Mutanten und andere Zwistigkeiten

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO Band 136 – »Tod eines Mutanten« von Rainer Schorm

Ich gebe offen zu, dass ich die Lektüre dieses NEO-Romans vor mir hergeschoben habe. Nach den schlimmen Ereignissen aus den letzten Romanen, dem martialischen Titel und mit dem Wissen, dass mir Rainer Schorms Schreibstil nicht sonderlich liegt, kostete es mich einige Überwindung den Roman zur Hand zu nehmen. Nun habe ich es getan und habe den Eindruck, dass auch die Autoren nicht unbedingt Gefallen an der aktuellen Zyklushandlung haben. Nicht anders sind die Worte, die Rainer Schorm seinen Protagonisten in den Mund legt, zu verstehen. Da steckt viel Kritik zwischen den Zeilen, berechtigt wie ich finde und das macht mir den Roman gleich wieder sympathisch.

In vier Handlungssträngen führt der Autor die Handlung auf der Erde und in M15 weiter. Zwei Handlungsstränge haben Julian Tifflor im Fokus. In einem geht es um Daten, die das Hippokratische Protokoll von Dr. Brömmers aufzeichnet. Durch die Augen des Erkrankten erfahren Tifflor und der Leser, was der Kybernetiker sieht und denkt. Die kurzen Einschübe sind mitunter etwas verworren formuliert und wirken nach dem dritten Mal wie Füllmaterial. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, versuche ich gar nicht erst zu verstehen, wie ein Mensch mittels eines Funksignals über mehrere Relaisstationen auf das Gehirn eines anderen zugreifen kann. Die Technik wird an dieser Stelle nicht hinreichend erklärt. Das klingt wie technisch gestützte Telepathie und könnte eigentlich jeden zum Telepathen machen.

Spannender ist dagegen der zweite Handlungsstrang um Julian Tifflor. Nicht nur das er dabei ist, als die TERRANIA die Botschaft von Mirona Thetin entdeckt, nein er stürzt sich auch wieder in einen Einsatz auf der Erde, um eines der Bauwerke der Sitarakh zu zerstören. Das wäre jetzt der wievielte Versuch? Dieses Mal gelingt das Manöver, auch wenn dabei wieder viele Zufälle aus dem Hut gezaubert werden. Rainer Schorm gibt sich zumindest Mühe alles einigermaßen zu erklären, wobei auch hier immer wieder Kritik des Autors durchklingt. So stutzt Tifflor die stellvertretende Administratorin Cheng Chen Lu zurecht, als die mit ihm und den Mutanten in den Einsatz auf die Erde gehen will. Er lehnt es ab, sie mitzunehmen, da sie nur ein Hindernis wäre und sie als einzige einsatzfähige Regierungsangehörige auf der TERRANIA am sichersten ist. Ja! Genauso sehe ich das auch.
Gut fand ich die Beschreibungen von NYC. Man merkt, dass sich der Autor auskennt. Schorm weiß, wovon er schreibt und hält sich nicht mit blumigen Beschreibungen von dahinvegetierenden Menschen auf. Wobei ich immer noch nicht ganz begreife, wieso manche Terraner noch einigermaßen klar im Kopf sind, während sich andere schon im Delirium befinden oder tot sind. Dazu wäre es schön, wenn in den nächsten Romanen nähere Angaben gemacht würden.

Die Bestie Masmer Tronkh will also wirklich nur Rache an Perry Rhodan nehmen und zerstört dafür die Heimatwelt des Terraners. Das Motiv finde ich wahrlich etwas dünn und hätte mir mehr erhofft. Noch schlimmer finde ich aber, dass die Sitarakh offenbar nur ein Hilfsvolk sind, das Tronkh für seine Zwecke benutzt und sie sich von ihm widerstandslos herumkommandieren lassen. Warum sie dann jedoch Interesse daran haben, herauszufinden wieso das Halaton bei den Menschen Mutationen hervorruft, vermag ich nicht zu verstehen. Denn das steht im krassen Gegensatz zu ihrer Hörigkeit der Bestie gegenüber. Dafür ist mir aber eines verständlicher geworden: warum die Sitarakh die Menschen weiterhin ihren Geschäften nachgehen lassen, ohne sie groß zu behindern – selbst die Terranische Flotte kann sich scheinbar ungehindert im System bewegen – die Menschen sind ihnen egal. Außer die Sache mit den Mutationen sind sie für die Sitarakh uninteressant.

Der Handlungsstrang mit Tuire und Ishy bringt ebenfalls einige Neuigkeiten über die Sitarakh, wobei auch hier die Logik wieder im Argen liegt. Die Sitarakh können also entstofflicht im Hyperraum existieren. Da stellt sich die Frage, warum tummeln sie sich überhaupt in dieser Realität? Warum verlassen sie den Hyperraum, wenn das ihr angeborener Lebensraum ist? Das ganze erinnert mich ein wenig an Spezies 8472 aus STAR TREK-VOYAGER, mit dem Unterschied, dass diese wenigstens einen Grund hatten, weshalb sie ihre angestammte Umgebung (den fluiden Raum) verlassen haben – weil sie gestört wurden.  Auch hätte Tuire wissen müssen, dass die Sitarakh die Para-Energie der Mutanten anmessen können. Warum hat man sie nicht gleich ins Terrania Medical Center gebracht, sondern erst in die Fabrik? Das hätte Olf Stagge das Leben gerettet. Der ganze Handlungsstrang macht auf mich einen sehr konstruierten Eindruck.

