Am Feiertagswochenende haben wir wieder fleißig gekocht und gebacken.


Und damit das Essen nicht ansetzt, waren wir spazieren, obwohl das Wetter nicht so toll war.
Ansichten, Rezensionen, Kommentare
Seit einem Jahr beobachte ich zunehmend eine besorgniserregende Entwicklung. Gute Freunde, enge Verwandte und geschätzte Menschen, die ich schon lange kenne, verändern sich. Sie scheinen sich nach und nach in jemand anderen zu verwandeln. Ich erkenne sie oftmals nicht wieder, in dem was sie sagen oder tun. Plötzlich verstehe ich sie nicht mehr, denn da wo zuvor Einigkeit war, macht sich Uneinigkeit breit. Ich spüre Ablehnung und Mistrauen. Sie werden mir fremd und ich kann nichts dagegen tun. Noch schlimmer, es macht mich traurig und wütend zugleich. Ich möchte es ihnen von Angesicht zu Angesicht sagen, doch das geht nicht, also schweige ich und wende mich von ihnen ab.
Gemeinsamkeit wird zu Einsamkeit. Wir driften auseinander wie Eisschollen auf einem dunklen kalten Meer. Wir entfernen uns nicht nur körperlich voneinander, sondern vor allem in unseren Gedanken. Das Schlimme daran ist, dass ich nicht festzustellen vermag, ob ich es bin, die sich verändert oder die anderen. Das macht mir Angst.
Ich fürchte, selbst wenn das irgendwann vorbei sein sollte, werden die Risse bleiben. Ich werde diese Menschen nie wieder so sehen können, wie sie einmal waren und sie mich wahrscheinlich ebenfalls. Das Vertrauen wieder aufzubauen, wird schwer werden, wenn nicht gar unmöglich.
Wenn mich die letzten Monate eines gelehrt haben, dann dass wir im Angesicht der Angst nicht zueinanderstehen, sondern im Gegenteil wir uns voneinander entfernen. Das Prinzip Angst treibt die Gemeinschaft immer weiter auseinander, sie zerfällt in immer kleinere Teile. Und jeder von uns steht daneben und hilft mit, aus Angst vor den anderen und auch aus Angst vor uns selbst. Irgendwann werden wir uns die Frage beantworten müssen, wie wir das zulassen konnten.
Vielleicht sollten wir uns der Angst stellen, auch wenn die Angst jeden Tag aufs Neue in uns genährt wird. Vielleicht sollten wir uns lieber dem Prinzip Hoffnung verschreiben, selbst wenn es noch so unmöglich erscheint.
Es folgt ein Text, der eigentlich in der FanSzene 31 in PR 3121 erscheinen sollte, aber aus bestimmten Gründen (über die ich mich nicht äußere) gegen eine andere Besprechung eingetauscht wurde.
Großen Wirbel verursachte die Ausgabe 82 der »phantastisch!« beziehungsweise eine im Heft abgedruckte Karikatur, die von vielen Beobachtern in den Sozialen Medien und in diversen Foren als rassistisch wahrgenommen wurde. Auf so viel Aufmerksamkeit hätte Chefredakteur Klaus Bollhöfener gern verzichtet. Denn so wurde das Heft von den meisten auf diese einzige Seite reduziert und der weitere Inhalt ignoriert. Es wurde sogar mit Boykott gedroht und Konsequenzen für Verlag und Chefredaktion gefordert.
Dabei hat das Heft sehr viel Schönes zu bieten. Zum Beispiel ein Portrait des Zeichners Carlos Giménez oder der sehr aufschlussreiche Beitrag über die Ergebnisse einer neuen Untersuchung von »Nick der Weltraumfahrer«. Letzteres Thema begegnet mir in letzter Zeit häufig in diversen Fanzines. Es scheint in der Szene offenbar viele Leute zu beschäftigten.
Highlight neben den beiden Storys ist aber der Artikel von Michael Tinnefeld über die »Phantastische Psyche«. Dieses Mal geht es um das Sammeln und wo hierbei die Leidenschaft aufhört und es anfängt, krankhaft zu werden.
