Im Zeichen des Pubertiers

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Nachdem wir zuletzt den Kinofilm gesehen haben, habe ich nun auch das neue Pubertier-Buch – »Und ewig schläft das Pubertier« – gelesen.

Der Film ist ähnlich gut gemacht wie die Serie, wobei mir Jan Joseph Liefers als Pubertiervater besser gefallen hat, als Pasquale Aleardi. Er schien nicht ganz so verplant. Dafür gefiel mir die Darstellerin der Carla in der Serie besser. Witzig war der Gastauftritt von Jan Weiler am Ende des Films, als Buchhändler.

Doch zurück zum Buch. Inzwischen ist es nicht nur ein Pubertier, das dem gestressten Vater auf der Nase herumtanzt. Auch der Sohn verwandelt sich in ein träges und schwer zu verstehendes Monster. Wobei Tochter Carla mit 18 so langsam aus der Pubertät herausgewachsen sein sollte. Gewohnt pointiert beschreibt Jan Weiler den täglichen Kampf mit den hauseigenen »Bestien«, berichtet über schräge Handlungen und sonderbare Eigenheiten seiner beiden Schützlinge im Pubertierlabor. Das ist auch interessant für nicht Pubertierbesitzer. Aber auch die Außenwelt in Form seines Schwagers und des Lehrkörpers wird einbezogen. Das bringt Abwechslung und verschaffte mir den einen oder anderen Lacher. Ich wünschte, der Autor hätte noch mehr solcher kleiner Begebenheiten angeführt. Wobei man als Leser nie weiß, ob ihm das, was er schreibt, wirklich so widerfahren ist.

Somit ist auch der dritte Teil der Pubertierbücher sehr unterhaltsam und zu keiner Zeit langweilig. Das einzige Manko ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. 14 Euro für ein kleinformatiges Hardcover mit 171 Seiten (9,99 Euro kostet das E-Book und 11,49 Euro die Audio CD). Dafür bekomme ich auch ein 500-seitiges Taschenbuch. Das Buch wird bei Amazon als Geschenkbuch geführt, aber für ein Geschenkbuch finde ich es eindeutig zu teuer. Ich persönlich brauche kein Hardcover, mir würde auch ein Taschenheft reichen und vielen anderen Lesern sicher auch. Das war unteranderem der Grund, mir das Buch gebraucht im Antiquariat zu kaufen.

Ein Haluter in Nöten

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 165 – »Tolotos« von Rüdiger Schäfer

Mit Band 165 wird das Muster immer sichtbarer, welches die Exposéautoren aus den losen Fäden von 164 Bänden NEO weben. Rüdiger Schäfer muss in die Borsch-Ära zurückgreifen, um seinen Tolotos zu etablieren. Der Haluter ist aus den Diensten der Allianz geflohen und hat sich nun den Meistern der Insel angeschlossen, zumindest einem von ihnen – Faktor III – Proht Meyhet. Dass er damit vom Regen in die Traufe gekommen ist, scheint ihn nicht sonderlich zu stören. Viel wichtiger ist ihm, herauszufinden was es mit den Sonnenchasmen und den Crea zu tun hat, gegen die ANDROS rüstet.

Es überrascht, wie weit der Haluter mit seinen Forschungen bereits gekommen ist. Er ist sogar in der Lage selbst einen Riss in der Raumzeit zu schaffen, um das fremde Paralleluniversum zu untersuchen. Wobei auch hier nicht endgültig geklärt wird, ob es sich um ein echtes Universum handelt oder nur eine Art Zwischenraum.

Auch die Crea scheinen an den Chasmen interessiert und erforschen sie von ihrer Seite aus. Eher unfreiwillig gelangt eine Wissenschaftlerin der Crea durch den von Icho Tolot geschaffenen Riss ins Einsteinuniversum und wird von Tolot festgehalten. Der möchte sie zurückbringen. Das weiß die Kreatur aber nicht und versucht sich selbst zu befreien. Mangelnde Kommunikation sorgt auch hier wieder für genügend Missverständnisse .

Es ist spannend zu lesen, welche moralischen Vorwürfe sich Tolot einerseits macht, andererseits jedoch einfach so an der Raum-Zeit-Schranke herumbastelt. Das bei seinen Versuchen ein Wesen aus einem fremden Universum zu Schaden kommt, nimmt er in Kauf, genauso wie er den Tod dutzender Rhodan-Doppelgänger lange Zeit in Kauf genommen hat. Dass er mit seinen Schuldgefühlen nicht allein steht, sondern dass auch Faktor III darunter leidet, was er im Namen von ANDROS den Thetisern und anderen Lebewesen angetan hat, erzählt Rüdiger Schäfer durchaus glaubhaft.

