In den Feuerbergen

Grüße von Vulkan

Eigentlich wollten wir mit dem Schiff nach Fuerteventura übersetzen, allein der Preis von 112 Euro für die zehn Kilometer Überfahrt schreckte uns ab. Wir blieben also an Land und schlenderten die Strandpromenade entlang bis zum letzten Hotel vor dem Leuchtturm. Wir nutzten die Zimmerkarte aus unserem Hotel, um auf das Gelände des Partnerhotels zu kommen. Dort im Pool schwimmt nämlich ein Segelboot, was ich meinem Mann unbedingt zeigen wollte. Wir spazierten durch die Anlage bis hoch zur Straße, wo wir knapp den Bus verpassten, der in die Stadt zurückfuhr. Weil der nächste erst in einer halben Stunde fahren sollte, gingen wir zu Fuß zurück, bis wir doch ein Taxi heran winkten, das uns die letzten Kilometer bis ins unser Hotel brachte.

Statt der Bootstour beschlossen wir die Hauptattraktion auf Lanzarote anzusteuern – die Montanas del Fuego – die Feuerberge. Die Reiseleiterin hatte uns gewarnt, dass man mit dem Mietwagen ziemlich lange warten muss, bis man in den Timanfaya Nationalpark eingelassen wird, aber wir ließen uns nicht entmutigen. Die Autoschlange reichte noch nicht bis zur Straßen, was schon mal ein gutes Zeichen war. Wir warteten dann doch eine gute Stunde, bis die Autoschlange vor uns abgearbeitet worden war.

Ich nutzte die Zeit dazu, um die menschliche Natur zu studieren. Überall an der Straße stehen Schilder, dass man nicht aussteigen und die Lavafelder betreten soll. Was machen die Leute, kaum dass sie im Stau stehen? Aussteigen und in der Landschaft herumrennen. Wir beobachteten, wie sich ein Kind bei einem Sturz auf die scharfkantigen Felsen eine ziemlich schlimme Verletzung holte. Wie zwei Spanierinnen die eindeutigen Zeichen des Parkwächters ignorierten, und in der Gegend herumspazierten. Und wie drei Grazien in langen Kleidern und Stöckelschuhen die Autoschlange entlang wanderten, um schneller vorwärts zu kommen, und dann schließlich auf dem Parkplatz in der prallen Sonne auf das Auto ihres Begleiters warten mussten.

Ich verstehe jetzt genau, warum man nur mit dem Bus in die Kernzone des Nationalparks gelassen wird. Wir hatten das eigentlich nicht vor, machten es aber dann trotzdem. Wenn wir schon einmal da sind. Die Busfahrt dauerte fast eine Stunde und mir war von dem Auf und Ab und dem Hin und Her am Ende richtig schlecht, dafür habe ich aber ein paar schöne Ausblicke genossen und tolle Fotos von Vulkanschloten gemacht. Oberhalb des Parkplatzes folgten wir vor dem Restaurant noch den Vorführungen der vulkanischen Aktivität. Es ist schon spektakulär, wenn man spürt, wie heiß es dort oben aus Boden kommt. So heiß, dass ein Eimer Wasser zu einem fauchenden Geysir wird.

Den späten Nachmittag verbrachten wir im Hotelzimmer mit Kaffee und dem leckeren Kuchen, den wir aus der Bäckerei mitgenommen hatten.

Natur und Kunst im Einklang

Der Sonntag begann ähnlich trüb wie der Samstag. Weil wir noch ein Ticket für die Cueva de los Verdes hatten, fuhren wir in den Norden. Die Berge zeigten sich streckenweise Wolken verhangen. Hinter Arrecife regnete es sogar ein wenig, wobei man das nicht wirklich als Regen bezeichnen kann. Es war eher ein Nieseln, das nicht mal den Staub auf dem Auto löschte. Dafür war es aber trotz des bedeckten Himmels nicht kalt, als wir bei den Lavahöhlen ankamen.