Kommen wir zur Handlung in M15. Das beste daran ist, dass alles aus Atlans Perspektive im bekannten Ich-Präteritum erzählt wird, inklusive der Auseinandersetzungen mit dem Extrasinn. Zumindest hier fühlt sich der Perryfan heimisch. Die Handlung ähnelte der von Band 134 wobei Rainer Schorm mit den Zwistigkeiten zwischen den Protagonisten ein wenig übertreibt. Das ist stellenweise wie eine Schlacht mit Worten und untergräbt zuweilen die Ernsthaftigkeit der Handlung.
Die Sache mit den Würmern und den Geoden in denen die Wurmbabys sitzen, hat mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert. STAR TREK lässt grüßen. Da »rettet Horta ihre Kinder« im wahrsten Sinne des Wortes. Es fehlte nur noch das »Schmerz!«, welches Spock bei Kontakt mit der Kreatur ausgerufen hat.
Atlan gehen dagegen ganz andere Dinge durch den Kopf. Und auch hier wurde ich das Gefühl nicht los, dass der Autor an den Exposéautoren offene Kritik übt. »Dass ich mit Rhodans Entscheidungen in zunehmenden Maße nicht mehr einverstanden war, erwähnte ich nicht … Aber die Flucht vor den Sitarakh war mir ein Dorn im Auge … Dass er nun, anstatt nach Arkon zu fliehen, Avandrinas Anliegen vorzog, nahm ich ihm unverändert persönlich übel.« Dem kann ihm nur zustimmen. Ich hielt es von Anfang an nicht richtig, dass sich Rhodan aus dem Staub gemacht hat. Wenn da mal nicht der Autor durch Atlan spricht.
Leyden und sein Team bekommen zwar Arbeit, stehen in diesem Roman aber eher im Hintergrund. Wobei ich in den vergangenen Romanen anscheinend nicht mitbekommen habe, dass die Spannungen zwischen Abha und Luan so zugenommen haben, dass sie jetzt schon nicht mehr miteinander reden.

Fazit: Keine Frage »Tod eines Mutanten« ist spannend geschrieben. Rainer Schorm vermag qualitativ zu überzeugen. Er bemühte sich mit eher zweitklassigen Ideen dem Roman Leben einzuhauchen. Nur fühlte ich mich an manchen Stellen von dem technischen Vokabular erschlagen, dass der Autor sehr gut beherrscht und einzusetzen weiß. Der Humor in den vielen Streitgesprächen, die sich durch alle Handlungsebenen ziehen, ist oft sehr zynisch. Ich bin mir nicht sicher, ob der Autor damit seinen Unmut bekunden wollte, oder es ein hilfloser Versuch ist, dem todernsten Thema des Zyklus‘ eine heitere Seite abzugewinnen.

Das Beste am ganzen Roman ist jedoch das Cover von Dirk Schulz. Von der Dynamik her ist es absolut stark.

 

Die fliegende Maus

Quelle: Amazon.de
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Vor ein paar Monaten besprach ich an dieser Stelle das Buch »Armstrong« von Torben Kuhlmann. Das Kinderbuch in dem es um die Reise einer Maus zum Mond ging, hat mir sehr gut gefallen. Wobei es mir vor allem die Aquarellzeichnungen angetan haben.

Genauso so schön und lebensecht gezeichnet ist auch der Vorgängerband »Lindbergh«. Die üppig bebilderte Geschichte erzählt von einer Maus, die sich auf die Suche nach ihren Freunden macht und dazu ein Flugzeug bastelt, mit dem sie den Atlantik überquert. Das dabei nicht alles glatt verläuft, versteht sich von selbst. Denn im Hamburg um die Jahrhundertwende haben Mäuse viele Feinde. Ob nun die Katzen, die die Schiffe der Auswanderer bewachen, oder die Eulen, die auf den Schornsteinen der Häuser auf die kleinen Nager lauern oder die Erfindung der Mausefalle, all das wird in wunderschönen Bildern lebendig. Manchmal wirken die Bilder so echt, das man hineingreifen möchte.

»Lindbergh« war Torben Kuhlmanns Abschlussarbeit und wurde zu Recht mit vielen Buchpreisen ausgezeichnet. Ein Bilderbuch an dem nicht nur Kinder ihre Freude haben.

Nur Angst vor Mäusen sollte man nicht haben.

Perry, Perry und nochmals Perry

In den letzten zwölf Monaten habe ich mich eigentlich mit nichts anderem beschäftigt, als mit PERRY RHODAN. Es ist ja schön, ein erfüllendes Hobby zu haben, aber manchmal möchte man auch mal etwas anderes sehen und hören und vor allem lesen. Die PERRY RHODAN-Redaktion hat den Lesern in diesem Jahr eine immense Fülle an Publikationen geboten, die ich fast schon ein bisschen erdrückend finde. Ich weiß, ich weiß, das Geschäftsleben ist hart vor allem im Buch- und Zeitschriftenhandel. Man muss präsent sein und publizieren was geht, um die Marke zu erhalten. Doch die Auswahl für die Leser, die möglichst alles von ihrer Lieblingsserie aufsaugen möchten, war in diesem Jahr besonders groß.

