Geboren zu schreiben

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 122 – »Geboren für Arkons Thron« von Kai Hirdt

Ungelogen, ich habe das Buch in knapp drei Stunden durchgelesen, so schnell wie noch nie einen NEO-Roman zuvor.

Nach den beiden fulminanten Romanen der Expokraten, gibt Kai Hirdt den Lesern Zeit die vielen Informationen sacken zu lassen. Es werden quasi alle Handlungsstränge zusammengesucht, aufbereitet und die Weichen für die nächsten Romane gestellt. Was jetzt vielleicht langweilig klingen mag, ist es nicht. Weil Kai Hirdt das Ganze mit viel Gespür für Spannung und Figurencharakterisierung löst. Das mag nicht jedem gefallen, aber er gibt damit nicht nur den Charakteren Zeit, dass erlebte zu verarbeiten, sondern auch dem NEO-Leser. Es werden Details geklärt und die Handlungen einiger Protagonisten näher beleuchtet, stellenweise in fast schon philosophischer Manier.

Perry Rhodan plagt das schlechte Gewissen und er wundert sich über das Verhalten seiner arkonidischen Familienmitglieder, allen voran seiner Frau Thora, die sich zusammen mit Crest heimlich absetzt, um Agaior Thoton zu jagen. Das sie nicht die einzigen sind, die sich an seine Fersen heften, sollte niemanden verwundern. Schließlich hat der Mann ein ganzes Sonnensystem auf dem Gewissen. Wie sehr der Untergang Arkons die Charaktere der Menschen an Bord der CREST und des Arkoniden Atlan veränderte, beschreibt der Autor mit großer Tiefe. Staunend liest man von Atlan, der nicht nur von Rache zerfressen sondern vor allem von Versagen getroffen, Pläne schmiedet, die sich gegen alles richten, wonach sein Freund Rhodan strebt. Das er trotz seines langen Aufenthalts unter den Menschen, daran denkt, sie zu hintergehen, zeugt davon, wie tief ihn der Untergang des Reiches getroffen hat. Man erfährt wie Sue Miraflores von Kummer über den Tod von Sid zerfressen, eine folgenschwere Entscheidung trifft. Man begegnet Ishy Matsu, die nicht weiß, wo sie hingehört und jedem misstraut, der ihr Freundschaft entgegen bringt und die sogar berechtigte Zweifel an der Integrität Perry Rhodans äußert. Selbst vor Wissenschaftlern machen die Auswirkungen nicht Halt. Oxley lässt sich von Atlan manipulieren, die Zeitbombe scharfzumachen. Während Roofpitter in der Gesellschaft von Leyden und seinem Team eigene Charakterstudien betreibt. Man liest aber auch welche Motive Anathema di Cardilah und ihr Sohn Agaior Thoton vorantreiben. Erstere ist tatsächlich die Mirona Thetin von NEO.

Trotz der vielen Information gelingt es dem Autor sie in aller Ruhe zu vermitteln, eingepackt in viel Emotionen und kritische Auseinandersetzungen über Moral. Das hat mir außerordentlich gut gefallen. Die Idee jedem Protagonisten ein eigenes Kapitel zu gönnen, ist an sich großartig. Scheiterte aber an zwei oder drei Stellen daran, dass man dieselbe Szene zwei mal lesen muss. Das hätte nicht unbedingt sein müssen, denn sowohl bei Ishy als auch bei Roofpitter bestand kein Zwang dazu. Dafür hätte man ihre nachfolgenden Handlungen ausbauen können. Das ist aber das einzige, dass ich kritisieren möchte …

… oder vielleicht doch noch eines: 150G zerstören ein Maakhschiff? Echt jetzt! Liebe Expokraten! Bitte macht euch nochmal Gedanken über die Funktionsweise der Transformkanone. Vielleicht wäre eine Mikrosingularität die bessere Lösung des Problems.

Fazit: Es ist das erste Mal, das so düstere Gedanken in einem NEO-Roman anklingen. Er bietet eine moralische Auseinandersetzung über Gut und Böse und zeichnet die Menschen so wie sie sind in allen Graunuancen mit all ihren Fehlern. Keiner ist wirklich gut und keiner wirklich böse. Das wirkte sehr realistisch. »Geboren für Arkons Thron« ist ein besonderer Roman von einem besonderen Autor, der wahrlich geboren wurde, um zu Schreiben. Dankeschön!

Choreografie eines Untergangs

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 121 – »Schlacht um Arkon« von Michael H. Buchholz

Die Maahks zerstören das Arkonsystem. Aus der Sicht der Exposéautoren kann man dieses radikale Vorgehen nachvollziehen. Es ist für die fortlaufende Handlung nicht nur logisch, sondern auch notwendig. Das heißt aber nicht, dass es mir gefallen muss. Auch so mancher Fan wird seine Probleme damit haben. In der EA war es die Zerstörung des Robotregenten, die den Terranern den Aufstieg zur galaktischen Macht erlaubte. Bei NEO ist es gleichsam schwieriger, weil a die Menschheit noch nicht entwickelt genug ist und b das Arkonidische Imperium die Galaxis dominiert. Bei weiterem Erstarken der Terraner hätte dies früher oder später zu einer Konfrontation der beiden Mächte geführt und ganz ehrlich, dass möchte man als Fan noch weniger lesen.

