Utopisches in Salzburg

Es sah aus, als drohe der Weltuntergang. Im Radio jagte eine Unwetterwarnung die nächste. Wir wagten uns dennoch auf den Weg nach Salzburg, wo eine Veranstaltung zum Thema utopische Literatur stattfinden sollte. Als einer der Gäste war Kai Hirdt angekündigt.

Am Bahnhof in Freilassing wehten uns die Orkanböen beinahe davon. Im Norden und Süden war der Himmel bedrohlich dunkel, nur über uns und in Richtung Salzburg zeigte sich ein heller Streifen. Ich kaufte am Kiosk noch den aktuellen NEO und den TERMINUS meines Schreibcoach. Dann stiegen wir in die S-Bahn und waren keine 10 Minuten später da. Über die Promenade an der Salzach gelangten wir schneller zum Veranstaltungsort, als wir gedacht hatten und so trafen wir bereits um 19 Uhr in den »Kavernen 1595« ein. Das Foyer und der Saal entpuppte sich als in Felsen getriebene Gemäuer, die aufs modernste eingerichtet waren und somit dem Titel der Veranstaltung »Sprach: Utopie« Rechnung trugen.

Wir überbrückten die Zeit bis zum Beginn bei einem Glas Wasser. Kurz vor halb acht, entdeckte ich unter den ca. 50 Anwesenden im Foyer ein bekanntes Gesicht. Madeleine Puljic kam in Begleitung ihrer Eltern herein geschlendert. Nach einer herzlichen Begrüßung nahmen wir gemeinsam in der dritten Reihe platz.

Auf der Bühne hatten es sich die Teilnehmer der Runde um den Moderator in großen Sesseln bequem gemacht. Kai Hirdt, rechts außen sitzend, überragte mit seiner imposanten Figur alle. Der Veranstalter des Salzburger Literaturfestes eröffnete den Abend mit einer kurzen Rede, bevor Günter Kaindlstorfer vom ORF übernahm. Er stellte als erstes Emma Braslavsky vor, die aus ihrem Roman – »Leben ist keine Art mit einem Tier umzugehen« – lesen sollte. Die Autorin ist nicht auf den Mund gefallen und ließ dem Moderator und den anderen Autoren wenig Gelegenheit zu Wort zu kommen. Es verging einige Zeit, als endlich Kai Hirdt an der Reihe war. Günter Kaindlstorfer fragte als erstes, wie man Perry Rhodan eigentlich richtig ausspricht. Kai erklärte, dass man im Autorenteam und in der Redaktion die deutsche Aussprache bevorzugte, weil man bei einer Konferenz sonst spätestens nach einer halben Stunde einen Knoten in der Zunge hat. Außerdem sitzt der Verlag in Baden-Württemberg und da tue man sich bekanntlich mit dem Englischen etwas schwer. Daraufhin bat ihn der Moderator mal ein Beispiel zum Besten zu geben, was Kai geschickt abwenden konnte und stattdessen über seinen Einstieg ins Autorenteam sprach. Er sei damit quasi zum Erzengel aufgestiegen. Die nächsthöhere Stufe seinen die Exposé-Autoren, die so etwas wie die Götter des Perryversums darstellen.

Danach wandte sich der Moderator dem Historiker Lucian Hölscher zu. Er hat als erster Untersuchungen zur Geschichte der Zukunftvorstellungen angestellt und in einem Buch »Die Entdeckung der Zukunft« niedergeschrieben. Darin legt er dar, ab wann sich der Mensch mit der Zukunft beschäftigt und seit wann es in der Literatur Utopien gibt. Interessanterweise beschäftigen sich die Menschen erst seit zirka dreihundert Jahren damit. Ursprung war die Industrielle Revolution. Der letzte in der Runde war gleichzeitig der jüngste. Joshua Groß aus Nürnberg ist ein junger Autor, der sich an keine Konventionen halten möchte und über Träume und verschobene Parallelwelten schreibt. Sein erstes Buch »Faunenschnitt« räumte einige Preise ab. Ein Faunenschnitt ist übrigens der Fachbegriff für Massenaussterben. Danach kam wieder Emma Braslavsky zu Wort, die aus ihrem Roman las. Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft und beinhaltet mehrere Handlungsstränge, die sich um eine Insel drehen. Mir persönlich war das ein bisschen zu lang und vor allem zu langatmig. Was vielleicht an den Schachtelsätzen lag, die die Autorin mit Vorliebe verwendete. Kai Hirdt gab im Anschluss einen Ausschnitt aus dem ersten Band der Miniserie PERRY RHODAN JUPITER (eine meiner Lieblingsszenen übrigens) und einen kurzen Auszug aus seinem aktuellen Roman der Erstauflage zum Besten. Im Hintergrund blickte der Moderator mit besorgter Miene auf die Uhr. Weil die Zeit schon weit fortgeschritten war, kamen die anderen beiden Autoren leider nicht mehr dazu, aus ihren Büchern zu lesen. Günter Kaindlstorfer, beendete die Lesung nach zwei Stunden, was ich etwas enttäuschend fand, weil ich gern auch etwas von dem Jungautor gehört hätte. Doch draußen wartete bereits der Autor Arnold Stadler um aus seinem Roman »Rauschzeit« zu lesen.

Wir zogen uns ins Foyer zurück, plauderten noch mit Madeleine und Kai und machten das eine oder andere Foto. Der Veranstalter, der die Eröffnungsrede gehalten hatte, kam hinzu und holte sich von Kai ein signiertes Romanheft, das er versprach zu lesen. Von mir wollte er wissen, in welche Verbindung ich zu PERRY RHODAN stehe und ich erzählte ihm ein wenig vom PERRY RHODAN-Fandom.

