwischen Eric Leyden und seinen menschlichen Kollegen. Fesselnde Dialoge, die witzig aber nicht albern sind. Oliver Plaschka kommt damit dem großen Leyden-Interpreter Kai Hirdt sehr nahe.
Fazit: Oliver Plaschkas erster Staffeleinstieg »Pilgerzug der Posbis« ist ein absolut lesenswerter Roman, der Hoffnung auf eine spannende Abschluss-Staffel schürt.
Abends vor dem Fernseher muss ich immer irgendwas zwischen den Fingern haben. Meist häkle ich, früher habe ich oft gestickt.
Mein Mann hat mir jetzt zu Weihnachten die passende Lektüre geschenkt. Jetzt kann ich auch im Star Trek- und Star Wars-Universum handarbeitstechnisch unterwegs sein.
Die Stickmuster habe ich tatsächlich auch schon ausprobiert. Damit lassen sich Handtücher und anderes mit witzigen Star Trek-Motiven versehen.
Das Star Wars-Häkelset enthält unter anderem Anleitungen zu allen Star Wars Charakteren aus den klassischen Filmen. Allerdings entpuppt sich das Set bei näherem Betrachten als Mogelpackung. Ein riesiger Karton und kaum Inhalt. Mit der mitgelieferten Wolle kann man gerade mal zwei Figuren (Yoda und Stormtrooper) fertigen. Dabei wäre in dem Karton Platz für Wolle für mindestens die Hälfte aller Figuren. Aber nun ja, so ist das bei Merchandising-Produkten meistens viel Luft und wenig Substanz. Da ich genug Wolle im Schrank habe, versuche ich mich an Ewok Wicket. Ich werde darüber berichten.
PERRY RHODAN NEO Band 190 – »Als ANDROS kam …« von Rüdiger Schäfer
Bestien fallen ins Solsystem ein. Fünf von ihnen, darunter Masmer Tronkh machen sich auf der Suche nach Perry Rhodan auf den Weg zur Erde. Die Terranische Flotte kann sie nur im Auge behalten, aber nicht aufhalten. Derweil ballt sich innerhalb der Plutobahn, gespeist durch die Energie des Sonnenchasmas und des Sedna-Nexus ANDROS als eine Art interdimensionale Blase zusammen. Wenn es ihm gelingt, sich auszubreiten, bedeutet das nicht nur das Ende des Solsystems, sondern auch der Milchstraße und Andromeda, da er in Verbindung mit der großen Ruptur steht, der beiden Galaxien verbindet. Als sich Schiffe der Terraner ANDROS nähern, werden sie von den Bestienschiffen angegriffen, die ihn verteidigen. Die TERRANIA unter Systemadmiral Markus Everson steht kurz vor der Vernichtung, als endlich die MAGELLAN zurückkehrt und in den Kampf eingreift. Perry Rhodan hat einen Plan um Masmer Tronkh zu verjagen. Zusammen mit Gucky und Tolot fliegt er nach Terrania, wo die Bestien bereits Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt haben. Doch sein Plan scheint nicht zu funktionieren. Es kommt zur Konfrontation zwischen Gucky, Tronkh und Tolot. Kurz bevor Rhodan zu scheitern droht, kommt ihm sein Sohn Thomas mit Unterstützung von NATHAN zu Hilfe. Gemeinsam können sie die Bestien von der Erde verjagen und bis in den Kuipergürtel zurückdrängen. Damit steht ANDROS ohne Verteidigung da. Aber selbst mit allen Schiffen der Flotte könnten die Menschen nichts gegen das Geisteswesen ausrichten. Da öffnet sich plötzlich der Transfernexus auf dem Mond. Mehr als vierhundert Laurinschiffe fliegen von dort ins System ein und beschießen ANDROS mit allem was sie haben. Das Geisteswesen muss sich geschlagen aus dem Solsystem zurückziehen, genauso wie die Bestien. Rhodan weiß, dass die Laurin – die genauso schnell verschwinden, wie sie gekommen sind – den Terranern nur eine Verschnaufpause verschafft haben. ANDROS und die Bestien werden wiederkommen und zurückschlagen.
Hm!
Mit diesem Ausdruck lässt sich der Roman von Rüdiger Schäfer umschreiben. Das dem meist keine positive Kritik folgt, wissen zumindest die PERRY RHODAN-Autoren aus ihrer Erfahrung mit dem PR-Chefredakteur.
Der Roman steht systematisch für die ganze Staffel. Es sind zu viele Schauplätze, zu viele Ansatzpunkte und zu viel, was nicht richtig zusammenpasst. Es fehlt der Rote Faden, der die Geschichte zusammenhält, außer man nimmt die Zerrissenheit der Staffel als Gemeinsamkeit.
