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Quelle: Wikipedia.org

Einer der Filme auf den ich mich schon seit fast einem Jahr freue, erschien dieser Tage auf DVD. Es ist natürlich klar, dass ich ihn mir sofort ansehen musste.

»Please stand by« handelt von der jungen Autistin Wendy, die ein STAR TREK-Manuskript bei einem Wettbewerb einreichen möchte. Doch es stellen sich ihr viele Hindernisse in den Weg: die Betreuerin, die eigene Schwester und die Tücken des Alltags. Doch Wendy brennt so sehr für ihre Geschichte, dass sie auch ihrem behüteten Leben ausbricht und in die Welt hinausgeht, nur um ihr Manuskript rechtzeitig abzugeben. Auf ihrer Reise begegnen ihr gute und schlechte Menschen. Sie muss Dinge tun, die uns vielleicht banal erscheinen, die aber Wendys Mut auf eine harte Probe stellen. Auch ihre Schwester und ihre Betreuerin müssen erkennen, dass in Wendy viel mehr steckt, als sie bisher geglaubt haben.

Das klassische Roadmovie ist nicht nur für STAR TREK-Fans interessant, sondern auch für Menschen, die in dieser Hinsicht völlig ahnungslos sind. Es vermittelt zwischen den Welten, zeigt die Faszination, die STAR TREK auf ganze Generationen hat und erklärt gleichzeitig das Unverständnis jener, die nie mit dieser Welt konfrontiert wurden.

Der Film wartet mit einer ganzen Reihe bekannter Hollywoodschauspieler auf. Dakota Fanning brilliert als Wendy, Alice Eve (bekannt aus STAR TREK- Into Darkness) spielt ihre ältere Schwester Audrey und Toni Collette verkörpert die freundliche aber auch etwas ignorante Betreuerin Scottie. In Nebenrollen sind Laura Innes (ER) und Patton Oswald (King of Queens) zu sehen.

Mir gefiel der Film sehr gut. Er erinnerte mich ein wenig an »Fanboys«. Die autistische Welt der Protagonistin wird sehr glaubhaft inszeniert. Auch die Faszination für STAR TREK kam gut rüber, inklusive der kleinen Insidergags.

Das einzige was ich bemängeln muss. In der deutschen Fassung hat die Szene in der Wendy mit dem Polizisten klingonisch spricht, nur Untertitel mit den Sätzen: »Er spricht eine fremde Sprache.« bzw. »Sie spricht eine fremde Sprache.« Der Dialog geht für alle ohne Klingonischkenntnisse verloren und das, wo wir in Deutschland mit Lieven Litaer den Experten schlechthin haben. Jemanden, der sogar die Klingonischen Untertitel für STAR TREK-Discovery liefert. Unfassbar! Ich muss mir nochmal die Originalfassung ansehen, ob es wenigstens da Untertitel gibt.

Ansonsten ist »Please stand by« ein netter kleiner Film mit einer schönen Botschaft.

Im Reiche des Kublai

Quelle: droemer-knauer.de

Es gibt Bücher, an die wird man sich immer erinnern. Man wird wissen wo und wann man sie gelesen hat. Das Buch, das mich die vergangenen drei Wochen begleitet hat, ist eines dieser Bücher. Ich versank jeden Tag in einer wunderbar erzählten Geschichte. Oliver Plaschka nahm mich nicht nur mit auf eine Reise ans Ende der Welt, sondern auch fast 800 Jahre in die Vergangenheit.

