Ersatz für den Schienenersatzverkehr

Es war mal wieder eine dieser chaotischen Bahnreisen, bei denen man glaubt, ans Ende der Welt zu unterwegs zu sein. Fahrten bei denen man am Ende über jeden Meter froh ist, den man nicht laufend zurücklegen darf.

Dabei hätte ich es schon ahnen müssen. Als ich am Donnerstag am Bahnhof mein Ticket kaufen wollte, verhöhnte mich der Automat mit der Meldung, dass für die gewählte Strecke keine Verbindung gefunden werden konnte. Ich solle den Zeitpunkt ändern oder ein neues Ziel auswählen. Ich war hinreichend irritiert, denn diese Meldung war mir noch nie untergekommen. Irgendeine Verbindung war mir immer angeboten wurden. Ich spielte noch eine Weile vergeblich herum und fuhr dann nach Hause. Auch eine Art seine Kunden zu zwingen, ihre Tickets am heimischen Computer zu kaufen und eben dort auch auszudrucken.

Zumindest fand sich im Onlineportal eine Verbindung, wenn auch mit dem Hinweis, dass die Strecke zwischen Nürnberg und Bamberg gesperrt wäre und ein Schienenersatzverkehr (SEV) verkehrt. SEV – allein der Begriff löst bei Kunden der Deutschen Bahn eine gewisse Panik aus. Denn ein SEV funktioniert nur in wenigen Prozent der Fälle. Aber weil ich unbedingt nach Hause musste – schließlich wird die Cousine nur einmal 50 – stürzte ich mich in das Abenteuer. Ich hatte schließlich den ganzen Freitag Zeit, um ans Ziel zu kommen. Und der SEV zwischen Bamberg und Lichtenfels im letzten Jahr hatte ganz gut geklappt. Dass es am Ende dann doch acht statt der sonstigen viereinhalb Stunden werden würde, konnte ich nicht ahnen. Nun ja ich hätte es ahnen müssen.

Bis Nürnberg lief auch alles prima. Kein Verspätungen, keine falsche Wagenreihung, nettes Personal und auch keine sonstigen Katastrophen. Punkt Neun Uhr stand ich in Nürnberg am Bahnhof und genehmigte mir erstmal einen Kaffee, kaufte mir in aller Ruhe noch meine Perryhefte und schlenderte dann gemütlich zum Südausgang, von wo der SEV fahren würde. Der Weg ist ganz schön weit, und »Gnade Gott« wenn man es da eilig hat. Kurz nach halb zehn stand ich bereits in einer Traube von Menschen, die an einer Bushaltestelle warteten. Ein Bus stand da, aber kein Fahrer in Sicht. Nur zwei Bahnbeamte in gelben Jacken standen am Bahnhofausgang und wiesen den Leuten den Weg zur Bushaltestelle.

Um zehn sollte der Bus fahren. Es war heiß, die Sonne prasselte herab und es gab weder eine Bank noch Schatten. Die Taxis hupten, weil ihnen die wartenden Fahrgäste im Weg waren, denn der Gehweg an der Bushaltestelle war bereits hoffnungslos überfüllt und die Reisenden standen mit ihren Koffern bereits auf dem dahinter liegenden Taxiparkplatz.

Nach und nach kamen drei Busse, die aber nur Fahrgäste entließen und dann weiterfuhren. Man konnte gleich sehen, das es Linienbusse waren, die nur innerhalb der Stadt fuhren, aber kein Reisebus, der über die Autobahn fahren konnte. Kurz nach zehn tauchte ein Busfahrer auf, der sofort von den Wartenden umringt wurde. Als der sagte, er würde erst in einer Stunde fahren, gab es natürlich großes Geschimpfe. Die Leute ließen ihren Unmut an dem Busfahrer aus, der eigentlich nichts dafür konnte und auch gar nicht bei der Bahn beschäftigt war, sondern bei einem Busunternehmen. Er wusste auch nicht, ob und wann ein Bus kommen würde und riet den Fahrgäste an den Servicepoint zu gehen. Die beiden Bahnbeamten am Ausgang waren nämlich auf mysteriöse Weise verschwunden. Doch die Leute ließen sich nicht abwimmeln. Keiner wollte riskieren den Bus zu verpassen, wenn er auf die andere Seite des Bahnhofes ging, um sich zu erkundigen.

