Abstraktes Endspiel

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PERRY RHODAN NEO Band 199 – »Am Ende aller Tage« von Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm

Die MAGELLAN hat im Halit-System enorme Problem. Die durch ANDROS verursachten Störungen des Raum-Zeit-Gefüges bringen nicht nur das Schiff, sondern auch die Mannschaft an ihre Grenzen. Mit Mühe und Not können sie die DOLAN mit Icho Tolot an Bord nehmen und sich an den Rand des Systems zurückziehen. Der Haluter ist zudem eine große Hilfe, um die Gefahr durch platzende Halbraumblasen zu eliminieren. Dem im System zurückgebliebenen Perry Rhodan kann die Crew allerdings nicht im Kampf gegen ANDROS beistehen.

Der Protektor befindet sich auf einer Verrytspähre. Zusammen Tuire Sitareh, Ernst Ellert und Huang Wei, soll er das Synchrofark mittels Sprengkapseln zerstören. Dort sieht Perry ES bei einem Angriff durch ANDROS sterben. Doch die Entität hat nur geblufft, es war Huang Wei der sich als ES ausgegeben hat und gestorben ist. Zurück auf der Verrytsphäre erläutert ES ihren Plan und schickt Ellert mit Tuire ins Creaversum, während Perry als Anker im Einsteinuniversum zurückbleibt. Durch die Augen von ES, erkennt Perry, wie das Schließen der Ruptur auch die Erde im Solsystem bedroht. Der Planet kann aber durch NATHAN und die Posbis geschützt werden. Der Plan von ES geht auf. Während die Crea mit einem riesigen Habitat – einer Art Arche – ins Einsteinuniversum überwechseln, wird ANDROS ins Creaversum gesaugt und die Dimension für immer abgeschnitten. Tuire und Ellert können nicht zurückkehren. Rhodan droht in den Gewalten, die im Halit-System nachwirken, getötet zu werden, kann aber in letzter Sekunde von Mirona Thetin und Atlan mittels Halbraumtransport gerettet werden.

Das sich die Prophezeiung von ES – der Tod Perry Rhodans – nicht bewahrheitet, davon war auszugehen, ansonsten wäre die Serie hier zu Ende gewesen. Insofern liefert dieser Aspekt keine so richtige Spannung. Interessant ist allerdings, der Ausgang des kosmischen Schachspiels zwischen ANDROS und ES. Der letzte Bluff, der die Rettung der Spezies des Creaversums und die gleichzeitig Verbannung von ANDROS in seine angestammte Heimat beinhaltet, ist von den Autoren sehr clever durchdacht.

Allerdings blieben mir viele Dinge in diesem Roman zu abstrakt. Abgesehen von den Auswirkungen der zusammenbrechenden Raumzeit, für die es weder Beweis, noch Gegenbeweis gibt, ist mir die Rolle des Protektors nicht so ganz klar geworden. Was genau außer seinem Zellaktivator und der bei der Aktivierung der Transmitterstrecke veränderten Physiologie macht die Person Perry Rhodans so wichtig? Theoretisch hätte das jeder mit Zellaktivator ausgestattete Mensch, also auch Thora oder Atlan tun können. Auch seine Rettung durch Mirona Thetin war mir zu konstruiert und zu simpel. Man hat ihn quasi an Bord gebeamt.

Tuires »Ableben« kam ebenfalls nicht unerwartet. Ich war stets ein großer Fan des rätselhaften Auloren, allerdings hat er in den vergangen Staffeln an Reiz verloren, weil er kaum noch auftauchte. Es tut mir wohl deshalb weniger leid, dass er ab Band 200 nicht mehr dabei sein wird. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber, dass er zusammen mit Ernst Ellert einen Weg zurückfindet.

Das Ende von ANDROS war gut gelöst, gerade weil die Entität nicht getötet wurde, sondern aus dem Einsteinuniversum verbannt. Soviel ich verstanden habe, ist ANDROS das gleiche wie METEORA. Also ein aus Halatium gebildetes Bewusstsein. Während ES aus den Seelen der Memetern hervorgegangen ist. Damit ist ANDROS aber eher der Bruder von METEORA, als der Bruder von ES. 

Die beiden Autoren bemühen sich sichtlich um Spannung. Das gelingt ihnen auch. Man kann außerdem nur schwer feststellen, wer was geschrieben hat. Ich tippe aber, dass Rüdiger Schäfer für die Rhodan Handlungsebene verantwortlich war. Dennoch hat mich der Roman nicht einhundertprozentig überzeugt. Wie gesagt, vieles war mir einfach zu abstrakt. Jemand, wie mich, der genau verstehen möchte, was passiert und der auf innere Logik wert legt, wird sich schwer tun. Irgendwann habe ich aufgegeben, es verstehen zu wollen, und einfach nur noch weitergelesen. Das heißt aber auch, dass ich nur mit halben Herzen dabei war und das wiederum finde ich schade.

