Die letzte Bahn

Wenn ich dieser Tage mit dem Zug nach Thüringen fahre, dann mit viel Wehmut im Bauch. Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich noch mit dem ICE von München bis Saalfeld reisen kann. Ab dem 10. Dezember ist Schluss, dann bleiben mir und den anderen Pendlern aus Saalfeld, Jena und Gera nur noch die Regionalbahnen. Es ist eine Tragödie, da wird die Lebensader einer ganzen Region abgeschnitten zugunsten einer einzigen Stadt in Thüringen nämlich der Landeshauptstadt Erfurt.

Die teure neue Strecke von Berlin nach München verspricht Fahrtzeiten von 4 Stunden, sofern man den Sprinter benutzt, der unterwegs nur in Halle, Erfurt und Nürnberg hält. Doch wie viele Menschen werden das Angebot für 150 Euro wirklich nutzen? Werden die Geschäftsleute nicht doch lieber weiterhin den Flieger nehmen und die Studenten den Flixbus für 29 Euro? Man weiß es nicht. Die Auslastung der Thüringer-Wald-Autobahn, die im gleichen Zuge gebaut wurde, hat bisher auch nicht das Ziel erreicht, was sich die Planer einst erhofften. Es wird wohl noch sehr sehr lange dauern, bis sie das Geld eingespielt hat, was sie gekostet hat. Damit das auf der Bahnstrecke nicht auch passiert, hat man das Verkehrsangebot auf der Saalebahn stark ausgedünnt. Nur ein einziger IC am Tag soll von Jena nach München fahren. Ein IC, der nur dann in der Fahrplansuche auftaucht, wenn man die Häkchen bei »schnelle Verbindung bevorzugen« sowie bei »Regionalbahn« und »ICE« ausschaltet. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Die Jenaer und Saalfelder sollen eben erst nach Erfurt fahren, um dann mit dem ICE nach München zu kommen. Dass das natürlich mehr kostet, ist klar, schließlich muss man als Saalfelder erst fünfzig Kilometer Richtung Norden fahren. Dabei geht es der Bahn doch nur darum, dass die Strecke die ausgegebenen Euros wieder einspielt.

Die meisten Menschen in Thüringen werden nicht von der Schnellstrecke profitieren. Im Gegenteil, sie werden sich Alternativen suchen oder gleich mit dem Auto fahren. Die Firmen am Universitätsstandort Jena werden über kurz oder lang ihren Sitz nach Erfurt verlegen, »weil man ja nicht mehr so einfach hinkommt«. Die Städte an der Saale, die in den Jahrzehnten nach der Wende mühsam ihre Infrastruktur aufgebaut haben, gehören zu den Verlieren des riesigen Komplotts, das schon Anfang der Neunziger geschmiedet wurde. Initiator Bernhard Vogel, Thüringens erster Ministerpräsident, wollte sich mit Hilfe seines Freundes Helmut Kohl ein Denkmal setzen. Er stellte die Weichen für dieses Milliardenschwere Prestigeprojekt, größer, schwieriger und teurer als alles was es zuvor gegeben hat. 10 Milliarden Euro hat das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 8 verschlungen und da sind die Umbauten der Bahnhöfe Halle und Erfurt nicht mit eingerechnet. Mit dem Geld hätte man die Saalebahn wahrscheinlich mehrfach ausbauen können. Vielleicht hätte man sogar die Weichen an der Strecke vergolden können.

Nach 26 Jahren ist sie nun fertig und es rollen bereits die ersten Züge. Auf der Strecke geblieben sind das dichtbesiedelte Ostthüringen und die Natur im Thüringer Wald. Selbst eine riesige Tropfsteinhöhle wurde dem Bau geopfert, für eine Fahrtzeitverkürzung von maximal zwei Stunden.

Die einzig wirklichen Gewinner sind die Baufirmen, die dieses gigantische Mahnmal, das boshaft auch »die längste U-Bahn Deutschlands« (wegen der 22 Tunnel) genannt wird, aus dem Boden gestampft haben. Der Steuerzahler muss blechen, für ein Projekt das keiner logischen und ökologischen Prüfung standhält. Das aber dennoch verwirklicht wurde, über die Bedürfnisse der Vielen hinweg.

Wer mehr zu dem Irrsinn lesen möchte, dem empfehle ich den Artikel in der Welt.

Der Eschbach-Erstling

Quelle: Amazon

Im Zuge der Vorbereitung auf die Andreas Eschbach-Tagung las ich seinen ersten Roman »Die Haarteppichknüpfer«. Das bemerkenswerte Werk erschien 1995 und war der Auftakt zu einer großen Schriftstellerkarriere. Eschbach gewann damals mit dem Roman den Deutschen-Science-Fiction-Preis. Völlig zurecht, wie ich finde.