Neben der seit 1961 laufenden Erstauflage (EA), die heuer mit Band 2875 in einen neuen Zyklus startete, gibt es noch PERRY RHODAN NEO, der »Reboot« aus dem Jahr 2011. Zu 55 Jahren EA kommen also 5 Jahre NEO; das bedeutet nicht nur jede Woche einen neuen Heftroman, sondern zusätzlich alle vierzehn Tage ein NEO-Taschenheft mit dem doppelten Umfang wie ein Heftroman. Und um Lesern den Einstieg in die Serie zu erleichtern, bringt der Verlag regelmäßig abgeschlossene Miniserien in 12 Heften heraus. Anfang des Jahres startete auf diesem Weg »ARKON«, die Serie habe ich im Blog besprochen. Gleich darauf schloss sich ohne Pause »JUPITER« an, die Serie, die in dieser Woche ein Ende finden wird. Und als wäre das nicht genug, gab es im Oktober und November noch eine sechsteilige E-Book Serie mit dem Namen »TRIVID«. Vergessen wir nicht die Silberbände, die mehrmals im Jahr erscheinen und in denen frühere Romane der EA zusammengefasst und überarbeitet abgedruckt sind.

Ich weiß ja nicht, wie die PR-Redaktion in Rastatt das hinbekommt. Wahrscheinlich verfügen die Mitarbeiter über Mutanten-Fähigkeiten oder Geräte zur Zeitmanipulation. Ich lese momentan parallel zu NEO auch »JUPITER«, »TRIVID« und den Silberband »Lemuria«, was mich komplett vereinnahmt. Ich würde ja gern auch einzelne Romane der EA lesen, wie zum Beispiel die von Robert Corvus, aber das bekomme ich zeitlich einfach nicht auf die Reihe. Ich schaffe es ja nicht mal die »JUPITER«-Romane zu rezensieren, dabei gefallen mir die Hefte richtig gut.

Ich hoffe, dass man in der Redaktion den Lesern über den Jahreswechsel eine kleine Pause schenkt, man selbst durchatmet und die nächste Miniserie erst später in 2017 startet. Dann könnte ich endlich mein Lesedefizit aufholen und auch mal wieder etwas anderes lesen als über Perry und seine Freunde. Die STAR TREK »Prometheus«-Reihe von Christian Humberg und Bernd Perplies zum Beispiel. Wenn es schon STAR TREK aus Deutschland gibt, dann sollte man das als Fan auch gelesen haben.

»Durch die Wüste«

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO Band 135 – »Fluch der Bestie« von Susan Schwartz

Eigentlich hatte ich erwartet, dass der Band mit der Nummer 135 von Rüdiger Schäfer kommen würde, weil er in den vergangenen Staffeln immer die fünfer und nuller Romane geliefert hat. Anscheinend wurde das Muster in dieser Staffel durchbrochen. Der »Fluch der Bestie« kommt leider aus der Feder von Susan Schwartz. Ich sage leider, weil mich bereits ihr letzter NEO-Roman nicht so richtig vom Hocker reißen konnte. So werden auch hier meine Befürchtungen bestätigt. Dabei kann die Autorin zum Teil gar nichts dafür. Es ist im Grunde das Szenario um die Sitarakh, welches mich zunehmend stört. Und das Susan Schwartz nur die, von den Exposéautoren vorgegebene Staffelhandlung vorantreibt, deshalb kann man ihr keinen Vorwurf machen. Sie tut ihr Bestes und versucht den Leser in fremde – irdische – Welten zu entführen, kommt dabei aber nicht ohne Klischees aus. Der Weg von Julian Tifflors Gruppe durch die Rub al-Chali ist von den Fakten zwar interessant, für mich als Leser, der Science Fiction erwartet, aber irritierend. »Karl May trifft NEO« könnte man den Roman betiteln. Dabei riskieren die Mutanten und der Arzt ihr Leben, für nichts und wieder nichts. Dieses Hin und Her ist inzwischen ziemlich frustrierend. Die Invasoren sind übermächtig, ihre Ziele unklar und die Menschen sind ihnen absolut ausgeliefert. Dazu eine auf Rache sinnende Bestie. Worauf das hinausläuft, kann ich mir schon ausmalen. Da muss am Ende eine ziemlich große Deus ex machina Lösung her, um das wieder aufzulösen.

Der Handlungsstrang um Tuire und Ishy las sich dagegen wie ein Zombie-Film. Ich weiß nicht, wer sich da von »The Walking Death« inspirieren ließ, aber das ist eigentlich das Letzte, was ich in einem NEO-Roman lesen will. Für meinen Geschmack versuchen die Expokraten auch viel zu viel in NEO zu verwursteln. Neben ES und Anti-ES zaubern sie nun noch die Aphilie und Whistler aus dem Zylinder. Darunter ging’s wohl nicht?

Dieses Mal reicht das Rätselraten von Eric Leyden in der Handlung auf der LESLIE POUNDER (Bitte, gebt dem Schiff einen anderen Namen) nicht aus, um meinen Frust zu besänftigen. Guckys Einsatz wirkt bemüht und die Liduuri Avandrina erwacht gerade rechtzeitig, um ein paar Anhaltspunkte zu liefern, um dann wieder wegzudämmern. Es scheint, als haben sich die Expokraten in eine Sackgasse geschrieben, aus der sie nun nur noch mit Tricks wieder herauskommen. Ich habe wenig Hoffnung für die nächsten fünf Romane, dass sie das noch einigermaßen glaubhaft auflösen können.

Überhaupt, die Hoffnungslosigkeit und das permanente Sterben in den vergangenen Romanen, stört mich inzwischen massiv. Wenn das so weitergeht, überlege ich ernsthaft, ob ich aus der Serie aussteige. Wir werden täglich mit schlechten Nachrichten und Gewalt überschüttet. In Filmen und Serien folgt eine Dystopie der anderen. Dann will ich nicht auch noch in meiner Lieblingsserie lesen müssen, wie Millionen von einer Seuche dahingerafft werden oder in Sandstürmen und Tsunamis umkommen. (Wenn es ihnen um die Beseitigung der Menschheit ginge, hätten die Sitarakh auch sofort alles Platt machen können.) Wir brauchen positive Visionen, um gegen unsere hoffnungslose Realität anzukämpfen und keine weiteren Katastrophenszenarios, nur weil das gerade »IN« ist.