Michael H. Buchholz zelebriert den Untergang eines Imperiums mit überraschender Zurückhaltung. So wird die Arkonidische Flotte nicht aufgerieben, sondern durch einen replizierenden Computervirus festgesetzt, weiterhin ist von einer Evakuierung der Planeten ARKON I-III die Rede und auch der Einsatz von Atlas Robotflotte deutet an, dass man sich nicht zu sehr die Finger blutig machen wollte. Am Ende überleben 80% der Bevölkerung. Allein diese Tatsache fällt mir schwer einzuordnen. Zum einen möchten die Expokraten den Untergang eines Imperiums doch andererseits scheuen sie die dazu notwendigen Konsequenzen. Bedeutende Verluste erleiden in diesem Kampf nur die Naats, die so gut wie ausgerottet werden und die Wasserstoffatmenden Maahks, welche eigentlich nur Marionetten von Agaior Thoton sind. Der ist es, der im Auftrag seiner Mutter alles angezettelt hat. Diese Information kam für mich nicht überraschend. Ahnte ich doch schon bei »Exodus der Liduuri« das Anathema di Cardelah die Mutter von Agaior Thoton ist. Das er sich am Ende als Held hinstellt und die Arkoniden zum Kampf aufruft, könnte auch für die Terraner zu einem Problem werden. Somit bleibt die Handlung auf alle Fälle spannend.

Ungewöhnlich, aber interessant waren die Kapitel zu Ishy Matsu. Die im Präsens geschriebene Geschichte ihrer Erweckung und ihrer Quasi-Rettung des Arkonsystems durch das Auslösen der Sonnenschleudern hinterließ viele Fragen, die hoffentlich im Laufe der Staffel aufgeklärt werden. Dass sie ihren Notruf in Morsezeichen absetzt, fand ich dann doch etwas archaisch. Kennt im Jahr 2049 noch jemand den Morsecode, wenn ihn im Jahr 2016 höchstens ehemalige Militärs oder ein paar Amateurfunker beherrschen? Schließlich wird er kaum noch verwendet. Egal. Auch dieser Handlungsstrang wird uns Leser sicher in den nächsten Romanen weiter beschäftigen.

Kater Hermes und sein Team werden auf eine neue Mission geschickt und mit dem Bordpolizisten Pete Roofpitter wird eine neue Figur eingeführt. Der Anfang des Romans liest sich wie eine Kriminalgeschichte, die leider viel zu schnell aufgeklärt wird. Davon hätte ich gern mehr gelesen, obwohl ich kein Krimifan bin.

Das der Autor ein Fan von multiplen Handlungssträngen ist, merkt man sehr deutlich. Durch diese vielen Einschübe wirkt der Roman vor allem zu Beginn ein wenig zerrissen. Es dauert, bis er seinen Rhythmus gefunden hat. Es gab noch weitere Einzelheiten, die mir negativ auffielen. Wie die Imperatice ihren geliebten Atlan abservierte, gefiel mir genauso wenig, wie die mühelose Zerstörung der Elysischen Welt. Bei diesen Ereignissen hatte ich das Gefühl, dass beides irgendwie entsorgt werden musste. Ach und wie leicht die Mehandor-Chefin Empona an die Pläne der Transformkanone gelangen konnte, darüber möchte ich gar nicht erst nachdenken. Das wirkte … nun ja … einwenig unglaubwürdig.

»Schlacht um Arkon« ist ein durchschnittlicher Roman, der mir eher durch die ungewöhnliche Erzählform der Ishy Matsu-Kapitel und die Charakterisierung von Pete Roofpitter im Gedächtnis bleiben wird, weniger durch das Gemetzel von Arkon.

Werbung für den Newsletter der PRFZ

Ohne angeben zu wollen, bin ich stolz auf den Newsletter mit der Nummer 13. Nicht nur weil ich erstmalig acht Seiten füllen musste, sondern weil ich das Interview mit dem Layouter der »SOL« – Günter Puschmann – genial fand. Es sieht so aus als hätte das Frage-Antwort-Spiel nicht nur mir viel Freude bereitet.

Die PRFZ-Obersten haben mir das Okay gegeben, dass ich mich ab jetzt auf noch mehr Seiten »austoben« darf. Darüber freue mich, obwohl es mehr Arbeit bedeutet. Mir macht es tatsächlich Spaß, vor allem wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und ihre Beiträge pünktlich abliefern.

Das den Newsletter auch die PERRY RHODAN-Redaktion würdigt, erfüllt mich natürlich mit noch mehr Stolz. Gestern erschien zum Newsletter ein Artikel auf der PERRY RHODAN-Homepage, der auch gleich ein paar zusätzliche Anmeldungen einbrachte.

Für die PRFZ tätig zu sein, finde ich sehr erfüllend. Viel mehr als bei manchem, was ich für meine Arbeitgeber tue. Als Nächstes steht die NEO-Kolumne für die »SOL« an, das wird ein weiterer großer Schritt für mich sein.

NL-Werbung
Quelle: www.perry-rhodan.net

Auf Raumpatrouille in Bonn

Nachdem der vorangegangene Tag auf der Fedcon so enttäuschend verlaufenen war, konnte es eigentlich nur besser werden und das wurde es auch.

Den Anfang machte am Sonntag der grandiose Vortrag von Hubert Zitt zu Raumpatrouille ORION. Ich hatte lange nicht so viel Spaß und hoffe, dass Hubert bald mal wieder das Münchner Trekdinner besucht. Weiter ging es mit einer Bilderschau zu 25 Jahren Fedcon, moderiert von Mr. Fedcon (Dirk Bartholomä) persönlich. Es war schön in Erinnerungen zu schwelgen, wobei der Vortrag stellenweise etwas lieblos daherkam. Im Anschluss lauschten wir dem Darsteller des Malcolm Reed aus ST-ENTERPRISE, Dominic Keating, der wie immer unterhaltsame Geschichten zu erzählen wusste. Ich mag seinen englischen Akzent und die Geschichte, wie er beim Vorsprechen auf John Billingsley traf, gefiel mir besonders gut, weil er John ziemlich gut imitierte.

