Ich bin einigermaßen stolz auf die zurückliegende Ausgabe der SOL. Für das Jubiläumsheft habe ich einiges an Zeit und Arbeit investiert. Dass sich die Mühe gelohnt hat, beweisen die positiven Rückmeldungen.
Besonders gefreut hat mich die Besprechung von PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick im Redaktionsblog, die am Donnerstag erschienen ist. Der Themenschwerpunkt des Heftes über die internationalen PERRY RHODAN-Ausgaben, scheint ihm gefallen zu haben, denn er schreibt dazu: »Solche Beiträge zeichnen die »SOL« aus und heben sie über das Niveau eines »gewöhnlichen« Fanzines weit hinaus.« Das finde ich sehr schmeichelhaft und lässt mich den einen oder anderen Ärger vergessen, der die Produktion des Heftes überschattet hat.
Das alles wäre aber nicht möglich, ohne das Team an Mitarbeitern an meiner Seite. Im Fall der SOL 90 danke ich besonders Norbert Fiks und Günter Puschmann, für ihre Geduld und ihr Engagement, ohne das die SOL 90 niemals das Licht der Welt erblickt hätte.
Wer sich für die vollständige Besprechung von Klaus N. Frick interessiert, kann sie hier nachlesen.
Jahrelange Einsparungen und der Börsengang haben dazu geführt, dass sie kaum noch zuverlässiges Personal hat und solches auch nicht mehr findet. Verständlich, denn wer möchte schon unter den derzeitigen Bedingungen arbeiten. Einige wenige Mitarbeiter müssen viel zu viel Post austragen und machen teilweise unbezahlte Überstunden, damit sie ihr Pensum schaffen und das zu einem Lohn, der kaum über dem des Versandriesen Amazon liegt. Glück haben jene Mitarbeiter, die verbeamtet sind, denen geht es nicht ganz so schlecht, aber auch hier herrscht Frustration über die widrigen Bedingungen.
Für Zulieferdienste zwischen den Zentren nutzt die Post vereinzelt sogar externe Firmen, und schreibt diese Aufträge jedes Jahr neu aus. Die meist unerfahrenen Mitarbeiter dieser Dienste verursachen schon mal, dass die Briefe und Pakete nicht rechtzeitig vom Verteilzentrum in den lokalen Verteildepots ankommen. So passiert es, dass bei uns Montags grundsätzlich keine Post ausgetragen wird, weil der Lieferwagen aus dem Verteilzentrum Rosenheim erst mittags ankommt, wenn die Postboten schon unterwegs sind. Auch Samstags verirrt sich selten ein Brief oder ein Paket in den Briefkasten.
Auffällig ist auch, das jede Woche ein neuer Zusteller bei uns klingelt. Früher kam immer ein und derselbe Postbote. Man kannte sich, was vieles erleichterte. Heute steht man ständige einem Fremden gegenüber.
Anscheinend will die Deutsche Post dem Personalmangel nun mit einer Job-Kampagne begegnen. In der hiesigen Postagentur entdeckte ich am Freitag einen Flyer auf dem Brief- bzw Paketzusteller gesucht wurden. Und nicht nur das. Auf der Rückseite ist eine Anzeige, die sich an Schüler und Studenten richtet. Beim Blick auf den Zettel fragte mich mein Mann, was ein »Semster« wäre. Ich guckte und da las ich es auch, da war ein Schreibfehler, ein ziemlich offensichtlicher sogar. Statt Semester stand da »Semster«. Im gleichen Moment fragte ich mich, in welcher Auflage die Flyer wohl gedruckt worden waren, es müssen zehntausende sein. Anscheinend hat niemand den Fehler bemerkt, weder der Designer, noch der Verantwortliche bei der Post, der das Ding abgesegnet hatte, noch diejenigen, die das Ding verteilt haben. Nicht einmal der Angestellten der Postagentur, die die Flyer ausgelegt hatte, war es aufgefallen. Erst als ich sie darauf aufmerksam machte, wusste sie, warum ihr der Text so seltsam vorgekommen war.
Es scheint, als wären die Probleme bei der Deutschen Post noch größer als angenommen.
Man kann mir vorwerfen, das ich einen ungewöhnlichen, wenn nicht gar unmöglichen Musikgeschmack hätte. Deutlich wird das daran, was ich in den vergangenen Monaten so gehört habe, während ich vor dem Computer hockte.