Nach 22 Uhr brachen wir zum Heimweg auf. Das Unwetter hatte Salzburg verschont, es herrschten angenehme Temperaturen und auf der Promenade waren die Nachtschwärmer unterwegs. Mit S-Bahn und Auto kamen wir eine Dreiviertelstunde später zu Hause an. Auch hier waren die Straßen nur stellenweise nass. Es war also nicht so schlimm gekommen, wie es zunächst den Anschein hatte.

Da es ein sehr schöner Abend in Salzburg war, schlug ich meinem Mann vor, dass wir sowas wir öfters machen sollten. Vielleicht ergibt sich mal wieder die Gelegenheit.

Salzburg im Abendlicht
Das Programm mit einer tollen Kurzgeschichte von Kai Hirdt.
Die Gesprächsrunde
Kai bei seiner Lesung
Gemeinsames Foto

Luxusproblem Lesestapel

Buchanschaffungen vom Mai

Echt jetzt, seit ein paar Monaten scheint mein Lesestapel so langsam ins Unendliche zu wachsen. Ich komme nicht mehr nach, seitdem ich nicht mehr mit der Bahn fahre. Heute morgen habe ich zumindest den NEO 147 fertiggelesen und vor ein paar Minuten mit Entsetzen festgestellt, dass heute schon die 148 erscheint.

Mannomann! Ich hinke meinem Soll ganz schön hinterher. Dieser Tage bekam ich von meinem Mann zum Hochzeitstag neben einem Strauß Rosen auch noch den aktuellen Eschbach-Roman. Den sollte ich auch noch bis September gelesen haben. Aber bei der aktuellen Auswahl die noch auf dem Wohnzimmertisch liegt, weil die Bücher nicht mehr ins Regal passen, kann ich mich einfach nicht entscheiden. Die sind alle so spannend.

Kathrin Lange – Dozentin an der BA Wolfenbüttel – hatte mich schon nach der ersten Seite an der Angel. Wenn wir nicht plötzlich Besuch bekommen hätte, hätte ich das Buch sicher nicht wieder aus der Hand gelegt.

Das dritte Buch habe ich aus purer Neugier gekauft. Ich möchte herausfinden, wie ein Amerikaner dazu kommt, ein Buch über die Punkszene in der DDR zu schreiben und was genau da drin steht. Aber, ich fürchte das muss noch etwas warten. Der nächste NEO hat Vorrang nur muss ich ihn dieses Mal schneller lesen.

Der gescheiterte Stern

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 146 – »Der Schatz des Pilgerschiffs« von Susan Schwartz

Ein gescheiterter Stern aber keine gescheiterte Geschichte, so lautet mein Urteil, was den ersten Teil des Romans betrifft.

Die Reise von Perry Rhodan, Tuire Sitareh und dem Gurrad Vanjak in dem ramponierten und hoffnungslos überfüllten Pilgerschiff ist überzeugend geschrieben. Mit genügend sensorischen Eindrücken, um Enge, Schmutz und Gestank für den Leser erfahrbar zu machen. Die Figuren, allen voran die weibliche Gurrad Valeeraa, sind treffend gezeichnet und charakterisiert. Endlich wieder ein starker weiblicher Charakter, der sich durchzusetzen weiß und dennoch über gefühlsbetonte Seiten verfügt. Wobei ich mich frage, warum man sie nicht zur Kommandantin gemacht hat. Die Gurrads leben in einem Matriarchat. Eine weibliche Gurrad, auch eine so junge, wird sich sicherlich wenig vom Kommandanten sagen lassen – was im Laufe der Handlung auch immer wieder durchschimmert. Auch der übergewichtige Oberpriester Ostrott war gut getroffen. Susan Schwartz spielt dabei zwar mit vielen Klischees, die in diesem Fall aber treffend sind. Bis zum Absturz auf den braunen Zwerg gefiel mir der Roman ausnehmend gut. Doch schon bei der Beschreibung, wie das Schiff auf den gescheiterten Stern stürzt, kräuselte sich meine Stirn.

Aus dem Werkstattbericht von Rüdiger Schäfer auf der PR-Homepage, hatte ich einige Hintergründe zum Ort des Geschehens – dem braunen Zwerg – gelesen und war mir bewusst, dass die Expokraten damit Neuland betreten. Vieles davon ist nur schwer wissenschaftlich zu beweisen, was mir klar machte, dass ich dieses Mal nicht zu sehr auf Fakten bestehen darf. Ich wusste also, dass mich wahrscheinlich eine »bunte« Fantasiewelt erwartet. Und fremde, exotische Welten beschreiben, das kann Susan Schwartz sehr gut. Man merkt, dass sie schon lange im »Geschäft« ist und viel Übung darin hat. Die Tier- und Pflanzenwelt orientierte sich zwar sehr an irdischen Meereslebewesen, aber das war zu verschmerzen. Was mich ärgerte, waren die ständigen Kampfszenen, die sich auch durch diesen NEO ziehen, und in ihrer Fülle statt Spannung eher Langeweile verursachen. Wie schon in anderen NEO-Romanen der Autorin, folgen Angriff und Gegenwehr dem gleichen Strickmuster, so dass es irgendwann vorhersehbar wird. Ich würde gern einmal wieder eine NEO-Geschichte der Autorin lesen, in der nicht gegen irgendwelche Flugkreaturen oder giftstachelbewehrte Monster gekämpft wird.

Im zweiten Drittel, spätestens nachdem Rhodan und die Pilger das notgelandete Schiff verlassen und durch den Wolkenteppich irren und schließlich auf eine der schwebenden Inseln stoßen, wird die Handlung hektisch. Da tauchen Gurrads auf, die vor Generationen ebenfalls auf dem »Stern« gestrandet sind und sich an die Umwelt angepasst haben. Es gibt eine Menge Informationen zu gesellschaftlichen und historischen Hintergründen. Das liest sich beinahe wie eine Reisebeschreibung. Zwischen all dem Phantastischen vermisse ich den Bezug zu den Figuren. Sie agierten, sie redeten miteinander, sie dachten und dennoch sprachen sie nicht mit mir.