Sehenswert waren die vielen Modelle und Zeichnungen der Fans, die im Obergeschoss ausgestellt waren. Darunter auch Teile des TNG-Maschinenraums inklusive Jeffries-Röhre, die man betreten und in denen man Fotos schießen konnte. Zu Raumpatrouille ORION gab es ebenfalls eindrucksvolle Exponate zu bestaunen.

Nach dem Kaffee hörten wir uns einen Vortrag zum Weltraumaufzug an. Wobei ich mal wieder erstaunt war, dass es in Deutschland altgediente SF-Fans gibt, die nie PERRY RHODAN gelesen haben.

Da dieser 15. Mai für meinen Mann und mich ein besonderer Tag war (sechs Jahre zuvor haben wir geheiratet), gingen wir am frühen Abend in ein nahegelegenes Restaurant essen. Der Asiate überraschte mit frischem und schmackhaftem Menüs, sodass wir nach 18 Uhr zufrieden ins Conhotel zurückkehrten.

Dort hatte man mal wieder kurzfristig den Plan umgestellt und so bekamen wir von Karl Urban (Dr. McCoy im Adams-Universum) nur noch das Ende mit. Das ist einer meiner stärksten Kritikpunkte. Nirgendwo gab es einen Bildschirm, auf dem man sich über das aktuelle Programm informieren konnte. Ich vermisste die zur Fedcon im Düsseldorfer Maritim überall hängenden Touchscreen-Monitore, auf denen man jederzeit abrufen konnte, welches Panel wo stattfand. Inzwischen gibt es zwar eine App, die über aktuelle Programmänderungen informiert. Dumm nur, wer wie ich kein Smartphone hat und auf das aus dem Internet ausgedruckte Programm angewiesen war. Im Conheft gab es ebenfalls ein Programm, was jedoch hoffnungslos veraltet war. Warum sich die Veranstalter überhaupt die Mühe gemacht haben, es dort abzudrucken, ist mir schleierhaft.

Nun anscheinend haben wir bei Karl Urban nicht viel verpasst, denn der Schauspieler wirkte unmotiviert und kam am Ende trotz anhaltenden Applaus‘ nicht noch einmal auf die Bühne. Das wir zu spät waren, hatte aber auch eine gute Seite. So wurden wir nämlich trotz Tageskarten in den Saal gelassen und blieben dort bis zum Ende sitzen. Nach der sympathischen Terry Farrell, trat William Shatner auf. Der Mann ist für seine 85 Jahre erstaunlich agil und schlagfertig. Viele der Geschichten kannte ich bereits, aber Captain Kirk leibhaftig zu sehen, ist dann doch immer wieder etwas besonderes.

Besonders war auch der anschließende Kostümwettbewerb, bei dem ein Pärchen in Transformer-Kostümen eindeutig den Vogel abschoss. Aber auch die anderen Kostüme konnten sich sehen lassen. Überhaupt gab es wieder viele Fans in professionell gestalteten Outfits.

Gegen 22 Uhr verließen wir das Maritim nach einem schönen Conventiontag, der uns wieder versöhnte. Ob wir aber wiederkommen werden, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Mein Fazit: Die Räumlichkeiten waren definitiv zu klein. Einige Besucher verließen wegen Sauerstoffmangel und Hitze fluchtartig die Räume, besonders schlimm war es im Raum Hayden, in dem die Rahmenvorträge (u.a. PERRY RHODAN) gehalten wurden. Über die Qualität des angebotenen Essen lässt sich streiten, wenigstens der Kaffee schmeckte. Organisatorisch habe ich schon bessere Fedcons erlebt. Zumindest eine Anzeige des Programms ist zwingend notwendig, wenn man schon dauernd den Ablauf ändert. Mir fehlte auch ein bisschen der Kontakt zu den Stars. Die ließen sich in Düsseldorf öfters in der Lobby blicken, was aber auch an den Schauspielern selbst liegen mochte. Eben weil in Bonn alles so eng ist, ist unwahrscheinlich, dass sie sich einer solchen Menge an Fans aussetzen wollen. Dafür gab es viel junges Publikum und viele Kinder zu sehen, so dass ich mir über den STAR TREK-Fan-Nachwuchs keine Sorgen machen muss. Positiv bleibt mir das Hotelpersonal in Erinnerung. Besonders die Hausdamen, die die Toiletten rund um die Uhr in perfektem hygienischen Zustand hielten. Da herrschten in Düsseldorf ganz andere Zustände.

Generationenwechsel

Ich wusste schon, warum sich bei mir dieses Mal keine rechte Vorfreude auf die Fedcon einstellen wollte. Denn es war anzunehmen, dass es voll, eng und stickig werden würde. Aber dass es außerdem so langweilig ist, dass ich die Leseprobe eines PERRY RHODAN-Heftromanes lesen würde, während die STAR TREK-Stars drinnen auf der Bühne stehen, damit hatte ich nicht gerechnet.