Da wäre zum einen »Grau« das neue Album von Illegale Farben, das ich nicht schlecht finde, was aber nicht an ihr letztes Album »Staub« herankommt. Die Songs von »Grau« klingen ähnlich, aber sie reißen mich nicht so vom Hocker. Dafür begeisterte mich das Album »Gut und Dir« von Keele, deutscher Post-Punk mit klasse Texten und schöner ruppiger Musik. In die gleiche Kerbe schlägt das Album »Sturm & Dreck« von Feine Sahne Fischfilet. Die Musiker aus Mecklenburg-Vorpommern haben wieder starke Titel aufgenommen. Diese Art Musik höre ich, wenn ich meinen Punkroman überarbeite, das verleiht mir die notwendige Aggressivität um die »Darlings zu killen«.
Und dann brauche ich manchmal irgendwie was anderes und höre das komplette Gegenteil. Da ist das Album »ID« von Patrick Kelly (ja, der von der Kelly-Familie), von dem mir ausnehmend jeder Titel gefällt. Ich gestehe, ich habe mir auch den einen oder anderen Titel von Ed Sheeran gekauft. Ich weiß, das ist Mainstream, gefällt mir aber. Auch Josh Groben hat seit langem mal wieder eine Single veröffentlicht, die seine klassische Tenorstimme gut zur Geltung bringt.
Und dann gibt es Songs, die hört man und die bleiben sofort im Kopf hängen. Da kann man gar nicht aus, sie sich zuzulegen. Da ist der Song »Wicked Game« von Ursine Vulpine aus einem Werbespot. Ein gefährlicher Ohrwurm ist auch »You and Me« von den Wannadies, den ein gewisser Chefredakteur unlängst bei Twitter verlinkte und den ich seit dem nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Der Überflieger in meiner Playlist ist momentan aber »L’envie d’aimer« von Daniel Lévi. Das Lied singt Kad Merad in dem Film »Plötzlich wieder jung – Zurück in die 80er« einem Musikproduzenten vor. Der Song stammt aus dem Musical »Les Dix Commandements«, das es bei YouTube in voller Länge gibt.
Apropos YouTube: Ich verlinke hier keinen der Songs, weil ich nicht weiß, welche Aufnahmen dort legal sind und welche nicht. Wer möchte, kann ja selbst danach suchen.
Seit einigen Jahren bin ich treue Leserin der Kolumne »Welche Zukunft?« von Sascha Mamczak. Der Mann ist Chef des Science-Fiction-Programms des Heyne Verlags und Nachfolger von Wolfgang Jeschke – der als Autor sowie als Herausgeber bei Heyne einen wichtigen Beitrag für die deutsche Science Fiction geleistet hat. So verdanken wir ihm die Veröffentlichung der STAR TREK-Romane von Pocket Books in Deutschland.
Ende der Neunziger war Mamczak übrigens Lektor der PERRY RHODAN-Reihe bei Heyne.
Bei »Der Zukunft« dem SF-Portal des Heyne Verlags legt Sascha Mamczak regelmäßig seine Gedanken zur Zukunft dar. Sehr tiefsinnig und berührend spricht er über aktuelle Probleme und extrapoliert sie in die Zukunft. Das ist oft großartig formuliert und ich ertappe mich regelmäßig dabei, wie ich vielen seiner Aussagen nicht nur zustimmen kann, sondern für ihre Genialität auch schlicht bewundere.
In der aktuellen Kolumne spricht er über alte Menschen, die Zukunft und über Wolfgang Jeschke, der dieser Tage vor drei Jahren gestorben ist. Dabei widmet Mamczak seinem ehemaligen Chef einige an Herz gehende Gedanken. Das finde ich so gut, dass ich das hier unbedingt teilen möchte.
Für mich gehört »Welche Zukunft?« zu den gelungensten SF-Kolumnen überhaupt und ich empfehle sie jedem, dem an phantastischer Literatur und unserer Zukunft gelegen ist.
Das selbst die Angestellten eines Bundeswehrkasinos Probleme mit der deutschen Sprache haben, entdeckte ich vor gut zwei Jahren, als wir einer größeren Hochzeitsfeier beiwohnen durften. Die fand nämlich auf einem Bundeswehrstützpunkt auf der Schwäbischen Alb statt.
