Choreografie eines Untergangs

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 121 – »Schlacht um Arkon« von Michael H. Buchholz

Die Maahks zerstören das Arkonsystem. Aus der Sicht der Exposéautoren kann man dieses radikale Vorgehen nachvollziehen. Es ist für die fortlaufende Handlung nicht nur logisch, sondern auch notwendig. Das heißt aber nicht, dass es mir gefallen muss. Auch so mancher Fan wird seine Probleme damit haben. In der EA war es die Zerstörung des Robotregenten, die den Terranern den Aufstieg zur galaktischen Macht erlaubte. Bei NEO ist es gleichsam schwieriger, weil a die Menschheit noch nicht entwickelt genug ist und b das Arkonidische Imperium die Galaxis dominiert. Bei weiterem Erstarken der Terraner hätte dies früher oder später zu einer Konfrontation der beiden Mächte geführt und ganz ehrlich, dass möchte man als Fan noch weniger lesen.

Michael H. Buchholz zelebriert den Untergang eines Imperiums mit überraschender Zurückhaltung. So wird die Arkonidische Flotte nicht aufgerieben, sondern durch einen replizierenden Computervirus festgesetzt, weiterhin ist von einer Evakuierung der Planeten ARKON I-III die Rede und auch der Einsatz von Atlas Robotflotte deutet an, dass man sich nicht zu sehr die Finger blutig machen wollte. Am Ende überleben 80% der Bevölkerung. Allein diese Tatsache fällt mir schwer einzuordnen. Zum einen möchten die Expokraten den Untergang eines Imperiums doch andererseits scheuen sie die dazu notwendigen Konsequenzen. Bedeutende Verluste erleiden in diesem Kampf nur die Naats, die so gut wie ausgerottet werden und die Wasserstoffatmenden Maahks, welche eigentlich nur Marionetten von Agaior Thoton sind. Der ist es, der im Auftrag seiner Mutter alles angezettelt hat. Diese Information kam für mich nicht überraschend. Ahnte ich doch schon bei »Exodus der Liduuri« das Anathema di Cardelah die Mutter von Agaior Thoton ist. Das er sich am Ende als Held hinstellt und die Arkoniden zum Kampf aufruft, könnte auch für die Terraner zu einem Problem werden. Somit bleibt die Handlung auf alle Fälle spannend.

Ungewöhnlich, aber interessant waren die Kapitel zu Ishy Matsu. Die im Präsens geschriebene Geschichte ihrer Erweckung und ihrer Quasi-Rettung des Arkonsystems durch das Auslösen der Sonnenschleudern hinterließ viele Fragen, die hoffentlich im Laufe der Staffel aufgeklärt werden. Dass sie ihren Notruf in Morsezeichen absetzt, fand ich dann doch etwas archaisch. Kennt im Jahr 2049 noch jemand den Morsecode, wenn ihn im Jahr 2016 höchstens ehemalige Militärs oder ein paar Amateurfunker beherrschen? Schließlich wird er kaum noch verwendet. Egal. Auch dieser Handlungsstrang wird uns Leser sicher in den nächsten Romanen weiter beschäftigen.

Kater Hermes und sein Team werden auf eine neue Mission geschickt und mit dem Bordpolizisten Pete Roofpitter wird eine neue Figur eingeführt. Der Anfang des Romans liest sich wie eine Kriminalgeschichte, die leider viel zu schnell aufgeklärt wird. Davon hätte ich gern mehr gelesen, obwohl ich kein Krimifan bin.

Das der Autor ein Fan von multiplen Handlungssträngen ist, merkt man sehr deutlich. Durch diese vielen Einschübe wirkt der Roman vor allem zu Beginn ein wenig zerrissen. Es dauert, bis er seinen Rhythmus gefunden hat. Es gab noch weitere Einzelheiten, die mir negativ auffielen. Wie die Imperatice ihren geliebten Atlan abservierte, gefiel mir genauso wenig, wie die mühelose Zerstörung der Elysischen Welt. Bei diesen Ereignissen hatte ich das Gefühl, dass beides irgendwie entsorgt werden musste. Ach und wie leicht die Mehandor-Chefin Empona an die Pläne der Transformkanone gelangen konnte, darüber möchte ich gar nicht erst nachdenken. Das wirkte … nun ja … einwenig unglaubwürdig.