Der Reportagenhafte, treibende Stil der Autorin macht es nicht besser, dafür klingt es zu sehr nach früher EA. Es gibt sicher viele Fans, denen es gefällt, wenn die Handlung schnell vorangetrieben wird, mir fehlt dabei etwas. Ich vermisse den Bezug zu den Figuren, das Innehalten und Reflektieren über Empfindungen. Ich will nicht sagen, dass der Roman lieblos geschrieben ist, aber er packt mich einfach nicht. Die Sätze plätschern an mir vorbei und ich ertappte mich dabei, manche Passagen nur quergelesen zu haben.

Ich mach’s kurz. Ich bin zutiefst enttäuscht. Der Roman stellt einen neuen Tiefpunkt in der Serie dar, an dem Susan Schwartz nur bedingt Schuld ist. Das einzig Positive: ich weiß jetzt eine Menge über die Wüste und wie man ein Kamel (Dromedar) reitet.

Ein Film mit Bob

Ein Buch, das mich 2014 besonders gerührt hat, war die Geschichte um Bob den Streuner und seinem Herrchen James Bowen. Bob der Kater hat dem jungen Exjunkie James zu einem neuen Leben verholfen und einem Buch, das monatelang die Bestsellerlisten anführte. Da lag es eigentlich nahe, dass sich irgendwann jemand findet, um die Geschichte zu verfilmen. Demnächst kommt der Film ins Kino. James Bowen wird von Luke Treadaway gespielt. Der eigentliche Star, Kater Bob, spielt sich selbstverständlich selbst.

Seit ich meinem Vater von dem Film erzählte, will er wissen, wann der Streifen ins Kino kommt, weil er ihn unbedingt ansehen will. Das soll schon was heißen, denn mein Vater war bestimmt seit zwanzig oder mehr Jahren nicht im Kino. Aber auch ich bin schon gespannt, wie die Geschichte umgesetzt wurde.

Damit die Zeit bis zum Kinostart nicht allzu lang wird, poste ich hier den Trailer.

NEO: zwischen Wildschweinen und Drachen

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO Band 134 – »Das Cortico-Syndrom« von Madeleine Puljic und Kai Hirdt

Einen soliden Roman legen Kai Hirdt und Madeleine Puljic vor. Da ist alles drin, was man von einem NEO erwartet. Spannung, gut gezeichnete Figuren, ein paar wissenschaftliche Fakten, alles gewürzt mit einer Prise Humor ist »Das Cortico-Syndrom« leichtere Kost als sein Vorgänger. Die Handlung konzentriert sich einerseits auf die Erde, auf der das Team um Julian Tifflor versucht herauszufinden, warum die Menschen nicht schlafen können. Andererseits führt uns die Handlung auf die LESLIE POUNDER. Hier erleben wir Eric Leyden und seine Wissenschaftler beim Rätseln, was es mit den weißen Welten auf sich hat. Während Rhodan, Schablonski und Rainbow zusammen mit zwei Jungspunten auf Chay landen, um die Proben der Hyperkristalle zu bergen. Im dritten, sehr kurzen, Handlungsstrang können sich Tuire und Ishy gerade noch rechtzeitig aus ihrer prekären Lage im Orbit befreien. Die Aktion erinnerte ein bisschen an eine Mischung aus »Der Marsianer« und »Gravity« war aber gut gelöst. Nachdem die beiden mit dem Weltraumlift in Terrania gelandet waren, stellte ich mir die Frage, ob die Schlaflosigkeit auch an Bord der Orbitalstation herrscht.

Sie Handlung ist dicht, temporeich und homogen. Man merkt dem Roman nicht an, dass er von zwei Autoren geschrieben wurde. Wobei ich glaube, dass Kai den Leyden-Teil übernommen hat. Ein Satz wie: »… Sie fragte sich, ob das brillante Hirn des Hyperphysikers sich aufgehängt hatte und wie man ihn wohl im Zweifel rebooten konnte …« kann eigentlich nur von ihm kommen. Während ich die Handlung um Tifflor und Rainbow eher Madeleine Puljic zuordne. Wildschweine und Drachen, sind eben mal was Neues bei NEO, wobei ersteres sehr gut passt, hatte ich bei den Drachen so meine Schwierigkeiten. Wovon leben die auf einem brennenden Planeten, nur von Energie?

Die Staffelhandlung wurde auf jeden Fall vorangebracht. Man erfährt ein bisschen mehr über das Funktionieren der weißen Welten, wird im Falle der Ziele der Sitarakh aber immer noch im Dunkeln gelassen. Gut gefiel mir, dass ein paar irdische Theorien angebracht wurden. Bei dem Begriff »stimmloser palatarer Frikativ« stutzte ich, grinste dann breit und googelte. Das gibt’s tatsächlich, somit erhielt ich nebenbei noch eine Lehrstunde in Linguistik.

Das bei der Handlung auf der Erde immer wieder bekannte Orte eine Rolle spielen, die man auf dem ersten Blick nur schwer mit Science Fiction in Verbindung bringt – in diesem Fall Strasbourg – ist ebenfalls erfrischend. Auch wenn ich Julian Tifflor nicht verstehe, warum er die offensichtlich angeschlagene Politikerin weiterhin mit sich herumschleppt. Sie ist definitiv ein Klotz am Bein und hat in dem Fall die Mission und ihn selbst in Gefahr gebracht, ohne das sie für das Team nützlich wäre.