Beim Warten aufs Brautpaar fiel mir die Speisekarte des Restaurants ins Auge. Ich brauchte eine Weile, bis ich entziffert hatte, was mir der Küchenchef sagen wollte. Wobei ja nicht nur Vegetarisches aus dem »Ofen« kommen kann, sondern auch fleischige Genüsse … Was ich mir aber unter »Rösti mit gebratenen Pilzen im Gemüsebeet« vorstellen muss, weiß ich nicht so recht. Ist da auch Erde mit dabei? Ich meine, so ein Gemüsebeet enthält bestimmt eine Menge Mineralien und andere tolle Sachen, vielleicht sogar ein paar nicht-vegetarische Würmer und Insekten. Ob es dem Magen und dem Gaumen jedoch genauso zusagt wie ein Gemüsebett, sei dahin gestellt.
Was mich bei den »Kässpätzle« brennend interessieren würde: Wer ist »Buffe«? Ist das der Name des Gärtners von dem der Salat stammt, oder ist das vielleicht eine besondere Kreation?
Leider konnte ich das nicht herausfinden, weil es auf dem Buffet für die Hochzeitsgäste weder »Gemüsebeete« noch »Salat vom Buffe« gab. Aber einiges kam ganz sicher aus dem »Offen«.
PERRY RHODAN NEO Band 176 – »Arche der Schläfer« von Madeleine Puljic
Perry Rhodan hat die Arche mit der vermissten Menschheit gefunden, doch sie wird von Hornschreckwürmern bedroht. Die aus dem Kreell hervorgegangenen Bestien saugen nicht nur jegliche Energie ins Creaversum ab, sondern stürzen sich auf alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Rhodan und die erwachten Schläfer aus der Arche führen einen fast aussichtslosen Kampf gegen die Angreifer. Derweil wird das Schiff immer mehr mit Kreell zugedeckt, das sich verfestigt. Wenn es nicht bald von Impos startet, werden Milliarden Menschen im Kreell gefangen sein.
Rhodan, Tolot, Leyden und Sitareh versuchen die Zentrale des Riesenschiffes zu erreichen, um die Memeter zu wecken, damit die AVEDANA-NAU den Mond verlassen kann. Das Vorhaben schlägt fehl, weil niemand weiß, wie die Schafkapseln zu öffnen sind. Eine weitere Frage treibt Rhodan um: ist den Vorfahren der Menschen überhaupt zu trauen? Der Journalist Ambrose Escher berichtet von seinen Erlebnissen als Prophet der Memeter und von ihren wahren Absichten.
Erst als es Icho Tolot gelingt, zur DOLAN zurückzukehren und Schirm-Emitter für das Riesenschiff herzustellen, können die Hornschreckwürmer abgehalten werden. Die Menschen bekommen eine kurze Verschnaufpause, bevor sie ins Innere des Mondes Impos vordringen müssen, um das Rätsel des Creaversums zu lösen.
Eigentlich müsste der Titel des Romans »Kampf gegen die Hornschreckwürmer« heißen, weil es von der ersten bis zur letzten Seite nur darum geht. Das ist von Madeleine Puljic spannend geschrieben, abwechslungsreich und immer scheinbar ausweglos. Aber … es funktioniert nicht. Zumindest nicht im Fall von Rhodan und seinen Begleitern. Da man als Leser weiß, dass die Serie weitergeht, und man den Protektor schlecht mittendrin umbringen kann, geht die Spannung verloren. So wartete ich immer darauf, dass die Kämpferei endlich mal zu Ende ist und sich das Team jener vorrangigen Aufgabe annimmt, die 11 Milliarden Menschen zu retten. Doch das passiert nicht, bzw. nicht in dem Maße, weil sie ständig die Bedrohung durch die Hornschreckwürmer abzuwehren haben. Es hätte funktioniert, wenn die Nebencharaktere den Kampf ausgefochten hätten, wenn man jederzeit damit hätte rechnen müssen, dass einer von ihnen stirbt. So bleiben gut ausgearbeitete Kampfszenen, vor denen ich meiner Hochachtung Ausdruck verleihe, weil das für die meisten Autoren für eine große Herausforderung darstellt. Madeleine Puljic meistert sie mit Bravour und hätte mit den richtigen Protagonisten einen genialen Pageturner gelandet.