Klaus Bollhöfener hat inzwischen auf der Internetseite der »phantastisch!« eine Erklärung abgeben und in der E-Book-Fassung wurde das umstrittene Bild entfernt.
Ob mit oder ohne Karikatur, die »phantastisch!« ist ein lesenswertes Magazin und wird es hoffentlich noch lange bleiben.
Angesichts des Aufruhrs, den das nicht wirklich witzige Bildchen eines Kannibalen ausgelöst hat und das meines Erachtens die Aufregung überhaupt nicht wert ist, stelle ich mir die Frage, ob wir das Maß verloren haben. Können wir zwischen Humor und Ernst nicht mehr unterscheiden? Haben wir verlernt, Ironie und Witz als solche zu erkennen? Beschneiden wir uns selbst, in unserem Wahn jeden Menschen retten zu wollen, ob er will oder nicht? Früher war eine Karikatur eine Karikatur und ein Witz war ein Witz. Jeder Erwachsene wusste, was gemeint war und wie man damit umging. Wenn ich bedenke, wie viele Blondinenwitze ich in meinem Leben schon anhören musste oder wie viele schlechte Witze über Ostdeutsche … ohne das es mich geärgert oder mir persönlich geschadet hat. Wenn ich jedes Mal so einen Zirkus gemacht hätte …
Klar, sollte man bei Themen wie Rassismus sensibel sein, aber Bitteschön, irgendwo muss eine Grenze gezogen werden. Ich kann verstehen, wenn Menschen die tatsächlich betroffen sind, sich darüber aufregen, wenn ein Afrikaner o. ä. stereotyp dargestellt wird. Das ist ihr gutes Recht und das können und müssen sie auch äußern dürfen. Sie sollten es aber nicht als Auftakt zu einem Feldzug missbrauchen und über die Herausgeber herziehen und ihnen böse Absichten unterstellen. Vor allem nicht, wenn sich Derjenige, den es betrifft, nicht wehren kann, weil er nicht in den Sozialen Medien unterwegs ist und davon zunächst gar nichts mitbekommt. Früher hat man in solch einem Fall einen Brief an die Redaktion geschrieben. Heute organisiert man gleich einen Shitstorm, unterstützt von Leuten, die weder die Macher kennen, noch je einen Blick in die Zeitschrift geworfen haben. Personen die den Feldzug gegen den angeblichen Rassismus nutzen, um sich selbst in ein besseres Licht zu stellen, anstatt wirklich etwas handfestes gegen Rassismus zu tun. Nämlich die Vorurteile gegenüber Menschen anderer Hautfarbe abzubauen, in dem man mit jenen redet, die Menschen mit Migrationshintergrund ablehnen oder sich von ihnen bedroht fühlen. Es ist tausendmal besser sich im richtigen Leben gegen eine Benachteiligung solcher Menschen einzusetzen. In dem man ihnen zum Beispiel zu einer Wohnung verhilft, oder zu einem Fahrrad, damit sie die weiten Strecken auf dem Land nicht zu Fuß zurücklegen müssen. Ich helfe Menschen, wenn sie Hilfe brauchen und mir ist es egal welche Hautfarbe sie haben oder ob sie aus Albanien, Afghanistan oder Nigeria kommen. Aber es ist natürlich einfacher, im Internet die Fehler anderer ans Licht zu zerren und sie zu denunzieren, weil man sich dabei nicht selbst die Finger schmutzig machen muss.
Heute und besonders durch die Pandemie sind wir zu einer spaßbefreiten Gesellschaft geworden, in der die Angst jegliche Freude und Humor aufgefressen hat. In der niemand dem anderen das Glücklichsein gönnt. In der man seine Gedanken nicht mehr frei äußern darf, weil sich irgendjemand vielleicht davon verletzt fühlen könnte. Wir nehmen uns selbst die Freude am Leben und verbreiten lieber Hass. Wir sind wirklich zu bedauern.
