Die zweite Macht

Also … ich habe ihn mir nochmal angesehen, »Star Wars – Das Erwachen der Macht«. Bei den vielen schnellen Schnitten hatte ich beim letzten Mal das Gefühl, nicht alles mitbekommen zu haben. Und tatsächlich habe ich Neues entdeckt und bewerte auch manche Szenen nach dem zweiten Mal kritischer. Achtung Spoiler!!!

Zunächst: Ich wünschte Autoren, Produzenten und Regisseur würden öfter einen Astronomen konsultieren. Ich weiß, bei Hollywoodfilmen sollte man nicht sooo genau hinschauen, aber bitte … ein wenig Realität, ist doch nicht zu viel verlangt. Denn das mit dem »Todesplaneten« ist Humbug. In irgendeiner Szene wird zwar etwas von Hyperschnellem Licht gesprochen, aber … ich hoffe, die sechs Welten der Neuen Republik und der Planet auf dem sich Chewie, Han, Rey und Finn aufhalten, befand sich wenigstens im selben System, so dass sie die Zerstörung live mit ansehen konnten. Aber warum braucht die Maschine die Energie einer ganzen Sonne und was passiert, wenn die Sonne weg ist? Müsste er nicht völlig vereisen und gäbe es danach überhaupt noch eine Vegetation? Hat der Planet einen Hyperantrieb, mit dem er zur nächsten Sonne fliegen kann? Mhm … und überhaupt, wieso ist es auf dem Planeten eigentlich nicht stockdunkel, nachdem die Sonne verloschen ist? Fragen über Fragen über die ich eigentlich nicht nachdenken wollte. Von den Geschwindigkeiten mit denen die Raumschiffe in dieser Galaxie unterwegs sind, fange ich gar nicht erst an. Bei J.J. Abrams muss alles schnell gehen, das kennen wir ja bereits aus Star Trek.

Schön finde ich immer noch den Umgang mit den Figuren. Ja, die alten Helden sind alt geworden und das nimmt man ihnen auch ab. Carrie Fisher sieht allerdings so maskenhaft aus, als wäre sie eine Gründerin des Dominion (Star Trek-DS9) oder war da Botox im Spiel. So völlig Faltenlos wirkt sie sehr unnatürlich. Es ist mehr als Schade, dass Schauspielerinnen in Hollywood anscheinend nicht in Würde altern dürfen. Apropos Schauspielerinnen, mir ist aufgefallen, wie viele Frauen in diesem Film in Schlüsselrollen spielen. Neben Rey, der Schrottsammlerin und General Leia Organa gibt es noch einen weiblichen Yoda-Ersatz, der ähnlich angelegt, aber dennoch eigenständig ist.

Cool fand ich den kleinen BB8. Ich bin mir sicher, dass der Roboter nicht nur von Kindern und Jugendlichen, sondern auch von vielen Erwachsenen sofort ins Herz geschlossen wurde. Ein sympathische Figur, die um Längen besser ist, als alle JarJar Bings der Welt und die einen R2D2 glatt an die Wand spielen könnte.

Zum Schluss noch ein paar Spekulationen: Ich glaube ja, das Rey Luke Skywalkers Tochter ist, so gut wie sie die Macht nutzen kann. Snoke ist entweder eine Reinkarnation des Imperators oder irgendetwas anderes. Bei Finn glaube ich ja, dass er der Sohn von Lando Calrissian ist. Mal sehen, welche Geheimnisse im nächsten Film gelüftet werden. Vielleicht erfährt man dann auch etwas mehr über die politischen Zusammenhänge, denn die sind mir noch nicht so ganz klar geworden. So wie es aussieht, wird der Widerstand nicht von der Neuen Republik unterstützt, anderes kann ich mir die magere Flotte an Schiffen (eigentlich sind es ja nur Jäger) nicht erklären.

Trotzdem hat mir der Film auch beim zweiten Mal richtig Spaß gemacht. Dabei durfte ich zum ersten Mal das neue »Dolby Atmos« erleben. Nochmal würde ich aber nicht ins Kino gehen, obwohl die Werbung vor dem Film diesmal nicht mehr als fünfzehn Minuten betrug. Im Gegensatz zum letzten Freitag in München, wo man sich als Zuschauer ganze vierzig Minuten gedulden musste, bis der Film begann.

