Teuflischer Gott

das-brandneue-testament_hochGott lebt in Belgien und er ist alles andere als nett. Eigentlich ist er ein gemeines Schwein, dass nicht nur seine Frau und Tochter tyrannisiert, sondern auch den Rest der Menschheit. Mit seinen Geboten erfindet er immer wieder neue Methoden, um die Menschen zu schikanieren, zu quälen oder sonst wie zu demütigen. Seine Tochter Éa, seit zehn Jahren im obersten Stockwerk eines Wohnblocks eingesperrt, hat schließlich die Nase voll. Von der Statue ihres Bruders Jesus ermuntert, flieht sie zu den Menschen. Doch zuvor legt sie Papas Computer lahm und die Todesdaten aller Menschen offen. Natürlich per SMS. So bekommt jeder auf der Welt mit, wann er sterben wird. Das verändert alles.

Doch Gott steigt seiner Tochter nach (in die Trommel einer Waschmaschine) und landet letztendlich selbst in der Realität der Menschen. Das, was eigentlich ein Paradies sein sollte, entpuppt sich als – unfreundlich und voller Gewalt. Genauso, wie er es konstruiert hat. Während er seine Tochter verfolgt, gerät er durch seinen fiesen Charakter immer wieder in Konflikte.

Tochter Éa sucht indes nach sechs Aposteln, um ein brandneues Testament zu schreiben und der sadistischen Herrschaft ihres Vaters ein Ende zu setzen – mit Erfolg.

Im Film »Das brandneue Testament« sind Gott und der Teufel in einer Person vereint. Ich frage mich gerade, was wohl ein gläubiger Mensch von dem Film halten mag. Wahrscheinlich würde er ihn als pure Blasphemie abtun. So respektlos wie mit dem Glauben umgegangen wird, mag er für hartgesottene Gläubige harter Tobak sein. Und doch steckt eine Menge Wahrheit in der Geschichte. Nicht nur über den Glauben selbst, sondern auch über das menschliche Zusammenleben. Egal, ob es um den Handy-Wahn oder die Vernichtung von Lebensmitteln geht. Die Kritik an der Gesellschaft ist bestens verpackt in surrealem Humor und einschlägigen Bildern, eindrucksvoll gespielt von bekannten Darstellern, wie Benoît Poelvoorde (»Nichts zu verzollen«) und Catherine Deneuve. Gleichfalls erwähnenswert ist die Darstellerin der Éa, die mit ihren zwölf Jahren eine beeindruckende Arbeit abliefert.

Der Film lief im vergangenen Herbst leider nur in wenigen ausgesuchten Kinos. In diesem Monat erschien die DVD und ich konnte mir den Film endlich ansehen. Entweder ich saß mit offenem Mund staunend davor oder lachte mich schlapp. Die belgisch-französisch-luxemburgische Komödie ist ein Beispiel dafür, dass skurrile Ideen und schwarzer Humor immer ihr Publikum finden. Bei mir hat es geklappt. Obwohl ich gern noch mehr von Jesus gesehen hätte, der von seinem Vater nur als »Weichei« bezeichnet wird. Leider ist er nur in zwei Szenen zu sehen.

Vertrauensbruch bei den Spezialisten

Quelle: ZDF

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Zersetzt«

Mit einem emotionalen Finale endet die erste Staffel der neuen ZDF-Vorabendserie.

Weil das Thema »Stasi« im deutschen Fernsehen bereits zu oft »aufgegriffen« wurde, ist es inzwischen auch dementsprechend »abgegriffen«. Es gibt darunter einige originelle Produktion wie beispielsweise »Deutschland 83«, aber der Rest hebt sich nicht sonderlich ab und ist für den Zuschauer inzwischen ermüdend. Nichtsdestotrotz haben die Macher der Serie versucht auch hier mit erhobenem Zeigefinger ein Zeichen zu setzen. Ob das einer Vorabendserie, die sich mit ungelösten Kriminalfällen beschäftig, gut tut, darüber kann man streiten. Es war zumindest streckenweise sehr unterhaltsam. Unteranderem auch deshalb, weil zumeist die Beziehungen zwischen den Hauptfiguren in den Vordergrund stand. Ob es dabei um Assistent Rufus Haupenthal und Kriminaltechnikerin Samira Vaziri ging oder um Hauptkommissar Mirko Kiefer und Rechtsmedizinerin Dr. Katrin Stoll. Zwischen letzteren beiden war endlich wieder die Spannung aus der Pilotfolge spürbar.