»Schlacht um Arkon« ist ein durchschnittlicher Roman, der mir eher durch die ungewöhnliche Erzählform der Ishy Matsu-Kapitel und die Charakterisierung von Pete Roofpitter im Gedächtnis bleiben wird, weniger durch das Gemetzel von Arkon.

Motivationsspritze

Ich gebe zu, dass es mir manchmal schwer fällt nach einem anstrengenden Arbeitstag noch einen Blogartikel zu verfassen. Das ist nämlich ziemlich zeitraubend. Und wenn man den ganzen Tag, über einem Manuskript gebrütet hat, schwirrt einem schon mal Buchstabensalat durch den Kopf.

So wie heute. Noch vier Kapitel überarbeiten, dann ist die Fan Edition »für mich« fertig. Ob mein Schreibcoach derselben Meinung ist, bezweifle ich. Zumindest sehe ich das Licht am Ende des Tunnels. Parallel arbeite ich an der NEO-Kolumne für die SOL und der nächste Newsletter will auch vorbereitet werden, dass heißt ich muss mir Fragen für meinen Interviewpartner ausdenken. Da ist es doch schön zu lesen, wenn Hermann Ritter in den aktuellen Clubnachrichten 522 über die SOL 81 und den Newsletter Nummer 12 schreibt. Endlich mal jemand der sich zu dem Interview äußert, dass ich mit Klaus N. Frick im November in Wolfenbüttel geführt hatte. Ich wusste, dass es Hermann Ritter gefallen wird, wenn ich im Interview indirekt auf die Clubnachrichten eingehe. Und ich finde es immer wieder nett, wenn man einem Menschen damit eine Freude machen kann. Das motiviert mich weiterzumachen.

Volkes Stimme

Schon gehört, in Bayern muss die Landesgartenschau für 2022 neu ausgeschrieben werden. Daran Schuld sind mal wieder die Traunsteiner. Die gewannen die letzte Ausschreibung. Die Stadt kaufte schon mal Grundstücke und investierte Geld in die Organisation. Doch dann meldeten plötzlich die Bürger Bedenken an. Dieselben Bürger übrigens, die sich schon gegen die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2022 auflehnten. Die Argumente waren klar, so ein Event kostet Geld und könnte die Stadt in Schulden stürzen. (In einem Landkreis mit Vollbeschäftigung, der zum großen Teil vom Tourismus abhängig ist.) Also wurden fleißig Unterschriften gesammelt und ein Bürgerentscheid einberufen. Dessen Ergebnis war deutlich. Über sechzig Prozent lehnten eine Landesgartenschau in Traunstein ab. (Bei den Olympischen Spielen waren es vor ein paar Jahren vierundsechzig Prozent die ablehnten.)

Die Konsequenz aus der Geschichte: Die Stadt musste die Gartenschau zurückgeben und hockt nun auf einem Schuldenberg von zirka 900.000 Euro. Nur durch einen glücklichen Passus im Vertrag kommt sie an einer deftigen Strafzahlung vorbei.

Ich fragte mich schon bei der Bewerbung, was das sollte. Die Olympiade wollten sie nicht, aber die Landesgartenschau? Für die Olympiade hätte es Geld vom Bund gegeben und vor allem wäre einiges in die marode Infrastruktur geflossen. In den Ausbau der A8, der schon seit Jahrzehnten nicht vorangeht, oder in einen anständigen Bahnhof. Wer einmal in Traunstein aus dem Zug gestiegen (»gefallen«) ist, wird mir das bestätigen. Auch für die Landesgartenschau war einiges in diese Richtung geplant, aber die lieben Bürger haben anders entschieden.