Diese sind ziemlich beeindruckend. Leider war die Gruppe, mit der wir die Führung machten, ein wenig zu groß. Viele hatten außerdem kleine Kinder dabei, die dann Untertage laut zu weinen anfingen, so dass man die Erklärungen der Höhlenführerin kaum verstehen konnte. Zu künstlerischen Zwecken ist die Höhle auch nicht besonders gut ausgeleuchtet, was meiner Nachtblindheit nicht gerade förderlich war. Besonders groß sollte man auch nicht sein, wenn man dort hinabsteigt, denn wenn man nicht aufpasst, schlägt man sich leicht den Kopf an. Lohnen tut sich ein Besuch aber allemal. Der riesige Lavatunnel ist in mehrere Ebenen unterteilt, durch die sich ein Fußweg von zirka einem Kilometer Länge windet. Am Ende gibt es ein Auditorium, in dem Konzerte stattfinden, weil hier die Akustik besonders gut ist. Auf dem Rückweg erteilte die Führerin striktes Fotografierverbot, weil der Weg so »gefährlich« ist. Das stellte sich schnell als großer Bluff heraus. Denn das Loch an dem der Weg entlang führte, war schlicht ein unterirdischer See. Deswegen auch das Verbot zu fotografierten, denn spätestens beim ersten Blitzlicht hätte man das durchschaut. Ich fand es aber dennoch beeindruckend, weil sich der See direkt über dem Lavatunnel befindet, in dem das Auditorium liegt.

Nach etwas mehr als einer Stunde tauchten wir aus der Dunkelheit wieder auf und gingen zum Parkplatz. Die Lavafelder im Norden sind schon älter, das merkt man vor allem daran, dass sie bewachsen sind. Überall standen Sukkulenten und Büsche mit kleinen gelben Blüten, der rostrote Lavafelsen war mit grauen Flechten bedeckt. Was mir unheimlich gut gefallen hat.

Auf dem Rückweg entdeckten wir kurz vor Arrecife eine Bäckerei mit Café am Straßenrand. Wir hielten und gingen hinein. Drinnen roch es verführerisch nach gebackenem Brot und die vielen kleinen Torten und Kuchen in der Auslage ließen uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wir beschlossen einen Cappuccino zu trinken und ein Stück Kuchen zu essen, obwohl es kurz nach Mittag war. Und natürlich nahmen wir für die nächsten Tage etwas mit.

Nächstes Ziel war die Fundacion Cesar Manrique – das ehemalige Wohnhaus des Künstlers, das er in mehrere Lavablasen gebaut hat. Zuletzt besuchte ich das Haus 2003. Ich weiß es deshalb so genau, weil mir erst vor kurzem der Kassenbeleg vom Eintritt in die Hände fiel. 4,50 Euro habe ich damals bezahlt. Inzwischen sind es 8 Euro, die man für die Besichtigung des Hauses berappen muss. Ein bisschen viel, wenn man mich fragt, aber weil wir nun schon mal da waren, gingen wir auch rein. Man sollte das architektonische Kunstwerk, das sich fast nahtlos in die Lavalandschaft einfügt, unbedingt gesehen haben. Ich glaube, ich bin nicht die einzige, die dort sofort einziehen würde. Wenn ich wieder daheim bin, werde ich die entsprechenden Fotos nachreichen.

Gegen halb vier waren wir zurück im Hotel, wo ich mich gleich wieder dem Schreiben widmete, schließlich hatte ich mir vorgenommen jeden Tag etwas zu schreiben.

Vom Strand über den Berg in die Höhle

Der Pool im Lavastrom

Lanzarote hat einiges zu bieten, nicht nur Vulkane und Lavafelder. Einiges davon wollte ich meinem Mann zeigen, deshalb fuhren wir gestern mit dem Auto in den Norden.