Die Reisen Marco Polos durchs ferne Asien sind ebenso bekannt, wie umstritten. Ist dieser venezianische Kaufmann tatsächlich nach China gereist und diente am Hofe von Kublai Khan, dem Enkel Dschingis Khans? Oder war er nur ein Lügner, ein Geschichtenerzähler, der nach Anerkennung und Geld heischte? Dass ein Mensch zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich von Venedig nach China und zurückgereist sein kann, daran zweifelt inzwischen keiner mehr. Was Marco Polo tatsächlich dort erlebt hat, darüber haben wir nur sein Wort. Es existiert ein Manuskript in französischer Sprache, das sein Mitgefangener Rustichello da Pisa in den Jahren 1298-1299 anfertigte. Genau diese Begebenheit nutzt Oliver Plaschka als Aufhänger für seinen Roman. Das Zusammentreffen Marco Polos mit dem Literaten und Geschichtenerzähler in einem Gefängnis in Genua bildet Grundlage und Rahmen von »Marco Polo – Bis ans Ende der Welt«.

Der Venezianer erzählt Rustichello aus seinem Leben und von seiner Reise. Oliver Plaschka lässt in diesem Handlungsstrang Rustichello bis zum Ende immer wieder zweifeln, ob das, was ihm erzählt wird, auch der Wahrheit entspricht. Das halte ich, gerade wegen den bis heute bestehenden Zweifeln, für eine grandios Idee, er unterstreicht damit gleichzeitig die Glaubwürdigkeit seines Romans. Denn ohne Zweifel hat Oliver Plaschka den Roman auf einem Grundgerüst aus Fakten geschaffen. Es ist erstaunlich wie viel des Inhalts aus tatsächlichen Vorkommnissen bestehen. Seien es die Beschreibungen der Orte und Landschaften auf dem Weg nach Osten, oder die Kultur der Völker, die im Buch beschrieben werden. Mit großer Akribie hat der Autor Informationen zusammengetragen und mit eigenen Interpretationen zu einer spannenden Geschichte verwoben.

Der Roman lebt von diesen Beschreibungen und besonders von den Figuren. Jeder Charakter hat einen eigenen Hintergrund und trägt dazu bei, mich als Leser für Stunden zu fesseln. Die Figur des Marco steht dabei im Vordergrund und man erlebt, wie er sich von dem Jungen aus Venedig, zum Stadthalter des Kahn bis hin zu dem gebrochenen Mann im Gefängnis entwickelt. Man leidet mit ihm. Die Verwicklungen und Täuschungen, die der Autor eingebaut hat, machen das Buch spannend wie einen Krimi.

Trotz der 850 Seiten wünscht man sich stellenweise, dass der Roman nie zu Ende ginge. Denn die Wunder die Marco beschreibt und die Leiden, die er und Rustichello erfahren, berührten mich so tief, dass bei mir nicht nur einmal die Tränen kullerten. Obwohl der Roman sehr ruhig und harmonisch geschrieben ist, hält Oliver Plaschka gleichermaßen die Spannung, indem er die Handlung um Marcos Abenteuer pausieren, bzw. Gedanken und Erzählungen anderer Personen einfließen lässt.

Ich habe in der Vergangenheit viele historische Romane gelesen. Die Bestseller von Ken Follett habe ich geradezu verschlungen. »Marco Polo – Bis ans Ende der Welt« steht denen in Nichts nach. Es ist ein historischer Roman, der viel Faktenwissen vermittelt und dazu die wunderbare und glaubhafte Geschichte eines Menschen erzählt, der den Mut hat, über den eigenen Horizont hinauszublicken. Eine Charaktereigenschaft, die ich heute bei vielen meiner Mitmenschen vermisse. Reiseberichte, selbst historischer Natur, öffnen Augen und Herzen und sollten viel mehr Aufmerksamkeit erfahren. Genauso wie dieser Roman. Ich wünsche mir für den PERRY RHODAN NEO-Autor, dass sein erster historischer Roman viele Leser findet, die dessen Bedeutung erkennen und die Arbeit des Autors zu würdigen wissen. Weil jede Seite dieses Buches es wert ist, gelesen zu werden.

»Marco Polo – Bis ans Ende der Welt« erschien 2017 bei Droemer-Knauer und ist im Buchhandel und bei den einschlägigen Onlinehändlern erhältlich.

