Redselige Mitfahrer

Als Pendler bin ich zwangsläufig viel mit der Bahn unterwegs. Wenn es sehr früh am Morgen ist, kann es schon mal passieren, dass mir die Augen zufallen und ich die Stunde bis nach München vor mich hin döse, was aber selten vorkommt. Manchmal lernt man interessante Leute kennen und es ergibt sich daraus ein nettes Gespräch. Meistens aber lese ich im Zug, hin und wieder schreibe ich auch, wie gerade in letzter Zeit. Die FanEdition soll ja so bald wie möglich fertig werden, deshalb muss ich mich ranhalten. Ich habe mir vorgenommen jeden Tag mindestens 5000 Zeichen zu schreiben. So wie am Dienstag …

Mit Stift und Kladde war ich gerade richtig im Schreibfluss, als der Zug an einem Bahnhof hielt und sich plötzlich jemand grüßend neben mich setzte. Ich blickte zur Seite und mir schwante Schlimmes. Die Frau, die neben mir Platz genommen hatte, kannte ich. Wir waren uns ein- oder zweimal begegnet, was nicht ausbleibt, wenn man häufig mit dem gleichen Zug fährt. Ich grüßte freundlich und konzentrierte mich wieder auf meinen Text.

»Ich hab Sie gesehen, deshalb bin ich eingestiegen«, erzählte sie mir, »Sonst fahre ich ja mit dem IC.«

»Aha!«, machte ich und faste meinen Stift fester.

»Wir haben uns ja lange nicht gesehen«, berlinerte sie unablässig weiter.

»Kann schon sein«, sagte ich und setzte den Stift aufs Papier, um den begonnenen Satz zu beenden.

»Ach wissen Sie, wegen der Baustelle kommt man ja überhaupt nicht mehr pünktlich zur Arbeit. Und voll sind die Züge, sage ich Ihnen. Ich musste letztens Nachmittags den M (MERIDIAN) nehmen. Bis Rosenheim habe ich gestanden und das bei meinem kaputten Rücken.«

»So!«, sagte ich und machte ein mitleidiges Gesicht. Das waren alles Informationen, die ich aus eigener Erfahrung kannte. Wieder setzte ich den Stift an.

»Es wird ja immer schlimmer, dass mit dem Zugfahren, meine ich. Wissen Sie, ich musste letztens zu meinem Bruder nach …«

Das war der Punkt an dem ich kapitulierte. Ich legte den Stift weg und machte die Kladde zu. Meinen Roman konnte ich für heute vergessen.

Ich brachte es an diesem Morgen nicht über mich, der Frau zu erklären, dass ich gerade an einem wichtigen Text schrieb und dass ich nicht gestört werden wollte. Warum eigentlich? Weil sie extra wegen mir in den Zug gestiegen war? An sich bin ja ein kommunikativer Mensch, der sich gern unterhält. Aber es gibt Zeitpunkte, an denen ich das nicht gebrauchen kann, so wie am Dienstag. Doch mein Anstand verbot mir, die Frau darauf hinzuweisen, dass ich heute mal nicht reden wollte. Und so musste ich ihr wohl oder übel eine Dreiviertelstunde zuhören. Selbst schuld? Nun vielleicht! Ich weiß es nicht.

Eines ist sicher. Morgen setze ich mich definitiv nicht wieder auf die Zugseite, die zum Bahnsteig zeigt.

Doch kein Frühling

Boah! Der Winter ist zurück. Seit heute Morgen schneit es wie verrückt. Vom Fenster aus sieht man kaum noch die Bürogebäude von Gegenüber. Der Schnee bleibt liegen, nicht nur auf den Bäumen, sondern auch auf der Straße. Jetzt, wo viele Gemeinden ihre Räumfahrzeuge schon eingemottet haben.

Gestern noch eitel Sonnenschein mit frühlingshaften Temperaturen und heute: Winter und Kälte. Da soll man nicht verrückt werden.

Eigentlich ist das ja nicht weiter verwunderlich. Es geht auf Ostern zu. Meine Erfahrungen aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass es zu Ostern häufiger schneit, als zu Weihnachten. Zumindest im vergangenen Jahrzehnt. Dafür ist es an Weihnachten oft sommerlich warm und schneefrei.