Der Roman ist nicht herausragend aber befriedigend. Schon allein wegen der Szenen mit dem Leyden-Team ist »Das Cortico-Syndrom« lesenswert! Für ihr NEO-Debüt hat Madeleine Puljic anständige Arbeit geleistet. Prima!

Temporale Winkelzüge

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO Band 133 – »Raumzeit-Rochade« von Michael H. Buchholz

Genial! Anders kann ich den Roman des (Mit)Exposéautors nicht bezeichnen. Da war alles drin, was das Herz eines SF-Fans höher schlagen lässt: Zeitreisen, fremde Raumschiffe und Technologie, phantastische Welten, überlegene Entitäten und vielschichtige Protagonisten. Der Roman hat mir zwei Tage lang spannende Lesestunden beschert. Ich habe ihn extra über zwei Tage verteilt gelesen, damit ich länger etwas davon habe.

Ich gebe ja zu, dass ich nach dem letzten Band einige Befürchtungen hegte, was die Zukunft der Serie angeht. Da verlief vieles nicht so, wie ich mir das gewünscht oder vorgestellt hatte. Doch der Nachfolgeband hat mich komplett umgehauen. Wie aus einer anderen Welt ist die Handlung nicht nur spannend, sondern auch intelligent verstrickt. Mehrere Handlungsstränge auf verschiedenen Zeitebenen, da muss man erstmal den Überblick behalten. Überraschend das Auftreten eines Widersachers von ES (Anti-ES), aber auch die Vergangenheit von Tuire Sitareh birgt Bemerkenswertes. Dazu die Kapitel aus dem Wilden Westen, die sich wie eine Mischung aus »Billy the Kid« und »Die glorreichen Sieben« lesen. Hätte man mich vorher gefragt, ob eine Verbindung zweier so unterschiedlicher Genres funktioniert, hätte ich nur den Kopf geschüttelt. Aber Michael H. Buchholz hat nicht nur bewiesen, dass es funktioniert, sondern es auch brillant umgesetzt.

Auch wenn ich am Anfang meine liebe Not mit den verschiedenen Start- und Zielzeiten hatte, so bin ich dann doch gut mitgekommen, ohne mir einen Zeitstrang malen zu müssen. Es werden viele offenen Fragen aus den ersten beiden Staffel beantwortet. Vor allem lüftet der Autor das Geheimnis um die Szenen aus Band 116. Die Information zu den Zeitbrunnen, die als die »Alten Wege« bezeichnet werden, ließen mich hellhörig werden. Technologie, die aus einer Zeit vor den Liduuri stammt. Ich frage mich, ob das ein Hinweis auf die Cappins werden soll.

Was mich etwas erstaunte, ist die Tatsache, das Mirona Thetin den Menschen quasi die Informationen zur Entstehung des Sonnenchasmas einfach so überlassen hat. Da fragte ich mich zunächst nach ihren Motiven. Aber wahrscheinlich tut sie es nur, um ihre Heimat Liduur zu schützen, weniger wegen der Menschen. Man kann spekulieren, ob und wie diese Informationen in die Hände der Terraner gelangen werden. Und ob sie damit das Chasma schließen können. Keine Erklärung bekommen wir über die Hintergründe und die Verursacher des Sonnenchasmas, da spannen uns die Exposéautoren weiter auf die Folter.

Die Entstehung des Rico-Dublikats am Ende hat mir ein breites Lächeln aufs Gesicht gezaubert, weil die Idee doch sehr stark an STAR TREK-TOS (»Kirk : 2 = ?«) erinnerte. Nur das dieses Mal kein Transporter sondern ein Transmitter involviert war.

Obwohl Tuire diese Geschichte Ishy Matsu erzählt, finden sich im Roman viele Kapitel aus der Sicht anderer Protagonisten (Anathema di Cardelah/Mirona Thetin, Rico oder Billy Ray Dawson). Das hat mich anfangs verwirrt, weil Tuire ihre Geschichte gar nicht kennen kann. Aber das war der einzige Schwachpunkt in dem rundum gelungenen Roman.

Fazit: Ein furioser Roman mit Anspruch, der mich sehr gut unterhalten hat. Er beantwortet viele offene Fragen und gewährt gleichzeitig einen Blick in die Zukunft der NEO-Serie. Ich möchte nicht jede Woche einen solchen komplexen Roman lesen, aber ab und zu muss das einfach sein.
Ebenso gelungen ist das Titelbild von Dirk Schulz: Tuire und die Dinosaurier. Genial!

Noch eine kleine Beobachtung am Rand. Mindestens einer der Exposéautoren liest die »PM«. Anders kann ich mir nicht erklären, dass mir manche wissenschaftliche Information irgendwie bekannt vorkommen, die in die Romane einfließen.  Das Bärtierchen (als Beschreibung für die Sitarahk genutzt) wurde zum Beispiel unlängst in einem PM-Artikel erwähnt.

Unmelodischer Untergang

Quelle: Perrypedia
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PERRY RHODAN NEO 132 – »Melodie des Untergangs« von Susan Schwartz

Ich bin mir nicht sicher, was ich von dem Roman halten soll. Einerseits ist er stellenweise spannend geschrieben, andererseits gibt es zu viele Dinge, die mich stören. Die ganze Geschichte wirkt auf mich wie Stückwerk, dass mehr schlecht als recht zusammengesetzt wurde.