Doku zu Liebe im Roman

Quelle: Arte.tv

Eine Dokumentation, die vergangene Woche auf ARTE lief, stellt das Genre Liebesroman vor. Dabei kommen sowohl Autoren und Autorinnen zu Wort, als auch Verleger, Lektoren, Blogger und Fotografen. Es wird gleichermaßen über den Liebesroman im Heftformat und in Buchform berichtet. Dabei beeindrucken nicht nur die schieren Zahlen, sondern vor allem die Details des Geschäfts.

Fünf Tage braucht eine Autorin für einen Heftroman, zzgl. zwei Tage fürs Exposé und Überarbeitung. Eine, zumindest für mich, unvorstellbare kurze Zeitspanne. Die erfolgreiche irische Romanautorin Cecilia Ahern berichtet, wie sie von Januar bis Mai schreibt und anschließend bis September überarbeitet, so dass der Roman im Herbst fertig ist, und das Jahr für Jahr. Beeindruckend ist ebenfalls der Blick ins Archiv von Bastei-Lübbe, in dem Heftromane aus mehr als 50 Jahren lagern.

Die Programmleiterin vom Cora-Verlag erläutert den ungebrochenen Erfolg von Liebesromanen, der von vielen Frauen auch als Flucht aus dem Alltagsleben genutzt wird. Eine Autorin gibt Einblick wie ein Liebesroman funktioniert und liefert mit einem Blick auf die Hamburger Alster aus dem Stegreif einen Romanplot. Auch wenn dem Liebesroman ein negatives Image anhaftet, findet er seit Jahren sein Publikum. Woran man sieht, dass es in der Literatur für jeden Geschmack eine Nische gibt. Die Professionalität mit der die Liebesromane produziert werden, steht der anderer Genreliteratur oder gar der so genannten Hochliteratur in nichts nach. Im Gegenteil, vielleicht ist die Qualität manch eines Trivialromans sogar höher. Die Arbeit und Mühe von Redaktion, Lektorat und Autor sind zumindest gleich aufwändig.

Nach »Perry Rhodan – Unser Mann im All« ist dem Regisseur André Schäfer mit »Herzensbrecher« eine weitere hervorragende Dokumentation zur Genreliteratur gelungen. Zum Erfolg beigetragen hat PERRY RHODAN-Autor Hartmut Kasper – den Perrylesern besser unter dem Namen Wim Vandemaan bekannt. Ich fand die Dokumentation aufschlussreich und unterhaltsam. Sie liefert Einblicke in einen Geschäftsbereich der Literatur, der von vielen belächelt wird, über dem man aber kaum etwas weiß. Es war an der Zeit, dass zu ändern.

Den Trailer zur Dokumentation kann man sich auf ARTE.de ansehen.

Chimaira 1887

Quelle: Splitter Verlag

In den vergangenen Wochen habe ich Comics für mich entdeckt. Ich gebe zu, dass ich in der Vergangenheit das eine oder andere Vorurteil mit mir herumgeschleppt habe. Für mich waren Comics immer etwas für Kinder, oder für große Jungs, die Superhelden sein möchten oder für Mädchen die gern Manga-Prinzessinnen wären. Doch weit gefehlt, Comics sind tatsächlich mehr. Es gibt eine Vielzahl großartiger Geschichten mit noch bildgewaltigeren Zeichnungen. Ein paar habe ich im vergangenen Monat kennenlernen dürfen. Dabei hat sich mein Horizont in Richtung Comic oder Graphic Novel erweitert.

Eine Reihe hat mich am Wochenende besonders gefesselt. »Chimaira 1887« ist die Geschichte eines Mädchens, das im Neunzehnten Jahrhundert zur Prostitution gezwungen wird. Doch statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, dreht sie den Spieß herum und wird selbst zur Puffmutter. Die Geschichte wird in starken Bildern erzählt. Das ist manchmal nicht schön anzusehen, wirkt aber deshalb sehr authentisch.