Wer soll sich da noch auskennen. Das Wetter spielt verrückt, die Welt auch und die Menschen sowieso. Man schlägt sich entweder die Köpfe ein oder wählt ideologisch fragwürdige Parteien. Vernunft wurde zu einem Fremdwort, genauso wie Respekt und Menschlichkeit. Dafür sind Egoismus und Gier zu den Triebfedern unserer Gesellschaft geworden. Hoffnung auf Besserung ist nicht in Sicht. Da wünscht man sich fast eine Eiszeit zurück, die mit einer meterdicken Schneedecke alles unter sich begräbt. Am besten die ganze Menschheit dazu.

Berührender Fall mit Seele

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Kleiner Engel«

Ein Toter in der Wand, ein verbranntes Kind und eine Verurteilte in der Psychiatrie, dass sind die Puzzleteile, die das Team der Spezialisten in der letzten Woche zusammensetzen mussten. Ungewöhnlich gefühlvoll zeigt sich diesmal Hauptkommissar Mirko Kiefer. Er engagiert sich für die junge Frau, die ihr Kind verbrannt haben soll, gespielt wird sie vom »Sturm der Liebe«-Star Inez Bjørg David. David Rott in der Rolle des Beschützers mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn funktioniert eigentlich immer. Die kleinen Szenen am Rande, wie die, als er vor dem Immobilienmakler den Putz von der Wand abschlägt, sind auch in dieser Folge das Salz in der Suppe. Überhaupt bekommt der Darsteller in dieser Episode mal wieder etwas mehr zu tun. Das hatte ich in den vergangenen Episoden reichlich vermisst.

Aber auch der Rest der Truppe leistet hervorragende Arbeit. Die Neue im Team fügt sich meiner Meinung nach besser ein, als ihre Vorgängerin Inga Biehl. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund für den Wechsel der Darstellerinnen gewesen.

Mein Fazit: Eine sehr berührende Folge, an dessen Ende ich mir tatsächlich ein paar Tränen verdrückte. Selbst für mich, die normalerweise Krimis eher aus dem Weg geht, hält die Serie unterhaltsame Momente parat. Für eine deutsche Vorabendserie finde ich das ganz ordentlich.

Vor ein paar Tagen habe ich auch endlich ein Interview mit David Rott entdeckt, in dem sich der Schauspieler erstmals zu seiner Rolle bei den Spezialisten äußert.

https://de-de.facebook.com/DieSpezialistenSerie/videos/1682961668618274/

Eine Lektion für einen Autor

Quelle: Amazon
Quelle: Amazon

Es ist schon erstaunlich, in wie vielen Filmen es um Schriftsteller geht, die mal mehr, meistens aber weniger erfolgreich sind. So auch im Film »Wie schreibt man Liebe«.

Der Oscarprämierte Drehbuchautor Keith Michaels hat seinen Höhepunkt längst überschritten. Nach mehreren Flops und einer Scheidung steht er kurz vorm finanziellen Ruin. Sein einziger Ausweg scheint einen Dozentenstelle an einer unbedeutenden Universität an der Ostküste zu sein. Michaels nimmt die Stelle an, obwohl er der Meinung ist, dass man Schreiben nicht lernen kann und Talent das einzige ist, was man braucht, um Schriftsteller zu sein. Vor Ort schlittert er erst einmal in eine Affäre mit einer blutjungen Studentin und gerät mit einer einflussreichen Kollegin aneinander. Aber auch sein Unterricht läuft alles andere als glatt. Wenn da nicht die aufgeweckte Holly wäre. Die Mutter von zwei Kindern ist davon überzeugt, dass man alles lernen kann und überredet Keith, sie in seinen Drehbuchkurs aufzunehmen. Von da an beginnt er zu verstehen, dass Schreiben mehr als nur Talent ist.

Ich mag Filme mit einer klaren Botschaft und ich mag die etwas unbeholfene Art von Hugh Grant. Grund genug für mich den Film zu kaufen. Ich wurde nicht enttäuscht. Die lockere Komödie mit vielen sympathischen Darstellern mag kein großen Kino sein, aber sie unterhält. Sie vermittelt außerdem ein paar Weisheiten zum Schreiben und gibt Einblick in die Probleme von Hollywood-Autoren. Es ist ein menschlicher Film über die Kluft zwischen Träumen und Realität und wie man diesen Abgrund überwinden kann.