Katrin hilft einem jungen Mann, der nach 30 Jahren endlich den angeblichen Selbstmord seines Bruders (eines DDR-Punks) aufgeklärt haben will. Er glaubt, dass die Stasi seinen Bruder auf dem Gewissen hat. Da der damals heimlich Videos drehte, in denen Insassen von Jugendwerkhöfen von den menschenunwürdigen Erlebnissen berichten. Und weil die heutige Justiz eine Wiederaufnahme des Falles verweigert, hat Dr. Stoll Mitleid mit ihm. Sie riskiert damit nicht nur ihre berufliche Karriere, sondern setzt auch ihre Beziehung zu Mirko aufs Spiel. In Teamarbeit wird ermittelt. Jannik gräbt sich durch Berge von Stasi-Akten, Samira untersucht Küchenmesser, während Katrin und Mirko das Umfeld des Opfers unter die Lupe nehmen. Natürlich bleibt dem Hauptkommissar nicht verborgen, dass seine Freundin ihn angelogen hat. Er beantwortet den Vertrauensbruch mit seinem sofortigen Auszug aus der gemeinsamen Wohnung.
Am Ende klärt sich der Fall und der Bruder des Opfers hat endlich Genugtuung darüber, dass sein Bruder kein Verräter war. Doch zu welchem Preis. Die Beziehung zwischen Katrin und Mirko ist zerbrochen.

Endlich konnten die beiden Hauptdarsteller David Rott und Valerie Niehaus wieder einmal zeigen, was in ihnen steckt. In den vergangenen Folgen wirkten sie eher wie blasse Randfiguren. Dieses Mal fliegen die Fetzten und das ist für den Zuschauer interessanter als der Fall selbst.

Nach einer durchwachsenen Staffel mit Höhen und Tiefen bleibt zu hoffen, dass der Sender grünes Licht für eine weitere Folgen gibt. Nicht nur den Fans von David Rott zuliebe. Denn wenn sich die Drehbuchautoren auf die Konflikte zwischen den Hauptcharakteren konzentrieren, könnte noch viel mehr drin sein. Die richtigen Schauspieler dafür, haben sie jedenfalls.

Animation aus dem Ländle

Die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg ist schon seit zwei Jahrzehnten ein Garant für preisverdächtige Produktionen im Bereich Film und Animation. Viele Absolventen wechseln nach ihrem Abschluss über den großen Teich, um sich bei den großen Studios zu verdingen, eben weil der Markt für Spezialeffekte in Deutschland eher mager ist. Die Deutschen Filmindustrie geht in Sachen innovative »SpecialEffects« kein Risiko ein. Das heißt es wird in den wenigsten Fällen viel Geld dafür in die Hand genommen. Außerdem, wozu braucht man in einem Krimi auch schon groß Spezialeffekte?! So kann man auch Potential verschwenden – traurig aber war. Deshalb arbeiten so viele deutsche Animationskünstler in den Staaten, obwohl sie auch in Deutschland großartige Filme machen könnten, wenn die Produktionsfirmen ein bisschen mehr Mut zum Risiko beweisen würden. Vielleicht gäbe es dann auch schon längst einen PERRY RHODAN-Film.

Was die Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg alles so drauf haben, kann man an dem vierminütigen Abschlussfilm erahnen. Der bei zahlreichen Festivals eine Menge Preise gewonnen hat.

Notiz zum Marsianer

Es ist immer wieder schön, wenn man mitbekommt, dass das worüber man schreibt, jemandem von Nutzen ist. Da weiß man, dass man in diesem Fall alles richtig gemacht hat.

Worum es geht?

Johannes Kreis, dessen Archiv nicht nur für PERRY RHODAN-Fans eine Quelle an Information und Inspiration ist, sondern auch für all jene, die gern lesen, Filme anschauen oder Computerspiele spielen. Vieles ist dort aufgelistet, ausführlich beschrieben und bewertet; hin und wieder sogar durch Kommentare anderer Nutzer ergänzt. Das finde ich sehr nützlich. Denn inzwischen sehe ich erst im Kreis-Archiv nach, ob ein Film oder ein Buch, das ich kaufen möchte, schon verzeichnet ist und wenn ja, lese ich den Kommentar dazu. Erst dann entscheide ich, ob Buch oder Film angeschafft wird.