Rhodans Persönlichkeit wirkt mir dagegen fast schon zu heldenhaft, zu moralisch und zu edelmütig. Seine große Abschiedsszene mit der Crea – der er hilft in ihre angestammte Umgebung zurückzukehren – ist sinnbildlich für den Terraner, der stets an das Gute im Menschen bzw. im Außerirdischen glaubt. Eine Haltung, die ihn ehrt, die aber auch Gefahren heraufbeschwört. In diesem Fall lässt er die Crea mit all den gewonnenen Daten über das Einsteinuniversum und die beiden Galaxien ziehen. Als guten Willen sozusagen. In meinen Augen etwas blauäugig, denn wer weiß denn, ob für Kreaturen, die einen Haluter bezwingen können, die gleichen moralischen Werte gelten wie für den Terraner.

Mit einem Roman der ausschließlich mit Lieblingsfiguren der Fans bestückt ist, kann eigentlich nicht viel schief gehen. In dem kleinen Kammerspiel lässt der Autor die Charaktere gewohnt liebeswert agieren. Guckys Kampeleien mit Bully gehören ebenso dazu wie Leydens offensichtliche Hochachtung für Icho Tolot. Da erwacht ein wenig die Nostalgie aus Zeiten des klassischen MdI-Zyklus.

Stilistisch ist es ein typischer Schäfer-Roman – wenig Dialog, dafür ausschweifende Innansichten und Erklärungen. Nur wenigen Autoren gelingt es, eine solche Menge an Infodump auf eine so angenehme Weise zu vermitteln. Auch wenn ich mir bei den Rückblicken etwas mehr Action gewünscht hätte. Bemerkenswert sind Rüdiger Schäfers Ausführungen zum Multiversum. Ich finde sie deshalb interessant, weil ich in meinem Fanroman Parallelwelten ähnliche Theorien und Methodiken verwende.

Fazit: »Tolotos« ist ein Roman, der nicht nur die Staffelhandlung ein großes Stück voranbringt, sondern auch das große Mosaik des Neoversums zu vervollständigen weiß. Das sich ein kleiner Fehler bei den Zeitabläufen der Universen eingeschlichen hat, kann ich als Leser verschmerzen. Ganz nach den Worten von Deanna Troi in First Contact: »Wir haben keine Zeit, über die Zeit zu reden. So viel Zeit haben wir nicht.«

War früher wirklich alles besser?

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»Früher war alles schlechter« ist der Titel eines Buches von Guido Mingels, das ich vergangenes Jahr von meinem Mann geschenkt bekam. Auf 115 Seiten werden in anschaulichen Infografiken, Statistiken aus einhundert Jahren aufbereitet. Die Themenvielfalt deckt den ganzen Bereich des menschlichen Daseins ab. Von der Lebenserwartung über Terroranschläge und bis hin zu Bierkonsum und Weißen Weihnachten.

Zahlen lügen nicht, heißt es. Und wenn man sich die Grafiken so anschaut, so ist die Welt tatsächlich nicht so schlecht, wie wir glauben. Früher war tatsächlich vieles sehr viel schlechter. Nur unser Eindruck ist ein anderer, als noch vor zwanzig Jahren. Durch das Internet bekommen wir heute sofort mit, wenn in China mal »ein Sack Reis umfällt« oder in der Nachbarschaft einer die Zeche geprellt hat. Die Flut an Informationen ist es, die uns suggeriert, dass die Welt kurz vor dem Untergang steht.

Natürlich ist auf der Welt vieles nicht so, wie es sein sollte, aber in manchen Dingen haben wir tatsächlich eine verzerrte Wahrnehmung. Zum Beispiel was die Zahl der Todesopfer von Terroranschlägen in Westeuropa angeht. Die war in den 70er und 80er Jahren doppelt bis dreimal so hoch wie seit dem Jahr 2000. IRA, Eta und RAF töteten manchmal bis zu 400 Menschen im Jahr (nur in Europa). In einer Zusatzinformationen zur Grafik erfährt der Leser, dass Terrorismus eine äußerst erfolglose Form der Konfliktlösung ist, und praktisch alle Terrorgruppen von 1968 bis 2006 scheiterten.