Ein weiterer Aspekt, den ich vermisst habe, war das Leyden-Team. Die Truppe um den exzentrischen Hyperphysiker hat in den vergangenen knapp 100 Romanen einen großen Teil der Handlung dominiert. Das sie innerhalb der Staffel so plötzlich ins Aus befördert und ihnen nicht mal im großen Finale eine Rückkehr gestattet wurde, ist mehr als ärgerlich. Selbst Belle McGraw, die ja an Bord der MAGELLAN ist, taucht nicht mehr auf. Selbst dann nicht, als ihr »Geliebter« John Marshall bewusstlos in der Krankenstation materialisiert. Stattdessen etablieren die Autoren – ich tippe mal, es war Rainer Schorm – den bislang unbekannte Charakter Alfred Parlinger. Durch die Augen, des in der Astrometrie tätigen, Wissenschaftlers erleben wir die Auswirkungen der Raumzeitstörungen. Diese Rolle hätte gut auf die Astronomin Belle McGraw gepasst, die dann sogar ihrem Schwarm Marshall hätte zu Hilfe eilen können. Leyden hätte mit Tolot die MAGELLAN gerettet, während Luna Perparim ihre Verbindung zu Huang Wei offenbart worden wäre. Leider scheinen die Expokraten mehr auf ein paar nörgelnde Fans gehört zu haben, als sich und den Leyden-Fans diesen Knalleffekt zu gönnen. Damit verzichten sie leider auch auf einen richtig runden Abschluss.

Abgesehen, von den erwähnten Punkten ist »Am Ende aller Tage« ein überdurchschnittlich guter NEO, der die offenen Fäden von 199 Romanen glaubhaft abschließt. Ich hätte mir allerdings weniger abstrakte physikalische Details und mehr Gewicht auf die finale Charakterentwicklung gewünscht, denn angesichts des angekündigten Zeitsprungs, werden wir einige der Figuren nicht wiedersehen.

Noch eine Bemerkung zum Cover von Dirk Schulz: war es zuletzt Ricardo Montalban, der für Tuire Modell gestanden ist, dann war es bei Band 199 Gojko Mitic.

Liebesfilm mit phantastischem Plot

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»Every Day«, so heißt der Originaltitel des Films, benannt nach dem gleichnamigen Roman von David Levithan. Warum man Buch und Film in Deutschland »Letztendlich sind wir dem Universum egal« betitelte, wissen wohl nur die Marketingstrategen im Fischer Verlag oder die Übersetzerin.

Der umständliche Titel ist auf das Zielpublikum ausgerichtet – die »Young Adults«, also Jugendliche ab 17 Jahren. Dabei funktioniert die Geschichte auch für andere Altersgruppen. Es geht darin um eine Seele, die jeden Tag in einem anderen Körper aufwacht und diesen für einen Tag bewohnt. Sie nennt sich A. und wacht stets in gleichaltrigen Personen (Junge wie Mädchen) auf, die nie weit voneinander entfernt leben. Als A. im Körper von Justin steckt, lernt sie dessen Freundin Rhiannon kennen. Ab dem Tag fühlt A. eine Verbindung zwischen sich und dem Mädchen, die beider Leben von da ab bestimmt. Rhiannon lernt A. in unterschiedlichen Körpern kennen und lieben. Doch irgendwann müssen beide feststellen, dass dies auf Dauer nicht funktionieren wird und sie eine Entscheidung treffen müssen.

Neben den sympathischen Jungdarstellern ist es vor allem die Idee, die mich an diesem Film so fasziniert. Diese Idee ist größer, als dass sie in einem Film richtig ausgereizt werden kann. In den entfallenen Szenen gibt es Hinweise darauf, die tiefer in die Hintergründe des Seelenreisenden reichen. Da sie aber rausgeschnitten wurden, gehe ich davon aus, das sich die Filmemacher auf die Liebesgeschichte von Rhiannon und A. konzentrieren wollten. Was in dem Fall auch völlig richtig ist und den Film rund macht. Man hätte auch eine zusätzliche Ebene einbringen und die Geschichte aus der Sicht von A. erzählen können. Dann wäre es aber ein reiner Erwachsenen-Film geworden und die Liebesgeschichte wäre dem Hauptplot womöglich zum Opfer gefallen.

Mir gefielen die Gedankenspiele und die moralischen Fragen, die sich A. und später auch Rhiannon stellen müssen. Das ist intelligent und durchdacht, mit einem Hauch Phantastischem. Es erinnert ein wenig an »Die Frau des Zeitreisenden«, nur das es nicht ganz so traurig endet. Ich bin fast schon am überlegen, ob ich mir auch den Roman von David Levithan zulegen sollte.