Deutschland 83 – ein Fazit

Nachdem am vergangenen Donnerstag die beiden letzten Folgen der Serie »Deutschland 83« im RTL ausgestrahlt wurden, möchte ich ein kurzes Fazit ziehen.

Ohne Frage, die achteilige Serie ist spannend gemacht. Sie erinnert an aktuelle US-Serien und ist vielleicht deshalb in den Vereinigten Staaten so erfolgreich gelaufen. Die gelungene Kombination aus Fiktion und realen Ereignissen wartet nicht nur mit einer intelligenten Handlung und exzellenten Darstellern auf, sondern nimmt ernsthaft Bezug zur deutsch-deutschen Geschichte. Vieles habe ich 1983 (mit neun Jahren) verständlicherweise nicht mitbekommen. Daher war die Dokumentation im Anschluss an die beiden ersten Folgen, nicht nur interessant, sondern auch für das Verständnis der Serie wichtig. Mir hat der Überblick über die Geschehnisse des Jahres 1983 geholfen, den Inhalt der Folgen besser einzuschätzen und zu bewerten.
Als sehr gut bewerte ich die Auswahl der Darsteller und die Charakterisierung der Figuren. Sie präsentierten sich allesamt vielschichtig und niemals nur schwarz und weiß. Bemängeln kann ich nur die zu deutliche Gewaltdarstellung; weniger davon hätte der Serie gut getan, ohne ihr die Spannung zu nehmen.

Für mich war »Deutschland 83« eine überraschend sehenswerte Produktion, die nicht nur durch eine spannende Handlung glänzte, sondern auch Geschichte vermittelte. Etwas das es in der deutschen Fernsehlandschaft und besonders bei den Privaten viel zu selten gibt.

Am Ende bleiben Fragen offen, um sie vielleicht in einer zweiten Staffel wieder aufzunehmen. Dabei stellt sich mir jedoch die Frage, wie man eine zweite Staffel realisieren will. Die könnte ja nicht mehr 1983 spielen, außer man würde die gleichen Ereignisse aus der Sicht anderer Personen schildern. Vielleicht wäre es sinnvoller, sie einfach so stehen zu lassen.

Die erwachte Macht

Ich habe ihn gesehen, den neuen Star Wars Film … Und versuche mich hier an einer Spoilerfreien Kritik.

Zu allererst: Im Gegensatz zu Star Trek hat J.J. Abrams es dieses Mal nicht verbockt.

Nein wirklich, mir hat der Film gut gefallen. Er erinnert an die alte Trilogie. Vieles was in Episode IV-VI gut funktioniert hat, wurde in variierter Form wiederverwendet. Die Schlachten wirkten sehr realistisch und waren mitunter atemberaubend. Das Setting sah real aus, was vor allem daran lag, dass viel mit echten Modellen und Aufbauten gearbeitet wurde und der Film nicht ausschließlich vor dem Greenscreen entstand. Mit Humor wurde sparsam umgegangen und auf den Punkt eingesetzt. Die Handlung war einfach und bis auf wenige Dinge glaubhaft. Sogar der Physik wurde zuweilen, nicht immer, aber sehr oft, Rechnung getragen. Die neuen Darsteller spielten sympathisch und wurden gut eingeführt, aber auch die alten Haudegen hatten ihren großen Auftritt. Und bei der letzten Szene kamen mir sogar die Tränen.

Negativ anmerken kann ich eigentlich nur, dass ich mir mehr ruhigere Szenen gewünscht hätte, die Kampfszenen waren so schnell geschnitten, das ich manchmal nicht mitkam. Vielleicht werde ich auch nur alt.
Ach und noch etwas: Kurzes Gedankenspiel, was passiert, wenn man die Energie und Materie einer ganzen Sonne in einem Objekt von der Größe eines Planeten komprimiert? Richtig, je nach Masse wird daraus entweder ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch. So gesehen hätte J.J. Abrams eigentlich den Ausschnitt aus Star Trek XI verwenden müssen, als Vulkan in einer Singularität zermalmt wird.

Ich kann nur sagen, dass ich das Kino mit einem guten Gefühl verließ und mir den Film auch noch ein weiteres Mal im Kino ansehen werde. Dann aber nicht in München, sondern in einem Kino in der Nähe, in dem auch der Werbefilm von Perry Rhodan läuft.