Da ist zum einen der Prolog in Sankt Petersburg, bei dem die Klischees regelrecht von den Seiten tropfen. Das liest sich nicht nur sehr seltsam für einen NEO, sondern ich ärgerte mich über die stereotype Beschreibung des russischen Sohns und seines alten Mütterchens. Die Autorin versucht hier die russische Seele abzubilden, ohne sie verstanden zu haben. Vergleichbar, wie wenn man alle Deutschen Biertrinkend und in Lederhosen beschreiben würde. Das klingt bemüht, belehrend und alles andere als glaubwürdig.

Ich hoffe auch nicht, dass die Terranische Union ihre Mitglieder einfach machen lässt, ohne nachzuprüfen, ob sie die Gesetze der Union auch einhalten. Denn das hieße, dass die Union die Bürgerrechte nicht schützt. Das mag vielleicht für die jetzige EU gelten, aber nicht für eine Terranische Union unter Perry Rhodan. Reden wir auch nicht davon, dass ein russischer Präsident so skrupellos ist und atomare Sprengköpfe in geringer Höhe über einer Großstadt zu zünden. Zum Glück haben die Sitarahk Schirme an denen die Wirkung verpufft. Wahrscheinlich werden die Bomben vor der Explosion desintegriert. An dieser Stelle hätte ich mir eine präzisere Beschreibung des Vorgangs gewünscht. Denn wären die Bomben explodiert, hätte dort kein Stein mehr auf dem anderen gestanden.

Überhaupt, die Sitarakh sind jetzt also so eine Art Heuschrecken, die über das Sonnensystem herfallen und es ausbeuten. Das ist eine enttäuschend eindimensionale Beschreibung. Da frage ich mich, wieso sie dann die Menschen nicht sofort in einem einzigen Vernichtungsschlag beseitigt haben. Wenn es ihnen nur um Ressourcen geht, dann agieren sie viel zu zurückhaltend. Aber vielleicht gehören ja die Menschen für sie auch zu so einer Art Ressource. Das scheint sich zumindest abzuzeichnen. Der Auftritt der Bestie Masmer Tronkh war für mich am Ende etwas irritierend, macht aber neugierig.

Ich bin immer noch nicht glücklich mit dem Besatzungsszenario. Da ich zeitnah die NEO-Staffel »Kampfzone Erde« gelesen habe, stolpere ich allerorten über Parallelen. Die Reaktionen der Menschen mögen vielleicht besser beschrieben sein, als Frank Borsch das tat, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass es hier darum geht, auf Teufel komm raus Spannung zu erzeugen und dem ehemaligen Exposéautor zu zeigen: Schau mal her, so macht man das! Ich kann mich täuschen und hoffentlich tue ich das auch, aber ein fauler Beigeschmack bleibt.

Die Stirn gerunzelt habe ich über die Vizeadministratorin, die einfach mal ihre Stellvertreterin dazu verdonnert, die Stellung zu halten, damit sie mit Julian Tifflor in den Untergrund gehen kann. Somit ist sie nicht besser als Administrator Ngata, der sein Heil in der Flucht auf die LESLIE POUNDER suchte und nun dem Protektor und der Crew auf der Nase herumtanzt. Ich verstehe auch Rhodan nicht so ganz, wie er angesichts der unbekannten Bedrohung, die die Sitarakh darstellen, der Erde einfach so den Rücken kehrt. Die Diskussion und Abstimmung darüber wurde ohne hinreichende Informationen über die Situation im SOL-System geführt. Ich an seiner Stelle hätte mich zunächst rückversichert, bevor ich in den Kugelsternhaufen M15 aufgebrochen wäre. So könnte es leicht passieren, dass von Terra und dem SOL-Sytem nicht mehr viel übrig ist, wenn er irgendwann mit einer Befreiungsflotte zurückkehrt.

Bei der Flucht von Tifflor und den Mutanten spielen wieder zu viele Zufälle mit und die Information, dass die Bevölkerung inklusive Cheng Chen Li an Schlafmangel leiden, wird so oft unterschwellig angebracht, dass es mich irgendwann nervte.
Das gleiche gilt für Tuire Sitareh und Ishy Matsus Flucht vom Mond. Auch hier sind zu viele glückliche Zufälle im Spiel. Und eigentlich weiß man ja, dass sich unser »Wunderkind« Sitareh irgendwie da wieder heraus mogelt. In solchen Fällen kann man nur über das Innenleben der Figuren Spannung erzeugen. Ishy und Tuire bieten hierfür genügend Potential, das von der Autorin leider nicht genutzt wurde.

Über die vielen logischen und vor allem die Physik verspottenden Fehler – Druckwelle im Weltraum (da gibt es höchstens Strahlungsdruck oder herumfliegende Trümmer) habe ich großzügig hinweggelesen.

Einigermaßen interessant finde ich die Handlung um die Liduuri und Achantur. Die Idee mit der Hyperraumblase ist reizvoll, auch wenn es mich ein wenig an das blaue System der Akonen erinnert. Das Avandrina di Cardelah am Ende noch ins Koma fällt und den Menschen nicht helfen kann, ist ein wenig »plotdriven«, wie man so schön sagt. Dafür werden wir Eric Leyden in Aktion sehen und das entschädigt mich für den unglücklichen Kunstgriff.

»Melodie des Untergangs« hat mich nicht überzeugt, weil hier nichts wirklich zusammenpasst. Als Leser sehe ich Teile eines Mosaiks, ohne ein Bild erahnen zu können. Die Handlung ist mir an vielen Stellen zu oberflächlich und teilweise auch zu auktorial. Ich erfahre nur wenig über das Gefühlsleben der Protagonisten. Man kann Susan Schwartz zugutehalten, dass die Vielzahl der Charaktere eine tiefergehende Schilderung unmöglich machte. Dennoch habe ich schon bessere Romane von ihr gelesen.

