(K)ein IKEA-Kaffee …

Da fahren wir alle fünf Jahre einmal zu IKEA (weil mein Mann das Möbelhaus meidet wie die Pest), kaufen drei Bretter für mein IVAR-Regal und wollen anschließend nur einen Kaffee trinken und einen Muffin essen, weil wir noch ein wenig Zeit haben und dann …

»Ich glaub, die Maschine ist in Reinigung«, teilt mir die Dame an der Theke hinter der Kasse mit.

Ich sehe sie fragend an. »In Reinigung?«

Sie rennt weg, kommt nach einer Minute zurück und nickt dann bestätigend: »Ja, die Kaffeemaschine ist noch in Reinigung.«

»Und wie lange dauert das?«

»20 Minuten. Wollen Sie dann trotzdem den Muffin kaufen.«

»Ähm!« Ich bin so perplex, dass ich erstmal nicht reagiere. Es ist Samstagmittag 13 Uhr, der Laden ist voll; draußen auf dem Parkplatz, stehen die Autos dicht an dicht; hinter mir Leute mit Einkaufswägen, die hungrig darauf warten, bedient zu werden und es gibt in diesem riesigen Laden scheinbar nur eine Kaffeemaschine, die gerade jetzt gereinigt werden muss und dann auch noch 20 Minuten lang …

»Was ist jetzt, wollen Sie den Muffin oder nicht.«

»Nein Danke, ohne Kaffee möchte ich nichts«, antworte ich und gehe.

Auf dem Parkplatz verhöhnt mich eine große Werbetafel auf der für BIO-Kaffee im IKEA-Restaurant geworben wird. Nun ja, nur dann, wenn nicht gerade die Maschine gereinigt werden muss.

Geplatzt!

Gestern Abend platzte völlig unerwartet unser Traum vom eigenen Haus. Seit zwei Wochen waren wir an einem Objekt dran, dass genau unseren Bedürfnissen entsprach und nicht zu teuer war. Wir sprachen mit Maklern, Bankangestellten, Finanzberatern und gestern Vormittag noch mit einem Anwalt, der den Kaufvertrag geprüft hat. Wir unterschrieben einen Kreditvertrag bei der Sparkasse, sichteten den Entwurf des Kaufvertrages und vereinbarten einen Notartermin. Weil wir am 26.5. auf den Weg nach Osnabrück waren, einigten wir uns mit der Maklerin auf den 30. Mai.

Gestern Abend kam dann eine E-Mail von der Maklerin, ob wir Fragen zum Vertrag hätten. Ich beging den Fehler und rief sie zurück. Sie druckste etwas herum und rückte nach und nach heraus, dass sich der Verkäufer mit der Entscheidung nicht Wohl fühle. Seine Tochter bewohnt nämlich mit drei Kindern das Haus und sie hätte ausziehen müssen, was wiederum den niedrigen Kaufpreis erklärte. Weil ihm der Nachbar aber versprach, dass seine Tochter wohnen bleiben kann, wollte er sich nun für ihn als Käufer entscheiden, obwohl er bei dem Geschäft mehrere zehntausend Euro Verlust machen würde.

Wir waren zunächst mal sprachlos und später dann völlig aufgelöst. Man richtet sich ja gedanklich schon mal ein, wenn man ein Haus kauft. Denn die Bestätigung, dass wir die Käufer sein würden, schien seit einer Woche festzustehen. Es war ja auch schon alles fertig: Finanzierung und Vertrag. Und jetzt fiel diesem Menschen ein, dass er doch nicht wollte …

Ich war sauer. Die Maklerin versuchte uns zu beruhigen. So einen Fall, hatte sie bisher auch noch nicht gehabt. Sie versprach uns, nochmals mit dem Verkäufer zu reden.

Heute morgen dann die ernüchternde Bestätigung. Der Verkäufer war nicht auf ihre Anrufe eingegangen, sondern schickte eine E-Mail, in der stand, dass er das Haus lieber an den Nachbarn verkaufen will. Damit seine Tochter wohnen bleiben kann.