Viele Fahrgäste waren älter und wollten nach Erlangen ins Klinikum, weil sie dort einen Termin hatten, den sie nicht schaffen würden, wenn sie noch länger warteten. Also rauften sich ein paar zusammen und nahmen sich Taxis, während andere wieder zum Bahnhof zurückgingen. Der harte Kern aus zirka 80 Leuten aber blieb und redete auf den Busfahrer ein. Dem reichte es irgendwann und er rief seinen Chef an. Nach langem Hin und Her beschlossen sie, dass er für den ausgefallenen Bus einspringen sollte. Daraufhin quetschten sie die Leute rücksichtslos in den Bus. Es war ein Doppelstockbus und ich musste den Koffer über die enge Wendeltreppe nach oben schleppen. Zum Glück ist mein Koffer so klein, damit ich ihn unter dem Sitz verstauen konnte.

Mit zwanzig Minuten Verspätung fuhr der Bus dann ab. Mir war klar, dass ich meinen Anschlusszug in Bamberg wohl nicht schaffen würde, war aber froh überhaupt voranzukommen.

Der Bus quälte sich zunächst durch den Stadtverkehr von Nürnberg auf die Autobahn bis nach Erlangen, wo der Bahnhof günstig direkt an der Autobahn liegt, so dass wir nicht zu viel Zeit verloren. Bei der nächsten Station Forchheim, war das anders. Bis wir dort am Bahnhof waren und wieder zurück auf der Autobahn verging eine Viertelstunde. An der Abfahrt nach Bamberg hegte ich kurzzeitig die Hoffnung, meinen Zug doch noch zu schaffen. Schließlich waren es nur wenige Minuten, die ich später dran war. Die würden den Regionalzug sicher warten lassen.

In Bamberg parkte der Busfahrer den Bus nicht vor dem Bahnhof, sondern am Ende der Straße. Ich rannte, nahm die Abkürzung über den Seiteneingang (inzwischen kenne ich mich am Bamberger Bahnhof leidlich aus), sprintete durch die Unterführung auf Gleis 6, wo der Zug abfahren sollte und las auf der Anzeige: Fährt heute von Gleis 3. Ich wieder runter und auf Gleis 3 hoch … und stand atemlos an einem leeren Bahnsteig. In der Ferne erkannte ich noch die Rücklichter meines Zuges.

Erschöpft und stinksauer suchte ich den nächsten Bahnmitarbeiter, an dem ich meinen Frust auslassen konnte … doch da war keiner. Am Infopoint hatte ich mich zumindest wieder soweit unter Kontrolle, dass ich im höflichen Ton fragen konnte, wann der nächste Anschlusszug fährt. Fügte aber noch eine paar Bemerkungen über die Deutsche Bahn im Allgemeinen und den eingerichtete SEV im Besonderen hinzu. Die Dame am Schalter ließ das kalt. Sie servierte mir ein ausgedrucktes Stück Papier mit den Worten: ich solle mich nicht aufregen, der nächste Zug ginge doch schon in zehn Minuten und ich solle mich lieber beeilen, damit ich den nicht auch noch verpasse.

Erst im Zug registrierte ich, dass es eine »Bummelbahn« war, die an jedem Briefkasten hielt und ich erst eine Stunde später als geplant ankommen würde.

So kam ich mit einer Stunde Verspätung zusätzlich zu den zwei Stunden an, die ich ohnehin durch den SEV später dran gewesen wäre. Es war zum Heulen.

Das Schlimmste aber ist, dass die Baumaßnahme, die den SEV bedingte, dazu dient, die neue Schnellstrecke von Erfurt anzubinden. Und das wenn die im Dezember fertig ist, kein Schnellzug mehr nach Saalfeld fahren wird, sondern nur noch wenige Regionalbahnen. Was zur Folge hat, dass ich in Zukunft noch öfter umsteigen und noch länger brauchen werde. Das macht das Ganze noch viel frustrierender.