Mit meinem Blogeintrag zum »Marsianer« konnte ich mich jetzt bei Johannes revanchieren. Da er zuvor weder den Roman gelesen, noch den Film gesehen hatte, folgte er meiner Empfehlung und sah sich erst den Film an. Scheinbar, war das genau der richtige Tipp. Aber lest selbst! Der Marsianer im Kreis-Archiv.

Ich gebe hiermit das Dankeschön zurück!

Der Stoff aus dem der Kosmos ist

Quelle: Amazon
Quelle: Amazon

Der Physiker Brian Greene steht als Synonym für perfekt geschriebene populärwissenschaftliche Literatur. Sein Sachbuch »Das elegante Universum« habe ich mit großem Interesse gelesen. Zum Garching Con bekam ich von Rüdiger Schäfer den Tipp, ich solle mir doch die Verfilmung von Greenes zweitem Buch »Der Stoff aus dem der Kosmos ist« zulegen. Was ich tat und auch nicht bereute. Die Blu-ray enthält vier Folgen zu je 50 Minuten. In der Ersten geht es um »Zeit«, in der Zweiten um »Raum«. Folge 3 behandelt die »Quantenwelt« und Folge 4 beschäftigt sich mit der Theorie des »Multiversums«. Allen vier Filmen ist eines gemeinsam, in einer großartige Mischung aus Realfilm und Animation erklärt der Physiker höchstselbst komplexe physikalische Eigenschaften des Universums auf Basis aktueller Forschungsergebnisse. Und das so brillant, dass es selbst für Laien ohne Mühe zu verstehen ist. Ich kenne keine vergleichbare Produktion, die komplizierte Sachverhalte so spannend und verständlich erzählt.

Produziert wurde die Dokumentation in Kooperation mit ARTE und National Geographics, was eigentlich immer für Qualität bürgt. Vieles von dem Erklärten kannte ich zwar, hatte es aber noch nie so perfekt visuell umgesetzt gesehen. Interessant fand ich vor allem die vielen Kommentare der renommierten Wissenschaftler, deren Namen jedem Insider ein Begriff sind. Hier werden Pro und Contra zu provokativen Theorien diskutiert, ohne eine Meinung zu bevorzugen. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, ob er die Theorie annimmt. Spannend ist das allemal.

Fazit: Jedem naturwissenschaftlich interessierten Laien sei diese Dokumentation ans Herz gelegt. So umfassend und verständlich erklärt, bekommt man Astrophysik und Kosmologie selten präsentiert. Da macht lernen richtig Spaß, auch wenn man nicht mehr zur Schule geht.

Eine Geschichte zu den X-Akten

Ende der Neunzigerjahre gab es am Montagabend nichts wichtigeres als »Akte X« auf ProSieben. Meist versammelten wir uns im Wohnheimzimmer irgendeines Kommilitonen und verfolgen die Fälle von Mulder und Scully gemeinsam. Mystery war damals ganz groß in Mode und die X-Akten Kult.

Ich liebte diese Serie und nenne alle 9 Staffeln inklusive der zwei Kinofilme mein eigen. Deshalb freute ich mich auch, als ich erfuhr, dass es einen Neuauflage der Serie mit den alten Darstellern geben würde. Im Februar war es soweit und ProSieben strahlte die sechs neuen Folgen aus. Ich hatte ja meine Zweifel, ob das Experiment gelingen würde. Schließlich war inzwischen viel Zeit vergangen. Die Schauspieler waren sichtlich gealtert und man konnte nicht sicher sein, ob das Format heute noch funktionierte. Ich kann hier nur für mich sprechen und sagen, dass sich bei mir tatsächlich das bekannte Akte X-Feeling einstellte. Nicht alle Folgen waren herausragend, aber man erkannte die Serie wieder. Und wie immer war »Akte X« dann am besten, wenn es sich selbst nicht ernst nahm. Deshalb war meine Lieblingsfolge der 10. Staffel »Mulder und Scully gegen das Wer-Monster«. Als irritierend empfand ich allerdings die neue Synchronstimme von David Duchovny. Gerüchten zufolge soll ProSieben nicht bereit gewesen sein, auf das Angebot des bisherigen Sprechers Benjamin Völz einzugehen. Schade!