Hier ist der Originaltrailer zum Reinschnuppern:

Auf der Zielgerade

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PERRY RHODAN NEO Band 198 – »Duell der Bestien« von Kai Hirdt

Die MAGELLAN gelangt mittels des Sechsecktransmitters nach Andromeda. Der ohnehin angeschlagene Perry Rhodan übersteht den Flug nur durch viel Glück und das Können der Mediziner. In Andromeda beschließt die Crew allen voran Rhodans besorgte Ehefrau Thora, nach Multidon statt ins Halit-System zu fliegen, um Mirona Thetin um medizinische Hilfe für Perry zu bitten.
Icho Tolot bricht derweil mit der DOLAN ins Halit-System auf, um auszukundschaften, wie die Lage dort ist und was ANDROS plant. Er stürzt mehr oder weniger freiwillig auf dem Heimatplaneten der Sitarakh ab und stellt sich dem finalen Kampf gegen die Bestie Masmer Tronkh. Durch einen jungen Sitarakh – oder einer Person, die sich als solcher ausgibt (ES?) – erfährt er, was es mit ANDROS, METEORA und dem kosmischen Schachspiel auf sich hat.

Kai Hirdt liefert mit »Duell der Bestien« erneut einen Roman ab, in dem die Charaktere nicht nur vor Lebendigkeit sprühen, sondern der auch in sich stimmig ist. Das der Autor ein Händchen für Dialoge hat, beweist er in diesem Roman zum wiederholten Mal. Thoras und Thetins Stutenbissigkeit sind einfach grandios geschildert. Überhaupt, lebt Thora zum ersten Mal seit vielen Romanen wieder so richtig auf.

Wobei sich das Hin und Her um Perry Rhodans Gesundheit ein wenig anfühlte, als ob der Autor Zeilen schinden müsse, damit Tolot genügend Zeit für seinen Kampf mit Masmer Tronkh bleibt. Tifflor und Sud sind gegenüber Rhodans Zustand praktisch hilflos. Atlans und Thoras Versuche mit der »Gedankenverschmelzung« bleiben ebenfalls erfolglos. Erst das Auftauchen von Tuire Sitareh holt Rhodan ins Leben zurück.

Schön beschrieben war Icho Tolots Kampf zunächst mit sich selbst und später mit der Bestie. Großartig auch die Idee, den brennenden Schwefel in den See zu leiten, um ein Säurebad herzustellen und damit die Schiffe der Bestien zu zerstören. Solche wissenschaftlichen Gedankenspiele freuen mich mehr, als die ins Phantastische gehenden Heilfähigkeiten von Sud.

Das einzige was mich ein bisschen ernüchtert: Auf sechs Seiten erfährt Icho Tolot und damit auch der Leser, die komplette kosmologische Hintergrundgeschichte der vergangenen knapp 200 Bände. Einfach so! Peng! Hier sind die Zusammenhänge! … Kann man das so machen? Ja! Sollte man es so machen? Vielleicht! Hätte ich es anders gemacht? Ich denke, ja! … Es gab in den vergangenen Staffeln genug Gelegenheit immer mal wieder ein Informationshäppchen einzubauen. Ich hätte es besser gefunden, wenn sich die Leser selbst ein Bild hätten erarbeiten müssen, als ihnen einfach die Lösung vor die Füße zu werfen. Was sprach dagegen, mehr auf die Hintergründe des kosmischen Schachspiels einzugehen? Allein in der laufenden Staffel sind mindestens drei Romane enthalten, die meiner Meinung nach eher Füllstoff waren. Auch auf die Gefahr hin, dass sich die Leser das Ende zusammenreimen können, fand ich den gewählten Weg nicht optimal.

»Duell der Bestien« ist eine unterhaltsame Geschichte, deren Charaktere aufs meisterliche ausgearbeitet sind und die durch Cliffhanger in den Kapitelenden ausgesprochen spannend daherkommt. Allein die lieblose Weitergabe der Informationen zum kosmischen Überbau der Serie hat mich geärgert. Ich wollte lieber mitraten und spekulieren und nicht die Geschichte des Ringens auf dem Silbertablett geliefert bekommen. Schade!

Mehr als ein Schnäppchen

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»Schlagen Sie dem Teufel ein Schnäppchen« ist das sechste Buch aus der »Happy Aua«-Reihe von Bastian Sick. Es erschien bereits 2017 und setzt gekonnt den lustigen Bilderreigen mit Irrungen aus der Deutschen Sprache fort.