Es ist einerseits verständlich, aber dann hätte er das von vornherein sagen müssen und die Immobilie nur als Investitionsobjekt ausschreiben dürfen. Oder zumindest sich nicht erst für uns entscheiden und eine Woche später seine Entscheidung zurückzuziehen. Es für einen Spottpreis an den Nachbarn zu verkaufen, unter dem Vorwand, dass dieser die Tochter wohnen lässt, ist in meinen Augen kein kluger Schachzug. Denn wer kauft schon ein Haus aus Nächstenliebe? Ich bin mir sicher, in ein paar Jahren klagt der Nachbar auf Eigenbedarf und die Tochter fliegt mit ihren drei Kindern raus. Dann verkauft er das Haus für hunderttausend Euro mehr, als er bezahlt hat. So viel ist es nämlich momentan wirklich wert (im leeren Zustand). Die anderen beiden Töchter, die von dem Hausverkauf ausbezahlt werden, werden sich bedanken, wenn sie jemals dahinter kommen.

Ich frage mich, was wir angestellt haben, dass bei uns nie mal etwas normal ablaufen kann. Wir sind einfach nur maßlos enttäuscht, traurig und sprachlos …

Ich mach‘ mir die Welt …

… Widdewidde wie sie mir gefällt …

Die Passage aus dem Kinderlied von Pipi Langstrumpf scheinen sich die Stadtoberen meiner Heimatstadt zu Herzen genommen zu haben. Anders kann man es sich nicht erklären, was da gerade passiert.

Wie immer geht es dabei … richtig … ums liebe Geld. Um Geld, das in die Modernisierung einer Straße fließen soll. Seit Jahren werden von den Städten hierbei vor allem die Anwohner zur Kasse gebeten. Und dabei heißt es, je größer das Grundstück, umso größer der Beitrag, den jeder zahlen muss. Daran sind schon so einige Existenzen zugrunde gegangen.

Der neueste Coup, ist aber fast schon als Zwangsenteignung anzusehen.

In besagter Straße, die sich in einem dörflich geprägten Stadtteil befindet, liegt ein großer Garten mit Obstbäumen, der sich idyllisch entlang eines kleinen Baches schmiegt. Er wird seit vielen Jahren von seiner Besitzerin gehegt und gepflegt. Nun soll die Straße saniert werden. Weil aber das Grundstück als Garten ausgewiesen ist, müsste die Besitzerin der Stadt nur 1.000 Euro für den Straßenbau überweisen. Weil das für die Stadt natürlich viel zu wenig ist, hat jetzt ein findiger Beamter das Grundstück der Besitzerin kurzerhand zu Baugrund ernannt, ohne die Dame auch nur zu fragen. Die ist jetzt im Besitz von Baugrund für zwei Mehrfamilienhäuser, obwohl sie niemals etwas bauen, sondern eigentlich weiter ihren Garten bewirtschaften wollte. Dafür soll sie jetzt Straßengebühren von 18.000 Euro an die Stadt überweisen.

Da sie die Summe nicht aufbringen kann, muss sie nun ihren Garten verkaufen. Als Baugrund zwar, der ein paar Euro mehr einbringt, als es der Garten getan hätte. Aber eigentlich hätte sie lieber ihren Garten behalten. Und auch den Anwohnern gefällt das nicht. Denn nun wird über kurz oder lang das Ensemble aus Bauernhäusern und Gärten von protzigen Neubauten zerstört. Und das nur wegen 17.000 Euro.