Zurück zur »phantastisch! 82« und den Grenzen zwischen Humor und Beleidigung: Wenn die Karikatur rassistisch ist, dann ist das Titelbild frauenfeindlich. Denn da wird ein weiblicher Roboter stereotyp abgebildet. Der »Mann« fährt und die »Frau« sitzt hinten. Ich hätte besser gefunden, wenn der weibliche Roboter gefahren wäre und ihr Partner sich den Hut hätte festhalten müssen, weil sie zu rasant fährt. Dann wäre das Bild nicht nur ein Bild gewesen, sondern es hätte eine Geschichte erzählt. Aber ich bin als Frau viel zu selbstbewusst, als das ich das Bild als beleidigend ansehen würde.
Die Kommentare sind ausgeschaltet, denn ich brauche keinen weiteren Shitstorm.
Nach einer Woche Kälte, Schnee und Eis kam am Wochenende endlich der Frühling zurück. Wir nutzten das, um einen kleinen Ausflug zu machen. Kontaktlos versteht sich.
Es ist schon ein Privileg, dort zu leben, wo andere Urlaub machen. Man setzt sich nur mal fünf Minuten ins Auto und ist in einer anderen Welt. Leider ist es oft so: wenn man irgendwo wohnt, erkundet man oft weniger Orte, als wenn man als Tourist dorthin kommt. Viele schöne Ecken kennt man einfach nicht, oder man hat vergessen, wie schön sie sind. Dieses Mal war es genauso. Wie oft sind wir schon an Anger vorbeigefahren, wenn wir nach Bad Reichenhall wollten. Wie oft habe ich aus dem Autofenster das Panorama bewundert, das man sieht, wenn man auf der Hügelspitze aus dem Wald kommt. Das unterhalb der Straße ein See und ein altes Kloster steht, habe ich nicht gewusst. Das erfuhr ich erst von unserer Azubine, die dort in der Nähe wohnt.
Auf jeden Fall sind wir am Samstagvormittag zum Höglwörther See gefahren, weil ich gelesen hatte, das es dort einen Wanderweg rund um die See gibt. Am Samstag deswegen, weil da alle beim Einkaufen sind und wir hofften, das nicht so viele Ausflügler unterwegs wären. Was auch der Fall war. Der Parkplatz war mäßig belegt, ein paar ältere Leute liefen dort rum. Ein paar Jogger überholten uns. Ansonsten waren wir so gut wie allein auf dem Rundweg.
Es war schon sehr schön. Vor allem zu dieser Jahreszeit, wo die ersten Blumen im Wald blühen und die Bäume noch ohne Laub sind. Am manchen Stellen lagen noch Schneereste. Die Sonne schien warm, die umgebenden Bergspitzen glänzten weiß und der Himmel zeigte sich im schönsten Blauweiß. Der See war voller Fische, die sich unter der Fußgängerbrücke sammelten. Wahrscheinlich erhofften sie sich gefüttert zu werden. Die kamen ganz nah ran. An einem Ende des Sees ergießt sich eine Wasserkaskade in den See. Dort stand im vorigen Jahrhundert mal eine Mühle und ein Elektrizitätswerk. Jetzt erzählen nur noch Schilder davon. Auf einem der angrenzenden Hügel steht ein Baum, der aussieht wie ein Pudel.
Das Gebäude des alten Klosters steht zwar leer, ist allerdings schön hergerichtet. Die große Wirtschaft mit riesigem Biergarten hat bis auf weiteres wegen Corona geschlossen. Eine Schande, muss man ehrlich sagen. Mit vernünftigen Hygienekonzept steckt sich im Biergarten ganz sicher keiner an. Die Wirtsleute können einem leid tun, die verbrennen jetzt schon monatelang ihr Geld ohne irgendeine Hoffnung je wieder aufmachen zu dürfen. Traurig.
Den Sonntagfrüh nutzten wir für einen Spaziergang rund um Waging. Auch hier zeigte sich die Landschaft verschwenderisch in ihrer Schönheit. Die Bäume öffneten die ersten Knospen, die Berge waren noch verschneit und der See lag wie ein Spiegel zwischen den Ortschaften. Der Veilchenteppich vor unserem Haus leuchtete hellblau und die letzten Krokusse blühten.