Zunächst steuerten wir den größten Strand der Insel an. Die Playa de Famara ist ein Surferparadies und gehört zu den gefährlichsten Stränden auf den Kanaren. Der weiße Sandstrand ist flach und breit und zieht sich Kilometerlang, doch eine Unterströmung im Wasser macht ihn für Badegäste tückisch. Weshalb auch die ganze Zeit über die rote Flagge über dem Strand weht. Dutzende von Surfern trauten sich dennoch in die Wellen. Wir zogen die Schuhe aus und spazierten über den Sand, ließen uns das Meer um die Füße spülen. Aber weiter als ein paar Meter trauten wir uns nicht in die Brandung.

Nach dem Strandbesuch fuhren wir zum Mirador der Rio, einem Aussichtspunkt am nördlichsten Punkt der Insel, der von Cesar Manrique entworfen wurde. Der futuristisch aussehende Ort war schon Schauplatz von Kinofilmen. Hier hat man einen sensationellen Blick auf die Nachbarinsel La Graciosa.

Ein weiteres Werk des Künstlers und Architeken Manrique besichtigten wir im Anschluß. Die Jameos del Aqua sind ein ehemals unterirdisch verlaufender Lavastrom. Die Hohlräume, die die Lava hinterlassen hat und die teils eingestürzt sind, hat Manrique in ein architektonischen Kleinod verwandelt. Es gibt ein Restaurant, eine Grotte in der weiße Tiefseekrebse leben, einen Pool und ein Auditorium, dass man aber gestern leider nicht besichtigen konnte, weil gerade eine Veranstaltung stattfand. Oberhalb gibt es noch ein Museum über Vulkanismus, das einer dringenden Modernisierung bedürfte. Ich konnte mich nicht sattsehen, an dem Pool, den Palmen und dem schwarzen Lavagestein. Überall entdeckte ich harmonisch angelegte Sitzecken, eine Bar oder ein kleines Café. Sogar die Toiletten wurden in den Basalt eingefügt und werden von oben über Schächte mit Licht versorgt. Wenn man dort einen genauen Blick riskiert, kann man die Männer von oben vor den Pissbecken beobachten. Das fand ich witzig. Zumindest machte ich von den Jameos jede Menge Fotos, bis plötzlich der Akku der Kamera streikte. Der Ersatzakku lag natürlich im Hotel. Aber zum Glück gibt es Smartphones und so konnte ich doch noch ein paar schöne Aufnahmen der Anlage von oben machen.

Jameos del Aqua

Die Rückfahrt ins Hotel dauerte ungefähr eine Stunde. Unterwegs stoppten wir an einem Supermarkt und versorgten uns mit Wasser und einer Kleinigkeit zum Kaffee.

Am Abend kam Wind auf und mich fröstelte es während des Spaziergangs auf der Strandpromenade. Heute Morgen war der Himmel dann bedeckt und als wir beim Frühstück saßen, regnete es sogar ein paar Tropfen. Das »schlechte« Wetter (es waren trotzdem 23 °C) nutzten wir gleich aus, um ein wenig herum zu gammeln. Zuerst beobachteten wir von der Strandpromenade die Leute am Strand und die mühsamen Versuche eines Surfers und zweier Segler sich über Wasser zu halten. Dann fuhren wir zum Leuchtturm, wo ich fasziniert den Wellen zusah.

Schwarze Lava und ein Hauch von Abenteuer

Wenn ich die Augen schließe, dann zieht sie an mir vorbei, die zerklüftete schwarze Landschaft neben der Straße. Es sieht aus als hätten LKWs abertausende Ladungen Geröll abgeladen, schwarze Steine mit Durchmessern von einigen Metern bis wenigen Zentimetern. Manche türmen sich zu kleinen Hügeln neben der Straße auf, stechen mit scharfen Kanten in den blauen Himmel. Scheinbar endlos ziehen sich die Lavafelder hin. Am Horizont wachsen rostrote Vulkankegel empor, wirken harmlos und bedrohlich zugleich.