Das hatte zum einen damit zu tun, dass wir Inhaber eines Tagestickets waren und damit nur in den Hauptsaal kamen, wenn alle Wochenendticketbesitzer einen Platz hatten. Da anscheinend mehr verkauft wurden, als es Plätze im Saal gab, zogen so einige Tagesgäste den Kürzeren. Das hat mich sehr gestört, fand ich es doch etwas unfähr. Zumal wir für zwei Tage fast genauso viel bezahlten wie fürs Wochenendticket. Den Auftritt von William Shatner hat Tele 5 live bei Facebook gestreamt, so dass einige draußen in der Lobby saßen und auf ihr Smartphone starrten.

Durch die Autogrammsession war der Saal den halben Tag belegt und die Nebenräume entsprechend voll. Meiner Meinung nach kann man einen so beliebten Star wie Connor Trinner nicht im kleinen Saal auftreten lassen. Das muss zwangsläufig voll werden. Zur gleichen Zeit fand auch der Weltrekordversuch statt – die meisten Fans in STAR TREK-Kostümen an einem Platz zu vereinen. Da einige hundert fehlten, weil sie a es nicht wussten (keine Durchsagen, nur ein Hinweis im Programmheft) und b sie im Panel des ENTERPRISE-Schauspielers saßen, kamen nur 700 statt der gewünschten 1400 zusammen.

Aus Liebe zu meinem Mann verbrachte ich danach fast eine Stunde in der Warteschlange zur Fotosession mit Terry Farrell, bis ich nicht mehr stehen konnte. Wenigstens war er selig, als er mir nach zwei Stunden stolz sein Foto präsentierte.

Es gab auch ein paar Lichtblicke. Unterhaltsam war wie immer das Panel von Dr. Hubert Zitt, der darüber sprach, wie »50 Jahre Star Trek« die Welt veränderten. Spannend fand ich auch die Lesung von Christian Humberg und Bernd Perplies aus der von iHenn geschriebenen STAR TREK-Romantrilogie »Prometheus«, die ab Juli erscheint. Die erste von deutschen Autoren geschriebene STAR TREK-Geschichte stieß auf so viel Interesse, dass auch hier der Raum aus allen Nähten platzte. Die Fans saßen sogar auf dem Boden. Den versöhnlichen Abschluss eines anstrengenden Conventiontages bildete das Panel von Terry Farrell, in das wir gnädigerweise eingelassen wurden.

Trotz der vertrauten Umgebung (ich bin viele Male zuvor auf der Fedcon in Bonn gewesen) mochte sich bei mir kein Con-Feeling einstellen. Woran das genau lag, vermag ich nicht zu definieren. Vielleicht auch daran, dass sehr viel jüngeres Publikum da war und man nur wenige Freunde aus alten Zeiten traf. Es hat ein Generationswechsel bei den STAR TREK-Fans auf der Fedcon stattgefunden und vielleicht ist das auch gut so. Denn so eine Massenveranstaltung bei der man stundenlang in schlecht belüfteten Räumen auf engstem Raum stehend oder auf dem Boden sitzend verbringt, ist mit zwanzig noch lustig, mit dreißig nervt es, aber mit zweiundvierzig ist man dafür definitiv zu alt.

Würdiger Abschluss mit Schönheitsfehlern

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO 120 – »Wir sind wahres Leben« von Rüdiger Schäfer

Auf der Heimatwelt des Plasmas kommt es zum Showdown zwischen dem bösen Posbi Aashra und den Menschen auf der CREST. Durch mehrere Ablenkungsmanöver gelingt es, einen Teil der Posbiflotte wegzulocken. Während Perry Rhodan, Tuire Sitareh, John Marshall, Tim Schablonkski und Cel Rainbow mit einer Spacejet ins Herz der Plasmawelt vordringen, bringt die CREST die Plasmaentität Anich ins Kian zurück. Rhodan hofft, mit Hilfe der Iilahatan die von Aashra manipulierten Posbis durch einen Neustart rebooten zu können. Das erweist sich als schwierig und gelingt nur durch das Opfer eines Mumarrad.
Am Ende ist Aashra besiegt, die Posbi stehen wieder unter der Herrschaft Anichs, die aus lauter Dankbarkeit den Menschen die Konstruktionspläne der Transformkanone sowie die Zugangsdaten zum Netz der Sonnentransmitter überlässt.

Alles in allem bildet der Roman einen versöhnlichen Abschluss der Posbi-Staffel. Es wird noch einmal richtig spannend. Wichtige Fragen werden beantwortet, Neue aufgeworfen und auch die Gefühlsebene kommt nicht zu kurz. Als Thoras Schwangerschaft erwähnt wird, klappte mir kurzzeitig die Kinnlade herunter. Werden wir einen Michael sehen oder eine Suzan oder vielleicht sogar beide oder jemand völlig anderen? Ich bin gespannt, was sich die Expokraten dazu ausdenken.