Das kleine Sachbuch zeigt das Leben in nüchternen Zahlen, ist hübsch aufbereitet und mit spannenden Informationen ausgestattet. Ich schlage hin und wieder mal nach, wenn ich irgendwo die Behauptung lese, dass dieses oder jenes früher besser war. Meistens entpuppt sich die Meldung dann als übertrieben. Und das beruhigt mich irgendwie ein bisschen.

Die gebundenen Ausgabe erschien im April 2017 in der Deutschen Verlags-Anstalt und ist in jeder Buchhandlung oder bei allen Onlinehändlern erhältlich.

Fraktale, Emissäre und Faktoren

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PERRY RHODAN NEO Band 164 – »Der Etrin-Report« von Rainer Schorm

Der Autor schafft es in letzter Zeit immer häufiger, mich aufs Neue zu faszinieren. Dabei hatte ich bei seinen frühen NEO-Romanen oft Probleme mit der sehr technischen »Sprache«. Auch in »Der Etrin-Report« versteckt sich viel »Technobabble«, bleibt aber auf einem erträglichen Niveau. Im Gegenteil, Rainer Schorm inspirierte mich, dass ich mich mit Fraktalen beschäftigt habe. (Ich empfehle dazu das Buch »Magische Fraktale in 3D«.)

Die Handlung um die Faktoren III und IV ist von der ersten Seite an spannend und liefert eine Menge neue Antworten hinsichtlich des Aufriss‘ zwischen den Universen und zu den Machtverhältnissen der Meister. Weniger überraschend ist das Auftauchen von Leibnitz, der in Band 160 scheinbar getötet wurde. Ich dachte mir schon, dass die Autoren nicht so viel Arbeit in einen Charakter stecken, um ihn nach wenigen Bänden sterben zu lassen. Leibnitz wurde also von einem Situativ gerettet, das Faktor IV im Donit-System stationiert hatte. Warum er das tat, ist mir aber nicht so ganz klar geworden. Rechnete er eventuell mit der Zerstörung der MAGELLAN? Leibnitz und Monade sind also in der Handlung zurück und werden vom Emissär (der niemand andere als Icho Tolot ist) zur MAGELLAN gebracht.

Interessant sind die Vorgänge die Faktor IV – Miras Etrin – in der Milchstraße beobachtet. Auf dem Erdmond manifestiert sich etwas Ungewöhnliches. Dort scheint eine Art anorganisches Gehirn zu wachsen. Auslöser sind sowohl der Absturz eines Posbi-Raumers, als auch das Chasma. Eigentlich hatte ich beim Lesen schon damit gerechnet, war aber dann doch überrascht, als der Begriff NATHAN fällt. In diesen Kapiteln findet auch ein Wiedersehen mit Dr. Brömmers und seiner Frosch-KI statt. Darüber habe ich mich persönlich sehr gefreut, weil ich die Chemie zwischen Brömmers und dem Frosch gut dargestellt finde.

Ähnlich faszinierend sind auch die Gedanken von Faktor III – Proht Meyhet – über das Beziehungsgeflecht zwischen den Faktoren. Die Meister der Insel sind sich untereinander nicht einig, was den Auftrag von ANDROS angeht. Auch Meyhet versucht Perry Rhodan von der Notwendigkeit zu überzeugen, an einem Strang zu ziehen. Doch im Gegensatz zu Mirona Thetin scheint Meyhet genau zu wissen, wie der Mensch tickt. Ein Vorteil, wenn es ihm gelingt, Rhodan in die Ödnis nach Modul zu locken, um ihn die Auswirkungen des Aufriss zu demonstrieren. Denn ob die Crea eine Gefahr darstellen, da ist sich Meyhet selbst nicht sicher. Die größere Gefahr scheint von ANDROS selbst auszugehen. Mirona Thetin scheint über die Jahrhunderte betriebsblind geworden zu sein, wenn sie es nicht schon immer war. Doch mit Atlans Hilfe gelingt es ihr zumindest die Verschwörung gegen sich, aufzudecken. Was Faktor III und IV in große Gefahr bringt und die Handlung noch spannender macht.

Fazit: »Der Etrin-Report« ist einer der spannendsten Romane aus dem aktuellen Zyklus und hält nicht nur viele Erklärungen, sondern auch einige echte Überraschungen bereit. Damit ist dieser NEO nicht nur lesenswert, sondern auch absolut wichtig für die Zyklushandlung.