Den gestrigen Vormittag verbrachten wir im Timanfaya Nationalpark, fuhren an einer Saline vorbei die Küste entlang, beobachteten die Wellen, die gegen die Basaltfelsen schlugen und spazierten über einen schwarzen Strand, auf dem ich tatsächlich ein paar Olivinsteine fand. Zurück fuhren wir über enge Straßen und kleine Dörfer, deren strahlend weiße Häuser von Mauern aus Lavasteinen gesäumt sind. Dazwischen immer mal wieder eine Palme oder ein paar niedrige Hecken. Vor allem schwarze Felder mit Trichtern, die von halbkreisförmigen Steinmauern geschützt werden. In den Vertiefungen wachsen Weinstöcke mit gelbbraunen Blättern.

Zurück an der Küste schlage ich vor, zu den Papagayo Stränden zu fahren. Ohne Auto kommt man dort nicht hin, weshalb ich bisher auch noch nie dort war. Wir nehmen im Kreisverkehr die Ausfahrt mit dem Schild Playa de Papagayo, doch nach fünfzig Metern endet die Asphaltstraße und geht in eine holprige Geröllpiste über. Wir werden im Auto wie Cocktails durchgeschüttelt und wären wir das einzige Auto auf der Straße, wären wir auf der Stelle umgekehrt. Doch sowohl vor, als auch hinter uns reiht sich ein Mietwagen an den anderen. Die Idee mit den einsamen Stränden hatten eben auch andere. Fünfzehn Minuten später halten wir an einem Schlagbaum. Der Parkwächter – die Strände gehören zu einem Nationalpark – kassiert drei Euro bevor wir weiterfahren dürfen. Dafür ist die Straße jetzt nicht mehr ganz so schlecht, zumindest besteht diese aus halbwegs festgefahrenen Sand. Durchgeschüttelt wird man trotzdem. Als wir auf dem riesigen Parkplatz ankommen, ist mir entsprechend schlecht. Wir stehen zwischen einhundert bis zweihundert Autos und es kommen immer mehr dazu. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

Die Strände sind entsprechend überfüllt. Kaum das man den Sand zwischen den Handtüchern und Sonnenschirmen sieht. Die Sonne versteckt sich gerade hinter einer Wolke und es weht ein frischer Wind vom Meer, ansonsten würde man es bei fast 29 Grad hier nicht aushalten. Wir spazieren über die Klippen und bewundern die Segelboote und das Meeresblau. Ein paar hundert Meter weiter liegt versteckt noch ein Strand. Seltsamerweise ist der nicht so voll wie die anderen. Ein Blick durch den Sucher der Kamera bringt Klarheit, wir haben den FKK-Strand gefunden.

Uns ist gerade nicht nach Baden. Wir gehen zurück zum Auto. Mir ist immer noch schlecht von der Autofahrt und mir graut schon vorm Zurückfahren. Hinter dem Schlagbaum schlage ich meinem Mann vor, links abzubiegen und auf der Staubpiste Richtung Küste zu fahren. Und siehe da, kaum erreichen wir die ersten Häuser gibt es auch wieder asphaltierte Straßen. Von hier aus ist der Weg zum Hotel nur ein Klacks. Wir haben uns und dem Auto mehrere Kilometer Geschüttel erspart.

Den Nachmittag verbringen wir im Pool und auf dem Balkon. Ich schreibe an meinem Roman und lese. Beim Spaziergang nach dem Abendessen wird es nochmal romantisch. Über dem Meer glitzern die Lichter von Fuerteventura und der Strand vorm Hotel ist in grünliches Licht getaucht. Menschen flanieren auf der Strandpromenade, von Fern blitzt und kracht das allabendliche Feuerwerk über dem Ort und vom, wie ein Vulkankegel aussehenden Dach eines Hotels, fließt Lava in Form roter und gelber Lichterketten. Ein sehr reizvoller und spektakulärer Tagesausklang.

Im Land der Vulkane

Sonnenaufgang in Lanzarote

So sah es heute morgen aus, als ich aufgestanden bin. Schönster Sonnenschein, angenehme Temperaturen und ein leichter Wind vom Meer.

Wir sind im Urlaub auf Lanzarote. Haben heute erstmal unseren Mietwagen geholt und sind ein wenig durch die Gegend gefahren. Ich war ja schon zweimal hier und kenne mich leidlich aus. Bin aber nach wie vor von der Vulkanlandschaft beeindruckt. Erstaunlich, wie etwas so Zerstörerisches so schön sein kann.