So richtig voran bringt der Roman die Zyklus-Handlung nicht, abgesehen von ein paar neuen Informationen über die Memeter, die von Ambrose Escher geliefert werden. Der Mann wurde ohne seinen Willen von den Memetern als Werkzeug benutzt, um die Menschen auf die Arche zu treiben. Unverständlich ist mir, warum keiner seiner Leidensgenossen an Bord der AVEDANA-NAU ihm glaubt. Es müsste doch klar sein, dass sich ein Mann wie Escher nicht von einer höheren Autorität einfach so bekehren lässt.
Ebenfalls unklar ist nach wie vor die Situation um die Memeter. Die Arche ist gestrandet. Warum haben sich die Memeter in Schlafkapseln zurückgezogen und nicht versucht, das Schiff wieder flottzumachen? Konnten sie nicht, oder wollten sie nicht? Eine Frage, die sich Rhodan stellen sollte. Denn selbst wenn er die Memeter aufwecken könnte, wären sie überhaupt in der Lage die Arche wieder flugtauglich zu machen? Man darf gespannt sein, wie die Expokraten das auflösen werden.
»Arche der Schläfer« ist ein kurzweiliger Roman, der das Können der Autorin in den Fokus setzt, aber leider nur wenige Details zur Zyklushandlung beiträgt. Der Roman bekommt trotzdem von mir das Prädikat lesenswert.
Was haben Trisomie 21 und Gott miteinander zutun? Zunächst einmal nichts. Dennoch hat Dirk Bernemann beides in seinem Roman »Trisomie ich dir« auf sensible aber auch brachiale Weise miteinander zu einer Geschichte verknüpft.
Auf der einen Seite sind Roy, ein junger Mann mit Downsyndrom, Solveig, eine jungen Frau, die zwar hübsch aber ungeliebt ist und Ingeborg, die feststellt, dass sie ihr ganzes Leben an ihren Mann vergeudet hat. Auf der anderen Seite ist Gott, der sich die drei Existenzen betrachtet und zu dem Schluss kommt, das die kaputte Welt einen Jesus 2.0 braucht.
Es gibt Bücher, die sind wie Delikatessen. So rar und köstlich, das man sie nicht wie Fastfood in sich hineinlesen darf. Solche Bücher müssen genossen, ja, zelebriert werden. Die Romane von Dirk Bernemann gehören eindeutig dazu. Ich habe mir bei der Lektüre viel Zeit gelassen, immer nur mal einen Happen gelesen. Weshalb ich für die nur 188 Seiten dann doch einen Monat brauchte.
Der Autor verschafft seinen Lesern tiefe Einblicke in die Psyche seiner Protagonisten, dabei bleibt er aber auffallend auktorial. Roy ist ein junger Mann und möchte als solcher behandelt werden, doch die Welt da draußen sieht in ihm nur ein Kind oder eben einen Behinderten. Das er nicht spricht/nicht sprechen will, ist dabei besonders tragisch. Und so stolpert Roy durch eine Welt ohne Liebe. Als er Solveig trifft, setzt das in ihm etwas in Bewegung, das am Ende zu einer Katastrophe führen wird. Solveig dagegen hat das normale Leben, was Roy sich wünscht und ist dennoch unglücklich. Mit einem Praktikum in einer Behindertenwerkstatt will sie ihr Leben in Schwung bringen, aber das deprimiert sie bis zum Absturz. Ingeborg hat ihr Leben hinter sich, sie widmet sich der Pflege ihres Mannes Hermann, der vor kurzem einen Schlaganfall erlitten hat. Als Hermann stirbt, fällt sie in ein tiefes Loch und findet in Roy einen scheinbar dankbaren Zuhörer.
Wie gut es Bernemann gelingt, einzelne Schicksale zu einer Geschichte zu verknüpfen, hat er in seinen Romanen über die kotzende Unschuld gezeigt. »Trisomie ich Dir« funktioniert etwas anders, aber nicht weniger überraschend. Bewundernswert ist auch hier die sprachliche Ebene. In Sätze und Wortschöpfungen, die eigentlich nicht funktionieren dürften, erzählt er von der Grausamkeit des Lebens. Das ist aufwühlend, abstoßend und doch so fesselnd und ehrlich, dass man nicht davon ablassen kann. Und wie in vielen seiner Romane kommt der Autor ohne wörtliche Rede aus und man bemerkt es nicht einmal.