Ob man die beiden Rhodansöhne und NATHAN betrachtet oder Rhodan und sein Kampf gegen die Bestien oder ANDROS‘ Motive, all das wirkt bemüht. Man spürt, dass die Exposé-Autoren die Töpfe, die Frank Borsch in den ersten 100 Bänden geöffnet hat, mit jenen Töpfen, die sie selbst aufgemacht haben, zusammenrühren wollen. Herausgekommen ist eine, sagen wir mal, genießbare Suppe aber kein Vier-Gänge-Menü eines Sternekochs. Wenn wir schon bei Töpfen und Suppen sind.
Das Auftauchen der Laurins kommt unerwartet und wird nur unzureichend erklärt. Selbst NATHAN weiß nicht so recht, ob sie nun aus dem Creaversum kommen oder Gestrandete im Einsteinraum sind. Mit den Laurins und dem Symboflexpartner, mit dem Rhodan die Bestien verjagen kann, bedient sich der Autor gleich zwei Deus ex Machina, um die Plotverwicklungen zu lösen, in die er sich als Exposé-Autor selbst verstrickt hat.
Irritiert haben mich die beiden Handlungsstränge auf der Erde. Die am Beginn mit den Viehzüchtern aus Südaustralien und die mit dem kleinen Mädchen aus Friedrichsdorf bei Frankfurt (!). Ich habe keinen Handlungsbezug entdecken können, außer das sehr klischeehafte Aufeinandertreffen zwischen Masmer Tronkh und dem Kind, was mich an diverse Disney-Verfilmungen erinnerte. Solche Schlaglichter mögen innerhalb der Staffel hilfreich und nett sein, gehören aber meiner Meinung nach nicht in einen Abschlussband, wo in erster Linie das Finale abgehandelt werden sollte.
Antworten auf die großen Fragen des »Wie und Warum« der Allianz bleiben auch im letzten Roman der Staffel unbeantwortet. Ich bin mir immer noch nicht im Klaren darüber, welchen Grund ANDROS für die Gründung der Allianz hatte. Denn so wie es aussieht, ist sein einziges Ziel einen Zwischenraum aus Creaversum und Einsteinraum zu formen, in dem er schmerzlos existieren kann. Warum also braucht er die Allianz? Denn offensichtlich benötigt er weder die Maahks, noch die Goldenen, noch die MdI um sich im Solsystem zu manifestieren. Er braucht höchstens die Bestien, die ihn verteidigen, bis sich sein neues Zuhause etabliert hat, aber selbst das ist fraglich. Denn es bleibt unklar, wie ANDROS seine Untertanen rekrutiert und wie er mit ihnen Kontakt aufnimmt. Warum ein Jahrtausende währender Krieg mit den humanoiden Völkern, wenn es nur darum geht, sich »ein Haus zu bauen«? Nein, dieses Motiv ist mir zu schwach, zu simpel, da hätte ich mir etwas Komplexeres gewünscht.
Am Ende ist ANDROS zwar besiegt, aber nicht geschlagen. Und auch die Bestien sind noch immer eine Gefahr für die ganze Galaxis. Ihr Untergang wird bewusst hinausgezögert, damit die nächste Staffel ihren Namen tragen kann. Obwohl, wenn ich recht bedenke, die Bestien haben in den vergangenen Romanen eine größere Rolle gespielt als die Allianz.
»Als ANDROS kam …« ist ein wenig befriedigender Abschluss einer in sich zerrissenen Staffelhandlung, die von Anfang an nach einem Weg sucht und ihn bis zum Ende nicht findet. Da können auch die pseudoreligiösen Gedanken und die moralischen Grundsätze, die Rüdiger Schäfer Perry Rhodan in den Mund legt, nicht darüber hinwegtrösten. Schade!
Nachdem ich jetzt einige Comics bzw. Grafik-Novels vom Splitter-Verlag kennen und lieben gelernt habe, stand »Esmera« von Zep und Vince schon länger auf meinem Wunschzettel. Nun habe ich das schön bebilderte Werk von meinem Mann zu Weihnachten bekommen.
Bei dem Comic handelt es sich um eine pornografische Liebesgeschichte. Wobei, so richtig harte Sexszenen gibt es nicht zu sehen, dafür viel nackte Haut, große Brüste und der eine oder andere Penis. Okay, das muss man mögen. Es ist aber nicht das Wichtigste an dem Buch.