Die Handlung des Romans ist ausgesprochen vielschichtig. Eigentlich fühlt es sich an wie aneinandergereihte Kurzgeschichten, die zusammen einen vollständigen Handlungsbogen ergeben. Dabei bedient sich der Autor jenes Tricks, den ich schon bei den Kurzgeschichten-Sammlungen von Dirk Bernemann beobachtet konnte. Jedes Kapitel enthält einen winzigen Bezug zum Vorangegangenen. Dabei sind die handelnden Figuren und mitunter auch die Handlungsorte völlig verschieden. Wahrscheinlich hätte jedes Lehrbuch gesagt, dass man so keine spannende Geschichte erzählen kann. Bei Eschbach funktioniert es und zwar so gut, dass ich den Roman in wenigen Stunden durchgelesen hätte, wenn es meine Zeit erlaubt hätte.

Besonders wahrzunehmen ist hier bereits das, was die späteren Romane des Autors ausmachen – die Genrewechsel. Der unvorbereitete Leser glaubt zunächst bei dem Roman handele es sich um eine Erzählung aus dem Mittelalter. Aber Eschbach streut in jedes Kapitel kleine Hinweise ein, die nach und nach erahnen lassen, dass man sich nicht im Mittelalter der Erde befindet, sondern auf einem fremden Planeten in einer weit entfernten Galaxie. Später verlassen wir diesen Planeten und lernen häppchenweise die jahrtausendealte Geschichte einer Zivilisation kennen. Bevor wir am Ende wieder auf den Planeten vom Beginn des Romans zurückkehren.

Dreh- und Angelpunkt sind die Haarteppiche. Jene meisterhaft geknüpften Kunstwerke aus Menschenhaar, für die ein Handwerker sein ganzen Leben geopfert hat (und nicht nur er, auch seine Familie). Als Leser möchte man wissen, für wen diese Teppiche sind und warum sie seit Hunderten von Generationen angefertigt werden. Allein mit dieser Frage fesselte mich der Autor so, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die Auflösung ist dann ein Schlag und man sitzt erst einmal da und überlegt, was gerade passiert ist. Vielleicht hätte diese Auflösung erst ganz am Schluss kommen sollen, und nicht einige Kapitel vorher – dann wäre sie wahrscheinlich noch wirkungsvoller gewesen.

Dennoch ist »Die Haarteppichknüpfer« sensationelle Science Fiction, die nicht auf das Genre fixiert ist und die Geschichte gerade deshalb so spannend macht. Nicht nur vom Plot auch stilistisch gelingt Andreas Eschbach ein überzeugendes Werk, das seinesgleichen sucht. Für mich der bisher beste Eschbach-Roman, den ich gelesen habe. Aber ich habe auch noch ein paar im Regal stehen.

Plotprobleme

Ui! Das hätte ich jetzt fast übersehen. Ich wollte gerade meine Schreibaufgabe für das Roman-Seminar in Wolfenbüttel abschicken. Da entdecke ich auf dem Aufgabenzettel, dass nicht nur die Romanzusammenfassung und eine 5-seitige Szene gefordert sind, sondern dass man zudem auf einer Normseite beschreiben soll, welche Probleme einen am Weiterschreiben hindern. Puh! Eigentlich ist ja heute Abgabetermin und ich bin für meine Verhältnisse eh schon spät dran. Normalerweise reiche ich mindestens vier Tage vorher ein, aber mein Urlaub hat dieses Mal alles durcheinander gebracht.

Nachdem ich also heute den Text von Zusammenfassung und Szene nochmal mit Papyrus-Autor gegengecheckt habe, dachte ich, dass war’s. Leider ist dem nicht so und ich musste auf die Schnelle noch eine Seite zu meinen Plotproblemen schreiben. Aber da ich sowieso noch meinen Blogeintrag schreiben wollte, lag es nahe, beides miteinander zu verbinden. Es sind ja keine Geheimnisse, die ich hier ausplaudere und vielleicht entspinnt sich hier ja auch eine Diskussion darüber, was andere Autoren daran hindert weiterzuschreiten. Wer weiß!

Meine übliche Herangehensweise dauert zu lange, um einen Roman in einer angemessenen Zeit fertigzustellen. Ich brauche mindesten 3-5 Jahre, von der Idee bis zum fertigen Manuskript. Sofern mir kein Schreibcoach oder Abgabetermin im Nacken sitzt.

