Zoomagination

Quelle: Wikipedia

Trotz des lustigen Trailers war ich anfangs skeptisch. Wie kitschig würde der Film sein und könnte er eine klare Botschaft vermitteln? Schließlich handelte es sich nicht um einen Pixar-Film, sondern um einen reinen Disney-Film. Wobei Pixar damals ja eigentlich Disney gekauft hat und nicht umgedreht, aber das ist eine andere Geschichte.

Am Samstag konnte ich mich dann im Kino überzeugen und war am Ende echt angetan. »Zoomania« ist nicht nur ein lustiger und aufwendiger inszenierter Animationsfilm, sondern er kommt mit einer höchst aktuellen und ziemlich konkreten Botschaft daher.

In einer Welt ohne Menschen haben sich die Säugetiere weiterentwickelt. Sie tragen Kleidung und leben in friedlicher Koexistenz zusammen. Die Raubtiere fressen keine Beutetiere mehr, sondern … Na, ja, dass wurde nicht so richtig thematisiert, aber egal. Die meisten leben in der großen Stadt Zoomania. Die Häsin vom Lande, Judy Hopps, will unbedingt Polizistin werden, obwohl ihr jeder einzureden versucht, dass Hasen dort nichts zu suchen haben. Sie lässt sich nicht beirren und arbeitet hart an sich, bis sie es schafft und in den Innenstadtbereich des ZPD (Zoomania Police Department) versetzt wird. Doch der Traum zerplatzt an den Anfeindungen der aus großen starken Tieren bestehenden Kollegen. Sie muss als Politesse Strafzettel verteilen, statt Verbrecher jagen. Wenn da nicht der Kleinganove und Fuchs Nick Wild wäre. Durch ihn wird sie in den größten Entführungsfall Zoomanias verwickelt und kann ihn lösen. Die »entführten« Raubtiere verhalten sich wie ihre wilden Vorfahren und wurden deswegen weggesperrt. Doch damit beginnen die Probleme erst. Denn plötzlich gelten alle Raubtiere als böse und sehen sich systematisch Vorurteilen ausgesetzt. Die Bevölkerung Zoomanias bekommt einen tiefen Riss und das so hochgelobte friedvolle Zusammenleben ist dahin. Judy zieht sich enttäuscht ins Dorf ihrer Kindheit zurück und arbeitet auf der Möhrenfarm der Eltern. Bis zu dem Tag an dem sie erkennt, dass hinter den Entführungen mehr steckt, als sie geglaubt hat. Zusammen mit Nick Wild versucht sie die wahren Schuldigen zu entlarven.

Wer anfangs glaubt, dass es sich hier um das Märchen vom Tellerwäscher handelt, der zum Millionär wird, nur weil er hart an sich arbeitet, täuscht sich. Auch wenn immer wieder propagiert wird, dass man alles werden kann, wenn man es nur genug will. So ist das nicht die Kernaussage des Films. Denn Judy Hopps erfährt sehr schnell, dass das Arbeitsleben kein Zuckerschlecken ist. Vor allem nicht, wenn man bei der Polizei arbeitet als Kleine unter Großen, da werden Klischees gewälzt und Vorurteile gepflegt. Die eigentliche Botschaft ist im Grunde eine andere. Es geht um die Vorurteile zwischen Raubtieren und Beutetieren. Denn erstere sind in der Minderheit und stehen plötzlich im Fokus. Unschuldig dem Hass und den Vorurteilen ausgeliefert. Es ist ungemein spannend, wie aktuell dieses Thema ist und wie es von den Figuren transportiert wird. Denn am Ende entpuppen sich die Braven als die Bösen. Und witzigerweise sind es mal wieder machtbesessene Politiker, die Arges im Schilde führen.

Es sind vor allem die liebevoll erzählten Details, die den Film besonders machen. Judys Ankunft mit dem Zug erinnerte mich stark an »Die Tribute von Panem«. Der Nudisten-Klub, in dem die Tiere keine Kleidung tragen, war ein echter Seitenhieb auf die amerikanische Prüderie. Die Sache mit den Faultieren in der Zulassungsbehörde richtete sich gegen alle Beamten der Welt. Was für grandiose Ideen!

Ich bin immer noch völlig hin und weg. Diesen Film werde ich mir sicher noch öfter ansehen.

Was ich aber so gar nicht verstehe ist, warum man für den Film drei Titel braucht. Im Original heißt er »Zootopia«. Aber, weil man wohl glaubte, dass die deutschen Zuschauer die Kombination aus Zoo und Utopia nicht verstehen, machte man für den deutschen Markt »Zoomania« (also Zoo und Manie – wegen der wilden Tiere) daraus. Während der Film in Großbritannien »Zootropolis« heißt. Seltsame Logik.

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