So bleibt alles beim Alten, bis es so marode ist, dass man richtig viel Geld (diesmal aus eigener Tasche) investieren muss. Zuvor jedoch bleiben die Touristen aus und die jungen Leute ziehen weg, weil die Stadt nicht mehr attraktiv ist. Hauptsache man hält sich an Traditionen fest und lehnt jede Neuerung ab, ohne in die Zukunft zu blicken. Aus diesem Grund halte ich Bürgerentscheide nicht für das Maß aller Dinge, weil vielen Menschen die Zusammenhänge und das visionäre Denken fehlt. Die meisten haben nur Angst um ihr Geld. Aber um etwas neues zu schaffen, muss man zwangsläufig Geld in die Hand nehmen. Das mag im Augenblick weh tun, zahlt sich aber in der Zukunft auf irgendeine Art und Weise aus. München wäre heute zum Beispiel nicht die Stadt, die sie ist, wenn es nicht die Olympischen Spiele gegeben hätte.

Übrigens: Wenn ich hätte abstimmen dürfen (es wurden ja nur die Traunsteiner befragt), dann hätte ich mit »Nein« gestimmt. Aber nur aus Trotz, weil die Traunsteiner damals die Olympischen Spiele verhindert haben. Sie wollten Olympia nicht, dann brauchen sie auch keine Gartenschau. Nun ist es tatsächlich so gekommen.

Werbung für den Newsletter der PRFZ

Ohne angeben zu wollen, bin ich stolz auf den Newsletter mit der Nummer 13. Nicht nur weil ich erstmalig acht Seiten füllen musste, sondern weil ich das Interview mit dem Layouter der »SOL« – Günter Puschmann – genial fand. Es sieht so aus als hätte das Frage-Antwort-Spiel nicht nur mir viel Freude bereitet.

Die PRFZ-Obersten haben mir das Okay gegeben, dass ich mich ab jetzt auf noch mehr Seiten »austoben« darf. Darüber freue mich, obwohl es mehr Arbeit bedeutet. Mir macht es tatsächlich Spaß, vor allem wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und ihre Beiträge pünktlich abliefern.

Das den Newsletter auch die PERRY RHODAN-Redaktion würdigt, erfüllt mich natürlich mit noch mehr Stolz. Gestern erschien zum Newsletter ein Artikel auf der PERRY RHODAN-Homepage, der auch gleich ein paar zusätzliche Anmeldungen einbrachte.

Für die PRFZ tätig zu sein, finde ich sehr erfüllend. Viel mehr als bei manchem, was ich für meine Arbeitgeber tue. Als Nächstes steht die NEO-Kolumne für die »SOL« an, das wird ein weiterer großer Schritt für mich sein.

NL-Werbung
Quelle: www.perry-rhodan.net

Fedcon Nachlese

Wo alles begann: 1994 auf der Fedcon II

Den letzten Tag auf der Fedcon haben wir ausgelassen, weil wir wieder zurückfahren mussten. Somit habe ich dieses Mal nicht alle Schauspieler mitbekommen, wobei ich die meisten schon mehrfach gesehen hatte. Schön wäre es gewesen Manu Intiraymi wiederzusehen. Den Schauspieler lernten wir persönlich vor einigen Jahren auf der ausgefallenen Trekgate-Convention kennen. Er saß damals schon im Flieger, als die Veranstaltung gecancelt wurde. Somit ging es ihm genauso wie einigen Fans, die Flüge und Hotel nicht mehr umbuchen konnten. Die Fans machten damals aus der Not eine Tugend und veranstalteten eine kleine Privatcon, die mir unvergesslich bleiben wird, weil es mit Manu damals einen Star »zum Anfassen« gab.

Ohnehin lernt man im Laufe der Jahre die kleineren Veranstaltungen zu schätzen. Die Fedcon mag allein durch ihre schiere Größe zu beeindrucken und dem Aufgebot an Stargästen, aber ein persönlicher Event mit nur einem Gaststar hat eine ganz andere Tiefe. Deshalb schätze ich die »An Evening with …« von FKM-Events bei denen wir schon viele schöne Abende verbrachten.