Ein Buch wie eine NOVA

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NOVA so lautet der Titel der amerikanischen Ausgabe des Romans von Margaret Fortune. In Deutschland ist er unter dem Titel NEW SOL bei Bastei-Lübbe erschienen.

Die anscheinend rechte junge Autorin – leider gibt es kaum Hintergrund-Informationen über sie – schreibt in ihrem Debüt-Roman über eine Raumstation, eine menschliche Bombe und eine Bedrohung für die Menschheit. Das macht sie auf eine erfrischend unkonventionelle Art. Ihr Roman ist im Ich-Präsens geschrieben. Ein stilistisches Mittel, das ich ebenfalls gern benutze, weil man damit den Leser sehr nah an die Figur binden kann. Das funktioniert nicht immer, aber im Fall der Lia Johnson aus dem Roman ist es ideal. Sowohl Leser als auch Protagonistin sind sich den ganzen Roman über nie sicher, wer oder was sie ist. Immer wenn sie glaubt, es herausgefunden zu haben, wird sie eines Besseren belehrt. Die Autorin spielt sehr geschickt mit den Informationen, die sie Lia und dem Leser gleichermaßen zukommen lässt. Das macht die Geschichte unheimlich spannend. Auch wenn die Grundidee nicht unbedingt originell ist.

In der letzten Hälfte des Romans konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Hier bekommt die Geschichte um die menschliche Bombe Lia noch eine weitere Ebene und das macht es sehr sehr spannend. Ich wollte unbedingt wissen, wie der Roman endet. Wird Lia überleben oder zur Nova werden? Und tatsächlich erfährt man erst auf den letzten Seiten, welches Schicksal Lia ereilt. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, weil es sich wirklich lohnt, dieses Buch zu lesen.

Man merkt, dass sich der Roman an ein junges Publikum richtet. Lia und ihr Freund Michael sind 16, Michaels Schwester ist 13. Es werden viele Probleme von Teenagern angesprochen, die sich über die Jahrhunderte nicht verändert zu haben scheinen. Das ist oft klischeehaft, aber nicht so schlimm, wie es sich anhört. Problematischer finde ich etwas anderes. In meinen Augen ist die Hintergrundgeschichte nicht sorgfältig genug ausgearbeitet. Man erfährt nicht in welchem Jahr der Roman spielt, warum die Menschen die Erde verlassen haben und auch die politische Situation rund um Sternenbund, Rebellen und Tellurianischer Allianz bleibt trotz Erklärungsversuchen schwammig. Da hätte deutlich mehr Arbeit in den Weltenbau gesteckt werden müssen. Allerdings habe ich eine Ahnung, warum das so ist …

Als langjährige FanFiction-Autorin hatte ich bei NEW SOL die ganze Zeit über das Gefühl, FanFiction zu lesen. Und zwar zur Fernsehserie Babylon 5. Zum einen wegen der Station, deren Beschreibung sich sehr eng an das Babylon-Center anlehnt, aber auch wegen solcher Begriffe wie PsyCorp (PsiCorp) oder Schatten. Selbst den einen oder anderen Schauspieler hatte ich bei manchen Charakteren im Hinterkopf. Bei FanFiction lässt man eine Geschichte in einer bereits bestehenden Welt spielen. Ich nehme an, dass dies bei der ursprünglichen Fassung der Geschichte der Fall war und sich die Autorin später dazu entschlossen hat, die Geschichte als eigenständigen Roman zu überarbeiten. Was man ihr nicht verübeln sollte, denn die Grundidee und die Ausführung der Geschichte sind es auf alle Fälle wert, von einem großen Publikum gelesen zu werden.

Der Roman ist Teil der fünfteiligen Reihe Krieg der Schatten. Band Zwei erschien im November 2017 unter dem Titel PRISMA ebenfalls bei Bastei-Lübbe. In einem Interview äußerte sich die Autorin, dass sie als Leserin mehrbändige Geschichten eigentlich nicht mag, es aber zum Deal mit dem Verlag gehörte, der ihren Debüt-Roman in den USA veröffentlichte. Man kann nur hoffen, dass die weiteren Bände genauso spannend sind und die Autorin die Möglichkeit bekommt, ihr eigenes Universum zu bauen und zu erweitern.