Wenn ich eine Idee habe, dann trage ich diese zunächst lange mit mir herum und überlege, wie ich sie möglichst treffend umsetzen kann. Das ist ein gedanklicher Prozess, der Monate, manchmal auch Jahre dauern kann. Erst wenn ich die Geschichte komplett im Kopf zusammengefügt habe, schreibe ich eine kurze Zusammenfassung. Anschließend skizziere ich die einzelnen Szenen und notiere sie in einer Mind-Map. Zu jeder Szene schreibe ich Stichpunktartig, was zwischen wem passiert.

Irgendwann sehr viel später beginne ich mit dem ersten Satz. Ich schreibe chronologisch, so wie es die Szenenplanung vorgibt. Ein Versuch, zunächst nur die Lieblingsszenen zu schreiben, scheiterte, weil ich irgendwann keine Lust mehr hatte, auch die Kapitel dazwischen zu schreiben.

Da ich nicht jeden Tag schreiben kann, fallen mir oft nachträglich Situationen ein, die ich dann in den Szenenplan übernehme. Die Geschichte wird also immer umfangreicher, je länger ich daran schreibe. Und es damit natürlich auch immer schwerer, sie zu beenden.

Das ließe sich wahrscheinlich vermeiden, wenn ich die Geschichte hintereinander wegschreiben könnte. Aber dazu müsste man mich drei Wochen lang bei Wasser und Brot in einen Raum einzusperren. Oder eine Woche lang mit dem Zug durch Deutschland schicken, weil ich da nämlich am besten schreiben kann. Ach ja, im Flugzeug klappt es auch gut.

Ärger mit dem Reifendrucküberwachungssystem

… schon das Wort deutet es an, bei der Länge und Kompliziertheit müssen zwangsläufig Probleme auftreten.

Doch von vorn. Das moderne Auto von heute verfügt über jede Menge technologischen Schnickschnack, den man bisher nicht brauchte, der aber auf einmal unverzichtbar ist. Manches davon ist in meinen Augen sogar richtig sinnvoll, anderes nur Geldschneiderei. Das Reifendrucküberwachungssystem zum Beispiel. Das gibt es ja schon lange in der Formel-1 und da mag es auch notwendig sein, schließlich ist ein platter Reifen für einen Formel-1-Boliden nicht ganz ungefährlich. Nun hat es auch Einzug ins Auto des Normalbürgers gehalten. Unser neues Auto ist zwangsläufig damit ausgestattet. Eigentlich wollten wir das nicht, aber seit ein paar Jahren ist das System für Neuwagen verpflichtend. Man kommt also nicht drumrum. Für Leute, die gern ihre Reifen selbst wechseln, wie zum Beispiel meinen Mann oder seine Brüder, ist das System allerdings ein Albtraum. Nicht nur, dass der Preis für die Winterräder doppelt so hoch ausfällt, weil die Sensoren in den Reifen glatt 50 Euro pro Reifen kosten. Nein, die müssen auch noch mit dem Auto nach dem Reifenwechsel verheiratet werden. Und das kann nur – richtig – eine zertifizierte Werkstatt. Natürlich machen die das nicht kostenlos. Die Alternative ist: man kauft sich für viel Geld selbst so ein Gerät, was z. B. mein Schwager gemacht hat.

Mein Mann hat am Samstag zum ersten Mal Winterräder auf unseren Yaris montiert. Zumindest wollte er es, scheiterte aber schon mal daran, dass die mitgelieferten Radmuttern nicht passten. Also sind wir zum Autohaus gefahren und haben die richtigen Radmuttern gekauft. In der Anleitung hat er dann nachgelesen wie das mit den Reifedrucksensoren funktioniert und hat gemacht, was da steht. Das Auto war ganz brav und hat nicht gemeckert. Zumindest nicht bis wir heute Nachmittag nach Traunstein gefahren sind. Da machte plötzlich das Reifendruck-Symbol mit einem hektischen Blinken auf sich aufmerksam. Ich entdeckte dann in der Anleitung den versteckten Satz, dass man beim ersten Aufziehen der Winterräder deren ID-Code im Auto speichern muss, und das kann nur die Werkstatt. Wir fuhren also zum Toyota-Händler (bei dem wir das Auto nicht gekauft haben, weil die so unfreundlich waren), aber da war nur ein sehr junger Verkäufer da. Die Werkstatt hatte wegen der beiden Feiertage schon Feierabend gemacht. Nun müssen wir am Donnerstag nochmal hin. Der Autohändler will ja auch was verdienen. Denn genau dafür wurden solche Dinge wie ein Reifendrucküberwachungssystem entwickelt. Sonst würden die Monteure in den Autohäusern ja arbeitslos. Das geht gar nicht.