Die Staffel selbst endet mit einer ziemlich heftigen Folge und einem üblen Cliffhanger. Man wird sehen, was sich daraus entwickelt. Zumindest wurde schon mal die Nachfolge geklärt. Die Agenten Miller und Einstein, werden wohl den Staffelstab übernehmen, sollte die Reihe fortgesetzt werden. Obwohl mir die beiden Charaktere nicht wirklich sympathisch waren.

Anlässlich der Ausstrahlung der 10. Staffel habe ich die Kurzgeschichte hervorgeholt, die ich damals geschrieben habe. Es war mein einziger FanFiction-Beitrag zu »Akte X«. Ich habe sie ein wenig überarbeitet, die Rechtschreibung angepasst und in ein passendes Layout gesteckt, damit es auf den gängigen eBook-Readern gelesen werden kann. Ansonsten ist sie so, wie ich sie vor mehr als fünfzehn Jahren geschrieben habe.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen! Kritik und Kommentare zur Geschichte sind ausdrücklich erwünscht.

»Zukunft« eine »Akte X«-Kurzgeschichte

Flowerpower bei den Spezialisten

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Flowerpower«

Es ist offensichtlich, wie die Serienschreiber versuchen, zeitgeschichtliche Themen in der Vorabendserie unterzubringen. Ich finde das gut. In dieser Folge geht es um den Stellenwert der Frau in den Siebzigern. Für uns ist heute oftmals nicht mehr vorstellbar, was Frauen in den sechziger und siebziger Jahren erdulden mussten. Vor allem von ihren Familien und Ehemännern. Da passt der Fund einer Leiche aus dieser Zeit und die familiären Probleme die Rufus mit seiner Frau hat, perfekt zusammen. Damals war es die Frau, die daheim die Kinder hüten sollte und die sterben musste, weil sie ihr journalistischen Talent entfalten wollte. Und jetzt ist es Rufus, dessen Arbeit als Kriminologe darunter leidet, dass seine berufstätige Frau auf ihr Recht pocht und er die Kinder am Hals hat. Ein Folge, die uns Frauen mal wieder daran erinnert, welches Glück wir haben, heute so frei und ohne Restriktionen leben zu können.

Auf der anderen Seite erfahren wir wieder etwas mehr über Mirkos geheimes Doppeleben. Ich hoffe, dass dies in den nächsten Folgen weiter thematisiert wird, bietet es David Rott doch die Möglichkeit mit seinen schauspielerischen Leistungen zu glänzen. Die neue Kollegin von Mirko und Katrin gefällt mir weiterhin sehr gut.

Mein Fazit zu dieser Folge ist positiv. Eine spannende Vorabendserie wie diese, lockt sogar einen Fernsehmuffel wie meinen Mann vor den Fernseher.

Das einzige, was ich überhaupt nicht mag, ist der eingeschobene Werbeblock. Ich habe nichts gegen Werbung, aber von sechzehn Werbespots warben einer für einen Fotoanbieter, zwei für Schokolade und DREIZEHN für Medikamente und Gesundheitsprodukte. Mal davon abgesehen, dass man so genau erfährt, welche Zielgruppe man mit der Serie ansprechen will, finde ich es nicht ethisch, Menschen mit Werbung für Medizinprodukte einzulullen. Viele ältere Leute nehmen eh schon zu viele Medikamente. Diesen Aspekt finde ich mehr als ärgerlich.

Eine Lektion für einen Autor

Quelle: Amazon
Quelle: Amazon

Es ist schon erstaunlich, in wie vielen Filmen es um Schriftsteller geht, die mal mehr, meistens aber weniger erfolgreich sind. So auch im Film »Wie schreibt man Liebe«.

