Sportunterricht in der DDR

Nachdem ich mich am Dienstag seit langem mal wieder auf die Waage gestellt habe und mich dabei der blanke Schrecken ereilte, habe ich beschlossen, diese Woche nach der Arbeit nach Hause zu »walken«. Drei Kilometer sind keine Entfernung, außerdem war das Wetter schön, da macht so ein bisschen Bewegung Spaß.

Sport gehörte in der Schule nie zu meinen Lieblingsfächern. Mich als unsportlich zu bezeichnen, soweit würde ich nicht gehen. Ich war halt dünn, zierlich und hatte kaum Kraft. Mir lagen eben nicht alle Sportarten, die wir im Sportunterricht exerzieren mussten. In Ballsportarten war ich eine Niete. Ich hasste Volleyball, weil ich mir dabei regelmäßig die Handgelenke aufschlug. Beim Basketball traf ich nicht, wurde dafür aber beim Völkerball regelmäßig schmerzhaft abgeschossen. In der Leichtathletik gab es Sportarten, die ich mochte und andere eher nicht. Hochsprung gefiel mir und ich gehörte dabei zu den besten in der Klasse. Leider durften wir nicht jede Sprungtechnik anwenden, weil die Matten nicht dazu ausgelegt waren. Daher war bei mir bei 1,15 m Schluss.

Was ich so gar nicht gern machte, waren Dauer- oder Crosslauf oder Kurzstreckenläufe. Ich schaffte niemals die geforderten Zeiten, um eine halbwegs vernünftige Zensur zu bekommen. Im 2000 Meterlauf kam ich stets keuchend als eine der letzten ins Ziel und bekam eine Fünf. Die Mädchen aus der Klasse, die gar nicht erst losgelaufen waren, lachten mich aus. Die bekamen auch eine Fünf, ohne sich dafür anzustrengen. Was ich echt ungerecht fand. Bei Weitwurf oder Kugelstoßen versagte ich ebenso. Wo sollte bei nicht mal 50 kg Lebendgewicht auch der Schwung herkommen.

An dieser Stelle muss ich mal abschweifen und erzählen, womit wir immer Weitwurf gemacht haben. Das glaubt mir immer keiner, wenn ich das erzähle. Wir warfen nicht mit Ball, Diskus oder Speer, wir warfen mit Handgranaten-Attrappen. Ja, ernsthaft. Das waren mit Sand gefüllte ausrangierte Handgranaten. Außerdem gab es Stöcke mit einem Metallende, die wir »Panzerfäuste« nannten. Die Jungs fanden das sicher gut. Wir Mädchen bekamen von der Lehrerin immer gesagt, dass wir mit in die Luft gehen würden, wenn die Granaten echt wären, weil wir nicht weit genug warfen. Auch eine Art der Motivation. Interessant ist, dass wir uns damals keine Gedanken darüber gemacht haben. Wenn ich heute daran denke, stellen sich mir die Haare auf. Schulkinder mit Handgranaten – unglaublich! Das gab es nur in Bürgerkriegsländern oder in der DDR.

Im Winter hatten wir immer Geräteturnen. Das liebte ich sehr und hier konnte ich endlich mit guten Noten punkten, um die schlechten Ergebnisse aus den anderen Sportarten auszubügeln. Bodenturnen und Pferdsprung gehörten zu meinen Favoriten. Beim Stufenbarren fehlte mir ein bisschen das Krafttraining. Ein oder zwei Jahre ging ich sogar in eine Sportgruppe für Geräteturnen. Ich war die Jüngste und wurde von den großen Mädels gnadenlos gemoppt, worauf ich irgendwann nicht mehr hinwollte.

Sportunterricht in der DDR war hart. Ich erinnere mich, wie ich beim Rundenlaufen auf dem Schulhof gestürzt war und die Lehrerin fragte, ob ich mir ein Pflaster aus dem Sekretariat holen dürfe. Ich durfte nicht. Ich musste die Sportstunde blutend beenden, um mich anschließend umziehen und im Sekretariat verarzten lassen. Dazu hatte ich zehn Minuten Zeit, so lang war die Pause bis zur nächsten Stunde. Hinzu kamen die hohen Anforderungen. Die DDR war ein Leistungssport-Land und das spiegelte sich im Sportunterricht wieder. Die Ansprüche stiegen von Klassenstufe zu Klassenstufe. Gute Noten bekamen nur die Sportasse, die dann irgendwann auf die Sportschule wechselten, wenn es ihre schulischen Leistungen erlaubten. Die unsportlichen, körperlichBeeinträchtigten fielen da hinten runter. Es gab so einige, denen der Schulsport das Zeugnis versaute. Eine Drei war das Beste, was ich am Ende des Schuljahres rausholen konnte. Dafür musste ich mich ziemlich anstrengen und schaffte es meist nur mit vielen Einsen im Geräteturnen.