Die Moral von der Geschichte, wahrscheinlich ist es am gescheitesten, gleich die Reifen vom Händler draufmachen zu lassen. Da spart man am Ende zumindest Zeit und Nerven. Die Zeiten, in denen man selbst am eigenen Auto schrauben konnte, sind ein für alle mal vorbei.

Rund ums Fliegen

Fliegen ist an sich etwas Schönes. Ich gebe zu, ich fliege ganz gern. Auch wenn ich wegen der schlechten Umweltbilanz immer ein schlechtes Gewissen habe. Aber ich finde, es ist eine angenehme Möglichkeit lange Strecken zu überwinden.

Auf unserem Flug in den Urlaub und auch wieder zurück hat nicht alles so geklappt, wie man sich das wünscht. Beim Abflug in München standen wir erstmal am falschen Check-In-Schalter. Merke: nicht überall wo TUI draufsteht, ist auch TUI drin. Beim Hinflug flogen wir mit SunExpress, einer deutsch-türkischen Fluggesellschaft. Ich wäre ja lieber mit Condor geflogen, aber die Maschine (Abflug eine Stunde früher) war leider schon voll. Sowohl am Check-In als auch vor der Sicherheitskontrolle standen Massen von Urlaubern und das an einem Dienstag. Die Schlange war voll mit quengelnden Kindern und alten Leuten mit Krücken und Rollstühlen. Zwischendrin und später auch im Flugzeug entdeckte ich auch eine Hochschwangere. (Ganz ehrlich, in dem Zustand hätte ich mich nicht mehr in ein Flugzeug gequetscht und wäre irgendwo hingeflogen. Aber das muss jeder selbst wissen.) Warum die Fluggesellschaften keinen Extraschalter für Eltern mit Kindern und für Gehbehinderte anbieten, ist mir schleierhaft. Bei der Sicherheitskontrolle gibt es die ja auch.

Weil wir uns über die Fluggesellschaft informiert hatten, haben wir noch vor der Sicherheitskontrolle gegessen und viel Wasser getrunken. Man darf ja nichts mit reinnehmen. Drinnen gab es zumindest Wasser für einen Euro. Das braucht man auch, weil es an Bord von SunExpress nämlich keine Verpflegung gibt. Außer man bezahlt dafür. Zumindest war der Kapitän gut drauf, spielte den Reiseführer und erklärte, was man gerade sehen konnte, wenn man aus dem Fenster blickte. (Bildschirme gab es keine, dafür war die Boeing zu alt.)

Am Flughafen in Lanzarote funktionierte die Gangway nicht, so dass wir erstmal nicht aussteigen konnten und dann warteten wir nochmal eine halbe Stunde bis endlich das Gepäckband anlief. Wir brauchten eine Stunde nach der Landung, bis wir draußen waren.

Auf der Rückreise ärgerte ich mich mal wieder massiv über die übertriebenen Sicherheitskontrollen. Vor allem die Sache mit den Flüssigkeiten. Wir hatten nämlich vom Hotel ein Picknickkörbchen mit zwei Wasserflaschen bekommen. Weil wir aber auch noch unsere eigenen Flaschen dabei hatten, mussten wir erstmal die austrinken, bevor wir durch die Kontrollen gingen. Die beiden Flaschen aus dem Hotel vermachten wir zwei Deutschen, die in der Halle in einem Café saßen und jemanden verabschiedeten. Mir hätte es in der Seele leid getan, die vollen Flaschen in einen der großen Container zu werfen, die vor dem Sicherheitsbereich aufgestellt waren. Drinnen im Wartebereich mussten wir natürlich wieder teuer Wasser kaufen, um auf dem vierstündigen Flug nicht zu verdursten. Krank! Echt, da fehlt mir irgendwie das Verständnis dafür. Ich glaube, dass macht man nur, damit die Läden im Abflugbereich genügend Umsatz machen. Es ist reine Geschäftemacherei und hat absolut nichts mit Sicherheit zu tun. Als ob schon mal ein Terrorist sowas versucht hätte. (Wer so etwas vorhat, dem bieten sich hundert bessere Möglichkeiten.) Dann sollen sie die Wasserflaschen eben prüfen, da gibt es sicher Teststreifen oder ähnliches, oder jeder trinkt im Beisein der Security einen Schluck.