Getrennt oder zusammen?

Seit erstem August gibt es eine neue Verordnung in Deutschland, die sich dem anfallenden Gewerbemüll widmet. Und weil ich mich für meinen Arbeitgeber kundig machen wollte, habe ich das ganze Dilemma nun an der Backe.

Die neue Gewerbeabfallverordnung soll dazu dienen, dass Müll, der in Betrieben anfällt, noch besser recycelt wird. Eigentlich eine gute Idee sollte man meinen. Der Teufel liegt mal wieder im Detail.

Es reicht nicht mehr, die Abfalltrennung dem beauftragten Containerdienst zu überlassen – wahrscheinlich traut da keiner keinem – sondern man muss den Müll selbst trennen, wo er entsteht. Das heißt auf dem Firmengelände oder der Baustelle, auf der man gerade arbeitet. Die Sortierung muss nicht nur in Papier, Glas, Kunststoffe, Metalle, Bio- und Restmüll erfolgen, sondern bei Baubetrieben auch in Holz, Dämmmaterial, Bitumengemische, Baustoffe auf Gipsbasis, Beton, Ziegel sowie Fliesen und Keramik. Das sind 13 verschiedene Arten von Müll, die in 13 verschiedenen Behältern eingelagert und getrennt abgeholt werden müssen. Die meisten Handwerksbetriebe haben mehr als eine Baustelle, da ist es fast unmöglich auf jeder mehrere Tonnen aufzustellen. Außerdem arbeiteten ja mehrere Gewerke, bzw. mehrere Firmen an einem Bau. So viel Platz kann es gar nicht geben, damit jeder Betrieb seine 13 Tonnen aufstellen kann.

Ich vergaß zu erwähnen, dass das Abfallaufkommen natürlich gewogen, protokolliert und abgelegt werden muss, damit es bei Kontrollen vorgezeigt werden kann. Es gibt auch Ausnahmen, wenn wenig Platz da ist (Aber wer bestimmt das, und wieviel ist zu wenig?) Auch darf man unter 10 Kubikmeter den anfallenden Müll weiterhin ohne Trennung entsorgen. Auch hier eine Frage, auf die ich noch keine Antwort bekommen habe. Auf was beziehen sich die 10 Kubikmeter: pro Woche, pro Monat oder pro Baustelle?

Bei Nichteinhaltung werden bis zu 100.000 Euro fällig. Wie wollen die Behörden das kontrollieren? Viele Entsorgungsunternehmen bieten den Betrieben bei dem Problem Unterstützung an, indem sie den Papierkram übernehmen, lassen sich das aber auch gut bezahlen. Ein Großbetrieb zahlt das aus der Portokasse, so einem Handwerksbetrieb tut das schon weh.

Man sieht, so eine Verordnung zur Erhöhung der Recyclingquote klingt auf den ersten Blick gar nicht schlecht, nur die Umsetzung in der Praxis steht halt auf einem anderen Blatt. Manchmal habe ich den leisen Verdacht, dass viele Verordnungen nur geschaffen werden, um Geld zu kassieren, eben weil sie schwer oder gar nicht einzuhalten sind.

Nächste Woche versuche ich nochmal bei der Innung ein paar Antworten zu bekommen und beim Containerdienst ein paar Bestätigungen einzuholen. Ich wüsste sonst nicht, wo wir die vielen Tonnen auf dem Firmengelände aufstellen sollten.

Nochmal Karlsruhe

Nachdem wir seit Montag wieder daheim sind, möchte ich doch noch ein paar Gedanken über unseren Urlaub und zu Karlsruhe im allgemeinen loswerden.