Leider ist es keine Punktlandung geworden, denn am Ende schreitet die Handlung so hastig voran, dass ich mich stellenweise fragte: was, wie und warum passierte? Zum Beispiel hätte das Manöver mit den Bestienschiffen ausführlicher beschrieben werden müssen. Außerdem war ich verwirrt, als bei Thoras Angriff plötzlich Posbischiffe mitmischten. Ein paar Erklärungen im Vorfeld, wie das Bündnis zustande kam, wären hilfreich gewesen. Da es ja im letzten Roman noch hieß, dass alle Posbis den Menschen feindlich gegenüberstehen. Vielleicht hätte man die Handlung auf zwei Romane verteilen müssen, um alles ausführlicher zu schildern.
Auch zwei essentielle Dinge aus den letzten Romanen wurden nicht aufgegriffen. Zum einen: Wo ist die Bujun! Befindet sie sich noch an Bord der CREST? Was ist mit ihr passiert? Wurde sie endgültig deaktiviert? Und zum zweiten: Was ist eigentlich aus der Zeitbombe geworden, die die LI-KONNOSLON an Bord hatte und für die Atlan die Verantwortung übernehmen sollte? Diese beiden Dinge hätten auf jeden Fall angesprochen werden müssen.
Ich will keine Plotholes auflisten, aber es gab Dinge, die mich gestört haben. Wenn der Impuls von Anich die Posbi quasi rebootet – im Roman klang der Vergleich zu einer formatierten Festplatte an – hätte er damit nicht auch die Erinnerungen aller Posbi und damit auch die von Kaveri und Atju löschen müssen? Ich meine, wenn ich meine Festplatte wegen eines Virus formatieren muss und kein Datenbackup habe, sondern nur die CD mit dem Betriebssystem, habe ich am Ende nur das bloße Betriebssystem auf meinem Computer aber keine Daten mehr. Möglicherweise funktioniert das bei Posbis anders und sie können ihre Erinnerung irgendwo virenfrei abspeichern, aber wenn nicht, wieso erinnern sich Kaveri und Atju an die Besatzung der CREST und helfen ihnen bei der Kommunikation mit Anich?
Und noch etwas ist mir aufgefallen. In der Szene, in der Eric Leyden mit Professor Oxley zusammentrifft, ist die Rede von dem Hibernal-Ejektor, den Oxley’s Team entwickelt hat. Die Wunderwaffe gegen die Posbi wird großartig erklärt und ich freute mich schon, sie im Einsatz zu erleben. Aber leider wurde sie nur in einem Nebensatz erwähnt. Wenn ich mir als Autor die Mühe mache und ein ganzes Kapitel (dass mir im Übrigen gut gefallen hat) in die Vorstellung einer Waffe stecke, dann muss ich sie dem Leser anschließend auch präsentieren. Dagegen wird irgendwann am Rande erwähnt, dass sich die Posbis darauf eingestellt hätten. Wobei ich an dieser Stelle nicht fragen werde, wie sie das bewerkstelligten. Vielleicht ist diese Szene auch einfach der Schere zum Opfer gefallen, wie Drehbuchautoren sagen würden.

Nachdem ich jetzt genug gemeckert habe, möchte ich auch noch etwas Positives loswerden, nämlich ein paar persönliche Anmerkungen zum Schreibstil des Autors. Wenn ich einen Text, wie den von Rüdiger Schäfer, an meinen Schreibcoach geschickt hätte, bin ich mir sicher, dass ich ihn mit vielen rot markierten Stellen zurückbekommen hätte, über denen »Geschwafel« gestanden hätte. Wahrscheinlich sehen auch einige Fans das so. Da sieht man mal, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind, denn genau diese Stellen mag ich. Die Innansichten, die der Autor in seinen Romanen liefert, möchte ich genau so lesen. Für mich ist das kein Geschwafel, sondern ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Ebenso wie die kleinen persönlichen Szenen aus Perry Rhodans Privatleben. So etwas gefällt mir – darum sind die Romane von Rüdiger Schäfer für mich immer etwas Besonderes – im Gegensatz zu den hochtechnisierten Beschreibungen aus dem letzten Roman von Rainer Schorm. Mir ist als Leserin wichtig, dass ich mich mit den Figuren identifizieren kann, mich vielleicht in der einen oder anderen wieder entdecke und das beherrscht der Autor perfekt.

Mein Fazit: »Wir sind wahres Leben« bietet mir perfektes Leseerlebnis, neben einer durchdachten Handlung, die zwar nicht alle Fragen beantwortet, dennoch einige wichtige Aussagen bereithält.

Verheddert im Technogewirr

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 119 – »Die Wut der Roboter« von Rainer Schorm

Wie jetzt? Gucky war die ganze Zeit an Bord der CREST und Rhodan nimmt stattdessen psychisch labile oder anderweitig eingeschränkte Mutanten auf gefährliche Missionen mit? Das glaub ich jetzt nicht! Den ganzen Roman über hoffte ich, eine sinnvolle Antwort darauf zu bekommen, leider vergebens. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Expokraten den Mausbiber nach dem Tod von Fancan Teik einfach nur vergaßen. Ich weiß, Gucky stellt Autoren vor große Herausforderungen, weil er sowas wie der »Überallzugleichproblemlöser« ist. Mit einer Figur, welche die Protagonisten aus allen Lebenslagen retten kann, einen spannenden Plot zu entwickeln, ist schwierig. Deshalb wäre es mir lieber gewesen, die Exposéautoren hätten den Mausbiber daheim gelassen. Vielleicht mit der Erklärung, dass ihn der Tod des Haluters überforderte; er seine Mausbiberfreunde besuchen muss oder im Koma liegt, weil er versuchte durch einen Repulsorwall zu teleportieren … Halt, falsche Serie. Egal! Nur ein Satz der Guckys plötzliches Auftauchen erklärt hätte und ich wäre zufrieden gewesen. Aber so, kam ich mir verschaukelt vor.