Was mir besonders gut gefallen hat, war die Geschichte hinter den Bildern. In dem Mädchen Esmera schlummert eine ungewöhnliche Gabe, die, verriete ich sie hier, potentielle Leser spoilern würde. Ich sage nur, dass sie unerwartet ist und den Verlauf der Handlung bestimmt, die von den frühen sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts bis ins Jahr 2015 reicht. Zusammen mit Esmera erlebt der Leser historische Ereignisse, wie die Studentenunruhen Ende der Sechziger, Hippies, AIDS und den Wandel der Gesellschaft vom prüden Katholizismus bis hin zur sexuellen Revolution. Das ist spannend und unterhaltsam zugleich.
Die Zeichnungen sind ausschließlich in Schwarz-Weiß, was dem Ganzen einen künstlerischen Touch verleihen soll. Mir hätte es gefallen, wenn wenigstens einige davon bunt gewesen wären. Aber auch so ist es eine schöne Geschichte, die durch die Zeichnungen an Intensität gewinnt. Ich bin mir sicher, das würde auch gut als Erotikfilm funktionieren.
»Esmera« erschien 2016 bei Splitter und ist direkt beim Verlag oder im gut sortierten Comic-Handel erhältlich.
Kim Stanley Robinsons Roman »New York 2140« ist so wie New York City selbst – polarisierend. Jeder der irgendwann einmal seinen Fuß in die Metropole an der Ostküste der USA gesetzt hat, kann bestätigen, es gibt nur zwei Zustände: entweder man hasst diese Stadt abgrundtief oder man liebt sie über alles. Dazwischen gibt es nichts. Menschen, die NYC kennen und lieben, werden der Liebeserklärung des Autors an die Stadt uneingeschränkt zustimmen. Denn der Hauptprotagonist des Romans sind nicht die Menschen, sondern die Stadt selbst.
Robinson setzt ihr mit »New York 2140« ein besonderes Denkmal. Er zeigt ein NYC in einer realistischen Zukunft als Opfer von globaler Erwärmung und Kapitalismus. Dabei schwankt der Roman stets zwischen Erzählung und Sachbuch. Seine Figuren sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können. Vom aufstrebenden Börsenmakler über zwei Computer-Hacker, einer Polizeichefin, einer Sozialarbeiterin, einem Showsternchen, bis hin zu einem Hausmeister, zwei obdachlosen Jungen und einem alten Mann. Alle leben und überleben in einer gefluteten Großstadt, kämpfen mit den Schwierigkeiten, die ein Leben in der Gezeitenzone mit sich bringt. Acht Handlungsstränge führt der Autor in acht übergreifenden Kapiteln zu einem gemeinsamen Ziel, in dem es um nichts weniger als eine Revolution geht. Es ist im Grunde eine Anleitung zu zivilem Ungehorsam. Die Unterschicht gegen die wenigen Superreichen, denen zu jener Zeit neunzig Prozent des Planeten gehören. Robinson zeigt einen Weg, wie eine solche Revolution ohne Gewalt möglich ist. Dabei spielt er den Prozess bis zu seinem Ende durch. Ich habe selten eine solch durchdachte Zukunftsvision gelesen, die trotz Katastrophen und unfähiger Politiker einen positiven Beigeschmack hat.
Kim Stanley Robinson fügt wie ein Sternekoch ausgewählte Zutaten zusammen und zaubert daraus ein Gericht, das funktioniert und den Gaumen der Leser schmeichelt. Auch wenn manch ein Handlungsstrang kürzer hätte ausfallen können, ohne das es dem Mahl geschadet hätte. Auf 811 Seiten breitet er sehr viele Informationen aus. Nicht alle sind handlungsrelavant. So verliert er sich oft in ausschweifenden Beschreibungen, mit denen New York-Unkundige vermutlich wenig anfangen können, außer sie verfolgen die Bewegungen seiner Figuren mittels GoogleMaps nach.
Schwer zu lesen sind auch oft die Dialoge, die sich nicht selten über mehrere Seiten ohne jegliche Adressierung erstrecken. Absätze im Text sind ebenso rar gesät. Wer da nicht konzentriert bleibt, gerät leicht ins Schleudern. Das Forderndste aber sind die vielen Informationen, mit denen Robinson seinen Roman spickt. Wer keine Kenntnisse über Finanzwirtschaft oder die Geschehnisse der Finanzkrise von 2008 mitbringt, wird sich schwertun. Begriffe wie Allmende werden nicht vollständig erklärt. Auch die vielen Namen aus der Vergangenheit der Stadt könnten Unkundige verwirren. Ich gestehe, wenn ich NYC nicht aus eigener Erfahrung kennen und nicht das Sachbuch »The value of nothing« von Raj Patel gelesen hätte, wäre mir vieles unklar geblieben. Insofern ist der Roman für unvorbereitete Leser schwierige Kost, weil er von den Lesern Geduld und das Bedürfnis nach Wissen fordert. Etwas, dass in unserer kurzlebigen auf Action ausgerichteten Gegenwart selten geworden ist.