Wie immer wenn wir Städteurlaub machen, erkunden wir vieles zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Letzteres haben wir in Karlsruhe nicht gebraucht, weil die Sehenswürdigkeiten nicht so weit auseinander liegen und das Hotel strategisch günstig positioniert ist. Vom Hotel bis zum Schloß brauchten wir nicht mal 20 Minuten. Trotz der schönen Parks und der Fußgängerzone ist Karlsruhe nicht wirklich Fußgängerfreundlich. Schon allein wegen der unglaublich vielen Baustellen, die wohl noch die nächsten Jahre die Stadt »schmücken« werden. Jeglicher Verkehr scheint aufs Auto ausgerichtet, was mich am allermeisten wunderte. Gerade an jenem Ort, an dem das Fahrrad erfunden wurde, sind richtige Radwege selten. Das finde ich schade, denn dadurch nimmt man der Stadt viel von ihrem Reiz. Wahrscheinlich bin ich einfach aus meiner Zeit in München verwöhnt, wo es streng getrennte Rad- und Fußwege gibt und man von Radfahrern auf dem Gehweg oder an der Ampel nicht über den Haufen gefahren wird. Da gibt es auch keine dieser Pseudo-Radwege, die auf die Straße gepinselt wurden und auf der meist Autos parken und man als Radfahrer kaum vorankommt.

Besonders sportlich muss man sein, wenn man eine der Hauptstraßen überquert. Am Ettlinger Tor beispielsweise kamen wir während der Grünphase maximal bis zur Mitte der Straße, dann war wieder Rot und die stehenden Autos legten schon mal den Gang ein. Da ist Schnellsein angesagt – ältere Leute oder kleine Kinder haben da wenig Chancen. Ich glaube jedoch, das dies kein alleiniges Problem von Karlsruhe ist, sondern eines das viele größere Städte haben.

Begeistert bin ich nach wie vor von den vielen Grünanlagen und Parks mit dem alten Baumbestand. Eine solche Vielfalt an Baumarten und vor allem an sehr alten Bäumen habe ich in einer Stadt selten zu Gesicht bekommen. Auch die Sternförmige Anordnung der Straßen rund um das Schloss sieht man selten. Einen mittelalterlichen Stadtkern sucht man in Karlsruhe vergebens, doch es ist gerade diese klassizistische Moderne, welche der Stadt einen besonderen Reiz verleiht.

Mein persönlicher Höhepunkt waren jedoch die Schlosslichtspiele und der Lauterberg, auf dem übrigens nach seiner Einweihung eine Fahrradrennstrecke angelegt wurde. Man stelle sich vor, die jungen Männer von damals, haben sich dort mit ihren Hochrädern vom Berg gestürzt – wahrscheinlich im wahrsten Sinnes des Wortes.

Hier noch ein paar Impressionen:

Megabaustelle am Ettlinger Tor
Ein Sequioa in Karlsruhe
Umklammerung im Park
Die Kräne markieren die Baustellen

Der Funke ist übergesprungen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 154 – »Die magnetische Welt« von Susan Schwartz

»Die magnetische Welt« ist seit langem mal wieder ein NEO-Roman von Susan Schwartz, der mich von Anfang an überzeugt hat. Man sollte der Autorin öfters die Möglichkeit geben, eigene Figuren und Geschichten zu entwickeln. Dann bekommen ihre Romane auch die notwendige Tiefe, und werden nicht zu einer Aneinanderreihung von Actionszenen und Nahkämpfen.

Die Geschichte um die junge Kerra, deren Bruder Kors auf der Suche nach Erzen in eine Felsspalte gestürzt und für tot erklärt wurde, ist überzeugend geschrieben. Der Autorin gelingt es, das Volk der Etrinonen mit all ihren körperlichen Merkmalen und ungewöhnlichen Sitten fassbar zu machen. Dabei bindet sie den Leser mehr an die Figur der Kerra, als an die Terraner, die mit der jungen Etrinonin agieren. Leyden und Co verblassen neben der starken Protagonistin. Es ist womöglich der einzige Weg, Kerras Reaktion für den Leser nachvollziehbar zu machen. Denn, als sie erfährt, dass ihr Volk von Meister Etrin einst genetisch verändert wurde und bis heute ausgebeutet wird, nimmt sie das mit stoischer Gelassenheit hin und offenbart den irdischen Wissenschaftlern eine überraschend weitsichtige Haltung. Kerra sagt offen, dass das Wissen um das Schicksal ihres Volkes niemanden weiterbringen wird. Im Gegenteil, es könnte das Gleichgewicht der Gemeinschaft zerstören und das Ende ihrer Zivilisation heraufbeschwören.
Ich finde gut, wie Leyden und seine Mitstreiter darüber nachdenken müssen, ob eine Einmischung ihrerseits nicht schädlicher ist, als der Status Quo.