Der Rest der Geschichte ist … Nun ja, schwer zu beschreiben. Sie liest sich wie ein rasanter Actionfilm. Es passiert viel, womöglich zu viel. Über die Anzahl der Handlungsstränge habe ich irgendwann den Überblick verloren. Was mich aber nur bedingt störte. Womit ich richtig zu kämpfen hatte, waren die Szenenbeschreibungen. Die waren oftmals zu kompliziert. Bei dem Versuch mir vorzustellen, wie es auf Uwawah aussieht, scheiterte ich kläglich. Und auch die Handlung verlief oft zu hastig. Ich fand keinen Leserhythmus und somit auch keinen Zugang zur Geschichte. Bei so viel Technobabble waren höchstens drei oder vier Kapitel drin, dann legte ich den Roman zu Seite. Kein NEO-Roman aus der Posbi-Staffel hat sich so anstrengend lesen lassen wie »Die Wut der Roboter«. Die andauernde Zerstörung und die Flucht der Protagonisten wiederholten sich irgendwann.

Vor allem der Versuch in die Bujun einzudringen und sie zu manipulieren, hat sich mir in seiner Umsetzung nicht erschlossen. Ich fand das nicht nur ziemlich weit hergeholt, sondern fragte mich die ganze Zeit über: Das Ding steht in einem Hangar, warum sprengen die nicht die Hangartore? Die explosive Dekompression hätte die Bombe ins All geblasen und damit runter vom Schiff. Überhaupt, warum an etwas manipulieren, was a extrem gefährlich ist und man b nicht mal annähernd versteht? Mutantenfähigkeiten hin oder her. Die Technologie der Bujun beruht auf einer völlig fremdartigen Konstruktion und folgt keinen den Menschen bekannten Mustern. Woher weiß Josue Moncadas was er tun muss? Wenn es einer der beiden Posbi versucht hätte, wäre es glaubwürdig gewesen. Und überhaupt: Trigital? – Nein! Das war mir zu abwegig.

Figurenzeichnung. Zwischenzeitlich hatte ich echt Mitleid mit Kai Hirdt. Da baut er mit viel Mühe eine glaubhafte Beziehung zwischen Tim Schablonski und Tani Hanafe auf, die vom Folgeautor in eine Farce verwandelt wird. Auch wenn Tani ärgerlich auf Tim ist, weil er sie in den Rücken geschossen hat, so passen ihre zickigen Reaktionen so gar nicht zu der Figur, die ich im vorherigen Roman kennengelernt habe. Überhaupt wirkten die albernen Streitereien aufgesetzt und nicht nur die zwischen den beiden. Ich finde dem Autor fehlt ein bisschen das Gespür dafür, Emotionen über die Figuren auf den Leser zu übertragen. Das Rainer Schorm Gefühle zur Nebensache deklariert, um dafür mehr Technik und Action in die Handlung zu bringen, mag nicht jedem gefallen. Hauptsache es knallt schön und es geht etwas zu Bruch. Nein, sowas mag ich nicht lesen, schon gar nicht in dieser Fülle.

Die Idee, die Gedankengänge der Posbi als Pseudoquellcode zu schreiben, war gut gemeint. Letztendlich ist sie aber nur ein Trick, die Handlungsflut zu bändigen, ohne auktorial zu werden. Ich fand dieses Stilmittel etwas unglücklich, weil es zwei völlig verschiedene Dinge miteinander zu vereinbaren versucht. Zum einen der in »Englisch« verfasste Code und andererseits die Erläuterungen der Posbi, die mehr an den Logbucheintrag einer Person erinnern. Für mich passte das nicht zusammen. Schon klar, dass das Plasma organische Züge trägt und vielleicht auch organisch denkt, dann hätte man aber die Computerbegriffe weglassen sollen. Oder man hätte alles in Quellcode schreiben müssen, wovon dann aber der Leser nichts verstanden hätte.

Zuletzt dann doch etwas Positives. Es gab einen Lichtblick in diesem Roman und das war die Szene, in der sich Eric Leyden Vorwürfe macht, den Posbi Char erschossen zu haben. Das war glaubhaft und gefiel mir außerordentlich gut. Von solchen Szenen hätte ich gern mehr im Roman gehabt.

Fazit: »Die Wut der Roboter« ist ein Beispiel dafür, dass zu viel Handlung einem Roman schaden kann. Mehr ruhige Phasen und ein bisschen mehr Realitätsnähe, was den Umgang der Menschen mit der Technologie der Liduuri betrifft und es wäre ein perfekter Roman geworden. Na ja fast. Die Sache mit Gucky nehme ich Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz immer noch übel.

Warum ich Phantastik schreibe

Als Autor lebt man von konstruktiver Kritik und kann sich nur mit ihrer Hilfe verbessern. Ich bin immer dankbar für ein offenes Wort, auch wenn es wehtut. Das muss so sein, sonst hilft es nicht. Wogegen ich aber empfindlich reagiere ist, wenn jemand dass Genre der Phantastik an sich kritisiert.

Es geht um eine Geschichte, die ich bereits vor »zwanzig« Jahren schrieb und die jetzt von einem Kritiker (Pädagoge und nicht SF-Fan) unter die Lupe genommen und hinterfragt wurde. Die damalige Publikation (Printausgabe aus dem STAR TREK-Forum) enthält, ohne Frage, eine Menge Rechtschreibsünden. Wobei ich zu meiner Entschuldigung sagen muss, dass ich damals der Korrekturleserin bedingungslos vertraute, weil sie Lehrerin war. Da ich um meine Rechtschreibschwäche wusste, nahm ich an, dass sie das ordentlich erledigen würde. Das dem nicht so war, stellte ich später im Zuge der E-Book Überarbeitung fest. Im Nachhinein betrachtet, glaube ich, dass sie es wahrscheinlich gar nicht gelesen hat. Aber egal. Ich habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und sehe jetzt doppelt und dreifach hin, bevor ich etwas herausgebe. Doch darum geht es mir nicht.