Wenn man wirklich mies drauf ist und einem nichts aufzuheitern vermag, ist dieses Buch die Lösung. Ich saß diese Woche kichernd und lachend auf der Couch. Manchmal habe ich Minutenlang gelacht und mich kaum wieder eingekriegt. Dabei sind es meist die pointierten Bildunterschriften des Autors, die mich so sehr amüsierten. Die Fotos der Verfehlungen, seien es Preisschilder, Zeitungsausschnitte oder Speisekarten wären ohne seine Kommentare nur halb so lustig.

Die auf 224 Seiten abgedruckten Fotos stammen vorwiegend von Lesern aus Deutschland aber auch aus dem Ausland. Ich reiche ebenfalls regelmäßig meine Schnappschüsse ein. Inzwischen muss der Autor ein Archiv mit Tausenden von Fotos haben. Einige veröffentlicht er auf seiner Homepage. Dort kann man sich einen kleinen Eindruck verschaffen, was man so alles falsch schreiben kann.

Einige der Verfehlungen versteht man erst beim zweiten Durchlesen. Das sind meist aus Zeitungen stammenden Ausschnitte, bei denen der Sinn doppeldeutig ist. Bei manchen der Abbildungen spielt der Zufall eine tragende Rolle und macht beispielsweise aus einem Straßennamen und einem Wegweiser ein lustiges Duo, wie beim »Finanzamt« in der »Wolfsschlucht«. Diese beiden Schilder stehen allerdings nicht in Kulmbach, wie im Buch angegeben, sondern in Kronach, unterhalb der Feste. Ich habe sie selbst schon mal fotografieren wollen. Da hat der Einsender wohl die beiden Städte in Oberfranken verwechselt.

Wie gesagt: wer gern lachen möchte, bis ihm die Augen tränen, muss sich dieses oder ein anderes Buch aus der Reihe besorgen. Aber Vorsicht, ich würde es nicht in der Öffentlichkeit – zum Beispiel im Zug – lesen, das könnte unter Umständen irritierte Blicke der Mitmenschen nach sich ziehen.

Der Posbi-Diktator

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PERRY RHODAN Erstauflage Band 3007 – »Zeuge der Jahrhunderte« von Michelle Stern

Nachdem mich die beiden letzten Heftromane von Andreas Brandhorst und Uwe Anton nicht wirklich vom Hocker gehauen haben, gefällt mir der Roman von Michelle Stern umso besser.

Das dynamische Duo Atlan und Gucky gehen mit einer Zivilistin und einer Posmi auf eine Außenmission. An Bord der Raumstation WHEELER müssen sie einen Diktator entmachten, um die dort lebenden Posbis zu befreien, die der RAS TSCHUBAI den Weg nach Culsu weisen sollen.

Besonders die Passagen aus der Sicht der Zivilistin Marli sind großartig erzählt. Michelle Stern gelingt es, die Angst und die Vorurteile der Figur glaubhaft mit viel Sympathie zu vermitteln. Ihre Abneigung gegen Gucky und ihre Ehrfurcht vor Atlan sind erfrischend lebensnah.

Auch die Geschichte rund um die Posbis, die unter dem Posizid und der Datensintflut leiden und von einen Shelter-Programm unterdrückt werden, ist bis zur letzten Seite spannend.

Solche Geschichten lese ich gern, wenn eben nicht die großen kosmischen Ereignisse im Mittelpunkt stehen.

Aktuelle Bücherflut

Seit der Buchmesse stecke ich in einer nicht enden wollenden Bücherflut. Stimmt, ich habe sie selbst ausgelöst, merke jedoch inzwischen, dass ich nicht weiß, wann ich das alles lesen soll.

Zu allem Überfluss flatterte mit der letzten ESPost-Info ein Angebot ins Haus, dem ich nicht widerstehen konnte. 13 NEO-Platin-Editionen für 80 Euro! Da ich nur die ersten 11 NEO-Romane gelesen habe und dann erst wieder bei Band 75 eingestiegen bin, war das natürlich verlockend. Noch liegen sie im Karton, ich bin schon auf der Suche nach einem passenden Platz.

Den Einhorn-Comic hat mir mein Mann geschenkt. Es ist bereits Band 5 der Reihe.

Dann ist da noch ein Teil der Ausbeute von der Buchmesse und meiner letzten Bestellung bei Jokers. Das Sachbuch über Fotos auf dem Mac muss ich unbedingt zeitnah lesen, weil ich dem Verlag seit zwei Jahren noch eine Rezension schuldig bin. Bei den Ratgebern von Mandl&Schwarz kann man übrigens nichts falsch machen, die sind alle sehr gut.

Die Graphic Novel über Punks im Osten entdeckte ich durch puren Zufall. Der erste Eindruck ist nicht übel. Zum Glück sind Comics schnell gelesen.