Ein Leben für den Punkrock

Quelle: Hirnkost
Quelle: Hirnkost

Wie schreibt man die Rezension zu einem Buch, bei dem man den Autor einigermaßen gut kennt?

Diese Frage stelle ich mir seit gut zwei Wochen. Solange habe ich nämlich »Für immer Punk« von Klaus N. Frick bereits durchgelesen. Und genauso lange liegt es jetzt schon auf meinem Schreibtisch. Ich gebe zu, dass es mir in diesem Fall schwerfällt objektiv darüber zu urteilen. Ich habe zwar keine Ahnung, wie ich unbeeinflusst darüber schreiben soll, aber ich versuche es trotzdem. Nach der netten Widmung, die der Autor mir dieser Tage noch im Buch hinterlassen hat, kriege ich’s wahrscheinlich am Ende doch nicht auf die Reihe, in dem Fall mag man mir verzeihen.

In 29 Kurzgeschichten erzählt Klaus N. Frick aus seinem Leben, mehr oder weniger jedenfalls. Wie er schon im Vorwort sagt, hat er den Wahrheitsgehalt der Geschichten verzerrt oder verändert, um sie für den Leser spannender und interessanter aufzubereiten. Das Besondere an den Erzählungen ist, dass sie in chronologischer Abfolge abgedruckt sind. Somit bekommt der Leser ein Gesamtbild über die Entwicklung eines Menschen, der sich nie in eine Ecke hat stellen lassen, oder gar in eine Schublade pressen. Konformität ist ihm genauso verhasst, wie Menschen ohne politische Meinung. Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Manche Geschichten sind witzig, andere skurril und eklig, und bei manchen guckt man einfach nur staunend aus der Wäsche und reibt sich die Augen. Eines ist allen gemeinsam: sie sind spannend und einfach schön geschrieben. Am Ende ist man wieder um einiges schlauer.

Ich werde nicht auf jede Geschichte eingehen, sondern nur die herauspicken, die bei mir besonders hängengeblieben sind. Viele Geschichten habe ich mehrfach gelesen, einfach weil sie interessant oder ungewöhnlich waren.

Bei der Einstiegsgeschichte »Mein erster Kuss hieß Monika« hatte ich ein Déjà-vu. Vor Monaten besprach ich an dieser Stelle das Buch »Meine total verrückte Welt« von Mike Schmitzer, dem Redaktionsleiter des Chiemgau Wochenblatts. Er schrieb in einer seiner Geschichten ebenfalls über seinen ersten Kuss. Jetzt fielen mir die vielen Parallelen auf, die die zwei Geschichten miteinander verbinden. Beide handeln Mitte der Siebziger, es spielt ebenfalls eine Cousine eine Rolle und es geht um Flaschendrehen, nur dass Klaus von Mutter und Tante erwischt wird und das Ganze somit weniger glücklich endet. Irgendwie scheint Flaschendrehen in den Achtzigern aus der Mode gekommen zu sein, denn ich kann mich nicht erinnern, das mal gespielt zu haben.

In »An der Croisette« entführt uns der Autor nach Südfrankreich. Ich fühlte mich dabei an seinen Peter Pank-Roman »Chaos en France« erinnert. Das Lebensgefühl, die Stimmung und das eklige Ende, da passt alles zusammen. Das ist Punk!

Bei der nächsten Geschichte bin ich mir fast sicher, dass sie exakt so passiert ist. So etwas Groteskes kann sich niemand ausdenken. Sie trägt den Titel »Bei Bernhard zu Hause« und es geht um einen Menschen mit einer ganz besonderen Zwangsstörung. Als ich die Geschichte gelesen habe, war ich viel zu fasziniert, um mich zu ekeln. Das kam erst hinterher.

»Eine Reise ins Mutschelland« ist eine der längeren Erzählungen im Buch. Hier geht es um ein Konzert in einem Möbelhaus. Klaus ist der Fahrer, der das Equipment von Karlsruhe nach Ulm chauffieren muss und dabei so einigen merkwürdigen Leuten begegnet. Hier zeigt sich, dass der Autor über eine sehr gute Beobachtungsgabe verfügt und Menschen zu charakterisieren weiß.

Es folgen ein paar Geschichten aus den Neunziger Jahren. Diese haben in fast allen Fällen einen politischen Hintergrund. Was darauf schließen lässt, dass der Autor in dieser Zeit politisch sehr engagiert war. Das ist der Teil des Buches, an dem es ein wenig zäh wurde. Ich hätte mir dazwischen gern auch mal eine unpolitische Geschichte gewünscht.

Geradezu geflasht war ich von der Geschichte »Stuttgart bei Nacht«. Darin werden Klaus und seine Freunde verhaftet, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Das ist sehr spannend erzählt und hat mir mal wieder die Augen über unsere »Freunde und Helfer« bei der Polizei geöffnet.

Die letzten Kurzgeschichten stammen aus den 2000ern. Hier lässt sich sehr schön der Wandel vom aggressiven Punk zum … gemäßigteren und gereiften Menschen ablesen. Man spürt, wie ein bisschen der Biss verloren gegangen ist, jedoch ohne das sich das negativ auf die Geschichten auswirkt. Sie sind genauso interessant, nur hat sich der Grundton geändert. Es klingt manchmal fast schon nostalgisch & melancholisch.