Ich habe vor zu bloggen, aber wahrscheinlich nicht jeden Tag. Denn ich möchte hier vorrangig meinen Roman fertig schreiben. Bin damit im Flugzeug auch schon gut vorangekommen. Und natürlich möchten wir auch die Insel unsicher machen und uns erholen. Deshalb jetzt nur das Bild von heute Morgen.

Stressige Woche

Vor dem Urlaub wartet der Stress.

Es gab diese Woche noch so viel zu erledigen, dass ich nicht mal zum Bloggen gekommen bin. Nicht nur auf Arbeit, wo ich den neuen Kollegen angelernt und alle angefangenen Projekte zu Ende geführt habe. (Ich bin mir ganz sicher, dass, wenn ich wiederkomme, mich dennoch die eine oder andere Katastrophe erwartet.) Aber auch nach der Arbeit war nicht Schluss. Bei der Schlussredaktion der SOL 88 ist ein unerwartetes Problem aufgetaucht, dass gelöst werden musste. Seit Montag versuche ich die Texte für den Newsletter zusammenzustellen, was zeitlich irgendwie auch nicht so richtig klappen wollte. Und dann war da noch der Artikel, den ich für ein Magazin geschrieben habe und der noch vor Redaktionsschluss in Form gebracht werden musste. (Dazu später mal mehr.) Heute arbeite ich an einer besonderen Anzeige in der SOL.

Für die eigentlichen Urlaubsvorbereitungen hatte ich bisher so gar keinen Nerv. Morgen bin ich voraussichtlich in Frankfurt und am Sonntag und Montag ist das Layout des Newsletters fällig. Das heißt dann wohl, dass ich meinen Koffer erst am Montagabend packen kann. Es ist ohnehin egal, denn vergessen tue ich sowieso wieder was. Das ist immer so, egal ob ich den Koffer zwei Wochen oder zwei Stunden vor der Abreise packe.

Nochmal Karlsruhe

Nachdem wir seit Montag wieder daheim sind, möchte ich doch noch ein paar Gedanken über unseren Urlaub und zu Karlsruhe im allgemeinen loswerden.

Wie immer wenn wir Städteurlaub machen, erkunden wir vieles zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Letzteres haben wir in Karlsruhe nicht gebraucht, weil die Sehenswürdigkeiten nicht so weit auseinander liegen und das Hotel strategisch günstig positioniert ist. Vom Hotel bis zum Schloß brauchten wir nicht mal 20 Minuten. Trotz der schönen Parks und der Fußgängerzone ist Karlsruhe nicht wirklich Fußgängerfreundlich. Schon allein wegen der unglaublich vielen Baustellen, die wohl noch die nächsten Jahre die Stadt »schmücken« werden. Jeglicher Verkehr scheint aufs Auto ausgerichtet, was mich am allermeisten wunderte. Gerade an jenem Ort, an dem das Fahrrad erfunden wurde, sind richtige Radwege selten. Das finde ich schade, denn dadurch nimmt man der Stadt viel von ihrem Reiz. Wahrscheinlich bin ich einfach aus meiner Zeit in München verwöhnt, wo es streng getrennte Rad- und Fußwege gibt und man von Radfahrern auf dem Gehweg oder an der Ampel nicht über den Haufen gefahren wird. Da gibt es auch keine dieser Pseudo-Radwege, die auf die Straße gepinselt wurden und auf der meist Autos parken und man als Radfahrer kaum vorankommt.

Besonders sportlich muss man sein, wenn man eine der Hauptstraßen überquert. Am Ettlinger Tor beispielsweise kamen wir während der Grünphase maximal bis zur Mitte der Straße, dann war wieder Rot und die stehenden Autos legten schon mal den Gang ein. Da ist Schnellsein angesagt – ältere Leute oder kleine Kinder haben da wenig Chancen. Ich glaube jedoch, das dies kein alleiniges Problem von Karlsruhe ist, sondern eines das viele größere Städte haben.