Aktuell arbeite ich den Stapel Bücher von der Buchmesse ab. Das aktuelle Buch von Dirk Bernemann ganz oben auf. Das ist eher was für den Nachtschrank – viele kurze Einzelkapitel, die man schnell vor dem Schlafengehen lesen kann. Den Rest schaffe ich hoffentlich auch irgendwann. Luxusprobleme!

Neues aus der Eastside

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PERRY RHODAN NEO Band 197 – »Der Dimensionsblock« von Ruben Wickenhäuser

Das Situativ mit Perry Rhodan wird von der MAGELLAN geborgen, leider hat der Protektor keinerlei Erinnerungen mehr daran, wer er ist und wer die Menschen um ihn herum sind.
Derweil ist die AMUNDSEN auf dem Weg zur Eastside. Nach dem letzten Transmitter-Durchgang landet sie schwer beschädigt mitten in einem Trümmerfeld. Ihre ohnehin brenzlige Lage spitzt sich zu, als zwei rivalisierende Verbände der Azaraq (Blues) damit drohen, das Feuer zu eröffnen. Dem Ingenieur Alexander Kaspescu gelingt es die Kommunikation rechtzeitig wieder herzustellen, um ihre Notlage zu signalisieren. Die Azaraq lotsen daraufhin das terranische Schiff aus der Gefahrenzone und setzen ihren Kampf gegeneinander fort.
Mit einem Datenpaket von Faktor I im Gepäck steuert die AMUNDSEN das Ovi-System mit dem Planeten Moloch an. Den Empfänger der Botschaft orten sie auf der GELBSCHLEIER V, einem Seuchenschiff, das die Azaraq vor Jahren leer zurückgelassen haben.
Brent Dargas, Alexander Kapescu und drei Begleiter gehen an Bord. Hier bringt sie eine aggressive Flora in tödliche Gefahr, bevor sie endlich das Datenpaket an Faktor VII und Baar Lun übergeben können, die damit den Dimensionsblock initialisieren können. Er soll das Suprahet hindern auszubrechen, wenn die Transmitterstrecke aktiviert wird.
An Bord der Gelbschleier V befindet sich auch Tharvis Kerrek. Der ehemalige Gatasische Kommandant hat sich hierher zurückgezogen, um seinen Sohn zu betrauern, der einst von Perry Rhodan von der Seuche gerettet worden war. Er wird in die Begegnungen von Menschen und Faktor VII hineingezogen und erfährt nicht nur mehr über die drohende Gefahr für das Universum, sondern auch viel über sich selbst.

Die Länge der Zusammenfassung täuscht. Es scheint in diesem Roman viel zu passieren, doch einen richtigen Handlungsfortschritt enthält er nicht.

Ruben Wickenhäuser gelingt es zwar die handelnden Figuren sehr glaubhaft mit all ihren Sorgen und Nöten darzustellen, dennoch fühlt sich die Geschichte wie eine Wiederholung von Band 196 an. Wieder stehen Kämpfe gegen aggressive Pflanzen im Vordergrund. Warum in dem stillgelegten Schiff sich eine solche Flora überhaupt entwickeln konnte, wird am Ende eher beiläufig erläutert. Ebenso wie und warum Faktor VII und Baar Lun in die Milchstraße gekommen sind. Der Rest ist mit Beschreibungen, Innenansichten und Rückblenden gefüllt. Das liest sich alles etwas mühsam.

Vergebens wartete ich auf das Auftauchen einer Bestie, schließlich geben sie der Staffel ihren Namen. Stattdessen erfahre ich wie es den Azaraq nach der Ausrottung der tödlichen Seuche ergangen ist. Diese Informationen sind durchaus interessant, fühlen sich aber drei Romane vor dem Staffelende irgendwie fehl am Platz an.

Bitte nicht falsch verstehen, Ruben Wickhäuser macht das exzellent. Seine Beschreibungen sind plastisch, die Gedankengänge des Azaraq Kerrek über sein Volk und die Menschen haben viel Tiefgang. Ich halte diesen Roman für den bisher besten Beitrag des Autors für NEO, aber angesichts des bevorstehenden Finales habe ich einfache eine andere Erwartung an die Handlung.

Vieles erschließt sich mir auch auf logischer Ebene nicht. Warum muss das Datenpaket direkt übergeben werden? Hätte es nicht eine Übertragung von Schiff zu Schiff an anderer Stelle auch getan?
Warum betreten Dargas und sein Team das Seuchenschiff in den sichtlich beschädigten unteren Bereichen und nicht gleich auf der Kommandoebene, die unbeschädigt ist? Schließlich sollten sie einen Plan des Schiffes von Perry Rhodans letzten Besuch haben. Warum drehen sie nicht um, als sie die Gefahr erkennen und versuchen woanders anzudocken? In dieser Hinsicht muss ich Kapescu sogar recht geben, der sich genau darüber beschwert.