»2 x 3 macht 4 – widdewiddewitt und 3 macht 9e!«, heißt das Einmaleins aus Pippi Langstrumpfs Lied. Das Rechenexempel der Stadtväter scheint in gleicher Weise zu funktionieren, denn die machen aus 1.000 schnell mal 18.000 Euro. Streng nach dem Motto: »Ich mach‘ mir die Welt – wie sie mir gefällt.«

Die Probleme des Heers

Die Bundeswehr hat ein Hitzeproblem, las ich derzeit in den Nachrichten. Bei ihrem UN-Einsatz in Mali sei nur die Hälfte der Fahrzeuge einsatzbereit, die Hubschrauber dürfen bei mehr als 43° C nicht starten, weil sie nur bis zu dieser Temperatur zugelassen sind. Aber auch beim Nachschub klemmt es. Da werden die aus Deutschland anreisenden Kameraden vor ihrer Reise schnell noch zum Mercedeshändler um die Ecke geschickt, um ein paar Keilriemen für die »Wölfe« mitzubringen.

Da frage ich mich, was das für ein Licht auf ein Land wirft, wenn es kaum in der Lage ist, die Auslandseinsätze seiner Soldaten materialmäßig abzusichern. Es müsste den Politikern zu denken geben. Vielleicht sollten wir einfach nicht mehr bei jedem UN-Einsatz »hier« schreien, denn es sind zu viele geworden in letzter Zeit. Außerdem ist die Bundeswehr nie für Einsätze wie den in Mali vorgesehen. Die Ausrüstung wurde nach Normen gefertigt, die für unsere Breiten gedacht sind und nicht für die afrikanische Wüste.

Die Bundeswehr soll Deutschland verteidigen. Ich sage nicht, dass wir uns jetzt überall zurückziehen sollten. Im Zuge der Globalisierung verschoben sich nicht nur die Grenzen, sondern es entstanden viele neue Krisenherde, an denen wir Europäer nicht ganz unschuldig sind. Nun versucht man die Brandherde zu löschen, bevor uns ihre Ausläufer erreichen.

Dass dies nicht mit der derzeitigen Ausstattung geht, hätte man viel früher erkennen müssen, frühestens beim Einsatz in Somalia und Jugoslawien Anfang der Neunziger. Wenn die Politik die Aufgaben der Bundeswehr ständig erweitert, hätte sie dafür sorgen müssen, die Truppe dementsprechend auszustatten. Und vielleicht sollten man in dem Zuge auch mal die engen Vorschriften überdenken und nicht Bundeswehr-LKWs in Afghanistan stilllegen, nur weil der TÜV abgelaufen ist. Sicher geht es hier um die Sicherheit der Soldaten, aber ist es wirklich ein so großer Unterschied, ob ein Hubschrauber bei 43° oder 45° C startet?

Einschränkender Sicherheitswahn

Unser Osterspaziergang führte uns heute Morgen über verbotene Pfade.

Der beliebteste Wanderweg der Stadt, der sich in einem Tal entlang eines kleinen Baches mitten durch die Stadt zieht, ist schon seit Jahren für Fußgänger gesperrt, eigentlich! Aber die Saalfelder halten sich nicht daran, verständlicherweise, denn der kleine Weg ist zu urig und bietet Natur pur. Der Bachlauf hat sich über Jahrhunderte in den Sandstein gegraben und plätschert in kleinen Kaskaden dahin, drumherum stehen alte Bäume und im Frühjahr sind die Hänge mit bunten Blumen und frischem Grün bedeckt. Ein Idyll, das die Stadt ihren Bewohnern schon seit Jahren vorenthält, des Geldes wegen. Eine der Brücken ist marode, die Hänge rutschen bei Regen leicht ab und müssten befestigt werden, aber der Stadt fehlt das Geld zur Sanierung und so wurden Weg und Brücke 2015 kurzerhand gesperrt.

Dafür wurde der eigentlich intakte Marktplatz neu gepflastert (mit Steinen aus Vietnam wohlgemerkt) und am Kreisverkehr in unserer Straße stellte man vor Wochen zusätzlich zu den schon stehenden Straßenlaternen »vier« neue auf, um die Fußgängerwege besser auszuleuchten. Natürlich mit konventionellen Lampen nicht mit LED-Technik. Dafür werden in den Seitenstraßen die Straßenlaternen abends ausgeschaltet, um Geld zu sparen. Das alles folgt einer Logik, die sich mir entzieht.