Die Geschichte in »New York 2140« ist keine Dystopie, obwohl sie aus einem dystopischen Szenario emporsteigt. Sie zeigt, wozu Menschen fähig sind, wenn sie durch Intelligenz, eisernen Willen und Motivation neue Weg beschreiten. Wege, die nicht nur den New Yorkern, sondern der ganzen Welt zu einem besseren Leben verhelfen. Das macht für mich die Essenz und die Faszination dieses Buches aus. Da sind die Länge und die etwas langatmige Erzählweise des Autors eher zweitrangig.
Das Cover gehört zu meinen Lieblingsmotiven des Jahres 2018.
Der Roman erschien 2018 bei Heyne und ist in jeder gut sortierten Buchhandlung sowie im Onlinehandel erhältlich.
Die größte Science-Fiction-Serie der Welt startet neu durch
Das Jahr 2019 wird für PERRY RHODAN, die weltweit größteScience-Fiction-Serie, zu einem besonderen Abschnitt derlangen Seriengeschichte: Mit dem dreitausendsten Bandkommt ein Roman in den Handel, auf den Zigtausende Leserseit Jahren gewartet haben. Dank verschiedener Partner imBuchhandel erweitert sich zudem das Portfolio der aus demsüddeutschen Rastatt kommenden Marke.
Seit im September 1961 der erste PERRY RHODAN-Roman erschienen ist, hat sich die Science-Fiction-Serie zu einem der erfolgreichsten Unterhaltungsprodukte »made in Germany« entwickelt. PERRY RHODAN-Romane werden weltweit veröffentlicht: in Japan und Brasilien ebenso wie in Frankreich, den Niederlanden oder Tschechien.
Dazu kommen zahlreiche Buchausgaben im deutschsprachigen Raum sowie weitere Begleitprodukte wie Comics, Hörspiele und Hörbücher. Die Serie ist multimedial aufgestellt: Jeder Roman wird sowohl in gedruckter Form als auch in Form von E-Books und Hörbüchern publiziert.
Im Februar 2019 steht ein Jubiläum vor der Tür, das sich beim Start der Serie niemand hätte vorstellen können: Am 15. Februar 2019 kommt Band 3000 in den Handel – der dreitausendste Roman in einer unendlich erscheinenden Fortsetzungsgeschichte. Er trägt den Titel »Mythos Erde«, stellt die Hauptfiguren vor völlig neue Herausforderungen und wurde von den Autoren Christian Montillon sowie Wim Vandemaan geschrieben.
Der Verlag bewirbt den Roman massiv in Bahnhöfen und direkt an den Verkaufsstellen, wo man Bücher, Zeitschriften und Heftromane findet. »Wir starten zudem eine umfangreiche Social-Media-Kampagne«, erläutert Katrin Weil, die das Marketing der Serie verantwortet. »Damit wollen wir nicht nur ehemalige Leser zurückholen, sondern ebenso neue Leser gewinnen.«
Parallel dazu bringt der Verlag eine Reihe von sechs E-Books heraus: eigenständige Kurzromane, jeder in sich abgeschlossen. »Die Autoren erzählen Geschichten, die in den ›verlorenen Jahrhunderten‹ spielen, die vor dem Band 3000 vergehen werden«, so Klaus N. Frick, der PERRY RHODAN-Chefredakteur. »Vor allem Leser, die wissen möchten, was in der verlorenen Zeit passiert ist, können sich auf die Kurzromane freuen.«
Weil der Pabel-Moewig Verlag im Buchhandel nicht mehr vertreten ist, arbeitet die Redaktion bei den Buchprojekten mit renommierten Verlagen zusammen. Unter dem programmatischen Titel »Perry Rhodan – Das größte Abenteuer« legt beispielsweise der Verlag Fischer Tor am 27. Februar 2019 einen umfangreichen Hardcover-Band vor.
Andreas Eschbach, seit Jahren als Thriller- und Science-Fiction-Autor auf den Bestsellerlisten vertreten, erzählt in diesem Buch von dem Raumfahrer Perry Rhodan und seiner Geschichte. Wie war es, in den vierziger Jahren aufzuwachsen und in den fünfziger Jahren ein junger Pilot zu sein? Warum landete nicht Neil Armstrong auf dem Mond, sondern Perry Rhodan? Es ist ein spannender Roman, der eine parallele Wirklichkeit völlig glaubhaft vermittelt.