Beim Rückflug hatten wir die Condor-Maschine gebucht. Aber auch hier gilt inzwischen: im Flugzeug gibt es Essen und Trinken nur gegen Bezahlung. Ich kann mich an Flüge mit Condor erinnern, auf denen noch kostenlos Wein und Bier ausgeschenkt wurde, und man nach dem Flug noch eine Tasche geschenkt bekam. Aber wegen der Konkurrenz durch die Billigflieger müssen die Airlines an allen Ecken und Kanten sparen. Wohin das führt, sieht man bei AirBerlin. Ich fand es von der Kabinencrew sehr nett, dass sie eine Durchsage machten, um ihren Kollegen von AirBerlin alles Gute zu wünschen. Der Chefsteward erinnerte alle Fluggäste nochmal daran, welche Gefahr von der Billigkonkurrenz für die Fluggesellschaften ausgeht, und sie das doch bitte bei ihrer nächsten Buchung berücksichtigen sollten. Das fand ich gut. Denn letztendlich ist es wie überall in Deutschland. Die Geiz ist Geil-Mentalität macht viele Arbeitsplätze kaputt. Ich verstehe nicht, wieso die Menschen nicht begreifen, dass Dinge einen bestimmten Wert haben und das andere genauso für ihre Arbeit entlohnt werden wollen, wie man selbst. Das bei 29 Euro für einen Flug von München nach Berlin kann es nicht mit rechten Dingen zugehen. Irgendwer muss dafür bezahlen, am Ende zahlen meist die Angestellten der Airline mit ihren Arbeitsplätzen dafür.

Fauler letzter Urlaubstag

Am Donnerstag brachten wir den Mietwagen zurück und spazierten quer durch Playa Blanca zurück ins Hotel. Es war brütend heiß, mehr als dreißig Grad und die Sonne ballerte nur so vom Himmel. Das machte den Abschied einerseits leichter, weil es daheim nicht so heiß sein würde, andererseits aber auch schwerer, weil in Deutschland für die nächsten Tage ziemlich mieses Wetter angesagt war.

Wir erledigten noch schnell die letzten Einkäufe und zogen uns dann auf den Hotelbalkon zurück. Ich nutzte später die Gelegenheit, um ein paar Runden im Pool zu schwimmen. Ansonsten verbrachten wir den Tag mit Erholen, Kofferpacken und gutem Essen.

Der Abreisemorgen begann früh, weil wir schon um 7:40 Uhr abgeholt wurden. Der Flieger sollte zwar erst um 11 Uhr gehen, aber die Reiseunternehmen gehen auf Nummer sicher. Deshalb schwitzten wir am Flughafen nochmal zwei Stunden sinnlos vor uns hin und dann noch mal eine halbe Stunde im Flieger, weil die Flugsicherung keine Starterlaubnis gab. Dafür durften wir in der ersten Reihe sitzen. Da saß ich noch nie. Man hat zwar mehr Beinfreiheit, aber weil die Tische in den Armlehnen verstaut sind, kann man diese nicht hochklappen und fühlt sich etwas eingeengt. Sehr zum Leidwesen eines etwas beleibten Herrn, der in meiner Reihe saß und extra den Platz gebucht hatte und nun im Sitz eingeklemmt ausharren musste. Ich fand den Platz auch nicht so prickelnd, zumal ich schreiben wollte, und der versenkbare Klapptisch ziemlich unhandlich war. Dennoch schaffte ich es in drei Stunden meine Schreibaufgabe für Wolfenbüttel zu erledigen.

In München angekommen, fuhren wir zum Ostbahnhof und gingen gleich zum Trekdinner ins Restaurant-Bar-Portugal, wo wir uns völlig ausgehungert über das leckere portugiesische Essen her machten. Die Runde war für ein Halloween-Trekdinner klein und übersichtlich. Aber es waren Leute da, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Das war sehr schön. Nur waren wir so müde, dass wir uns halb acht schon wieder verabschiedeten. Schließlich stand uns bis nach Hause noch mehr als eine Stunde Zugfahrt bevor. Dafür hatten wir am Bahnsteig dann die Qual der Wahl. Wegen diverser Verspätungen bei der Deutschen Bahn fuhren gleich drei IC/EC-Züge hintereinander. Wir entschieden uns für den, der nicht so voll war.

Mein Fazit als ich später in die Kissen sank: auch wenn der Urlaub noch so toll war, im eigenen Bett schläft es sich doch am besten.

So! Und jetzt gehts wieder an die Arbeit für die SOL.