Wir sind an Ostern nach Thüringen gefahren. Meine Eltern sind ja nun schon zwei Mal geimpft und wenn wir dort sind, treffen wir uns schon unter normalen Umständen mit niemandem, während der Pandemie erst recht nicht.
Wir sind ein bisschen spazieren gegangen und haben geschaut, was es neues gibt. Die Stadt hat wieder einen Baum für Ostereier gepflanzt. Nachdem der in der Fußgängerzone radikal beschnitten wurde. Außerdem haben dort irgendwelche Chaoten immer die Eier zerstört. Jetzt wächst ein neuer Obstbaum im Schlossgarten. Noch ist er nicht so groß, das alle 10.000 Eier dran passen, aber mit der Zeit. wird das schon. Am Sonntag habe ich im Garten Himbeeren ausgegraben und umgepflanzt, was mir eine Woche lang Muskelkater beschert hat. Mein Mann hat den Wein und den Schmetterlingsflieder beschnitten.
Die Autofahrt war übrigens wieder super entspannt. Man merkt schon, das es immer mehr E-Autos gibt. Am Freitag in Plech waren die Ladesäulen alle belegt. Als wir kurz vor Mittag ankamen, waren wir zunächst die einzigen. Innerhalb kürzester Zeit kamen immer mehr Autos zum Laden. Unteranderem ein Porsche Taycan, das einzige Auto, das die 350 kW Ladesäule nutzen konnte. Nach einer halben Stunde konnten wir weiterfahren. Wir haben ausgerechnet, dass zu dem Zeitpunkt etwa 700 kW durch die Leitungen gingen.
Rückwärts ging es ohne Probleme. Da war auch weniger Verkehr als am Karfreitag. Es waren überraschend viele Wohnwägen und Wohnmobile unterwegs, obwohl nach wie vor Camping nicht erlaubt ist.
Das Wetter schlägt Kapriolen. Morgens ist alles weiß, dann scheint wieder die Sonne, der Schnee schmilzt. Plötzlich wird es dunkel und ein Schneesturm bricht herein, so dass man keine zwanzig Meter weit mehr sehen kann. Minuten später herrscht wieder eitel Sonnenschein und blauer Himmel. Verrückt! Der April macht eben was er will.
Auf der Wiese vorm Haus sind die Veilchen eingeschneit. Die Krokusse, die endlich aufgeblüht sind, liegen schon wieder danieder. Die Forsythien-Büsche sind weiß und nicht mehr gelb. Das ist alles schon sehr nervig. Im Winter hätte ich mich echt gefreut über so viel Schnee. Jetzt, im April, nach Ostern finde ich das nicht mehr schön. Zumal ich endlich wieder mit dem Fahrrad auf Arbeit fahren würde, aber bei den Straßenverhältnissen morgens ist das unmöglich. Die Straßendienste scheinen nämlich auch schon ihre Fahrzeuge eingemottet zu haben, denn am Dienstag früh waren die Wege und Straßen eisig, heute morgen dann voller Schnee.
Wenn ich vergleiche, wie schön das Wetter im vergangenen Jahr um diese Zeit war … jeden Tag saßen wir zum Kaffeetrinken draußen auf dem Balkon. Hoffen wir, dass es zumindest am Wochenende schöner wird. Und wir den Geburtstag meines Mannes mit einem schönen Mittagessen auf dem Balkon begehen können. Was anderes ist ja nicht möglich, so lange die Regierenden in Deutschland die Pandemie nur verwalten und nicht bekämpfen. Aber darüber rege ich mich nicht mehr auf. Bringt ja nichts.
Mein geschätzter Kollege aus der SOL-Redaktion, Michael Tinnefeld, hat zusammen mit Uli Bendick einen Kurzgeschichtenband herausgegeben. In dem geht es weitgehend um Psychologie in der Zukunft. Michael hat seinen Beruf als Psychologe mit seiner Science-Fiction-Leidenschaft verbunden und rief 2019 auf ihm Geschichten zum Thema zu schicken. Nach langer gründlicher Überarbeitung erschien nun endlich die von Uli Bendick reich bebilderte Anthologie. Ich selbst habe sie noch nicht gelesen, möchte aber schon mal hier darauf aufmerksam machen.