Ich weiß nicht, wie der Sportunterricht heute so abläuft, aber so streng wie damals sicher nicht. Dennoch wäre ich dafür, Noten im Sportunterricht abzuschaffen. Sport soll Freude machen und keine Qual sein. Ich denke, dass viele als Erwachsene heute mehr Sport machen würden, wenn sie in der Schule nicht irgendwelche Traumata im Schulsport durchlitten hätten.

Neuer 4-Teiler von Simons Cat

Nach echt höllischen Tagen an Arbeit, Seminaren und Besprechungen, in der ich nichtmal zum Bloggen gekommen bin, poste ich zum Wochenende etwas Lustiges von Simons Cat.

Hat schon mal jemand versucht eine Katze zu waschen? Normalerweise sind Katzen total wasserscheu. Das trifft aber nicht auf alle Exemplare zu. Wir hatten mal einen Kater, der nur nach draußen wollte, wenn es in Strömen regnete. Außerdem kam er angerannt, wenn jemand aus der Familie unter die Dusche wollte. Er war dann nur schwer davon abzuhalten, mit zu duschen.

Auch unsre Friedel liebte Wasser. Immer wenn wir Grundwasser aus dem Keller pumpen mussten, stand sie neben und unter dem Wasserschlauch und hat mit dem Wasser gespielt. Irgendwann schaffe ich es mal eines der Videos, die ich damals gemacht habe, hier zu posten. Das glaubt mir sonst keiner.

Na jedenfalls, gibt es wieder etwas Längeres von Simons Cat. Der erste Teil beginnt mit einem Bad und einer Katze, die auszog. Ich bin schon gespannt, wie die Geschichte nächsten Monat weitergeht.

Die Kaspersky-Verwirrung

Unlängst musste ich den Virenschutz meines PCs verlängern. Seit ein paar Jahren verwende ich die Internet-Security von Kaspersky, nachdem ich Jahre zuvor alle möglichen Anti-Viren-Programme ausprobiert hatte. Bei den meisten litt ich unter Performance-Problemen, sprich der Computer wurde unerträglich langsam, und bei einem fing ich mir sogar einen Virus ein, der den Bootsektor lahmlegte.

Da Kaspersky stabil und problemlos funktioniert, dachte ich auch dieses Jahr es zu verlängern, stellte aber beim automatischen Update fest, dass das Programm auf der Kaspersky-Seite inzwischen fast 40 Euro kostet. Anfangs habe ich dort 19 Euro bezahlt. Zuletzt 25. Ich schaute daraufhin mal bei anderen Anbietern und wunderte mich über eine Vielzahl von Preisen und Versionen. Von 19 Euro, über 25 Euro bis hin zu 29 oder 39. Für mehrere PCs waren oftmals auch mehr als 50 Euro fällig. Wer sich selbst davon ein Bild machen möchte, suche bei dem Onlinehändler mit dem »A« mal nach Kaspersky.

Ich war verwirrt. Welche Version brauche ich eigentlich? Tut die Version von 2017 genauso ihre Dienste wie die von 2019? Läuft die aktuelle Version eigentlich noch unter Windows 7? Fragen, die mir keiner beantworten konnte. Zumindest habe ich auf Anhieb nichts gefunden, was dieses Versionen- und Preis-Chaos irgendwie erklärt hätte. Nach einer Weile hilflosen Herumsuchen entschied ich mich die 40 Euro zu investieren und mir bei Kaspersky selbst, die Software für ein Jahr verlängern zu lassen. Das hat den Vorteil, dass ich das Programm sofort herunterladen und den Verlängerungs-Code am Bildschirm angezeigt bekomme. Ohne das dafür irgendwelche Bäume sterben oder Postboten sich abzuschleppen brauchen. Siehe den Blog-Beitrag hier.

Allerdings frage ich mich, welche Preispolitik dahinter steckt, wenn ich bei einem Anbieter 15 Euro weniger für die gleiche Version bezahle, als beim Hersteller selbst und die dann auch noch kostenlos per Post zugeschickt bekomme.