Das schönste Erlebnis am gestrigen Tag hatte ich jedoch an einer Tankstelle in Ebersberg, als einem kleinen Jungen bald die Augen aus dem Kopf fielen, weil er sah, wie mein Mann im Jedi-Kostüm unseren Corsa betankte.

»Beyond« recognition

Wahrlich bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, präsentiert sich STAR TREK im ersten Trailer zu STAR TREK – BEYOND.
Als Fan wird mir Angst und Bange. Das sieht aus, wie eine Mischung aus »Guardians of the Galaxy« und »The Fast and the Furios«: Rennen, fahren, fallen, schießen … und ein paar dümmliche Sprüche.
Meine Erwartung sinkt gerade auf Null. Doch seht selbst:

Rührendes Nachkriegsdrama

»Kleine Große Stimme« – so heißt der neue Film mit David Rott.

In dem Nachkriegsdrama geht es um den farbigen Benedikt der nach dem Tod der Mutter unter unwürdigen Bedingungen bei den Großeltern in der österreichischen Provinz aufwächst. Gehetzt und gedemütigt von Schulkameraden und Erwachsenen beschließt er eines Tages wegzulaufen und seinen Vater (einen GI der US-Army) zu suchen. Ausschlaggebend für seine Flucht ist ein Bericht der Wochenschau über die Amerikareise der Wiener Sängerknaben. Singen kann Benedikt wie kein zweiter und auf so einer Reise könnte er seinen Vater suchen, den er noch nie gesehen hat. Was Benedikt nicht weiß, sein Vater ist noch in Wien und auch bei den Wiener Sängerknaben ist er wegen seiner Hautfarbe nicht willkommen. Mit seiner Stimme und seiner couragierte Art schafft er es, den Kapellmeister Max Goldberg (David Rott) auf seine Seite zu ziehen. Doch auch der ist bei dem rassistischen und antisemitischen Chor-Präfekten Roschek nicht gern gesehen, so das Benedikt bald zwischen die Fronten der beiden Widersacher gerät …

Auch wenn mir am Ende vor Rührung die Tränen in den Augen standen, so würde ich den Film nicht als kitschig bezeichnen. Dafür gibt es zu viele klar definierte Aussagen. Die Geschichte des Jungen ist nur eine von vielen kleinen, mitunter dramatischen, Geschichten. Zum Beispiel die vom Vater des jüdischen Kapellmeisters, der seine Frau in den Wirren der Nazizeit verloren hat und noch immer jeden Tag vorm ehemaligen Wohnhaus auf ihre Rückkehr wartet, oder die Liebesgeschichte zwischen Max und Sekretärin Elsa als klassische Romanze, auf die sich beide anfangs nur widerwillig einlassen. Oder die der Großeltern, die sich nicht mit der Schmach abfinden können, dass sich ihre Tochter von einem farbigen US-Soldaten schwängern ließ, wo doch der Vater im Krieg durch eine amerikanische Granate sein Bein verlor.

Es ist dieses kritische Beleuchten der Umstände der Fünfzigerjahre, das den Film zu mehr macht als zu einem kitschigen Familienfilm für die Weihnachtszeit.

Das Darstellerensemble, allen voran der junge Wainde Wane gibt alles und bringt die Geschichte in alle ihren Teilen so herzergreifend rüber, dass man als Zuschauer nicht wegsehen kann. David Rott brilliert in der Rolle des jüdischen Kapellmeisters mit Wiener Akzent und erfrischender Natürlichkeit. Man nimmt ihm die Begeisterung mit der Arbeit der jungen Sängerknaben ab. Und auf dem Klavier spielt es ihm in die Karten, dass er vor Jahren für seine Rolle des Udo Jürgens Klavierspielen gelernt hat.

Hervorzuheben ist auch die Musik des Films, da ist vom »Heideröslein« über Boogie Woogie bis zum Rock’n’Roll alles dabei, was die fünfziger Jahre zu bieten hatten. Gesungen von den Wiener Sängerknaben, die ebenfalls sichtlich Spaß an der Produktion hatten.

Im ORF lief der Film schon gestern, diejenigen, die den österreichischen Sender nicht via Kabel empfangen können, müssen sich noch bis zum 30. Dezember gedulden, denn da läuft er auch in der ARD. Als kleinen Vorgeschmack gibt’s hier schonmal den Trailer zum Film.