Für 25 Jahre Fedcon und 50 Jahre STAR TREK war die Dichte an STAR TREK Schauspielern angemessen, aber an die Fedcon 20 mit Scott Bakula und Wil Wheaton in Düsseldorf reichte sie nicht heran. So bleiben einige positive Erinnerungen aber auch ein paar Schatten. Vielleicht liegt es ja wirklich daran, dass man in den vergangenen 25 Jahren einfach schon zu viel gesehen und erlebt hat.

Die Rückfahrt verlief übrigens trotz Hagels und Starkregen erstaunlich glatt, weil wir erst über die A61 und A5 bis nach Karlsruhe und dort auf die A8 gefahren sind. Sieben Stunden brauchten wir trotzdem bis nach Hause.

Hier noch ein paar Fotos. Wer mehr sehen will, Sandra hat auf ihrem Blog eine ganze Foto-Galerie online gestellt.

Mit Galauniform in der Jeffriesröhre
Mit Galauniform in der Jeffriesröhre
Vor dem Transformer-Kostüm.
Vor dem Transformer-Kostüm.

Auf Raumpatrouille in Bonn

Nachdem der vorangegangene Tag auf der Fedcon so enttäuschend verlaufenen war, konnte es eigentlich nur besser werden und das wurde es auch.

Den Anfang machte am Sonntag der grandiose Vortrag von Hubert Zitt zu Raumpatrouille ORION. Ich hatte lange nicht so viel Spaß und hoffe, dass Hubert bald mal wieder das Münchner Trekdinner besucht. Weiter ging es mit einer Bilderschau zu 25 Jahren Fedcon, moderiert von Mr. Fedcon (Dirk Bartholomä) persönlich. Es war schön in Erinnerungen zu schwelgen, wobei der Vortrag stellenweise etwas lieblos daherkam. Im Anschluss lauschten wir dem Darsteller des Malcolm Reed aus ST-ENTERPRISE, Dominic Keating, der wie immer unterhaltsame Geschichten zu erzählen wusste. Ich mag seinen englischen Akzent und die Geschichte, wie er beim Vorsprechen auf John Billingsley traf, gefiel mir besonders gut, weil er John ziemlich gut imitierte.

Sehenswert waren die vielen Modelle und Zeichnungen der Fans, die im Obergeschoss ausgestellt waren. Darunter auch Teile des TNG-Maschinenraums inklusive Jeffries-Röhre, die man betreten und in denen man Fotos schießen konnte. Zu Raumpatrouille ORION gab es ebenfalls eindrucksvolle Exponate zu bestaunen.

Nach dem Kaffee hörten wir uns einen Vortrag zum Weltraumaufzug an. Wobei ich mal wieder erstaunt war, dass es in Deutschland altgediente SF-Fans gibt, die nie PERRY RHODAN gelesen haben.

Da dieser 15. Mai für meinen Mann und mich ein besonderer Tag war (sechs Jahre zuvor haben wir geheiratet), gingen wir am frühen Abend in ein nahegelegenes Restaurant essen. Der Asiate überraschte mit frischem und schmackhaftem Menüs, sodass wir nach 18 Uhr zufrieden ins Conhotel zurückkehrten.

Dort hatte man mal wieder kurzfristig den Plan umgestellt und so bekamen wir von Karl Urban (Dr. McCoy im Adams-Universum) nur noch das Ende mit. Das ist einer meiner stärksten Kritikpunkte. Nirgendwo gab es einen Bildschirm, auf dem man sich über das aktuelle Programm informieren konnte. Ich vermisste die zur Fedcon im Düsseldorfer Maritim überall hängenden Touchscreen-Monitore, auf denen man jederzeit abrufen konnte, welches Panel wo stattfand. Inzwischen gibt es zwar eine App, die über aktuelle Programmänderungen informiert. Dumm nur, wer wie ich kein Smartphone hat und auf das aus dem Internet ausgedruckte Programm angewiesen war. Im Conheft gab es ebenfalls ein Programm, was jedoch hoffnungslos veraltet war. Warum sich die Veranstalter überhaupt die Mühe gemacht haben, es dort abzudrucken, ist mir schleierhaft.