Im Klappentext heißt es:
Psychische Störungen eröffnen uns einen meist unbekannten, fremden und manchmal bizarren Kosmos.
»Diagnose F« entführt Sie mithilfe von 35 Erzählungen und ebenso vielen Illustrationen in die Welt der seelischen Erkrankungen, deren Symptomen und möglicher Therapien. Die Grafiken stammen von zwei Künstlern, die die Geschichten auf ihre Art grafisch interpretieren. Ein Psychotherapeut diagnostiziert, analysiert und kommentiert jede Erzählung fachlich, sodass eine Verbindung zwischen Science und Fiction hergestellt wird.
Die Kurzgeschichten spielen in naher wie in ferner Zukunft und handeln von einem depressiven Alien, einer paranoiden KI, einem spielsüchtigen Menschen mit Gehirnchip, einem narzisstischen Psychiatrieprofessor, überaus konsequenten Robotern, einem schizophrenen Retter der Welt und vielem mehr.
Das Buch erschien bei AndroSF und ist bei allen Händlern als Paperback, Hardcover und E-Book erhältlich.
Michael Tinnefeld & Uli Bendick (Hrsg.)
DIAGNOSE F
Science-Fiction trifft Psyche
AndroSF 138
p.machinery, Winnert, Februar 2021, 352 Seiten

Am Montagabend schon lief im Bayrischen Fernsehen eine Sendung über den Ort in dem ich wohne. Sie erzählt von Menschen, die hier leben und der schönen Landschaft. Es gibt viele tolle Ansichten zu sehen und die Zuschauer erfahren, was es alles zu erleben gibt.
Klar ist das Werbung für den Ort. Viele Leute, die Waging noch nicht kannten, werden sich das sicher mal für einen der nächsten Urlaube notiert haben.
Wer sich die Sendung mal anschauen möchte, sie wird noch einige Zeit in der Mediathek der ARD zu sehen sein.
Heute ist Frühlingsanfang. Allerdings scheint die Natur das noch nicht so richtig mitbekommen zu haben. Jedenfalls sah es heute morgen so aus, wie auf den Bildern.
Wir hatten in dieser Woche mehr Schneefall als im ganzen abgelaufenen Winter. Am Mittwochnachmittag war es richtig schlimm. Mein Mann hatte mich von der Arbeit abgeholt. Binnen Minuten war alles eingeschneit, die Scheibenwischer von Auto haben es kaum geschafft. Dabei ist es jetzt morgens um Sechs schon so hell, das ich mit dem Fahrrad fahren könnte. Aber bei der Kälte und den wechselhaften Wetterkapriolen – zwischendurch scheint dann doch immer mal wieder die Sonne – ist mir das zu gefährlich.
Von den Krokussen, die ich vergangenen Herbst auf die Wiese vor dem Haus gepflanzt habe, sind nur die Spitzen zu sehen. überall sonst im Ort blühen sie schon, oder sind längst verblüht. Die Märzenbecher sind gar nicht erst aufgegangen. Es fehlt eindeutig die Sonne. Die Wiese liegt den halben Tag im Schatten und die Sonne steht noch nicht so hoch, dass sie über das Käsewerk hinweg scheint. Zumindest konnte man jetzt im Schnee erkennen, das tatsächlich ein paar der Krokusse aufgegangen sind. Bisher hatte ich befürchtet, das die Zwiebeln gefressen worden sind.
Ich mag den Winter ja und Schnee sowieso, aber irgendwann ist es genug.
Weil ich nicht als Rabentochter gelten möchte, die sich nicht um ihre Eltern kümmert, und ich ein echtes Problem damit habe, weil ich sie seit Weihnachten nicht besucht habe, entschlossen wir uns spontan an diesem Wochenende nach Saalfeld zu fahren. Selbstverständlich mit unserem neuen E-Auto.
Ein echter Praxistest sollte es werden. Sind wir genauso schnell unterwegs wie mit dem Diesel-Corsa und vor allem, ist die Reise genauso unbeschwert?
