Enttäuschendes Finale

Mit Band 100 geht bei PERRY RHODAN NEO eine Ära zu Ende. Frank Borsch Exposé-Autor macht Schluss und übergibt den Staffelstab an eine neue Riege von Exposé-Autoren. Doch den letzten Band hat er für sich aufbehalten, um der Staffel einen würdigen Abschluss zu geben.

Den sollte ich wirklich lesen, dachte ich mir, nachdem ich ja eigentlich nur die NEO-Romane von Rüdiger Schäfer lese und dessen Band 98 „Crests Opfergang“ mich wieder sehr gut unterhalten hat. Der Autor schafft es einfach seine Figuren so glaubhaft agieren zu lassen, sodass auch die eine oder andere Schwäche im Plot zu verschmerzen ist.

Frohen Mutes, dass ich jetzt endlich die große Auflösung bekomme, stürzte ich mich auf „Der andere Rhodan“ von Frank Borsch. Doch schon beim Lesen wurde mir bewusst, dass das zwei paar Schuhe sind. Borsch schreibt ohne Zweifel technisch perfekt und mit viel Fantasie, aber der Funken wollte einfach nicht auf mich überspringen. Vielleicht lag es auch an der Geschichte, in der es um das Schicksal von Perry Rhodans Dublikat „Rhodanos“ geht. Vielleicht hatte ich mir auch von dem großen Finale einfach zu viel versprochen. Ich weiß es nicht.

Verglichen mit „Crests Opfergang“ wirkt Borschs Roman langatmig und distanziert. Während ich Ersteren in kürzester Zeit verschlungen habe, quälte ich mich bei Band 100 von Kapitel zu Kapitel. Die, in der Handlung erklärten Zusammenhänge, wirkten auf mich manchmal arg konstruiert. Es fühlte sich so an, als versuchte der Autor mit aller Macht die Fäden miteinander verknüpfen. Was ihm aber nur bedingt gelingt. Da sind zum einen die Allianz und ihr Projekt Peaqash bei dem ich mich dauernd nach dem Sinn fragte. Wenn die Allianz den Humanoiden so überlegen ist, warum dieses Projekt, warum metzeln sie die humanoiden Völker nicht einfach nieder? Was wollen sie eigentlich damit bezwecken, wenn sie die Duplikate brechen und in Androiden verwandeln? Das hat sich mir während der ganzen Geschichte nicht völlig erschlossen. Dann ist da die Festung der Ersten, die sich schon seit Ewigkeiten gegen die Besatzer aus der Allianz wehrt und darauf hofft, dass ihre Erbauer zurückkehren. Das Konzept einer lebenden Festung mag interessant sein, aber warum hilft sie zwar dem Duplikat eines Menschen (Rhodanos) aber nicht den Duplikaten der Arkoniden, die ja auch humanoid sind. Für mich bleiben bei der Geschichte zu viele Fragen offen.

Schön fand ich dagegen die kurzen am Ende der Kapitel eingefügten und im Präsens geschrieben Geschichten einiger wichtiger Nebencharaktere. Davon hätte ich mir mehr gewünscht, ausführlicher und vielleicht einen ganzen Roman angefüllt mit solchen Szenen. Das wäre in meinen Augen ein versöhnlicherer Abschluss der Ära Borsch gewesen.

Das Bemerkenswerteste, was ich jedoch aus dem NEO Jubiläumsband mitnehme, ist folgender Ausspruch: „Der Mensch an sich besitzt Vernunft … aber in der Menge geht sie verloren …“ Besser kann man es nicht formulieren.

Quelle: Perrypedia
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Abenteuer auf Tramp

Quelle: Perrypedia

Ich habe mal wieder einen PR-NEO von Rüdiger Schäfer gelesen. Dieser trug den Titel „Schergen der Allianz“ – PERRY RHODAN NEO 94.

Es zeichnet die NEO-Serie aus, dass man der Zyklushandlung folgen kann, auch wenn man nicht alle Romane liest. Ein Nachteil davon ist, dass in den Romanen zu viel Exposition betrieben wird, um die bisherige Handlung zusammenzufassen. So besteht der erste Teil von „Schergen der Allianz“ aus langwierigen, aber nicht uninteressanten Erklärungen. Es ist Rüdiger Schäfers Erzählstil zu verdanken, dass die Fakten in unterhaltsamer Form präsentiert werden. Der Informationsgehalt ist groß und man gewinnt den Eindruck, dass Exposéautor Frank Borsch versucht, all die losen Fäden noch innerhalb der nächsten Hefte bis zum Ende des Zyklus sinnvoll zusammenzuführen. Dass es neben der Handlung um Perry Rhodan, noch zwei weitere Handlungsebenen mit Fürsorger Satrak und dem Arkoniden Jemmico auf der Erde gibt, macht die Sache nicht leichter.