Viel Schatten und ein wenig Licht

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 163 – »Geist von Nachtschatten« von Susan Schwartz

Während die MAGELLAN in die Plattform der Paddler integriert wird, spuckt ein Situationstransmitter ein kleines Schiff aus, welches auf dem einzigen Planeten im System eines Flare-Sterns landet. Das Leyden-Team wird losgeschickt, um das fremde Schiff zu untersuchen. Dabei kommen sie in Kontakt mit der ungewöhnlichen Natur des Planeten, auf dem es immer Nacht ist. Als sie das Schiff erreichen, bekommen sie von einem Unbekannten ein Geschenk überreicht, dass die Perry Rhodan persönlich übergeben sollen. Das gefährliche Geschenk ist die Klaue eines/einer Crea, dem geheimnisvollen Feind der Meister der Insel.

Der ist nicht Roman schlecht. Für meinen Geschmack zog er sich im Mittelteil etwas lang hin, aber im Großen und Ganzen war er rund und bot auch die eine oder andere überraschende Wendung. Die Welt des Dunkelplaneten hat die Autorin mit viel Phantasie geschildert und auch das Zusammenspiel der vier Wissenschaftler war stimmig. Allein die Länge der Expedition fand ich etwas nervig. Mich hätte vielmehr das fremde Schiff und sein nicht unbedeutender Passagier interessiert. Vermutlich handelt es sich um niemand anderen als Icho Tolot. Das Geschenk an Rhodan hielt ich zunächst für ein Enteron. Genauso eines wie Rhodan von seinem Alter-Ego bekommen hatte und das wahrscheinlich ebenfalls von Icho Tolot stammte. Schließlich kannte der Haluter die Duplikate von Rhodan. Ich bin gespannt, wie die Expokraten den NEO-»Neulesern« erklären, woher Icho Tolot Rhodan kennt. Da müssen sie schon ein wenig weiter ausholen, denn die Informationen stammen aus Band 100.

Was mir nicht so gut gefällt, ist die ganze Geschichte um Tani Hanafe und die Paddler. Nur weil sie von den Paddlern mehr akzeptiert wird als von den Crewmitgliedern der MAGELLAN, denkt sie darüber nach, bei den Paddlern zu bleiben. Ich weiß nicht, ob ich das an ihrer Stelle auch so sehen würde. Das mag sie jetzt vielleicht befriedigen, aber auf lange Sicht könnte sie diese Entscheidung bereuen. Sie löst sich damit von ihren Wurzeln als Mensch und verzichtet auf die Liebe von Schablonski. Von ihrer Loyalität gegenüber Perry Rhodan, der sie als Mutantin sicher mehr braucht als die Paddler, ganz zu schweigen. Neben Tani Hanafe und dem Sue/Sid Amalgam droht Perry Rhodan jetzt auch noch der Verlust von John Marshall, dem ein unbekanntes Leiden ereilt hat. Es scheint, als wollten sich die Expokraten so nach und nach der Mutanten entledigen.

Interessant sind auch die Fakten zu Faktor III. Was führt der Meister im Schilde und warum hilft er Rhodan, indem er Tolot zu ihm schickt? Oder ist das ganze nur ein Trick von Faktor I, um Rhodan doch noch auf ihre Seite zu ziehen? Wir werden es sehen. Was die nächsten Romane betrifft, ist für Spannung zumindest gesorgt.

Fazit: »Geist von Nachtschatten« ist kein herausragender Roman, aber einer der besseren NEOs der Autorin. Die Expedition des Leyden-Teams empfand ich stellenweise etwas langatmig. Der Rest enthielt jedoch genau die richtige Portion an Informationen, um die Leser bei der Stange zu halten.

»taH pagh taHbe«

Quelle: HEEL-Verlag

Wie ein im Saarland lebender Belgier dazu kommt, einen Sprachführer auf Deutsch zu schreiben, ist an sich schon eine spannende Sache. Weil dieser Sprachführer so ungewöhnlich ist, muss ich einfach darüber berichten.

Lieven L. Litaer hat ein Übungsbuch zur klingonischen Sprache geschrieben. Erschienen ist »Klingonisch für Einsteiger« in diesem Jahr im HEEL-Verlag. Der Verlag machte sich vor allem in den Neunzigern und Zweitausender einen Namen im Fandom, weil er viel Sekundärliteratur zu STAR TREK veröffentlichte. Unteranderem erschien hier auch »Das offizielle (klingonische) Wörterbuch« und später »Klingonisch für Fortgeschrittene«.