Marisa Tomei und Hugh Grant sind kein Traumpaar, zeigen aber, dass zwei Menschen jenseits ihrer Jugend durchaus noch Träume haben dürfen.

Der Kapselkrieg

„Qbo“ heißt das neue Zauberwort aus dem Haus Tchibo und ist eine Kampfansage an den Konkurrenten Nespresso.

Ein neues Kapselsystem im Hochpreissegment mit exklusiven Geschäften und eigens kreierten Kaffeesorten. Während der Automat rund 350 EUR kosten wird, beläuft sich der Preis für ein Kilo Kaffee in Form kleiner Kunststoffwürfel auf rund 60 EUR. Letztere sollen sogar mit einem Chip ausgestattet sein, damit die Kaffeemaschine die Kaffeesorte erkennt und Brühtemperatur und Druck passend dosiert. Als zusätzliches Feature bietet Tchibo seinen Kunden eine Smartphone App über die sie unteranderem die Menge des Milchschaums bestimmen können. Dazu hat die Maschine einen WLAN Anschluss. Ans Internet angeschlossen, teilt die Maschine mittels Push-Mitteilung ihrem Besitzer mit, wann sie gereinigt oder entkalkt werden möchte. Klingt ein bisschen nach Tamagotchi.

Ja, wir reden hier über Kaffee, jenes mehr oder weniger aromatische Heißgetränk mit der dunklen Farbe. Den Puristen stehen beim Gedanken an die »Kapselisierung« die Haare zu Berge, umweltbewussten Menschen sowieso. Der Mega-Trend auf dem Kaffeemarkt dient dem alleinigen Zweck, die Profite der Kaffeehändler zu mehren, auf Kosten von Umwelt und dem Geldbeutel der Konsumenten. Denn so eine Kaffeekapsel ist Hightech pur. Bei „Qbo“ bekommt sie nun auch noch einen Chip. Vor allem deshalb, um sie fälschungssicher zu machen. Im Gegensatz zu den Kapseln der Konkurrenz soll sie aber ohne Aluminium auskommen. Ich möchte dennoch nicht wissen, wie viel Energie und wie viele Ressourcen für so eine kleine Kapsel aufgewendet werden, nur damit sie nach einmaliger Benutzung im Müll landet. Es gibt inzwischen Leute, die diese Kaffeekapseln sammeln und daraus Schmuck basteln. Das ist zwar auch eine Art Recycling aber noch besser wäre es, wenn dieser Müll gar nicht erst entstünde.

Zum Glück trinken immer noch 75% der Bevölkerung ganz normalen Filterkaffee. Wir gehören dazu. So kaufen wir unsere Bohnen bei einer Hamburger Kaffeerösterei, mahlen sie selbst und kochen den Kaffee mit einer stinknormalen Kaffeemaschine. Noch hat sich keiner unserer Gäste beschwert. Im Gegenteil. Und nach dem Brühen landet der Kaffeesatz auf dem Kompost. Fertig. Kein umständliches Reinigen, kein Müll und keine Maschine, die uns diktiert, wann sie entkalkt werden möchte.

Ach ja, 60 EUR – etwa so viel kostet unser gesamter Jahresvorrat an Kaffee.

Stargast auf dem AustriaCon 2016

Es ist noch eine Weile hin bis zum AustriaCon, der vom 30.9. bis 2.10.2016 in Wien stattfindet. Aber noch sind die limitierten Tickets für den Bürgermeisterempfang am 30.9. im Wiener Rathaus erhältlich.

Für alle Unentschlossenen gibt es seit gestern noch einen zusätzlichen Anreiz sich anzumelden, denn zum AustriaCon hat sich ein weiterer Bestsellerautor angekündigt und was für einer: Er ist „DER“ deutschsprachige SF-Autor und man bekommt ihn, seit er nach Frankreich umgesiedelt ist, in Deutschland nur noch selten zu Gesicht. Die Rede ist von Andreas Eschbach.

Neben Andreas Gruber und Andreas Brandhorst ist er der dritte Thriller- und SF-Bestsellerautor der die Gästeliste bereichert.

Wer also Andreas Eschbach oder die beiden anderen Autoren mal Live und in Farbe erleben möchte: Nichts wie hin zum AustriaCon 2016 nach Wien. Ach ja, natürlich werden auch jede Menge PERRY-RHODAN-Autoren vor Ort sein.