Psychoanalysen

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 196 – »Entscheidung auf Kahalo« von Susan Schwartz

Das Situativ mit Perry Rhodan erreicht den letzten Planeten in der Transmitter-Kette. Der Protektor hat große Gedächtnislücken und ist körperlich ziemlich mitgenommen. Dennoch steigt er aus, um den Transmitter zu aktivieren. Draußen erwartet ihn neben einer aggressiven Flora eine Bestie, die vor sehr langer Zeit von der Allianz als Wächter zurückgelassen worden war. Und dann ist da auch noch Hak Gekkoor der dem Terraner auf den Fersen ist und Rhodan an seinem Vorhaben hindern möchte.
Auf der MAGELLAN versuchen Tifflor, Sud und Bell McGraw noch immer John Marshall aus dem Koma zu erwecken. Unerwartete Hilfe bekommen sie dabei von Nathalie. John erwacht und berichtet von seinem Ausflug ins Creaversum, kann sich aber nicht mehr an Details erinnern. Er weiß nur, dass die MAGELLAN nach Kahalo aufbrechen muss, um Perry Rhodan wieder an Bord zu nehmen.

Bis zur Hälfte des Romans, dachte ich: Was für eine sensationell gut geschriebene Geschichte. Spätestens im letzten Drittel, war die Spannung raus. Der Autorin gelingt es zwar sehr gut, nicht nur Rhodans schwindendes Bewusstsein, sondern auch John Marshalls Gemütszustand und Nathalie Rhodans kindliches Gemüt glaubhaft darzustellen. Das ist stellenweise richtig anrührend und ergreifend. Ich war ein paarmal ersucht, nach dem Taschentuchspender zu greifen. Doch je länger sich die Handlung zieht, desto mehr geht dieser Zauber verloren. Rhodans Kampf auf Kahalo zuerst mit den Pflanzen, dann mit der Bestie und später mit Hak Gekkoor, war gut erzählt, zog sich für meinen Geschmack aber zu lange hin. Als Rhodan schließlich sein Ziel die Pyramiden erreicht, ging alles viel zu schnell, ohne das man eine befriedigende Antwort bekommen hätte, was da gerade mit Rhodan passiert. Das klang ein bisschen zu sehr nach Fantasy und Hokuspokus als nach Science Fiction.

Ohnehin, fragte ich mich gleich zu Beginn, wieso Rhodan plötzlich schon am Ende seiner Reise ist. Wie viele Transmitter hat er aktiviert? Warum hat man mir das nicht gezeigt, sondern nur erzählt? Und wieso kommt er am Ende beim Sechseck-Transmitter und dem falschen Kahalo heraus, wenn sich doch das echte Kahalo, auf dem er agiert, in der Nähe der Erde befindet? Und hätte er nicht in Andromeda herauskommen müssen? Schließlich zieht sich der Aufriss zwischen beiden Galaxien entlang. Außerdem warte ich immer noch auf Tuire Sitareh. Nachdem seine Geschichte in Band 195 im Mittelpunkt gestanden hatte, dachte ich, dass er nun endlich zurückkehren und Rhodan beistehen würde.

Auffällig waren die vielen nachträglichen Erläuterungen, z. B. warum das Situativ nicht direkt an den Pyramiden gelandet ist, oder warum es nicht in der Luft blieb. Fragte sich da die Autorin selbst, warum das nicht im Exposé gestanden hatte, oder wurde sie erst darauf aufmerksam gemacht? Solche Fragen wurden erst im letzten Drittel thematisiert, dabei hätte man das schon bei der Landung erklären können.

Der zweite Handlungsstrang mit John Marshall hatte eine ähnlich psychologische Ausrichtung. Man bekam viele Innenansichten geboten. John, dessen Besuch im Creaversum seine Psyche massiv angegriffen hat. Nathalie, die mit ihrer Andersartigkeit besser klar kommt, als die Erwachsenen um sie herum und Belle, die vor Sorge um John nur noch ein seelisches Wrack ist. Nicht jedem Leser wird soviel geballte Psychoanalyse gefallen. Susan Schwartz gab sich sichtlich Mühe die Emotionen der Figuren an den Leser weiterzugeben. Bei mir ist ihr das auch gelungen.

Jetzt zu einer Sache, die mich inzwischen massiv nervt und an der die Autorin keine Schuld trägt, sondern die den Exposéautoren anzulasten ist. Ich meine, die fragwürdige Beziehungskiste zwischen John Marshall und Belle McGraw. Ich habe Belle als Charakter immer gern gemocht. Meines Erachtens schadet diese fast schon krankhafte Fokussierung auf John Marshall der Figur sehr. Belle benimmt sich nicht mehr wie die professionelle, intelligente Frau, als die sie einst dargestellt wurde. Seit Wochen sitzt sie tatenlos an John Marshalls Krankenbett. Sie hat doch Aufgaben auf der MAGELLAN zu erledigen, warum geht sie diesen Aufgaben nicht nach? Warum ruft sie nicht mal jemand zur Ordnung, sondern lässt sie gewähren? Das halte ich für unglaubwürdig. Klar sie sorgt sich um John, aber warum vernachlässigt sie darüber ihre Pflichten? Das klingt nicht nach der Bell McGraw, die ich kennengelernt habe. Hier fehlt einfach ein Eric Leyden, der sie mal so richtig zusammenstaucht. Den scheinen die Expokraten, aber leider fürs Erste geparkt zu haben.