Perry Rhodan und seine Begleiter der Mutant Ras Tschubai, die Puppe Sannasuh alias Jenny Whiteman und eine Ara-Medikerin wollen mit einem Transmitter nach Derogwanien, um von Calibso mehr über das Ringen zu erfahren. Doch etwas geht schief und sie stranden auf Tramp. Mittels seines Enterons kann Perry Rhodan Informationen einholen und auch den von der Allianz gefangenen Arkoniden Charron da Gonozal befreien. Nach einer wilden Jagd, vielen Kampfhandlungen und noch größeren Zerstörungen, drohen auf Tramp Perry Rhodan und sein Team in die Hände der Allianztruppen zu fallen. Plötzlich taucht aus dem Nichts der Zeit-Mutant „Ernst Ellert“ auf und führt die Gruppe zu einem Zeitbrunnen. Es ist der einzige Weg, den Verfolgern zu entkommen. Auf der Flucht muss Rhodan jedoch die Ara und sein Enteron zurücklassen. Während die Handlung auf Tramp voranschreitet, verwandelt sich die ruhige Erzählstruktur vom Beginn in rasante Action. Selbst diesen Bruch meistert der Autor souverän und vermag mit seiner bodenständigen Erzählweise zu begeistern. Faszinierend dargestellt ist der Kommandant des Allianzschiffes, der mit einem Plasmawesen quasi „Gassi“ geht. Das ungewöhnliche Wesen sucht seinen Herren, den gestürzten Regenten von Arkon oder dessen Überreste. Letzteren finden Rhodan und seine Begleiter tot vor seinem selbstgebauten Thron, dessen Form eine Hommage an die Serie „Games of Thrones“ zu sein scheint. Ein nettes Detail, das aber nur die Leser erreichen wird, die die Fantasy-TV-Serie kennen.

Die Handlungsebene auf der Erde hat auch mit einer TV-Serie gemein, erinnert sie doch ein wenig an eine Folge aus einer amerikanischen Anwalts- bzw. Gerichtsserie. Fürsorger Satrak verfolgt den Prozess um einen jungen Arkoniden, der eine menschliche Frau getötet hat. Der Leser erfährt durch die Gedanken des Fürsorgers, dass das Ganze ein reiner Schauprozess ist, der die Menschen besänftigen soll, die nach wie vor gegen die Annektierung der Erde durch die Arkoniden rebellieren. Aber außer, dass hier wieder die Rivalität zwischen Satrak und Chetzkel dem Kommandanten der Flotte gezeigt wird, scheint die Handlung nicht weiter relevant zu sein. Interessanter ist dagegen die um Jemmico dem arkonidischen Verbindungsoffizier zur Imperatrice, der in seiner Wohnung einen bewusstlosen Haluter aufwecken will. Als seinem Arzt das gelingt, muss er feststellen, dass er die Gefährlichkeit des fremden Wesens unterschätzt hat. Mir persönlich ist ja ein wenig schleierhaft, wie es dem Arkoniden gelungen ist, seinen Fund vor den Truppen Chetzkels und vor Satrak geheimzuhalten. Am Ende entkommt der Haluter und der Handlungsstrang bleibt offen.

Der Hinweis aufs nächste Heft deutet einen erneuten Schauplatzwechsel an. Ich finde, dass hier der Schwachpunkt der NEO-Serie liegt. Es gibt zu viele Handlungsebenen und zu viele verschiedenen Schauplätze, sodass man als Leser am Ende eines Romans oft unbefriedigt zurückbleibt, weil man eigentlich wissen möchte, wie es weitergeht, im folgenden Heft aber wieder vor einen neuen Schauplatz mit neuen Figuren gestellt wird. Der muss wiederum mit viel Exposition eingeleitet werden. Für meinen Geschmack gibt es bei NEO zu viele lose Enden zu viele parallele Handlungsfäden, dass ich befürchte, dass Frank Borsch diese bis zum Zyklusfinale nicht alle verknüpfen kann.

Rüdiger Schäfer liefert mit diesem Roman eine solide Arbeit ab. Es ist zwar nicht sein bester Roman, aber er macht das Beste aus dem verworrenen Exposé. Schön finde ich, dass Perry Rhodan jetzt wieder selbstbewusster auftritt und auch unbequeme Entscheidungen trifft.

NEO im Aufwind?

Ein kleines Erdbeben gab es diese Woche auch bei Perry Rhodan. Frank Borsch, langjähriger Exposé-Autor von Perry Rhodan NEO, gibt sein Amt ab. Nach einhundert Bänden übernehmen Rüdiger Schäfer und Michael H. Buchholz das Zepter. Und das sehr zu meiner Freude.