Zurück zum Bach und der maroden Brücke. Die soll jetzt tatsächlich erneuert werden für stolze 140.000 Euro. Die bestehende Brücke – es ist mehr ein Steg – ist ca. 4 Meter lang, was mich grübeln lässt, was diesen Steg so teuer macht. Wahrscheinlich wird das auch so ein Prestigebau wie die Brücke der Umgehungsstraße, die ein paar Meter Bachaufwärts das Tal kreuzt. Hier führt sogar eine Treppe nach oben, die endet leider an einer vergitterten Tür vor dem Fußweg. Die Tür ist Teil eines drei Meter hohen Schutzzauns, der die gesamte Brücke einschließt und dessen Sinn sich mir nicht erschließt. Die Brücke ist nicht sehr hoch, es ist keine Lärmschutzwand, warum also braucht man den überdimensionalen Zaun? (Möglicherweise wegen der ansässigen Fledermäuse.) Wenn man dort einen offenen Zugang schaffen würde, könnte man sich sogar den Brückenneubau ersparen. Aber das würde sicher gegen irgendwelche Sicherheitsbestimmungen verstoßen …

Wir leiden unter einem ständig zunehmenden Sicherheitswahn, der uns immer mehr kostet und immer mehr einschränkt, weil uns Anwälte und Versicherungen diktieren, was wir zu tun und zu lassen haben. Vielleicht sollten wir mal einen Schritt nach hinten machen und uns überlegen, was wirklich notwendig ist und was nicht. Und vielleicht sollten alle die, die meinen wegen jedem Kram gleich klagen zu müssen, mal aufhören so gierig zu sein und sich bewusst machen: es gibt keine einhundertprozentige Sicherheit. Das war früher schon so und wird auch in Zukunft so bleiben.

Gesetz mit Haken

Seit gestern gilt ein neues Gesetz zum Recht der Arbeitnehmerüberlassung. Das soll vornehmlich die Rechte von Leiharbeitern und Fremdpersonal stärken. Das hört sich auf den ersten Blick sehr sinnvoll an und ich begrüße das im Grunde auch, weil mit Leiharbeit und Werksverträgen in Deutschland in den letzten Jahren sehr viel Schindluder getrieben wurde. Nur glaube ich, dass das Ganze wieder nach hinten los gehen wird und viele der Leiharbeiter, die jetzt noch beschäftigt sind, auf kurz oder lang ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Denn das Gesetz schreibt den Arbeitgebern vor, dass Leiharbeiter in Zukunft nach 18 Monaten fest eingestellt werden müssen. Das klingt nach einer guten Idee. Nur glaube ich nicht, dass sich große ausländisch geführte Unternehmen darauf einlassen. Meine Erfahrung sagt mir, dass die Arbeitnehmer nach 18 Monaten wieder gehen müssen und dafür neue Leihkräfte angeheuert werden. Normalerweise haben Leihfirmen dann die Verpflichtung ihre Arbeitnehmer im Anschluss weiter zu vermitteln, was aber in vielen Fällen nicht wirklich getan wird. Meist bekommen die Betreffenden die Kündigung schon am Werktor in die Hand gedrückt. Mal davon abgesehen, dass Leiharbeit für mich immer ein bisschen nach Menschenhandel riecht. Denn die Leihfirmen kassieren kräftig für ihre Angestellten und geben es nicht an sie weiter. Außerdem muss man sich mal in die Lage des Leiharbeiters versetzen. Da hat man sich gerade eingearbeitet, hat vielleicht Gefallen am Umfeld gefunden und würde gern dort bleiben, muss aber wieder gehen, weil a das Gesetz es so verlangt und b der Arbeitgeber einen nicht fest einstellen möchte. Für Arbeitgeber rechnen sich langfristige beschäftigte Leihkräfte eigentlich nicht. Es wäre günstiger, sie von Anfang an fest anzustellen. Warum große Unternehmen das dennoch nicht machen, liegt einfach am Kündigungsschutz. Gerade amerikanische Firmen setzen auf Flexibilität und geben kurzfristig lieber mehr Geld aus, als langfristig jemanden einzustellen. Klingt unlogisch, ist es auch, aber ich habe das genau so erlebt.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille des neuen Gesetzes, denn es greift noch tiefer. Und das halte ich für umstritten. Mit dem neuen Arbeitsrecht verschärfen sich auch die Regeln für die Scheinselbständigkeit. Ich spreche hier nicht von den niedrig bezahlten Jobs in der Logistikbranche oder in Schlachtereien, wo Menschen dazu gezwungen werden, sich als Selbständige zu verdingen. Ich spreche eher von den Experten in der IT-Branche, die als Freelancer arbeiten und zwar freiwillig, weil sie die Vorteile genießen, wie freie Zeiteinteilung, keine Präsenzpflicht sowie den höheren Verdienst.