Der Oscarprämierte Drehbuchautor Keith Michaels hat seinen Höhepunkt längst überschritten. Nach mehreren Flops und einer Scheidung steht er kurz vorm finanziellen Ruin. Sein einziger Ausweg scheint einen Dozentenstelle an einer unbedeutenden Universität an der Ostküste zu sein. Michaels nimmt die Stelle an, obwohl er der Meinung ist, dass man Schreiben nicht lernen kann und Talent das einzige ist, was man braucht, um Schriftsteller zu sein. Vor Ort schlittert er erst einmal in eine Affäre mit einer blutjungen Studentin und gerät mit einer einflussreichen Kollegin aneinander. Aber auch sein Unterricht läuft alles andere als glatt. Wenn da nicht die aufgeweckte Holly wäre. Die Mutter von zwei Kindern ist davon überzeugt, dass man alles lernen kann und überredet Keith, sie in seinen Drehbuchkurs aufzunehmen. Von da an beginnt er zu verstehen, dass Schreiben mehr als nur Talent ist.

Ich mag Filme mit einer klaren Botschaft und ich mag die etwas unbeholfene Art von Hugh Grant. Grund genug für mich den Film zu kaufen. Ich wurde nicht enttäuscht. Die lockere Komödie mit vielen sympathischen Darstellern mag kein großen Kino sein, aber sie unterhält. Sie vermittelt außerdem ein paar Weisheiten zum Schreiben und gibt Einblick in die Probleme von Hollywood-Autoren. Es ist ein menschlicher Film über die Kluft zwischen Träumen und Realität und wie man diesen Abgrund überwinden kann.

Marisa Tomei und Hugh Grant sind kein Traumpaar, zeigen aber, dass zwei Menschen jenseits ihrer Jugend durchaus noch Träume haben dürfen.

Zoomagination

Quelle: Wikipedia

Trotz des lustigen Trailers war ich anfangs skeptisch. Wie kitschig würde der Film sein und könnte er eine klare Botschaft vermitteln? Schließlich handelte es sich nicht um einen Pixar-Film, sondern um einen reinen Disney-Film. Wobei Pixar damals ja eigentlich Disney gekauft hat und nicht umgedreht, aber das ist eine andere Geschichte.

Am Samstag konnte ich mich dann im Kino überzeugen und war am Ende echt angetan. »Zoomania« ist nicht nur ein lustiger und aufwendiger inszenierter Animationsfilm, sondern er kommt mit einer höchst aktuellen und ziemlich konkreten Botschaft daher.

In einer Welt ohne Menschen haben sich die Säugetiere weiterentwickelt. Sie tragen Kleidung und leben in friedlicher Koexistenz zusammen. Die Raubtiere fressen keine Beutetiere mehr, sondern … Na, ja, dass wurde nicht so richtig thematisiert, aber egal. Die meisten leben in der großen Stadt Zoomania. Die Häsin vom Lande, Judy Hopps, will unbedingt Polizistin werden, obwohl ihr jeder einzureden versucht, dass Hasen dort nichts zu suchen haben. Sie lässt sich nicht beirren und arbeitet hart an sich, bis sie es schafft und in den Innenstadtbereich des ZPD (Zoomania Police Department) versetzt wird. Doch der Traum zerplatzt an den Anfeindungen der aus großen starken Tieren bestehenden Kollegen. Sie muss als Politesse Strafzettel verteilen, statt Verbrecher jagen. Wenn da nicht der Kleinganove und Fuchs Nick Wild wäre. Durch ihn wird sie in den größten Entführungsfall Zoomanias verwickelt und kann ihn lösen. Die »entführten« Raubtiere verhalten sich wie ihre wilden Vorfahren und wurden deswegen weggesperrt. Doch damit beginnen die Probleme erst. Denn plötzlich gelten alle Raubtiere als böse und sehen sich systematisch Vorurteilen ausgesetzt. Die Bevölkerung Zoomanias bekommt einen tiefen Riss und das so hochgelobte friedvolle Zusammenleben ist dahin. Judy zieht sich enttäuscht ins Dorf ihrer Kindheit zurück und arbeitet auf der Möhrenfarm der Eltern. Bis zu dem Tag an dem sie erkennt, dass hinter den Entführungen mehr steckt, als sie geglaubt hat. Zusammen mit Nick Wild versucht sie die wahren Schuldigen zu entlarven.