Natürlich diente auch diese Geschichte, um darzulegen wie skrupellos die Meister der Insel sind. Schließlich haben sie auch in diesem System den Hauptstern in einen Magnetar verwandelt und dabei Millarden intelligenter Thetiser geopfert, und sie sogar noch manipuliert, um sie für ihre Zwecke einzusetzen. Ihr Imperium benötigt Metalle, die nur durch extreme Bedingungen wie eine Supernova entstehen können. Aber Erzabbau auf einer Welt deren Magnetfeld mit dem des Magnetars interferiert, kann nicht ohne humanoide Unterstützung funktionieren. Dies hat sogar Miras Etrin, Faktor IV, begriffen, der das Projekt leitet und einst die Randbedingungen festlegte. Diese und weitere Informationen holt sich Leyden aus der Positronik des geheimen Stützpunktes, der über das Leben der Etrinonen wacht. Wie genau der Physiker das macht, bekommen wir als Leser leider nicht erklärt, weil wir es nur durch die Augen von Kerra beobachten. Aber das hat mich in diesem Fall nicht einmal gestört.

Die plastische Schilderung von fantastischen Welten ist die Stärke von Susan Schwartz und ich finde, dass ihr dies an Etrinon besonders gut gelungen ist. Sie versucht all die Effekte anschaulich zu schildern, die eine solche Welt in sich trägt. Auch wenn sie nicht alle potentiellen Gefahren einbezieht. Auf einem Planeten auf dem ständig und überall ein Ladungsaustausch stattfindet, auf dem im Boden ungeheure elektrische Potentiale lauern, könnte man ungeschützt kaum einen Schritt tun. (Ich sage nur Schrittspannung.) Dennoch hatte ich beim Lesen Spaß. Was ich ganz besonders begrüße, es gab keine einzige Kampfszene.

Die Nebenhandlung um Rhodan auf der MAGELLAN ist im Vergleich zur Geschichte auf Etrinon eher dünn. Die Besatzung beobachtet erst einen seltsamen Asteroiden und entdeckt dann einen weiteren Situationstransmitter. Das die MAGELLAN am Ende nicht selbst durch den Transmitter geht, sondern nur eine Sonde schickt, ist verglichen zum alten MdI-Zyklus ein richtiges Novum.

Als Fazit kann ich nur sagen, der Funke ist übergesprungen und das nicht nur zwischen den Protagonisten und ihrem Planeten, sondern auch bei mir. Ein funktionierender Plot, eine fantastische Welt und eine berührende Geschichte, die zum Nachdenken anregt … so macht NEO Spaß.

Ein Sonntag im Zoo

Wenn wir schon vis-a-vis vom Zoo übernachten, dann müssen wir ihn auch besuchen. So mein Argument.

Um zehn Uhr am Sonntagmorgen war noch wenig los. Doch das änderte sich schnell, und alsbald war der städtische Garten voller Leute. Meist Familien mit Kindern. Die Sonne schien, doch im Schatten war es so kühl, dass ich eine Jacke anziehen musste.