Begeistert bin ich nach wie vor von den vielen Grünanlagen und Parks mit dem alten Baumbestand. Eine solche Vielfalt an Baumarten und vor allem an sehr alten Bäumen habe ich in einer Stadt selten zu Gesicht bekommen. Auch die Sternförmige Anordnung der Straßen rund um das Schloss sieht man selten. Einen mittelalterlichen Stadtkern sucht man in Karlsruhe vergebens, doch es ist gerade diese klassizistische Moderne, welche der Stadt einen besonderen Reiz verleiht.

Mein persönlicher Höhepunkt waren jedoch die Schlosslichtspiele und der Lauterberg, auf dem übrigens nach seiner Einweihung eine Fahrradrennstrecke angelegt wurde. Man stelle sich vor, die jungen Männer von damals, haben sich dort mit ihren Hochrädern vom Berg gestürzt – wahrscheinlich im wahrsten Sinnes des Wortes.

Hier noch ein paar Impressionen:

Megabaustelle am Ettlinger Tor
Ein Sequioa in Karlsruhe
Umklammerung im Park
Die Kräne markieren die Baustellen

Ein Sonntag im Zoo

Wenn wir schon vis-a-vis vom Zoo übernachten, dann müssen wir ihn auch besuchen. So mein Argument.

Um zehn Uhr am Sonntagmorgen war noch wenig los. Doch das änderte sich schnell, und alsbald war der städtische Garten voller Leute. Meist Familien mit Kindern. Die Sonne schien, doch im Schatten war es so kühl, dass ich eine Jacke anziehen musste.

Die weitläufige Anlage ist mehr Park als Zoo, mit uralten Bäumen,  Blumenrabatten und vielen lauschigen Plätzchen zum Verweilen. Die Gehege der Tiere sind nicht so großzügig wie im Leipziger Zoo, aber man spürt die Bemühungen um eine Artgerechte Haltung. Der Zoo in Karlsruhe beherbergt den Altersruhesitz indischer Elefantendamen. Die Älteste, die hier ihr Gnadenbrot bekommt, ist stolze 62 Jahre. Neben Raubkatzen, Menschenaffen, Giraffen und Zebras gibt es sogar Eisbären, Pinguine und kalifornische Seelöwen, die sich in der Sonne aalten. Der Zoo ist stark auf Familien mit Kindern ausgerichtet, denn überall sind Spielplätze und andere Aktivitäten, bei denen sich die Kleinen austoben können. Auf den beiden Teichen schippern überdachte Gondeln dahin, begleitet von Karpfenschwärmen, die bettelnd die Mäuler aus dem Wasser reckten. Das habe ich in der Form auch noch nicht erlebt. Kaum, dass wir auf der Seebühne standen, kamen fünf bis sechs Tiere angeschwommen und streckten das Maul aus dem Wasser. Viele Besucher geben dem nach, weshalb das Wasser des Sees nicht so sauber ist, wie es sein könnte.

Besonders begeistert war ich von einer Attraktion, die von den meisten Zoobesuchern gemieden wurde, obwohl sie eigentlich nicht zu übersehen ist – der Lauterberg. Die Anhöhe wurde im neunzehnten Jahrhundert errichtet, im Inneren befand/befindet sich der Hochspeicher der Stadt. Heute ist der Tank mit Schaumbeton verfüllt. Zwischen den Bäumen schlängelt sich ein steiler Weg nach oben, der in einer Plattform mündet, von der man einen tollen Überblick über die Stadt hat. Außer einer Tai-Chi-Lady, die in Ruhe ihre Übungen ausführte, waren wir über eine halbe Stunde lang die einzigen hier oben. Gedämpft drang das Geschrei der Pinguine und das Lachen von Kindern herauf. Ein frischer Wind brachte den Geruch nach Sommer mit. Wir saßen da und ließen den Anblick auf uns wirken. Ein schöner ruhiger Ort inmitten des Getümmels. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man viele kleine Dinge in der Ferne, ob nun das Atomkraftwerk Phillipsburg im Norden, die Raffinerien vor dem Pfälzerwald im Westen, dem Hauptbahnhof im Süden oder die Ausläufer des Schwarzwald im Osten, man kann ziemlich weit blicken. Besonders abends muss das ein toller Anblick sein, leider schließt der Zoo bereits um 18 Uhr. Abwärts wählten wir den kurzen aber steilen Pfad durch den Wald, als Bergeher sind wir solche Wege gewohnt. Für Familien mit Kinderwagen gibt es einen langen allmählich ansteigenden Weg, aber der scheint kaum genutzt zu werden. Mein Fazit: für mich gehörten die Augenblicke auf dem Lauterberg zu den schönsten in Karlsruhe, von den Schlosslichtspielen mal abgesehen. Allein deswegen würde sich ein zweiter Besuch lohnen.