Frauen waren im Neunzehnten Jahrhundert in Europa nicht mehr als Sklavinnen, den Männern schutzlos ausgeliefert, ob auf der Straße oder in der Ehe. Die 6-Bändige Reihe bringt das dem Leser sehr klar rüber. Gewalt, Sex, Tod – Die Schonungslosigkeit, mit der die Autoren und Zeichner die Geschichte erzählen, ist definitiv nichts für Kinder oder Jugendliche. Die Comics richten sich an ein erwachsenes Publikum und bestechen durch einen ausgeklügelten Plot.

Denn nichts ist so, wie es anfangs scheint. So tauschen Protagonistin und Antagonistin mitten in der Handlung die Plätze. Man lernt die Gesellschaft des Paris von 1887 kennen, sieht den Eifelturm wachsen und erfährt ganz nebenbei von den Schwierigkeiten beim Bau des Panamakanals und vom Panamaskandal. Dies ist der Kernpunkt, um den die Geschichte gestrickt ist. Aber all das war den Autoren nicht genug, sie haben sich einen spannenden Hintergrund zu dem Mädchen Chimaira ausgedacht und diesen über Erinnerungen gekonnt in die Handlung eingewoben. »Chimaira 1887« ist somit auch die Liebesgeschichte zwischen einer französischen Tänzerin und eines berühmten holländischen Malers.

Band 6 der Comic-Reihe erscheint im Januar 2019 bei Splitter, bis dahin muss ich auf die Auflösung der spannenden Geschichte warten. Alle anderen Bände sind beim Splitter Verlag oder im gut sortierten Comic-Buchhandel erhältlich.

Bluespolitik

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 178 – »Krisenzone Apas« von Kai Hirdt

Lukosta Atisi Kommandantin der Wissenschaftsflotte und Tochter von Regierungschefin Waikara Atisi will eigentlich nur den Nachweis erbringen, das sich im Pahlsystem eine weitere Raumanomalie etabliert, die das System unbewohnbar machen würde. Doch der Tod ihres Bruders, einem hohen Regierungsmitglied, und das Auftauchen eines fremden Schiffs (die FERNAO mit Perry Rhodan) verändert alles. Lukosta sieht sich plötzlich in die Rolle einer Politikerin gedrängt, die nicht nur gegen ihren politischen Gegner Aan Hadralok antreten muss, sondern auch in die Intrigen ihrer Mutter verwickelt wird. Die wiederum steht vor der Entscheidung mit Hilfe der Fremden ihre langfristigen Expansionspläne für Apas zu verwirklichen oder ihr Gesicht zu wahren. Dabei bieten die Fremden ein Mittel gegen die unheilbare Seuche, den Gelben Tod, fordern dafür aber eine große Menge Katlyk. Es entbrennt eine Raumschlacht um das Katlyk, in der nicht nur die Wissenschaftsflotte von Lukosta Atisi unterzugehen droht, sondern auch Perry Rhodan selbst. Er konnte die Kommandantin überzeugen, ihm zu helfen, die Ruptur bei Droo Karuuhm zu schließen, um damit ihr eigenes Volk zu retten.
Und dann ist da noch der Rückkehrer Ussein Parkh, einer der aus den Kältekammern auf Impos gerettet Blues. Seine Heimkehr nach 718 Apasjahren hält einige Überraschungen bereit. Am Ende ist er gefordert zu zeigen, wem seine Loyalität gilt Perry Rhodan oder seinem Volk.

Stark, so lässt sich der Roman in einem Wort zusammenfassen. Der Autor liefert eine Politposse und das im positiven Sinne. Wendungsreich, durchdacht und mit vielen pointierten Spitzen auf unsere Gegenwart lässt uns Kai Hirdt teilhaben am Leben der Blues. Beeindruckend sind die Details mit denen das Blues-Volk präsentiert wird. Da wird nicht nur die Verwicklungen innerhalb der Regierung gezeigt, sondern auch die Struktur der Gesellschaft im Kleinen, mit all ihren Absonderlichkeiten. Da steckt sehr viel Detailarbeit drinnen, die sicher auch zum Teil von den Exposé-Autoren geleistet wurde. So ein komplexer Weltenbau erfordert gewaltige Anstrengungen, damit er stimmig wirkt. Und das ist in diesem Fall allen Beteiligten gelungen.