Die Antwort ist eindeutig, JA!
Normalerweise brauchen wir für die Strecke von 450 Kilometern etwa fünfeinhalb bis sechs Stunden. Wir machten bisher immer eine zehnminütige Tankpause in Forsting oder Ebersberg und eine halbe Stunde Pause in Plech. Auf der Rückfahrt halten wir normalerweise in Greding für einen Kaffee im McCafe. Seit einem Jahr ist das etwas anders, da die McDonald-Restaurants an der Autobahn wie die meisten Raststätten geschlossen sind. Weil wir nicht mit dem Auto durch den McDrive fahren wollen, gehen wir zum KFC, da kann man zu Fuß an den Counter oder ins Restaurant zum abholen. Die Toiletten darf man da meist auch benutzen, was bei McDonalds gar nicht mehr geht. Außerdem schmeckt das Hühnerfleisch einfach besser.
Mein Mann lud am Donnerstagabend unser Auto an der Ladesäule im Ort kostenlos auf 97 Prozent und wir kamen am Freitagmorgen locker bis Plech, wir hätten sogar noch 120 Kilometer weiterfahren können, laut Ladestandsanzeiger. In Plech steht neben dem McDonalds eine Fastnet-Ladestation mit vier Ladesäulen, eine hat sogar 350 kW. Da unser Auto aber höchstens mit 125 kW laden kann, benutzten wir die 175 kW-Säule. Es herrschte gähnende Leere an der Ladestation. Wir waren die einzigen. Wir aßen etwas und gingen dann noch in den dortigen Aldi, weil ich meinen Eltern noch etwas mitbringen wollte. Wir hätten uns auch beim McDonalds oder im REWE Essen oder einen Kaffee holen können. Nach gut einer halben Stunde war der Akku wieder zu 80 Prozent voll. Kostenpunkt 20 Euro mit der Ladekarte vom ADAC.
Damit kamen wir locker bis Saalfeld (eigentlich wären noch 240 km drin gewesen) und konnten am Samstag das Auto an der Ladestation der Saalfelder Stadtwerke wieder auf 90 Prozent aufladen. Das heißt, bei wärmeren Temperaturen wären wir sogar ohne zu Laden bis ins Ziel gekommen. Das wollten wir aber bei dem kalten Wetter nicht riskieren und eine Pause machen wir ja ohnehin immer.
Rückwärts ging’s genauso gut. Trotz Schneefall und zwei Grad plus wären wir mit der Akkuladung auch weiter, als bis Greding gekommen. Aber so hielten wir dort, holten uns beim KFC etwas zum Mittag, bewegten uns ein bisschen, weil der KFC außerhalb der Raststätte am Berg liegt. Machten gemütlich im Auto Mittag und fuhren nach etwa vierzig Minuten mit 90 Prozent Ladekapazität bis nach Waging.
Die Bedienung der Ladesäulen ist denkbar einfach. Stecker reinstecken, Karte dranhalten, warten bis geladen, fertig. Abgezogen wird der Betrag von der Kreditkarte. Die ADAC-Ladekarte wird meist überall akzeptiert (EnBW), mitunter zahlt man damit sogar weniger und wenn es doch mal nicht geht, haben wir noch die Karte von VW und die App von BOSCH. Bei EnBW lädt man sogar mit Ökostrom. Was will man mehr.
Rein technisch machte es für uns keinen Unterschied, ob wir mit unserem Corsa oder jetzt mit dem ID3 unterwegs waren, aber beim Komfort merkt man den Klassenunterschied deutlich. Es war viel ruhiger, man saß entspannter und wir waren lange nicht so müde nach der Fahrt. Außerdem waren wir nicht mehr Freiwild für die SUVs, die normalerweise mit Kleinwagen kurzen Prozess machen. Egal wie schnell man fährt, man wird angehupt, geschnitten, an den unmöglichsten Stellen überholt und abgedrängt. Ich hätte es nie geglaubt, aber man fühlt sich in einem Mittelklassewagen tatsächlich sicherer.