Nun anscheinend haben wir bei Karl Urban nicht viel verpasst, denn der Schauspieler wirkte unmotiviert und kam am Ende trotz anhaltenden Applaus‘ nicht noch einmal auf die Bühne. Das wir zu spät waren, hatte aber auch eine gute Seite. So wurden wir nämlich trotz Tageskarten in den Saal gelassen und blieben dort bis zum Ende sitzen. Nach der sympathischen Terry Farrell, trat William Shatner auf. Der Mann ist für seine 85 Jahre erstaunlich agil und schlagfertig. Viele der Geschichten kannte ich bereits, aber Captain Kirk leibhaftig zu sehen, ist dann doch immer wieder etwas besonderes.

Besonders war auch der anschließende Kostümwettbewerb, bei dem ein Pärchen in Transformer-Kostümen eindeutig den Vogel abschoss. Aber auch die anderen Kostüme konnten sich sehen lassen. Überhaupt gab es wieder viele Fans in professionell gestalteten Outfits.

Gegen 22 Uhr verließen wir das Maritim nach einem schönen Conventiontag, der uns wieder versöhnte. Ob wir aber wiederkommen werden, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Mein Fazit: Die Räumlichkeiten waren definitiv zu klein. Einige Besucher verließen wegen Sauerstoffmangel und Hitze fluchtartig die Räume, besonders schlimm war es im Raum Hayden, in dem die Rahmenvorträge (u.a. PERRY RHODAN) gehalten wurden. Über die Qualität des angebotenen Essen lässt sich streiten, wenigstens der Kaffee schmeckte. Organisatorisch habe ich schon bessere Fedcons erlebt. Zumindest eine Anzeige des Programms ist zwingend notwendig, wenn man schon dauernd den Ablauf ändert. Mir fehlte auch ein bisschen der Kontakt zu den Stars. Die ließen sich in Düsseldorf öfters in der Lobby blicken, was aber auch an den Schauspielern selbst liegen mochte. Eben weil in Bonn alles so eng ist, ist unwahrscheinlich, dass sie sich einer solchen Menge an Fans aussetzen wollen. Dafür gab es viel junges Publikum und viele Kinder zu sehen, so dass ich mir über den STAR TREK-Fan-Nachwuchs keine Sorgen machen muss. Positiv bleibt mir das Hotelpersonal in Erinnerung. Besonders die Hausdamen, die die Toiletten rund um die Uhr in perfektem hygienischen Zustand hielten. Da herrschten in Düsseldorf ganz andere Zustände.

Generationenwechsel

Ich wusste schon, warum sich bei mir dieses Mal keine rechte Vorfreude auf die Fedcon einstellen wollte. Denn es war anzunehmen, dass es voll, eng und stickig werden würde. Aber dass es außerdem so langweilig ist, dass ich die Leseprobe eines PERRY RHODAN-Heftromanes lesen würde, während die STAR TREK-Stars drinnen auf der Bühne stehen, damit hatte ich nicht gerechnet.

Das hatte zum einen damit zu tun, dass wir Inhaber eines Tagestickets waren und damit nur in den Hauptsaal kamen, wenn alle Wochenendticketbesitzer einen Platz hatten. Da anscheinend mehr verkauft wurden, als es Plätze im Saal gab, zogen so einige Tagesgäste den Kürzeren. Das hat mich sehr gestört, fand ich es doch etwas unfähr. Zumal wir für zwei Tage fast genauso viel bezahlten wie fürs Wochenendticket. Den Auftritt von William Shatner hat Tele 5 live bei Facebook gestreamt, so dass einige draußen in der Lobby saßen und auf ihr Smartphone starrten.