Wildwest im Weltraum

FireflyAls vor Jahren die Serie „Firefly“ im TV lief, ging das an mir vorbei. Wahrscheinlich, weil sie zu den unmöglichsten Zeiten lief. Nachdem ich aber so viele positive Stimmen dazu gehört habe, kauften wir uns die DVD-Box zur Serie und sahen sie uns an.

Zunächst hatte ich ein paar Probleme, mich an den Mix aus Wildwest- und Science Fiction-Setting zu gewöhnen. Einerseits war da, diese hochtechnisierte SF-Welt mit Raumschiffen und Raumstationen und andereseits die Rückständigkeit der Randwelten. Auch hat es eine Weile gedauert, bis ich begriffen hatte, dass die Handlung nur in einem einzigen Sonnensystem spielte. Aber spätestens nach der dritten Folge hatte ich mich daran gewöhnt und mir gefiel die Serie immer besser. Die Geschichten waren intelligent erzählt und enthielten immer auch eine nachdenkliche Komponente. Gut war, dass sich stets ernste Episoden mit humorigen abwechselten.

Die vielen widersprüchlichen Figuren, die zusammen auf dem Raumschiff »Firefly« miteinander auskommen mussten, waren gut ausgearbeitet. Wie sich nur nach und nach ihre wahren Charaktere entblätterten, fande ich besonders bemerkenswert. Die Darsteller, alle sehr gut ausgesucht, verkörperten ihre Rollen mit viel Esprit. Allen voran Adam Baldwin als Jayne Cobb; er gefiel mir schon in der Serie »Chuck« so gut. Morena Baccarin als Inara Serra erinnerte mich immer an Grand Prix Gewinnerin Lena, die beiden sehen sich unheimlich ähnlich. Jewel Staite und Summer Glau konnte ich sogar auf der Fedcon vor einigen Jahren live erleben.

Der Serie war leider nur eine Staffel mit 14 Episoden beschieden. So war ich am Ende ziemlich traurig, nicht mehr erfahren zu dürfen, wie die Abenteuer der Firefly-Crew weitergegangen wären.

Überzogene Gewalt in Serie

»Deutschland 83« Folge 3 & 4

Ich verstehe ehrlich nicht, warum man in einer Fernsehserie, die richtig intelligent und spannend gemacht ist, unbedingt so offensichtliche Gewaltdarstellungen braucht.

Das fühlte sich am Donnerstagabend nach Holzhammer-Methode an. Glauben die Serienschöpfer, dass die Zuschauer so blöd sind und sich das nicht selbst ausmalen können? Oder liegt es daran, dass es heute Mode ist, sich in Gewaltorgien zu suhlen?

Für mein schwaches Gemüt, war das schon ein bisschen heftig, was in den beiden Folgen an Gewalt gezeigt wurde. Und dabei hatten es die Folgen gar nicht nötig. Sie waren ohnehin so spannend gemacht, dass man fast schon an den Nägel kauend mitfieberte.

Das Finale von Episode 4 war so schlimm, dass ich zu hören bekam, was für Mist ich mir denn da anschauen würde. (Dass die »Bergretter«, die parallel dazu im ZDF liefen, noch größerer Mist sind … auf diese Diskussion wollte ich mich dann doch nicht mit meinen Eltern einlassen.) Aber irgendwie hatten sie Recht. Durch die überzogenen Gewaltszenen wirkte die Folge von »Deutschland 83« irgendwie billig. Dabei kann man gerade intensiverer Empfindungen wecken, wenn man eben nicht alles zeigt.

Das war zunächst keine gute Werbung für die nächsten Folgen der Serie. Aber spannend gemacht ist das Ganze für eine RTL-Produktion schon, so dass ich auch weiterhin einschalten werde.

Zwischen den Fronten

In dieser Woche waren im TV zwei Beiträge zu sehen, die dieselbe Thematik ansprachen. Es ging um die Spionage der DDR-Staatssicherheit in Westdeutschland, um das Anwerben von Agenten und ihr Leben zwischen den Systemen mitten im Kalten Krieg.

Während es im Fernsehfilm »Unsichtbare Jahre« um das Porträt einer junge Frau aus dem Westen geht, die Mitte der Siebzigerjahre von der Stasi angeworben wird, steht in der RTL-Serie »Deutschland 83« ein junger Mann aus der DDR im Mittelpunkt, der als Spion Widerwillen in Westdeutschland agieren muss.