Lieven L. Litaer weiß wovon er spricht. Er ist Klingonischlehrer und gibt regelmäßig Seminare. Jetzt hat er seine Erfahrungen in einem kleinen Übungsbuch gebündelt. In 10 Lektionen auf 64 Seiten begleitet man den Sternenflottenoffizier Toby Johnson auf seinem Landurlaub auf der klingonischen Heimatwelt Kronos. In kurzen Übungen wird man in die Sprache der Krieger eingeführt. Eine Audio-CD hilft bei der richtigen Betonung. Die Aufgaben richten sich nach dem Muster üblicher Sprach-Übungsbücher. Dabei geht der Autor aber speziell auf die Eigenheiten der Klingonen ein. So lernt man sich bei einem Wettfluchen verbal genauso zu wehren, wie beim traditionellen klingonischen Paarungsritual. Das ist witzig und macht unheimlich viel Spaß. Wichtig beim Lösen der Sprechaufgaben: man muss maßlos übertreiben. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Lernen in einer Gruppe oder zu zweit noch viel lustiger ist.

Neben den Übungen bietet das Buch auch immer wieder Querverweise auf die Wörterbücher und Fakten zur Grammatik sowie Wissenswertes zur Entstehung des Klingonischen, das von Marc Okrand entwickelt wurde. Dieser schrieb auch das Vorwort und macht das Werk von Lieven Litaer damit sogar offiziell. So weit ich gelesen habe, gibt es auch eine englische Übersetzung. Damit ist »Klingonisch für Einsteiger« wieder ein offizielles STAR TREK-Buch, das zuerst in Europa verlegt wurde, nach der PROMETHEUS-Reihe von Christian Humberg und Bernd Perplies.

Wer sich für exotische Sprachen interessiert, für den ist »Klingonisch für Einsteiger« ein Muss. Einfacher kann man die »am schnellsten wachsende Sprache des Universums« nicht lernen. Das Buch (inkl. Audio-CD) kostet 14,99 EUR und ist im Online Shop bei HEEL und im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

In dem Sinne wünsche ich allen Lernwilligen: Qapla‘!

Übrigens, die Überschrift des Blogeintrages ist ein Zitat aus Hamlet (dem klingonischen Original versteht sich).

Aufstieg zwischen Brodem und Totleben

Quelle: Droemer-Knaur.de

»Das blutende Land« von Klaus N. Frick

Die Eskoher senden einen neuen Verwalter in das von Freibauern bewohnte Land Patloren. Ihn begleitet eine junge Frau mit einem geheimnisvollen Auftrag. Einer der Raureiter, die in Patloren für Ordnung sorgen, sieht im neuen Verwalter seine Chance aufzusteigen. Und dann ist da noch Sardev. Der junge Bauernsohn erlegt einen Geisterwolf und wird damit zum Versuchskaninchen eines Zauberers, der sich die letzten Reste von Magie zu Nutzen machen will. Doch das Experiment setzt Kräfte frei, die alle Parteien in einen blutigen Krieg stürzen.

Man merkt, dass Klaus N. Frick gern Geschichten erzählt. In seinem ersten großen Fantasyroman schwelgt er in Worten, wie in keinem seiner Romane zuvor. Er spricht alle fünf Sinne seiner Leser an, manchmal ist das fast ein bisschen zu viel, aber so bekommt man ein vollständiges Bild von der Inselwelt Patloren. Das Leben dort ist hart, die Herrschenden schonungslos. Ständig fließen Blut und andere Körperflüssigkeiten. Die Charaktere sind verschlagen, kaltherzig und wenig liebenswert. Doch gerade das macht für mich den Reiz dieser Geschichte aus. Es ist keine schöngefärbte Fantasy-Saga mit Elben und Einhörnern, die unter einem Regenbogen wandeln. Was Klaus N. Frick schildert, ist vielmehr die harte Realität des Mittelalters, das in unserer Gegenwart viel zu oft verklärt wird.

Zwischen den Intrigen von Verwalter Nesh-Tilan, der schönen wie klugen Zarg-Nolesa und des Raureiters Shorrn Mekeis gerät Sardevs Geschichte, der im Laufe der Handlung vom Geist eines Wolfs übernommen wird, ein wenig unter die Räder. Vor allem nach dem spannenden Prolog, verschwindet Sardev zunächst aus der Handlung, um erst mit Beginn des zweiten Drittels zurückzukehren. Auffällig ist, dass alle Figuren außer dem Jungen nach sozialem Aufstieg streben. Der Verwalter wünscht sich nach Eskoh zurück, der Raureiter schielt auf einen höheren Posten. Nur die persönlichen Motive der jungen Frau werden bis zum Ende nicht so recht deutlich. Sie scheint ausschließlich dem magischen Zirkel der Eskoher zu dienen. Sie ist es auch, die den Zauberer zu dem Versuch mit Sardev bestärkt. Möchte sie doch, die noch vorhandene Magie für die Eskoher nutzen.