»Entscheidung auf Kahalo« ist ein guter Roman von Susan Schwartz, der brilliant hätte werden können, wenn sie die Handlung etwas gestrafft und ein paar mehr Antworten geliefert hätte.

Ballons

Quelle: Amazon

1979 war ich fünf Jahre alt. Ich kann mich also nur noch rudimentär an dieses Jahr erinnern. So richtig zusammenhängende Erinnerungen habe ich erst, seit ich ein Jahr später in die Schule gekommen bin.

Ereignisse aus dieser Zeit kenne ich fast nur aus den Erzählungen meiner Eltern. Dazu gehört auch die Geschichte über zwei Familien, die mit einem Heißluftballon über die Grenze geflogen sind. Das betrifft mich insbesondere, als das ich aus der Region stamme, in der das damals passierte, und wir indirekt davon betroffen waren, da die Staatsicherheit im Anschluss nach allen Seiten ermittelte. So tauchten sie auch in der Siedlung auf, in der wir unser Wochenendhaus hatten. Meine Mutter erzählte, Männer in Lederjacken wären gekommen und hätten nach einem unsere Nachbarn gefragt, der wohl die Familien kannte. Erst Stunden später haben meine Eltern im Radio von der Ballonflucht erfahren. Aus dem Westradio versteht sich, wir hörten damals immer Bayern 3.

Die innerdeutsche Grenze verlief im übernächsten Tal. Wir hätten hingucken können, wenn der Berg nicht davor gewesen wäre. Manchmal konnte man am Horizont die Scheinwerfer vom Grenzzaun sehen. Meine Mutter erzählt immer, dass diese Nacht, in der die Familien flohen, besonders klar gewesen ist. Meine Oma behauptete damals steif und fest, sie habe einen Heißluftballon am Himmel gesehen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, möglich wäre es, denn der Ballon muss ganz in unserer Nähe gestartet sein.

Schon allein aus diesem Grund musste ich mir den Film »Ballon« von Michael Bully Herbig ansehen, der im vergangenen Jahr im Kino lief. Wie immer bei solchen Produktionen, war ich skeptisch. Es gibt nur wenige Filme, in denen die DDR stimmig dargestellt wird. Doch »Ballon« überzeugte mich. Er war spannend und das obwohl man den Ausgang kannte. Er handelte die Problematik mit dem notwendigen Feingefühl ab. Die Figuren waren glaubhaft und vielschichtig. Das Setting passte ebenfalls. Man sah schöne Luftaufnahmen vom Thüringer Schiefergebirge und die Wohnungen, Häuser und Autos waren mit viel Liebe zum Detail wiedererweckt worden.

Es gibt zwei Dinge, die mir aufgefallen sind. Am Anfang des Films sieht man Kinder mit blauen Luftballons rumlaufen, die dann in den Himmel steigen. Ich habe in meiner Kindheit niemals einen Helium gefüllten Luftballon besessen. Das gab es nicht. Meine Eltern wüssten auch nicht, dass die sowas in der DDR mal gesehen hätten. Es ist heute schon schwer, an Helium zu kommen, damals war das vermutlich noch schwieriger. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass solche Luftballons in der grenznahen Region, in der wir wohnten, wahrscheinlich sogar verboten waren.

Der zweite Negativpunkt ist wahrscheinlich der Wahrnehmung des Protagonisten geschuldet, der, wohin immer er auch blickt, Spitzel vermutet. Das suggeriert dem unkundigen Zuschauer, dass in der DDR hinter jeder Ecke, in jedem Fenster Spitzel der Stasi gelauert haben, und dass man stets aufpassen musste, was man auf der Straße gesagt hat. Das hat definitiv nichts mit der Wirklichkeit zu tun, die ich erlebt habe. Letztlich waren es ja nicht fremde Leute, die einen bespitzelt haben, wenn man im Fokus der Stasi stand, sondern Freunde oder Verwandte, also Menschen, denen man vertraute. Das war ja gerade das Perfide.