Durch die Autogrammsession war der Saal den halben Tag belegt und die Nebenräume entsprechend voll. Meiner Meinung nach kann man einen so beliebten Star wie Connor Trinner nicht im kleinen Saal auftreten lassen. Das muss zwangsläufig voll werden. Zur gleichen Zeit fand auch der Weltrekordversuch statt – die meisten Fans in STAR TREK-Kostümen an einem Platz zu vereinen. Da einige hundert fehlten, weil sie a es nicht wussten (keine Durchsagen, nur ein Hinweis im Programmheft) und b sie im Panel des ENTERPRISE-Schauspielers saßen, kamen nur 700 statt der gewünschten 1400 zusammen.

Aus Liebe zu meinem Mann verbrachte ich danach fast eine Stunde in der Warteschlange zur Fotosession mit Terry Farrell, bis ich nicht mehr stehen konnte. Wenigstens war er selig, als er mir nach zwei Stunden stolz sein Foto präsentierte.

Es gab auch ein paar Lichtblicke. Unterhaltsam war wie immer das Panel von Dr. Hubert Zitt, der darüber sprach, wie »50 Jahre Star Trek« die Welt veränderten. Spannend fand ich auch die Lesung von Christian Humberg und Bernd Perplies aus der von iHenn geschriebenen STAR TREK-Romantrilogie »Prometheus«, die ab Juli erscheint. Die erste von deutschen Autoren geschriebene STAR TREK-Geschichte stieß auf so viel Interesse, dass auch hier der Raum aus allen Nähten platzte. Die Fans saßen sogar auf dem Boden. Den versöhnlichen Abschluss eines anstrengenden Conventiontages bildete das Panel von Terry Farrell, in das wir gnädigerweise eingelassen wurden.

Trotz der vertrauten Umgebung (ich bin viele Male zuvor auf der Fedcon in Bonn gewesen) mochte sich bei mir kein Con-Feeling einstellen. Woran das genau lag, vermag ich nicht zu definieren. Vielleicht auch daran, dass sehr viel jüngeres Publikum da war und man nur wenige Freunde aus alten Zeiten traf. Es hat ein Generationswechsel bei den STAR TREK-Fans auf der Fedcon stattgefunden und vielleicht ist das auch gut so. Denn so eine Massenveranstaltung bei der man stundenlang in schlecht belüfteten Räumen auf engstem Raum stehend oder auf dem Boden sitzend verbringt, ist mit zwanzig noch lustig, mit dreißig nervt es, aber mit zweiundvierzig ist man dafür definitiv zu alt.

Fedcon – Anreise unter erschwerten Bedingungen

Eigentlich hatten wir ja bereits zum Captain’s Table 2011 beschlossen nie wieder mit dem Auto zu einer Fedcon anzureisen. Warum wir es dann in diesem Jahr doch gemacht haben, ist mir nach wie vor schleierhaft. Es hatte aber wohl mit den unzähligen Baustellen der Deutschen Bahn sowie mit der schlechten Verbindung zwischen Flughafen Köln-Bonn und dem Maritimhotel Bonn zu tun. Außerdem übernachten wir in einem Ort außerhalb von Bad Godesberg, der ohne Auto schlecht erreichbar ist.

Als wir dann gestern nach neun Stunden, völlig entnervt ankamen, hatte sogar mein Mann die Nase voll und er fährt leidenschaftlich gern mit dem Auto. Nicht nur der unglaublich dichte Verkehr auf der A3, Staus und die endlosen Baustellen haben uns zugesetzt, sondern auch die wechselnden Wetterbedingungen. Bei plötzlich einsetzenden Starkregen ist es kein Vergnügen, eingeklemmt zwischen LKWs auf der rechten Spur und unbelehrbaren Rasern auf der linken Spur, ohne jegliche Sicht voranzukommen.