Als sich Rhodan, Sitareh, Vanjak und Valeeraa auf die Suche nach dem Pilgerschiff begeben, wurde es mir dann ein wenig zu fantastisch. Und als sie das – nach tausenden von Jahren – noch intakte Schiff finden, krankt die Handlung an den vielen kurzen Kapiteln. Das wirkt nicht nur hektisch, es fühlt sich an, als müsse die Autorin die Handlung verschleppen, damit die notwendige Seitenzahl erreicht wird. Ein Hindernis nach dem anderen taucht auf, nur damit es dann in wenigen Absätzen überwunden wird, bis Rhodan und Sitareh sowie Valeeraa und Vanjak auf das nächste stoßen.

Besonders ärgerlich war ich über den Tod von Valeeraa. Das ist so typisch, da wird eine gut funktionierende (vor allem weibliche) Figur aufgebaut und dann lässt man sie einfach sterben. Ich dachte, dass hätte man im Gegensatz zur EA bei PERRY RHODAN NEO inzwischen überwunden.

Tuire Sitareh dem Auloren gelingt es, dass alte Schiff startklar zu machen. Die überlebenden Pilger werden schnell eingesammelt, dann hebt es ab und hangelt sich mittels pseudowissenschaftlicher Erklärungen hinaus ins All. Ich gebe zu, dass ich am Ende nicht einmal mehr versucht habe, nachzuvollziehen, ob das tatsächlich möglich sein könnte. Das war so abgehoben, wie das Schiff selbst. Ich glaube, dass auch der Autorin nicht ganz schlüssig war, was sie schreiben bzw. wie sie es dem Leser erklären soll. Manchen Passagen klangen wie aus einem Datenblatt zitiert.

Noch einige Fragen, die mir unklar geblieben sind, die aber wahrscheinlich schon im Exposé ihren Ursprung haben: Warum sollten alle havarierten Schiffe an der gleichen Stelle auf den brauen Zwerg stürzen? Das wäre in etwa genauso, als würden auf der Erde alle Meteoriten auf einem Kontinent niedergehen. Woher kommt der Sauerstoff in der Atmosphäre des Sterns? Woher kommt der Auftrieb, der die hohe Schwerkraft aufhebt, die anhand der Größe des Himmelskörpers, eigentlich viel höher sein müsste als die auf der Erde?

Mein Fazit: Wer auf phantastische Welten steht und keine einigermaßen fundierten Fakten braucht, der wird von dem Roman sicher gut unterhalten werden. Ich gebe zu, dass ich mich durch das letzte Drittel des Buches regelrecht quälen musste. Wenn ich nicht hätte wissen wollen, was es mit dem rätselhaften Schatz des Pilgerschiffes auf sich hat, hätte ich den Roman nicht bis zu Ende gelesen.

Noch ein Gedanke zum Titel. Rüdiger Schäfer schrieb in seinem Werkstattbericht, dass er dem Roman gern den Titel »Der gescheiterte Stern« gegeben hätte, sich die Autorin und die Redaktion aber dagegen entschieden hätte. Nachdem ich den Roman nun gelesen habe, muss ich sagen, das »Der Schatz des Pilgerschiffs« die Geschichte viel besser charakterisiert. Für »Der gescheiterte Stern« hätte die Handlung durch weniger Fantasyelemente und mehr Wissenschaft getragen werden müssen.