Der Roman wird ausschließlich aus der Sicht der Außerirdischen erzählt. Perry Rhodan, Tifflor und Sud sind nur Nebencharaktere. Aber das macht nichts, weil die Protagonisten, die der Autor beschreibt, so lebensnah erscheinen. Kai Hirdt ist der Spagat gelungen, einer fremden Spezies soviel Menschlichkeit zu verleihen, dass der Leser sie wie selbstverständlich akzeptiert, ja sogar mit ihnen mitfiebert.
Das Besondere an dem Roman ist, dass man nicht mal viel darüber wissen muss, was zuvor passiert ist. Man könnte die Geschichte verstehen, ohne die Staffelhandlung – ich wage sogar zu sagen – die Serienhandlung zu kennen. So gesehen ist »Krisenzone Apas« der perfekte Einsteigerroman.

Auch wenn die Geschichte nahezu perfekt erzählt wurde, stellen sich mir einige Fragen. Bei der Lebensspanne eines Blues, sind 718 Apasjahre (4000 Erdjahre) eine sehr lange Zeit. Dennoch scheint die Spezies sich nicht großartig weiterentwickelt zu haben. Ich würde erheblich größere Probleme erwarten. Man stelle sich vor, ein Mensch kommt nach 4000 Jahren zurück zur Erde. Das fängt bei der Sprache an und endet bei der fortgeschrittenen Technik. Ussein Parkh kehrt nach 718 Jahren in seine Heimat zurück. Es mag sich die Architektur der Stadt geändert haben, die Bewohner anscheinend nicht. Da hätte ich mir auf seinem Weg zurück ins Leben noch ein paar mehr Hindernisse und Missverständnisse gewünscht, vor allem solche, an die man nicht sofort denkt.

Das Hauptproblem ist jedoch die Sache mit der Seuche. Ich möchte an dieser Stelle meinem Bloggerkollegen Sven Fesser recht geben, der sich unlängst darüber gewundert hat. Warum die Blues nicht schon längst selbst ein Heilmittel für die Krankheit entwickelt bzw. die Hintergründe der Erkrankung herausgefunden haben? Nach so langer Zeit in der die Blues das Molkex schon verarbeiten und dafür das Enzym ihren Kindern entziehen, sollte irgendwann einmal jemand auf die Verbindung zwischen beiden Ereignissen gekommen sein. Außer – das wäre für mich die einzige Erklärung – das diejenigen, die auf des Rätsels Lösung stoßen, sofort von der Neunzehnten Vorsicht (dem Geheimdienst) aus dem Verkehr gezogen und alle Informationen darüber vernichtet werden.

Nichtsdestotrotz ist »Krisenzone Apas« ein exzellenter Roman von Kai Hirdt, der damit wieder einmal beweist, wie viel Kreativität in ihm steckt. Dass er das auch eins zu eins umzusetzen vermag, nötigt mir großen Respekt ab. Umso mehr freue ich mich darauf seinen nächsten Beitrag zu PERRY RHODAN NEO zu lesen, ein Doppelroman der die Staffel »Die Allianz« einleiten wird.
Großartig!

Schwein gehabt

Quelle: Amazon

Am Freitag habe ich eine Bildungslücke geschlossen. Der Film erschien schon Mitte der Neunzigerjahre und ich habe ihn, ungelogen, bisher nicht ein einziges Mal gesehen, obwohl er sehr beliebt und erfolgreich war. Zu meiner Entschuldigung muss ich sagen, das ich nicht zur Zielgruppe des Films gehöre.