Mehr Infos zum AustriaCon 2016 gibt es hier. Übrigens beim Con gibt es freien Eintritt.

Ost-West-Konflikt

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Die Mädchen aus Ost-Berlin«

Nachdem ich von der letzten Folge der Spezialisten reichlich enttäuscht war, überraschte mich die von letzter Woche um so mehr. Die Episode war richtig gut. So gut, dass selbst mein Mann begeistert zugesehen hat.

Das Skelett, dass in einer Sickergrube einer Ostberliner Laube gefunden wurde, entpuppt sich sehr bald als ein Westberliner, der in den Achtzigern dort mit seinen Ostdeutschen Freunden gefeiert hatte und nicht nur mit den. Der kleine Angestellte machte einen auf großen Gönner und sich so an die ostdeutschen Frauen ran. Das hatte irgendwann Konsequenzen. Eine verließ ihren Freund und wurde schwanger. Doch irgendwann im Oktober 1986 verschwand er spurlos. Die junge Frau wartete vergeblich auf den Vater ihres Kindes und brachte eine Tochter zur Welt. Die ist inzwischen neunundzwanzig und Vollweise, weil ihre Mutter Mitte der Neunziger bei einem Motorradunfall starb.
Zunächst tappt das Ermittlerteam um Mirko Kiefer im Dunkeln, bis sie feststellen, dass der Tote erschlagen wurde. In Frage kommen eigentlich nur die ostdeutschen Freunde von damals. Es stellt sich die Frage: war es Eifersucht und waren Drogen im Spiel, oder war das Motiv ein völlig anderes …

Die Geschichte fasziniert und das nicht nur wegen ihrer Figuren und deren Schicksal. Das war von vorn bis hinten durchdacht und ich war am Ende tatsächlich vom Motiv des Täters überrascht. Die kleinen Sticheleien unter den Kollegen aus Ost und West waren genauso spannend, wie das Schicksal der jungen Frau, die ohne Eltern aufwuchs und am Ende wieder eine Familie in Form von Großeltern bekommt.

David Rott und Valerie Niehaus überzeugen in ihren Rollen. Ebenso wie Merlin Rose der Darsteller des technikaffinen Jannik, der nur mittels Smartphone ansprechbar ist. Tolle Szene, übrigens. Und auch die Neue, gespielt von Narges Rashidi, bringt wieder Schwung in das erlahmte Beziehungschaos der beiden Hauptfiguren. Davon möchte ich gern mehr sehen.

Schreiben mit angezogener Handbremse

Ich habe kaum noch daran geglaubt, aber ich schreibe. Endlich!

Nach gefühlten hundert Exposé-Seiten wurde ich quasi von der Leine gelassen … Nun ja, nicht so ganz. Das Gatter ist doch ziemlich eng gesteckt. Von Schreiben mit allen Sinnen ist da die Rede und vom »Show don‘t tell«. Nicht, dass ich das nicht schon wüsste, aber sich daran zu halten, die Fantasie zu zügeln, vor allem aber das Schwafeln abzustellen, dazu gehört Disziplin. Und das fällt mir noch ziemlich schwer. Ich bin nun mal ein Mensch der Wert auf emotionale Innenbetrachtung legt. Nur passt das nicht zu diesem meinem neuen Roman. Und das abzustellen, kostet mich mehr Mühe als gedacht. Da sind die geforderten Cliffhanger am Ende jeden Kapitels, ja geradezu einfach.

Es fühlt sich ein bisschen an, wie schreiben mit angezogener Handbremse. Bei jedem zweiten Satz ein Blick aufs Exposé zu werfen, bin ich einfach nicht gewohnt. Eine Geschichte einfach nach Exposé »runterschreiben«, hat nichts mehr mit erzählen zu tun.

Aber ich sehe es gelassen, nehme es als gegeben hin, kämpfe mich durch und weiß, dass ich hierbei sehr viel über mich selbst lerne.

Zoomagination

Quelle: Wikipedia

Trotz des lustigen Trailers war ich anfangs skeptisch. Wie kitschig würde der Film sein und könnte er eine klare Botschaft vermitteln? Schließlich handelte es sich nicht um einen Pixar-Film, sondern um einen reinen Disney-Film. Wobei Pixar damals ja eigentlich Disney gekauft hat und nicht umgedreht, aber das ist eine andere Geschichte.