Überhaupt Kapescu! Der von Madeleine Puljic eingeführte Charakter nervt zwar ein wenig, zeigte aber großes Entwicklungs-Potenzial, dass gerade in einem solchen Roman hätte ausgeschöpft werden können. Stattdessen lässt man ihn einen idiotischen und sinnlosen Tod sterben. Die Anteilnahme und Rührung auf seiner Trauerfeier nehme ich keinem seiner menschlichen Begleiter ab, nicht so, wie sie den Ingenieur erlebt haben.

»Der Dimensionsblock«, so schreiberisch perfekt er auch in seiner Ausführung sein mag, hinterlässt den Eindruck von Bemühtheit. Die Exposé-Autoren versuchen fast schon krampfhaft alle Fäden zusammenzuknüpfen. Die Lockerheit, die die Staffeln in Andromeda und der Eastside ausgezeichnet haben, scheint verloren gegangen. Es bleibt zu hoffen, dass Kai Hirdt und Rüdiger Schäfer in den letzten verbleibenden Romanen vor Band 200 ein wenig mehr Spannung aufkommen lassen.

Im Reich der Chemie – Elemente und Moleküle

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Warum Chemie zu meinem absoluten Lieblingsfach in der Schule avancierte, weiß ich nicht mehr. Mathematik lag mir wegen der Zahlen nicht, in Physik mochte ich nur den Teil, der mit Atomen und Elektronen zu tun hatte, also keine klassische Mechanik und bei Biologie fand ich vor allem die Vorgänge in den Zellen faszinierend.

Dabei hat mir als Kind Chemie immer Angst gemacht. Wenn im Fernsehen irgendetwas mit qualmenden Reagenzgläser gezeigt wurde, habe ich umgeschaltet oder bin davon gelaufen. Ich erinnere mich da an die Folge »Clown Ferdinand und die Chemie«, bei der ich zu meiner Oma geflüchtet bin, weil meine Eltern den Fernseher nicht ausmachen wollten. Ich war auch ziemlich feige, wenn es darum ging, ein Streichholz anzuzünden (beim Ersten war ich etwa 12 Jahre) vom Anmachen des Gasherds ganz zu schweigen (weshalb ich immer den Elektro-Herd von meiner Oma erben wollte).

In der Schule aber war ich fasziniert von den Möglichkeiten der Chemie. Von den Eigenschaften der Elemente, die sich durch Verbrennung, oder dem Mischen mit Säuren oder Basen komplett verändern ließen. Dabei gefiel mir eher das theoretische Prozedere, als die praktischen Versuche. Wie gesagt, in der Hinsicht war ich eher feige. Von den abstrakten Gleichungen wurde ich geradezu angezogen. Ich konnte das damals ziemlich gut durchexerzieren und hatte keine Mühe, mir die vielen Elemente und ihre Eigenschaften zu merken. Kovalente-Bindung, Pauli-Prinzip, Komplex-Verbindungen, Valenzbindung das waren Themen, bei denen ich mich wohlfühlte. Ich hätte Chemie studieren können, wollte aber nicht, weil mich die Versuche abgeschreckt haben. Nach dem Grundstudium dachte ich kurzzeitig darüber nach Werkstoffwissenschaften im Hauptstudium zu wählen, habe mich dann aber doch für Medientechnik entschieden. Wer weiß, was aus mir geworden wäre, wenn ich zu den Werkstoffen gegangen wäre?

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Für Bücher, die sich mit Chemie befassen, bin ich noch heute zu haben. Und wenn sie dann so toll und informativ aufgemacht sind, wie die von Theodore Gray, erst recht. Sein erstes Buch »Die Elemente« steht schon seit längerem in meinem Bücherregal. Jetzt habe ich mir auch den Nachfolger »Moleküle« zugelegt. Den finde ich fast noch informativer, weil man sehr viel über Stoffe erfährt, die einem im täglichen Leben begegnen. So weiß ich jetzt, warum mehrere Zuckeraustauschstoffe zusammen gemixt werden, oder welcher Stoff Propangas beigefügt wird, damit wir es rechtzeitig riechen. Diese Informationen werden nicht nur mit schönen Bildern begleitet, sondern sind auch witzig geschrieben. So wird unterhalten und informiert.

Beide Bildbände kosten mit 17 Euro nicht viel Geld und sind überall erhältlich, wo es Bücher gibt. Ich habe »Moleküle« zum Beispiel in der Bahnhofsbuchhandlung gekauft. Eine Anschaffung die sich lohnt, nicht nur für Leute mit schulpflichtigen Kindern. Die beiden Bände machen im Bücherschrank auch richtig was her.