In direktem Bezug zur Handlung der PERRY RHODAN-Serie stehen drei Taschenbücher, die im Frühjahr und Sommer 2019 bei Bastei-Lübbe veröffentlicht werden. Eine Autorin und zwei Autoren präsentieren in der »Dunkelwelten«-Trilogie neue Geschichten aus dem größten Science-Fiction-Universum der Welt. Sie sind in sich abgeschlossen, können jederzeit für sich stehen und lassen sich ohne großes Hintergrundwissen lesen.
»Bastei-Lübbe ist in den Buchhandlungen mit seinen umfangreichen Science-Fiction-Reihen sehr gut vertreten«, argumentiert der Chefredakteur. »PERRY RHODAN erhält so ein weiteres Standbein, womit wir unsere Leser noch besser erreichen.«
Im Bereich der Heftromane startet der Pabel-Moewig-Verlag im Juni 2019 darüber hinaus eine sogenannte Miniserie. Damit sind Heftromanserien gemeint, die auf zwölf Bände limitiert sind und eine eigenständige Geschichte erzählen. Diese Miniserie beschäftigt sich mit einem Raumschiff, das in der Serie längst zum Kultobjekt geworden ist. Aus der Handlung ist es verschwunden, und seit Jahren fordern die Leser seine Rückkehr …
In der Redaktion ist man optimistisch: »Neue Taschenbücher, ein Hardcover-Band, eine neue Heftromanreihe, E-Book-Sonderprodukte – für und mit PERRY RHODAN eröffnen sich im Jahr 2019 viele neue Möglichkeiten«, meint Frick. »Dank der Ideen der Autorinnen und Autoren können wir mit PERRY RHODAN getrost in die Zukunft blicken.«
Vielen Dank an Katrin Weil, für das zur Verfügung stellen des Presstextes.
Über die Feiertage lief im Fernsehen die Neuverfilmung von »Heidi« aus dem Jahr 2015. Ich habe sie mir mit großem Interesse angesehen.
Der Roman »Heidi« von Johanna Spyri gehört zu den ersten Büchern, die ich in meinem Leben gelesen habe. Ich bekam das Buch Anfang der Achtziger von meiner Tante aus dem Schwarzwald geschenkt. Das Schneider-Buch ist somit auch eines der wenigen westdeutschen Bücher, die ich als Kind besessen habe. Ich habe den Roman damals mehrfach gelesen und war fasziniert von der Geschichte, fand aber später, dass die vielen Verfilmungen nie so richtig an die Essenz des Buches heranreichten.
Der Heidi-Film von 2015 bildet da eine Ausnahme. Der Streifen hält sich sehr streng an die Vorlage und liefert auch optisch eine überzeugend realistische Darstellung der Zeitepoche. Allein die Szenen im »Dörfli« zeigen deutlich, wie hart das Leben Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweizer Bergwelt gewesen sein muss. Die Landschaftsaufnahmen sind überwältigend und eines Heimatfilms – der »Heidi« nun mal auch ist – würdig.
Bruno Ganz als Alm-Öhi ist gut besetzt, obwohl ich ihn immer mit seiner Rolle in »Der Untergang« assoziiere, insbesondere seine Stimme. Spaß machen die beiden jungen Darsteller der Heidi und des Geißen-Peter. Das spürt man die Spielfreude.
Klar ist, dass man die langen Zeiträume aus dem Roman, im Film nicht darstellen kann. Deshalb wirkt die Handlung im Film auch etwas gestaucht, vielleicht wäre es an der Stelle doch besser gewesen, einen Zweiteiler zu drehen. Aber »Heidi« ist ein Kinofilm, da kann man durchaus darüber hinwegsehen.
Auffällig ist das Fehlen jeglicher religiöser Bezüge. Ich kann mich gut erinnern, dass im Roman sehr oft von Gott die Rede ist und Szenen in denen Heidi betet und zur Kirche geht. Dieser Aspekt wird im Film völlig ausgeklammert und führt zu einem, wie ich meine, schiefen Bild der Zeitepoche. Das ist aber der einzige Punkt an dem ich dem Film mangelnde Realitätsnähe vorwerfen kann. Und vielleicht muss man das in der heutigen Zeit, in der sich religiöse Werte verändert haben, einfach als gegeben hinnehmen.
Ich fand die Verfilmung spannend und auch berührend. Sie hat mich zumindest dazu gebracht, mal wieder in dem alten Roman zu lesen.