Der Normalbürger und die Science Fiction

»Was schreiben Sie denn da?«
Ich blicke überrascht von meinem iPad auf. Mein Gegenüber sieht mich auffordernd an. Er ist wie ein Geschäftsmann gekleidet, hat graumelierte Haare und trägt Krawatte und Brille. Ich schätze ihn auf sechzig Jahre. Wir sitzen im ICE und bisher hat er die ganze Zeit über mit seiner Süddeutschen geraschelt. Anscheinend ist ihm nun der Lesestoff ausgegangen, so das er sich jetzt auf mich konzentriert.
»Eine Geschichte«, antworte ich schlicht.
»Aha, und was für eine Geschichte?«
Der will es aber genau wissen, denke ich und mache ein extra dümmliches Gesicht.
»Ich meine, ist es eine Liebesgeschichte oder vielleicht ein Krimi? Wissen Sie, ich liebe Krimis.«
»Nein – Science Fiction!«
Seine Gesichtszüge entgleisen. Er sieht mich an, als hätte ich ihm gerade erklärt, dass ich im Pornogeschäft tätig bin.
»Sie glauben doch nicht etwa an Außerirdische?« Er klingt ehrlich empört.
Ich verkneife mir ein Lächeln. Genau diese Frage hatte ich erwartet. »Was hat das eine mit dem anderen zu tun?«, kontere ich.
»Na, bei dem Zukunftszeugs …« Er spuckt das Wort regelrecht aus. »… geht es doch immer darum.«
Ich protestiere. »Das sind Vorurteile von Menschen, die sich mit dem Genre nie beschäftigt haben.«
Er runzelt die Stirn, bleibt aber stumm.
Ich lasse mich zu einem Lächeln hinreißen. »Science Fiction heißt nicht, dass die Geschichten unbedingt in der Zukunft spielen müssen. Es geht vielmehr darum, wissenschaftlich-technische Erkenntnisse in eine Geschichte zu verpacken, um eine Vision jenseits unserer Realität zu schaffen. Das können gesellschaftliche Themen genauso sein, wie alternative Zeitlinien. Außerirdische sind da nicht zwangsläufig notwendig. Ich könnte zum Beispiel eine Geschichte darüber schreiben, wie die Gesellschaft des Jahres 2017 aussähe, wenn es die beiden Weltkriege in Europa nicht gegeben hätte. Es wäre eine völlig andere Welt und ich bräuchte dazu keine Außerirdischen.«
Sein Stirnrunzeln vertieft sich. »Aber warum zeigt man in den einschlägigen Filmen dann immer Außerirdische?«
»Es ist zwar nur ein kleiner Teil des Genres, der aber bei den Kinozuschauern am besten ankommt. Der Reiz liegt darin das Fremde zu zeigen und es gleichzeitig menschlich zu machen, damit wir es verstehen. Deshalb agieren Außerirdische in den Filmen auch ähnlich wie wir. Sie fallen meistens wie Heuschrecken ein und wollen die Erde für sich kolonisieren. Echte Außerirdische würden völlig anders handeln. Wahrscheinlich würden sie einen großen Bogen um die Erde machen, weil sie mit den aggressiven Bewohnern dieses Planeten nichts zutun haben wollen.«
»Dann glauben Sie wirklich an Außerirdische«, meint er entsetzt.
»Ja! Warum sollten wir in einem unendlich großem Universum die einzig intelligente Lebensform sein? Das wäre eine ziemliche Platzverschwendung, wenn ich den Astronomen Carl Sagan zitieren darf.«
»Aber wenn es sie gäbe, wüssten wir doch davon.«
Ich muss mich zusammenreißen und mir ein süffisantes Lächeln verkneifen. »Warum? Die Entfernungen da draußen sind so groß, dass sie sich unserer Vorstellung entziehen. Lebensformen die diese Entfernungen überwinden können, sind wahrscheinlich so hoch entwickelt, dass wir für sie uninteressant sind. Sie persönlich interessieren sich doch auch nicht für Ameisenhügel im Wald.«
Er räuspert sich und schüttelt dann den Kopf. »Sie scheinen eine intelligente Frau zu sein, warum schreiben sie nicht mal was anderes – einen Krimi zum Beispiel?«
»Ich habe einen Krimi geschrieben«, sage ich spontan.
Die Worte wecken sein Interesse. »Tatsächlich? Wissen sie, ich sehe immer den Tatort, da passieren ja tolle Dinge.«
»Ich finde, dass es in Deutschland zu viele Krimis gibt. Wenn tatsächlich so viele Morde passieren würden, dann hätten wir ein echtes Kriminalitätsproblem.«
Meinen Einwand ignorierend, fragt er stattdessen: »Und ihr Krimi, wovon handelt der?«
»Er spielt im Jahr 5104. Es gibt eine Anschlagsserie, einen Täter, findige Ermittler und die handelnden Personen sind fast alles Menschen.«
Er seufzt und nimmt seine Zeitung wieder hoch. »Na, dann schreiben Sie mal weiter ihr Zukunftszeugs.«
Ich widme mich wieder der Tastatur, in der mein iPad steckt und grinse heimlich in mich hinein.

Die erlebte Situation ist so beispielhaft, dass ich inzwischen die Reaktionen meiner Gesprächspartner schon im voraus erahnen kann. Ich kann nicht sagen, wie oft ich schon ähnliche Diskussionen geführt habe. »Das sind doch alles Spinner!«, bekommt man oft zu hören, wenn man sagt, dass man sich mit Science Fiction beschäftigt. Aber warum hat die SF eigentlich einen so schlechten Ruf? Liegt es an den Klischees, die in den Kinofilmen breitgetreten werden, oder woran? Das SF vom Feuilleton nicht ernst genommen wird, daran hat man sich als Leser und Autor gewöhnt. Aber es mag ein Grund dafür sein, dass es auch in der Bevölkerung wenig anerkannt ist. Dabei hat Science Fiction viel mehr zu bieten als außerirdische Invasionen und durchgedrehte Roboter. Es gibt so viele gute Geschichten, die, würden sie unter einem anderen Label verkauft, viel mehr Menschen begeistern könnten. Wie überall zählt auch hier nur, was draufsteht und nicht das, was drin steckt. Das finde ich mehr als schade.

Dabei macht es keinen Unterschied, dass ich, als mich der Mann im ICE fragte, was ich denn schriebe, gerade nicht an einer SF-Geschichte arbeitete, sondern an meinem Punkroman. Doch ich denke, dafür hätte er noch viel weniger Verständnis aufgebracht.

Pilgerprüfung

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 145 – »Hafen der Pilger« von Rüdiger Schäfer

Ich muss mich schon fast entschuldigen, weil ich die Rezension zu diesem NEO-Roman so spät veröffentliche. Seitdem ich nicht mehr pendle, hinke ich meinem Lesepensum etwas hinterher. Dann kamen noch die Ostertage dazwischen, an denen ich keine Zeit zum Lesen hatte und so kommt meine Besprechung zum aktuellen Roman meines Lieblings-NEO-Autoren erst heute.

Doch zurück zur Geschichte. Wie die meisten Romane in dieser Staffel fällt auch »Hafen der Pilger« etwas aus der Reihe.

Der Inhalt ist kurz zusammengefasst. Perry Rhodan gerät im Kugelsternhaufen Suurt in Gefangenschaft abtrünniger Gurrads. Auf ihrem Schiff trifft er auf Tuire Sitareh. Mit der Zeit können beide die Löwenmenschen von ihrer Harmlosigkeit überzeugen und durch Hilfe bei der Reparatur des Raumschiffes und ihrer Basis als Freunde gewinnen. Die Gurrads helfen ihnen sogar dabei fünf wichtige Prüfungen zu bestehen, um auf Pilgerreise nach Ambaphal gehen zu können.