Ich war 15 Jahre lang freiwillig selbstständig und 15 Jahre lang schwebte das Damoklesschwert »Scheinselbstständigkeit« ständig über mir. Die Einstufung, was als selbstständig und was als scheinselbstständig gilt, war von Anfang an schwammig und dehnbar formuliert. Es ist nach wie vor eine Grauzone und ich glaube das jeder Selbstständige in seiner Laufbahn die Grenze schon einmal überschritten hat. Denn so einfach, wie sich das der Gesetzgeber vorstellt, ist es in der Praxis nicht. Man kann nicht zeitgleich für mehrere Firmen arbeiten. Man kann sich nicht teilen, wenn man von zwei Firmen zur gleichen Zeit angeheuert wird. Manchmal ist auch das Projekt für eine Firma größer, als das der anderen und schwupp, ist der festgelegte Anteil, den man für einen einzigen Arbeitgeber im Jahr arbeiten darf, überschritten. Dann kann ich nicht einfach aufhören und sagen, ich mache nächstes Jahr weiter. Neben den Festlegungen zu den benutzen Arbeitsmitteln und getrennten Räumlichkeiten, kommt nun ein neuer Punkt dazu. Für die Erledigung der Aufgabe soll der Freelancer jetzt nur noch eine Pauschale erhalten, damit er das Risiko, unter Umständen unwirtschaftlich zu arbeiten, selbst trage. Das heißt nichts anderes, als das Freelancer nicht mehr in Stunden abrechnen dürfen. Das ist wie ein Werksvertrag. Jeder Handwerker würde da nur mit dem Kopf schütteln. Das ist in etwa so, als dürfe der Fliesenleger nur das abrechnen, was auf seinem Kostenvoranschlag steht, auch wenn ein Mehraufwand entsteht, weil die Fliesen, die der der Kunde haben will, sich schlecht schneiden lassen. Das zählt dann als unternehmerisches Risiko. Das kann es doch nicht sein.

Die Gesetze zur Scheinselbständigkeit hat die Schröder-Regierung verbrochen, um den Missbrauch zu stoppen. Gut gemeint, aber absolut unpassend für Leute, die in der IT arbeiten und das freiwillig machen. Ich kenne einige, die das tun. Sie verdienen als Freelancer nicht nur mehr, als wenn sie angestellt wären, sondern möchten einfach kein Angestelltenverhältnis. Warum lässt man solche Leute nicht so arbeiten wie sie wollen? Das Hauptargument ist ja, das Freelancer das Sozialsystem umgehen, dafür nehmen sie aber bei jedem Auftrag 19 Prozent Umsatzsteuer für den Staat ein. Das sind Millionen, die jährlich von Selbstständigen in das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands fließen. Lösen ließe sich das, wenn man als Selbstständiger freiwillig in die Sozialversicherungskassen einzahlen dürfte. Ich hätte sehr gern in die gesetzliche Rente und in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt, aber das war schlicht nicht möglich, weil es der Gesetzgeber nicht vorsieht. Ich wäre auch lieber in der gesetzlichen Krankenversicherung geblieben, aber dort habe ich sowohl Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberbeitrag bezahlt und das war auf Dauer unrentabel, um es mal aus ökonomischer Sicht zu sehen.