Die weitläufige Anlage ist mehr Park als Zoo, mit uralten Bäumen,  Blumenrabatten und vielen lauschigen Plätzchen zum Verweilen. Die Gehege der Tiere sind nicht so großzügig wie im Leipziger Zoo, aber man spürt die Bemühungen um eine Artgerechte Haltung. Der Zoo in Karlsruhe beherbergt den Altersruhesitz indischer Elefantendamen. Die Älteste, die hier ihr Gnadenbrot bekommt, ist stolze 62 Jahre. Neben Raubkatzen, Menschenaffen, Giraffen und Zebras gibt es sogar Eisbären, Pinguine und kalifornische Seelöwen, die sich in der Sonne aalten. Der Zoo ist stark auf Familien mit Kindern ausgerichtet, denn überall sind Spielplätze und andere Aktivitäten, bei denen sich die Kleinen austoben können. Auf den beiden Teichen schippern überdachte Gondeln dahin, begleitet von Karpfenschwärmen, die bettelnd die Mäuler aus dem Wasser reckten. Das habe ich in der Form auch noch nicht erlebt. Kaum, dass wir auf der Seebühne standen, kamen fünf bis sechs Tiere angeschwommen und streckten das Maul aus dem Wasser. Viele Besucher geben dem nach, weshalb das Wasser des Sees nicht so sauber ist, wie es sein könnte.

Besonders begeistert war ich von einer Attraktion, die von den meisten Zoobesuchern gemieden wurde, obwohl sie eigentlich nicht zu übersehen ist – der Lauterberg. Die Anhöhe wurde im neunzehnten Jahrhundert errichtet, im Inneren befand/befindet sich der Hochspeicher der Stadt. Heute ist der Tank mit Schaumbeton verfüllt. Zwischen den Bäumen schlängelt sich ein steiler Weg nach oben, der in einer Plattform mündet, von der man einen tollen Überblick über die Stadt hat. Außer einer Tai-Chi-Lady, die in Ruhe ihre Übungen ausführte, waren wir über eine halbe Stunde lang die einzigen hier oben. Gedämpft drang das Geschrei der Pinguine und das Lachen von Kindern herauf. Ein frischer Wind brachte den Geruch nach Sommer mit. Wir saßen da und ließen den Anblick auf uns wirken. Ein schöner ruhiger Ort inmitten des Getümmels. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man viele kleine Dinge in der Ferne, ob nun das Atomkraftwerk Phillipsburg im Norden, die Raffinerien vor dem Pfälzerwald im Westen, dem Hauptbahnhof im Süden oder die Ausläufer des Schwarzwald im Osten, man kann ziemlich weit blicken. Besonders abends muss das ein toller Anblick sein, leider schließt der Zoo bereits um 18 Uhr. Abwärts wählten wir den kurzen aber steilen Pfad durch den Wald, als Bergeher sind wir solche Wege gewohnt. Für Familien mit Kinderwagen gibt es einen langen allmählich ansteigenden Weg, aber der scheint kaum genutzt zu werden. Mein Fazit: für mich gehörten die Augenblicke auf dem Lauterberg zu den schönsten in Karlsruhe, von den Schlosslichtspielen mal abgesehen. Allein deswegen würde sich ein zweiter Besuch lohnen.

Übrigens fand ich den Eintrittspreis von zehn Euro ziemlich moderat. Leute, die hier wohnen, können bereits für 40 Euro eine Jahreskarte erwerben, das finde ich so gut wie geschenkt.

Auf dem Rückweg zum Ausgang haben wir uns noch einen Imbiss gegönnt, wenn ich Biertrinker wäre, hätte ich auch mal das legendäre Alpirsbacher Klosterbräu probiert, so blieb es bei einem Wasser.

Nasenbär in Aktion
Skandal im Streichelzoo
Bettelnde Karpfen
Idyll im Stadtgarten
Gondoletta im Zoo
Vom Lauterberg
Panoramaaufnahme vom Lauterberg über Karlsruhe

Open Air-Kino mal anders

Seit ich zum ersten Mal ein Video von den Schlosslichtspielen in Karlsruhe gesehen habe, wollte ich das Ereignis unbedingt live erleben. Deshalb sind wir extra für ein paar Tage nach Karlsruhe gekommen.

Gestern Abend versammelten wir uns dann mit Hunderten von Leuten vor dem Schloss, setzten uns dort auf die Wiese und bewunderten die Show. Los ging es nach Einbruch der Dunkelheit um 21 Uhr.