Mich faszinierte die unterschiedliche Herangehensweise an das Thema. Im sehr ruhig erzählten TV-Film wird die Geschichte anhand einer psychisch auffälligen Person erzählt. Die junge Frau rebelliert gegen das konservative Elternhaus und findet in der Ideologie der radikalen Linken ihre Erfüllung. Doch entgegen ihrer Kommilitonen findet sie nicht das private Glück und stellt sich voll in den Fokus ihrer Überzeugung. Die Stasi-Offiziere haben leichtes Spiel, zumal der smarte Ulrich (David Rott in einer kleinen, aber überzeugenden Rolle), ihr gehörig den Kopf verdreht. Mit welchen unfairen Mitteln die Stasi in diesem Fall agiert, wird ihr erst klar, als man ihr sagt, dass sie Ulrich nie wiedersehen wird. Über all die Jahre bleibt sie eine Getriebene. Sie erfüllt ihre Spionageaufgaben, zahlt aber einen hohen Preis dafür. Einsam, von Abhängigkeit bedroht und nicht liebesfähig, bestreitet die ein Leben ohne Höhen und Tiefen. Unsichtbar eben. Es endet vorhersehbar und abrupt mit der Wiedervereinigung 1990.

Ganz anders dagegen die TV-Serie. Hier wird ganz im Sinne moderner Agentenserien agiert. Der junge Spion, der eigentlich nur nach Hause in die DDR zu Mutter und Freundin zurück möchte, wird in knifflige Aufträge verstrickt, aus denen er sich oft nur mit Improvisation und Köpfchen befreien kann. Die Darstellung eines DDR-Bürgers, den es unvermittelt in den Westen verschlägt, fand ich gut inszeniert. Besonders die Szene in der er zu fliehen versucht und zwischen den Regalen eines Supermarktes landet, wo er völlig überwältig stehen bleibt. Das erinnerte mich an meinen ersten Besuch in einem westdeutschen Supermarkt im Dezember 1989. Ich habe damals auch den Mund nicht zu bekommen. Das war gut gemacht. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte in »Deutschland 83« weiter erzählt wird.

Zwei Filme, eine Geschichte und doch auf völlig unterschiedliche Weise präsentiert. Das beides innerhalb derselben Woche ausgestrahlt wurde, war sicher kein Zufall.

Kritisches Fernsehdrama über den Starfighter

Quelle: Amazon

Manchmal sind die privaten Fernsehsender echt für eine Überraschung gut. Da lief am vergangenen Donnerstag eine Filmproduktion auf RTL über den Starfighter, sowie eine Dokumention im Anschluss. Ich habe mir beides angesehen und muss gestehen, dass ich sehr positiv davon angetan bin. Der Film ist dramaturgisch spannend und durch die anschließende Doku bekommt man auch mit, wie viel reale Begebenheiten in die Produktion eingeflossen sind. Ich hatte bis jetzt keine Ahnung davon hatte, dass der Einsatz des Starfighters in der Bundeswehr bei 262 Abstürzen 116 Piloten das Leben gekostet hat. (Diverse Opfer am Boden nicht mitgerechnet.) Nicht für umsonst erhielt der Jäger den Beinamen »Witwenmacher«.

Absturzgründe gab es reichlich, die reichten von unausgereifter Technik, über falsche klimatische Bedingungen (der Starfighter entpuppte sich als Schönwetterflieger) bis hin zur mangelnden Ausbildung der Piloten. Allein mit den Mängel am Flugzeug selbst, könnte man ganze Aktenordner füllen: abbrechende Flügel, verklemmte Landeklappen, defekte Anzeigen, Strömungsabriss durch schlechte Aerodynamik, ein Schleudersitz, der den herausgeschleuderten Piloten erschlägt usw. Das alarmierendste aber ist, dass niemand etwas dagegen getan hat. Weder die Piloten, die damit fliegen mussten (eine Weigerung, wäre gleichbedeutend mit einer Meuterei und Kameradenverrat gewesen), noch die Angehörigen, die man von vorn bis hinten belog und ihnen erzählte, es hätte sich um Pilotenfehler gehandelt. Die Bevölkerung gewöhnte sich an die Abstürze, weil sie gehäuft auftraten und registrierte sie irgendwann nicht mehr. Außerdem wurden viele Details zu den Abstürzen unter den Teppich gekehrt und kamen erst spät an die Öffentlichkeit.