Wie gesagt, das neue Gesetz ist ein zweischneidiges Schwert. Es möchte Gutes tun und Arbeitnehmer schützen, bestraft aber auf der anderen Seite viele, die eben nicht ins Muster passen. Vielleicht sollte man einfach eine Einkommensgrenze für Scheinselbstständigkeit festlegen. Wer über einem bestimmten Jahresgehalt liegt, tut dies aus freiwilligen Gründen und sollte nicht dafür bestraft werden. Und er sollte die Möglichkeit bekommen, in die Sozialversicherung einzuzahlen. Damit wäre allen geholfen.

Unnötiger Verpackungsmüll

Unnötiger Müll wegen einer Nummer

Weil ich jedes Mal mit der Verlängerung von Kaspersky Probleme hatte (bezahltechnischer Natur), habe ich mir in diesem Jahr das 2017 Upgrade bei einem Onlinehändler bestellt. Auf dem Computer habe ich noch die Version von 2016. Dann, so dachte ich, bekommst du auch noch eine schöne CD, weil die abgebildete Packung ganz danach aussah. Als ich die schicke Schachtel heute geöffnet habe … Schock und Ernüchterung. Da lag nur eine Postkarte mit der Aktivierungsnummer drin, dafür viel Karton außen rum.

Aaah! Was für eine Verschwendung. Zum Glück hatte ich noch was anderes bestellt, sonst hätten die das womöglich auch noch einzeln in einem riesigen Karton geschickt. Ich kann mich erinnern, mal ein MS-Office Upgrade im Scheckkartenformat bekommen zu haben. Das kam wenigstens in einem Brief. Sicher wäre das in dem Fall auch möglich gewesen.

Das bedeutet, dass ich die Software im nächsten Jahr wieder online verlängern werde, und den ganzen HickHack mit nicht funktionierender PayPal-Funktion und alternativer Kreditkartenbezahlung über mich ergehen lassen werde. Einfach der Umwelt zu liebe.

Fragwürdige Preisverleihung

Vergangene Woche wurde die Longlist des Deutschen Phantastik Preis veröffentlicht und das Voting eröffnet. Die Fans sind angehalten über die Publikationen aus dem Jahr 2016 in den Genres »Fantasy« und »Science Fiction« abzustimmen. Die Sache hat nur einen Haken. Bisher konnten die Fans ihre Lieblingspublikationen nominieren und die Liste für die Abstimmungsrunde selbst zusammenstellen. In diesem Jahr hat das eine Jury gemacht. Aus wem diese Jury bestand und wie sie gearbeitet hat, darüber erfährt man nichts, aber das Ergebnis ist katastrophal. Da tauchen unbekannte Selfpublisher auf der Liste auf, während Publikationen professioneller Verlage einfach ignoriert werden.

PERRY RHODAN ist seit vielen Jahren in der Kategorie »Beste deutschsprachige Serie« nominiert. In diesem Jahr sind nur die Miniserien PR-ARKON und PR-TRIVID gesetzt. Keine Rede von der Erstauflage oder NEO. Selbst bei den Comics ist nur der erste Band der PR-Comicreihe angegeben, nicht aber der Sammelband mit allen drei Teilen. Bei den Grafikern, das gleiche Phänomen. Zeichner der PR-Serie sind nur mit zweitklassigen Covern vertreten. So geniale Arbeiten wie die von Alfred Kelsner für Band 2827 und 2839 (siehe Bilder unten), oder die NEO-Cover von Dirk Schulz fehlen völlig.