Psychoanalysen

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PERRY RHODAN NEO Band 196 – »Entscheidung auf Kahalo« von Susan Schwartz

Das Situativ mit Perry Rhodan erreicht den letzten Planeten in der Transmitter-Kette. Der Protektor hat große Gedächtnislücken und ist körperlich ziemlich mitgenommen. Dennoch steigt er aus, um den Transmitter zu aktivieren. Draußen erwartet ihn neben einer aggressiven Flora eine Bestie, die vor sehr langer Zeit von der Allianz als Wächter zurückgelassen worden war. Und dann ist da auch noch Hak Gekkoor der dem Terraner auf den Fersen ist und Rhodan an seinem Vorhaben hindern möchte.
Auf der MAGELLAN versuchen Tifflor, Sud und Bell McGraw noch immer John Marshall aus dem Koma zu erwecken. Unerwartete Hilfe bekommen sie dabei von Nathalie. John erwacht und berichtet von seinem Ausflug ins Creaversum, kann sich aber nicht mehr an Details erinnern. Er weiß nur, dass die MAGELLAN nach Kahalo aufbrechen muss, um Perry Rhodan wieder an Bord zu nehmen.

Bis zur Hälfte des Romans, dachte ich: Was für eine sensationell gut geschriebene Geschichte. Spätestens im letzten Drittel, war die Spannung raus. Der Autorin gelingt es zwar sehr gut, nicht nur Rhodans schwindendes Bewusstsein, sondern auch John Marshalls Gemütszustand und Nathalie Rhodans kindliches Gemüt glaubhaft darzustellen. Das ist stellenweise richtig anrührend und ergreifend. Ich war ein paarmal ersucht, nach dem Taschentuchspender zu greifen. Doch je länger sich die Handlung zieht, desto mehr geht dieser Zauber verloren. Rhodans Kampf auf Kahalo zuerst mit den Pflanzen, dann mit der Bestie und später mit Hak Gekkoor, war gut erzählt, zog sich für meinen Geschmack aber zu lange hin. Als Rhodan schließlich sein Ziel die Pyramiden erreicht, ging alles viel zu schnell, ohne das man eine befriedigende Antwort bekommen hätte, was da gerade mit Rhodan passiert. Das klang ein bisschen zu sehr nach Fantasy und Hokuspokus als nach Science Fiction.

Ohnehin, fragte ich mich gleich zu Beginn, wieso Rhodan plötzlich schon am Ende seiner Reise ist. Wie viele Transmitter hat er aktiviert? Warum hat man mir das nicht gezeigt, sondern nur erzählt? Und wieso kommt er am Ende beim Sechseck-Transmitter und dem falschen Kahalo heraus, wenn sich doch das echte Kahalo, auf dem er agiert, in der Nähe der Erde befindet? Und hätte er nicht in Andromeda herauskommen müssen? Schließlich zieht sich der Aufriss zwischen beiden Galaxien entlang. Außerdem warte ich immer noch auf Tuire Sitareh. Nachdem seine Geschichte in Band 195 im Mittelpunkt gestanden hatte, dachte ich, dass er nun endlich zurückkehren und Rhodan beistehen würde.

Auffällig waren die vielen nachträglichen Erläuterungen, z. B. warum das Situativ nicht direkt an den Pyramiden gelandet ist, oder warum es nicht in der Luft blieb. Fragte sich da die Autorin selbst, warum das nicht im Exposé gestanden hatte, oder wurde sie erst darauf aufmerksam gemacht? Solche Fragen wurden erst im letzten Drittel thematisiert, dabei hätte man das schon bei der Landung erklären können.

Der zweite Handlungsstrang mit John Marshall hatte eine ähnlich psychologische Ausrichtung. Man bekam viele Innenansichten geboten. John, dessen Besuch im Creaversum seine Psyche massiv angegriffen hat. Nathalie, die mit ihrer Andersartigkeit besser klar kommt, als die Erwachsenen um sie herum und Belle, die vor Sorge um John nur noch ein seelisches Wrack ist. Nicht jedem Leser wird soviel geballte Psychoanalyse gefallen. Susan Schwartz gab sich sichtlich Mühe die Emotionen der Figuren an den Leser weiterzugeben. Bei mir ist ihr das auch gelungen.