»Ein Schweinchen namens Babe« erzählt die Geschichte eines Schäferschweins. Ein Ferkel das Schafe eintreibt, sieht schon ziemlich lustig aus. Die Story ist nett und Kindertauglich erzählt. An den Animationen dagegen erkennt man, dass der Film nicht mehr ganz so taufrisch ist. Damals wurde noch mit Puppen gearbeitet und das sieht man. Den Darsteller James Cromwell kenne ich als Zefram Cochrane aus STAR TREK – Der Erste Kontakt.

Jedenfalls habe ich mich gut unterhalten. Auch wenn mir der Film über »Schweinchen Wilbur und seine Freunde«, den ich auch erst vor wenigen Wochen zum ersten Mal gesehen habe, besser gefiel.

Nobelpreis und Industriespionage

Quelle: Amazon

»Der Nobelpreis« von Andreas Eschbach

Ganz ohne Zweifel, es ist ein echter Eschbach, komplett mit einem Ende, das jeden unvorbereiteteten Leser, wahrscheinlich die Schuhe ausziehen wird.

Da ich, durch eine Bemerkung von Kathrin Lange, wusste, dass der Roman einen unvorhergesehenen Ausgang nimmt, war es für mich nicht so überraschend. Irgendwie hatte ich immer im Hinterkopf, dass da was nicht stimmen kann. Vielleicht wäre das nicht passiert, wenn mir ihre Bemerkung auf der Eschbachtagung in Wolfenbüttel nicht im Gedächtnis geblieben wäre.

Der Roman endet jedenfalls nicht so, wie man sich das zunächst denkt. Weswegen ich hier auch nicht ins Detail gehen möchte. Nur so viel, es ist ein Thriller, in dem es um Spionage und Einbruch geht und in dem man als Leser eine Menge über die Nobelpreisverleihung und die Wirkung von Hormonen auf das menschlichen Gehirn lernt. Außerdem erfährt man mehr über das Knacken von Schlössern und das Umgehen von Sicherheitsvorkehrungen, als einem lieb sein kann.

Ungemein spannend jagt der Autor seinen Protagonisten durch die Handlung und zieht den Leser gleichsam mit. Er führt aber beide auch reichlich an der Nase herum, was den Roman noch interessanter macht. Ich persönlich hatte am Anfang ein Problem mit dem plötzlichen Wechsel des Protagonisten. Gerade als ich mich eingelesen hatte und dem spannenden Leben von Hans-Olof Anderson folgte, taucht in Kapitel 16 plötzlich sein Schwager Gunnar Forsberg als Ich-Erzähler auf. Das fand ich im ersten Moment ziemlich irritierend. Erst zum Schluss wird klar, warum der Autor das so und nicht anders schreiben konnte.

»Der Nobelpreis« ist ein wendungsreicher Thriller, der mit viel Detailwissen zu unterschiedlichen Fachgebieten auftrumpft und in dem jede der unzähligen Plotwendungen aufwendig vorbereitet und durchgeführt wird. Allein die Recherchen für den Roman müssen Monate in Anspruch genommen haben. Eine Leistung, die Bewunderung verdient und dem Roman eine regelrechte Sogwirkung verleiht. Ich konnte ihn jedenfalls nur sehr schwer aus der Hand legen.

Der Thriller erschien bereits 2007 hat aber angesichts des diesjährigen Skandals um den Literaturnobelpreis nicht an Aktualität eingebüßt. Wieder etwas, das Andreas Eschbach vorausgesehen hat.

Der Roman ist bei allen Onlinehändlern und im Buchhandel (auf Bestellung) erhältlich.

Jedis, Ziegen und der Krieg

Quelle: Amazon

Der Film Männer die auf Ziegen starren könnte auch von den Coen-Brüdern stammen, aber er basiert auf einem Buch von Jon Ronson. Diese Woche habe ich mir den Streifen seit langem mal wieder angesehen.

