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Im Reiche des Kublai

Quelle: droemer-knauer.de

Es gibt Bücher, an die wird man sich immer erinnern. Man wird wissen wo und wann man sie gelesen hat. Das Buch, das mich die vergangenen drei Wochen begleitet hat, ist eines dieser Bücher. Ich versank jeden Tag in einer wunderbar erzählten Geschichte. Oliver Plaschka nahm mich nicht nur mit auf eine Reise ans Ende der Welt, sondern auch fast 800 Jahre in die Vergangenheit.

Die Reisen Marco Polos durchs ferne Asien sind ebenso bekannt, wie umstritten. Ist dieser venezianische Kaufmann tatsächlich nach China gereist und diente am Hofe von Kublai Khan, dem Enkel Dschingis Khans? Oder war er nur ein Lügner, ein Geschichtenerzähler, der nach Anerkennung und Geld heischte? Dass ein Mensch zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich von Venedig nach China und zurückgereist sein kann, daran zweifelt inzwischen keiner mehr. Was Marco Polo tatsächlich dort erlebt hat, darüber haben wir nur sein Wort. Es existiert ein Manuskript in französischer Sprache, das sein Mitgefangener Rustichello da Pisa in den Jahren 1298-1299 anfertigte. Genau diese Begebenheit nutzt Oliver Plaschka als Aufhänger für seinen Roman. Das Zusammentreffen Marco Polos mit dem Literaten und Geschichtenerzähler in einem Gefängnis in Genua bildet Grundlage und Rahmen von »Marco Polo – Bis ans Ende der Welt«.

Der Venezianer erzählt Rustichello aus seinem Leben und von seiner Reise. Oliver Plaschka lässt in diesem Handlungsstrang Rustichello bis zum Ende immer wieder zweifeln, ob das, was ihm erzählt wird, auch der Wahrheit entspricht. Das halte ich, gerade wegen den bis heute bestehenden Zweifeln, für eine grandios Idee, er unterstreicht damit gleichzeitig die Glaubwürdigkeit seines Romans. Denn ohne Zweifel hat Oliver Plaschka den Roman auf einem Grundgerüst aus Fakten geschaffen. Es ist erstaunlich wie viel des Inhalts aus tatsächlichen Vorkommnissen bestehen. Seien es die Beschreibungen der Orte und Landschaften auf dem Weg nach Osten, oder die Kultur der Völker, die im Buch beschrieben werden. Mit großer Akribie hat der Autor Informationen zusammengetragen und mit eigenen Interpretationen zu einer spannenden Geschichte verwoben.

Der Roman lebt von diesen Beschreibungen und besonders von den Figuren. Jeder Charakter hat einen eigenen Hintergrund und trägt dazu bei, mich als Leser für Stunden zu fesseln. Die Figur des Marco steht dabei im Vordergrund und man erlebt, wie er sich von dem Jungen aus Venedig, zum Stadthalter des Kahn bis hin zu dem gebrochenen Mann im Gefängnis entwickelt. Man leidet mit ihm. Die Verwicklungen und Täuschungen, die der Autor eingebaut hat, machen das Buch spannend wie einen Krimi.

Trotz der 850 Seiten wünscht man sich stellenweise, dass der Roman nie zu Ende ginge. Denn die Wunder die Marco beschreibt und die Leiden, die er und Rustichello erfahren, berührten mich so tief, dass bei mir nicht nur einmal die Tränen kullerten. Obwohl der Roman sehr ruhig und harmonisch geschrieben ist, hält Oliver Plaschka gleichermaßen die Spannung, indem er die Handlung um Marcos Abenteuer pausieren, bzw. Gedanken und Erzählungen anderer Personen einfließen lässt.

Ich habe in der Vergangenheit viele historische Romane gelesen. Die Bestseller von Ken Follett habe ich geradezu verschlungen. »Marco Polo – Bis ans Ende der Welt« steht denen in Nichts nach. Es ist ein historischer Roman, der viel Faktenwissen vermittelt und dazu die wunderbare und glaubhafte Geschichte eines Menschen erzählt, der den Mut hat, über den eigenen Horizont hinauszublicken. Eine Charaktereigenschaft, die ich heute bei vielen meiner Mitmenschen vermisse. Reiseberichte, selbst historischer Natur, öffnen Augen und Herzen und sollten viel mehr Aufmerksamkeit erfahren. Genauso wie dieser Roman. Ich wünsche mir für den PERRY RHODAN NEO-Autor, dass sein erster historischer Roman viele Leser findet, die dessen Bedeutung erkennen und die Arbeit des Autors zu würdigen wissen. Weil jede Seite dieses Buches es wert ist, gelesen zu werden.

»Marco Polo – Bis ans Ende der Welt« erschien 2017 bei Droemer-Knauer und ist im Buchhandel und bei den einschlägigen Onlinehändlern erhältlich.

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One Response to “Im Reiche des Kublai”

  1. August 10th, 2018 at 11:13

    Klaus N. Frick says:

    Schöne Rezension. Das Buch liegt bei mir ja noch im »zu lesen«-Stapel, und ich schiebe die Lektüre wegen des Umfangs immer vor mir her. Aber vielleicht sollte ich es einfach angehen …

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