Übrigens fand ich den Eintrittspreis von zehn Euro ziemlich moderat. Leute, die hier wohnen, können bereits für 40 Euro eine Jahreskarte erwerben, das finde ich so gut wie geschenkt.

Auf dem Rückweg zum Ausgang haben wir uns noch einen Imbiss gegönnt, wenn ich Biertrinker wäre, hätte ich auch mal das legendäre Alpirsbacher Klosterbräu probiert, so blieb es bei einem Wasser.

Nasenbär in Aktion
Skandal im Streichelzoo
Bettelnde Karpfen
Idyll im Stadtgarten
Gondoletta im Zoo
Vom Lauterberg
Panoramaaufnahme vom Lauterberg über Karlsruhe

Open Air-Kino mal anders

Seit ich zum ersten Mal ein Video von den Schlosslichtspielen in Karlsruhe gesehen habe, wollte ich das Ereignis unbedingt live erleben. Deshalb sind wir extra für ein paar Tage nach Karlsruhe gekommen.

Gestern Abend versammelten wir uns dann mit Hunderten von Leuten vor dem Schloss, setzten uns dort auf die Wiese und bewunderten die Show. Los ging es nach Einbruch der Dunkelheit um 21 Uhr.

Es ist beeindruckend, egal ob man es nun aus der Ferne oder direkt vor dem Schloss beobachtet. Es gibt mehrere Shows in Folge, dazwischen wird ein wenig Werbung der Sponsoren gezeigt. Rundum kann man Essen und Trinken erwerben. Man kann als Spende auch ein Armband kaufen, denn für die ganze Veranstaltung ist kein Eintrittsgeld nötig.

Am besten gefielen mir die Stücke von Maxin10sity aus Ungarn. Sie waren es, die 2015 zum ersten Mal mit der Show »300 Fragments« Furore machten. (Ich berichtete darüber.) Ihre diesjährige Show fand ich fast noch beeindruckender.

Ähnlich beeindruckt haben mich die vielen Zuschauer aus allen Schichten der Gesellschaft und allen Altersgruppen. Manche hatten Campingstühle und Tische dabei und ließen sich vor der Show noch das mitgebrachte Abendbrot schmecken. Kinder tollten auf der Wiese herum und junge Leute filmten alles mit ihren Smartphones. Was zur Folge hatte, das gleich nach den ersten Beiträgen das LTE-Netz zusammenbrach, als alle ihre Bilder ins Netz luden.

Die Schlosslichtspiele sind wie ein großes OpenAir-Kino auf einer extrabreiten »Leinwand«, nämlich der Fassade des Schlosses. Die Fassade wird in die Filme integriert, was richtig coole Effekte hervorruft. Wer Interesse an solch außergewöhnlichen Vorführungen hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Die Schlosslichtspiele in Karlsruhe gehen noch bis zum September. Die Vorführungen finden jeden Abend statt. Mehr auf der Homepage der Schlosslichtspiele. Es lohnt sich.