Der skurrile Spaß über eine Hippie-Spezialeinheit in der US-Armee steckt voller Anspielungen über Jedi-Ritter und Parapsychologie. Was der Kleinstadtreporter Bob Wilson (Ewan McGregor) aufdeckt, klingt zunächst so absurd und unglaublich, dass einem vor Lachen die Tränen kommen. Statt mit Waffen trainieren die selbsternannten »Jedis« Hellsehen, Telekinese und Yoga. Es geht darum bewaffnete Konflikte zu verhindern und Frieden zu stiften und das mitten im Golfkrieg. Das geht so lange gut, bis sich ein Ehrgeizling unter die Truppe mischt.

Bei allem Klamauk und Wahnwitz enthält der Film dennoch eine wichtige Botschaft. Nämlich, das Krieg das dümmste ist, was es auf der Welt gibt. Die Leute, die gegeneinander kämpfen müssen, könnten im eigentlichen Leben beste Freunde sein.

Herausragend ist die Besetzung des Streifens. Eine ganze Riege von Hollywoodstars haben sich um Ewan McGregor versammelt. Neben George Clooney sind auch Jeff Bridges und Kevin Spacey mit von der Partie. Alle zusammen machen den Eindruck, als hätten sie sich bei dem Dreharbeiten köstlich amüsiert. Besonders witzig sind die Bemerkungen die Ewan McGregors Rolle in Sachen Jedi-Ritter über sich ergehen lassen muss, denn der Schauspieler verkörperte in STAR WARS Episode 1-3, den Obi Wan Kenobi und ist damit der einzig wahre Jedi-Ritter im Film.

Männer die auf Ziegen starren ist wie ein LSD-Trip, immer unwirklich und herrlich komisch. Hier kommen nicht nur Fans von George Clooney auf ihre Kosten.

Trisomie und Gott

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Was haben Trisomie 21 und Gott miteinander zutun? Zunächst einmal nichts. Dennoch hat Dirk Bernemann beides in seinem Roman »Trisomie ich dir« auf sensible aber auch brachiale Weise miteinander zu einer Geschichte verknüpft.

Auf der einen Seite sind Roy, ein junger Mann mit Downsyndrom, Solveig, eine jungen Frau, die zwar hübsch aber ungeliebt ist und Ingeborg, die feststellt, dass sie ihr ganzes Leben an ihren Mann vergeudet hat. Auf der anderen Seite ist Gott, der sich die drei Existenzen betrachtet und zu dem Schluss kommt, das die kaputte Welt einen Jesus 2.0 braucht.

Es gibt Bücher, die sind wie Delikatessen. So rar und köstlich, das man sie nicht wie Fastfood in sich hineinlesen darf. Solche Bücher müssen genossen, ja, zelebriert werden. Die Romane von Dirk Bernemann gehören eindeutig dazu. Ich habe mir bei der Lektüre viel Zeit gelassen, immer nur mal einen Happen gelesen. Weshalb ich für die nur 188 Seiten dann doch einen Monat brauchte.

Der Autor verschafft seinen Lesern tiefe Einblicke in die Psyche seiner Protagonisten, dabei bleibt er aber auffallend auktorial. Roy ist ein junger Mann und möchte als solcher behandelt werden, doch die Welt da draußen sieht in ihm nur ein Kind oder eben einen Behinderten. Das er nicht spricht/nicht sprechen will, ist dabei besonders tragisch. Und so stolpert Roy durch eine Welt ohne Liebe. Als er Solveig trifft, setzt das in ihm etwas in Bewegung, das am Ende zu einer Katastrophe führen wird. Solveig dagegen hat das normale Leben, was Roy sich wünscht und ist dennoch unglücklich. Mit einem Praktikum in einer Behindertenwerkstatt will sie ihr Leben in Schwung bringen, aber das deprimiert sie bis zum Absturz. Ingeborg hat ihr Leben hinter sich, sie widmet sich der Pflege ihres Mannes Hermann, der vor kurzem einen Schlaganfall erlitten hat. Als Hermann stirbt, fällt sie in ein tiefes Loch und findet in Roy einen scheinbar dankbaren Zuhörer.