Es ist beeindruckend, egal ob man es nun aus der Ferne oder direkt vor dem Schloss beobachtet. Es gibt mehrere Shows in Folge, dazwischen wird ein wenig Werbung der Sponsoren gezeigt. Rundum kann man Essen und Trinken erwerben. Man kann als Spende auch ein Armband kaufen, denn für die ganze Veranstaltung ist kein Eintrittsgeld nötig.

Am besten gefielen mir die Stücke von Maxin10sity aus Ungarn. Sie waren es, die 2015 zum ersten Mal mit der Show »300 Fragments« Furore machten. (Ich berichtete darüber.) Ihre diesjährige Show fand ich fast noch beeindruckender.

Ähnlich beeindruckt haben mich die vielen Zuschauer aus allen Schichten der Gesellschaft und allen Altersgruppen. Manche hatten Campingstühle und Tische dabei und ließen sich vor der Show noch das mitgebrachte Abendbrot schmecken. Kinder tollten auf der Wiese herum und junge Leute filmten alles mit ihren Smartphones. Was zur Folge hatte, das gleich nach den ersten Beiträgen das LTE-Netz zusammenbrach, als alle ihre Bilder ins Netz luden.

Die Schlosslichtspiele sind wie ein großes OpenAir-Kino auf einer extrabreiten »Leinwand«, nämlich der Fassade des Schlosses. Die Fassade wird in die Filme integriert, was richtig coole Effekte hervorruft. Wer Interesse an solch außergewöhnlichen Vorführungen hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Die Schlosslichtspiele in Karlsruhe gehen noch bis zum September. Die Vorführungen finden jeden Abend statt. Mehr auf der Homepage der Schlosslichtspiele. Es lohnt sich.

Das Schloss bei Tag und …
… bei Nacht
Es geht los! Die erste Show flimmert über die Fassade

Nur Berlin hat mehr Baustellen

… Diesen Satz bekamen wir vom Hotelportier zu hören, als wir in die Innenstadt von Karlsruhe aufbrachen.

Tatsächlich! Karlsruhe scheint eine einzige Baustelle zu sein: ein Tunnel hier, zwei Baukräne dort und überall Bauzäune. Dazwischen immer wieder beeindruckende Häuser im klassizistischen Stil und Parks mit vielen alten Bäumen. Wir verbrachten einige Zeit im Schloßpark und beobachteten Enten und Eichhörnchen, sowie ein Pärchen, das sich lautstark zankte. Es ging wohl um ein Foto, das sie machen wollte und er nicht erwarten konnte.

Der Vormittag war kühl, eine willkommene Abwechslung von der gestrigen Hitze. Am Verfassungsgericht vorbei spazierten wir zurück in die Fußgängerzone. Eine Menge Leute tätigten dort ihre Samstagseinkäufe, aber es war nicht halb so überfüllt wie ich das aus München kenne. Wobei mich an der Fußgängerzone störte, dass man entweder von der Stadtbahn oder von fahrenden Autos von der Straße gescheucht wurde. Also eine richtige Fußgängerzone, stelle ich mir anders vor. Dafür stößt man immer wieder auf kleine Parks und Grünflächen, wo man sich hinsetzen oder sich an einem der gut zweihundert Brunnen im Stadtgebiet erfrischen kann.

Das Beste ist jedoch das Hotel. Wir haben vom Zimmer aus einen direkten Blick auf den Zoo. Das ist fast wie eine Safari. Hinter dem Zaun kann man die kleinen Pandas beim Klettern beobachten, links davon springen die Gazellen durchs Gehege, am Hang dahinter schleichen die Leoparden über die Felsen und spielen mit herunterhängenden Ästen. Dazu eine Geräuschkulisse wie im Urwald: Brüllaffen, seltsames Vogelgeschrei und ein röhrendes Karibu. Das hat man definitiv nicht überall.