Im Maritimhotel zerschlug sich die Hoffnung meines Mannes, wir könnten uns trotz bereits bezahlter Tageskarten für morgen anmelden. Das geht natürlich nicht, hatte ich aber schon prophezeit. Wir blickten uns kurz um, ob wir zwischen den vielen Star Trek Fans Bekannte treffen und fuhren gleich zu unserer privaten Unterkunft weiter, wo wir dann sehr freundlich empfangen wurden.

Doch ganz ehrlich, mir graut bereits vor Montag, wenn wir die Heimreise antreten müssen. Was wieder mindestens sieben Stunden Autofahrt bedeutet. Kostengünstiger ist zwar das Auto, aber dass rechtfertigt nicht die Nerven, die man dabei verliert. Ich glaube ich habe ein paar graue Haare mehr.

Das nächste Mal nehmen wir wieder das Flugzeug. Basta!

Arbeitsplatz flexibel plus

Neulich im Zug sitze ich zwischen drei jungen Frauen. Alle Anfang zwanzig, gepflegtes Äußeres, Businesslook. Sie unterhalten sich in perfektem hochdeutsch und sprechen über ihre Arbeit. Alle drei arbeiten für das gleiche Pharmaunternehmen aber in unterschiedlichen Abteilungen. Eine schwärmt von dem neuen Großraumbüro, das sie mit einrichten durfte. Das finden alle cool. Bei dem Gespräch kristallisiert sich heraus, dass die Schreibtische in dem Büro nicht personalisiert sind. Jeder besitzt einen firmeneigenen Laptop und muss sich dorthin setzen, wo gerade Platz ist. Es fällt der Begriff „flexibel plus“.

Ich stelle mir gerade vor, wie das sein muss … Ich gehe morgens zur Arbeit, betrete die Firma und suche mir in einem Großraumbüro einen freien Schreibtisch. An dem arbeite ich für ein paar Stunden, bevor ich in ein Meeting gehe. Wenn ich zurückkomme, ist der Platz besetzt und ich suche mir einen neuen …

Was für mich wie ein Alptraum klingt, ist in vielen Büros in Deutschland bereits Wirklichkeit. Je nachdem, wie oft man den Arbeitsplatz verlässt, wird man klassifiziert. Wer oft weg muss, ist dann „flexibel plus“ und bekommt meist nur die unbeliebten Plätze im Großraumbüro, an denen er weiße Wände anstarrt, anstatt aus dem Fenster zu sehen. Besonders schlimm finde ich die fehlende Personalisierung. Kein Platz für private Dinge: kein Kalender, keine Bilder, keine Pflanzen nichts; nicht mal eine Kaffeetasse.

Wir verbringen die Hälfte unseres Lebens auf Arbeit. Wenn der Arbeitsplatz anonymisiert wird, wer sind wir dann noch? Sind wir dann nicht genauso austauschbar wie unser Schreibtisch? Macht es uns nicht zu Spielfiguren ohne jegliche Individualität?

Ich habe schon mal etwas von der „Clean Desktop Policy“ gehört. Bei der am Feierabend außer dem Telefon und dem Bildschirm nichts mehr auf dem Schreibtisch stehen oder liegen darf. Ich kann zwar nachvollziehen, dass man keine brisanten Unterlagen auf dem Schreibtisch liegen lassen sollte. Aber so völlig leer? Bereits das empfinde ich als Angriff auf meine Persönlichkeitsrechte. Aber einen Bürojob, bei dem ich nicht einmal einen eigenen Schreibtisch hätte, möchte ich nicht haben. Egal, wie gut ich dafür bezahlt würde.

Den jungen Frauen schien das nichts auszumachen, die fanden das völlig normal. Sie lobten sogar das Management, das betriebswirtschaftlich vorrausschauend agiert, weil man somit nicht nur Platz, sondern auch Equipment einspart. Dabei sollten sie aufpassen, dass nicht irgendwann sie selbst eingespart werden. Denn ein anonymer Mitarbeiter ist genauso leicht austauschbar wie ein Schreibtisch.