Wer anfangs glaubt, dass es sich hier um das Märchen vom Tellerwäscher handelt, der zum Millionär wird, nur weil er hart an sich arbeitet, täuscht sich. Auch wenn immer wieder propagiert wird, dass man alles werden kann, wenn man es nur genug will. So ist das nicht die Kernaussage des Films. Denn Judy Hopps erfährt sehr schnell, dass das Arbeitsleben kein Zuckerschlecken ist. Vor allem nicht, wenn man bei der Polizei arbeitet als Kleine unter Großen, da werden Klischees gewälzt und Vorurteile gepflegt. Die eigentliche Botschaft ist im Grunde eine andere. Es geht um die Vorurteile zwischen Raubtieren und Beutetieren. Denn erstere sind in der Minderheit und stehen plötzlich im Fokus. Unschuldig dem Hass und den Vorurteilen ausgeliefert. Es ist ungemein spannend, wie aktuell dieses Thema ist und wie es von den Figuren transportiert wird. Denn am Ende entpuppen sich die Braven als die Bösen. Und witzigerweise sind es mal wieder machtbesessene Politiker, die Arges im Schilde führen.

Es sind vor allem die liebevoll erzählten Details, die den Film besonders machen. Judys Ankunft mit dem Zug erinnerte mich stark an »Die Tribute von Panem«. Der Nudisten-Klub, in dem die Tiere keine Kleidung tragen, war ein echter Seitenhieb auf die amerikanische Prüderie. Die Sache mit den Faultieren in der Zulassungsbehörde richtete sich gegen alle Beamten der Welt. Was für grandiose Ideen!

Ich bin immer noch völlig hin und weg. Diesen Film werde ich mir sicher noch öfter ansehen.

Was ich aber so gar nicht verstehe ist, warum man für den Film drei Titel braucht. Im Original heißt er »Zootopia«. Aber, weil man wohl glaubte, dass die deutschen Zuschauer die Kombination aus Zoo und Utopia nicht verstehen, machte man für den deutschen Markt »Zoomania« (also Zoo und Manie – wegen der wilden Tiere) daraus. Während der Film in Großbritannien »Zootropolis« heißt. Seltsame Logik.

Zu viel gewollt

Die Spezialisten – Im Namen der Opfer, »Miss Mai 88«

Ich gebe zu, dass mir die Rezension zu dieser Folge von »Die Spezialisten« echt schwer fiel. Schon beim Anschauen war ich die erste Viertelstunde komplett verwirrt. Wer jetzt was vertuschen wollte, ist mir bis zur Hälfte der Folge nicht richtig klar geworden. Überhaupt war die Handlung entgegen der bereits ausgestrahlten Episoden weniger stringent. Zu viele Gesichter und zu viele extra Handlungszweige, die dafür sorgten, dass man sich als Zuschauer leicht überfordert fühlte. Da war zum einen die Trauer im Team über die verstorbene Inga Biehl, dann die neue Mitarbeiterin vom BKA, die auch noch eine Verflossene von Mirko Kiefer ist. Dazu der Fall, der ziemlich undurchsichtig daherkam und in dem es um eine junge Frau ging, die 1988 ermordet worden war. Der Verurteilte wurde zum Justizopfer, weil der damals ermittelnde Beamte geschmiert wurde und Beweise fälschte. Eine Abteilungsleiterin, die sich in die laufenden Ermittlungen einmischt, um den Ruf ihres Ex-Chefs zu wahren. Das alles mit reichlich männlicher Beteiligung und vielen Klischees gewürzt, sorgte für ein ziemliches Durcheinander, welches der Episode nicht gut tat.

Besonders schlimm fand ich persönlich die Szene, als Dr. Kathrin Stoll Inga Biehls Leiche vor den Studenten obduzieren musste. Das hätte man, Bitteschön, sowohl den Zuschauern, als auch den Charakteren ersparen können.

Nein, diese Folge hat mich nicht überzeugt, da half nicht mal David Rott, der diesmal eher farblos wirkte und in der Fülle der Darsteller verloren ging. Die ambivalente Beziehung zwischen Mirko und Kathrin scheint auf der Stelle zu treten. Die wenigen gemeinsamen Szenen überzeugten mich dieses Mal nicht. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass es ein riesiger Fehler war, die beiden schon in der ersten Folge gemeinsam ins Bett hüpfen zu lassen.
Der Episode fehlte eindeutig der rote Faden. Man wollte zu viel und hat sich in der Handlung verzettelt.