Schön dargestellt fand ich die Naivität der Ostdeutschen. So glaubte die Familie nach ihrem ersten gescheiterten Versuch, dass ihnen mittels Kontakt zur amerikanischen Botschaft, von den Amis geholfen wird. Da hätte ja jeder kommen können. Die ostdeutsche Bevölkerung war den Amerikanern doch völlig egal, genauso wie den Russen. Interessiert waren die höchstens an Wissensträgern, alles andere wurde ignoriert. Was im Film auch so gezeigt wird.

Fazit: Ein sehr spannender Film mit tollen Schauspielern, der zeigt, welches Risiko Menschen im Osten der Freiheit wegen eingegangen sind. Aber auch in welche Gefahren sie dabei ihre Kinder gebracht haben.

Das Osterparadoxon

Da stand ich nun … mit meinen bunten Ostereiern vor dem Kirschbaum und überlegte, ob ich sie wirklich aufhängen sollte. Die Zweige zeigten schon dicke Knospen, die in den nächsten Tagen aufplatzen würden. Doch Ostern würde erst in vier Wochen sein. Bis dahin hatte der Baum sein grünes Blätterkleid und ich würde die Fäden durchschneiden müssen, um die Ostereier wieder abnehmen zu können. Kurzerhand packte ich die Eier wieder zurück in die Schachtel. Dieses Jahr würde es keinen Ostereierbaum im Garten geben.

Doch warum ist in diesem Jahr Ostern so spät? Das liegt am sogenannten Osterparadoxon. Kein Scherz, das heißt wirklich so. Wer möchte, kann sich den dazugehörigen Wikipedia-Artikel durchlesen. Ich habe es getan, aber nur Bahnhof verstanden. Es liegt wohl daran, dass der diesjährige Frühjahrsvollmond nicht an dem Tag stattfindet, der normalerweise für die Berechnung des Osterfests hergenommen wird. Irgendwie spielt da auch der Gregorianische Kalender eine Rolle. Nun, so richtig verstanden habe ich es nicht, ich finde aber das Wort »Positive Äquinoktial-Paradoxie (A+)« spannend. Das klingt wie der Titel eines Science-Fiction-Romans und nicht nach etwas, dass man mit dem Osterfest in Verbindung setzen würde.

Jedenfalls ist das ein ziemlich seltenes Phänomen. Das letzte Mal liegt unglaubliche 57 Jahre zurück. Da war ich noch gar nicht geboren. Das nächste Osterparadoxon findet im Jahr 2038 statt, dann wird der Ostersonntag auf den 25. April fallen.

Also heuer keine Ostereier am Baum, dafür lege ich welche in eine Schale auf dem Tisch. Positiv an dem Datum ist, dass es in diesem Jahr höchstwahrscheinlich mal nicht schneien wird, so wie in den vergangenen Jahren.

Interview auf Russisch

Ich betreibe heute mal Metablogging. Das heißt, ich berichte über einen Blogeintrag eines Perryfans aus Russland, mit dem ich für die SOL ein Interview geführt habe. Das Interview hat der Fan nun auf Russisch auf seinem Blog veröffentlicht. Wer Lust hat mal meinen Namen auf Russisch zu lesen, darf gern dort vorbei schauen. Mit dem Google-Übersetzer kann man dem Text sogar ziemlich gut folgen.

Fast dreißig Jahre nach meiner letzten Russischstunde habe ich die Interviewfragen in Russisch verfasst und anschließend die Antworten zurück ins Deutsche übersetzt. Es ist erstaunlich, wie viel von den acht Jahren Russischunterricht hängen geblieben ist. Zum Lesen, bzw. zum Erfassen der Zusammenhänge reicht es allemal. Übersetzen konnte ich damals schon ziemlich gut. Die Sprache gehörte auch zu meinen Lieblingsfächern, gerade wegen ihrer grammatikalischen Komplexität – mit sechs Fällen, drei Geschlechtern und dem kyrillischen Alphabet.

Aber seien wir ehrlich, ich könnte in einem Moskauer Restaurant zwar die Speisekarte lesen, aber weder Essen noch Trinken bestellen. Im Sprechen bin ich eine absolute Null. Da bekomme ich höchstens ein paar Begriffe und wenige Verben zusammen, geschweige denn richtige Sätze. Verbale Kommunikation haben wir leider nicht wirklich im Unterricht gelernt. Wie auch, wir haben ja nie einen Russen getroffen, obwohl es bei uns in der Stadt eine ganze Kaserne voll gab. Doch die armen Soldaten durften da nicht raus – die sind höchstens in der Nacht über den Zaun geklettert und haben im Garten meiner Oma Obst und Gemüse geklaut, weil sie so wenig zu essen bekommen haben. Und die Offiziere mit ihren Frauen und Kindern haben sich mit den DDR-Bürgern nicht abgegeben. So kommt es, dass ich zwar Russisch lesen, und zumindest ein paar Worte sowie meinen Namen schreiben, aber nicht wirklich kommunizieren kann.