Der Autor schickt Rhodan und Sitareh auf ein klassisches Planetenabenteuer. Fern von kosmologischen Verwicklungen müssen sich die beiden Freunde mit ziemlich weltlichen Dingen herumschlagen, sei es, sich vor tausenden Zuschauern nackt auszuziehen, eine Bürstenmassage über sich ergehen lassen, Verse auswendig lernen, einen Turm zu erklettern oder einen schleimigen Wurm zu verspeisen. Das bringt etwas Abwechslung ins Übermaß an kosmischen Entwicklungen in den vergangen Staffeln. Ich finde es schön, dass mal keine Schlachten geschlagen werden müssen und auch sonst nicht viel gekämpft wird. Der ruhige Handlungsfortschritt, der sich über einige Wochen hinzieht, entspannte mich regelrecht. Spannung bezieht Rüdiger Schäfer wie immer mehr aus dem Inneren der Figuren und ihrem Agieren mit der phantastischen Umwelt. Das gefiel mir außerordentlich gut und ich habe an einigen Stellen gedacht, dass ich das wahrscheinlich genauso geschrieben hätte. Diese Parallelität der Schreibstile freut mich immer. Ungewöhnlich, aber interessant, finde ich die Gurrads. In ihrem Verhalten ähneln sie den Klingonen bei STAR TREK.

»Hafen der Pilger« ist sicherlich kein schlechter Roman, dennoch bleiben nach wie vor Fragen. Warum unternimmt Perry Rhodan die Pilgerreise, obwohl sie nicht ungefährlich ist? Was erwartet er sich davon? ES hat ihn nach Sagittarius geschickt und nicht in den davor liegenden Kugelsternhaufen. Oder, doch …? Schließlich machen sich sowohl sein Wasserschiff, als auch die Verrytsphäre von Tuire Sitareh einfach so aus dem Staub. Das lässt ihm wenig Spielraum, so ganz ohne technische Hilfsmittel der Superintelligenz. Mir persönlich ist das zu »plot-driven«, um mich zu überzeugen. Irritiert hat mich auch Sitarehs plötzliche Fähigkeit sein Gegenüber mittels seiner Ausstrahlung zu beeinflussen. Wenn ich mich richtig erinnere, ist das bisher nie so offensichtlich angesprochen worden. Auch wenn mir der ruhige und langsame Handlungsfortschritt des Romans gefallen hat, in Bezug auf die Staffelhandlung spüre ich nur wenig Fortschritt. Ich bin unsicher, wohin die Reise gehen und wie das enden soll. Ich möchte die vergangenen Bände von METEORA nicht schlecht reden. Aber diese Staffel plätschert so vor sich hin, dass ich mich frage, ob da nicht schon zu Beginn die Luft raus war. Wollen die Expokraten nach den schlimmen Ereignissen auf der Erde und der überstürzten Handlung sich und den Lesern eine Verschnaufpause gönnen? Angesichts der schweren Krankheit von Exposéautor Michael Buchholz hätte ich sogar Verständnis dafür.

Trotz alledem bin ich gespannt, wie die Handlung weitergeht, sowohl mit Rhodan und Sitarehs Pilgerreise, also auch auf der Erde.
Das starke Cover von Dirk Schulz erinnert mich an den Planeten Scarife bei Rouge One.

Mein Fazit: »Hafen der Pilger« ist nicht der überragendste NEO-Roman den ich von Rüdiger Schäfer gelesen habe, aber sicher der Ungewöhnlichste. Im Gedächtnis bleiben mir die plastischen Bilder der Pilgerstadt, die interessanten Charaktere und die über einen ungewöhnlich langen Zeitraum verlaufende Handlung.

Paradies 2.0

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 144 – »Verkünder des Paradieses« von Michael H. Buchholz

Es sollte der letzte Roman sein, den Michael H. Buchholz schrieb. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf, ist es schwer einen objektiven Blick zu behalten.

Mit dem Auftauchen der Memeter ereilt die Menschheit in NEO die dritte Invasion in Folge. Im Gegensatz zu den Vorangegangenen ist zumindest der Grund originell. Ohne die vorherige Sitarakh-Invasion und die Zerstörungen, die im Auftrag von Masmer Tronkh erfolgten, wäre die Thematik noch um vieles brisanter. Weil die Menschheit ihren Planeten heruntergewirtschaftet hat, soll sie von der Erde vertrieben bzw. ins »Paradies« verbracht werden. Wie auch immer dieses Paradies 2.0 beschaffen sein wird. Vielleicht ist es auch nur eine virtuelle Realität und die Menschen werden auf dem riesigen Memeterschiff in eine Art Matrix »verpackt«. Das ist eine Idee, die sogar in einem eigenständigen Roman außerhalb des Perryversums funktionieren könnte.

Der Autor vermag die Hilflosigkeit der Terraner sehr plastisch zu erzählen. Im Verlauf der Handlung tauchen Figuren auf, mit dessen Wiedersehen man nicht mehr gerechnet hatte, so wie Lionel Dahl, den verurteilten Assistenten von Bully. Wie immer versucht Michael H. Buchholz die Vorgänge wissenschaftlich genau zu erläutern, um Glaubhaftigkeit zu erzeugen und er stellt interessante Bezüge zur Historie her. Das gelingt ihm sehr gut.

Jedoch … die Manipulationen der Memeter an den Menschen sind so offensichtlich, das ich mich frage, warum die Verantwortlichen das nicht schon frühzeitig erkennen und etwas dagegen unternehmen. Andererseits, wenn die Memeter über soviel Macht verfügen, menschliche Gehirne zu manipulieren. Warum setzen sie Menschen für ihre Zwecke ein, um andere Menschen zu überzeugen? Warum hüllen sie die Erde nicht gleich in ein Strahlungsfeld und schalten die Menschheit gleichzeitig aus? Und warum lassen sie den Menschen so viel Zeit? Das sind nur ein paar der Fragen, die sich mir als Leser immer wieder stellten. Den Grund für die Invasion scheine ich zumindest erahnen zu können. Hinter den Memetern steht ANDROS, während ES mit den Liduuri kooperiert. Somit steht die Erde im Fadenkreuz einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Superintelligenzen. Der Hauptgrund, warum es erneut das SOL-System trifft, kann eigentlich nur im Vorhandensein des Sonnenchasma liegen und am Halaton, das ja nach wie vor durch den Spalt sickert. Sicher werden wir in den nächsten Romanen die Antworten erfahren.