Warum ist ARKON nominiert und JUPITER nicht? Warum taucht NEO nicht auf? Ich denke das PERRY RHODAN als Oberbegriff richtig wäre, um alle Fans zu bündeln. Doch genau hier scheint das Problem der Verantwortlichen zu liegen, die haben Angst vor zu viel Dominanz. Hinter der Jury-Entscheidung, unter dem Namen PERRY RHODAN nur mäßig gute Publikationen und Grafiken zu nominieren, steckt die klare Absicht, die Großen des Genres in die Ecke zu drängen.

Unter der seltsamen Zusammenstellung der Veröffentlichungen leidet nicht nur PERRY RHODAN. Es fehlen großartige und wichtige Publikationen aus dem Jahr 2016. Angefangen von der dreiteiligen Star Trek-Serie »Prometheus« von Christian Humberg und Bernd Perplies (CROSSCULT). Da haben zum ersten mal deutsche Autoren das Star Trek-Universum erweitert und dann wird das nicht gewürdigt, oder bei der Sekundärliteratur erscheinen weder »Invasion der Zukunft« von Hans-Peter von Peschke (THEISS) noch »Das SF-Jahr 2016« von Sascha Mamczak (HEYNE). Dergleichen fehlen wichtige Anthologien wie »Sternenfeuer« und »Schattenfeuer« aus dem Drachensternverlag (BOOKSPOT).

Mir kommt es so vor, als hätte die Jury bevorzugt Kleinverlage und Selfpublisher nominiert und die »Großen« einfach ignoriert. Dann sollte man vielleicht darüber nachdenken, einen Extrapreis für Selfpublisher zu vergeben und nicht diejenigen bestrafen, die seit Jahren das Genre am Leben erhalten.

Boykott ist das einzige, was man tun kann: einfach in den Kategorien »Keine Stimme abgeben« anklicken und dafür seinen eigenen Vorschlag eintragen. Vielleicht wachen die Verantwortlichen dann auf, was für eine sinnentleerte Liste sie da aufgestellt haben.

Das Schärfste jedoch ist, dass auf der Internetseite des Deutschen Phantastik Preis ein Foto veröffentlicht wurde, das vom PERRY RHODAN-WorldCon 2011 stammt. Es zeigt Tom Hillebrand, der ein paar mal den Preisverleihung moderiert hat. Entweder derjenige, der die Seite gestaltet hat, hatte keine Ahnung, oder war zu faul sich ein Bild von den Preisverleihungen in Dreieich zu besorgen. Bei alledem dann noch ein Foto von einer PERRY RHODAN-Veranstaltung für die Internetseite des Phantastik Preis zu verwenden, finde ich einfach nur frech.

Apropos Dreieich. Dei Verleihung des Deutschen Phantastik Preis fand all die Jahre auf dem BuCon in Dreieich statt. Im letzten Jahr durfte ich der netten kleinen Veranstaltung sogar beiwohnen. In diesem Jahr werden die Preise im großen Rahmen mit viel Pomp auf der Phantastika in Oberhausen vergeben. Das die Preisgelder auch schon mal höher waren, fällt da schon gar nicht mehr ins Gewicht.

PR 2827 Quelle Perrypedia
PR 2839 Quelle: Perrypedia

Im Gafferstau

Samstagmorgen auf der A8. Das Autoradio meldet einen Unfall zwischen Irschenberg und Bad Aibling auf der Gegenfahrbahn. Kaum erreichen wir Rosenheim stockt der Verkehr auch auf unserer Seite. Zuerst denke ich noch, dass es am erhöhten Verkehrsaufkommen liegt, weil die A93 einmündet, doch der zähfließende Verkehr zieht sich über Kilometer hin bis … bis zur Unfallstelle auf der Gegenfahrbahn. Keine fünf Meter danach löst sich sich der Stau in nichts auf.