Ach ja, und das Frühstücksbüffet ist echt lecker, bis auf den Kaffee (da reden wir lieber nicht drüber). Dafür gibt es gleich nebenan das Café  »Tante Emma«. Geführt von einer jungen Frau, die in Südafrika geboren wurde und im Schwarzwald aufwuchs. Da gibt es nicht nur leckeren Kaffee, sondern auch Kuchen und Quiches wie von Oma, serviert auf altem Porzellangeschirr, alles biologisch und regional. Sehr schön!

Schneeleoparden vom Hotelfenster beobachtet
Unser Hotel aus der Sicht der kleinen Pandabären

Besuch in der PR-Redaktion

Eigentlich sollte es so eine Art Geheimmission werden, ganz unspektakulär und ohne viel Wirbel drumrum. Leider hatte ich das im Vorfeld nicht erwähnt und auch nicht heute Mittag und so landete die Information wenige Stunden später hier im Internet.

Deshalb kann ich jetzt auch etwas über die eineinhalb Stunden verraten, die ich in der PERRY RHODAN-Redaktion in Rastatt verbrachte. Nach kurzer Begrüßung ging es in die Kantine zum Mittagessen, anschließend diskutierten Klaus Bollhöfener, Klaus N. Frick und meine Wenigkeit diverse Wünsche und Ideen, die ich von Seiten der SOL-Redaktion habe, um die SOL als Magazin noch attraktiver zu machen und um damit mehr Mitglieder für die PRFZ zu gewinnen.

Ein paar Wünsche wurden erfüllt, davon können die Leser, dann schon in der nächsten Ausgabe profitieren. Bei meiner Idee mehr Serieninhalte in der SOL zu verankern, ist man sich noch nicht sicher, was machbar ist und was nicht. Ich werde aber dranbleiben. Vielleicht ergibt sich da in Zukunft etwas.

Ansonsten war das Treffen eher unspektakulär, genauso wie die »heiligen Hallen« auch nur normale Büroräume sind. Also keine Raumschiff-Zentrale von der aus mit Schaltern und Hebeln die größte Science-Fiction-Serie der Welt gesteuert wird, wie man sich das als gemeiner Fan insgeheim vorstellt.

Spannend war es trotzdem.

Bilderbuch zum phantasieren

Quelle: Amazon

Zwei Werke von Torben Kuhlmann stehen bereits bei mir im Bücherregal, jetzt ist auch noch das Dritte dazugekommen.

»Maulwurfstadt« ist deutlich dünner als die beiden Mäuse-Bände (Armstrong und Lindbergh) und es gibt noch einen Unterschied, das Buch enthält so gut wie keinen Text. Dafür ist es mit großformatigen detailreichen Zeichnungen illustriert, welche nicht nur die Geschichte einer Maulwurfstadt erzählen. Im Grunde ist es die Geschichte unserer Welt, kritisch übertragen auf die Mauswurfsgesellschaft. Zuerst waren ein paar Maulwürfe auf einer Wiese. Es kommen neue hinzu, die Stadt wächst und mit ihr der Dreck, Lärm und die Tristesse. Am Ende ist von der Wiese nur ein winziges Stück eingezäuntes Gras übrig. Es beginnt ein Umdenken und auf der letzten Seite, sieht man Windräder statt rauchender Schornsteine.

Einige könnten einwenden, dass dies nicht das richtige Thema für ein Bilderbuch für Kinder ist. Doch ich finde, es ist dem Autor und Illustrator gut gelungen, die Entwicklungen in verständlichen Bildern zu zeigen. Zum Vorlesen eignet sich die Geschichte nicht, aber das ist gar nicht wichtig. Die Zeichnungen regen die Phantasie an. Kinder können hier ihre eigene Geschichten zu den Bildern erfinden und das halte ich fast noch für wichtiger.

Wir Erwachsenen bewundern die kleinen Kunstwerke und entdecken auch nach dem dritten und vierten Durchblättern noch unbeachtete Details. Das finde ich schön.

Das Bilderbuch kostet 14,99 EUR und ist im Buchhandel sowie bei den einschlägigen Online-Portalen erhältlich.