Für die emotionale Ebene sorgt diesmal der Handlungsstrang um Bully. Und genau dieser ist es auch, der mich spüren lässt, dass Michael von seinem nahen Tod wusste oder es zumindest erahnte. Die Gedanken, die sich Bully macht und der Herzinfarkt, der ihn auf den letzten Seiten ereilt, zeugen davon, dass sich der Autor intensiv mit dem Tod und dem Sterben auseinandergesetzt haben muss. Und tatsächlich macht er das so überzeugend, dass ich ein paar Tränen verdrückte.

»Verkünder des Paradieses« ist zwar nicht so herausragend wie sein letzter Band 133 »Raumzeit-Rochade«. Aber er enthält viele gute Ideen, die vielleicht sogar noch besser funktioniert hätten, wenn es die Sitarakh nicht gegeben hätte. So seufzen Leser wie Romanfiguren gleichsam darüber, dass der Erde schon wieder eine Invasion droht. Mit dem Wissen um den gesundheitlichen Zustand des Autors, in dem er den Roman verfasste, erlangen viele seiner Aussagen im Buch eine tiefere Bedeutung und das macht die eine oder andere Ungereimtheit im Plot wett. Ich bin zutiefst traurig, dass es keine Romane mehr von Michael H. Buchholz geben wird. Seine Fähigkeit wissenschaftlich Fundiertes in seinen Geschichten einzubringen und mit historischen Bezügen zu verknüpfen, machte die Genialität seiner NEO-Romane aus. Ich werde das sehr vermissen.

Michl erklärt die Welt

Quelle: Amazon

Entdeckt habe ich das Buch im Bücherregal meiner Schwägerin, und da sie es bereits gelesen hatte, durfte ich es mir ausleihen. (Sowas geht halt nur mit echten Büchern und nicht mit E-Books.) Zurück zum Eigentlichen.

Michael Mittermeier sah ich zum ersten Mal im Quatsch Comedy Club auf Pro 7. Das muss Mitte-Ende der Neunziger gewesen sein, als ich Studentin war und lange aufbleiben konnte. Denn der Quatsch Comedy Club kam sehr spät am Abend. Ich fand den bayrischen Stand-up-Comedian von der ersten Minute an klasse. Da passte nicht nur jede Pointe sondern auch die Mimik. Fast alle seine Programme habe ich im Fernsehen angeschaut und ich kann mich auch noch gut an sein Bühnenjubiläum erinnern, bei dem er Gratulationen von William Shatner alias Captain Kirk und Nichelle Nichols (Uhura) bekam. Ich glaube sogar zu wissen, dass die Show im ARRI-Studio in München aufgezeichnet wurde. Leider arbeitete ich damals nicht mehr dort, sonst hätte ich mir Michael Mittermeier sicher mal live angesehen.

Sein Buch finde ich aber glatt noch besser. Da kann man die Geschichten einfach länger auf sich wirken lassen. Im Showprogramm kommt ja meist gleich die nächste Pointe hinterher. Beim Lesen hat man einfach mehr Zeit den Witz sacken zu lassen und hat mehr von den lustigen Geschichten, die er mit großer Natürlichkeit erzählt. Er ist als Autor genauso wie als Comedian. Und das Buch ist ein Showprogramm in schriftlicher Form. Nicht alles ist superwitzig, zwischendrin gibt es nachdenkliche Passagen, in denen der Autor dem Leser einen Blick in die Person Michael Mittermeier gestattet. PERRY RHODAN-Autor Leo Lukas wird erwähnt und natürlich steht einiges über STAR TREK geschrieben.

Besonders gut gefielen mir die Kapitel über New York City. Ich habe dort auch mal ein halbes Jahr gelebt und kann das, was er erzählt, eins zu eins bestätigen. Ich hatte allerdings mehr mit Mäusen zu kämpfen als mit Monsterkakerlaken. Und ich stand damals auch vor dem »Limelight« in NYC und wunderte mich, warum Abends vor einer Kirche Menschenschlangen anstanden, bis man mir erklärte, dass das eine angesagte Disko sei.

Wer den Humor von Michael Mittermeier mag und mal wieder herzhaft lachen möchte (derzeit gibt es wenig zu Lachen), dem empfehle ich einen Blick in das zweite literarische Werk des Comedystars. Ich verspreche, dass niemand es bereuen wird.

Gut besucht

Samstags auf der Leipziger Buchmesse … das ist nichts für Leute mit Agoraphobie. Man muss diese Menschenmassen schon abkönnen. Normalerweise bin nicht so empfindlich, aber das war selbst für mich »to much«. Ich fühlte mich wie ein Zombie, als ich nach fünf Stunden durch die Gänge zum Ausgang geschoben wurde und die Messe fluchtartig durch die dröhnende Haupthalle verließ.

Doch von vorn. Normalerweise ist ja Freitag mein Messetag. Aus persönlichen Gründen konnte ich am Freitag nicht und so wagte ich das Experiment, die Leipziger Buchmesse am Samstag zu besuchen. Neu waren die Taschenkontrollen schon weit vor dem eigentlichen Eingang. Die Frage nach Pfefferspray und Messern fand ich etwas seltsam und auch inkonsequent, denn nach Schusswaffen wurde nicht gefragt und wenn man verneinte, wurde man ohne weitere Kontrolle durchgewunken. Da hätte ich sonst etwas in meinem Rucksack haben können. Wie sinnvoll eine solche Aktion in dem Fall ist, muss jeder selbst entscheiden.

Meine Liste der zu besuchenden Verlagsstände war heuer recht klein, und so war ich zum Glück schnell rum. Da die Sonne schien, konnte man sich draußen zwischen den Messehallen aufhalten, wo Tische und Bänke aufgestellt waren und an diversen Ständen Essen verkauft wurde. Ich saß eine halbe Stunde in der Sonne und genoss den großzügigen Platz und die frische Luft, denn in den Hallen selbst, kam man stellenweise kaum durch. Eigentlich wollte ich mir die Manga und Comic Con in Halle 1 geben, aber nach zehn Minuten Gedrängel und Geschubse brach ich das Unternehmen ab und kehrte lieber an den PERRY RHODAN-Stand zurück, die Basis für mich an diesem Buchmessetag.