Stellt sich nun die Frage nach dem Warum? Anfang der sechziger Jahre mitten im Kalten Krieg wollte auch die kleine Bundesrepublik zeigen, dass sie mit den Großen mithalten kann. So kaufte die damalige Bundesregierung Adenauer 915 Starfighter zu je 6 Millionen DM. Man vergleiche, die Bundeswehr hat momentan 109 Eurofighter im Einsatz. Die Starfighter waren Jäger, sollten aber bei der Bundeswehr auch als Bomber und Aufklärer eingesetzt werden. Eine Aufgabe, für die sie nicht ausgerüstet waren. Durch die zusätzliche Technik, waren die Maschinen überladen und kaum zu steuern.  Die Maschinen verziehen keine Fehler und waren für das raue feuchte Klima in Deutschland nicht ausgelegt. Hersteller Lockheed stand kurz vor der Bestellung durch den damaligen Verteidigungsminister vor der Pleite. Und wer sich ein bisschen in Geschichte auskennt, wird wissen, wer Ende der fünfziger Jahre Verteidigungsminister war – Richtig, Franz Joseph Strauß – ein Schelm, wer böses dabei denkt!

Sehenswert ist »Starfighter« allemal, auch wenn der Film in der Mitte einen unschönen Bruch hat. Hier wechselt plötzlich die Perspektive zwischen den Hauptfiguren. Wahrscheinlich sollte es ein Zweiteiler werden, wurde aber gekürzt und zu einem Film zusammengeschnitten. Die meist unbekannten Schauspieler wirken frisch und überzeugend. Auch die Dokumentation mit Peter Klöppel ist spannend gemacht, ohne reißerisch zu sein.
Erwähnenswert ist, dass die Ausstrahlung bereits für das Frühjahr 2015 geplant war, durch den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen allerdings verschoben wurde.

Klein, gelb und gefährlich lustig

Wenn man als Zuschauer bei einem Film achtzig Prozent dessen, was gesprochen wird, nicht versteht, dann ist das normalerweise ein Grund zum Abschalten. Das so etwas aber funktionieren kann, zeigen die kleinen gelben Kerlchen, die aussehen wie das Innere eines Überraschungseies. Die Rede ist von den Minions, deren erfolgreichen Film wir uns gestern Abend auf Blu-Ray angesehen haben.

Keine Frage, die Geschichte der Minions ist jetzt nicht sonderlich originell, aber die vielen kleinen Details, sind es wert gesehen zu werden. Es fängt eigentlich schon mit dem Vorspann an, in dem die Evolution der gelben Taucherbrillenträger gezeigt wird. Hier erklärt sich auch, warum sie sich stets Schurken als ihren Herren aussuchen und warum die dann meist keine große Überlebenschancen haben.

Weiter geht es im Stile eines Roadmovie mit den Minions Kevin, Stuart und Bob. Viel versteht man nicht von ihrer merkwürdigen Sprache, die wie ein Kauderwelsch aus Spanisch, Französisch und Englisch klingt, aber das ist auch nicht wichtig. Die Mimik und Gesten der Charaktere sind eindeutig und auch ohne Worte zu verstehen. Ihre Reise vom Südpol über New York und Orlando führt sie schließlich nach London, wo sie einer sehr agilen König Elisabeth die Krone klauen sollen. Bis Bob es schließlich gelingt, König Arthurs Schwert aus dem Fels zu ziehen und dafür die Krone verliehen bekommt. Scarlet Overkill die eigentliche Drahtzieherin der Aktion und von Kevin ausgesuchte neue Herrin der Minions findet das aber nicht so prickelnd und wirft nach Übernahme der Krone die drei gelben Freunde in den Folterkeller. Doch die Minions wären nicht die Minions, wenn es ihnen nicht gelänge, sich aus der ausweglosen Situation zu befreien und ihre »fast«Herrin tollpatschigerweise um die Ecke zu bringen, um am Ende doch noch den richtigen Herren (Gru aus »Ich einfach unverbesserlich«) zu finden.

Fazit: Die »Minions« ist ein liebevoll animierter Filmspaß, der einem geraden an traurigen Tagen wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Und am Ende glaubt man ihre eigensinnige Sprach sogar zu verstehen. Und bitte das kleine Filmchen nach dem Abspann nicht verpassen; die drei Minifilme auf der Blu-Ray ebenfalls nicht.