Im Kaktusgarten

Jardin de Cactus

Mit Kakteen stehe ich eigentlich auf Kriegsfuß, weil ich mich an den Exemplaren, die ich bisher besaß, immer verletzt habe, egal wie vorsichtig ich war. Aber im Kaktusgarten auf Lanzarote, geschaffen von Cesar Manrique, gibt es so außergewöhnliche Exemplare zu bestaunen, daran kommt man eigentlich nicht vorbei. Die Anlage ist wunderschön gestaltet und beherbergt Kakteen aus aller Welt. Es war das letzte touristische Highlight der Insel, das wir besuchten. Und weil das Wetter am Morgen ein wenig trüb, dafür aber umso wärmer war, passte der Besuch perfekt.

Unterwegs holten wir uns wieder eine Leckerei aus dem Café, das wir in Tahiche entdeckt hatten und nahmen auch gleich noch belegte Baguettes für Mittag mit. Die verspeisten wir im Hotel und ließen uns am Nachmittag noch ein wenig von der Sonne bescheinen, die inzwischen hervorgekommen war. Ich bewunderte das Kreuzfahrtschiff (Mein Schiff 4), das vorbei schipperte und kurz vor Sonnenaufgang fuhren wir ein letztes Mal mit unserem Mietwagen los.

Sonnenuntergang bei El Golfo, dass hatte ich mir schon zu Beginn des Urlaubs gewünscht. Und weil der Himmel im Gegensatz zum Vormittag wolkenlos war, bot sich am gestrigen Abend die Gelegenheit. Die Bucht sieht im Abendlicht noch viel romantischer aus, als am Tag. Und auch die Berge in der Vulkanlandschaft hatte einen besonderen Reiz. Wir machten ein paar Fotos bevor uns die Hitze zurück ins klimatisierte Auto trieb. Es war nach 18 Uhr und immer noch über 30° C warm, so heiß, wie an keinem der Tage zuvor.

Auf dem Weg zurück ins Hotel bewunderte ich ein letztes Mal, wie große Wellen gegen die Felsen der Küste schlugen, den Kontrast zwischen dem Schwarzgrau der Felsen, der weißen Gischt und dem tiefblauen Wasser. Das wirkt auf einem Foto bei Weiten nicht so beeindruckend, wie mit eigenen Augen beobachtet.

Was für eine Aussicht.

Beim Abendessen tobte die übliche Schlacht ums Buffet. Weil wir später dran waren, waren die Plätze draußen auf der Terrasse bereits besetzt und wir mussten uns drinnen in dem großen Saal mit Kantinencharakter platzieren. Es macht echt keinen Spaß zwischen Hunderten von Leuten, mit quiekenden Kleinkindern und maulenden Pubertieren zu speisen. Zumal die Engländer ohnehin einen etwas seltsamen Geschmack haben, was Essen betrifft. (Ich sage nur frittierte Marshmallows.) Zumindest die Pizza und die Tomatensuppe schmeckten, und das Geschirr war einigermaßen sauber, was an den letzten Tagen nicht immer so war. Sauberes Geschirr sollte man in einem Sterne-Hotel eigentlich erwarten können.

Den Abend verbrachten wir am Strand. Es war ungewöhnlich warm. Die Sterne und der Mond funkelten und die Lichter von Corralejo schienen über das Wasser zu uns herüber. Von fern erklang Musik aus einem der Hotels. Wir spazierten durch die Wellen, die sich am Strand brachen und nahmen später jede Menge Sand an den Füßen mit ins Hotelzimmer. Ein gelungener Tagesabschluss.

Mit dem Boot zum Strand

Caleton Blanco

Die ausgefallene Bootsfahrt von Montag holten wir gestern nach. Aber nicht nach Fuerteventura, sondern nach La Graciosa. Die Insel fehlte mir noch auf meiner Liste der besuchten Kanarischen Inseln.

Wir standen dafür ein bisschen früher auf als sonst und fuhren bis zum nördlichsten Ort Lanzarotes nach Orzola, wo wir genau zur Abfahrt des Bootes eintrafen. Ein paar Minuten später und die Fähre wäre weg gewesen. So setzten wir bei trüben Wetter und stürmischer See über. Ein paar Mal schwankte das Boot bedrohlich nach rechts und links und ich hatte echt Bedenken, dass ich bei dem Auf und Ab Seekrank werden würde. Doch der Skipper fuhr langsam und sehr vorsichtig, so dass es kein Problem war.