Wie gut es Bernemann gelingt, einzelne Schicksale zu einer Geschichte zu verknüpfen, hat er in seinen Romanen über die kotzende Unschuld gezeigt. »Trisomie ich Dir« funktioniert etwas anders, aber nicht weniger überraschend. Bewundernswert ist auch hier die sprachliche Ebene. In Sätze und Wortschöpfungen, die eigentlich nicht funktionieren dürften, erzählt er von der Grausamkeit des Lebens. Das ist aufwühlend, abstoßend und doch so fesselnd und ehrlich, dass man nicht davon ablassen kann. Und wie in vielen seiner Romane kommt der Autor ohne wörtliche Rede aus und man bemerkt es nicht einmal.

Dirk Bernemann hat sich ganz mutig einem Thema genähert, das umstritten ist. Kann ich als Nichtbehinderter über einen Behinderten schreiben? Für mich waren seine Charakterisierung glaubhaft und die auktoriale Perspektive, die der Autor dabei verwendet, halte ich für eine gute Herangehensweise. Wieder ein Bernemann der von mir das Prädikat besonders wertvoll erhält.

Das Hardcover erschien bereits 2011 im Unsichtbar Verlag, als Taschenbuchausgabe von 2013 und E-Book ist es noch bei vielen Onlinehändlern erhältlich.

Steampunk aus Frankreich

Das es nicht immer superdetaillierte 3D-Animationen sein müssen, um zu begeistern, habe ich gestern auf ARTE erleben dürfen. Dort lief nämlich der gezeichnete Trickfilm »April und die außergewöhnliche Welt«. Und außergewöhnlich war sie, die Geschichte eines Mädchens in Paris, das sich nach dem scheinbaren Tod ihrer Eltern allein durchschlagen muss …

Halt! So ganz allein ist Avril nicht, immer an ihrer Seite ist Darwin ihr sprechender Kater. Er ist es auch, der ihr vorliest und sie Naturwissenschaften lehrt, ganz im Sinne der Familie, die schon seit Generationen an einem Unsterblichkeitsserum gearbeitet hat. Ob Avril eines Tages erfolgreich ist und wie das alles mit den weltweiten Entführungen von Wissenschaftlern zusammenhängt, davon erzählt der klassische Trickfilm vom französischen Comic-Superstar TARDI.

In detailreichen Bildern zeigt er ein Frankreich der 1940er Jahre, in dem es weder Elektrizität noch Erdöl gibt. In dem es aber auch durch den massiven Einsatz von Kohle und Holzkohle keine Bäume und Pflanzen mehr gibt. Das Zeitalter der Dampfmaschinen und die Herrschaft der Napoleons ist hier nie zu Ende gegangen, ein Grund dafür ist Avrils Urgroßvater.

Zu der spannenden Grundgeschichte gesellen sich noch eine Liebesgeschichte und ein Kriminalplot mit einem übereifrigen Polizisten, der es auf Avril und ihren Großvater abgesehen hat. All das macht die Handlung extrem kurzweilig.

Besonders gut hat mir Kater Darwin gefallen, der nicht nur mit seinem losen Mundwerk punktet, sondern auch mit den natürlichen Bewegungen und dem niedlichen Katzennäschen. Der Zeichner hat ihn sogar anatomisch korrekt als Kater dargestellt.

Noch bis zum 20.6. ist der Film in der ARTE Mediathek zu sehen. Allen, die auf phantastische Geschichten stehen und sich für klassische Trickfilme begeistern, kann ich nur sagen, schaut euch »April und die außergewöhnliche Welt« an. Es lohnt sich.

Warum das Mädchen im Filmtitel allerdings April heißt, während in der deutschen Synchronisation der französische Name Avril beibehalten wurde, muss ich nicht verstehen.