Was ich besonders lustig finde, sind die Namen der PERRY RHODAN-Mitarbeiter Philine-Marie Rühmann und Klaus N. Frick in kyrillischen Buchstaben. Da auch Eigennamen im Russischen gebeugt werden, bekommen sie je nach Fall unterschiedliche Endungen angehängt, was mitunter echt witzig klingt.

Beispiel?

Филене-Мари Рюманн (Philine-Marie Rühmann)

Клаусу Н. Фрику bzw. Клауса Н. Фрика (Klausu N. Fricku bzw. Klausa N. Fricka)

Fledermäuse in Hannover

Quelle: Amazon

Einer der schönen Nebeneffekte der Schreibseminare an der Bundesakademie Wolfenbüttel ist: man fährt am Ende des Wochenendes meist mit einer langen Liste an Lesetipps nach Hause. Sowohl Dozenten, als auch Seminarteilnehmer befruchten sich gegenseitig mit Tipps zu lesenswerten Romanen, Anthologien und Sachbüchern zum Thema Phantastik oder zum Schreiben.

Ein Titel wurde in den vergangenen Jahren immer wieder genannt. Kathrin Lange hat beim letzten Seminar derart euphorisch den Anfang des Buches gespoilert, dass ich mir den Roman des ehemaligen BA-Seminarteilnehmers gekauft habe. Dieses Mal als E-Book für lange Zugfahrten, falls mir der Lesestoff in Papierform ausgehen sollte.

»Fledermausland« wurde geschrieben von Oliver Dierssen einem Arzt aus Hannover. Sein Roman erzählt die ungewöhnliche Geschichte von Sebastian Schätz, der eines Tages feststellen muss, dass sich in seiner stinknormalen Realität mythische Geschöpfe (Anthropomorphe) tummeln. Bei den Begegnungen mit Ogern, Vampiren, Zwergen und Untoten erfährt er, dass es eine lichte und eine dunkle Seite gibt, denen die Kreaturen angehören, die allesamt zwanglos und unerkannt unter den Bewohnern Hannovers leben. Als er nach einem schief gegangenen Koppulationsakt mit seiner Freundin Kim überall herumerzählt, dass sie Sex hatten, fängt der Ärger erst richtig an. Denn was Sebastian nicht weiß, Kim ist eine Nymphe und der Kontakt zwischen Menschen und Anthropomorphen ist streng verboten und wird von der GEZ geahndet. Für Sebastian beginnt eine irrwitzige Jagd quer durch die mythische Parallelgesellschaft Hannovers.

Ich kann Kathrin Lange nur zustimmen, der Roman ist so schräg und abgefahren, dass man ihn unbedingt gelesen haben muss. Allein der Auftakt mit der Fledermaus im Schlafzimmer ist der absolute Brüller. Da hängt ein Mann mit der Hand im Jalousiekasten seines Schlafzimmerfensters fest, nur mit einem Handtuch bekleidet. Und das ist nur eines der vielen skurrilen Bilder, die der Autor innerhalb der Geschichte liefert. Von Kapitel zu Kapitel wird die Gegenwart des Protagonisten immer schräger, bis sich am Ende alles im Showroom eines Bordells mit einem großen Knall auflöst.

Ich hatte sehr viel Spaß mit diesem ungewöhnlichen Roman. Mir gefiel vor allem, wie langsam sich alles entwickelt. Aus den Augen des Ich-Erzählers heraus durfte ich miterleben, wie sich sein normales Leben als Studienanwärter wandelt. Wie er die verborgene Gesellschaft entdeckt, die sein Leben umkrempelt und er sich plötzlich von Vampiren und Untoten sowie anderen Figuren umgeben sieht.

Die lockere Sprache und die irrwitzigen Einfälle von Oliver Dierssen heben die Geschichte erfrischend aus dem Genre der Phantastik heraus. Nebenbei erfährt man einiges über die Stadt Hannover, ein wahrlich ungewöhnlicher Ort für einen solchen Roman. Absolut lesenswert für Fans von ungewöhnlichen und vor allem humorigen Geschichten.

Der Roman erschien 2009 bei Heyne. 2015 folgte ein E-Book-Release bei Fischer-Digital. »Fledermausland« ist überall dort erhältlich, wo es Bücher und E-Books gibt.