Auf der kleinen Insel nördlich von Lanzarote scheint die Zeit stehengeblieben. Es gibt keine asphaltierten Straßen, sondern nur Sandpisten und ein kleines Fischerdorf mit einem Hafen. In wenigen Minuten ist man aus dem Dorf heraus und kann entweder zur anderen Seite der Insel laufen oder am Wasser entlang. Die Strände sind naturbelassen. Sand wechselt sich mit blank geschliffenen Vulkangestein ab, in dem bei Ebbe kleine Wasserpfützen stehen. Dort kann man wunderbar Fischschwärme und kleine Krebse beobachten. Ich frönte meiner Sammelleidenschaft und tütete Muscheln und kleine Steine ein. Eine Hand voll grobkörniger Sand landete in einer Kaugummiverpackung. Den muss ich daheim mal mit der Lupe betrachten, da er nur aus den Resten von Meerestieren besteht. Fast zwei Stunden verbrachten wir auf diese Weise am Strand, bevor wir mit dem Boot nach Lanzarote zurückfuhren.

Wellenbrecher

An der Straße hielten wir noch einmal an der Caleton Blanco und spazierten durch Lavafelder zu einem kleinen Strand mit schneeweißem Sand, an den riesige Wellen brandeten. Das ist echt ein Geheimtipp, denn hier kommen normalerweise keine Touristenbusse vorbei. Ich sah staunend dem Wasser zu, wie es türkisfarben und weiß auf die schwarzen Lavafelsen traf. Mein Mann musste mich regelrecht von dem Anblick losreißen, sonst würde ich wahrscheinlich immer noch dort stehen. Zumindest hatte ich das Handy dabei und konnte ein paar Fotos machen. Denn der Akku unserer Kamera hatte schon auf der Rückfahrt mit dem Boot schlapp gemacht.

Im Hotel stellte ich dann fest, dass ich mir trotz Sonnenschutzcreme auf der Rückfahrt mit dem Boot einen kleinen Sonnenbrand am Arm geholt habe. Da sieht man später zu Hause wenigstens, dass ich im Urlaub war.

In den Feuerbergen

Grüße von Vulkan

Eigentlich wollten wir mit dem Schiff nach Fuerteventura übersetzen, allein der Preis von 112 Euro für die zehn Kilometer Überfahrt schreckte uns ab. Wir blieben also an Land und schlenderten die Strandpromenade entlang bis zum letzten Hotel vor dem Leuchtturm. Wir nutzten die Zimmerkarte aus unserem Hotel, um auf das Gelände des Partnerhotels zu kommen. Dort im Pool schwimmt nämlich ein Segelboot, was ich meinem Mann unbedingt zeigen wollte. Wir spazierten durch die Anlage bis hoch zur Straße, wo wir knapp den Bus verpassten, der in die Stadt zurückfuhr. Weil der nächste erst in einer halben Stunde fahren sollte, gingen wir zu Fuß zurück, bis wir doch ein Taxi heran winkten, das uns die letzten Kilometer bis ins unser Hotel brachte.

Statt der Bootstour beschlossen wir die Hauptattraktion auf Lanzarote anzusteuern – die Montanas del Fuego – die Feuerberge. Die Reiseleiterin hatte uns gewarnt, dass man mit dem Mietwagen ziemlich lange warten muss, bis man in den Timanfaya Nationalpark eingelassen wird, aber wir ließen uns nicht entmutigen. Die Autoschlange reichte noch nicht bis zur Straßen, was schon mal ein gutes Zeichen war. Wir warteten dann doch eine gute Stunde, bis die Autoschlange vor uns abgearbeitet worden war.

Ich nutzte die Zeit dazu, um die menschliche Natur zu studieren. Überall an der Straße stehen Schilder, dass man nicht aussteigen und die Lavafelder betreten soll. Was machen die Leute, kaum dass sie im Stau stehen? Aussteigen und in der Landschaft herumrennen. Wir beobachteten, wie sich ein Kind bei einem Sturz auf die scharfkantigen Felsen eine ziemlich schlimme Verletzung holte. Wie zwei Spanierinnen die eindeutigen Zeichen des Parkwächters ignorierten, und in der Gegend herumspazierten. Und wie drei Grazien in langen Kleidern und Stöckelschuhen die Autoschlange entlang wanderten, um schneller vorwärts zu kommen, und dann schließlich auf dem Parkplatz in der prallen Sonne auf das Auto ihres Begleiters warten mussten.

Ich verstehe jetzt genau, warum man nur mit dem Bus in die Kernzone des Nationalparks gelassen wird. Wir hatten das eigentlich nicht vor, machten es aber dann trotzdem. Wenn wir schon einmal da sind. Die Busfahrt dauerte fast eine Stunde und mir war von dem Auf und Ab und dem Hin und Her am Ende richtig schlecht, dafür habe ich aber ein paar schöne Ausblicke genossen und tolle Fotos von Vulkanschloten gemacht. Oberhalb des Parkplatzes folgten wir vor dem Restaurant noch den Vorführungen der vulkanischen Aktivität. Es ist schon spektakulär, wenn man spürt, wie heiß es dort oben aus Boden kommt. So heiß, dass ein Eimer Wasser zu einem fauchenden Geysir wird.