Auch hier war richtig was los, denn die Zahl der anwesenden PERRY RHODAN-Autoren war größer als in den Jahren zuvor. (Vielleicht kam mir das auch nur so vor, weil ich sonst immer nur Freitags dagewesen bin.) Neben den signierenden Autoren Madeleine Puljic, Kai Hirdt, Verena Themsen und Oliver Fröhlich, gaben sich auch Michael Marcus Thurner, Robert Corvus und Wim Vandemaan ein kurzes Stelldichein. Der Signiertisch war stets dicht umlagert. Ich wurde Zeuge, wie Dirk Schulz einen Drachen zeichnete, plauschte mit Fans und Autoren und versuchte Bernd Robker alias Robert Corvus auszuweichen, der mit dem iPad einen Kurzfilm für die PR-Facebookseite drehte. Das ist mir wahrscheinlich nicht ganz gelungen.

Ich finde die Kontakte zwischen Fans und Autoren wichtig und wenn es nur dazu dient, die Serie zu präsentieren oder Feedback zu bekommen. Ganz viele junge Leute kamen vorbei und ließen sich Hefte für die Väter oder Großväter signieren, denen drückte Oliver Fröhlich meist noch einen Flyer der E-Book Miniserie TRIVID in die Hand, die sich an junge Leute richtet. Viele Frauen holten sich am Stand ein Mitbringsel für ihre Männer, in Form eines signierten Heftromans oder einer Zeichnung. Einer kam mit dem Blauband »Die dritte Macht« für einen Freund vorbei und bat um eine Signatur der Autoren. Was Verena und Oliver gern taten, aber gleichzeitig darauf hinwiesen, dass die eigentlichen Autoren dieses Bandes schon längst nicht mehr leben.

Als angenehm empfand ich, dass in diesem Jahr die Leseinsel nicht direkt vor dem Stand positioniert war, sondern weiter vorn, so das man sich beim Unterhalten nicht anschreien musste. Ebenfalls aufgefallen ist mir die Zusammenstellung der Messestände. In den vergangenen Jahren waren die Klein- und Kleinstverlage dicht an dicht in einer Messehalle zusammengedrängt, während die Branchenriesen mit ihren großen Ständen andere Messehallen dominierten. In diesem Jahr kam mir die Anordnung ziemlich ausgewogen vor. Da waren die Kleinen zwischen den Großen. Und man hatte weniger das Gefühl der Dominanz einzelner großer Verlage. Vielleicht bescherte das den kleinen Verlagen mehr Laufkundschaft, aber vielleicht täusche ich mich da auch. Und immer wieder dachte ich darüber nach, wie groß nach wie vor die Faszination für das Medium Buch ist. Denn es müssen Hunderttausende gewesen sein, die heute in Leipzig waren.

Zu sehen gab es wieder viele junge Leute in originellen Kostümen. Wer so etwas noch nie erlebt hat, sollte sich das zumindest mal ansehen. Leider kamen viele der Cosplayer auf Grund der schieren Anzahl nicht so richtig zur Geltung. Was ich ein bisschen schade finde. Denn in den Kostümen stecken meist viele Stunden Arbeit.

Trotz der vielen Menschen und des Gedränges habe ich meinen diesjährigen Besuch auf der Leipziger Buchmesse keine Minute lang bereut, obwohl ich nicht so »beschäftigt« war, wie in den beiden Jahren zuvor. Es ergaben sich dennoch genug nette und interessante Gespräche und ich nehme auch wieder ein paar Anregungen zum Lesen und Schreiben mit. Dafür hat es sich gelohnt.

Je nachdem wie das Programm im nächsten Jahr aussieht, möchte ich dann aber doch lieber wieder am Freitag kommen.

Mit Ben ins MADDRAXiversum

Quelle: Amazon

An dieser Stelle möchte ich auf den neuen MADDRAX-Roman meines lieben Autorenkollegen Ben Calvin Hary hinweisen. Der Roman ist aktuell überall erhältlich, wo es Zeitschriften und Heftromane gibt, sogar an (manchen) Tankstellen.

MADDRAX ist ebenfalls eine Science Fiction-Heftromanserie. Sie erscheint bei Bastei und läuft, verglichen mit PERRY RHODAN, noch nicht so lange. Die Serie ist düsterer und spielt in einer postapokalyptischen Welt. Die Handlung lässt sich in etwa so zusammenfassen: den Piloten Matthew Drax (Maddrax genannt) verschlägt es aus dem Jahr 2012 ins Jahr 2516, hier erlebt er zusammen mit seiner Gefährtin Aruula spannende Abenteuer. Im Gegensatz zu PERRY RHODAN darf Maddrax hin und wieder erotische Abenteuer erleben und es gibt auch kein so strenges Exposé an das sich die Autoren halten müssen.

Es ist der zweite MADDRAX den Ben geschrieben hat und ich kann nur sagen, dass ich ihn unheimlich spannend finde. Besonders das Ende ist überraschend. Auch ich selbst bin ein wenig stolz auf den Roman, mit dem ich mich übrigens schon während des Jahreswechsel in Paris beschäftigt habe. Als »Endgegnerin unter den Testleser« habe ich es Ben nicht leicht gemacht. Obwohl … wenn ich mehr Zeit gehabt hätte …

Den MADDRAX-Roman »Die Offerte« gibt es übrigens auch als E-Book auf allen Download-Plattformen. Wer Lust hat kann für 1,49 EUR einfach mal reinschnuppern.