Am Samstag konnte ich mich dann im Kino überzeugen und war am Ende echt angetan. »Zoomania« ist nicht nur ein lustiger und aufwendiger inszenierter Animationsfilm, sondern er kommt mit einer höchst aktuellen und ziemlich konkreten Botschaft daher.

In einer Welt ohne Menschen haben sich die Säugetiere weiterentwickelt. Sie tragen Kleidung und leben in friedlicher Koexistenz zusammen. Die Raubtiere fressen keine Beutetiere mehr, sondern … Na, ja, dass wurde nicht so richtig thematisiert, aber egal. Die meisten leben in der großen Stadt Zoomania. Die Häsin vom Lande, Judy Hopps, will unbedingt Polizistin werden, obwohl ihr jeder einzureden versucht, dass Hasen dort nichts zu suchen haben. Sie lässt sich nicht beirren und arbeitet hart an sich, bis sie es schafft und in den Innenstadtbereich des ZPD (Zoomania Police Department) versetzt wird. Doch der Traum zerplatzt an den Anfeindungen der aus großen starken Tieren bestehenden Kollegen. Sie muss als Politesse Strafzettel verteilen, statt Verbrecher jagen. Wenn da nicht der Kleinganove und Fuchs Nick Wild wäre. Durch ihn wird sie in den größten Entführungsfall Zoomanias verwickelt und kann ihn lösen. Die »entführten« Raubtiere verhalten sich wie ihre wilden Vorfahren und wurden deswegen weggesperrt. Doch damit beginnen die Probleme erst. Denn plötzlich gelten alle Raubtiere als böse und sehen sich systematisch Vorurteilen ausgesetzt. Die Bevölkerung Zoomanias bekommt einen tiefen Riss und das so hochgelobte friedvolle Zusammenleben ist dahin. Judy zieht sich enttäuscht ins Dorf ihrer Kindheit zurück und arbeitet auf der Möhrenfarm der Eltern. Bis zu dem Tag an dem sie erkennt, dass hinter den Entführungen mehr steckt, als sie geglaubt hat. Zusammen mit Nick Wild versucht sie die wahren Schuldigen zu entlarven.

Wer anfangs glaubt, dass es sich hier um das Märchen vom Tellerwäscher handelt, der zum Millionär wird, nur weil er hart an sich arbeitet, täuscht sich. Auch wenn immer wieder propagiert wird, dass man alles werden kann, wenn man es nur genug will. So ist das nicht die Kernaussage des Films. Denn Judy Hopps erfährt sehr schnell, dass das Arbeitsleben kein Zuckerschlecken ist. Vor allem nicht, wenn man bei der Polizei arbeitet als Kleine unter Großen, da werden Klischees gewälzt und Vorurteile gepflegt. Die eigentliche Botschaft ist im Grunde eine andere. Es geht um die Vorurteile zwischen Raubtieren und Beutetieren. Denn erstere sind in der Minderheit und stehen plötzlich im Fokus. Unschuldig dem Hass und den Vorurteilen ausgeliefert. Es ist ungemein spannend, wie aktuell dieses Thema ist und wie es von den Figuren transportiert wird. Denn am Ende entpuppen sich die Braven als die Bösen. Und witzigerweise sind es mal wieder machtbesessene Politiker, die Arges im Schilde führen.

Es sind vor allem die liebevoll erzählten Details, die den Film besonders machen. Judys Ankunft mit dem Zug erinnerte mich stark an »Die Tribute von Panem«. Der Nudisten-Klub, in dem die Tiere keine Kleidung tragen, war ein echter Seitenhieb auf die amerikanische Prüderie. Die Sache mit den Faultieren in der Zulassungsbehörde richtete sich gegen alle Beamten der Welt. Was für grandiose Ideen!

Ich bin immer noch völlig hin und weg. Diesen Film werde ich mir sicher noch öfter ansehen.

Was ich aber so gar nicht verstehe ist, warum man für den Film drei Titel braucht. Im Original heißt er »Zootopia«. Aber, weil man wohl glaubte, dass die deutschen Zuschauer die Kombination aus Zoo und Utopia nicht verstehen, machte man für den deutschen Markt »Zoomania« (also Zoo und Manie – wegen der wilden Tiere) daraus. Während der Film in Großbritannien »Zootropolis« heißt. Seltsame Logik.