Ich habe ja schon oft geschrieben, dass ich ein großer Fan von Rüdiger Schäfer bin. Auch wenn er nur eine Handvoll Romane für die NEO-Serie verfasst hat, so scheint es mir doch, als habe er die Serie mehr verinnerlicht als andere Autoren. Von seinen Romanen geht stets ein besonderer Reiz aus, dem ich mich nicht entziehen kann. Sein erzählerischer Stil artet nie in die wirre Komplexität aus, die manchem NEO-Roman anhaftet. Seine Bücher bleiben auch dann lesbar, wenn im Exposé mal wieder Purzelbäume geschlagen werden.
Mit seinem Einstieg in die Riege der Exposé-Autoren erhoffe ich mir, dass er einen Schritt zurück macht, um den NEO-Handlungsbogen zu entwirren und zu endschleunigen, denn hier ist weniger ganz eindeutig mehr.

Von Michael H. Buchholz weiß ich nur, dass der Autor schwer erkrankt war (ist?). Alle Achtung! Davor, das er es sich dennoch zutraut eine Serie als Exposé-Autor zu betreuen, ziehe ich den Hut und wünsche ihm alles Gute dafür.

Da muss ich mir doch gleich den NEO-Band Nr. 89 (Tschato, der Panther) zu Gemüte führen, den die beiden Autoren gemeinsam verfassten. Da ich die Figur von Nome Tschato schon im Plophos-Zyklus der Erstauflage toll fand, bin ich schon sehr gespannt darauf, wie er sich im NEO Universum macht.

Sternenkinder

Quelle: Perrypedia

Perry Rhodan NEO 86 – Sternenkinder; von Rüdiger Schäfer

Mit Perry Rhodan NEO verbindet mich so etwas wie eine Hassliebe. Von den ersten vier Bänden der Serie war ich hellauf begeistert. Nur leider ließ diese Begeisterung sehr rasch nach. Beim Wega-Zyklus habe ich mich an den Hörbüchern versucht und enttäuscht aufgegeben. Die Handlung war mir zu hastig, zu verzettelt und der Versuch aus Perry Rhodan einen Teamplayer zu machen endete darin, dass er zu einem Waschlappen mutierte. Ich gab auf.
Mit Band 50 versuchte ich nochmals einzusteigen, weil ich der Serie und mir eine Chance geben wollte. Doch das ging genauso daneben. Mit dem Zyklus „Protektorat Erde“ haben mich die Macher letztendlich doch gekriegt, auch wenn ich immer noch meine, dass die Handlung zu verworren und viel zu überstürzt geschieht. Wenigstens haben sie aus Perry Rhodan das gemacht, was er sein sollte – einen Helden. (Na, ja zumindest ein bisschen.)

Ich lese nicht jeden der zweiwöchig erscheinenden Romane, sondern suche mir meist die mit dem Perry Rhodan Handlungsstrang raus oder von jenen Autoren, die ich mag. So zum Beispiel die Romane von Rüdiger Schäfer.

Mit Band 86 hat er sich übertroffen. Das Schöne an „Sternenkinder“ ist, das man nicht viel Hintergrundinformationen über PR-NEO benötigt. So gesehen, könnte der Roman als solcher auch alleine stehen … Ja, er würde sogar ohne das Label Perry Rhodan funktionieren.
Der Roman spielt komplett in der Schwerelosigkeit und stellt eine Zivilisation in den Mittelpunkt, die am Rande unseres Sonnensystems heimisch ist. Faszinierend und sehr intensiv beschreibt der Autor die Abenteuer von Ras Tschubai und seinem Begleiter, die im Kuipergürtel von den „Sternenkindern“ gefangen wurden. Diese verborgene Zivilisation wird sehr sorgfältig und spannend beschrieben. Neben gesellschaftlichen und sozialen Einblicken erfährt der Leser auch über innenpolitische Spannungen, die sich durch das Auftauchen der Arkoniden im Solsystem ergeben. Das alles ist gleichzeitig sehr fremd, aber auch so vertraut, dass man sich gut in die Charaktere hineinversetzen kann. Die geheimnisvolle Vergangenheit des Volkes trägt das Ihre dazu bei.
Allein mit dem plötzlichen Auftauchen einer weiteren ähnlichen Spezies am Ende des Romans wird die kompakte Erzählung auseinandergerissen. Der Leser fragt sich zurecht, was das soll und wohin ihn die Geschichte führen wird… Wieder so ein unbefriedigendes, weil überstürztes Ende, wie bei den meisten NEO-Romanen zuvor. Die große Frage ist, wann werden wir wieder etwas über die „Sternenkinder“ erfahren? Denn im Folgeroman geht es um eine der vielen anderen Baustellen im NEO-Universum. Ich finde, dass sich die Exposéautoren zu sehr in der Zyklushandlung verzetteln. Die Anzahl an Handlungssträngen ist zu groß und zu komplex und verlangt dem Leser viel Ausdauer ab. Für „Sternenkinder“ hätte ich mir ein anderes, ein versöhnlicheres Ende gewünscht. Doch der billige Cliffhanger führt wiederholt dazu, dass mein Lesevergnügen geschmälert wurde. Schade! Eigentlich!