Vielmehr klang in der Kritik an, dass sich meine Geschichten ähneln und es doch eine Schande wäre, mein Talent an solche Art Literatur zu verschwenden. Nun, es ist tatsächlich so, dass meine Geschichten mehr oder weniger ähnlich sind. Wofür es Gründe gibt. Man sollte nicht vergessen, dass es sich dabei um FanFiction handelt. Das heißt, um Geschichten die auf einem bestehenden Franchise beruhen, sei es STAR TREK oder PERRY RHODAN. Dort gilt das Gesetz der Serie, was nichts anderes bedeutet, als das die Protagonisten jede Woche in eine Situation oder Anomalie gebracht werden, aus der sie entkommen oder mit der sie fertig werden müssen. Wir sprechen außerdem über eine phantastische Serie.
Das ist ein Punkt über den sich streiten lässt. Als Science Fiction-Autorin möchte ich keine Abbildung der Realität schaffen. Der Betreuer des Resorts Science Fiction vom Heyne Verlag – Sascha Mamczak – hat es folgendermaßen gesagt: »Denn Phantastik schreiben, heißt ja nicht, die Realität mit anderen Mitteln nachzuerzählen, sondern die Realität mit anderen, eben phantastischen Mitteln aufzubrechen.« Mir ging es nie darum, einen Roman über Flüchtlinge zu schreiben, sondern meinen überheblichen Protagonisten aus einer heilen Zukunftswelt, mit dem Problem zu konfrontieren. Ihm seine Überlegenheit vor Augen zu halten und zu sagen: »Schau mal! Das sind deine Vorfahren, deine Wurzeln. Du stammst von diesen Leuten ab. Und nur weil du eine Chance auf Bildung bekamst und in einer friedlicheren Zeit aufgewachsen bist, bist du nicht besser als sie.« Vielleicht ist es mir in dem Roman nicht gelungen, diesen Gedanken zu transportieren. Aber mir ging und geht es beim Schreiben nicht darum, Realität zu dokumentieren. Das können andere besser.

Es ist leider immer noch so, dass man sich als Autor dafür entschuldigen muss, wenn man Phantastik schreibt, weil das Genre in Deutschland in bildungspolitischen Kreisen nach wie vor als Schundliteratur angesehen wird. Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen es genauso akzeptiert ist wie Krimis oder Liebesromane. Das mit der Phantastik ist schlicht Geschmacksache. Es gibt entweder Leute, die sie mögen oder welche, die damit nichts anfangen können. Das ist wie mit Krimis. Ich mag zum Beispiel keine Krimis, weil sie mich langweilen. Ein Mord. Jemand ermittelt. Der Täter wird anhand von Beweisen oder in einem Verhör überführt – die Vorgehensweisen sind stets dieselben. Ich habe keinen Spaß daran, den Täter zu erraten, weil sich mir das durch den bekannten Aufbau der Geschichten, meist nach der ersten halben Stunde erschließt. Was aber nicht heißt, dass ich Krimiautoren für ihr Können nicht bewundere. Es ist sehr viel Arbeit eine solche Geschichte zu entwicklen und eine Kunst dem Leser gerade so viel Informationen zu geben, damit er dabei bleibt, ohne die Auflösung zu früh zu verraten. Niemals würde ich einem Krimiautoren vorschreiben, er solle doch mal etwas anderes schreiben, wenn er Spaß dabei hat. Jeder hat seine eigenen Gründe, warum er was schreibt und und jeder meint, das Richtige zu tun. Und das sollte auch so sein.

Im Nachhinein wünschte ich mir, schon damals von der Bundesakademie in Wolfenbüttel gewusst zu haben. Die Phantastikseminare gibt es dort seit den Neunzigerjahren und hätten mir wahrscheinlich schon früher Möglichkeiten eröffnet, mein Talent entsprechend zu fördern. Aber es ist ja bekanntlich nie zu spät, um etwas Neues zu lernen.

Leyden und judäische Volksfront

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO – Band 118 – »Roboter-Revolte« von Kai Hirdt

So so, die »judäische Volksfront« und die »Volksfront von Judäa« haben jetzt auch ihren Weg zu PR-NEO gefunden. Es ist doch immer wieder interessant, wie mir als Leser ein kleines Detail soviel Freude bereiten kann. Dabei habe ich den Monty-Python-Film seinerzeits höchstens ein- oder zweimal gesehen. Dennoch brachte die Erwähnung des »Brianismus« die Erinnerungen zurück. Gemeinsam mit dem darauffolgenden Dialog hatte mich der Autor schon an der Angel …