Buchmesse Blitzbesuch 2

Redakteure beim Plausch

Und hier die Fortsetzung …

In Halle 5 kaufte ich unter anderem das neueste Werk von Dirk Bernemann. Leider war der Autor dieses Mal nicht vor Ort, aber ich hielt ein Schwätzchen mit seinem Verleger. Bei einem anderen Verlag ergatterte ich die Visitenkarte eines Lektors. (Mal sehen, ob sich da was ergibt.) und beim Stand von Papyrus-Autor erfreute ich mich an der Bücherwand. Die Software-Schmiede hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, Bücher, die mit Papyrus-Autor geschrieben wurden, am Stand auszustellen. Eine nette Idee, wie ich finde.

In Halle 3 wollte ich mir dann wenigstens den Roman von Bela B kaufen, doch ich fand ihn am Stand von Heyne nicht. Auf meine Nachfrage war der Mitarbeiter selbst verdutzt, dass keine Exemplare mehr im Regal lagen. Ein anderer wusste aber noch eines aus den Tiefen eines Schrankes hervorzuzaubern, so dass ich tatsächlich das letzte Exemplar erwischte.

Mit vollem Beutel eilte ich zurück in Halle 2, wo Andreas Eschbach am Perry-Stand seine Perry Rhodan-Biografie signieren sollte. Ich kam sogar erstaunlich gut durch, weil sich viele der Messebesucher bei der Wärme nach draußen geflüchtet hatten und dort in der Sonne saßen. Im letzten Jahr, sah das anders aus, da lag Schnee auf dem Hallendach.

Am Perry-Stand traf ich auf die umtriebigen Mitglieder des Mannheimer Stammtischs, die bereits in den Startlöchern warteten. Nach und nach kamen andere Besucher hinzu, die bereits den dicken Wälzer von Eschbach bereithielten. Überpünktlich traf dann auch der Autor ein, der gut gelaunt und mit souveräner Ruhe alles unterschrieb, was man ihm entgegenhielt. (Ob Körperteile auch dabei waren, kann ich aber nicht sagen.) Auch ich hatte den Roman durch die halbe Republik nach Leipzig geschleppt. Mein Mann hatte es sich nicht nehmen lassen, ihn schon im Voraus zu kaufen und auch zu lesen. Obwohl ich das Buch eigentlich erst auf der Messe kaufen wollte. Aber gut das ich es dabei hatte, denn laut einigen Besuchern, war es an diesem Tag bereits ebenfalls ausverkauft.

Ich schwatzte lange mit ein paar Fans über Dies und Das, sah Andreas Eschbach beim Signieren zu und kaufte an den umliegenden Ständen noch ein paar Bücher, meist solche, dessen Autoren ich persönlich kannte.

Weil ich irgendwann nicht mehr stehen konnte, lauschte in der Leseinsel zunächst einer Lesung aus »Warrior-Cats« und später der von STELLARIS-Autor und Wolfenbüttel-Seminarteilnehmer Ulf Fildebrandt. Bei der Gelegenheit muss ich anmerken, dass die Sitzgelegenheiten der Leseinseln, für ein deutlich jüngeres Publikum ausgerichtet sind. Nicht nur ich hatte Mühe, mich wieder vom Boden zu erheben.

17 Uhr! Der letzte Termin an diesem Freitag war ein Treffen mit PR-Chefredakteur Klaus N. Frick. Wir sprachen über die FanSzene und die PRFZ. PR-Mitarbeiterin Madeleine Grobe machte noch ein schönes Foto von uns und dann musste ich auch schon wieder weg.

Denn die Bahnverbindung zwischen Saalfeld und Leipzig, die noch im vergangenen Jahr so passend funktioniert hatte, gibt es nicht mehr. Inzwischen muss ich mehrfach umsteigen und brauche im Durchschnitt zweieinhalb bis drei Stunden. Also entschied ich mich für einen ICE über Erfurt, mit dem ich in knapp zwei Stunden zu Hause sein würde.

Weil ich spät dran war, nahm ich wieder den Bus. Der gleiche Busfahrer vom Mittag war immer noch gut drauf und machte seine Späße mit den Fahrgästen und den Besuchern, die vor dem Bus mitten auf der Straße spazierten, ohne nach rechts, links oder nach hinten zu schauen. Mit viel Humor kam ich am Messebahnhof an, wo auch schon mein ICE wartete. Hier tat ich zum ersten Mal etwas, was ich noch nie gemacht habe. Ich stieg ohne Fahrkarte in den Zug. Die kaufte ich erst an Bord über meine Smartphone-App. Das Internet macht es möglich.