Jetzt zu einer Sache, die mich inzwischen massiv nervt und an der die Autorin keine Schuld trägt, sondern die den Exposéautoren anzulasten ist. Ich meine, die fragwürdige Beziehungskiste zwischen John Marshall und Belle McGraw. Ich habe Belle als Charakter immer gern gemocht. Meines Erachtens schadet diese fast schon krankhafte Fokussierung auf John Marshall der Figur sehr. Belle benimmt sich nicht mehr wie die professionelle, intelligente Frau, als die sie einst dargestellt wurde. Seit Wochen sitzt sie tatenlos an John Marshalls Krankenbett. Sie hat doch Aufgaben auf der MAGELLAN zu erledigen, warum geht sie diesen Aufgaben nicht nach? Warum ruft sie nicht mal jemand zur Ordnung, sondern lässt sie gewähren? Das halte ich für unglaubwürdig. Klar sie sorgt sich um John, aber warum vernachlässigt sie darüber ihre Pflichten? Das klingt nicht nach der Bell McGraw, die ich kennengelernt habe. Hier fehlt einfach ein Eric Leyden, der sie mal so richtig zusammenstaucht. Den scheinen die Expokraten, aber leider fürs Erste geparkt zu haben.

»Entscheidung auf Kahalo« ist ein guter Roman von Susan Schwartz, der brilliant hätte werden können, wenn sie die Handlung etwas gestrafft und ein paar mehr Antworten geliefert hätte.

Fledermäuse in Hannover

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Einer der schönen Nebeneffekte der Schreibseminare an der Bundesakademie Wolfenbüttel ist: man fährt am Ende des Wochenendes meist mit einer langen Liste an Lesetipps nach Hause. Sowohl Dozenten, als auch Seminarteilnehmer befruchten sich gegenseitig mit Tipps zu lesenswerten Romanen, Anthologien und Sachbüchern zum Thema Phantastik oder zum Schreiben.

Ein Titel wurde in den vergangenen Jahren immer wieder genannt. Kathrin Lange hat beim letzten Seminar derart euphorisch den Anfang des Buches gespoilert, dass ich mir den Roman des ehemaligen BA-Seminarteilnehmers gekauft habe. Dieses Mal als E-Book für lange Zugfahrten, falls mir der Lesestoff in Papierform ausgehen sollte.

»Fledermausland« wurde geschrieben von Oliver Dierssen einem Arzt aus Hannover. Sein Roman erzählt die ungewöhnliche Geschichte von Sebastian Schätz, der eines Tages feststellen muss, dass sich in seiner stinknormalen Realität mythische Geschöpfe (Anthropomorphe) tummeln. Bei den Begegnungen mit Ogern, Vampiren, Zwergen und Untoten erfährt er, dass es eine lichte und eine dunkle Seite gibt, denen die Kreaturen angehören, die allesamt zwanglos und unerkannt unter den Bewohnern Hannovers leben. Als er nach einem schief gegangenen Koppulationsakt mit seiner Freundin Kim überall herumerzählt, dass sie Sex hatten, fängt der Ärger erst richtig an. Denn was Sebastian nicht weiß, Kim ist eine Nymphe und der Kontakt zwischen Menschen und Anthropomorphen ist streng verboten und wird von der GEZ geahndet. Für Sebastian beginnt eine irrwitzige Jagd quer durch die mythische Parallelgesellschaft Hannovers.

Ich kann Kathrin Lange nur zustimmen, der Roman ist so schräg und abgefahren, dass man ihn unbedingt gelesen haben muss. Allein der Auftakt mit der Fledermaus im Schlafzimmer ist der absolute Brüller. Da hängt ein Mann mit der Hand im Jalousiekasten seines Schlafzimmerfensters fest, nur mit einem Handtuch bekleidet. Und das ist nur eines der vielen skurrilen Bilder, die der Autor innerhalb der Geschichte liefert. Von Kapitel zu Kapitel wird die Gegenwart des Protagonisten immer schräger, bis sich am Ende alles im Showroom eines Bordells mit einem großen Knall auflöst.

Ich hatte sehr viel Spaß mit diesem ungewöhnlichen Roman. Mir gefiel vor allem, wie langsam sich alles entwickelt. Aus den Augen des Ich-Erzählers heraus durfte ich miterleben, wie sich sein normales Leben als Studienanwärter wandelt. Wie er die verborgene Gesellschaft entdeckt, die sein Leben umkrempelt und er sich plötzlich von Vampiren und Untoten sowie anderen Figuren umgeben sieht.

Die lockere Sprache und die irrwitzigen Einfälle von Oliver Dierssen heben die Geschichte erfrischend aus dem Genre der Phantastik heraus. Nebenbei erfährt man einiges über die Stadt Hannover, ein wahrlich ungewöhnlicher Ort für einen solchen Roman. Absolut lesenswert für Fans von ungewöhnlichen und vor allem humorigen Geschichten.

Der Roman erschien 2009 bei Heyne. 2015 folgte ein E-Book-Release bei Fischer-Digital. »Fledermausland« ist überall dort erhältlich, wo es Bücher und E-Books gibt.