Das Schloss bei Tag und …
… bei Nacht
Es geht los! Die erste Show flimmert über die Fassade

Nur Berlin hat mehr Baustellen

… Diesen Satz bekamen wir vom Hotelportier zu hören, als wir in die Innenstadt von Karlsruhe aufbrachen.

Tatsächlich! Karlsruhe scheint eine einzige Baustelle zu sein: ein Tunnel hier, zwei Baukräne dort und überall Bauzäune. Dazwischen immer wieder beeindruckende Häuser im klassizistischen Stil und Parks mit vielen alten Bäumen. Wir verbrachten einige Zeit im Schloßpark und beobachteten Enten und Eichhörnchen, sowie ein Pärchen, das sich lautstark zankte. Es ging wohl um ein Foto, das sie machen wollte und er nicht erwarten konnte.

Der Vormittag war kühl, eine willkommene Abwechslung von der gestrigen Hitze. Am Verfassungsgericht vorbei spazierten wir zurück in die Fußgängerzone. Eine Menge Leute tätigten dort ihre Samstagseinkäufe, aber es war nicht halb so überfüllt wie ich das aus München kenne. Wobei mich an der Fußgängerzone störte, dass man entweder von der Stadtbahn oder von fahrenden Autos von der Straße gescheucht wurde. Also eine richtige Fußgängerzone, stelle ich mir anders vor. Dafür stößt man immer wieder auf kleine Parks und Grünflächen, wo man sich hinsetzen oder sich an einem der gut zweihundert Brunnen im Stadtgebiet erfrischen kann.

Das Beste ist jedoch das Hotel. Wir haben vom Zimmer aus einen direkten Blick auf den Zoo. Das ist fast wie eine Safari. Hinter dem Zaun kann man die kleinen Pandas beim Klettern beobachten, links davon springen die Gazellen durchs Gehege, am Hang dahinter schleichen die Leoparden über die Felsen und spielen mit herunterhängenden Ästen. Dazu eine Geräuschkulisse wie im Urwald: Brüllaffen, seltsames Vogelgeschrei und ein röhrendes Karibu. Das hat man definitiv nicht überall.

Ach ja, und das Frühstücksbüffet ist echt lecker, bis auf den Kaffee (da reden wir lieber nicht drüber). Dafür gibt es gleich nebenan das Café  »Tante Emma«. Geführt von einer jungen Frau, die in Südafrika geboren wurde und im Schwarzwald aufwuchs. Da gibt es nicht nur leckeren Kaffee, sondern auch Kuchen und Quiches wie von Oma, serviert auf altem Porzellangeschirr, alles biologisch und regional. Sehr schön!

Schneeleoparden vom Hotelfenster beobachtet
Unser Hotel aus der Sicht der kleinen Pandabären

Im Labyrinth der Umleitungen

Der Pfingstsonntag begann regnerisch. Gleich nach dem Frühstück checkten wir aus unserem Hotel aus und fuhren in Richtung Ulm. Auf geradem Weg war das aber nicht möglich, weil alle paar Kilometer die Straße gesperrt war. Eine Umleitung nach der anderen blockierte unseren Weg. Ich hatte die Karte auf dem Schoß und lotste meinen Mann quer durch die schwäbische Pampa. Denn wenn wir nach den Umleitungsschildern gefahren wären, wären wir wahrscheinlich nie dort angekommen, wo wir in wollten. Der Wust an Umleitungsschildern war am Ende so groß, dass man nicht mehr wusste, welches Schild zu welcher Umleitung gehörte. Zumindest kam man an Ortschaften vorbei, von denen man nicht mal geahnt hätte, dass es sie gibt. Außerdem war kaum Verkehr und so war die Fahrerei nicht so stressig.

Den Mittag und Nachmittag verbrachten wir auf einer Geburtstagsfeier. Inzwischen hatte es auch aufgehört zu regnen. Und als wir am späten Nachmittag auf der A8 nach Hause fuhren schien sogar die Sonne vom weißblauen Himmel.

Heute habe ich erstmal die Fotos gesichtet und fügte die Besten zu den Blogeinträgen dazu.

Interessante Ortschaften am Wegesrand.