Völlig erschlagen aber hoch zufrieden fiel ich an diesem Tag spät abends ins Bett. Und ich wünschte mir tatsächlich mehr Zeit für den nächsten Messebesuch. Es war heuer wirklich ein bisschen zu hektisch gewesen.

Vielen Dank an Madeleine Grobe aus der PERRY RHODAN-Redaktion für das nette Foto.

Buchmesse Blitzbesuch 1

Andreas Eschbach beim Signieren

Damit es nicht zu viel Text wird, veröffentliche ich meinen Buchmessebericht in zwei Teilen.

Obwohl mein Besuch auf der Buchmesse im vergangenen Jahr ähnlich abgelaufen war, fühlte ich mich dieses Jahr etwas gehetzt.

Ich fuhr um 7 Uhr in Traunstein los und kam ohne große Komplikationen um 12:30 Uhr an der Messe an. Ich wäre sogar schon eher dagewesen, wenn der ICE auch am Messebahnhof gehalten hätte, aber man kann nicht alles haben. Dafür zeigte sich das Wetter von seiner besonders schönen Seite. Die Sonne schien vom blauen Himmel und es herrschten milde Frühlingstemperaturen. Leider war es am Morgen in Traunstein noch ziemlich kalt gewesen, so dass ich die dicke Jacke anziehen musste. Die war dann in den Messehallen und vor allem in der großen Glashalle mehr als hinderlich. Ich wäre wie immer am liebsten vom Messebahnhof zum Eingang gelaufen, aber da einer der Programmpunkte, die ich sehen wollte anstand, entschied ich mich zum ersten Mal für den Bus. Viel schneller war ich dadurch zwar nicht, aber es war unterhaltsam, was vor allem am gut aufgelegten Busfahrer lag.

Als ich durch den Ticket-Check-In durch war, lief der erste Programmpunkt, den ich sehen wollte bereits. Rund um die blaue Couch im Foyer hinter dem Eingang, hatte sich eine Traube von Menschen versammelt. Auf der Couch saßen ein Moderator des ZDF und Bela B Felsenheimer von den» Ärzten«. Ich hatte unlängst erfahren, dass er einen Roman geschrieben hatte und diesen auf der Buchmesse präsentieren wollte. Mit einem solchen Andrang hatte ich allerdings nicht gerechnet. Die Verantwortlichen wahrscheinlich auch nicht, denn der Stand, an dem im Anschluss signierte Ausgaben des Romans verkauft wurden, war so umlagert, dass die meisten Kaufwilligen wahrscheinlich leer ausgegangen sind.

Ich zog weiter und hoffte auf die Lesung von Bela B um 14 Uhr in Halle 5. Vor allem hatte ich erst einmal Hunger. Doch auf dem Weg zu den Imbissständen in Halle 2 traf ich so viele bekannte Gesichter, das daraus erst einmal nichts wurde. Ein »Hallo« hier und ein »Hallo« da, gefolgt von der Frage »Wie geht‘s und was macht du gerade?«, das kannte ich in dieser Form noch nicht. Zeigt mir aber, wie tief ich in die Phantastik-Literatur-Szene in den letzten Jahren eingetaucht bin. Einige kannte ich aus Wolfenbüttel, andere aus dem PERRY RHODAN-Fandom.

Irgendwie habe ich es dann doch geschafft, schnell etwas zu essen, frische Luft zu schnappen und am Perry-Stand noch ein paar Worte mit Christian Montillon zu wechseln, dessen Heftroman 3004 ich auf der Fahrt zu Ende gelesen hatte. Dann war es auch schon zwei Uhr und ich hastete in Halle 5. Wurde von den freundlichen Sicherheitsleuten erstmal nach draußen umgeleitet, weil in den Durchgängen vor Menschenmassen mal wieder nichts mehr ging. Als ich ankam, war die Lesebühne bereits komplett umstellt, es gab kein Durchkommen. Man hatte außen zwar Bildschirme angebracht, aber ohne Lautsprecher. Ich hatte die Wahl entweder was zu sehen, oder zu hören. Aber nur, wenn ich mich irgendwie an einen der seitlichen Eingänge heran drängelte. Dort sah ich aber nichts. Ich blieb eine Weile stehen, gab es dann aber auf, weil der Ton so schlecht und die umstehenden Zuhörer zu laut quasselten – und klapperte die anderen Punkte auf meiner ausgedruckten Liste ab, die ich in Halle 5 erledigen wollte …

Morgen folgt dann der zweite Teil.