Ein zweites Ultimatum der Posbis zwingt Eric Leyden und die Wissenschaftler an Bord des Mehandor-Frachters dazu, die defekte Komponente der Roboter zu finden und zu reparieren. Sie bekommen zwar schnell heraus, was die Störung verursacht, aber nicht, wie man das entsprechende Ersatzteil herstellen kann. Damit am Ende nicht nur sie, sondern auch die Mehandor überleben, brauchen sie einen Plan B. Durch eine Meuterei der Mehandor-Besatzung gerät dieser Plan aber in Gefahr.
Eric Leyden ist ein besonderer Charakter und für einen Autor eine dankbare Figur, weil er im Gegensatz zu Perry Rhodan Ecken und Kanten aufweist, an den man ihn reiben kann. Kai Hirdt illustriert, meiner Meinung nach, den Wissenschaftler am schillerndsten von allen Autoren des NEO-Teams. Vielleicht sehe nur ich in seinem Eric Leyden den Sherlock-Darsteller Benedict Cumberbatch. Aber die Macken erinnern schon sehr an Sherlock Holmes oder Alan Turing (in »The Imitation Game«). Kritiker werfen den Expokraten vor, dass Charaktere wie Leyden überzeichnet sind und im realen Leben niemals bestehen könnten. Ich muss widersprechen. Wahrscheinlich kenne nicht nur ich Leute, die genauso sind, einen super Job haben, aber nicht annähernd die Genialität des Wissenschaftlers besitzen (im Gegenteil). Mit solchen Leuten arbeiten zu müssen, ist noch viel viel schlimmer. Dagegen ist Leyden ein Traum. Aber eigentlich will ich nicht nur über Eric Leyden sprechen, sondern vor allem auf Bell McGraw eingehen. Denn auch diese Figur gewann in dem Roman richtig an Format und ist mir inzwischen mit all ihren Unzulänglichkeiten richtig ans Herz gewachsen. Sie ist als Perspektive für den Leser ideal, weil man sich in ihr wiederentdeckt. Die Situation auf dem, von den Posbis kontrollierten, Schiff wurde vom Autor glaubhaft und mit einer Menge origineller Ideen beschrieben. Das dabei nicht jede Figur ins rechte Licht gerückt werden kann, ist nachvollziehbar und so bleiben Atlan und Tuire in diesem Roman nur Nebenfiguren. Was mich persönlich nicht gestört hat. Sogar bei den Auftritten von Kater Hermes nahm sich der Autor zurück, traf dabei dennoch genau den Ton, um Katzenbesitzern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Im zweiten Handlungsstrang stand Tim Schablonski als tragender Charakter im Mittelpunkt. Nachdem Rhodan und seine Mitstreiter wohlbehalten aus der Vergangenheit zurückgekehrt sind, finden sie das Posbi-Schiff so gut wie verlassen vor und machen sich auf die Suche nach Aashra und der CREST. Ihr steiniger Weg führt sie auf den Heimatplaneten des Zentralplasmas. Plasmaintelligenz Anich wird von feindlichen Posbis angegriffen, die alle dem Befehl des bösen Posbi Aashra folgen.
Allein der »Ritt« auf den Posbis mit fünf Prozent Lichtgeschwindigkeit durch das System im Leerraum, war für mich weniger überzeugend. Es fällt mir schwer zu glauben, dass die NEMEJE nur über eine Fluchtkapsel verfügte. Aber darauf will ich nicht herumreiten. Neben den Posbis Kaverie und Atju gefiel mir in diesem Teil des Romans die Charakterisierung von Mutantin Tani Hanafe. Natürlich ist es ein Wagnis, eine psychisch labile Person auf eine so gewagte Expedition mitzunehmen. Im Nachhinein betrachtet, mag die Entscheidung vielleicht falsch gewesen sein. Ändern kann Rhodan daran aber nichts und so muss das Team damit leben. Die Annäherung zwischen ihr und ihrem Aufpasser Schablonski fühlte sich sehr glaubhaft an. Da standen Emotionen zwischen den Zeilen, die ich so vom Autor noch nicht kannte. Emotionale Kopplung nennt man das wohl, wenn der Leser in den Figuren aufgeht. Das klappt vielleicht nicht bei jedem, aber mir gefällt so etwas immer. Überhaupt zeigt der Autor mit Band 118 eine völlig neue Seite. So viel Gefühl in der Handlung und zwischen den Figuren kenne ich sonst nur von Exposéautor Rüdiger Schäfer. Ist es seinem Einfluss zu verdanken oder war es eine natürliche Entwicklung des Autors? Mit »Roboter-Revolte« ist Kai Hirdt über sich hinausgewachsen und hat ein neues erzählerisches Niveau erreicht. Das war so gut gemacht, dass im Gegensatz zu Schablonski und Hanafe Perry Rhodan stellenweise richtig schroff wirkte.

Mein Fazit: Ein spannender Roman mit einer durchdachten Geschichte, die das gesamte Gefühlsspektrum abdeckte. Meine Lieblingspassage ist der letzte Teil von Kapitel 11 (Schablonski versinkt im Plasma). So etwas möchte ich öfter lesen. Großartig! Und weil ich aus sicherer Quelle weiß, dass der Autor den Roman in gerade mal zwei Wochen geschrieben hat, ist meine Achtung vor Kai Hirdt nochmals um ein großes Stück gewachsen. Der Mann ist ein Phänomen!

Animation aus dem Ländle

Die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg ist schon seit zwei Jahrzehnten ein Garant für preisverdächtige Produktionen im Bereich Film und Animation. Viele Absolventen wechseln nach ihrem Abschluss über den großen Teich, um sich bei den großen Studios zu verdingen, eben weil der Markt für Spezialeffekte in Deutschland eher mager ist. Die Deutschen Filmindustrie geht in Sachen innovative »SpecialEffects« kein Risiko ein. Das heißt es wird in den wenigsten Fällen viel Geld dafür in die Hand genommen. Außerdem, wozu braucht man in einem Krimi auch schon groß Spezialeffekte?! So kann man auch Potential verschwenden – traurig aber war. Deshalb arbeiten so viele deutsche Animationskünstler in den Staaten, obwohl sie auch in Deutschland großartige Filme machen könnten, wenn die Produktionsfirmen ein bisschen mehr Mut zum Risiko beweisen würden. Vielleicht gäbe es dann auch schon längst einen PERRY RHODAN-Film.

Was die Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg alles so drauf haben, kann man an dem vierminütigen Abschlussfilm erahnen. Der bei zahlreichen Festivals eine Menge Preise gewonnen hat.