Spätestens hier gewinnt der Roman an Spannung. Der sich durch das Experiment ausbreitende Brodem gebiert Totleben, welches alles eliminiert, was sich ihm in den Weg stellt. Diese »Zombie-Invasion« hat ihren eigenen Reiz und wirkt durch die plastischen Beschreibungen auch ziemlich authentisch. Genauso fassbar ist das Leiden Sardevs. Ein Wolf hat seinen Körper übernommen und die Raureiter richten ihn zu einer Kampfmaschine ab. Der unschuldige Junge muss miterleben, wie er zu einem vielfachen Mörder wird, ohne selbst etwas dagegen tun zu können. Das ist einfühlsam geschrieben und macht das Grauen der Magie für mich erlebbar. Das Geschehen um den Brodem spitzt sich zu und gipfelt in einer epischen Schlacht, bei der es nur Verlierer geben kann. Klaus N. Frick gelingt es, alle Handlungsfäden zu einem befriedigenden Ende zu bringen, ohne dass es hektisch wird oder Fragen offenbleiben.

Neben zwei größeren Kontinuitätsfehlern, über die sich der Autor sicher mehr grämen wird als die Leser, sind es vor allem Redigierleichen und unglückliche Formulierungen, über die ich gestolpert bin. Manche klingen unfreiwillig komisch, wie: »Sein Schreiber hatte bereits … alle Siegel erbrochen.« (vgl. S. 400) Andere sind einfach nur der Nachlässigkeit geschuldet. Auch hier, bin ich mir sicher, ärgert sich der Autor mehr darüber als die Leser.

»Das blutende Land« ist ein Fantasyroman der aus dem Rahmen fällt. Er besticht durch realistische Beschreibungen, die alle Sinne ansprechen und damit eine Wirklichkeitsnähe erzeugen, die man in vielen Bestsellerromanen vermisst. Die Geschichte um Patloren konnte sogar mich fesseln, die mit Fantasy sonst nichts anfangen kann. Deshalb habe ich mir fest vorgenommen nochmal das Sequel »Sardev – Im Schatten des Friedens« hervorzuholen (Das gibt es übrigens als E-Book beim Verlag in Farbe und Bunt). Ich bin mir sicher, dass ich diese Geschichte jetzt mit anderen Augen lesen werde.

Der Roman »Das blutende Land« von Klaus N. Frick erschien als Paperback und E-Book bei Droemer-Knaur und ist in jeder gut sortierten Buchhandlung sowie im Onlinehandel erhältlich.

Last der Unsterblichkeit

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN NEO Band 162 – »Allein zwischen den Sternen« von Kai Hirdt

Wie fühlt sich ein Mensch der schon mehr als tausend Jahre lebt? Gibt es für ihn noch Inspiration? Fühlt er noch, oder ist ihm alles gleichgültig? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich Kai Hirdt in diesem Roman. Er schafft damit etwas, das seinen Vorgängerinnen in Band 161 nicht gelungen ist, nämlich mir die Gefühlswelt eines MdI zu vermitteln.

Trinar Molat – Faktor II –  ist ein einsamer Mann. Durch das lange Leben abgestumpft, gibt es kaum noch etwas, dass ihn berührt. Allein sein Hass auf Perry Rhodan und die Jagd auf den Terraner scheint in ihm etwas zum Schwingen zu bringen. Dabei hat seine ehemalige Partnerin Mirona Thetin – Faktor I – verboten der MAGELLAN und Rhodan nachzustellen. Molat spielt sein eigenes Spiel, als er sieht, dass Mirona von ANDROS Auftrag abzuweichen scheint. Durch seine Gedanken versteht man sein Handeln, das von Brutalität und Gleichgültigkeit geprägt ist. Sein Versuch die Welt seiner Untergebenen zu verstehen, scheitert an seiner Gefühllosigkeit. Ist er noch ein Mensch? Führt Unsterblichkeit zum Verlust der Menschlichkeit? Es sind genau die Ängste mit denen Perry Rhodan bei der Übernahme seines Zellaktivators haderte, die sich als Eigenschaften in den MdI manifestieren. Allein für diese Charakterstudie lohnt sich die Lektüre des Romans.