Überraschenderweise gibt es nur eine einzige Geschichte mit sexuellem Inhalt. Darüber sag ich jetzt nichts. Dafür wird in den meisten viel Bier getrunken und ab & an auch eine geraucht, um auch dem Ausspruch »Sex, Drogen und Alkohol« Rechnung zu tragen, als Bedingung für ein Buch über Punk.

Jeder, der sich für ungewöhnliche Geschichten interessiert, der wissen will, was einen Punk umtreibt, und der ein bisschen in die Geschichte der deutschen Punkszene hineinschnuppern will, dem sei das Buch wärmstens empfohlen. Es lohnt sich.

Erschienen ist »Für immer Punk« von Klaus N. Frick als Hardcover bei Hirnkost (ehemals Archiv der Jugendkulturen). Das Buch kann dort und in allen Buchhandlungen sowie beim Onlinehändler eures Vertrauens bestellt werden. Selbstverständlich ist die Kurzgeschichtensammlung auch als E-Book erhältlich.

Abschluss mit losen Enden

Quelle: Perrypedia
Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO 99 – »Showdown für Terra« von Oliver Plaschka

Der Meister der Harmonie darf nicht nur den Zyklus zu Ende bringen, sondern auch mit Band 99 den letzten Roman nach einem Exposé von Frank Borsch schreiben. (Band 100 wird der Exposéautor selbst schreiben.) Dabei steht Oliver Plaschka vor der kniffligen Aufgabe alle losen Fäden zu einem Ende zu verknüpfen. Was angesichts der Fülle noch offener Handlungsstränge eine unlösbare Aufgabe ist. Er konzentriert sich daher auf die Handlung um Perry Rhodan und Reekha Chetzkel.

Auf der Orbital-Station über Terra kommt es zum Finalen Kampf zwischen den Arkoniden und den Menschen, wobei nicht alle Arkoniden auf einer Seite kämpfen. So versuchen sowohl die Stationskommandantin als auch der Celista Jemmico den Reekha mit allen Mitteln aufzuhalten. Ihre plötzliche Treue den Terranern gegenüber kommt überraschend und wird wenig überzeugend erklärt, was sicher dem Zeitdruck geschuldet ist, unter dem der Autor stand. Auch Rhodan und die Mutanten tun alles um die Katastrophe zu verhindern, nicht ohne das der Expokrat dafür tief in die Trickkiste greifen muss. Es wird gekämpft, gemordet, getäuscht und manipuliert. Fürsorger Satrak schickt seine KI ins Rennen, weil er selbst indisponiert ist. Dabei wäre er eigentlich derjenige, der den Reekha hätte aufhalten müssen und können, denn er ist ja nicht tot und Chetzkels Machtübernahme war im Grunde nicht Rechtens. Aber so ein baumbewohnender Kolonialarkonide ist nun mal nicht die große Actionfigur, die man in spannende Abenteuer schickt. Das übernimmt Jemmico, der in den vergangenen Roman zwar an Format gewonnen hat, dessen plötzliche Wendung hin zu den Terranern aber nicht umfassend herausgearbeitet wird. Er opfert im Grunde seine Karriere für die Menschen, die er noch vor Wochen gefangengenommen und zum Mars deportiert hat.

Das Chetzkel sich von den Mutanten hereinlegen lässt, ist seinem durchgedrehten Verstand geschuldet. Er agiert am Ende wie im Rausch und ist blind für logische Schlussfolgerungen. Nur deswegen kann er besiegt werden. Da war wenig zu spüren von dem einst so erfolgreichen und logisch denkenden Feldherrn.

Interessant ist auch hier, dass es nicht Perry Rhodan selbst ist, der den Reekha zur Strecke bringt, sondern Jemmico. Ein weiterer Hinweis darauf, wie sich die Autoren bemühen, dass Rhodan eine weiße Weste behält. Für mich fühlt sich das nicht nach dem richtigen Ansatz an. Ich wünschte mir Rhodan ein wenig härter und kompromissloser.

Als eine Arkonbombe droht die Erde zu vernichten, taucht unerwartet Bully mit einer neuen Flotte auf und rettet die Erde quasi in letzter Minute. Das war der Punkt, wo ich den Kopf schütteln musste. Hier wurde großes Potential verschenkt. Ich hätte zu gern gewusst, wie Bully mit dem Haluter Fancan Teik auf Vulkan den Stützpunkt der Ersten in Besitz nimmt. Während in einigen Vorgängerromanen herumgetrödelt und sinnlose Handlungen generiert wurden, fehlt nun am Ende die Zeit, um das eigentlich wichtigste zu erzählen. Ein oder zwei Bände mehr, hätten der Handlung sicher gut getan und auch dem Autor geholfen seine Geschichte überzeugender zu erzählen. Da hätten manchmal nur ein paar Sätze mehr aungerecht, um einige offensichtliche Löcher zu stopfen.

Oliver Plaschka rettet das, was zu retten ist mit einem spannenden Plot, der zwar ein paar Unstimmigkeiten aufweist, aber den Leser zumindest bis zum letzten Wort fesselt und durch die sehr schöne Figurenzeichnung. Man fühlt als Leser mit den Figuren. Egal ob Chetzkel und Mia Weiß, Jemmico oder Rhodan sie agieren ihrem Charakter entsprechend und stellenweise sehr gefühlvoll. Rhodans finale Gedanken trieben mir auf der letzten Seite tatsächlich die Tränen in den Augen und das im positiven Sinne.

Es hätte mindestens noch zwei solcher Bände gebraucht, um die Handlung des Zyklus, beziehungsweise die Ära Borsch zu einem zufriedenstellenden Ende zu bringen. So wirkt »Showdown um Terra« hektisch und trotz des Meisters der Harmonie etwas unrund. Schade!