Dirk Bernemann hat sich ganz mutig einem Thema genähert, das umstritten ist. Kann ich als Nichtbehinderter über einen Behinderten schreiben? Für mich waren seine Charakterisierung glaubhaft und die auktoriale Perspektive, die der Autor dabei verwendet, halte ich für eine gute Herangehensweise. Wieder ein Bernemann der von mir das Prädikat besonders wertvoll erhält.
Das Hardcover erschien bereits 2011 im Unsichtbar Verlag, als Taschenbuchausgabe von 2013 und E-Book ist es noch bei vielen Onlinehändlern erhältlich.
Die PERRY RHODAN-Redaktion hat heute auf dem Litcamp in Heidelberg, bekanntgegeben, dass sie im Herbst ein Casting für neue Autoren startet. Das ist löblich und auch notwendig. Mich irritiert nur eine Anforderung an die Autoren (siehe Bild). Schon klar, PERRY RHODAN ist ein Generationenprojekt.
Aber … Warum sollte es im Literaturgeschäft anders sein, als auf dem Rest des Arbeitsmarktes – mit 40 ist der Zug abgefahren? Bei allen Bemühungen der Redaktion, aber diese Aussage finde ich zutiefst diskriminierend. Auch im Hinblick auf das Alter der Leser, die müssen sich von solchen Botschaften fast schon bedroht fühlen.
Was kommt als nächstes? Müssen die Autor/innen auch noch vorzeigbar sein?
Ich bin gerade ein wenig fassungslos, deswegen möchte ich auch nichts weiter dazu sagen.
Im Übrigen: einer der PERRY RHODAN-Gründerväter Clark Dalton war 41.
Das runde Leder rollt wieder. Es ist Fußball-WM und alle hoffen auf die Wiederholung des Sommermärchens von 2006.
Ich bin kein Fußballfan und kann dem Sport nichts abgewinnen. Das einzige Fußballspiel, was ich von Anfang bis Ende gesehen habe, war ein Zweitligaspiel zwischen dem TSV 1860 München und dem FC Carl Zeiss Jena in der Allianzarena. Ein Kollege hatte mir Karten besorgt, weil mein Vater unbedingt mal ein Spiel in der Allianzarena sehen wollte und Jena sein Lieblingklub ist. Ich habe ihn damals begleitet und so kam ich nicht daran vorbei, mir das Spiel anzusehen. Das ist jetzt auch schon wieder eine halbe Ewigkeit her.
Also lässt mich der ganze Trubel um die Fußball-WM völlig kalt. Sollen diejenigen, denen es Spaß macht, feiern und mitfiebern. Für mich ist das nichts. Was mir aber ziemlich auf den Keks geht ist die Meinungsmache der Medien. Die tun ja so, als hätte Deutschland schon gewonnen, dabei ist das Turnier noch nicht einmal richtig losgegangen. Heute Mittag hat ein Spot im Radio dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Da wurde über den ersten WM-Gegner der Deutschen Mexiko hergezogen. So nach dem Motto: ihr Mexikaner braucht gar nicht erst gegen den Weltmeister anzutreten, ihr verliert ja doch. Das war sowas von unmöglich, dass ich mich echt geschämt habe. Dass auf diese Weise unglaublich hohe Erwartungen geschürt werden, ist den Verantwortlichen entweder nicht bewusst oder es ist ihnen egal. Aber wehe, wenn die deutsche Nationalmannschaft verliert, dann wird auf Trainern und Spielern rumgehackt.
Bei dem hohen Erwartungsdruck möchte ich nicht in deren Haut stecken. Egal wieviel Geld man mir bieten würde, dass wäre definitiv kein Job für mich. Warum können die sogenannten Fußballexperten da draußen nicht einfach mal »den Ball flach halten« und sehen, was passiert? Das würde vielleicht sogar die Spieler mehr motivieren, als die Versagensangst, die ihnen durch den medialen Druck eingeimpft wird. Denn bekanntlich sind die unerwarteten Siege die schönsten Siege und das gilt nicht nur beim Fußball.