Spannend und actionreich geht es dagegen auf der MAGELLAN zu. Atlans Botschaft enthielt einen Schadcode, der die Positronik übernimmt und das Schiff zu einem Rendezvous mit einer Plattform der Paddler zwingt. Lange ist nicht klar, ob die Paddler den Terranern wirklich wohl gesonnen sind. Als die Vorurteile überwunden scheinen, wird die MAGELLAN von den Schergen Trinar Monats angegriffen. Auch in diesem Handlungsstrang spielt Kai Hirdt seine Stärken aus. Mit lebhaften Dialogen und witzigen Szenen legt er den Schwerpunkt auf die Interaktion der Figuren. Bei den Raumschlachten dagegen hatte ich oft ungenaue Bilder im Kopf und konnte den Manövern nicht so recht folgen.

»Allein zwischen den Sternen« ist ein kurzweiliger Roman, der einen Blick in die Seele eines Meisters wirft und den Terranern in Andromeda zum ersten Mal echte Vertraute verschafft. Spannung und die vielen netten Details machen diesen NEO zu einem echtes Erlebnis und entschädigen mich für den schlechten, letzten Roman.

Epsal im Brennpunkt

Quelle: Perrypedia

PERRY RHODAN EXTRA Nr. 16 – »Die Phantome von Epsal« von Michael Marcus Thurner

Die Welt Epsal ist schon sehr lange Bestandteil des PERRY RHODAN-Universums. Bereits in PR-Band 100 wird sie erwähnt. Doch wie es auf dieser Welt aussieht und welche Geschichte sie im Laufe der Jahrtausende genommen hat, war lange in den Annalen der Serie verborgen. Entsprechend kurz ist der Eintrag zu Epsal in der Perrypedia. Noch!

Mit »Die Phantome von Epsal« hat sich Michael Marcus Thurner daran gesetzt und dem einstigen Kolonialplaneten der Terraner nicht nur ein Gesicht verpasst, sondern auch eine Geschichte. Ganz nebenbei bekommt der Leser auch noch einen spannenden Thriller geliefert. So richtig mit Attentat und Jagd auf Perry Rhodan. Dabei war der Zellaktivatorträger nur auf Epsal, um eine alte Freundin zu besuchen. Als diese Freundin während des Attentats stirbt, wird Rodan schnell klar, dass sie ihn nicht ohne Grund nach Epsal bestellt hat. Ihre Welt scheint aus den Fugen zu geraten. Nach einer Art Militärputsch werden die Rechte der Bewohner stark eingeschränkt und Perry Rhodan erlebt am eigenen Leib, dass er niemandem vertrauen darf. Brennpunkt des Konflikts scheinen die Lahoori zu sein. Sagenumwobene Gestalten, an deren Existenz nur Angsthasen und kleine Kinder glauben, die sich aber als ziemlich real herausstellen. Perry Rhodan muss der Wahrheit ins Auge sehen. Die einst von ihm vorangetriebene Expansion der Terraner ist verantwortlich für den Beinahe-Exodus der epsalischen Ureinwohner. Doch wie immer sind auch hier die Hintergründe noch viel komplizierter.

Der Autor zeichnet ein buntes Bild jener Welt, die man zu kennen glaubt. Mit viel Phantasie und Liebe zum Detail erschafft er quasi einen exotischen Planeten aus dem Nichts. Witzige Sidekicks wie die Dackelplage oder die Marittenbäumchen unterhalten, während man mit Perry Rhodan von einem Abenteuer ins andere stolpert. Dabei beschreibt Michael Marcus Thurner den Zellaktivatorträger erfrischend menschlich. Aber auch die kurzen Auszüge aus der epsalischen Geschichte lesen sich realitätsnaher, als man sich das wünscht. Da steckt viel Gesellschaftskritik zwischen den Zeilen und das wiederum macht diese Passagen so glaubhaft.

Einziger Schwachpunkt war das hastige Finale. Der Roman war so plötzlich zu Ende, dass man beinahe dachte, etwas überlesen zu haben. Da hätte ich mir als Leser mehr gewünscht. Dafür hätte es an anderer Stelle weniger sein können.

Dennoch! Der 16. Band der EXTRA-Reihe ist ein besonders lesenswerter Roman, der nicht nur eine spannende Handlung erzählt, sondern auch die Geschichte eines Planeten beleuchtet, den es schon sehr lange in der PERRY RHODAN-Serie gibt. Gut gemacht!