Den späten Nachmittag verbrachten wir im Hotelzimmer mit Kaffee und dem leckeren Kuchen, den wir aus der Bäckerei mitgenommen hatten.

Natur und Kunst im Einklang

Der Sonntag begann ähnlich trüb wie der Samstag. Weil wir noch ein Ticket für die Cueva de los Verdes hatten, fuhren wir in den Norden. Die Berge zeigten sich streckenweise Wolken verhangen. Hinter Arrecife regnete es sogar ein wenig, wobei man das nicht wirklich als Regen bezeichnen kann. Es war eher ein Nieseln, das nicht mal den Staub auf dem Auto löschte. Dafür war es aber trotz des bedeckten Himmels nicht kalt, als wir bei den Lavahöhlen ankamen.

Diese sind ziemlich beeindruckend. Leider war die Gruppe, mit der wir die Führung machten, ein wenig zu groß. Viele hatten außerdem kleine Kinder dabei, die dann Untertage laut zu weinen anfingen, so dass man die Erklärungen der Höhlenführerin kaum verstehen konnte. Zu künstlerischen Zwecken ist die Höhle auch nicht besonders gut ausgeleuchtet, was meiner Nachtblindheit nicht gerade förderlich war. Besonders groß sollte man auch nicht sein, wenn man dort hinabsteigt, denn wenn man nicht aufpasst, schlägt man sich leicht den Kopf an. Lohnen tut sich ein Besuch aber allemal. Der riesige Lavatunnel ist in mehrere Ebenen unterteilt, durch die sich ein Fußweg von zirka einem Kilometer Länge windet. Am Ende gibt es ein Auditorium, in dem Konzerte stattfinden, weil hier die Akustik besonders gut ist. Auf dem Rückweg erteilte die Führerin striktes Fotografierverbot, weil der Weg so »gefährlich« ist. Das stellte sich schnell als großer Bluff heraus. Denn das Loch an dem der Weg entlang führte, war schlicht ein unterirdischer See. Deswegen auch das Verbot zu fotografierten, denn spätestens beim ersten Blitzlicht hätte man das durchschaut. Ich fand es aber dennoch beeindruckend, weil sich der See direkt über dem Lavatunnel befindet, in dem das Auditorium liegt.

Nach etwas mehr als einer Stunde tauchten wir aus der Dunkelheit wieder auf und gingen zum Parkplatz. Die Lavafelder im Norden sind schon älter, das merkt man vor allem daran, dass sie bewachsen sind. Überall standen Sukkulenten und Büsche mit kleinen gelben Blüten, der rostrote Lavafelsen war mit grauen Flechten bedeckt. Was mir unheimlich gut gefallen hat.

Auf dem Rückweg entdeckten wir kurz vor Arrecife eine Bäckerei mit Café am Straßenrand. Wir hielten und gingen hinein. Drinnen roch es verführerisch nach gebackenem Brot und die vielen kleinen Torten und Kuchen in der Auslage ließen uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wir beschlossen einen Cappuccino zu trinken und ein Stück Kuchen zu essen, obwohl es kurz nach Mittag war. Und natürlich nahmen wir für die nächsten Tage etwas mit.

Nächstes Ziel war die Fundacion Cesar Manrique – das ehemalige Wohnhaus des Künstlers, das er in mehrere Lavablasen gebaut hat. Zuletzt besuchte ich das Haus 2003. Ich weiß es deshalb so genau, weil mir erst vor kurzem der Kassenbeleg vom Eintritt in die Hände fiel. 4,50 Euro habe ich damals bezahlt. Inzwischen sind es 8 Euro, die man für die Besichtigung des Hauses berappen muss. Ein bisschen viel, wenn man mich fragt, aber weil wir nun schon mal da waren, gingen wir auch rein. Man sollte das architektonische Kunstwerk, das sich fast nahtlos in die Lavalandschaft einfügt, unbedingt gesehen haben. Ich glaube, ich bin nicht die einzige, die dort sofort einziehen würde. Wenn ich wieder daheim bin, werde ich die entsprechenden Fotos nachreichen.

Gegen halb vier waren wir zurück im Hotel, wo ich mich gleich wieder dem Schreiben widmete, schließlich hatte ich mir vorgenommen jeden Tag etwas zu schreiben.