Toll! Da verbrachten wir zwanzig Minuten im Stau, nur weil so ein paar Gaffer unbedingt glotzen müssen, wie ein paar Autos auf der anderen Fahrbahn ineinander gefahren sind.

Ich bin dafür, klappbare Sichtschutzwände im Mittelstreifen der Autobahn zu installieren oder die Fahrbahnen so gegeneinander zu versetzen, damit man keine Einsicht hat. Aber das würde zu viel kosten.

Wenn Anarchie und Chaos regiert

Wäre es ein Film, würde man sagen: wie unrealistisch. Aber man könnte zumindest darüber lachen, ohne sich Gedanken zu machen. Nur leider ist es kein Film, der sich gerade im Weißen Haus in Washington abspielt.

Da regiert ein größenwahnsinniger Präsident, der sich wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt. Mit dem Unterschied, dass ein Elefant weniger Schaden anrichten würde. Bei den Meldungen darüber, was Trump tagtäglich so anstellt, könnte einem Angst und Bange werden. Laut den Medien herrschen im Weißen Haus seit seiner Übernahme Anarchie und Chaos. Wahrscheinlich ginge es geordneter zu, wenn stattdessen ein Mitglied der Anarchistischen Pogo Partei zum Präsidenten gewählt worden wäre. Die hatten zumindest ein durchschaubares Programm.

Beim Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und seiner Clique weiß man nicht, was sie als nächstes planen oder wen sie als nächstes gegen den Karren fahren. Dabei ist das, was sie tun, hochriskant. Ich rede nicht mal davon, dass sie mal für und mal gegen die Russen wettern, oder dass sie den NATO-Staaten mit ihrem Austritt drohen. Nein, was mich besorgt, sind die Dinge, die in den USA passieren. Sei es, dass Fakten zum Klimawandel auf institutionellen Webseiten verschwinden, dass Universitäten um ihre Mitarbeiter bangen, weil diese aus Staaten kommen, für die ein Einreiseverbot droht. Oder das Wissenschaftler um Forschungsgelder fürchten, weil ihre Ergebnisse der Regierung nicht gefallen könnten und dass die Lehrpläne von Schulen überprüft werden sollen. Damit die Bevölkerung noch weniger erfährt, was wirklich in der Welt los ist. Donald Trumps totalitäres Gehabe birgt die Gefahr eines Bürgerkriegs. Schon jetzt protestieren die Menschen gegen ihn, zurecht, wie ich finde. Aber was, wenn sich Gegner finden, die ihren Präsidenten um alles in der Welt verteidigen wollen? Einen Präsidenten, den man nicht ernst nehmen kann, aber muss.

Zum Glück scheint es noch ein paar Instanzen in den USA zu geben, die die Verfassung hochhalten und die Gesetze wahren. Aber wie lange noch …? Wie lange wird es dauern, bis aus Trump ein zweiter Erdogan wird? Nach dem Desaster, das der aktuelle Präsident angerichtet hat, sollten die Gesetzeshüter Amerikas ernsthaft über ihr Wahlverfahren nachdenken, das geschaffen wurde, um einen Präsidenten wie Trump eigentlich zu verhindern.

Und wir Europäer? … Wir sollten endlich aufhören, uns zu streiten und Geschlossenheit demonstrieren – gegenüber Trump und den Populisten aus den eigenen Reihen. Denn aus Populismus ist noch nie etwas Gutes gewachsen. Wenn Europa in die Kleinstaaterei zurück fällt, haben sowohl Russland als auch Amerika endlich erreicht, was sie schon lange wollten. Denn arbeiten tun sie an diesem Plan bereits seit einer ganze Weile. Sollten sie Erfolg haben, bricht Anarchie und Chaos auch in Europa aus, und dass wird bestimmt nicht so lustig, wie es sich die Anarchistische Pogo Partei einst erdacht hat.