Countdown in Folge

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 143 – »Herr der YATANA« von Kai Hirdt

Der Roman ist einer der spannendsten NEO-Romane, die ich von Kai Hirdt gelesen habe. Wenn es meine Zeit erlaubt hätte, hätte ich ihn sicher in einem Rutsch ausgelesen, doch so musste ich ihn zwangsweise immer wieder weglegen.

Wenn eine Geschichte über Atlan im bekannten Ich-Präteritum erzählt wird, vermittelt mir das ein gutes Gefühl. Da fühle ich mich gleich zu Hause. In diesem Fall erwacht unser Held auf der Krankenstation eines fremden Raumschiffes im Leerraum und muss sich erst einmal zurechtfinden. Wie er dorthin gekommen ist und wer all die Dinge für ihn bereitgelegt hat, erfahren wir leider nicht. Denn als Atlan im Nachhinein auf die Besatzung trifft, kennen sie ihn nicht. Die Thetiser – wie sich die Fremden nennen – kämpfen gegen eine Invasion von Posbis auf ihrem Schiff und leiden unter einem übertriebenen Ehrenkodex, der sie zwingt, sich lieber selbst zu vernichten, als die YATANA in fremde Hände fallen zu lassen. Weshalb sie immer, wenn es brenzlich wird, die Selbstzerstörung aktivieren. Atlan muss sich einige Male bemühen, damit der Countdown gestoppt wird. Das erhöht nicht nur die Spannung, sondern ist in seiner Folge auch ziemlich witzig. Dem Autor gelingt es durch schöne Beschreibungen, dass man sich gut in den Arkoniden hineinversetzen kann. So rollt man selbst mit den Augen, wenn der Kommandant der YATANA sich immer wieder dazu entschließt, das Raumschiff zerstören zu wollen. Atlan hinterfragt oft genug, ob dieses Vorgehen wirklich so ehrenhaft ist, was ich sehr gelungen finde.

Überrascht war ich, als herauskommt, dass eine dritte Partei an der Auseinandersetzung zwischen den Posbi und den Thetisern nicht nur beteiligt ist, sondern sie auch forciert. Die Hinweise sind geschickt platziert, ohne das ich sie gleich durchschauen konnte. Die unsichtbaren Gegner werden von Atlan als »Skorgonen« bezeichneten und erinnern stark an die Laurin aus der EA.

Atlan wäre nicht Atlan, wenn er nicht mit einer Frau anbändeln würde. Die Metak Taraka ist so etwas wie die Bordingenieurin, von ihr erfährt Atlan, dass die YATANA nicht den Thetisern gehört, sondern sie von ANDROS als Besatzung rekrutiert wurden. Über die Mission des Schiffes besteht Unklarheit, denn sie warten auf die Ankunft des Auserwählten, der die Mission führen wird. Taraka sieht in Atlan diesen Auserwählten und führt ihn gegen den Widerstand ihres Befehlshabenden zur Prüfung. Atlan besteht die Prüfung und wird vom Kommandanten zähneknirschend zum Missionsleiter ernannt. Die Figur der Taraka agiert mir stellenweise zu ambivalent, weil sich immer wieder gegen Atlan wendet. Das er mit ihr am Ende im Bett landet, hatte ich eigentlich schon viel früher erwartet.

Atlan scheint also tatsächlich von ANDROS geschickt zu sein, auch wenn der Arkonide keine Ahnung hat, wer ANDROS ist. Da fragte ich mich kurzzeitig, wieso er nichts von dem weiß, was Perry von den Memetern über ES und ANDROS erfahren hat?  Keine Überraschung war, dass auch Atlan von der Superintelligenz den Auftrag erhält, in die Sagittarius-Galaxie zu reisen. Doch im Gegensatz zu Perry Rhodan und Tuire Sitareh soll er verhindern, dass seine Freunde METEORA für sich gewinnen. Das legt nahe, das Atlan seinen Zellaaktivator vielleicht nicht von ES sondern von ANDROS hat. Das wäre wirklich mal eine alternative Entwicklung in NEO, die Spannung verspricht.

Die Handlung ist über weite Teile glaubwürdig und bildhaft erzählt. Einzig Atlans Aktion, als er ohne Schutzanzug durch das »sonnendurchflutete« Schiff wandelt, um die Skorgonen in eine Falle zu locken, war ein bisschen übertrieben. Nachdem die Skorgonen verschwunden sind und die Posbis mit dem Versprechen besänftigt wurden, Schiffstechnologie der YATANA zu erhalten, bricht das Schiff nach Sagittarius auf. Das ging mir wieder etwas zu schnell und zu leicht. Ich glaube nicht, dass sich die Posbis so einfach mit Versprechen abspeisen lassen. Auch was die Ziele der Skorgonen betrifft, bin ich nicht so richtig schlau aus ihnen geworden.

Die letzten Kapitel, in denen die YATANA vorzeitig aus dem Hyperraum geholt wird und in einem Fesselfeld um einen vagabundierenden Meteoriden festgehalten wird, scheint irgendwie aufgesetzt. Die seltsamen Löwenwesen mit der gestelzten Sprache und ihrem Gefasel um Pilgerreisen, störten die Harmonie, die der Handlung bis hierher innegewohnt hatte. Vielleicht hätte man in dem Fall auf den Cliffhanger verzichten sollen und dafür die Auflösung des Konfliktes zwischen den Posbi, den Skorgonen und den Thetisern ein weniger detaillierter zu beschreiben.

Ich kenne mich nicht so gut mit der britischen Serie »Dr. Who« aus. Ich habe nur eine Staffel gesehen, aber ich erkenne eine Dr. Who Folge, wenn ich eine lese. Und der Roman von Kai Hirdt enthielt nicht nur einen Hinweis (Schallschraubenzieher) darauf. Nette Idee!

Mit »Herr der YATANA« hat Kai Hirdt wieder einmal bewiesen, wie lebhaft man eine Geschichte erzählen kann. Auch wenn ich bei »seinem« Atlan die Gelassenheit eines Zehntausendjährigen vermisst habe.